Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft etc. 39 zu klein, so konnten die Bedürftigen sich vom Ältesten ein weiteres Grundstück anweisen lassen. Starb eine Familie aber aus, so fiel ihr Land an die Gemeinde zurück (0. Stoll, Die Ethnologie der Indianerstämme von Guatemala, Leiden 1889, S. 5). Anderwärts fanden Neuverteilungen des bebaubaren Landes statt, jedoch ist nicht bekannt, nach welchen Zeiträumen sie vorgenommen worden sind. Während Rodung und Feldbau in der Hauptsache das Geschäft des Mannes war, ist die Bereitung der Speisen und die Weiterverarbeitung anderer Ackerbauprodukte (Gespinst- pflanzen z. B.) vorzugsweise Sache der Frauen gewesen und ist es heute noch. Die Maiskörner wurden (und werden noch heute) unter Zusatz von gebranntem Kalk oder auch Asche gekocht, dann gewaschen und enthülst und schließlich von den Indiane- rinnen auf Mahlsteinen mehrmals mittels einer steinernen Hand- walze gemahlen, um dann entweder auf tönernen Rösttellern in Fladenform geröstet (Tortillas) oder zu verschiedenartigen sonstigen Speisen (z. B. Tamales) oder Getränken (Posol, Atoll) verarbeitet zu werden. In vielen Gegenden wurde Mais oder Maniok auch zur Herstellung gegorener Getränke (Chicha) ver- wendet, während anderwärts solche aus Honig (Balch6 der Lacandonen) oder aus Agavensaft (Pulque) hergestellt wurden. Im allgemeinen herrschte vegetabilische Nahrung allenthalben sehr stark vor. Die Kleidung war bei den verschiedenen Stämmen sehr verschiedenartig und auch verschieden reichlich bemessen. Bei den nördlichen Stämmen war teilweise Fellkleidung üblich, bei den südlichen Stämmen wurden dagegen bastreiche Rinden gewisser Bäume mittels Einweichens in Wasser und Klopfens mit gerieften Holzkeulen zur Kleidung verarbeitet oder es wurden noch allgemeiner Baumwolle (meist für die Vornehmen) oder Magueyfasern gesponnen, mit Hilfe eines einfachen, überall in Mexico und benachbarten Teilen Mittel- und Nordamerikas gleichartigen Handwebeapparats gewoben und Kleider daraus gefertigt. Die Baumwollfäden verstand man mit pflanzlichen oder tierischen Farbstoffen zu färben. Die feinen Baumwoll- gewebe wurden auch wohl durch Stickereien oder Vogelfedern