66 Wirtschaftsgeschichtliche Skizze. raum eine ungestörte Entwicklung nach oben durchgemacht haben! Obgleich ich aber angesichts der gegenwärtigen Sachlage ınd der dadurch bedingten schwierigen Geschäftskrisis zu- zeben muß, daß die Verhältnisse zur Zeit in Mexico nicht ermutigend sind, so kann ich doch nicht umhin, optimistisch in die Zukunft zu blicken, denn die natürlichen Gegebenheiten des Landes sind so reich und mannigfaltig, daß Wirtschaft und Verkehr rasch wieder zu bedeutsamer Blüte kommen müssen, sobald einmal wieder eine längere Zeit des Friedens und un- gestörter Entwicklung anbrechen wird. Aber selbst in den gegenwärtigen Verhältnissen ist es für einen tüchtigen und tatkräftigen Deutschen nicht ausge- schlossen, daß er sein Glück in Mexico machen könnte, um so mehr, als der Bevölkerungsrückgang, so bedauerlich er an sich ist, doch in manchen Gegenden auch die Ellenbogenfreiheit vermehrt hat, die manchem unternehmungslustigen Mann zu mutigem Wagen besonders wertvoll ist. Wenn ich aber auch heute noch zu regerer Beteiligung deutschen Kapitals und deutscher Intelligenz am mexicanischen Wirtschaftsleben rate, so geschieht es freilich unter der Voraus- setzung, daß mit besonderer Vorsicht und einer zielbewußten Anpassung an die Landesverhältnisse vorgegangen werde. Zur Einwanderung unbemittelter deutscher Bauern möchte ich nicht raten, denn die klimatischen Verhältnisse sind selbst im außertropischen Teil Mexicos doch gar sehr von den unsrigen verschieden, auch die Eingewöhnung in die Bevölkerung der Umgebung und in die politischen Verhältnisse etwas schwierig, sofern es sich nicht um sorgfältig vorbereitete Kolonien in yesunden Gegenden, etwa des nördlichen Hochlandes, handelt*). Auch unbemittelte Handwerker, Maschinisten und sonstige kleine Leute würden, sofern sie nicht feste Anstellung von vornherein sicher haben, bei ihren nach europäischer Gewohn- heit recht hohen Ansprüchen in Konkurrenz mit der billiger arbeitenden Landesbevölkerung nicht leicht diejenige Stellung 1) Mehrfache Mißerfolge der letzten Zeit gehen allerdings in der Hauptsache auf völlig ungenügende Vorbereitung derselben zurück.