Bau und Oberflächengestaltung. 11

mengen so weit emporgebracht, daß sie der menschlichen Wirt-
schaft zugänglich wurden und haben damit dem schon vorher be-
deutenden Mineralreichtum des Landes neue Schätze zugeführt.
Später sind dann in langen Reihen quer über den Landkeil hinweg
gewaltige Vulkane bis zu bedeutenden Höhen emporgestiegen und
haben weithin das Land mit ihren Auswürflingen überschüttet.
Diese vulkanischen Aschen, Sande und Bimssteine sind in solchen
Massen über das Gelände ausgestreut und von den Bergeshöhen
nach den Geländevertiefungen hinabgeschwemmt und hinabge-
weht worden, daß sie zusammen mit dem Gebirgsschutt und Ver-
witterungsstaub dieselben großenteils erfüllten. Die Folge davon
ist, daß weite Flächen des gebirgigen Hochlands in Hochebenen
verwandelt wurden, die durch die höchsten Bergrücken noch von-
einander geschieden sind und aus ihrer ebenen Fläche da und
dort noch einzelne Berge oder Bergrücken inselgleich hervor-
ragen lassen, während ganz junge vulkanische Vorgänge stellen-
weise frische Vulkankegelchen und Lavafelder aufgesetzt oder
auch kesselförmige, später oft mit Seen erfüllte Maare aus-
geblasen haben, die Erosion fließender Gewässer aber tiefe
Schluchten (Barrancos mit sehr steilen Seitenwänden) ausge-
arbeitet hat. Leichte weiträumige Krustenbewegungen scheinen
außerdem nachträglich die Oberflächengestaltung des Hoch-
landes noch etwas verändert zu haben, und der ganze Block
des kontinentalen Mexico wurde in geologisch junger Zeit
noch gehoben, so daß marine tertiäre Ablagerungen bis 300 m
über den jetzigen Meeresspiegel emporreichen und dadurch an
der atlantischen Seite eine von Süden nach Norden an Breite
zunehmende, sanft gegen das Meer geneigte Küstenebene
schufen, an deren Rand wandernder Sand und Schlamm lang-
gezogene Lagunen vom Meere abgeschnitten hat. Daß im mexi-
canischen . Block die gebirgsbildende Kraft noch nicht völlig
zur Ruhe gekommen ist, das deuten die zuweilen heftigen Erd-
beben an, die namentlich im südlichen Teil des kontinentalen
Mexico ziemlich häufig sind. Das kontinentale, cisisthmische
Mexico stellt sich als ein gewaltiges Hochland dar, das sich
von etwa 20° nördlicher Breite an gegen die Nordgrenze des
Landes zu im allgemeinen langsam senkt und im Osten und

90 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
pflegen, und zwar in dem Maße, daß amerikanische Landwirte
in den nordwestlichen Staaten die Erfahrung machten, daß sie
billiger mit den teuren nordamerikanischen Arbeitern wirt-
schafteten als mit den mexicanischen, trotz der viel niedrigeren
Löhne derselben.

Als letztes großes Hindernis für die volle Entfaltung der
mexicanischen Landwirtschaft ist die noch immer ungenügende
Entwicklung des Verkehrswesens anzusehen, Wohl hat das-
selbe in den letzten Jahrzehnten ungeheure Fortschritte ge-
macht, aber noch immer sind weite Gebiete so weit von
modernen Verkehrswegen entfernt, daß ein Absatz der meisten
landwirtschaftlichen Produkte wegen zu großer Transportkosten
unmöglich ist und daher die landwirtschaftliche Tätigkeit natur-
gemäß auf Erzeugung der für den örtlichen Bedarf nötigen Pro-
dukte beschränkt bleiben muß. Darum gilt auch hier derselbe
Rat, der oben gelegentlich der Betrachtung des Bergbaues ge-
geben wurde, daß nämlich derjenige, der Neuanlagen beabsich-
tigt, der Entwicklung des Verkehrswesens größte Aufmerksam-
keit schenken muß, weil der Eröffnung neuer Linien auch
alsbald die wirtschaftliche Erschließung des betreffenden Ge-
bietes folgt oder zum mindesten folgen könnte.

Von allen in Mexico angebauten Nahrungspflanzen nehmen
die altheimischen Kulturgewächse Mais und Bohn en‘) noch
immer bei weitem die erste Stelle ein, nicht nur weil der größte
Teil des mexicanischen Volkes die daraus bereiteten Speisen
bevorzugt, sondern auch weil die außerordentliche klimatische
Anpassungsfähigkeit dieser Pflanzen die Kultur ebensowohl in
trockeneren als in feuchten Gebieten, im warmen wie im kalten
Land der Tropen (bis 3150 m hinauf), allerdings in verschie-
2 Obgleich die amtliche landwirtschaftliche Produktionsstatistik mit
großer Reserve anzusehen ist, so mögen doch die neuesten Produktions-
angaben hier mitgeteilt sein, weil sie wenigstens eine ungefähre Idee von
den erzeugten Mengen geben. 1923: Mais 2,578.683 t, Bohnen 118.685 t.
Die Zahlen werden so gewonnen, daß besondere Berichterstatter (teils
vom Landwirtschaftsministerium bezahlt, teils zu ehrenamtlicher Tätig-
keit vom Präsidenten ernannt) Schätzungen der Ernteergebnisse vor-
nehmen, denn die Landwirte würden auf direktem Weg aus Furcht vor
Steuererhöhungen keine richtigen Angaben über ihre Ernten machen.

Bodenbeschaffenheit.

17

massen. zu jähem oberflächlichem Abfließen zwingen („Schicht-
fluten‘“), wobei große Massen lockeren Erdreichs und Gesteins
mit nach der Tiefe verfrachtet werden.

In den Halbwüsten und Steppengegenden nimmt der oft
heftige Wind große Mengen Staubs auf und 1äßt denselben dann
später wieder fallen, wodurch vielfach eine gewisse Düngung
des Bodens bewirkt wird, namentlich in jungvulkanischen Ge-
genden, wie im Süden des mexicanischen Hochlandes. Die
Vulkane erweisen sich hier als die Wohltäter der Menschen,
insofern. sie durch ihre glutflüssig ergossenen, namentlich aber
durch ihre lockeren Fördermassen die Grundlage zur Heraus-
bildung sehr fruchtbarer, stark Kkalihaltiger Böden abgeben,
weshalb auch in diesen Gegenden die stärkste Bevölkerungs-
zusammendrängung stattgefunden hat. Vulkanische Aschen-
regen erweisen sich vermöge der raschen Aufschließbarkeit der
sehr feinen Partikeln schon in jüngster Frist nach dem Nieder-
gehen als wirksame Düngemittel, während Lavaströme aller-
dings wegen ihrer schweren Zersetzbarkeit sich jahrhunderte-
Jang der intensiveren landwirtschaftlichen Ausnutzung ent-
ziehen.
Wir erkennen aus diesen Andeutungen, daß der Boden
Mexicos zwar auf weiten Strecken sehr günstig ist, auf vielen
anderen aber auch mäßig oder geringwertig, so daß ein all-
gemeines Urteil nicht möglich ist und der Neusiedler sich auch
erst an Ort und Stelle von der Beschaffenheit des Bodens und
Klimas vergewissern muß, ehe er an einen Kauf oder eine
Pacht geht!

Wenn eine bald wirksame chemische Düngung hauptsäch-
lich oft durch feine Aschen bewirkt wird, so verbessern ander-
seits vielfach schwer zersetzliche Lapilli und Bimssteine die
vorhandenen Böden physikalisch durch Zurückhalten der Feuch-
tigkeit. Naturgemäß ist die Bedeutung der vulkanischen Aus-
würflinge als Bodenbildner um so geringer, je ferner man den
Vulkanen ist; aber der größte Teil des mexicanischen Gebiets
erhält durch Wind, Flüsse oder Küstenströmungen gelegentlich
vulkanische Materialien, teils von eigenen, teils von fremden
Feuerbergen,. wie denn z, B, 1902 ganz Chiapas und große Teile
Sapper, Mexico.

L38

Wichtigste benutzte Literatur,

Escobar, R., Las lluvias de Mexico (Memorias de la Sociedad
Antonio Alzate 1904).
Rapport du general. Porfirio Diaz sur les actes de son admini-
stration 1900—1904. Paris 1905.
Smith, J. R., The economic importance of the plateaux in tropic
America (Bull. of the American Geogr. Soc, S. 461 #.) 1905.
Bernius, K., Parras, Berlin 1905.
Le Mexique au debut du XX. siecle. Paris ohne Jahreszahl (1905).
2 Bde,
George, P., Das heutige Mexico und seine Kulturfortschritte.
Jena 1906. ;
Sievers, W., Allgemeine Länderkunde. Kleine Ausgabe I. Leipzig
und Wien 1907,
Endlich, R., Über den gegenwärtigen Stand und die Aussichten
der Guayuleindustrie (Tropenpflanzer, S. 449 ff), 1907.
Zürn, R., Besiedlungsmöglichkeiten in Mexico (Globus XCOI,
S. 181 ff).
Zahn, G. W. von, Der Isthmus von Tehuantepec (Zeitschrift der
Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 1907).
Wittich, E., Skizze der Entwicklung des Bergwesens in Mexico
'Humbolät-Festschrift). Mexico 1910,
Gamio, M., La Poblacion del Valle de Teotihuacan. Mexico 1922.
3 Bde,
Bell, P. L. und Mackenzie, H. B., Mexican West Coast and
Lower California. Washington 1923.
Lopez, Elpidio, Regiones mas amenazadas por las heladas
prematuras, Mem. Antonio Alzate, T. 38 (1917). S. 315 ff,
Atlas termopluviometrico de la Republiea Mexieana.
Tacubaya 1924.
Kurzer Bericht über die wirtschaftlichen Fortschritte Mexicos.
Hamburg 1923.
Abbott, B. T., Die Landwirtschaft in Mexico. Mexico o. J.
McCutchen-MeBride, G., The land systems of Mexico. New
York 1923.
A Handbook of Mexico. London (1919).
Terry, T. Ph., Guide to Mexico. Boston 1923,
Beals, C., Mexico. New York 1928.
Schnitzler, H., The Republic of Mexico. London 1924.
Goldschmidt, A., Mexico, Berlin 1925,
YArpi, M., Messico. Bergamo 1924,
Aguirre, A., Informe (sobre el) Territorio de Quintana Roo.
Tacubaya 1925.
Schmidt, Geo A., Mexico. 2. Aufl. Berlin 1925.
Callegari, 6. V., Messico. Roma o. J. (1925).

Abb. 23. Silberbergbaugebiet von Pachuca, Seilbahn vom Schacht
zur Aufbereitung.

Abb. 24. Guanajuäto, Stauwerk.

Aus Brehme, Mexico. Verlag Ernst Wasmuth, Berlin.

162

Anhang.

unter anderem Textilfabriken auf (2 Wolle, 7 Baumwolle). Die Hauptstadt
Tlaxcala (2286 m) zählt etwa 2800 Einwohner. Mehrere Bahnen gehen
Jurch das Land. N

Der Staat Veracruz, im Südwesten des Golfs von Mexico gelegen,
weist einen Flächeninhalt von 71.896 km? mit 1,165.104 Einwohnern (1921,
162 pro km”) auf. Da sich in seinem Gebiet der höchste Berg Mexicos, der
mit ewigem Schnee gekrönte Pic von Orizaba bis 5580 m ü. M. erhebt, so
ünden sich im Staat alle Wärmegürtel der Tropen: die Küstenebene ist
sehr heiß: San Juan de Ulua bei Veracruz, in 19° 12’ n. Br., 16m ü. M.,
Jahresmittel 22°2 (Juni 278, Februar 211), in mäßiger Höhe gemäßigt:
Jalapa (Hauptstadt, 1910: 27.600 Einwohner), in 19° 32’ n. Br., 1399 m
ü. M., 17°5° (Mai 20°5, Januar 14’2), auf den Höhen kalt (Schneegrenze um
1500 m). Der Regenfall ist an der Küste gemäßigt: San Juan de Ulua im
Jahr 1556 mm (Juli 325°6, März 2‘8), an den Hängen beträchtlich: Orizaba
in 18° 51’ n. Br. und 1248 m Höhe, 2201 mm (August 415’8, April 30:6).
Die Flüsse sind großenteils wasserreich und stellenweise selbst für größere
Dampfer schiffbar. In der breiten Küstenebene machen sich streckenweise
Sabannen bemerklich, an den Hängen herrschte ursprünglich überall
regenfeuchter Urwald, höher oben spielen Eichen- und Kiefernwälder,
oberhalb 4000 m Grasfluren eine Rolle.

Die Erdölindustrie ist maßgebend in der Küstenebene und fördert
sowohl Leichtöl wie Schweröl. Der Hauptausfuhrhafen ist Tampico
(Tamaulipas). Die Wälder liefern Hölzer, Arzneipflanzen (Sarsaparilla und
Jalapawurzel) und Gewürze (Vanille).

Der private Landbesitz verteilte sich 1910 auf 1954 Personen,
während 98°9% der Familienväter der ländlichen Bevölkerung besitzlos
waren. Die Regierung hat 1915—1923 54 von 186 Gemeinden mit Ejidos
bedacht.
Die Landwirtschaft baut außer den gewöhnlichen Feldfrüchten
Kaffee, Zuckerrohr, Tabak, etwas Baumwolle (1923: 37t) und Reis in
beträchtlichen Mengen an, dazu im Hochland Pulque (25.000 Faß zu 2501
1923). Der Viehstand betrug 1924 206.656 Rinder, 22.785 Pferde, 8098
Maultiere, 30.331 Schweine, 22.412 Schafe und 24.390 Ziegen,

Die Industrie wies im Jahre 1924 außer Ölraffinerien unter anderem
13 (10 tätige) Baumwollfabriken mit 8470 Pferdekräften, 160.000 Spindeln,
5392 Webstühlen und 7000 Arbeitern auf. Die Hauptstadt J alapa
(27.600 Einwohner), 1399 m ü. M., in 19° 32’ n. Br. gelegen, liegt im Zentrum
eines Kaffeegebiets; Baumwoll- und Tabakfabriken, Brauerei. —
Orizaba, 1225 m, ebenfalls im Kaffeegebiet. Große Brauerei. Baumwoll-
spinnereien in der Nachbarschaft. Einige Bahnen durchziehen den Staat;
die Haupthäfen sind Veracruz (ca. 50.000 Einwohner, einst gefürchtet
wegen Gelbfiebergefahr, jetzt saniert) mit sehr bedeutendem Handel.
Tuxpam, an der Mündung des Rio Tuxpam, Ausfuhrhafen von Erdöl.

Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft etc. 39
zu klein, so konnten die Bedürftigen sich vom Ältesten ein
weiteres Grundstück anweisen lassen. Starb eine Familie aber
aus, so fiel ihr Land an die Gemeinde zurück (0. Stoll, Die
Ethnologie der Indianerstämme von Guatemala, Leiden 1889,
S. 5). Anderwärts fanden Neuverteilungen des bebaubaren
Landes statt, jedoch ist nicht bekannt, nach welchen Zeiträumen
sie vorgenommen worden sind.

Während Rodung und Feldbau in der Hauptsache das
Geschäft des Mannes war, ist die Bereitung der Speisen und
die Weiterverarbeitung anderer Ackerbauprodukte (Gespinst-
pflanzen z. B.) vorzugsweise Sache der Frauen gewesen und ist
es heute noch. Die Maiskörner wurden (und werden noch heute)
unter Zusatz von gebranntem Kalk oder auch Asche gekocht,
dann gewaschen und enthülst und schließlich von den Indiane-
rinnen auf Mahlsteinen mehrmals mittels einer steinernen Hand-
walze gemahlen, um dann entweder auf tönernen Rösttellern in
Fladenform geröstet (Tortillas) oder zu verschiedenartigen
sonstigen Speisen (z. B. Tamales) oder Getränken (Posol, Atoll)
verarbeitet zu werden. In vielen Gegenden wurde Mais oder
Maniok auch zur Herstellung gegorener Getränke (Chicha) ver-
wendet, während anderwärts solche aus Honig (Balch6 der
Lacandonen) oder aus Agavensaft (Pulque) hergestellt wurden.
Im allgemeinen herrschte vegetabilische Nahrung allenthalben
sehr stark vor.

Die Kleidung war bei den verschiedenen Stämmen sehr
verschiedenartig und auch verschieden reichlich bemessen. Bei
den nördlichen Stämmen war teilweise Fellkleidung üblich, bei
den südlichen Stämmen wurden dagegen bastreiche Rinden
gewisser Bäume mittels Einweichens in Wasser und Klopfens
mit gerieften Holzkeulen zur Kleidung verarbeitet oder es
wurden noch allgemeiner Baumwolle (meist für die Vornehmen)
oder Magueyfasern gesponnen, mit Hilfe eines einfachen, überall
in Mexico und benachbarten Teilen Mittel- und Nordamerikas
gleichartigen Handwebeapparats gewoben und Kleider daraus
gefertigt. Die Baumwollfäden verstand man mit pflanzlichen
oder tierischen Farbstoffen zu färben. Die feinen Baumwoll-
gewebe wurden auch wohl durch Stickereien oder Vogelfedern

78 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
Staat schließlich zu, daß Konzessionen, die vor 1917 erworben
worden waren, nicht unter die Bestimmung dieses Gesetzes
fallen sollten. Aber die Unruhe wuchs erneut und führte zu
energischem Widerspruch der Bergwerksbesitzer, als 1926 ver-
langt wurde, daß jedes Bergwerk sich bis 1. Januar 1927 bei
der Regierung eintragen lassen sollte, um eine auf 50 Jahre
befristete Konzession zu erhalten — eine Vorschrift, die am
Widerstand der Nordamerikaner scheiterte.

2. Wirtschaftliche Ausnutzung der wilden Pflanzen-
und Tierwelt.

Die Mineralschätze sind ein Geschenk der Natur, mit denen
in vergangenen Erdperioden bestimmte Gebiete (im kontinen-
talen Mexico hauptsächlich der Nordwesten und die mittleren
Gegenden) bedacht worden sind und die sich mit verschwindend
geringen Ausnahmen (z. B. vulkanischer Schwefel) nicht wieder
ergänzen und daher nach einmaligem Abbau für immer ver-
schwunden sind; die natürliche Ausstattung der Erde mit
Pflanzen und Tieren ist zwar auch in der Hauptsache ein Ge-
schenk vergangener Zeiten, aber hier ist bei Fortbestehen der
einst maßgebenden Klima-, Bewässerungs- und Bodenverhält-
nisse bzw. Ernährungsbedingungen dem Menschen bei vernünf-
tigem Maßhalten die Möglichkeit geboten, diese Gaben der
Natur für seine Wirtschaft zu verwerten und doch immer wieder
genügenden Nachwuchs erwarten zu können. Ja, es ist ihm die
Möglichkeit gegeben, künstlich die Wachstumsbedingungen der
gewünschten pflanzlichen und tierischen Lebewesen zu ver-
bessern und damit ihre Zahl und Beschaffenheit zu erhöhen, Das
gilt nicht nur von den Kulturpflanzen und Haustieren, deren im
nächsten Abschnitt gedacht werden soll, sondern auch von den
wildwachsenden Lebewesen. Leider muß hier festgestellt
werden, daß dieses vernünftige Maßhalten namentlich in der
Ausnutzung der Pflanzenwelt nicht stattgehabt hat und
daß darum gegenwärtig stellenweise entschiedener Holzmangel
herrscht, der neuerdings durch die Verbesserung der Transport-

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wiesen.“ Hamburger Börsenhalle.

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Auch die den Ingenieur vor allem interessierenden Tatsachen der Güter-
erzeugung sind vollständig mitgeteilt.

Im ganzen verdient dieses Meisterwerk deutscher Wissenschaft unein-
geschränktes Lob; sein Studium ist jedem, der die Zusammenhänge der
gegenwärtigen Wirtschaft verstehen will, zu empfehlen.“ VDI-Nachrichten,
VERLAG VON L. W. SEIDEL & SOHN IN WIEN I, GRABEN 29

Ausführliche Prospekte gerne gratis

Mexicanische Wirtschaft etc.

49

aaß die Landwirtschaft Neuspaniens durch selbstsüchtige Ge-
setze des Mutterlandes in ihrer Entwicklung künstlich gehemmt
wurde, indem lange Zeit der Anbau von Tabak Regierungs-
monopol, der von Weinreben und Ölbäumen aber überhaupt
verboten war.

Während so die Landwirtschaft von der Regierung geradezu
niedergehalten wurde, wurde der Bergbau von ihr in jeder
Weise gefördert und gab daher während. der ganzen Kolonial-
epoche, mit Ausnahme des durch Kriegswirren heimgesuchten
letzten Jahrzehnts, gute Ergebnisse, Humboldt schätzte den
Ertrag der Minen in Mexico von Beginn der spanischen Besitz-
ergreifung bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts auf 2 Milliarden
Pesos, die Zahl der Minenarbeiter am Anfang des 19. Jahr-
hunderts auf 30.000. Auch für die Besiedlung des Landes waren
die Bergbauunternehmungen bedeutungsvoll, indem sich daraus
vielfach neue Städte entwickelten, wie Guanaxuato, Zacatecas,
Catorce, Fresnillo u. a. Außerdem hat der Bergbau an vielen
Stellen den Ackerbau erst zur Entwicklung gebracht, und wenn
der Bergbau aufhörte, so blieb der Feldbau an den betreffenden
Stellen meist auch fernerhin bestehen.

Im Gegensatz zum Bergbau kamen Industrie und Gewerbe
während der Kolonialzeit zu keiner Blüte. Die gewerbliche
Tätigkeit der Indianer dauerte auf dem Lande in abnehmendem
Maße, aber gleichartig wie früher, fort; in den Städten dagegen
herrschte das europäische Handwerk neben einigen größeren
industriellen Anstalten, so Spinnereien, Webereien?), Gerbereien,

1) Recht leistungsfähig waren (nach Mühlenpfordt) die Baum-
woll- und Wollspinnereien und „webereien von Puebla, Quer6taro,
8, Miguel el Grande und der Intendanz Guadalajära. „Die letzteren pro:
Aduzierten um 1802 an Wollengeweben für 1,601.200 Pesos jährlich. Die
Produktion der Intendanz Puebla an Baumwollengeweben hatte vor der
Revolution einen Wert von 1,500.000 Pesos im jährlichen Durchschnitt,
war aber nicht das Erzeugnis eigentlicher Fabriken, sondern einzeln
arbeitender Spinner und Weber, besonders in den Orten Puebla (wo man
allein an 1200 Kattunweber zählte), Cholula, Huejocingo und Tlaxcäla,
Queretaro verbrauchte jährlich an 4000 Zentner Baumwolle und 1600
Zentner einheimischer Wolle zu seinen Geweben. Es befanden sich daselbst
20 große und 300 kleine Wollenzeugmanufakturen. In ersteren arbeiteten

mehr als 200 Meister und 1500 Gesellen.“

Sapper. Mexico.



Tabellen.

131

Tabelle X.
Ziegenbestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes .
Baja California
Campeche . .
Coahuila .
Colima ...
Chiapas ....
Chihuähua . . .
Distrito Federal
Durango ..
Guanajuäto.
Guerrero
Hidalgo

Jalisco

Mexico

Morelos .
Michoacän .
Nayarit . ..
Nuevo Leön,
Oaxäca . ..
Puebla ...
Queretaro ...
San Luis Potosi
Sinaloa . ..
Sonora ..
Tabasco . . .
Tamaulipas.
Tlaxcala. . ..
Veracruz .
Yucatän . .
Zacatecars
Republik

Bestand

Anderung
seit 1902
in Prozenten

. pro 1000 Ein-
Pro nt wohner von 1921
(abgerundet?)
28.367 — 25% “
3.625 —11°0 0:03
566 + 1280:0 0:01
244.947 — 602 2
2.281 — 69 0:48
1.500 — 525 0:02
13,850 — 436 0:18
3.052 4 170:0 2
106.281 —801 0:86
193.525 —1938 6
33.936 —128 0:52
51.212 + 238 2
66.605 2060 0:83
22.550 m vl 1
1.176 —684 0:23 N
28.122 — 241 0:45 30
7.946 + 2660 0:29 51
179.817 — 808 2 53%
66.091 — 41 0-71 70
98.826 — 49:0 3 97
42.400 —41% 3:7 193
89.972 — 827 1 202
6.830 + 6690 011 20
8.548 +125°0 0:04 31
2.000 + 18:4 0:78 a1
143.098 — 46:0 17 497
8.612 —829 1 20
24.390 +25 0:38 21
1.200 + 38390 0:08 4
„359-270 — 168 x 95
1.865.540 __ 55:6 0:95 181

Tabelle IT (Fortsetzung).
E

3. Die nördlichen Hochlandgebiete:

Nuevo Leön .........4
Coahuila +...
Chihuähua + 2.000.000...
Durango . 0.200...

4. Die südlichen pazifischen Küsten-
gebiete;
ÖÜRAXÄCH x ı 4 4 k 8 NH MR
Morelos ..........
Guerrero 2... ....0..0.
Michoacän (halb) ......
Jalisco (halb). ......
Colima 2...

Einwohner Volksdichte pro km?
1910 1921 1910 1921
65.108 365.150 336.412 561 517
150.395 362.092 394.341 241 2:62
245.612 405.707 401.622 1:65 1:64
123.520 483.175 338.511 391 2-74
584.630 1,616.124 1.471.886 78

Bevölkerungs-
änderung
in Prozenten
seit 1910
— 79
+ 89
— 10
— 300
— 89

94.211 1,040.398 949,978 11:04 10:08 — 817
4.964 179,594 108.519 3618 20:85 — 424
64.458 594.278 531.565 9:22 825 — 10%
30.042 ca. 330.600 (!/,) ca. 312.000 (*,) ca. 11:02 °-.. ca. 104 — 579
10.342 ca. 403.000 (4/;) ca. 391.300 (1/3) ca. 10:0 ca. 98 — 291%)
_ 5.205 77.704 91.749 14:98 1768 ° + 181
289.222 ca. 2.626.000 ca. 2,380.000 ca.11°0 ca. 10:0 — 94

S

5. Westliche pazifische Küsten-
gebiete:
Nayarit (Tepie). ....... 27.053 171.173 157.098 6:33 581 — 82
Sinaloa . ........... 58488 323,642 341.265 5:58 583 + 54
Sonora . ......0..... 182.553 265,388 275.127 1:45 1:51 + 35
268.094 760.198 773.485 #8 29 + 17
1) Je Gesamtstaat,

Tabelle II (Fortsetzung).

6. Atlantische Küstenstaaten des kai? Einwohner
mexicanischen Blocks: 1910 1921
Veracruz ....0.0000004040 4 71.896 1,132.859 1,165.104
Tamaulipas .......... 79.602 ] 249.641 287.957
151.498 1,382.500 1,453.061
Mexicanischer Block ......1,580.288 ca. 14,047.000 ca. 13.114.000 ca. 8°9 ca. 8°3 — 66
Inseln 0 5.475 684 012
Niedercalifornien ........ 144.098 52.272 62,831 0:36 044 + 202
Cisisthmisches Mexico, . .. . 1,729.806 ca. 14.099.000 ca. 18,177.000 ca. 82 ca. 7°6 — 65
Chiapas und Tabasco:
Chiapas ..0.00.0.0.00.000400 4 74.415
Tabasco ........... 25.337
99.752
Die Halbinsel Yucatän:
Yucatän .. 0.0.0000... 38.508 339.618 324.408 8:82 8:42 — 45
Campeche .......... 50.952 86.661 70.087 1:70 1:38 — 191
zuintana Roo. ........_ 50.187 9.109 10.966 _ 0:18 __ 0:22 + 20:4
139,597 435,383 405.461 ca. 3'1 ca. 2°9 — 69

Bevölkerungs-
Volksdichte pro km? änderung
1910 1921 in Prozenten
seit 1910
15:76 16:21 + 28
814 362 + 154
91 9 + 51

438.843 422,683 5°90 5:68 — 37
187,574 178.389 7:40 7°04 — 49
626.417 601.072 ca. 6°3 ca. 6°0 — 40

1,006.538 ca. 4'4 ca. 42 — 52 [ss
ca. 14.190.000 ca. 75 ca. 71 58 Ss

Transisthmisches Mexico .... 239.349 1,061.800
Republik Mexico (mit den Inseln) 1.969.155 ea. 15.061.000

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20
Wirtschaftsgeographische Kartenskizz,
Van
3 100 200 300 400 S00km
Kate ll
(Grundlage Stielers Handatlas, 9. Aufl. NZ° 92),
Entworfen mit Unterstützung von Geo A. Schmidt u.W.Staub
von DF Karl Sapper. ,
Bemerkung: Die Bezeichnungen bedeuten Verbreitungsgebiete
nicht AnbauFlächen. .
Die Ein-und AusFahrzahlen (E.u.A) der hauptsächlichsten Häfen-
und Landzollstätten beziehen sich auF das Jahr 1924, die Zahlen
*  >utan Millionen Pesos (abgerundet).
"inkearrahr- "Baumwolle g===% Hauptgebiete der Pulgueerzeugung
“> Bananen "mn
nf) "FürAusFuhr‘)
4...) Hauptgebiete der Mahagoni-w.Chicle-Gewinnung

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Gez.v. A.Löber.
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Kartenbeilage zu Sapper. Mexico, 2. Ausgabe

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Wichtigst&

Häfen- und Landzo!'stäten:

& mit mehr als 100 Mill.Pesos desamthr
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Varları von 1. W. Seidel & Sohn in Wien.

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 57

geleitet, der zu einem sehr befriedigenden Stand des wirtschaft-
lichen Lebens geführt hatte. Wenn dieses hier zugegeben sein
soll, so darf aber anderseits auch nicht verschwiegen werden,
jaß die Entwicklung nur stellenweise auf der Höhe der Zeit
stand, während noch auf weiten Flächen des Landes ganz
primitive oder wenigstens ziemlich rückständige Wirtschafts-
und Verkehrsverhältnisse herrschten und noch herrschen. Das
xilt insbesondere für die Gebiete mit stark vorwiegender oder
gar ausschließlicher Indianer bevölkerung, obgleich auch
hier recht große Verschiedenheiten sich zeigen: die wenigen
heidnischen Indianer weltentlegener Gebiete (Lacandones, Tara-
humares, Huicholes u. a.) und gar manche christliche Indianer
wirtschaften noch fast ganz in der alten vorkolumbischen Weise;
sie haben dieselben Haustiere, Kulturpflanzen und Kultur-
methoden, treiben Fischfang und Jagd wie früher, Handel und
Verkehr sind ziemlich gleich geblieben, und nur die Benutzung
einiger eiserner Werkzeuge, die in kleinstem Maßstab betriebene
Zucht einiger eingeführter Haustiere erleichtern ihnen das Leben
etwas mehr. Bei ihrer Bedürfnislosigkeit sind sie auch kaum in
nennenswertem Maß Abnehmer von Waren verschiedener Art,
und da sie zudem die Arbeit in fremden Diensten scheuen,
scheiden sie als Faktoren der mexicanischen Wirtschaft fast
ganz aus. Die große Mehrzahl der christlichen Indianer hat
bereits ihre wirtschaftliche Tätigkeit wesentlich mehr von der
auropäischen Kultur beeinflussen lassen, und wenn auch im
allgemeinen Lebensweise und Ackerbau, stellenweise auch
Handel und Verkehr noch so ziemlich im alten Stil vor sich
gehen, so ist doch die Zahl der europäischen Kulturelemente
in ihrer Wirtschaft bereits wesentlich größer; wohl halten auch
sie zumeist an den alten Nutzpflanzen und Kulturmethoden
fest, wohl ist der alteingebürgerte Truthahn noch immer ein
besonders häufiges Haustier bei ihnen; sie haben noch immer
vorzugsweise die alten Speisen und Speisebereitung, noch wird
vielfach die alte industrielle Tätigkeit geübt (Mahlsteinverferti-
gung, Töpferei, Spinnen und Weben, Seilerei, Mattenflechten
u. 8. w.), neben mancher neuen (Hutflechten z. B.); noch werden
industrielle und landwirtschaftliche Produkte im Hausierhandel



Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft ete. 35

durch Verträge seiner Interessensphäre einbezogen zu haben.
Neben den genannten Reichen bestand aber noch eine ganze
Zahl unabhängiger kleinerer Staatswesen und Stämme, die wohl
an Macht, nicht aber immer wesentlich am Kulturhöhe den
Azteken oder Mayas nachstanden., Insbesondere standen die
Zapoteken und die den Mayas stammverwandten Völker von
Chiapas und Tabasco auf einer ansehnlichen Kulturhöhe, und
auch die übrigen Stämme des Südens waren mehr oder weniger
von diesen Kultureinflüssen durchtränkt. Da zudem die Haupt-
kulturen sich gegenseitig stark beeinflußt und dadurch assimi-
liert hatten, so war im ganzen Süden und Zentrum des gegen-
wärtigen mexicanischen Staatsgebiets eine trotz zahlreicher
Abweichungen im einzelnen doch ziemlich einheitliche Kultur
von beträchtlicher Höhe vorhanden, mit wohlorganisierten,
streng aber gerecht regierten, teils monarchischen, teils republi-
kanischen Staatswesen, mit fester sozialer Gliederung des
Volkes in Vornehme, Freie und Sklaven, mit nicht unbeträcht-
licher höherer Bildung (Kalenderwesen, Bilder- oder Hiero-
glyphenschrift) und sorgfältig ausgedachten Religionssystemen,
deren Kultus freilich oft barbarische Züge zeigte (Menschenopfer
und Kannibalismus, besonders viel geübt bei den Azteken). Die
Stämme des nördlichen außertropischen Mexico standen zu-
meist auf viel niederer Kulturstufe und waren in dieser Hinsicht
den Indianerstämmen des gegenwärtigen Gebiets der Ver-
einigten Staaten von Nordamerika etwa gleich, mit denen sie,
zum Teil wenigstens, auch verwandtschaftliche Beziehungen
verbanden.
Da der Reichtum des Landes an Jagdwild und Fischen nur
mäßig war, so war die Bevölkerung zur Ernährung in den dünn-
bewohnten Gebieten teilweise, in den stärker besiedelten fast
ausschließlich auf Ackerbau angewiesen. Freilich wurden im
kleinsten Maßstab auch Haustiere (Truthühner und haarlose,
nichtbellende Hunde) gehalten, um durch ihr Fleisch bzw. auch
Eier die Tafel zu verbessern; aber Viehzucht im großen fehlte,
und das Halten gezähmter Wildtiere, das noch heutzutage viel-
fach bei abgelegenen Indianerstämmen gefunden wird, war auch
damals schon lediglich zum Vergnügen der Hausbewohner be-

14

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

gewonnen (1924: 24.647 kg), womit Mexico. an vierte Stelle
unter den golderzeugenden Ländern getreten ist. Gold kommt
häufig gediegen in Quarzriffen oder Alluvialabsätzen vor, sehr
häufig auch in Begleitung von Silber, Kupfer und anderen
Metallen. Die wichtigsten Goldvorkommen sind in den Staaten
Mexico (1924: über */, der Gesamterzeugung, besonders El Oro),
Hidalgo (*/s, Pachuca, Real del Monte) Michuacän (*/,, besonders
Tlalpujahua), Chihuähua (*/,,, besonders Santa Bärbara), Guana-
juato, Jalisco und Zacatecas. |

Blei kommt als Bleiglanz, der oft silber- und goldhaltig ist,
hauptsächlich in Form von Gängen in Kreidekalken in großen
Mengen vor und wird in neuerer Zeit in wachsendem Maß aus-
gebeutet, so in den Staaten Chihuähua (über */, der Gesamt-
gewinnung, besonders Santa Bärbara, Santa Eulalia und Villa
Ahumada), Coahuila und Nuevo Leön (bei Lampazos), wo Blei-
glanz in Verbindung mit Zinkblende auftritt. Der Gesamtertrag
belief sich 1924 auf 165,000.000 kg.

Kupfer kommt in Mexico vielfach vor, zum Teil mit Gold
und Silber vergesellschaftet. Die Gesamtgewinnung belief sich
1924 auf 50 Millionen kg, wovon Sonora über die Hälfte bei-
steuerte (besonders Cananea und Pilares de Nacozari), Nieder-
kalifornien über */, (Mulege), Zacate6cas */,, (besonders Mazapil).

Quecksilber wird in Mexico zur Zeit in den Staaten
Hidalgo (*/2), San Luis Potosi (*/‚) und Zacatecas gewonnen:
1924 36.665 kg — nicht genug, um den Bedarf des Landes für
die Amalgamationsmethoden zu decken, weshalb noch Einfuhr
aus Spanien und Kalifornien nötig ist. Quecksilberhaltige Lager
in Queretaro werden zur Zeit noch nicht ausgebeutet.

Eisen kommt in guten Erzen, namentlich als Magnet-
eisen und Hämatit, vielfach vor, wird aber wegen Transport-
schwierigkeiten und Kohlenmangel noch wenig bearbeitet. Am
bedeutendsten ist die Eisenförderung in den Staaten Durango
(Cerro de Mercado) und Nuevo Le6n. 1924 wurden insgesamt
45.063 t Eisenerz ausgeschmolzen.

Antimon wurde 1924 in S. Luis Potosi und Nuevo Leön
gewonnen: 774.567 kg. Antimonlager sind auch in Guerrero
(Cualae) und Queretaro bekannt.

Landwirtschaft.

83
häute*) in größeren Mengen ausgeführt. Alligatoren werden in
den großen Flüssen, die in den Mexicanischen Golf münden, in
ziemlichen Mengen geschossen und die Häute dann für die Aus-
fuhr zubereitet — ein wenig angenehmes Geschäft, an dem sich
aber auch schon Deutsche aktiv beteiligt haben, weil es bei guter
Marktlage lohnend ist; freilich ist der Markt nicht allzu auf-
nahmefähig, so daß zeitweise schon die Preise sehr gedrückt
waren. Wichtig ist die Seefischerei für die Küstenbewohner”),
und kleine Werte liefern der Schildkrötenfang, die Perlen- und
Perlmutterfischerei für die Ausfuhr‘). Von San Diego und San
Pedro (in Südkalifornien) aus wird neuerdings westlich der
nijederkalifornischen Küste in größerem Maßstab gefischt.

3. Landwirtschaft.
Die Landwirtschaft ist von jeher die wichtigste Beschäf-
tigungsart der Bewohner Mexicos gewesen; sie ist es auch heute
noch, wie schon der zahlenmäßige Vergleich der in der Land-
wirtschaft beschäftigten Personen (nach dem Zensus von 1910:
3,570.000) gegenüber den in anderen Berufszweigen tätigen
zeigt: im Bergbau (96.000), Industrie und Gewerbe (634.000),
Verkehrswesen (54.000) oder Handel (275.000). Wohl liefert der
Bergbau für die Ausfuhr des Landes mehr als die Landwirt-
schaft, aber trotzdem ist letztere wesentlich wichtiger, denn auf
ihr beruht die Ernährung des ganzen Volkes, da die Einfuhr
von Nahrungsstoffen doch verhältnismäßig gering ist. Dazu
kommt, daß bei der außerordentlichen Mannigfaltigkeit des
Klimas und der verschiedenartigen und vielfach sehr guten Be-
schaffenheit des Bodens eine ganz außerordentliche Mannig-
faltigkeit von Pflanzenkulturen und fast alle Zweige der Tier-
zucht möglich sind. Aber diese Möglichkeiten sind leider stellen-

') Ausfuhr 1928/24 im Wert von 38.212 Pesos.

*) Sie genügt aber nicht ganz für den Bedarf des Landes, weshalb
och Einfuhr stattfindet: getrocknete und gesalzene Fische 1923/24:
153.000 Pesos.

%) Ausfuhr 1928/24 Schildpatt im Wert von 53 Pesos, Perlmutter
48.000, andere Muscheln und Schnecken u. s. w. 1672 Pesos.
re

154

Anhang.

Der Viehbestand war 1924: 34.325 Rinder, 11.727 Pferde, 2635 Maul-
tiere, 14.220 Schweine, 3392 Schafe, 7946 Ziegen.

Die Industrie weist unter anderem 2 Baumwollspinnereien und
-webereien auf, dazu Zucker- und Alkoholfabriken.

Die wichtige Bahn von Tepic nach Guadalajära, die den westlichen
Küstenstaaten Nayarit, Sinaloa und Sonora direkten Anschluß ans Hoch-
land bringen wird, steht vor der Vollendung. Der Hafen San Blas wird von
vielen Linien angelaufen.

Niedercalifornien s. Baja California.

Der Staat Nuevo Leön, von der Sierra Madre Oriental durch-
zogen, greift vom Tiefland ins Hochland hinauf und hat 65.103 km? mit
336.412 Einwohnern (1921, 517 pro km”). Die Wärmeverhältnisse sind den
großen Höhenunterschieden entsprechend sehr verschieden. In der Haupt-
stadt Monterrey (88,500 Einwohner), in 25° 40’ n. Br., 528 m ü. M. gelegen,
ist der Jahresdurchschnitt 21°9° C (Juni 281, Dezember 152), in Galeana
(24° 50° n. Br., 1655 m) 175° C (Juni 21°2, Dezember und Januar 13'4), in
General Bravo (25° 50’ n. Br., 150 m ü. M.) 240° C (Juni 296, Dezember 16'383).
Der Regenfall ist in Monterrey 546 mm (September 1323, Januar 971), in
Galeana 481 mm (August 988, Januar 38), in Bravo 479mm (Juli 98'9,
Februar 48). Die Entwässerung erfolgt meist zum Rio Grande, nur kleinere
Flüsse gehen unmittelbar in den Golf von Mexico.

Die wildwachsende Pflanzenwelt bietet im Guayule (Parthenium
argentatum) eine wertvolle Kautschukpflanze. Die Wälder sind stark
dezimiert.

Der Bergbau lieferte 1924 7 kg Gold, 8184 kg Silber, 6,381.266 kg
Blei und 55.034 kg Kupfer, ferner 7385 % Eisenerz von 50% Gehalt.

Der private Landbesitz gehörte 1910 2893 Personen; 946% der länd-
lichen Familien hatten keinen Grundbesitz. Der Ackerbau liefert die ge-
bräuchlichen Nutzpflanzen, dazu ca. 3000 t Ixtle- (das ist Agaven-) Fasern,
2000% Lechuguilla (Fasern von Agave heterocantha), etwas Baumwolle
(1923: 91t) und (im Hochland) 7400 t Weizen. Der Viehstand war 1924:
76.965 Rinder, 19.000 Pferde, 4606 Maultiere, 18.667 Schweine. 39.273
Schafe und 179.817 Ziegen.

Die Industrie weist zwei bedeutende Schmelzwerke in Monterrey
auf, die 1924 1411 kg Gold, 202.668 kg Silber, 48,554.317 kg Blei und
3,557.489 kg Kupfer lieferten, abgesehen von einem Eisenschmelzwerk.
das 19.485 t Eisen ergab. Im gleichen Jahr waren auch 4 Baumwollspinne-
reien und -webereien in Betrieb, außerdem eine große Brauerei, Mühlen.
Tabakfabriken, Zementwerke, Mineralwasserfabriken,

Von Monterrey aus durchziehen mehrere Bahnlinien das Land. Der
Handel ist beträchtlich.

Der Staat Oaxäca nimmt den südlichsten Teil des mexicanischen
Blockes ein und greift noch ein wenig über den Isthmus von Tehuantepec
hinaus. Flächeninhalt 94.211 km? mit 949.978 Einwohnern (1018 pro km?)

54

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

Wege verödeten, viele Bergwerke stellten ihren Betrieb ein,
Stationen und rollendes Material der Eisenbahnen wurden viel-
fach verbrannt, um den jeweiligen Gegner zu schädigen;
Hungersnot herrschte in vielen Teilen des Landes und machte
sich selbst in der Hauptstadt geltend, wo das Papiergeld der
Regierung zeitweise auf */,; des Nennwerts fiel und schließlich
eingezogen werden mußte, als das Volk sich selbst half und nur
mehr gegen Silber verkaufte. Um das Unheil noch zu verstärken,
unternahmen die Vereinigten Staaten unter General Funston
und nach dessen Tod unter General Pershing eine Straf-
expedition gegen Francisco Villa im Norden des Landes.
Jedoch brachte hernach die Anerkennung Carranzas als
gesetzlicher Regierung seitens der Vereinigten Staaten, ferner
die Schaffung einer neuen Konstitution und bald darauf die
Wahl Carranzas zum verfassungsmäßigen Präsidenten
‘11. März 1917) eine wesentliche Entspannung.

Die neue Konstitution von 1917, die auf die frühere vom
Jahre 1857 zurückgriff, sprach unter anderem wirtschaftlich
höchst bedeutungsvolle Bestimmungen über Aufteilung des
Großgrundbesitzes und Verstaatlichung des Bodenuntergrundes
aus. Außer diesen allgemein ausgesprochenen Grundsätzen zeigt
die neue Konstitution aber auch deutliche Zeichen des Versuchs
einer Eindämmung der den Mexicanern immer bedrohlicher
erscheinenden Überfremdung des Landes. Am deutlichsten
Spricht sich diese abwehrende Haltung in der Bestimmung aus,
daß kein Fremder Landbesitz in einem Streifen, der sich von
Jler Küste 50 km, von der Landgrenze 100 km landeinwärts
erstreckt, erwerben könne. Weiter landeinwärts kann der Staat
allerdings Fremden Landerwerb gestatten, aber sie müssen
dann darauf verzichten, in Streitfällen den diplomatischen
Schutz ihrer Heimat anzurufen u. a.

Im einzelnen wirkten sich die politischen und wirtschaft-
lichen Gegensätze in verschiedenen Landesteilen vielfach zu
verschiedener Zeit und in verschiedener Weise aus, so daß ein
Gesamtbild in kurzen Worten nicht möglich ist, auch wenn es
yelingen würde, für alle Gebiete die wirklichen Vorgänge in
sichere Erfahrung zu bringen. Charakteristisch war aber ein

L12

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

ersten Ranges bewiesen, indem sie alle Zweige produktiver
Tätigkeit neu belebten und viele Gebiete für Landwirtschaft
dader Bergbau erst‘ erschlossen. Porfirio Diaz selbst
hatte dem Bahnbau die größte Aufmerksamkeit zugewendet
und ihn in jeder Weise gefördert.‘ Im allgemeinen folgten
bisher die meisten Bahnen der Richtung der vorher be-
stehenden Hauptverkehrslinien, so wie auch früher die spani-
schen Fahrwege vorher bestehenden Indianerpfaden zu folgen
pflegten. Es ist dies entschieden ein richtiges Prinzip gewesen,
das gute Erfolge gezeitigt hat; aber es ist kein Zweifel, daß
nach Befriedigung der dringendsten unmittelbaren Verkehrs-
bedürfnisse auch Bahnen gebaut werden mußten, die mehr das
Interesse des Ganzen im Auge hatten. Dazu gehörte einmal die
Überlandbahn über den Isthmus von Tehuantepec, die nach
Vollendung der großen Hafenanlagen in Coatzacoalcos (Puerto
Mexico) und Salina Cruz im Weltverkehr als Durchgangslinie
vom Atlantischen zum Pazifischen Ozean eine Zeitlang eine
große Rolle gespielt hat, bis die Eröffnung des Panamäkanals
and die Einführung des Achtstundentages sie lahmlegten. Die
wichtige Linie Tepic—Guadalajära ist zur Zeit der Vollendung
aahe. In Aussicht ist genommen, später einmal eine Bahn-
verbindung nach Yucatän zu bauen, weniger aus wirtschaft-
lichen als aus politischen Gründen, um diesen wichtigen Teil
des Landes, der bisher nur zu Schiffe mit dem kontinentalen
Mexico verkehren konnte, in direkte Landverbindung damit zu
bringen).

Gegenwärtig bestehen außer einer Reihe kurzer Sack-
bahnen, besonders an der pazifischen Seite des Landes, zwei
getrennte Eisenbahnnetze: das große Netz des kontinentalen
Mexico, das auch in direkte Verbindung mit der Tehuantepec-
Bahn und damit auch mit der Bahn nach Tapuchula (und Guate-
mala) gebracht ist, und das viel kleinere Netz der Bahnen von
Yucatän und Campeche. Die Gesamtlänge der mexicanischen
Bahnen von 1:435m Spurweite hat Ende 1923 15.803 km be-
tragen. 1889 waren 30 Millionen Passagiere und 7'/, Millionen t

X Ein Überlandtelegraph zwischen Yucatän und dem kontinentalen
Mexico besteht bereits.

4. Hydrographie.

25

Die Wärmeverhältnisse und den mittleren Regenfall zeigt
am besten die kleine, auf vorhergehender Seite stehende Tabelle
von Stationen, die auf einem Querschnitt durch das Land liegen,
wozu eine nördlich gelegene Station genommen sein möge (nach
J. Hann, Klimatologie, 3. Aufl., Stuttgart 1910, II, S. 321—8325).

Die Winde sind. im allgemeinen ziemlich selten so heftig,
daß sie Wirtschaft und Verkehr zum Hemmmnis werden.
Immerhin treten in den Herbstmonaten zuweilen die Zugstraßen
von Orkanen an die Ostküste von Yucatän heran und er-
zeugen hier erhebliche Schäden; die Halbinsel selbst scheinen
sie ohne starke Wirkung zu überschreiten, um sodann auf dem
Golf von Mexico wieder in Tätigkeit zu treten. Der Golf wie die
Straße von Yucatän, aber auch der größte Teil des festen Landes
leiden alle Winter mehrfach unter schweren Nordstürmen
(Nortes), die im Gefolge wandernder Zyklone auftreten‘) und
den Verkehr zu Wasser und zu Land erschweren, auch in
Pflanzungen und Wäldern wohl Bäume entwurzeln, in Sied-
lungen Häuser abdecken und durch ihre gewaltigen Regen-
güsse, die namentlich auf den nordwärts gerichteten Gebirgs-
abdachungen niedergehen, zuweilen erhebliche Überschwem-
mungen verursachen. Stellenweise, wie z. B. auf dem Isthmus
von Tehuantepec und der Südabdachung der Sierra Madre von
Chiapas, treten in der trockenen Jahreszeit auch heftige süd-

wärts gerichtete Fallwinde auf, die an manchen Pässen den
Verkehr für Stunden unmöglich machen können.
4. Hydrographie.
Die hydrographischen Verhältnisse Mexicos sind infolge
der Eigenart der Oberflächengestaltung, zum Teil auch der
geologischen Beschaffenheit des Landes und infolge der zeit-
lichen Beschränkung der Regenfälle in den meisten Gebieten
für menschliche Wirtschaft und Verkehr wenig günstig.

Nur in den regenreichen Gebieten der atlantischen und
pazifischen Abdachung sind die Niederschläge über den größeren

ı Elpidio Lopez in Memorias Antonio Alzate 41, 8. 5.

108 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

eine Menge von Zuckerfabriken und modernen Entfaserungs-
anlagen besteht, während in der Hauptstadt Merida selbst eine
relativ nur geringe industrielle Tätigkeit herrscht.

Die Art des Betriebs ist vielfach ganz modern, und nur in
Industrien, die bereits in ältere Zeit zurückreichen, wie Baum-
wollspinnereien und -webereien oder Eisengießereien, kommen
neben modernen Einrichtungen auch, ältere vor. Dampf und
alektrische Kraft finden in wachsendem Maße Verwendung.

Die industrielle Erzeugung ist am bedeutendsten im Hoch-
land des mexicanischen Blocks.

Eine genaue Darstellung der geographischen Verteilung
der einzelnen. Industrien ist aber nicht möglich, weil seit 1902
keine Industriestatistik mehr aufgenommen worden ist. Nur für
einige Industriezweige sind vom Statistischen Landesamt
genauere Nachweise veröffentlicht worden. Am besten sind wir
über die Baum wolltextilindustrie unterrichtet, die auch
die bedeutendste Industrie des Landes ist (siehe Tabelle XII). Ihre
Hauptentwicklung hat sie in den südlichen Hochlandstaaten,
unter denen Puebla als weitaus leistungsfähigster hervortritt,
bringt er doch allein etwa ebenso viele Fabrikate hervor, als
die übrigen Staaten des südlichen Hochlands zusammen-
genommen. An zweiter Stelle unter den Staatengruppen steht
die atlantische Abdachung des mexicanischen Hochlandes, wo die
starke Entwicklung der Baumwollindustrie im Staat Veracruz
noch heute die ehemals starke Abhängigkeit von eingeführtem
Rohstoff bekundet. Bescheiden ist die Beteiligung der mittleren
ınd nördlichen Hochlandstaaten und der pazifischen Gebiete.

Ihre Hauptentwicklung hat die Textilindustrie im mexi-
canischen Hochland. Das transisthmische Mexico ist nur minimal
beteiligt (1 Fabrik in Chiapas), Yucatän und Niederkalifornien
yar nicht. Trotz der bedeutenden Fabrikationstätigkeit ist aber
noch immer eine beträchtliche Einfuhr von verschiedenartigen
Baumwollstoffen und Garnen notwendig (1924: fast 15 und über
5 Millionen Pesos), und ähnlich liegen die Verhältnisse in der
Wollindustrie, indem Wollfabrikate in hohem Wertbetrag (1924:
Wollgewebe 3 Millionen Pesos, Garne 625.000 Pesos) eingeführt
werden. Die Wollindustrie ist nur auf dem Hochland ent-

Klima.

21

Wert zu verlieren beginnt. Ob man nun innerhalb der Tropen
die Grenzen der Höhenregionen etwas höher oder tiefer an-
setzt — immer bedeuten sie höchst wichtige wirtschaftsgeogra-
phische Grenzen. Besonders angenehm sind die klimatischen
Verhältnisse in den höheren Lagen des gemäßigten und den
tieferen des kalten Landes; die oft gehörte Bezeichnung eines
ewigen Frühlings ist aber auch für sie nicht ganz am Platz, da
die Sommertemperaturen doch allzu hoch sind und anderseits
in den Gebieten des kalten Landes, z. B. Mexico-Hauptstadt,
während des Januars und Februars die Vegetation schon eine
gewisse Ruhe verrät, auch die Temperaturen zuweilen für den
Menschen empfindlich frisch werden.

Während die jährliche Wärmeschwankung in den tropi-
schen Teilen Mexicos allenthalben gering, in den außertropi-
schen noch mäßig genannt werden kann, ist die tägliche Wärme-
schwankung bei klarem Wetter fast im ganzen Lande beträcht-
lich, was für Erhaltung der körperlichen und geistigen Spann-
kraft der Bewohner von hohem Wert ist. Nur bei bedecktem
Himmel oder regnerischem Wetter pflegen die Wärmeände-
rungen während des Tages geringfügig zu sein; dann sind aber
auch die Temperaturen verhältnismäßig kühl und so der Gesund-
heit nicht abträglich.

Der Regenfall ist außerordentlich verschieden über das
weite Gebiet verteilt, aber ziemlich gleichförmig ist die z eit-
liche Verteilung insofern, als mit Ausnahme des sommerdürren
Nordwestens im ganzen Gebiet das tropische Regime einer
gewitterreichen Sommerregenzeit herrscht, die in den
trockeneren Gebieten kurz, in den feuchteren aber länger dauert:
zumeist von Mai oder Juni bis Oktober oder November. Neben
dieser dem ganzen Lande gemeinsamen Regenzeit erhalten die
atlantischen Abdachungen Mexicos noch von den östlichen
Passatwinden, die an den Gebirgshängen aufsteigen müssen
und dadurch zur Abgabe ihrer Feuchtigkeit gezwungen werden,
sowie von kalten, aus den Vereinigten Staaten herwehenden
Nordwinden (Nortes), die in die wärmere feuchte Atmo-
sphäre dieser Gebiete hereinbrechen, im Winterhalbjahr ansehn-
liche Niederschläge (im Norden als Sprühregen), so daß diese

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15
Verzeichnis der Abbildungen.
Seite
. Indianerdorf Tumbala mit zerfallener Klosterkirche in spani-
hem Barock (Titelbild),
? Hauptstadt Mexico. Östliche Teilansicht ....... nach 16
} Chochimilco . ...0.00000000000000 0044 04 4. vor 17
Santa Catarina und Las Calderas. Erloschene Vulkane in der
ingegend der Hauptstadt Mexico ....... «+ + + .WVOor 17
5 Die Ixtaccihuatl („Weiße Frau“) .......... nach 382
5 Umgebung von Amecameca mit dem Blick auf Popocatepetl
nach
7 Teotihuacan, Pyramide der Sonne (restauriert) . . . . .VOr
8 Ansicht von Queretaro mit der alten Wasserleitung . . vor
9 Veracruz. Blick gegen den Golf von Mexico (links eine Mole
as Hafens) 2. ..0.00.000.0.0.00. 0.0 4 4 4 w « « + Nach
£0. Savannenbusch des Küstenlandes bei der Station Gonzalez
ar Strecke Tampico-Monterey .......0.0..+. . nach
‘1. Tampico. Bohrtürme auf einem neuen Ölfeld bei Mendez
vor 49
12 Kohlenbrenner .... +. Ro .„... ,vor 49
13 Kaffee- und Bananenpflanzung bei Uruapam . .. . nach 64
14 Zuckerrohrtransport in einer Zuckerrohrplantage . . nach 64
|5 Gruppe von Dattelpalmen bei Tehuacän . ......Vvor 65
16 Kugelkakteen. Tehuacän . ..., . ‚vor 65
17 Pulquetransport auf dem Hochland . ........ nach 80
_ 18 Indianische Pflüger auf dem Hochland in ihren weißen
1 ;aumwollkleidern .. 0000000000400 040. ++. nach 80
19 Henequenpflanzung bei der Station Tortilla. .... .vor 81
i 20 Eingeborenen-Zuckersiederei. (Es wird nur brauner Zucker
+ ıergestellt) ....-. ‚. . ‚vor 81
21 Blick auf die Minenstadt Pachuca ......... nach 96
22 Holztransport mit Ochsenkarren. Yuccapalmen . .. nsch 96
23 Silberbergbaugebiet von Pachuca. Seilbahn vom Schacht zur
-- Aufbereitung .... .. vor 97
I 24 Guanajuato, Stauwerk . .....0.0.00.0000++ +. .vor 97
25 Wasserfall am Plateau der Sierra de Nayarit, mit lichtem
;. 3ergwald (Kiefern) ...... +. „.. . . nach 112
1 26 Salzgewinnung bei Manganillo . . nach 112
: 27 Nordmexicanische Halbwüste . ‚ . . vor 118
;} 28 Kalifornische Halbinsel. Hauptort der Coras-Indianer mit
ler Mission von Jesu Maria Tehocusete im Tal des Rio Jesu
Maria 2... . ‚ . vor 113

>
©
Oo
&

X
Ta

Bergbau.

75

Zinn ist in einigen Alluvialabsätzen der Zentralstaaten,
besonders Guanajuäto und Jalisco, bekannt. Ausbeute bei
Encarnacion (Jalisco) gering. Wismut (Zacat6cas und 8. Luis
Potosi), Nickel und Kobalt werden nicht gewonnen, da-
gegen Manganerz und Arsenik in San Luis Potosi,
Durango u. a. Antimon in Nuevo Le6n und San Luis Potosi
in geringen Mengen. Die Zink ausbeute betrug 1924: 5?/, Mil-
lionen kg (besonders Chihuähua, Coahuila und Nuevo Leön).

An der Erzeugung der vier wichtigsten Metalle beteiligte
sich 1924:

mexicanisches Kapital ..
nordamerikanisches Kapital
englisches ”
französisches »
spanisches „
deutsches

Gold

3:4
Aa

Silber Kupfer Blei
n Pr--enten

5 63

a 73°

127

03

1:8

Petroleum ist bisher in den Staaten San Luis Potosi,
Tamaulipas, Veracruz, Chiapas und Tabasco nachgewiesen,
jedoch nur in Veracruz in großen Mengen gefördert worden. In
der Weltproduktion an Erdöl steht Mexico nach den Vereinigten
Staaten von Nordamerika an zweiter Stelle.

Die gesamte Förderung belief sich in den Jahren (wobei
1 Tonne = 6'4 Faß mißt):

1910: 3.634.080 Faß
1915: 33,927.950
1918: 64,606.000
1919: 92,402.000
1920: 1683.540.000
Bis zum Jahre 1922 war die Produktion von Leichtöl aus
der Zone der südlichen Erdölfelder südlich Tampico die maß-
gebende. Seit dem Einbruch von Salzwasser in diesen Feldern
dehnte sich die Rohölgewinnung hauptsächlich im Gebiet zwi-
schen dem Rio Pänuco und dem Rio Tamesi aus, wo Schweröl
gewonnen wird. In den letzten Jahren ist auch im Isthmusgebiet
von Tehuantepec wieder eine regere Tätigkeit entfaltet. worden.
1) Hauptbesitz: El Boleo in Niederkalifornien.

52

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

Europa geborenen Spanier hatten separatistische Ideen in Neu-
spanien groß werden lassen, und nach verschiedenen vergeb-
lichen, blutig unterdrückten Versuchen gelang 1821 die Los-
trennung von Spanien. Mexico wurde nach dem kurzen Kaiser-
tum Augustins I. Republik (1823); die Indianer, Mischlinge,
Neger und Kreolen waren nun nach dem Gesetz gleichberech-
tigte Staatsbürger, der Handel mit aller Welt möglich, Ansied-
lung und wirtschaftliche Tätigkeit von Ausländern auf mexi-
canischem Boden erlaubt. Damit war eine ganz neue Grundlage
für die Entwicklung der mexicanischen Wirtschaft gegeben;
wenn aber trotzdem anfänglich kein rasches wirtschaftliches
Aufblühen sich einstellte, so sind die fortgesetzten kriegerischen
Unruhen und politischen Wirren dafür verantwortlich, die seit
dem revolutionären Versuch des Pfarrers Hidalgo (1810) mit
kurzen Unterbrechungen bis zum Ende des Kaiserreichs des
unglücklichen Maximilian (1867) und dann nach Benito
Juarez’ Tode (1872) bis zum Jahre 1876 immer wieder das
Land heimsuchten. Trotz dieser ewigen Unruhen und des durch
sie begünstigten Brigantenunwesens erstarkten wirtschaftliches
Leben, Handel und Verkehr allmählich doch, teils infolge der
wachsenden Einwohnerzahl und der dadurch wesentlich ge-
steigerten Produktionskraft, teils unter dem Ansporn der viel-
fältigeren Handelsbeziehungen, teils unter dem Einfluß des
Kapitals und der Energie von Ausländern, die, von den natür-
lichen Reichtümern des Landes angelockt, trotz der Ungunst
ler Verhältnisse in verschiedenen wirtschaftlichen Zweigen
neues Leben wachriefen.

Ein energisches Aufblühen des gesamten Wirtschaftslebens
setzte aber erst mit dem Regierungsantritt des genialen P o r-
firio Diaz ein, der seit 1877 (mit der kurzen Unterbrechung
von 1881—1884) bis 1911 im Amt geblieben ist. Mit fester Hand
hatte er Ruhe und Ordnung herzustellen und aufrecht zu erhalten
gewußt; er hatte eine wohldisziplinierte Armee und Gendarmerie
geschaffen, die letzten noch widerspenstigen Indianerstämme
(Apachen, Yaquis und Mayas) niedergezwungen, hatte die
Straßen von Banditen gesäubert, die Verbesserung des gesamten
Verkehrswesens tatkräftig unterstützt, eroßartige öffentliche



66

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

raum eine ungestörte Entwicklung nach oben durchgemacht
haben!
Obgleich ich aber angesichts der gegenwärtigen Sachlage
ınd der dadurch bedingten schwierigen Geschäftskrisis zu-
zeben muß, daß die Verhältnisse zur Zeit in Mexico nicht
ermutigend sind, so kann ich doch nicht umhin, optimistisch in
die Zukunft zu blicken, denn die natürlichen Gegebenheiten des
Landes sind so reich und mannigfaltig, daß Wirtschaft und
Verkehr rasch wieder zu bedeutsamer Blüte kommen müssen,
sobald einmal wieder eine längere Zeit des Friedens und un-
gestörter Entwicklung anbrechen wird.

Aber selbst in den gegenwärtigen Verhältnissen ist es für
einen tüchtigen und tatkräftigen Deutschen nicht ausge-
schlossen, daß er sein Glück in Mexico machen könnte, um so
mehr, als der Bevölkerungsrückgang, so bedauerlich er an sich
ist, doch in manchen Gegenden auch die Ellenbogenfreiheit
vermehrt hat, die manchem unternehmungslustigen Mann zu
mutigem Wagen besonders wertvoll ist.

Wenn ich aber auch heute noch zu regerer Beteiligung
deutschen Kapitals und deutscher Intelligenz am mexicanischen
Wirtschaftsleben rate, so geschieht es freilich unter der Voraus-
setzung, daß mit besonderer Vorsicht und einer zielbewußten
Anpassung an die Landesverhältnisse vorgegangen werde. Zur
Einwanderung unbemittelter deutscher Bauern möchte ich
nicht raten, denn die klimatischen Verhältnisse sind selbst im
außertropischen Teil Mexicos doch gar sehr von den unsrigen
verschieden, auch die Eingewöhnung in die Bevölkerung der
Umgebung und in die politischen Verhältnisse etwas schwierig,
sofern es sich nicht um sorgfältig vorbereitete Kolonien in
yesunden Gegenden, etwa des nördlichen Hochlandes, handelt*).
Auch unbemittelte Handwerker, Maschinisten und sonstige
kleine Leute würden, sofern sie nicht feste Anstellung von

vornherein sicher haben, bei ihren nach europäischer Gewohn-
heit recht hohen Ansprüchen in Konkurrenz mit der billiger
arbeitenden Landesbevölkerung nicht leicht diejenige Stellung

1) Mehrfache Mißerfolge der letzten Zeit gehen allerdings in der
Hauptsache auf völlig ungenügende Vorbereitung derselben zurück.

Bodenbeschaffenheit.

15

Wert zwischen beiden Extremen eine Mittelstellung ein.
Während sie für Viehzucht sich noch gut eignen und bei reich-
lichem Mineralvorkommen. selbst größere Siedlungen mit leb-
haftem Betrieb zur Entwicklung bringen können, entziehen sie
sich dem höheren, durch gründliche flächenhafte Bodenbearbei-
sung vorbereiteten Ackerbau wegen der Abschwemmungsgefahr
und der Unmöglichkeit des Pflügens, indes der primitive Pflanz-
stockbau der Indianer hier noch in weitem Ausmaß betrieben
wird. In feuchten Gebieten werden auch Baumpflanzungen noch
häufig an mäßig geneigten Flächen angelegt (am häufigsten
Kaffee), da tiefreichende Pfahlwurzeln und der oft noch durch
Schattenbäume verstärkte Bodenschutz durch die Baumkronen
selbst die Abschwemmung auf ein erträgliches Maß herabsetzt.
Waldwirtschaft findet keinerlei Hemmung an der Neigung
selbst, es sei denn, daß diese den Abtransport der Stämme oder
sonstigen Walderzeugnisse oft schon wesentlich erschweren
kann.

Die Ausdehnung mäßig geneigter Flächen ist in Mexico
beträchtlich, aber zahlenmäßig noch nicht genauer bestimmbar.

Wenn die mäßig und stark geneigten Flächen für Wirt-
schaft, Siedlung und Verkehr im allgemeinen als Flächen
geringerer Eignung erscheinen, so können sie anderseits in. den
Trockengebieten des Landes wegen des an ihnen verstärkten
Regenfalls doch für Land- und Waldwirtschaft vor den ehenen
Flächen begünstigt erscheinen.

2. Bodenbeschaffenheit.
Die Beschaffenheit des Bodens ist in dem viel-
yestaltigen Land natürlich äußerst mannigfaltig, entsprechend
ler Verschiedenartigkeit der anstehenden Gesteine und des
Klimas. Tiefgründiger Boden ist außerhalb der Tropen fast nur
auf den Flächen geringer Neigung vorhanden, während er in
den feuchten Tropen vermöge der tiefgreifenden chemischen
Verwitterung und des kräftigen Waldschutzes vielfach auch an
Berghängen zu:finden ist. In trockeneren Gegenden, wo die
mechanische Verwitterung vorherrscht, halten sich die Ver-

Tabelle XII (Fortsetzung).

4 a. Fabriken tätig
xicanischen Blocks:
Colima ...
Daxäca . 0.0.0.0...
Guerrero u -

Pferdekräfte Spindeln

Webstühle

2 2
9 —
> 2

60 2.384 48
200 5.308 180
278 7.458 250
538 15.150 478
5. Nordwestliche pazifi-
sche Gebiete des me
xgicanischen Blocks:

Nayarit ...
Sinaloa .
S9nota

>

2

480 12.304 8382
200 3.156 82
360 6.646 170
1.040 22.106 584
6. Atlantische Staaten
des mexieanischen
Blocks:

Veracruz .....

N
10

3

70

159.092

6.392

7. Transisthmisches Me-
XicO:
Chianas .. .. ..

» 788

Revublik Mexico . . .

149

‚16

123.159

R12.165

IQ P8R

Fabrikate
Druck- . x A 7
Arbeiter Fabrikate in kg in kg
maschinen 5ro km®

71 14.790 28
349 206.802 32
420 221.592 37

540 389.561 144

158 215.614 87
883 67.780 04

781 672,955 2:3

6.984

5.075.966 70°6

3 806

9

“O

37 789

27 2305.9257

19.7

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a

3
a
S
4
7

©
+
>
ef
=

94 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.
Der Ertrag an Zuckerrohr wurde 19238 auf 2,228.417 t angegeben.
Die Mehrzahl der Zuckerpflanzungen sind in mexieanischen
Händen, die Einrichtungen der Zuckerfabriken oft etwas ver-
altet, wenngleich auch moderne Maschinerien daneben vor-
kommen. Es wurden im genannten Jahre 149.338 t Zucker her-
gestellt, davon 59.292 £ in Veracruz, 29.782 in Sinaloa, 15.283
in Puebla, 12.401 in Jalisco, 8080 in Michoacän u. s. f. (Morelos,
einst der zweite Zuckerproduzent des Landes, ist infolge der
Revolution jetzt ausgeschieden.) (Züuckereinfuhr unbedeutend,
1924: 277 t — 96.100 Pesos.) Außer weißem Zucker wird viel
Braunzucker (Panocha) und Rum ‚erzeugt. Zuckerausfuhr 1924
16.613 t = 5 Millionen Pesos.

Bananen werden in Mexico in großer Menge im warmen
und gemäßigten Land gezogen (obere Anbaugrenze in größerem
Maßstab 1500 m, obere Verbreitungsgrenze 1900 m). Die Haupt-
menge der angebauten Bananen dient dem örtlichen Verbrauch;
in Tabasco und Veracruz werden (aber nur im Tiefland), längs
der schiffbaren Flüsse, Bananen (Plätanos) auch zur Ausfuhr
erzeugt (Ausfuhr 1923/24: 2,239.000 Trauben im Wert von
1,881.200 Pesos; die Verfrachtung nach den Vereinigten Staaten
erfolgt auf Dampfern der United Fruit Co.).

Von Genuß- oder Reizmittel liefernden Gewächsen, die in
Mexico angebaut werden, sind die wichtigsten Kaffee, Kakao
und Tabak, letztere beide in Mexico heimisch, ersterer ein-
geführt.
Der Kaffee liebt ein feuchtes, ziemlich kühles Klima
und meidet daher nicht nur das kalte Land, sondern gedeiht
auch nur wenig in den heißen Strichen der Tierra caliente. Seine
Hauptverbreitung findet er daher an der regenreichen atlanti-
schen und pazifischen Gebirgsabdachung, und zwar hauptsäch-
lich zwischen 300 und 1300 m Höhe. Die höheren Lagen liefern
im allgemeinen die feineren Sorten, sind aber oft schon gelegent-
licher Frostgefahr ausgesetzt und geben schwächere Ernten als
die tieferen Lagen. Wenngleich der Kaffeebau und die Ernte-
bereitung vielfach noch in primitiver Weise betrieben wird, so
gibt es doch auch eine ansehnliche Zahl von Plantagen. mit ganz
modernem Betrieb. Auch Deutsche sind in diesem Landwirt-

Landwirtschaft.

101

sines recht primitiven Betriebs, der sicherlich in vieler Hinsicht
der Verbesserung fähig wäre.

Die Haustierrassen haben sich im Lauf der Zeit den Ört-
lichen Bedingungen angepaßt, würden aber durch Kreuzung
mit fremden Zuchttieren wesentlich gewinnen können. In der
Tat sind in der Zeit Porfirios mehrfache Versuche in dieser
Richtung gemacht worden, freilich nicht immer mit dem ge-
wünschten Erfolg; so wurde z. B. durch Kreuzung mexicani-
scher und nordamerikanischer Pferde eine Mischrasse hervor-
yebracht, die zwar an Größe und Stärke den einheimischen
Pferden überlegen ist, ihnen aber an Geschicklichkeit und Aus-
Jlauer nachsteht.

Der bedeutsamste Zweig der mexicanischen Viehzucht ist
von jeher die Rind vieh zucht gewesen. Sie machte vor der
Revolution entschiedene Fortschritte, und mit der Zahl der
Rinder wuchs auch der Umfang und Wert der Rinder- und
Häuteausfuhr‘). Nach der Viehzählung von 1902 gab es im
yanzen Land 5,142.000 Rinder im ungefähren Wert von 81*/,
Millionen Pesos. Damit kämen auf 1000 Einwohner im Durch-
schnitt 379 Rinder — also eigentlich recht wenig in einem für
Viehzucht so gut geeigneten Lande. Verhältnismäßig am besten
war die Rindviehzucht entwickelt in den Nordstaaten (Chi-
huähua auf 1000 Einwohner 1207 Rinder, Sonora 1171). Von
den Mittelstaaten standen Durango, Jalisco und Michoacän am
höchsten (630, 575, 531 Rinder auf 1000 Einwohner). Un-
genügend war noch die Milchverwertung, weshalb noch nam-
hafte Einfuhr von Käse, Butter und kondensierter Milch statt-
fand”).

Pferde zählte man 1902 859.000 (am meisten in den
Staaten Durango, Jalisco und Tamaulipas), Maultiere
334.000 (am meisten in Durango, Jalisco, Zacatecas und Puebla),
Esel 288.000 (am meisten in Guanajuäto, Zacatecas und

*) 1904/05 wurden 99.182 Rinder im Wert von 2,343.237 Pesos aus-
geführt (69.533 nach Cuba, 22.002 nach den Vereinigten Staaten). Die Aus-
fuhr ungegerbter Rindshäute wertete 2,701.056 Pesos, die gegerbter Häute
287.905 Pesos.

2) 1904/05 im Wert von 226.139 bzw. 157.425 und 99.557 Pesos.

Alphabetisches Verzeichnis.

143

10.177 Schafe, 3625 Ziegen. Amerikaner treiben Viehzucht im nördlichen
Gebirge.

Fischerei (besonders von San Diego und San Pedro in Kalifornien
aus): im Westen der Halbinsel Perlfischerei (La Paz). Sammeln von
Orseille. Gerbhölzer.

Industrie: Schmelzhütte Santa Rosalia 1924: 7,865.000 kg Kupfer.
Zuckerfabriken. Salzgewinnung.

Handel: Ausfuhr: Metalle, Gerbstoffe, Orseille, Salz, Perlen, Schild-
patt, Fische, Häute, Pflanzenöle.

Eine Bahn erschließt nur den äußersten Norden des Nordterritoriums.

Der Bundesdistrikt (Distrito federal), 1483 km”, mit (1921) 906.063
Einwohnern (61096 pro km”) liegt im Herzen des Staates Mexico und
der Gesamtrepublik in 2300 m mittlerer Höhe im Süden des Hoch-
landes und stellt einen Ausschnitt aus dem großen, von Bergen um-
gebenen Kessel von Mexico dar. Das Klima ist angenehm kühl, mit aus-
gesprochener Regenzeit im Sommerhalbjahr. Die Hauptstadt Mexico, in
19° 25’ n. Br., 2250 m ü. M. gelegen (1921: 615.367 Einwohner) hat eine
mittlere Jahrestemperatur von 15'8°C (Mai 179, Januar 11:3) und einem
Regenfall von 5538 mm (Juli 100°8, Januar 3‘4). Der frühere Tezcocosee
ist ausgetrocknet, nachdem das Becken schon vorher durch den Tunnel
von Nochixtongo entwässert worden war. Die Flüsse fließen nach dem an
sich abflußlosen Kessel zentripetal zu.

Bergbau fehlt. Die Landwirtschaft blüht; sie erzeugt die wesent-
lichen Nutzpflanzen des kalten Landes, dazu 1923 543 Fässer Pulque zu
2501. Der Viehstand war 1924: 16.233 Rinder, 3850 Pferde, 3681 Maultiere,
38357 Schweine, 3996 Schafe und 3052 Ziegen.

Die Industrie ist in der Hauptstadt verhältnismäßig stark entwickelt.
Von den 17 Baumwollspinnereien und -webereien waren 1924 16 tätig.
Eine Besonderheit stellen die 119 Maismahlmühlen der Compafiia Mexicana
Molinera de Nixtamal dar (Nixtamal = Maisteig).

Die Bahnverbindungen sind nach allen Richtungen gut. Der Handel
blüht in hohem Maße,

Die Hauptstadt ist in den letzten Jahrzehnten gewaltig gewachsen
und enthält prächtige alte Bauwerke. Einige mächtige angefangene Bau-
werke (Nationaltheater, Kongreßgebäude) sind aber unvollendet geblieben
und kennzeichnen die allgemeine Lage, die durch die Revolutionen seit
1910 entstanden ist,

Das benachbarte Dorf Guadelupe-Hidalgo spielt als Wall-
fahrtsort eine große Rolle.

Campeche, Staat auf der Halbinsel Yucatän 1858 vom Staat
Yucatän abgetrennt, 50.952 km? mit 1921 70.087 Einwohnern (1'38
pro km”). In der ganzen Ausdehnung herrscht tropisches, heißes Tiefland-
klima (höchste Erhebung des teils ebenen, teils welligen Geländes wohl
400-—500 m). In der Hauptstadt Campeche (19° 51’ n. Br.. 25 m ü. M.) fällt

3

Vorwort zur 2. Auflage,

eingehender diese Frage behandelt habe, hatte seinen Grund
in der Rücksicht auf den zur Verfügung stehenden Raum.

Daß es mir möglich geworden ist, die notwendigen Angaben
über den gegenwärtigen Stand des Wirtschaftslebens des
Landes zu gewinnen, verdanke ich in erster Linie dem großen
Entgegenkommen der Mexico-Bücherei der Universität Marburg
(Privatdozent Dr. B. Hagen), ferner der Liebenswürdigkeit
des Herrn Gesandten Dr. Will in Mexico, des Herm Dr. Fr.
Petersen in Amalücan (Puebla) „und anderer Landsleute in
verschiedenen Teilen der Republik. Von hohem Wert waren
mir auch zahlreiche Mitteilungen der Herren Geheimrat Geo
A. Schmidt in Angora und Privatdozent Dr. W. Staub in
Bern, sowie Privatdozent Dr. G. V. Callegari in Verona,
Allen, die mich in meiner Arbeit gefördert haben, sei auch an
dieser Stelle mein wärmster Dank ausgesprochen. Besonderen
Dank weiß ich Herrn Dr. W. Staub dafür, daß er das Lesen
der Korrekturen und die Fertigstellung der Arbeit nach meiner
Abreise nach Südamerika (30. Juni) übernehmen wird.

Würzburg, den 21. Juni 1927,

Karl Sapper.

Vorbemerkung. Die vorkommenden indianischen Wörter sind in
spanischer Orthographie wiedergegeben. Für unseren „Ssch‘“.Laut setzten
die alten spanischen Schriftsteller ein x ein, das demnach als „sch“ zu
lesen ist. Da aber in alter Zeit x auch für j geschrieben wurde, so ist in
manchen geographischen Ortsnamen das x wie ch auszusprechen, so
Mexico. Guadalaxara.

126

Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.

‚„„ Tabelle V.
Rindviehbestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes
Baja California
Campeche . .
Coahuila . .
Colima ..
Chiapas . .
Chihuähua-, . .
Distrito Federal
Durango. ..
Öuanajuäto
Guerrero
Hidalgo .
Jalisco .
Mexico ..
Michoacän .
Morelos ...
Nayarit (Tepie)
Nuevo Leön .
Oaxäca ...
Puebla .,
Queretaro ...
San Luis Potosi
Sinaloa ...
Sonora ..
Tabasco . .
Tamaulipas
Tlaxcala .
Veracruz
Yucatän . .
Zacatecas
Republik?)

Bestand

Änderung
seit 1902
in Prozenten
17.387 — 654
40.375 — 225
10.426 — 751
89.850 — 50%
38.892 —24°0
123,667 —353
120.280 —69%6
16.288 +381°0
29.100 —875
59.655 — 782
102,887 — 368
41.847 — 171
223.116 — 66:8
118.722 100
186.581 —624
3.181 —937
34.325 — 77:4
76.965 — 877
92.046 —12°0
62.101 — 214
63.987 - 09
54.400 —68:8
100.908 — 52
86.687 —66'7
10.678 - 895
37.250 ‚79:2
2,988 74:0
206.656 474
71.546 — 609
65.236 — 65F
„2.187.867 __ 578

Rindvieh
Yro km?

27
0:28
0:2
0°
75
1:66
0:5
10:9
02
2:0
1°6
20
28
55
31
0:64
1°3
12
09
1°8
56
1:2
17
0:47
0:42
0:74
0:7
2°9
186

1

Pro 1000 Ein-
vohner von 1923
Bntfielen 1924
(abgerundet)
160
656
204
228
423
290
300

18

86

59
120

67

190
135
198

31

219
229
97
61
29
122
296
315
60
‘30
17
177
221

a Bd

') Über das Territorium Quintana Roo, das erst 1902 von Yucatän
abgespalten wurde, fehlen statistische Angaben. Es ist aber zweifellos,
daß die Bestände in jeder Art von Haustieren äußerst gering sind und
darum vernachlässigt werden dürfen.

36

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

kolonien gegründet worden, so Mormonen-. und neuerdings
Memnonitenkolonien in Chihuähua, italienische im Zentrum des
Landes. Außerdem aber hat man, wie schon in der spanischen
Kolonialzeit mit bestem Erfolg, Autokolonisation getrieben,
indem man in die nördlichen Staaten sowie seit 1902 auch in
das neue Territorium Quintana Roo aus den bevölkerten Ge-
bieten des Landes Mexicaner zur landwirtschaftlichen Er-
schließung hinleitete. Daß die Kolonisation nicht größere Fort-
schritte gemacht hat, daß namentlich die europäische Einwande-
rung noch immer sehr spärlich ist, hat vor allem seinen Grund
in den klimatischen Verhältnissen, insbesondere der Wasser-
armut der meisten für die Besiedlung verfügbaren Gebiete und
neuerdings auch in der allgemeinen Unsicherheit. vieler
Gegenden.

Ein weiterer Grund für die noch ungenügende Leistungs-
fähigkeit der mexicanischen Landwirtschaft ist in dem noch
immer vorhandenen Vorherrschen des Großgrundbesitzes und
der damit verbundenen extensiven Wirtschaftsmethode zu
suchen, sowie in der Bequemlichkeit vieler Großgrundbesitzer,
die ihr Leben behaglich in der Stadt zubringen, ohne der Be-
wirtschaftung ihrer Güter die nötige Aufmerksamkeit zuzu-
wenden.

Das große Problem der allzu geringen Zahl der Land-
besitzer hatte schon 70 Jahre früher Benito Juarez er-
kannt. Dieser suchte es dadurch zu lösen, daß er nicht nur
durch Verstaatlichung des Kirchenguts neue Grundbesitzer
schuf, sondern auch durch Verteilung des Gemeindelandes (der
„Ejidos‘) außerordentlich viele Kleinbauern machte. Aber
Benito Juarez, obgleich selbst reinblütiger Indianer, hat
mit dieser Maßregel bewiesen, daß er die Psyche der großen
Masse seiner Rassegenossen doch nicht recht kannte: die über-
wiegende Mehrzahl der Indianer, für Privatbesitz noch nicht
reif, verkaufte nämlich in kürzester Frist den erst gewonnenen
Einzelbesitz und stärkte dadurch noch die Ausdehnung der
Latifundien, während sie selbst zu einem ländlichen Proletariat
herabsanken. Zum Glück ist aber die Aufteilung der Ejidos in
vielen Gebieten nie durchgeführt worden, so daß vor der Re-

Mexicanische Wirtschaft ete.

47

die vorher üblichen Zahlungsmittel. Die Verwendung europäi-
scher Waffen und Angeln erleichterte Jagd und Fischfang. Die
höhere Entwicklung des Bergbaus und des Hüttenwesens ge-
stattete in Verbindung mit einem außerordentlichen Eifer im
Aufsuchen vor Minen alsbald eine große Steigerung der Edel-
metallerzeugung.

Aber die Spanier übernahmen anderseits auch gar manches
von den Indianern, vor allem die Kultur ihrer wichtigsten Nutz-
pflanzen in solchem Grade, daß die Ernährung des Gesamt-
volkes in der Hauptsache auf den einheimischen Nährpflanzen
beruhen blieb, ferner in Gegenden, wo ihr Pflug keine Anwen-
dung finden konnte, auch ganz und gar die primitive Art des
Anbaues mit dem einzigen Unterschied, daß zur Rodung nun
statt steinerner Äxte eiserne Verwendung fanden und daß nun
eiserne Hacken und Buschmesser die Unkrautjätung erleich-
terten. Die Spanier übernahmen von den Eingeborenen auch
die weitere Behandlungsweise der Nutzpflanzen, sie nahmen den
indianischen Mahlstein in ihre Haushaltung auf, benutzten
indianische Töpferwaren, Körbe, Matten u. dgl., lernten von den
[ndianern manche Jagd- und Fischfangmethoden; sie lernten
von ihnen, wie Jagdwild in den Tropen durch Dörren haltbar
gemacht werden kann u. s. w. Ja sie lernten sogar vielfach die
Art des Hausbaus der Indianer und verwendeten sie auf dem
Lande, so daß nur die Häuser der Städte und. die Hauptgebäude
ihrer Haciendas und Klöster in der heimischen südspanischen
Art mit ihren starken Anklängen an römische und maurische
Bauten errichtet worden sind. Alles in allem genommen kann
man sagen, daß ein gegenseitiges Geben und Nehmen seitens
der beiden materiellen Kulturen stattfand, so zwar, daß in den
Städten die europäische, auf dem Land aber die indianische
im Übergewicht blieb.

Eine nicht unbedeutende Zahl indianischer Nutz-
pflanzen‘) (Kakao, Indigo, Baumwolle, Paprika) und sonstige
landwirtschaftliche Betätigungen (Zucht der Cochenilleläuse
auf Opuntien) haben die Europäer mit besonderem Eifer über-
1) Vgl. den Aufsatz von G. Schweinfurth in der Ed.-Seler-Festschrift,
Berlin 1925,

Mexicanische Wirtschaft etc.

43

Lastträger verwendet werden. Die indianischen Lastträger
trugen in Tragnetzen oder hölzernen Traggestellen („Cacaxtes‘)
mittels eines breiten Stirnbandes bedeutende Lasten (oft über
einen Zentner); Lastträgerverkehr ist in der vorspanischen Zeit
allgemein üblich gewesen.

Da die Landwege nur für den Gebrauch von Fußgängern
dienten, so waren sie schmal und hatten in gebirgigem Gelände
oft sehr beträchtliche Steigungen zu überwinden; Flüsse wurden
durchwatet oder auf Flößen oder Einbäumen überschritten,
wenn keine übergelegten Baumstämme oder lianengeflochtene
Hängebrücken vorhanden waren. In bestimmten Abständen
waren für die reisenden Kaufleute auch Unterkunftshäuser er-
richtet und besondere Karten gaben über die wichtigsten topo-
graphischen Einzelheiten des Weges Auskunft.

Der Nachrichtendienst wurde ebenfalls durch
Menschen besorgt, die mündlich oder mit Hilfe von Hiero-
glyphenschrift die Nachrichten übermittelten. Der aztekische
Staat besaß einen sehr gut arbeitenden Nachrichtendienst, indem
Schnelläufer an den Hauptwegen in besonderen, nur etwa 8 bis
9 km voneinander entfernten Stationen stets bereit sein mußten,
um eine einlaufende Nachricht sofort zur nächsten Station
weiter zu befördern. Es konnte auf diese Weise eine Nachricht
innerhalb eines Tages von der Golfküste bis zur Hauptstadt auf
eine Entfernung von etwa 300 km trotz der stellenweise sehr
bedeutenden Steigung gebracht werden.

So kann man denn wohl sagen, daß in einem großen Teil des
heutigen mexicanischen Staatsgebiets nicht nur die wirtschaft-
liche Betätigung zu einer nennenswerten Entwicklung gelangt
war, sondern auch das Verkehrswesen so hoch stand, als man
unter obwaltenden Umständen gerechterweise erwarten darf.

2. Mexicanische Wirtschaft unter der spanischen
Kolonialherrschaft.
Am Anfang des 16. Jahrhunderts haben Europäer mexi-
canischen Boden zum erstenmal betreten. und um die Mitte des-
selben war mit Ausnahme einiger schwer zugänglicher Land-

ap
ASCHE
5 einlieihE.
a

COPYRIGHT 1928 BY L.W. SEIDEL & SOHN IN WIEN
DRUCK: CHRISTOPH REISSER’S SÖHNE IN WIEN V

Landwirtschaft.

99

Ananas, spanischer Pfeffer (Chile) u. a. für die. Ausfuhr an-
gebaut. (Ausfuhr von Tomaten 1924: 26.338 t = 7*/, Millionen
Pesos, Chile 2147 t — 876.000 Pesos.) ;

Von angebauten Futterpflanzen spielt die Luzerne
‘Alfalfa) die wichtigste Rolle (Ernte 1923: 135.750 t).

Der Anbau von Maulbeerbäumen zum Zwecke der
Seiden kultur, schon im 16. Jahrhundert eingeführt, ist seit
1807 mehrfach von der Regierung angeregt und begünstigt
worden; alle Versuche schlugen aber fehl, bis H. Chambon an
Stelle des im Lande angebauten schwarzen Maulbeerbaums den
weißen chinesischen einführte, dessen Blätter sich gut als
Nahrung für die Seidenraupen eignen, worauf seit 1894 größere
Anpflanzungen gemacht worden sind, besonders in den Staaten
des Hochlandes und der pazifischen Abdachung. Ein Erfolg ist
aber nicht erzielt worden.

Der Anbau von Nopales (Opuntien) zum Zweck der Zucht
der Cochenilleläuse war in der spanischen Kolonialzeit
und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr bedeutend
gewesen (insbesondere im Staat Oaxäca) und die Ausfuhr von
Cochenille erlangte in manchen Jahren bedeutende Werte. Die
Fortschritte der deutschen Teerfarbenindustrie haben aber
diesen Zweig der Landwirtschaft fast völlig brachgelegt: die
Ausfuhr hat seit langem ganz aufgehört.

Neben Seidenraupe und Cochenillelaus ist die sehr alte
Zucht der Bienen zu erwähnen. Die Erzeugung von Bienen-
honig (einst das wichtigste Süßungsmittel), besonders in den
Staaten Veracruz, Yucatän und Oaxäca, ist erheblich, so daß eine
kleine Ausfuhr statthaben kann: (1924: 709 t — 160.000 Pesos).

Eine außerordentlich hohe wirtschaftliche Bedeutung hat
die Zucht der europäischen Haustiere seit Beginn
der spanischen Kolonialzeit bis zur Gegenwart besessen. Die
Indianer hatten außer Hund und Truthahn keine Haustiere
gehabt, und so waren die ausgedehnten natürlichen Weideplätze
der offenen Landschaften wirtschaftlich überhaupt nicht aus-
genutzt worden, wenn man von dem äsenden Wild absieht. Das
änderte sich nun rasch in der spanischen Ära, und da die natür-
lichen Weideplätze noch weit über die Ackerbauregion hinaus

7

Abb. 19. Henequenpflanzung bei der Station Tortilla.
Photo Prof. Jäger, Berlin

Abb. 20. Eingeborenen-Zuckersiederei.
(Es wird nur brauner Zucker gekocht.)
Photo Hugo Brehme.

114

Die einzelnen Wirtschaftszweige ete,

S. Benito, Puerto Angel u. a.). Waren, die für die letztgenannten
Häfen bestimmt sind, sollten daher womöglich in Kolli gepackt
werden, die ein Mann zu tragen vermag, da sie sonst leicht vom
Seewasser durchnäßt werden. Der Küstenverkehr wird großen-
teils durch Schiffe unter mexicanischer Flagge besorgt, die aber
auf dem Golf zum Teil in spanischen Händen sind, ja zuweilen
baskische Bemannung und Kommandosprache haben.

Im Jahr 1922 liefen 9200 Schiffe mit 26,241.383 t Gehalt
(davon 6078 Dampfer mit 25,990.293 t) die Golfhäfen an, 4149
Schiffe mit 2,574.448 t (2152 Dampfer mit 2,512.657 t) die pazifi-
schen Häfen, zusammen 13.339 Schiffe mit 28,815.381 t Gehalt.
Dank der Petroleumausfuhr hat der Hafen der rasch empor-
schießenden Stadt Tampico heute den früher bedeutendsten
Hafen Veracruz überflügelt. Die deutsche Flagge, während des
Weltkrieges lange ausgeschaltet, wird auf der atlantischen Seite
wieder häufig von der Hamburg-Amerika-Linie gezeigt, auf der
pazifischen von der Kosmos-Linie,

Wenn man die beiden Küsten in bezug auf ihren Schiffs-
verkehr vergleicht, so fällt sofort die außerordentliche Über-
iegenheit der atlantischen Häfen gegenüber den pazifischen auf,
eine Tatsache, die einmal in der geographischen Lage der
ersteren. an einem verkehrsreicheren Ozean begründet ist und
den großen Vorteil nahen Seewegs nach Europa und der Ost-
küste Nordamerikas zum Ausdruck bringt, anderseits aber auch
die Tatsache des leichteren Zugangs zum Hochland und damit
des Besitzes eines großen Hinterlandes, während die pazifischen
Häfen meist nur einem schmalen Hinterlandstreifen dienen und
zudem für europäischen. Handel den großen Nachteil eines sehr
weiten Weges zeigen. Die Westküste Nordamerikas ist für die
Erzeugnisse Mexicos noch verhältnismäßig wenig aufnahmefähig.

6. Handel.
Der Handel Mexicos hatte sich gegen Ende des 19. Jahr-
hunderts gewaltig entwickelt dank dem allgemeinen Auf-
schwung des Erwerbs- und Verkehrslebens, nachdem er im
ersten Halbijahrhundert der Republik sich nur langsam ge-

28 Die Natur des Landes.

zapfung im nordamerikanischen Gebiet während der Trocken-
zeit sogar oft nur als trockenes Bett die mexicanische Grenze
erreicht. Mit Eifer und gutem Gelingen bemühen sich Geologen
und Ingenieure in wasserarmen Gegenden, durch Brunnen-
bohrungen, Stauwerke und sonstige Mittel Wasser für Be-
wässerungs- und Trinkzwecke zu beschaffen. Aber riesige
Flächen des Landes werden doch nie bewässert werden
können.
Das steile Gefäll, das die meisten Flüsse auf großen
Strecken ihres Laufes haben, die zahlreichen Wasserfälle
schaffen gewaltige Werte lebendiger Kraft, die neuerdings auch
in rasch steigendem Maße für die Industrie verwertet werden.
Aber auch hier ist die wirtschaftliche Ausnutzung durch den
starken Wechsel der Wasserführung, die geringe Wassermenge
zur Zeit der Trockenheit und die überwältigenden Wasser-
massen nach heftigen Regengüssen sehr erschwert.

Ganz eigenartige hydrographische Verhältnisse herrschen auf
der Halbinsel Yucatän, wo nur im Süden etliche, und zwar
meist bloß in der Regenzeit fließende oberirdische Wasserläufe
vorhanden sind, während in den nördlichen Teilen die gesamte
Wasserzirkulation unterirdisch erfolgt, indem die Regenwasser
in dem kalkigen Gestein versickern und auf schwer durch-
lässigen mergeligen Schichten sich zu unterirdischen Teichen
oder Grundwasserflüssen ansammeln, die teils durch natürliche
Höhlen (Cenotes) zugänglich sind, teils aber erst durch Brunnen-
bohrungen nutzbar werden, Das Wasser wird aus den Brunnen
mit Hilfe von Maultieren oder — neuerdings vielfach — von
Windmotoren gehoben; da es aber meist einen ansehnlichen
Gehalt an Bittersalz hat, so ist für Trinkzwecke auch Auf-
sammeln. von Regenwasser in Zisternen üblich. Während der
Regenzeit sammeln sich in Vertiefungen des Geländes oft aus-

gedehnte periodische Seen (Ak’alch6s) an, die für den Verkehr
und die Gesundheitsverhältnisse oft schädlich sind. — Manche
der unterirdischen Flüsse münden in geringer Entfernung von
der Küste submarin, so daß also Süßwasserquellen inmitten des
salzigen Meeres aufsteigen und von den Schiffern benutzt
werden können.

158

Anhang.

Die Industrie weist außer einer kleinen Baumwollspinnerei und
-weberei und einer Wollfabrik zwei Schmelzereien auf: in Matehuala (1924:
879 kg Gold, 139.415 kg. Silber, 2,780.133 kg Blei und 5,406.255 kg Kupfer)
und in San Luis Potosi (1,812.453 kg Blei und 681.723 kg Arsenik). In
Heimarbeit werden schöne Rebozos erzeugt.

Von der Hauptstadt gehen Bahnen in allen vier Hauptrichtungen
durch den Staat.

Der Staat Sinaloa, 58.488 km? mit 341.265 Einwohnern (1921),
583 pro km*; besteht aus einem heißen Tieflandstreifen längs der Küste
und dem kühleren Abfall der Sierra Madre landeinwärts. Die Hauptstadt
Culiacän (16.084 Einwohner) in 24° 49’ n. Br., 53m ü. M., hat ein
Jahresmittel von 248° C (Juni 31°8, Februar 19'9), der Hafen Mazatlan
(ca. 30.000 Einwohner), in 28° 12’ n, Br., hat in 78m ü. M. ein Jahres-
mittel von 245° C (Juli 28'3, Februar 204); Regenfall in Culiacän jährlich
754 mm (Juli 216°4, Mai 0), in Mazatlan 737 mm (August 306°0, April und
Mai 0). Der Staat ist vorwiegend gebirgig, gut bewässert. Die bei Anlage
von Bewässerungseinrichtungen gewinnbaren Wasserkräfte schätzt man
auf 95.000 Pferdekräfte. Die künstliche Bewässerung seitens der Gebirgs-
flüsse wirkt zugleich als Schlammdüngung.

Der Bergbau lieferte 1924: 862 kg Gold, 31.365 kg Silber, 52.384 kg
Blei und 6544 kg Kupfer. Der private Landbesitz gehörte 1910 2951 Per-
sonen, indes 947% der ländlichen Familien keinen Grundbesitz hatten.
Der Ackerbau steht an erster Stelle im Staat, viel Garbanzos (Kicher-
erbsen), Mescal-Agave-Fasern (8000 t), etwas Baumwolle (ca. 100 t), auch
Tomaten, Frühgemüse, spanischer Pfeffer, aber bereits wenig Weizen; auf
bewässerbarem Boden Luzerne (Alfalfa). Gelegentliche Fröste schädigen
nördlich von Mazatlan oft Tomaten und Wintergemüse, manchmal auch
Stürme (Chubascos). Zuckererzeugung jährlich ca. 24.000 t.

Die Wälder liefern Farb- und Gerbholz, aber sie liegen meist so weit
von den Bahnen ab, daß diese und die Bergwerke hier und in Sonora Holz
aus den Vereinigten Staaten einführen.

Der Viehstand zeigte 1924 100.903 Rinder, 12.358 Pferde, 8320 Maul-
tiere, 4956 Schweine, 3135 Schafe, 6830 Ziegen. Die Industrie weist unter
anderem eine kleine Farbstoffextraktfabrik nahe Mazatlan außer einer
kleinen Baumwollspinnerei und -weberei sowie Branntweinbrennereien
von Meskal und Tequila auf,

Die Bahn . Guaymas— T6pie durchzieht den Staat, der in Mazatlan
von zahlreichen Dampferlinien berührt wird. Den Handel in Mazatlan be-
herrschen vorwiegend deutsche und spanische Häuser,

Der Staat Sonora, 182.558 km? mit 275.127 Einwohnern 1921
(1'5 pro km?), im Nordwesten des Landes zwischen dem Kamm des Ge-
birges und dem Golf von Kalifornien gelegen, hat bereits ein subtropisches
Klima mit heißen Sommern und kühlerem Winter, Die Hauptstadt
Hermosillo (14.700 Einwohner), in 29° 4’ n. Br., 218m ü. M. gelegen.



Alphabetisches Verzeichnis.

151

nenden Familien keinen Grundbesitz hatten. Die Regierung hat 45
(von 115) Gemeinden Ejidos zugesprochen.

Die Landwirtschaft blüht und erzeugt in vieler Hinsicht über den
Eigenbedarf hinaus: Mais, Bohnen, Garbanzos, Zucker, Tabak, Reis,
Pfirsiche, Erdnüsse, Gemüse, ferner Kokos- und Kastoröl, Bienenhonig,
Butter, Käse. Der Viehstand war 1924 228.116 Rinder, 62.480 Pferde,
16.132 Maultiere, 124.482 Schweine, 80.481 Schafe und 66.605 Ziegen,

Die Industrie wies 1924 außer den gewöhnlichen städtischen Werken
(z. B. Elektrizität) und Gewerben (z. B. Töpfereien) 5 Baumwollspinnereien
und -webereien auf (4 tätig), außerdem Mühlen und Destillerien.

Die Hauptstadt Guadalajära steht in Bahnverbindung mit
Mexico-City, dem Südseehafen Manzanillo und demnächst auch mit T6epic.

Der Staat Mexico liegt im Herzen des südlichen Hochlandes; er
umfaßt 21.400 km? mit 879.846 Einwohnern (1921), 4111 pro km*. Der
Staat ist gebirgig, enthält aber in den Kesseln von Toluca, von Mexico
u. a. auch viel ebenes Land mit tiefgründigem, großenteils yulkanischem
Boden. Im Südosten erheben sich die Schneeberge Ixtaceihuatl und
Popocatepetl zu mehr als 5000 m Höhe; letzterer ist seit 1920 wieder tätig.
Die Entwässerung erfolgt, abgesehen von den abflußlosen Becken, nach
beiden Weltmeeren. Der Staat gehört zum größeren Teil dem kalten, zum
kleineren — im Süden — dem gemäßigten und warmen Höhengürtel an.
Die Hauptstadt Toluc a (34.000 E.), in 19° 18’ n. Br., 2675 m ü. M. gelegen,
hat eine mittlere Jahrestemperatur von 124° C (Mai und Juni 14°,
Januar 9°0) und einen jährlichen Niederschlag von 634 mm (August 131°8,
Januar 1‘3), während es in Sultepec (18° 50° n. Br., 2336 m ü. M.) durch-
schnittlich 1652 mm regnet (September 3400, Februar 165). Die Wälder
werden in ungeregelter Wirtschaft ausgenutzt. Weithin herrschen Gras-
fiuaren und Strauchformationen mit Kakteen, Agaven und Yuccas.

Der Bergbau lieferte 1924 5697 kg Gold und 72.101 kg Silber (be-
sonders vom Distrikt El Oro); dazu kommt in Zeiten der Ruhe etwas
Schwefel vom Popocatepetl-Krater,

Das Privatland besaßen 1910 856 Personen, so daß 99:5% der länd-
lichen Familien ohne Grundbesitz waren. Die Regierung gab 43 (von
den 118) Gemeinden 1915—1928 Ejidos. Der Ackerbau bringt unter
anderem Weizen (28.637 t 1924), Pulque (268.000 Faß 1928), Zucker (zirka
11.000 t), Tabak, spanischen Pfeffer hervor. Der Viehstand betrug 1924:
118.722 Rinder, 10.970 Pferde, 8068 Maultiere, 27.706 Schweine, 101.543
Schafe und 22.550 Ziegen. Der Staat übernimmt in der Hauptsache die
Milchbelieferung der Hauptstadt (jährlich etwa 600.000 hl).

Die Industrie weist unter anderem ein Schmelzwerk (in Almoloya)
auf (1924: 1 kg Gold, 332 kg Silber, 40.500 kg Blei und 29838 kg Kupfer),
eine große Brauerei (in Toluca) und mehrere Textilfabriken (8 Baumwolle,
3 Wolle).

56 Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
18%, 22% und 60% geschätzt worden, so schätzte man es
nach der Zählung von 1900 zu 19%, 43% und 38%"), d. h. die
Vermischung der Indianer mit Weißen und Mestizen hatte große
Fortschritte gemacht, und damit war das bedürfnisreichere und
wirtschaftlich regere Element der Mischlinge bedeutend an-
gewachsen, zum Vorteil der wirtschaftlichen Entwicklung des
Landes. Aber auch die Besitzverhältnisse hatten sich inzwischen
in günstigem Sinn verändert: Stand ‚am Anfang des 19. Jahr-
hunderts einer außerordentlich geringen Zahl sehr reicher Minen-
und Großgrundbesitzer fast die gesamte übrige Bevölkerung als
besitzlose Masse gegenüber, so war am Ende desselben Jahr-
hunderts die Zahl der Besitzenden immerhin gewachsen; noch
immer gab es freilich eine übergroße Zahl von Personen oder
Erwerbsgesellschaften, die riesigen Minen-, Grund- oder indu-
striellen Besitz ihr eigen nennen konnten, aber daneben fanden
sich doch auch bereits zahlreiche mittlere und kleinere Unter-
nehmer, und die Aufteilung des Kommunaleigentums vieler
Dörfer hatte eine Menge kleiner selbständiger Kleinbauern
yeschaffen.

Die erwähnten Umstände, zu denen sich eine gewisse Gunst
der Verhältnisse der Außenwelt gesellte, hatten in den drei
Jahrzehnten 1880—1910 ein außerordentliches Aufblühen der
Wirtschaft und des Verkehrs ermöglicht. Freilich war dieser
Aufschwung nicht in. allen Zweigen gleichmäßig erfolgt, und
jas Aufkommen der deutschen Teerfarbenindustrie hatte auch
manche Zweige ganz oder beinahe brachgelegt, so die Cochenille-
zucht und die Indigokultur; aber die Einführung neuer und die
Belebung alter Produktionszweige hatten den Ausfall rasch
auszugleichen vermocht und einen allgemeinen Fortschritt ein-

1) Diese Zahlen sind freilich sicher unrichtig, denn M. Gamio hat
‘La poblacion del Valle de Teotihuacan, Mexico 1922, S. 18 ff.) nach-
yewiesen, daß bei den Zählungen die Zahl der Indianer viel zu niedrig
angenommen wurde, während anderseits die Zahl der Weißen viel zu
zroß eingesetzt ist, hauptsächlich deshalb, weil aus Eitelkeit oft An-
gehörige einer Klasse sich selbst der nächst höheren zurechnen; tatsäch-
lich ist die Entscheidung häufig auch schwer, um so mehr als die vor
Generationen erfolgte Beimischung fremden Blutes oft nicht mehr
erinnerlich ist und allgemein vernachlässigt wird.

50 _ Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
Engländer (so S. Pearson, später Lord Cowdray, der Er-
bauer der Hafenanlagen von Veracruz, Puerto Mexico, Salina
Cruz und der Isthmusbahn), später auch Nordamerikaner Folge
geleistet; letztere haben so ausgezeichnete Erfolge zu verzeichnen
gehabt, daß man schon damals geradezu von. einer wirtschaftlichen
Invasion der Nordamerikaner sprechen konnte. Auf dem Gebiete
des Eisenbahnbaues waren sie sogar so. erfolgreich gewesen, daß
die Regierung, um nicht in eine unliebsame Abhängigkeit von
nordamerikanischen Eisenbahngesellschaften zu kommen, sich
selbst durch Aktienaufkauf die Kontrolle über einige wichtige
Linien‘) sichern mußte, während sie ähnliche Transaktionen
gegenüber anderen Bahnen plante. Aber auch in Bergbau und
Industrie sind sie mit großem Erfolg vorgegangen und haben
sich neuerdings auch in tropische Agrikultur in steigendem
Maß eingelassen. Die Fortschritte der Amerikaner waren stellen-
weise geradezu augenfällig, und mit Staunen bemerkte ich Ende
1902 und vollends 1923 die Veränderung, die in der Physio-
gnomie der Hauptstadt seit meinem ersten Besuch Anfang 1893
erfolgt war.

Wenn die amerikanische Durchdringung sich anfänglich
hauptsächlich aufs Hochland erstreckte, so wandte sie sich seit
Beginn des 20. Jahrhunderts auch mit großer Tatkraft der Er-
schließung der beiderseitigen Küstengebiete zu: dem atlanti-
schen zur Ausbeutung der Ölschätze (nachdem der Eng-
länder S. Pearson 1902 im Isthmusgebiet, 1910 in Potrero del
Llano, der Amerikaner L. Doheny 1901 bei Ebano, 1910 bei
Juan Casiano ergiebige Ölbrunnen erbohrt hatten) und dem
pazifischen zur Anlage von Weizen- und Baumwollfeldern (nach-
dem man 1901 zuerst die Wüste des Imperial Tals vom Co-
lorado her zu bewässern begonnen hatte und nun die Bewäs-
serungen auf die mexicanische Seite dieses Beckens vorwiegend

0) Ferrocarril Nacional de Mexico und Compafiia Limitada del Ferro-
carril Central Mexicano; beide wurden laut Regierungsdekret vom 6. Juli
1907 unter Bestätigung der erteilten Konzessionen in eine Aktiengesell-
schaft mit beschränkter Haftpflicht fusioniert (Ferrocarriles Nacionales de
Mexico) mit Sitz in Mexico, während der Aufsichtsrat seinen Sitz in New
Vork hat.

Bergbau.

7ı

juäto 2192, Puebla 2042. Von exzentrischer gelegenen Staaten
wären zu nennen Nuevo Leon, Coahuila und Jalisco, wo auf
1000 Einwohner 6054 bzw. 3582 bzw. 1882 Pesos Mineral-
produktion kamen. Die übrigen Staaten mit Bergwerksbetrieb
traten. daneben ganz zurück.

Seit 1904 haben sich die Verhältnisse wesentlich geändert.
Während 1904 die Petroleumförderung noch so gering
war (125.625 Faß), daß sie bedeutungslos genannt werden
konnte, so hat sie in der Folgezeit eine enorme Entwicklung er-
lebt. 1921 wurden 193,397.587 Faß Erdöl gewonnen, wodurch
die Staaten Tamaulipas und Veracruz plötzlich ein gewaltiges
Gewicht bekamen; seitdem ist allerdings die Förderung wesent-
lich zurückgegangen, was zum Teil auf die Erschöpfung ein-
zelner Lager, zum Teil aber auch auf die Abgabenpolitik und
Gesetzgebung des Staates zurückzuführen ist; aber 1924 war
die Erdölerzeugung mit 272 Millionen Pesos immer noch mehr
wert, als die gesamte übrige Bergbauförderung mit 261 Mil-
lionen Pesos; weitaus der überwiegende Teil der Erdölproduk-
tion stammt aus dem Staate Veraeruz; von den 19 Raffinerien
liegen 2 in Tamaulipas, der Rest in Veracruz*). Während die
Erdölgewinnung auch in den Revolutionsjahren ungehindert
vor sich ging, da beide kriegführenden Parteien der Abgaben
wegen Schonung angedeihen ließen, litt der Erzbergbau —
namentlich im Hochland — stark unter den kriegerischen Er-
eignissen und noch mehr unter dem wieder aufgekommenen
Straßenräubertum, das gar manche der entlegenen kleineren
Bergwerke lahmlegte. Mit Eintritt ruhigerer Verhältnisse in
der Zeit Obregons kamen aber die meisten Bergwerke wieder
in den gewohnten Betrieb, wenn auch viele verlassen blieben,
so daß z. B. die Staaten Morelos und Puebla aus der Reihe
der erzfördernden Gebiete ausschieden. Auch trat eine nicht
unerhebliche Veränderung in den Leistungen der einzelnen
Bergwerksstaaten ein. Sieht man von den Ölstaaten ab, so
stand 1924 an der Spitze der Förderung der Staat Chihuähua
mit über 65 Millionen Pesos Wert; ein sekundäres Maximum

1) Die Statistik der Erzgewinnung wird angeführt im Anuario de
Fetadistiea Minera, der Erdölgewinnung im Böletin del Petröleo.

Abb. 13. Kaffee- und Bananenpflanzung bei Uruapam,
Photo Hugo Brehme.

Abb. 14. Zuckerrohrtransport in einer Zuckerrohrplantage.
Photo Huao Brehme.

26

Die Natur des Landes.

Teil des Jahres verteilt, weshalb dort auch Quellen und Flüsse
das ganze Jahr über ansehnliche Wasserführung zeigen. Infolge-
dessen sind auch die größeren Flüsse dieser Gebiete bei gün-
stigen Gefällsverhältnissen für die Schiffahrt geeignet, so der
Rio Hondo, der Uzumacinta, der Grijalva im transisthmischen
Gebiet, der Coatzocoalcos und Papaloapan, der Rio Pänuco und
andere im Östen des cisisthmischen Gebiets von Mexico. Die
Schiffbarkeit dieser Flüsse wäre noch‘ günstiger, wenn nicht
einzelne ihrer Quellarme aus trockenen Gebieten herkämen und
damit die Regelmäßigkeit der Wasserführung ungünstig be-
einflußten. Diese bringen zudem von oben her große Massen
von Geröllen mit, die sie auf den Strecken stärkeren Gefälls als
wandernde Bänke abwärts schieben; dieselben verändern und
gefährden das Fahrwasser häufig weit mehr als die Sand- und
Schlammabsätze reiner Urwaldflüsse in den Gebieten fast aus-
schließlicher chemischer Verwitterung. In der Regenzeit drängen
sich aber die schweren Regenfälle der Wärmegewitter zeitlich
so eng zusammen, daß die Betten der Flüsse und Ströme diese
gewaltigen Wassermengen nicht mehr fassen können, sondern
große Überschwemmungen verursachen; die mit der
Regelmäßigkeit einer Uhr alljährlich bedeutende Urwald- und
auch Savannenflächen wochen-, ja auf kleineren Strecken selbst
monatelang unter Wasser halten und damit diese Flächen zu
Gebieten herabgesetzter Wirtschaftsfähigkeit machen. Verlaufen
die ersten großen Hochwasser anfänglich noch rasch, so bleiben
die späteren, wenn einmal der Boden mit Feuchtigkeit gesättigt
ist, oft lange Zeit mit hohem Wasserstand bestehen. Am be-
deutendsten sind die Überschwemmungen im Alluvialland von
Tabasco, wo große Flächen wochenlang tief unter Wasser
stehen und der Kahn dann weithin den Verkehr übermitteln
muß, wo sonst das Maultier diesen Dienst tut.

Die Flüsse der regenreichen Teile der pazifischen Ab-
dachung sind zu kurz und haben zu starkes Gefäll, um der
Schiffahrt nennenswerte Dienste leisten zu können, während
sie allerdings, wie viele atlantische Flüsse, für Flößerei nicht
selten verwendet werden. Die Flüsse der regenärmeren Teile
der pazifischen Abdachung leiden an sehr starker Schwankung

Alphabetisches Verzeichnis.

155
Das Land ist sehr gebirgig und erreicht 3400 m Höhe ü. M., zeigt also alle
Höhengürtel. Während. die Hochlandstaaten im kalten Land zentrale, von
der Bevölkerung besonders stark bewohnte flache Becken aufweisen,
besitzt Oaxäca ein solches in Tierra templada (1550 m), wo auch der Sitz
der Hauptstadt ist.

Die Stadt Oaxäc a, 1569 m ü. M., in 17° 4’ n. Br. (27.796 Einwohner),
zeigt 19°0°C mittlerer Jahrestemperatur (Mai 217, Januar 16°), dagegen
Tehuantepec in 16° 20’ n. Br., 38m ü. M. (ca. 11.000 Einwohner), 270° C
(April 28°9, Februar 258). Der Regenfall ist in Oaxäca 575 mm (Juni 1142,
Dezember 05), in Tehuantepec 440mm (Juli 111'8, November und De-
zember 0), dagegen Choapan in 17° 21’ n. Br., 600m ü. M., 2243 mm (Juli
386'7, März 541).

Das Staatsgebiet entwässert teils nach dem Atlantischen, teils nach
dem Stillen Ozean. Die Flüsse haben starkes Gefäll; mit den offiziellen
21.000 Pferdekräften dürfte die gewinnbare Wasserkraft sehr weit unter-
schätzt sein.

Der Bergbau lieferte 1924 23 kg Gold und 1947 kg Silber. Viele Berg-
werke liegen still. Große Wälder bekleiden die Gebirgsabdachungen. Sie
liefern außer Bau-, Möbel- und Farbholz auch etwas Chicle und ca. 30t
Sarsaparille. Die Landwirtschaft ist leistungsfähig, Außer den gebräuch-
lichsten Nutzpflanzen der drei Höhenstufen wird Kaffee (2700 t über den
Eigenbedarf), Kakao (300t), Vanille (10%), Tabak (350t), Zucker, Baum-
wolle (1923: 140t), Kastoröl, Reis (600 t), Weizen, etwas Indigo und
Cochenille erzeugt. Der Viehstand war 1924: 92.046 Rinder, 11.757 Pferde,
7368 Maultiere, 54.606 Schweine, 27.841 Schafe und 66.091 Ziegen. Die
Industrie ist wenig entwickelt, Von den 2 Baumwollspinnereien und
‚webereien feierten beide.

Eisenbahnen reichen von Norden her in den Staat hinein, während
die Tehuantepecbahn Anschluß an das Bahnnetz von Veraeruz und dem
Hochland hat. Der Haupthafen des Staates ist Salina Cruz, vor Eröffnung
des Panamakanals viel besucht, jetzt, obgleich Freihafen, nur mehr mäßig.
Puerto Angel ist ein wenig bedeutender Hafenplatz (aber wichtig für den
benachbarten Kaffeedistrikt).

Der Staat Puebla, 33.995 km? mit 1,023.428 Einwohnern (30:10
Pro km”), reicht vom südlichen Hochland bis ins Tiefland (im Süden und
Osten). Die Hauptstadt gleichen Namens (101.000 Einwohner), in 19° 2’ n. Br.,
2150m ü. M. gelegen, weist eine mittlere Jahrestemperatur von 156°C
auf (Mai 188, Januar 12°0) und einen Regenfall von 820 mm im Jahr
(August 1446, Januar 0:6), während z. B. San Lorenzo 2637 mm, Tehuacan
aber (18° 28’ n, Br., 1652 m) nur 540 mm Regen erhält. Der Staat entwässert
nach beiden Weltmeeren, Die Wälder liefern Holz und Arzneipflanzen.

Der Bergbau bietet Onyx und Marmor.

Der Landbesitz verteilte sich 1910 auf 1259 Besitzer, so daß 993%
der ländlichen Familien landlos waren. Der Ackerbau ist wohl entwickelt

Abb, 3. Chochimilco.
Photo Huao Brehme.

Abb. 4. Santa Catarina und Las Calderas,
Erloschene Vulkane in der Umgegend der Hauptstadt Mexico.
Aus Brehme, Mexico. Verlag Ernst Wasmuth, Berlin.

Abb. 25. Wasserfall am Plateau der Sierra de Nayarit- mit
lichtem Bergwald (Kiefern).

Abb. 26. Salzgewinnung bei Manganillo.
Photo Hugo Brehme.

Abb. 1. Indianerdorf Tumbala mit zerfallener Klosterkirche
in spanischem Barock.

+hot. Kahlo.

KARL HAUSHOFER
Professor an der Universität in München
DAS JAPANISCHE REICH
IN SEINER GEOGRAPHISCHEN ENTWICKLUNG
171 Seiten. 1921. Broschiert M. 3:50.
„Das Buch ist ein Meisterstück geopolitischer Forschung und verdiente im deutschen
Volke die gleiche Verbreitung wie sie die Kjellenschen Werke gefunden haben. Besonders
wirkungsvoll und lehrreich sind die Parallelen, die zwischen Deutschland und Japan gezogen
wurden.“ Geographischer Anzeiger.

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erworbenes Wissen, tief eindringende Kenntnis und große Überschau. Haushofer zieht mit
hohem Scharfsinn geopolitische Schlüsse aus einer Reihe geographischer Einzelerscheinungen
and rückt sie zur Beachtung in klares Licht. Mit einer Sicherheit der Hand, wie nur wenige
Geographen sie haben, deutet er hart und unerbittlich die Seiten des menschlichen Lebens
aus den irdischen Bedingungen. Das Buch ist eine anthropogeographische Studie von hohem
Wert.“ Die Neue Geographie.
HÜBNERS
GEOGRAPHISCH-STATISTISCHE
ALLER LÄNDER DER ERDE
69. Jahrgang 1927
Neu bearbeitet, vielfach vermehrt und verbessert.
und abgeschlossen im April 1927
von
Dr. Eugen Würzburger und Dr. Ernst Roesner
0. Prof. a. d. Referent im
Universität Leipzig Statistischen Reichsamt
Präsident a. D. in Berlin
d. Sächs. Statist. Landesamts
186 Seiten. Queroktav. Kartoniert M. 7:—.
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Gebietseinteilung
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sprechwesen / Landwirtschaft
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Tee / Kakao / Wolle P Baumwolle
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In zweiter Auflage erscheint soeben:
DR. EMANUEL CZUBER
0. 5. Professor der Technischen Hochschule in Wien
DIE STATISTISCHEN FORSCHUNGSMETHODEN
X und 238 Seiten. Großoktav, Mit 35 Figuren im Text. Geheftet M. 7:50, gebunden M. —
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Vorbildung der Leser keine allzu großen Ansprüche. Und hierin ist der große Vorteil des

Buches zu erblicken. Es erfüllt das Bedürfnis der Praxis. Denn Bücher, in denen auch der

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machen kann. sind geeignet, diesen Methoden den ihnen Zzukommenden Platz zu sichern.
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Photo Hugo Brehme.

Abb. 18. Indianische Pflüger auf dem Hochlande
in ihren weißen Baumwollkleidern.
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MEXICO
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‚8.

VERLAG VON L. W. SEIDEL & SOHN IN WIEN

Landwirtschaft.

91

denen Spielarten, gestattet. Aus demselben Grund ist auch die
Produktion dieser beiden Kulturgewächse über das ganze Land
gleichmäßiger verteilt als die irgend welcher anderer Kulturen;
nur die trockenen Gebiete Niederkaliforniens und Yucatäns
zeigen eine geringfügige Produktion!). Die Maisernte ist zuU-
weilen recht ansehnlich (1924: 19.033 t = 1-7 Millionen Pesos).

Dagegen ist der Anbau der europäischen Getreide-
arten in den Tropen auf die Regionen oberhalb 1500 m (bis
etwa 3200 m) ü. M. beschränkt und senkt sich nur in den außer-
tropischen Gebieten tief herab. Außerdem sind die regenfeuchten
Regionen des kalten Landes für den Getreidebau wenig geeignet,
so daß derselbe also in den Tropen hauptsächlich auf das
trockene Hochland beschränkt bleibt. Das Hauptweizengebiet
Mexicos liegt im Zentrum des mexicanischen Hochlandes, wo
bei Bewässerung und Abwechslung mit Maiskultur in zwei
Jahren drei Ernten möglich sind, eine von Weizen und zwei von
Mais. Der Bau von Eisenbahnen hat hier den Weizenbau sehr
gehoben”).

1) Im Staat Yucatän ist die geringe Produktion allerdings teilweise
darauf zurückzuführen, daß fast alle erhältlichen landwirtschaftlichen
Arbeitskräfte für Henequenkultur verwendet werden.

%) Stellenweise ist auch in Gegenden mit stark ausgeprägter Trocken-
zeit durch eine Art Trockenfarmen die Erzeugung erheblich gesteigert
worden. Dr. F. Petersen teilt mir darüber mit: „Um den Pflanzen in
solchen Gegenden (z. B. Puebla) genügend Feuchtigkeit während der
Vegetationsperiode zur Verfügung zu stellen, werden die Regenmengen
von 2 Jahren im Boden aufgesammelt und während dieser Zeit wird der
Boden nicht bebaut, sondern nur dafür gesorgt, daß nach erfolgtem Regen
die Oberkrume des Bodens aufgelockert wird und damit die Kapillar-
röhrehen unterbrochen werden. Für deutsche Verhältnisse wäre der
geringe in den 6 Trockenmonaten fallende Niederschlag (1174 mm,
November bis April) zwar ausreichend, aber es ist zu bedenken, daß in
Mexico während dieser Zeit stets die Sonne scheint und daß es starke
trockene Winde gibt, die den Boden sehr austrocknen.

Um den Weizen, der im Oktober bis November gesät wird, genügend
Feuchtigkeit zur Verfügung zu stellen, wird das Land tief gepflügt, zirka
95 cm tief, auf den besseren Ländereien auch noch mit dem Untergrund-
pflug bis zu 70cm aufgelockert. Während der Regenmonate kann der
Acker dann genügend Feuchtigkeit in sich aufnehmen, außerdem können
die Wurzeln genügend tief eindringen und somit die Feuchtigkeit mehr

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12

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
schaftlichen und forstlichen Erzeugnisse der verschiedenen
Klimazonen, das räumlich beschränkte Vorkommen mancher
beliebter Jagdtiere oder Fischarten und anderes führte natur-
notwendigerweise zu einem Handelsverkeh r, der um so
intensiver war, je bedeutender Kultur, politischer Machtbereich
und Volksdichte waren und ein je größerer Unterschied in der
Ausstattung benachbarter Gebiete bestand. Zur Vermittlung des
Handels wurden besondere Märkte abgehalten unter Aufsicht
eigener Richter und Inspektoreny die ihre Aufmerksamkeit
ebenso den Handelsgeschäften selbst als den gebrauchten
Maßen und Gewichten zuwenden mußten. Der Handel selbst
wurde durch Tausch oder durch gewisse Geldsorten (Gold,
Kupferscheiben, Kupferäxte, Salz, Quezalfedern, Baumwollstoffe,
Kakaobohnen u. a.) vermittelt. Die hohe Entwicklung der Ge-
werbetätigkeit bei manchen Stämmen oder in bestimmten Städten
und Dörfern gab Anlaß zu ausgedehnten Handelsreisen der
betreffenden. Erzeuger oder genossenschaftlich sich organisie-
renden Händler, und es haben namentlich aztekische Kaufleute
ihre Ware weithin in ferne Länder Mittelamerikas verhandelt.

Der Handel ‚spielte sich vorzugsweise zu Lande ab. Aber
auch Seeverkehr fehlte nicht; er war namentlich vom Festland
nach den vorlagernden Inseln hin rege, und yucatekische
Händler unternahmen in Ruder- und Segelbooten selbst größere
Seereisen, so nach Coatzocoalcos, Honduras und wohl auch
Kuba, Die Flüsse und Seen des Innern wurden, soweit irgend
möglich, für den Verkehr ausgenutzt und im Talbecken von
Tenochtitlan. waren sogar schon Kanäle zu Verkehrszwecken
gegraben worden. Sehr groß war der Verkehr auf dem See, in
dem Tenochtitlan lag; sollen doch täglich 2000 Marktboote nach
dieser Inselstadt gekommen sein! Da aber nur vergleichsweise
wenige Strecken des Innern sich für Wasserverkehr eigneten,
so erfolgte doch der größere Teil des Güterverkehrs auf festem
Land. Da die einheimische Tierwelt keine zu Last- oder Zug-
zwecken abrichtbaren Geschöpfe bot!), so mußten Menschen als
*) In diluvialen Schichten sind allerdings Lamaknochen neben
menschlichen Skeletten gefunden worden; zur Aztekenzeit aber war das
Lama in Mexico längst ausgestorben.

12

Die Natur des Landes.

Westen von höheren Gebirgszügen umrahmt ist, deren Gesamt-
heit je als Sierra Madre Oriental bzw. Sierra Madre Oeccidental
bezeichnet zu werden ‚pflegt. Beide Gebirge fallen zum Meer
oder zur Küstenebene ziemlich schroff ab. In den Steilabfall der
Sierra Madre haben sich die größeren Flüsse (z. B. Rio Fuerte,
Rio Mayo, Rio Yaqui) gewaltige Cafions eingegraben. Im Süden
dacht sich der mexicanische Kontinentalblock nicht einfach
zum Isthmus von Tehuantepec hin ab; vielmehr finden sich hier
zahlreiche Bergketten mit verschiedener Streichrichtung und
namhafter Höhe, die zuweilen kleinere Hochebenen zwischen sich
einschließen. Die höchsten absoluten Höhen erreichen die jungen
Vulkane, namentlich der Pic von Orizaba (5580 m), der Popoca-
tepetl (5450 m) und die Iztaccihuatl (5290 m). Die östliche Sierra
Madre steigt in der Sierra de los Angeles zu 2750 m, im Cerro
Caniando zu 2860 m an, die westliche in der Sierra de Nayarit zu
3200 m, während die Gebirge im Süden in den Staaten Oaxaca
und Veracruz sich bis 3400 m (Cempoaltepetl) erheben und selbst
die Halbinsel Niederkalifornien (im Santa Catalina) zu 3090 m
aufragt. Die höchstgelegenen und wichtigsten Teilebenen des
Hochlandes sind die von Toluca (2680 m), Mexico (2280 m) und
Puebla (Stadt 2170 m), wogegen im südlichen Gebirgsland die
Hochebene von Oaxaca noch 1550m ü. M. liegt.

Während die östliche Aufwölbung des Hochlandes, die
Sierra Madre Oriental von einigen gut wegsamen Flußtälern
durchbrochen ist und darum keine durchgreifende Verkehrs-
scheide bildet, ist die nur ‚sehr dünn bevölkerte Sierra Madre
Oeccidental wegen ihrer weithin wilden Zerrissenheit ein wirk-
sames Verkehrshindernis seit alten Zeiten, so daß die nordwest-
lichen pazifischen Küstenstaaten und Niederealifornien ver-
kehrsgeographisch am engsten mit Südealifornien verbunden
waren, namentlich seitdem (1909) die Bahn von der nordameri-
kanischen Grenze (Nogales) nach Guaymas (und später bis Tepic)
eröffnet worden ist und seitdem die Stadt Los Angeles sich zu
einem Handelsmittelpunkt für Nordwestmexico entwickelt hat.
(Erst die in Aussicht stehende Vollendung der Bahn von Tepic
nach Guadalajara wird eine brauchbare Verbindung mit dem
Hochlande herstellen, ohne daß jedoch dadurch eine Einwande-

Tabelle IL

Die Bevölkerung 1910 und 1921
(nach Boletin de Estadistica 2a Ep. AXo 1. Junio 1912, Nr. 12).

1. Die südlichen Hochlandgebiete:
Bundesdistrikt
Mexico .
Puebla . .
Tlaxcäla .
Hidalgo ..
Queretaro .
Guanajuäto .
Jalisco (halb). .
Michoacän (halb)

2. Die mittleren Hochlandgebiete:
Aguascalientes
San Luis Potosi
Zacatecas ..

i) Je Gesamtstaat,

Volksdichte pro km?

1910 1921 1910 1921
1.488 720.758 906.063 486'01 61197
21.400 989.510 879.846 46°24 A111
33.995 1.101.600 1,023.428 3240 3011
4.027 184.171 178.479 45'783 44:32
20.884 646.551 627.991 30°96 30:07
11.480 244.663 220.221 21‘31 1918
30.585 1,081.651 860.364 35'37 28:13

40.342 ca. 806.000 (?/,) ca. 782.600 (?/,) ca. 20:0 ca. 19°4

30.049 ca. 661.200 (*/.) ca. 624.000 (*/.) ca. 22:04 ca. 208

194.238 ca. 6.436.000 ca, 6.103.000 ca. 33'1 ca. 31°4

Bevölkerungs-
änderung
in Prozenten
seit 1910
A 257

11°8
71
31
29
98

201
29°)
522
5:2

6.472 120.511 107,581 1862 16:62 — 107
63.241 627.800 445,681 9:93 705 — 290
72.843 477.556 379.329 KR 521 —— 206
142,556 1,225.867 932.591 8° 65 — 24:0

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DS
ib

20 Die Natur des Landes.

oder aber von wandernden Antizyklonen auf und verursachen dem
Ackerbau des Hochlands viel Schaden: wenn auf starken Tem-
peraturrückgang bei Sonnenaufgang ein rascher Wärmeanstieg
erfolgt, werden die Gefäße der Pflanzen zerstört und damit diese
vernichtet, und zwar erfolgt dies vor allem in den tiefen Lagen
der Täler und Becken, während die Hänge weniger oft in Mit-
leidenschaft gezogen werden‘).

Je mehr man sich nordwärts vom Wendekreis entfernt,
desto mehr entfernt man sich auch. von dem rein tropischen
Wärmeregime und nähert sich mehr und mehr den kontinentalen
Verhältnissen des nördlichen Nachbarlandes, der Vereinigten
Staaten: die Sommer werden exzessiv heiß, die Winter ver-
hältnismäßig kühl, die Temperatursprünge von Tag zu Tag
infolge des Einbrechens kalter, eventuell auch heißer Luft-
strömungen von außen her größer, so daß das Klima der nörd-
lichen Gebiete Mexicos nicht mehr wesentlich verschieden ist
von dem der benachbarten Teile der Union. Die heißesten
Sommertemperaturen finden sich im nordwestlichen Mexico,
sowie in der Umgebung des Mexicanischen Golfs, dessen Wasser
28° C Sommertemperatur zeigt.

Viel bedeutsamer als die Breitendifferenzen sind für die all-
gemeinen Wärmeverhältnisse die Höhenunterschiede, wie
schon die einfache Überlegung zeigt, daß die mittlere Jahres-
temperatur um etwa */,” C bei Erhebung um 100m sinkt. So
hat denn der Volksmund schon längst drei Klimagürtel im Lande
unterschieden: die "Tierra caliente (heißes Land), Tierra
templada (gemäßigtes Land) und Tierra fria (kaltes Land).
Freilich besteht über die Abgrenzung dieser Gürtel weder im
Volksmunde noch in wissenschaftlichen Kreisen Übereinstim-
mung, und während die einen die obere Grenze des heißen bzw.
gemäßigten Landes bei 1000 bzw. 2000 m ansetzen möchten,
sind andere geneigt, sie auf 600 bzw. 1800 m oder gar 400 bzw.
1500 m herabzusetzen. Es ist ja auch richtig, daß jenseits des
Wendekreises die Wärmeregionen rasch tiefer und tiefer sinken,
so daß nahe der Nordgrenze des Landes die Einteilung ihren

?) E. Lopez in Memorias der Sociedad cientifica „Antonio Alzate“,
t. 38, S. 315 ff.

Alphabetisches Verzeichnis.

161
boote fahrbar. Der Seehafen Frontera läßt Dampfer größeren Tief-
yangs wegen Barre nicht ein. Gefährlich ist die Küste samt ihren Ein-
buchtungen.

Der Staat Tamadlipas, zwischen dem Golf von Mexico und dem
Hochland, besitzt eine Fläche von 79.602 km? mit (1921) 287.957 Ein-
wohnern (362 pro km?). Das Klima ist im Tiefland warm, an den Gebirgs-
hängen kühl; die höhere geographische Breite macht sich bereits in einem
etwas stärkeren Ausschlag der jährlichen Wärmeschwankung geltend:
Tampico in 22° 18’ n. Br., 22 m ü. M. (120.000 Einwohner). Hauptausfuhr-
hafen von Erdöl, das im Staate Veracruz gewonnen wird, ferner von Erzen
aus den Nordstaaten. Wichtiger Einfuhrhafen, Jahresmittel 28°2° C (August
271, Februar 19°0), Ciudad Victoria, in 28° 44’ n. Br., 317m ü. M.,
Hauptstadt (ca. 20.000 Einwohner) mit Obst- und Orangengärten. Jahres-
durchschnitt 227° (Juni 28'3, Dezember 16-4). Der Regenfall ist mäßig:
Tampico 898 mm (August 1877, Februar 196), Ciudad Victoria 560 mm
(April 1305, November 1883). Das Land ist längs der lagunenbesetzten
Küste flach, weiter landeinwärts hügelig bis gebirgig. Von den Flüssen
sind die beiden Grenzflüsse Rio Grande und Pänuco streckenweise
schiffbar, Man hat berechnet, daß 95.000 Pferdekräfte durch Wassergefälle
zu gewinnen wären. Grasfluren und Wälder neben Strauchsteppen decken
das Land. Der Bergbau liefert Schweröl. Der private Landbesitz entfiel
1910 auf 3079 Eigentümer, während 92'3% der ländlichen Familien keinen
Grundbesitz hatten. Die Landwirtschaft liefert außer den gewohnten
Nutzgewächsen des Landes Reis, Baumwolle (1923: 3277 tt), Zuckerrohr,
Ixtle u. a. und erfährt einen neuen Aufschwung. Der Viehstand betrug
1910 37.250 Rinder, 71.656 Pferde, 49.985 Maultiere, 10.906 Schweine, 64.385
Schafe und 143.093 Ziegen. Die Industrie besteht hauptsächlich in Öl-
raffinerien. Der Handel in Vieh, Baumwolle, Ixtle, Häuten, Holz u. a. ist
rege, vor allem in der Hafenstadt Tampico, von wo eine Bahn sowohl
nach San Luis Potosi wie nach Vietoria und Monterrey führt.

Tepic s. Nayarit.

Der südliche Hochlandstaat Tlaxcala hat nur 4027 km? (178.570 Ein-
wohner 1921, 4434 pro km”). Das Gelände weist außer ausgedehnten Ebenen
auch Gebirge auf sowie den 4460 m hohen, stellenweise waldbedeckten, zu-
weilen schneegekrönten Vulkan Malinche, Das ganze Gebiet gehört der kalten
Höhenzone an. Das Klima ist kühl, der Regenfall mäßig, ausreichend für
den Ackerbau, der Boden gut. Die Grundbesitzverhältnisse um 1910 wiesen
224 Besitzer auf, so daß 993% der ländlichen Familien landlos waren.
Die Regierung gab 1915—1923 29 (von den 36) Gemeinden Ejidos. Die
Wälder liefern Holz, der Feldbau alle Feldfrüchte des kalten Landes in
reichlicher Menge, darunter auch Pulque (1923: 290.000 Faß zu 2501),
Weizen (1467t 1924), Kartoffeln, Gerste. Der Viehstand, in der Revolu-
ünonszeit schwer geschädigt, betrug 1924 2988 Rinder, 2165 Pferde, 8726
Maultiere, 3291 Schweine, 17.512 Schafe, 3612 Ziegen, Die Industrie weist

50 Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
Seifensiedereien, Glas- und Fayencefabriken, Buchdruckereien,
in Mexico auch einer. Münze (seit 1537). Aber die Mehrzahl
industrieller Erzeugnisse kam vom Mutterland und bildete den
Hauptstock der Einfuhr.

Der Handel spielte sich in der spanischen Kolonialzeit auf
dem Lande vielfach in gleicher Weise durch indianische Händler
ab, wie zuvor, und auch in die Städte brachten die Indianer
ihre Erzeugnisse. Die Weißen aber/ trieben nicht nur Binnen-
handel, sondern auch überseeischen Handel mit dem Mutter-
land, das Mexico mit Geweben, Papier, Eisen, Branntwein, Wein
u. 8. w. versorgte, während Mexico dorthin hauptsächlich Edel-
metalle, Cochenille, Indigo, Vanille, Zucker, Häute schickte.
Außer mit dem Mutterland bestanden auch regelmäßige Be-
ziehungen mit den Philippinen (besonders Silberausfuhr über
dort nach China), seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch mit
den übrigen spanischen Kolonien.

Vor dem Jahre 1778 besorgte eine Anzahl von der spani-
schen Regierung privilegierter sogenannter Registerschiffe den
Handelsverkehr zwischen Cadiz und Sevilla einerseits, Veracruz
anderseits, indem alle vier Jahre eine Fahrt hin und zurück aus-
geführt wurde. Die letzte Registerflotte, die unter U110 as Kom-
mando 1778 fuhr, nahm außer Edelmetallen Waren im Wert von
2.470.000 Pesos mit (davon 2,264.254 Pesos Cochenille), während
1787—1790 nach Eröffnung des freien Handels mit dem Mutter-
land und den spanischen Kolonien die Warenausfuhr über Vera-
cruz bereits 11,493.664 Pesos ‚erreichte (davon für 7,923.989
Pesos Cochenille) — ein klarer Beweis für den vorteilhaften
Einfluß der freieren Handelsbestimmungen. Später entwickelte
sich der Handel von Veracruz immer mehr, und als Durch-
schnittswert des gesetzlichen Veracruzaner Gesamthandels fand
Mühlenpfordt für das letzte Vierteljahrhundert der
spanischen Kolonialäre (1796—1820) 31°/, Millionen Pesos
jährlich.
Gegenüber dem Handel über Veracruz trat der über Aca-
pulco (auf der pazifischen Seite des Landes) stark zurück. Nach
Acapulco kam jährlich von den Philippinen ein Schiff von 1200
bis 1500 t Gehalt, das nach dem Gesetz für !/, Million Pesos

Alphabetisches Verzeichnis.

149

1910 besaßen 4533 Personen den ganzen privaten Grundbesitz,
während 971% der ländlichen Familien keinen eigenen Grund und Boden
besaßen. Die Regierung gewährte von 1915—1923 24 (von den 67) Ge-
meinden Ejidos, Der Ackerbau blüht. Die Weizenernte wurde 1924 auf
44.722 t angegeben, der in zahlreichen Mühlen gemahlen wird, dazu
kommen ca, 5000% Gerste, große Mengen: der gebräuchlichsten Feld-
früchte, 5000t Kichererbsen, ferner Tabak, Ixtle, Zucker, Trauben,
Früchte, dazu (1923) 4000 Faß zu 2501 Pulque. Der Viehstand betrug 1924
59.655 Rinder, 12.870 Pferde, 9312 Maultiere, 34.290 Schweine, 116.818
Schafe und 193.525 Ziegen.

Die Industrie beschränkt sich außer Mühlen und Stampfwerken vor-
wiegend auf Textilfabriken (Wolle 7, Baumwolle 8). Heimgewerbe erzeugt
3trohhüte, Sättel, baumwollene, seidene und wollene Gewebe.

Verhältnismäßig viele Bahnen durchziehen den Staat.

Der Staat Guerrero, 64.458 km, mit 581.565 Einwohnern (1921,
3:26 pro km”), reicht von der Südseeküste aus ziemlich weit ins Innere,
ohne das eigentliche Hochland zu erreichen. Der größte Teil des Gebiets
gehört der Tierra caliente und templada an, zeigt also hohe und mäßige
Temperaturen im Durchschnitt. Die Sierra Madre streicht parallel der
Küste und dem Balsafluß. Der Regenfall wechselt erheblich. Der Hafen
Acapulco in 16° 49’ n. Br., 3m ü. M. (ca. 6000 Einwohner), hat einen
Jahresniederschlag von 1162 mm (Juni 357-6, Dezember bis März 0), Iguala
im Innern, in 18° 15’ n. Br., 866 m (8000 Einwohner): 610 mm (September
1586, Dezember bis Februar 0). Der größte Teil des Staates gehört dem
Flußgebiet des Rio Balsas an, der aber trotz seiner Länge auf den meisten
Strecken wegen starken Gefälls nicht schiffbar ist.

Der Bergbau lieferte 1924: 240 kg Gold, 833.111 kg Silber und
585.334 kg Blei. Die Wälder bieten Möbel- und Bauholz. Der private
Landbesitz war 1910 in den Händen von 1712 Personen, während 985%
der ländlichen Bevölkerung landlos waren. 1915—1923 hat die Regierung
30 (von den 73) Gemeinden Ejidos gegeben. Die Landwirtschaft ist viel-

gestaltig. Außer den gebräuchlichsten Nutzpflanzen des heißen und des
gemäßigten Höhengürtels wird Sesam, Baumwolle (1923: 442t), Zucker-
rohr, Kastor angebaut. Der Viehstand war 1924: 102.887 Rinder, 3364
Pferde, 1985 Maultiere, 44.612 Schweine, 6591 Schafe und 383.936 Ziegen,
Industrie ist noch ganz unentwickelt, besitzt aber 2 Baumwollspinnereien
and -webereien, Die Entwicklung des Staates ist durch den Mangel an
guten Verkehrswegen stark beeinträchtigt. Nur der Norden besitzt
Bahnen. Wichtig und ausgezeichnet ist aber der Südseehafen Acaptlco,
der von vielen Linien besucht wird.

Die Hauptstadt des Staates ist Chilpaneingo (5958 Einwohner) in
1380 m ü. M., mehrfach von schweren Erdbeben heimgesucht; sie ist wenig
antwickelt. In Heimgewerbe feine Palmhüte und Matten.

Industrie.

107

Fällen (wie im Schmiedegewerbe) eingeführte Materialien ver-
arbeiten, so ist es auch bei den Industrieanlagen zumeist der
Fall, so daß die gegenwärtigen Fabriken vielfach nur als
Modernisierungen der alten Betriebe zu betrachten sind.

Bei allen handwerksmäßig oder fabrikmäßig betriebenen
yewerblichen Anlagen, die Rohstoffe am Gewinnungsort selbst
der in seiner Nähe verarbeiten, wie Hüttenwerke, Zucker-
mühlen, Kaffeeschälereien, Faserisoliereinrichtungen, Indigo-
fabriken, Mehl- und Sägemühlen, keramische Betriebe, Por-
zellan- und Glasfabriken, Gerbereien, Baumwoll- und Woll-
spinnereien oder -webereien, Baumwollsamenölmühlen u. a.,
fällt die geographische Verbreitung der betreffenden Industrien
vielfach ungefähr zusammen mit der der betreffenden Rohstoff-
arzeugung. Die Hauptmenge derartiger Anlagen fällt aufs Land
oder in kleinere Landstädte, soweit die Betriebe nicht so be-
deutend sind, daß, wie manchmal im Bergwerks- und Hütten-
wesen, durch sie selbst größere Städte entstanden sind“). Anders
steht es mit jenen Industrien, die ganz oder teilweise eingeführte
Materialien verarbeiten, wie Eisen- und Stahlwerke, Maschinen-
fabriken aller Art, chemische Fabriken: sie sind gewöhnlich in
den größeren Städten angelegt, wo zugleich ein größerer Absatz
zu erwarten ist, sofern sie nicht bei günstigen Verkehrsverhält-
nissen an den Ort der Wasserkraft verlegt sind. Auch die Eis-
fabriken, Bierbrauereien, elektrische Kraft- und Beleuchtungs-
anlagen sind zumeist an die Nähe größerer Städte gebunden.
Im allgemeinen ist die industrielle Tätigkeit am intensivsten
in und bei den größeren Städten des volkreichen Hochlands von
Mexico, insbesondere in der Hauptstadt des Landes selbst, wo
auch die von der Regierung betriebene Waffenfabrik erbaut ist.
Hier beginnt sich also der in Europa gewöhnliche Zustand heraus-
zubilden, daß die Städte als Industriezentren in einem gewissen
Gegensatz zum Land stehen. Stellenweise ist aber noch das
Gegenteil der Fall, so in Yucatän, wo, über das Land zerstreut,
N Eine gewisse Ausnahme macht in dieser Richtung die im Hoch-
jand ansässige Baumwolltextilindustrie, die anfänglich großenteils auf
Einfuhr eines Teiles ihres Rohstoffs aus dem Ausland angewiesen gewesen
war, jetzt aber viel Rohstoff aus Niederkalifornien bekommt,

Bau und Oberflächengestaltung.

13

rung von dorther für die Küstenstaaten zu erwarten wäre, da
der Hochlandbewohner das Tiefland meidet.)

Ganz verschieden ist der Bau des mittelamerikanischen,
transisthmischen Mexico (auch abgesehen von dem fremdartigen,
jugendlichen Kalkgebiet der Halbinsel Yucatän). Wohl haben
sich auch hier in der Nähe der pazifischen Küste alte Gebirgs-
bildungsvorgänge abgespielt, wohl ist auch hier in der älteren
Eozän- und der Oligozänzeit die gebirgsbildende Kraft wieder tätig
vewesen, aber als das kontinentale Mexico bereits die Grundzüge
seiner heutigen Gestalt erreicht hatte, begann hier eine neue ener-
gische Gebirgsfaltung (im Obermiozän oder Pliozän) und gab dem
Kettengebirge des nördlichen Mittelamerika in der Hauptsache
seine jetzige Gestalt und Ausdehnung (vom Isthmus von
Tehuantepec durch Chiapas und Guatemala bis Britisch- und
Spanisch-Honduras). Wohl sind auch in diesem Teil Mexicos
junge Eruptivgesteine (besonders Andesite) in bedeutenden
Massen hervorgequollen, aber sie haben nur” ganz vereinzelt
nennenswerte Erzmengen mit sich gebracht, und da auch die
älteren Formationen des Gebiets sehr arm an Mineralschätzen
sind, das jugendliche Yucatän derselben aber gänzlich entbehrt,
so hat der Bergbau im transisthmischen Mexico niemals eine
nennenswerte Bedeutung erlangt und erscheint zur Zeit unter
den Beschäftigungsarten der Einwohner überhaupt nicht mehr.

Der Reisende, der von Norden nach Süden die Staaten
Tabasco und Chiapas durchquert, passiert zunächst das
alluviale Tiefland von Tabasco und ersteigt darauf ein stufen-
förmig ansteigendes Kettengebirge, das Höhen bis 2870 m
(Cerro Zontehuitz) erreicht und kleinere beckenförmige Hoch-
ebenen enthält (z. B. San Cristöbal Las Casas, 2100 m, und Co-
mitän, 1600 m). Treppenförmig senkt sich dann das Gelände zu
einer breiten Talsenke, die der Rio de Chiapas durchströmt;

weiter südlich folgt die Sierra Madre mit Höhen bis 3000 m
und dem 4060 m hohen Vulkan Tacani, worauf ein Steilabfall
zu der schmalen pazifischen Küstenebene hinabführt. Das west-
liche Ende des mittelamerikanischen Kettengebirges findet sich
auf dem Isthmus von Tehuantepec, der demnach nicht nur topo-
yraphisch wegen der geringen Breite des Landes (210 km) und



Wichtigste benutzte Literatur.
Cortez, H., Cartas y relaciones al Emperador Carlos V, ed.
Gayangos (Paris 1866).

Diaz del Castillo, Bemal, Historia verdadera de la Conquista
de la Nueva Espafia. Mexico 1904. 2 Bde.

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Leipzig 1845,

Humboldt, A. von, Versuch über die politischen Zustände des
Königreiches Neuspanien. Tübingen 1809—1814. 5 Bde.

Humboldt, A. von, Atlas geographique et physique du Royaume
de 1a Nouvelle-Espagne. Paris 1811.

Mühlenpfordt, E., Versuch einer getreuen Schilderung der
Republik Mexico. Hannover 1844. 2 Bde.

Ratzel, F., Aus Mexico. Breslau 1878.

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Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1882). Leipzig 1883.

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Kulturvölkern. Halle 1882. Dissertation.

Stoll, O., Die Ethnologie der Indianerstämme von Guatemala,
Leiden 1889.

Lumholtz, C., Unknown Mexico. London 1903, 2 Bde.

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Forschung (Archiv für Anthrop., Neue Folge VI, S. 113 ff.). Braun-
schweig 1907,

Friederici, G., Die Schiffahrt der Indianer. Stuttgart 1907.

Seler, C., Auf alten Wegen in Mexico und Guatemala, Berlin 1900,

Seler, E., Gesammelte Abhandlungen zur amerikanischen Sprach-
und Altertumskunde, 5 Bde. Berlin 1902—1923.

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Bull. of the American Geogr. Soc. S. 397 ff.) New York 1900.

Lemcke, H., Mexico, Berlin 1900.

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Amerika II: Die südamerikanischen Weststaaten und Mexico. Leipzig 1901.

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Deckert, E., Nordamerika. Leipzig und Wien 1904. (3. Aufl. von
Machatschek, F., 1924.)

Mexico. Edited and compiled by the International Bureau of the
American Republies, Washington 1900 und 1904.

Abb

21. Blick auf die Minenstadt Pachuca.

Photo Hugo Brehme,

Abb. 22. Holztransport mit Ochsenkarren. Yuccapalmen.

Photo Hugo Brehme,

36

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

stimmt. Die Grundlagen des Lebensunterhaltes waren demnach
fast im ganzen Land Mais und Bohnen — Kulturgewächse, die
nicht nur hohen Nährwert bieten, sondern auch den großen
Vorteil besitzen, daß sie in ihren Wärme- und Feuchtigkeits-
ansprüchen außerordentlich großen Spielraum zeigen und daher
nieht nur im trockenen, sondern auch im feuchten Lande, im
heißen. und. gemäßigten wie im kalten Lande (bis zur Höhe von
8150 m im tropischen Gebiet hinauf) angebaut werden können.
Neben diesen Hauptkulturgewächsen treten alle übrigen
Nahrungspflanzen in den Hintergrund. Sie konnten auch zumeist
nur im warmen und gemäßigten Land angebaut werden, wie
Bataten, Yams, Maniok, Tomaten und die Hauptgewürzpflanze
Chile (Paprika), ferner eine große Zahl von Gemüse und Früchte
liefernden Gewächsen, die nur in mäßigem Maßstab angebaut
wurden. Außerdem befaßte sich der Ackerbau mit dem Anbau
von Reiz- oder Genußmittel und Gespinstfasern liefernden Ge-
wächsen. (Tabak — obere Anbaugrenze 1800m — Kakao —
obere Kulturgrenze 600 m — Baumwolle im warmen und
gemäßigten Lande, Agaven bis über 3000 m hinauf und
anderen).
Zur Urbarmachung in Waldgebieten wurden zunächst die
Bäume mit Stein- oder Kupferäxten gefällt, wobei sich die
Indianer damals gewiß ihr Geschäft schon in gleicher Weise
erleichterten wie gegenwärtig noch, indem sie zunächst eine
größere Zahl nahe beisammenstehender Bäume nur bis zum
Kern durchschnitten, um schließlich einen geeigneten Baum
ganz zu fällen, der dann vermöge der ihn mit den Nachbar-
kronen verflechtenden Lianen im Sturze alle die halbdurch-
schnittenen Bäume mitriß, Nachdem .das Holz getrocknet war,
wurde kurz vor Eintritt der Regenzeit die Rodung abgebrannt
und nach den ersten Regen das Feld bestellt, indem — bei Mais-
und Bohnenfeldern — mit spitzen, ziemlich langen Stöcken der
Erdboden aufgestochen wurde und in das entstehende Loch
mehrere Saatkörner hineingeworfen und leicht mit Erde zu-
gedeckt wurden. Eine eigentliche Bodenbearbeitung fand also
zumeist nicht statt: es war die primitivste Art des Ackerbaus,
der Pflanzstoecekbau, der auch jetzt noch in Mittel- und

150

Anhang.

Der Staat Hidalgo liegt am Ostrand des südlichen Hochlands und
reicht im Norden und Osten bis zur Tierra caliente hinab. Er hat eine
Fläche von 20.884 km? mit 627.991 Einwohnern (80:07 pro km?). Der Staat
ist vorwiegend gebirgig und reicht bis zu Höhen von 83000 m empor. In
Tula (20° 3’ n. Br., 2064 m) ist die mittlere Jahreswärme 16°8° C (Mai 19:8,
Januar 128), der Regenfall 569 mm (August 108°9, Januar 8:8), in
Ixmiquilpan (20° 9’ n. Br., 17380 m) aber nur 286 mm (Juli 66'9, Dezember 0),
in Huehuetla dagegen (21° n. Br.) 1516 mm (September 3269, Februar 21:3)
Die Entwässerung erfolgt zum Atlantischen Ozean.

An der östlichen Abdachung finden sich regenfeuchte Wälder, im
Hochland vielfach Eichen- und Kiefernwälder.

Der Bergbau förderte 1924: 4441 kg Gold, 833.301 kg Silber, 96.520 kg
Blei, 2619 kg Kupfer und 17.289 kg Quecksilber.

Der private Landbesitz verteilte sich 1910 auf 1645 Personen,
während 987% der ländlichen Familien keinen Grundbesitz hatten. Die
Regierung verlieh 830 (von den 73) Gemeinden Ejidos.

Der Ackerbau bringt außer den gebräuchlichsten Feldfrüchten
Zuckerrohr, Tabak, Weizen (805% 1924) und Pulque fast 500.000 Faß zu
2501, auch etwas Baumwolle (1928: 288%) hervor; der Viehstand betrug
1924 41.847 Rinder, 2478 Pferde, 3343 Maultiere, 52.888 Schweine, 89.367
Schafe und 51.212 Ziegen. Die Industrie zeigt unter anderem 2 Schmelz-
werke in Zimapan (637 kg Silber und 76.332 kg Blei) und mehrere Textil-
fabriken. (7 Wolle, 2 Baumwolle), ferner Zementfabriken und Ziegeleien.
Den Süden des Staates durchziehen mehrere Bahnen.

Der Staat Jalisco grenzt einerseits an den Stillen Ozean, greift
aber anderseits auch so weit aufs Hochland hinauf, daß sein entlegenster Teil
noch von der mexicanischen Zentralbahn durchzogen wird. Der Staat
umfaßt 80.683 km? mit (1921) 1,191,957 Einwohnern (1477 pro km”). Das
Gebiet ist sehr gebirgig, weshalb auch eine große Mannigfaltigkeit der
klimatischen Verhältnisse vorhanden ist. Im Gebiet des Staates liegt der
häufig tätige Vulkan Colima, 3400 m. Die Haupterstreckung liegt in der
Tierra templada, wo auch die Hauptstadt Guadalajära sich befindet:

1556 m ü. M. in 20° 41’ n. Br. (149.308 Einwohner); mittlere Jahreswärme
20:0° C (Juni 229, Dezember 15:6); Regenfall 877mm (August 2604,
November 02). Die Bewässerung des Landes ist gut; die Flüsse bilden
nicht selten Fälle (so der Santiago bei Juacatlan, 25m hoch). An der
Südostgrenze des Staates findet sich der größte See des Landes (der
schöne, von Dampfern befahrene See von Chapala, 86 km lang, bis 23 km
breit). Wälder, Strauchsteppen und Sabannen nehmen den größten Teil
des Staates ein.

Der Bergbau lieferte. 1924 1225 kg Gold, 142.038 kg Silber, 9000 kg
Blei und. 315 kg Kupfer sowie 883% Zinnerz von 107% Gehalt.

Die Wälder liefern Möbel- und Bauholz, Der private Landbesitz war
1910 in den Händen von 7296 Personen, während 962% der landhewoh-

Vorwort zur 2. Auflage.
Nachdem die 1908 erschienene 1. Auflage dieses Buches
längst vergriffen ist, habe ich mich entschlossen, trotz aller
Schwierigkeiten, die sich jetzt der Sammlung zuverlässigen
Materials entgegenstellen, eine Neubearbeitung zu wagen. Den
Mut dazu schöpfte ich aus einem neuen Besuch des Landes im
Herbst 1923, der mir die seit meinen früheren Reisen (1889,
1893, 1894 und 1902) so sehr veränderten Zustände durch
eigene Beobachtung und vorsichtige Erkundung klargemacht
hat. Derselbe neue Besuch hat mir aber von der gewaltigen Kraft
der Natur und der herzlichen Gastfreundschaft und bedeutsamen
Tatkraft der Bewohner so unzweideutige Beweise erbracht, daß
mein Vertrauen in den künftigen Wiederaufstieg des herrlichen
Landes zu neuer Blüte trotz vieler trüben Beobachtungen nicht
ins Wanken kommen konnte.

Habe ich schon in der 1. Auflage dieses Buches dem
Deutschtum in Mexico besondere Aufmerksamkeit gewidmet,
30 ist derselbe Gesichtspunkt auch bei der Neubearbeitung
immer im Hintergrund der Darstellung geblieben. Aber da G eo
A. Schmidt in seinem vortrefflichen Buche „Mexico“ (2. Auf-
lage, Berlin 1925) gerade die praktische Seite der Auskunft-
erteilung an Geschäftsleute und Auswanderungslustige be-
sonders eingehend behandelt hat, habe ich hier auf solche Rat-
schläge verzichtet. Dagegen habe ich in einem Anhang den-
jenigen, die rasch die wichtigsten Auskünfte über Natur und
Wirtschaft der einzelnen Staaten und Territorien bekommen
wollen, die verschiedenen Verwaltungseinheiten in alphabeti-
scher Anordnung kurz besprochen.

Die Neubearbeitung des Buches war mir in hohem Maße
erwünscht, da es mir Gelegenheit bot, die geographischen Ein-
fAüsse auf die mexicanische Wirtschaft etwas mehr herauszu-
arbeiten, als es früher geschehen ist. Daß ich nicht noch weit

16

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze,
lionen (22% der Gesamtbevölkerung), die der Weißen 1-1 Mil-
lionen (18%) betragen haben. Letztere Zahl ist sicherlich zu
hoch, wie man angesichts des geringen Nachschubs aus Spanien,
der verhältnismäßig ansehnlichen Auswanderung nach den
Philippinen und nach Florida sowie der bedeutenden Ver-
mischung mit dem indianischen Element annehmen muß.

Da die Indianer und die Mehrzahl der Mischlinge in selb-
ständiger wirtschaftlicher Tätigkeit nur etwas Landwirtschaft
neben Jagd und Fischfang (zumeist in der altindianischen
Weise) betrieben, ‚so müssen die Spanier und Kreolen als die
Träger der mexicanischen Überschußwirtschaft während der
Kolonialzeit betrachtet werden: sie waren die Unternehmer,
Indianer, Mischlinge und Neger die Arbeiter.

Die Spanier hatten von ihrer Heimat und den Canarischen
Inseln Haustiere, N utzpflanzen, Geräte und technische Kennt-
aisse mitgebracht und damit dem mexicanischen Wirtschafts-
betrieb eine große Zahl neuer Elemente zugeführt, die vielerorts
geradezu eine Umwälzung der Verhältnisse hervorgerufen
haben. Die europäischen Getreidearten und sonstigen Nahrungs-
und Nutzgewächse fanden nebst den europäischen Obstsorten
ihre Stätte im kalten Land und der oberen Abteilung des ge-
mäßigten Landes (untere Kulturgrenze europäischen Getreides
im tropischen Mexico etwa 1500 m, obere 3150m ü.M.), sub-
tropische und tropische Nutzgewächse im gemäßigten und
heißen Land (Orangen, Zuckerrohr, Bananen u. a.). Die europäi-

schen Haustiere, Pferde, Esel, Rinder, Schafe, Ziegen gediehen
auf den wirtschaftlich bisher gar nicht benutzten natürlichen
Weideflächen, zu denen bald künstliche in weitem Umfange
hinzutraten, vorzüglich; auch die Schweine- und Hühnerzucht
bürgerte sich rasch und mit bestem Gelingen ein. Die mit-
gebrachten einfachen Pflüge gestatteten auf nicht allzu festem,
ziemlich ebenem Boden mit Hilfe der eingeführten Zugtiere
raschere Feldbestellung, die Wolle der eingeführten Schafe
rief im Lande eine besondere Textilindustrie hervor. Später
wurden noch weitere Kulturpflanzen eingeführt (Kartoffeln,
Reis, Kaffee) und so die Möglichkeiten der Landwirtschaft ver-
mehrt. Die Einführung gemünzten Geldes verdrängte allmählich

22

Die Natur des Landes.

Gebiete eine eigentliche Trockenzeit überhaupt nicht kennen, Nur
die flachen nördlichsten Küstengebiete der Golfebene des kon-
tinentalen Mexico (die mexicanische Küstenebene) und die Nord-
hälfte der Halbinsel Yucatän erhalten wegen ihrer geringen Er-
hebung über dem Meeresspiegel keine Winterregen, ebensowenig
aber auch die Binnengebiete und der größere Teil der pazifischen
Abdachung, vor allem weil sie im Windschatten der den Passat-
winden entgegenstehenden Gebirgszüge liegen. Allein die Süd-
abdachungen der Sierra Madre von Chiapas und der höheren
Küstengebirge von Oaxäca, Michoacan, Guerrero und Colima er-
halten von monsunartigen südlichen Winden auch außerhalb
der sommerlichen Regenzeit noch ansehnliche Niederschläge. Es
zieht sich demnach ein ziemlich breites, durch prachtvolle Ur-
wälder gekennzeichnetes Band bedeutender Niederschläge den
Küsten des Mexicanischen Golfes parallel an den Gebirgs-
abdachungen hin und schmale Streifen beträchtlichen Regenfalls
den Südküsten des Stillen Ozeans entlang, während der flache
Norden Yucatäns, die atlantische Küstenebene im Nordwesten
des Golfs, das gesamte Binnenland und der ganze Nordwesten
Mexicos regenarm sind, was für die landwirtschaftliche Entwick-
lung dieser Gebiete geradezu entscheidend gewesen ist. Am
regenärmsten sind die nördlichen Gebiete des Hochlandes sowie
der Nordwesten (einschließlich Niederkaliforniens), was sich in
dem stellenweise wüstenartigen Charakter der Landschaft deut-
lich ausspricht,.

Die jährlichen Regenmengen sind in den verschiedenen
Teilen des Landes außerordentlich verschieden: während sie im
mittleren Teil der Halbinsel Niedercalifornien und im nordwest-
lichen Sonora zum Teil unter 50 mm bleiben, steigen sie am
Nordabfall des Gebirges von Chiapas stellenweise auf 5m an!
Ist dies bereits ein Übermaß von Feuchtigkeit, das wegen Über-
wuchern pflanzlicher Schädlinge oft schon den Kulturen nach-
teilig wird, so erhält doch ein sehr großer Teil des Landes so
wenig Niederschlag, daß Ackerbau nur bei künstlicher Be-
wässerung möglich wird und sonst höchstens noch extensive
Viehzucht getrieben werden kann. Nach den Berechnungen des
mexicanischen Meteorologen Beltran y Puga erhalten 15%

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 61

mittels amerikanischen Kapitals ausdehnte). Als dann später
in den Tälern der Rios Yaqui, Sonora, Mayo, Fuerte u. a,
Bewässerungskanäle eröffnet oder geplant worden waren und
die Bahn Nogales—Guaymas 1909 eine bessere Verbindung
mit den Vereinigten Staaten und mittelbar auch mit dem
mexieanischen Hochland geschaffen hatte, kauften amerikani-
sche Kapitalisten große mexicanische Güter auf, um sie später
zu parzellieren und an amerikanische Farmer zu verkaufen
— ein Plan, der durch die bald darauf einsetzende Revolution
und durch die fremdenfeindliche Landgesetzgebung von 1917
freilich vorläufig. wieder vereitelt wurde.

Die geographische Nähe und die guten Verbindungen mit
ihrer Heimat lassen diese Erfolge der Amerikaner begreiflich
erscheinen, desgleichen den Vorsprung, den sie in allmählich stei-
zendem Maß über die andern bedeutsamen Fremdenkolonien in
Mexico errangen: über die englische, spanische, französische,
deutsche Kolonie. Der Erfolg der Nordamerikaner ist aber doch
nicht bloß auf die geographische Gunst der Lage ihrer Heimat
zurückzuführen, sondern in noch viel höherem Maß auf den
Wagemut, mit dem sie neue Unternehmungen gründeten, alte
aufkauften, modernisierten, vergrößerten. Warum haben nicht
auch Deutsche solche Erfolge in ähnlichem Maßstab errungen?
Die Eigenschaften, die Kenntnisse, die zum Erfolg führen
konnten, besaßen sie wohl; nur fehlte manchmal denen, die im
Lande waren, das Kapital, neue Unternehmungen zu gründen,
und denen in der Heimat der Wagemut, ihr Kapital in Mexico
arbeiten zu lassen. Es ist in hohem Maße zu bedauern, daß die
schönen Zeiten, in denen sowohl Mexico wie unsere deutsche
Heimat in Blüte standen, nicht dazu benutzt worden sind, in
größerem Maßstab deutsche Arbeitskraft und deutsches Kapital
drüben festzuankern, denn jetzt ist das Versäumnis angesichts
unserer eigenen Lage und der sehr unglücklichen Verhältnisse,
die zeitenweise immer wieder die Mexicanische Republik heim-
suchen, nicht leicht wieder gutzumachen. Immerhin ist es auch
jetzt noch möglich, da oder dort mit Aussicht auf guten Erfolg
den Hebel anzusetzen und die deutsche Position in Mexico zu
stärken.

Die neueste Zeit (seit 1911).

65

deutliches rasseartiges Aufbäumen der Indianerbevölkerung
gegenüber den helleren Elementen in manchen Staaten und die
nicht seltene Selbsthilfe von Indianern und Fabrikarbeitern bei
der Aufteilung von Großgrundbesitz, Was stellenweise, SO VOr
allem im Staat Morelos, zu gewaltsamen Taten gegenüber den
dortigen Zuckerpflanzern (vorwiegend Spaniern bzw. Kata-
loniern) führte.
Nach Carranzäas Ermordung wurde General Obregon
Präsident, ein Mann, der viel zur Befriedung des Landes bei-
getragen hat und die schwere Beunruhigung der fremden Berg-
werksgesellschaften dadurch beschwichtigte, daß er amtlich er-
klärte, daß die vor 1917 erlassenen Konzessionen durch die von
der neuen. Konstitution vorgesehene Nationalisierung des Unter-
grundes nicht betroffen würden. Auch gelang es ihm, die schwere
Revolution Ado1fo dela Huertas 1923/24 niederzuschlagen,
ehe er das höchste Amt des Staates seinem früheren Innenminister
Plutarco Elias Calles Ende 1924 überließ, dessen auf-
sehenerregende kirchenfeindliche Politik auf alte, unter Benito
Juarez erlassene Gesetze zurückgeht. Ein gefährlicher Kon-
flikt betreffend den nordamerikanischen Bergwerks- und Erdöl-
besitz wurde 1927 beigelegt, SO daß jetzt in gewisser Hinsicht
wieder günstigere Ausblicke auf die wirtschaftliche Entwicklung
des Landes bestehen, als kurz nach Neujahr 1927 erscheinen
wollte.

Freilich ist nicht zu erkennen, daß die Revolutionen
geradezu verheerend gewirkt haben, wie sich vor allem zahlen-
mäßig an dem Rückgang der Volkszahl und des Viehstandes*)
erkennen läßt, ein Rückgang, der in einzelnen. Staaten (Zz. B.
Morelos!) geradezu katastrophal genannt werden muß. Man
erkennt daraus mit erschreckender Deutlichkeit, daß Revolu-
tionen, trotz der Erhaltung des nationalen Flächenbesitzstandes,
doch einen Staat und seine wirtschaftliche wie politische Be-
deutung in kurzer Zeit ganz außerordentlich herabdrücken
können — ganz besonders, wenn man seinen Besitzstand

vergleicht mit dem anderer Staaten, die in dem gleichen Zeit-
1) Vgl. die Tabellen II und V—X im Anhang!
Sapper, Mexico,

Tabellen,

127

Tabelle VI.
Pferdebestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes
Baja California
Campeche . .
Coahuila . . .
Colima ..
Chiapas . .
Chihuähua . ..
Distrito Federal
Durango. .
Guanajuäto
Guerrero
Hidalgo .
Jalisco
Mexico .
Morelos .
Michoacän
Nayarit . .
Nuevo Leön
Oaxäca ..
Puebla .
Queretaro . ..
San Luis Potosi
Sinaloa ...
Sonora ..
Tabasco . . .
Tamaulipas
Tlaxcala . . .
Veracruz
Yucatän .
Zacatecas
Renublik

Bestand

Änderung
seit 1902
in Prozenten

Pferde
pro km?

pro 1000 Ein-
wohner von 1921
(abgerundet!)
3,537 —21:8 0:54
3.681 — 575 0:02
3,570 +202 0:07
9.750 — 82% 0:04
2.375 — 450 0:45
12.263 — 711 0:24
6.850 — 885 0:02
3,850 +788 26
12.194 —888 0:09
12,870 —59°0 0:42
3.364 —790 0:05
2,478 —70°9 011
652.480 — 118 0:77
10.970 — 81 0:51
980 —894 0:19
17.090 —687 0:28
11.727 —10:4 0:48
19.000 —328 0:29
11.757 — 89 012
7.442 —21°8 0:21
5.416 —350 0:47 wer
12.990 —643 0:20 29
12.358 4887 0:21 36
6.738 — 871 0:03 24
1.911 —905 0:08 11
71.656 + 80 0:9 248
2.165 —198 0:58 12
22,785 — 443 03 "19
7.357 —5381 0:19 22
29,768 — 475 0:40 8
301.367 544 0:2 97

44

Anhang.

im Jahr $86 mm Regen (der Hauptniederschlag erfolgt im September:
211°6 mm, der geringste im Februar 3‘8). Landeinwärts und nach Süden
hin nimmt der Regenfall zu: Hecelchacan (20° 30’: 1180 mm), Ciudad del
Sarmen (18° 38’ n. Br.: 1465 mm). Im südlichen Teil des Staates gibt es
ausdauernde Flüsse, die in die große Laguna de Terminos münden. Der
nördliche Teil ist Karstgebiet, in dem oberirdische Flüsse fehlen, aber
Höhlen (Cenotes) Zugang zu unterirdischen Flüssen gestatten; in der
Regenzeit bilden sich in den Geländevertiefungen seichte zeitliche Seen
‚Aguadas, in Maya: Ak’alch6). In den trockeneren Landesteilen überwiegen
Strauchsteppen und Trockenwälder, in den feuchteren Urwälder,

Bergbau kann es wegen Mangel an Mineralschätzen nicht geben.
Aber Seesalzgewinnung.

In den Wäldern werden Möbel- und. Farbhölzer (Mahagoni und
Zedernholz sowie Blauholz „Campeche‘“) geschlagen und. von Zapote-
däumen der Milchsaft gewonnen, der zu „Chicle“, das ist Kaugummi,
gerinnt. Gering ist hier wie in den andern mexicanischen Staaten das
Ergebnis der Jagd: Rehe, Wildschweine, Tapire, Goldhasen u. a.

Der private Landbesitz verteilte sich 1910 auf 297 Eigentümer,
während 977% der ländlichen Familienhäupter besitzlos waren. 1915 bis
1923 wurden allen 8 Gemeinden Ejidos zugesprochen.

Der Ackerbau bringt die tropischen Feldfrüchte hervor, wichtig ist
der Anbau von Sisalhanf (Henequen) und Zuckerrohr. Der Viehstand
zählte 1924: 10.426 Rinder, 3570 Pferde, 2225 Maultiere, 2415 Schweine,
316 Schafe, 566 Ziegen.

Die Industrie weist außer den Aufbereitungsanstalten für Zucker-
rohr und Henequen nichts Nennenswertes auf. Heimarbeit: Hängematten,
Palmhüte, Schildpattarbeiten.

Ausfuhr: jährlich 25.000——30.000 Ballen (zu 170 kg) Sisalhanf und
30.000—40.000 spanische Zentner (zu 46 kg), Chiele. Außerdem Kokosnüsse,
Blauholz, Möbelhölzer.,

Eine Bahn führt von Campeche nach Merida. Die beiden Haupthäfen
des Staates sind die Hauptstadt gleichen Namens (1540 gegründet, 1921:
17.400 Einwohner) und El Carmen (ca. 6000 Einwohner) am Ausgang der
Laguna di Terminos und gegenüber der Mündung eines schiffbaren Arms
‚„Palisada‘“) des Rio Usumaecinta, von wo Möbel- und Farbhölzer aus
Guatemala und Tabasco gebracht werden.

Der Staat Chiapas grenzt im Süden an den Stillen Ozean, im
Norden an den Staat Tabasco, im Osten an Guatemala. Er umfaßt
17.415 km? mit (1921) 422.683 Einwohnern (568 pro km”). Es ist ein sehr
zebirgiges Gebiet, dessen höchste Erhebung, der Vulkan Tacanä auf der
Cuatemalagrenze, 4060 m hoch ist. Die Sierra Madre im Süden überragt
3000 m noch erheblich, die Grabensenke des Rio Chiapas senkt sich von
ca. 1100 m im Osten zu ca. 500m im Westen. Weiter nördlich steigt das
Gelände stufenweise nochmals zu ansehnlichen Höhen auf, um dann steil

102 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
Durango), Ziegen 4,206.000 und Schafe 3,424.000 (be-
sonders in T6pic, Jalisco, Michoacän, Guanajuäto),

Alle diese Zweige der Viehzucht waren in Zunahme
begriffen, während die Zahl der Schweine (616.000, be-
sonders in Tepic, Jalisco, Michoacän, Guanajuäto) infolge ein-
geschleppter Krankheiten gegen früher abgenommen hatte.
Wichtig für die Ausfuhr waren Pferde und Maultiere sowie
weiße Ziegenfelle geworden, während die Woll- und die
Schweineschmalzproduktion hinter den Bedürfnissen des Landes
zurückblieb?).

Von großer Bedeutung für das Land ist die Maultierzucht,
da die Maultiere den Pferden nicht nur als Zug- und Lasttiere,
sondern im gebirgigen Gelände auch als Reittiere überlegen zu
sein pflegen und daher in schwierigem Gelände fast allein den
Last- und Reitverkehr übernehmen.

Hühnerzucht wird im ganzen Land betrieben, aber in
nicht ganz genügendem Maßstab, so daß noch starke Einfuhr
von. Eiern notwendig ist (1904/05 für 88.531 Pesos, 1924: 4463 t
— 2.419.000 Pesos).

Die 1910 anhebende Periode der Revolutionen hat den
Viehstand Mexicos in furchtbarer Weise heimgesucht. Es ist ja
anzunehmen, daß die wirtschaftlichen Schädigungen auf
anderen Gebieten vielfach nicht geringer gewesen sein dürften,
aber diese lassen sich nicht so klar zahlenmäßig erfassen wie
beim Viehstand, für den 1902 und wieder 1924 eine Zählung
vorliegt. Freilich sind beide Zählungen (vor allem aber die
letztere) mit Vorsicht aufzunehmen, aber man muß doch an-
nehmen, daß sie wenigstens in den Hauptzügen richtig sein
Jürften. Das Studium der im Anhang gegebenen Tabellen zum
Viehstand wird jeden, der einige Aufmerksamkeit der Frage

:) 1904/05 wurden 25.075 Pferde im Wert von 606.508 Pesos aus-
yeführt (22.123 nach Cuba, 2415 nach den Vereinigten Staaten) sowie
1259 Maultiere im Wert von 181.962 Pesos (2002 nach Cuba, 1377 nach den
Vereinigten Staaten). Die ausgeführten ungegerbten Ziegenfelle hatten
zinen Wert von 3,650.080 Pesos. Dagegen mußte für 259.891 Pesos Wolle
and für 457.812 Pesos Schweineschmalz eingeführt werden, während die
Ausfuhr dieser Produkte nur 10.209 bzw. 8805 Pesos betrug.

Landwirtschaft.

87

volution noch immer viele Indianerdörfer in alter Weise ihr
Gemeindeland besaßen und bebauten, wennschon nicht mehr
so viele, als kurz nach der Reform des Juarezrz vorhanden
gewesen waren, da in vielen Gegenden mit schweigender Dul-
dung der Regierung da und dort Gemeindeländer der Indianer-
dörfer benachbarten Großgrundbesitzen einverleibt worden
waren.

Als nun die Verfassung von 1917 die Bestimmung ‚erließ,
daß Dörfer, die kein Gemeindeland mehr besaßen, aber solches
wünschten, von Regierungs wegen wieder Ejidos bekommen
könnten — und zwar auf Kosten benachbarter Großgrund-
besitzer (die freilich entschädigt werden sollten, was aber prak-
tisch nicht zu geschehen pflegt) — da ergingen viele Anträge
dieser Art an die Zentralregierung des Landes, die denn auch
in der Zeit von 1915—1923 606 Gemeinden wieder Eigenland
zuwies, so daß die Zahl der Besitzenden tatsächlich stark zu-
nahm. Damit wurde aber nicht immer ein landwirtschaftlicher
Fortschritt erzielt, da vielfach — so namentlich in den nicht
seltenen Fällen der Selbsthilfe — die Aufteilung des besten,
ursprünglich für Plantagenkulturen verwandten Bodens erfolgte
und nun an Stelle von Zuckerrohrfeldern und anderen Kulturen
Mais- und Bohnenfelder traten, die zwar natürlich ihre neuen
Besitzer trefflich nährten, aber keine Überschüsse von Belang
und damit keine Ausfuhrmöglichkeit, wie sie früher bestanden
hatte, fürderhin boten, um so weniger, als die Neubesitzer meist
in vrimitivster Weise wirtschaften.

Die Aufteilung der großen Güter geht noch immer weiter,
was nun vielfach die für die Gesamtwirtschaft des Landes nach-
teilige Folge hat, daß die Großgrundbesitzer, die doch
allein größere Überschüsse heranzuwirtschaften vermögen, sich
scheuen, Geld in die Verbesserung des Bodens, in die An-
schafiung von landwirtschaftlichen Maschinen und in die oft
so notwendige Modernisierung der Betriebe zu stecken, da sie
ja nicht die Sicherheit haben, daß ihnen das Land verbleiben
wird. Und zu allem hin hat die allgemeine Verarmung, die
im Verfolg der Revolationen und durch die Agrarpolitik der
Regierung eingetreten ist, auch zumeist die Grundbesitzer

70 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

obgleich noch mehrere Bergwerkskonzessionen bestehen)!). Die
Hauptverbreitung der Erzminen findet sich gegenwärtig in und
um die Sierra Madre Oceidental sowie in den Hochländern des
ecisisthmischen Mexico. Sind in der spanischen Kolonialzeit
hauptsächlich die Minen in nicht zu großer Entfernung der
Hauptstadt (zwischen dem 20. und 23.° n. Br.) und im Staate
Sonora bearbeitet worden, so sind. im Laufe des 19. Jahrhunderts
auch die anderen Staaten auf ihren Mineralreichtum untersucht
worden, und man hat trotz anfänglicher Unsicherheit dieser
Gegenden die dortigen Erzlagerstätten mit bestem Erfolg in
Arbeit genommen, Namentlich die Staaten Sonora, Chihuahua
und Durango hatten 1904 so große Ausbeute erreicht, daß sie
über ?/, der gesamten Mineralproduktion des Landes lieferten.
Der Schwerpunkt der Bergbautätigkeit hatte sich demnach nach
dem Nordwesten des Landes vom Zentrum aus verschoben.

Wenn man nach der Intensität des Bergbaubetriebes im
Verhältnis zur Einwohnerzahl frug, so ergab sich ebenfalls, daß
der Nordwesten die führende Rolle hatte, vor allem Sonora, wo
1904 auf 1000 Einwohner eine Mineralproduktion von 71.674
Pesos kam; danach folgte eine ganze Anzahl nordwestlicher
Staaten und Territorien mit ebenfalls sehr intensivem Bergbau-
betrieb: es kamen 1904 auf 1000 Einwohner in Chihuähua
40.488 Pesos Mineralproduktion, in Tepice (Nayarit) 39.620,
Niederkalifornien 39.055, in Durango 30.267, Sinaloa 20.028
Pesos, so daß also der Nordwesten der Republik (nördlich von
21° n. Br. und westlich von 103° w. L.) als das Gebiet der
größten Intensität des Bergbaubetriebes anzusehen war. In den
mehr zentral gelegenen Staaten, wo durch die jahrhundertelang
energisch betriebene Edelmetallförderung eben doch manche
einst reiche Erzgänge abgebaut, andere in den Erträgnissen
zurückgegangen waren, spielte die Mineralproduktion bereits
eine geringere Rolle als im Nordwesten; immerhin kamen 1904
in Hidalgo auf 1000 Einwohner noch 17.625 Pesos Mineral-
produktion, in Zacatecas 16.292 Pesos; im Staate San Luis
Potosi 7981 Pesos, Mexico 7111 Pesos, Michoacän 4135, Guana-

1) Ende des 19. Jahrhunderts war das Kupferbergwerk von S. Fe,
Chiapas, noch in Betrieb.

76

Die einzelnen Wirtschaitszweige etc.

In der Petroleumindustrie waren 1924 über 1065 Millionen
Pesos investiert, davon 614*/, von Amerikanern, 356°/, von Eng-
ländern, 75°/, von Holländern und 11*/, von Mexicanern, wäh-
rend der Rest sich auf verschiedene Nationalitäten verteilte.
“Deutsches Kapital ist nicht nennenswert beteiligt, obgleich sich
nach Mitteilung von Sachverständigen auch nach dem Welt-
krieg hiezu noch Gelegenheit geboten hätte.) 1924 waren 200
Millionen Pesos in Bohrlöchern, fast‘ ebensoviel in Ölleitungen,
64 in Eisenbehältern, 86*/, in Raffinerien, 160 in Verkehrs-
einrichtungen, Schiffen, rollendem Material und 354 Millionen
in Land angelegt.

1925 ging die Erdölförderung auf 114°8 Millionen Faß
zurück (Wert: 2969 Millionen Pesos, so daß also der Wert
trotz des Rückgangs der Förderung stieg).

Steinkohleund Braunkohle sind zwar mehrfach
in Mexico nachgewiesen, so in Coahuila, Sonora, Puebla, Oaxäca,
Jalisco und Veracruz; die Lager hat man auch schon mehrfach
abzubauen begonnen, aber nur in Coahuila hat die Förderung
ler Braunkohle, welche als Flöze in der obern Kreideformation
auftritt, größere Beträge erreicht (1924: 1'/, Millionen Tonnen)*).

Gips wird im Staat Tamaulipas in größeren Mengen ge-
fördert, Opale und andere Edelsteine in kleiner Menge in
Queretaro, Guerrero, Jalisco, Guanajuäto, Marmor und
Onyx vielfach in Puebla, auch in. den nördlichen und mittleren
Staaten. Kaolin findet sich in großer Menge, besonders im
Staat Puebla, wird aber bisher wenig benutzt. Die Sch wefel-
gewinnung, die früher im Krater des Popocatepetl stattfand, hat
aufgehört.
Salz wird außer in zahlreichen Seesalinen an beiden
Meeresküsten (namentlich Yucatän) auch vielfach im Binnen-
land gewonnen, so in den Staaten S. Luis Potosi (Pefion Blanco,
Tapado, Zamorelia) und Sonora (Caborca). In einigen kleinen
Salinen von Chiapas gewinnen Indianer Salz noch nach ihren alten
Methoden durch Verdampfen überm Feuer oder vor der Sonne.
2) Zur Zeit müssen noch große Kohlenmengen eingeführt werden
1904/5 1,116.684 t im Wert von 2,551.536 Pesos), da die Fracht von
Coahuila für viele Gegenden prohibitiv ist.

Abb. 2. Hauptstadt Mexico, Östliche Teilansicht

Aus Brehme, Mexico. Verlag Ernst Wasmuth, Berlin.

100 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
bis fast zur Grenze des ewigen Schnees hinaufreichen, so fanden
die eingeführten Haustiere ein weites Feld zu ihrer Ernährung und
Vermehrung vor. Da zudem die spanische Kolonialregierung die
Viehzucht begünstigte, so ist sie eine der Lieblingsbeschäfti-
gungen der Mexicaner geworden. In der Tat ist auch jetzt noch
die Viehzucht in der Hauptsache in den Händen der Mexicaner
geblieben, mit Ausnahme der nördlichsten Staaten, wo in der
Zeit Porfirios Nordamerikaner und Engländer große Grund-
stücke und Viehherden aufgekauft hatten, um Vieh, hauptsäch-
lich für die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten, aufzuziehen,
Überall wäre die Viehzucht bedeutender Ausdehnung fähig,
namentlich wenn durch Brunnenbohrung, Stauwerke oder
Wasserleitungen das unentbehrliche Naß in reicherer Fülle als
bisher beschafft werden könnte. Hier wäre für Europäer eine gün-
stige Gelegenheit der Betätigung, insbesondere in den gesunden
Gebieten des Hochlandes, wo die den Tieflandregionen eigenen
gesundheitlichen Gefahren, insbesondere‘ die Malaria, fehlen
und auch die durch alljährliches Abbrennen der Weideflächen
nur ungenügend zu bekämpfende Zeckenplage gemildert oder
— in den höchsten Lagen — aufgehoben ist. Außerdem ist im
Hochland im allgemeinen der Betrieb billiger als im Tiefland,
wo zumeist die für die Viehzucht bestimmten Geländeflächen
erst mit nahrhaften Gräsern besetzt werden müssen und zudem
die Zeckenplage häufig die Erträge herabsetzt. Möglich ist die
Viehzucht fast. im ganzen Land; nur die wasserlosen, wüsten-
haften Gebiete sind davon ausgeschlossen, und in den Urwald-
regionen ist die Viehzucht auf ein geringes Maß beschränkt,
weil die Rodung und die Instandhaltung der künstlichen Weide-
plätze kostspielig sind.

Die reicheren Weideplätze werden im allgemeinen für die
Zucht von Rindern, Pferden, Maultieren und Eseln benutzt, die
dürftigeren für die Zucht von Schafen und Ziegen, Das Klima
ist allenthalben günstig genug, daß die Erbauung von Ställen
unterlassen werden kann, was natürlich den Betrieb sehr ver-
billigt, aber den großen Nachteil besitzt, daß für den Ackerbau
kein natürlicher Dünger in größeren Mengen gewonnen wird.
{m allgemeinen macht die mexicanische Viehzucht den Eindruck

Handel.

115

steigert hatte. Die rasche Entwicklung in der Zeit Porfirio
Diaz’ mag folgende kleine Tabelle zeigen, bei der freilich in
Rücksicht zu ziehen ist, daß die Ausfuhrziffern in Silberpesos,
die Einfuhrziffern in Golddollars angegeben sind, weshalb in
den letzten drei Ausfuhrziffern der Betrag der Entwertung des
Silbers mit in Rechnung genommen werden muß (für die letzte
Ziffer ist der Goldwert weniger als die Hälfte der Silberziffer):
Wirtschaftsjahr Ausfuhr in Silberpesos Einfuhr in Golddollars
1826 7.648.000 15,451.000
1874/75 27,319.000 18,793.000
1884/85 46.671.000 23,787.000
1894/95 90,855.000 34,000.000
1904/05 208,520.000 86.122.000 1)
Im Durchschnitt der drei Rechnungsjahre 1904/05 bis
1906/07 aber wertete die Ausfuhr 242,559.000, die Einfuhr
210,524.000 Pesos neuer Währung. '

Betrachtet man die Ein- und Ausfuhrangaben der drei
Rechnungsjahre 1904/05 bis 1906/07, die wegen der durchweg
in der neuen Währung angegebenen Summen am leichtesten ver-
gleichbar sind, so tritt vor allem der Gegensatz der beiden
Küsten und der beiden Landgrenzen in bezug auf ihre Handels-
bedeutung klar hervor:

Die atlantischen Häfen bewältigten damals 612% des ge-
samten Handelsverkehrs, die pazifischen nur 54%; über die
nördliche Landgrenze gingen 827% des Gesamthandels. über
die südliche nur 06%.

Von allen Handelsvermittlungsstellen standen die beiden
Häfen Veracruz und Tampico mit je etwa einem Viertel
des Gesamthandelsverkehrs weitaus an erster Stelle; war auch
Veracruz im ganzen noch etwas bedeutender als Tampico, so
wurde der Vorsprung doch allmählich immer geringer und gegen-
wärtig hat Tammpico seine ältere Rivalin bedeutend überflügelt.

*) Diese Zahlen sind dem Boletin de Estadistica Fiscal, afıo fiscal
1904/05 (Mexico 1907), S. 101, entnommen und geben die Werte in der
Weise an, wie sie vor der Einführung der neuen Währung üblich war.
Seit 1. Mai 1905 gilt die neue Währung, die dem mexicanischen Peso
einen Wert von 3 Mk. 10 P£. eiht.

Abb. 7. Teotihuacan. Pyramide der Sonne (restauriert).
Photo Huao Brehme.,

Abb. 8. Ansicht von Queretaro mit der alten Wasserleitung.
Aus Brehme, Mexico, Verlag Ernst Wasmuth, Berlin,

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 55

daß die Zusammensetzung der Bevölkerung sich geändert hat.
War 1810, wie schon oben auseinandergesetzt worden ist, das
Verhältnis der Weißen zu den Mischlingen und Indianern zu
schen Gebieten (E. Kulenkampff-Schenck, Die Volksdichte von
Mittelamerika, Bonn und Leipzig 1928, Diss.); ich muß mich daher auf
einige allgemeine Hinweise beschränken. Die Gebiete mit extremen kli-
matischen Verhältnissen, vor allem übermäßiger oder allzu niedriger
Feuchtigkeit, sind dünn bevölkert, so die Urwaldgebiete, die z. B. auf
weiten Flächen des östlichen Chiapas, des südlichen Campeche und des
Territoriums Quintana Roo sogar ganz unbewohnt sind, ferner die
Wüsten- und Steppengebiete des Nordens und Nordwestens. Aber den-
selben Erfolg hat auch ein zu geringes Maß von Wärme, weshalb die
höchsten Gebirgserhebungen nicht mehr oder nur dünn bevölkert sind;
anderseits erreichen auch die heißen Tieflandregionen trotz der Gunst
des Pfilanzenwachstums und der darauf sich gründenden wirtschaftlichen
Beschäftigungen im allgemeinen nur dünne Bevölkerung, namentlich in
feuchten Regionen, die oft recht ungesund sind, während die mäßig
trockenen heißen Landstriche eine größere Volksdichte zu besitzen
pflegen und demnach auch ein intensiveres wirtschaftliches Leben zeitigen,
wie z. B. das nördliche Viertel der Halbinsel Yucatän, wo die Volks-
dichtigkeit erheblich ansteigt. Die Hafenplätze mit ihrer für die Be-
wältigung des Verkehrs notwendigen Anhäufung der Bevölkerung an
bestimmten Küstenpunkten erhöhen ferner die Volksdichtigkeit der Tief-
landregionen, und in manchen Gebieten, so auf der Halbinsel Nieder-
kalifornien, drängt die Verteilung guten Bodens und der spärlichen ver-
fügbaren Wasservorräte die Bevölkerung ins Tiefland hinab. Bei
genauerer Untersuchung der Volksdichteverhältnisse Mexicos in bezug
auf die Höhenregionen würde sich sicherlich ergeben, daß die Tief-
landregionen im allgemeinen nur dünn bevölkert sind, die unteren
Gebirgsabdachungen noch etwas niedriger, daß aber dann nach oben
hin entsprechend. den günstigeren gesundheitlichen und den angenehmeren
klimatischen Bedingungen die Bevölkerungsdichte zunimmt, um etwa
zwischen 1800 und 2500 m Höhe ihr Maximum zu erreichen, dann aber
wieder abzunehmen, oberhalb der Getreideanbaugrenze minimal und schon
unterhalb der Baumgrenze gleich null zu werden,

Innerhalb der einzelnen klimatischen und pflanzengeographischen
Gebiete bringt aber die Boden- und Geländebeschaffenheit wieder starke
Unterschiede in das Volksdichtebild des Landes hinein, und wenn die
südlichen Hochlandgebiete des mexicanischen Blocks dichter bevölkert
sind als andere Landstriche des Landes in gleicher Höhenlage, so ist die
Ursache wohl in dem Vorherrschen fruchtbarer und tiefgründiger vul-
kanischer Böden und in der weithin sich einstellenden ebenen Beschaffen-
heit des Geländes in genanntem Gebiet zu suchen.

Tabelle XII
Baumwollindustrie in Mexico 1924
nach dem Anuario Estadistico 1926, II, S. 134 f.).
J. Südliche Hochland- Fabriken
staaten:

Bundesdistrikt
Tilaxcala .
Guanajuäto

Hidalgo . .

Mexico ..
Queretaro .
Puebla. .
Jalisco!) ..
Michoacän%!) .

tätig . Pferdekräfte Spindeln Webstühle „Druck“

Fabrikate
Fabrikate in kg in kg
pro km?
6.865 107.257 6.770 5,012.143 3.379
*.600 323.320 2.153 1,583.365 393
780 7.976 820 220.149 1°8
770 18.760 1.009 375.246 18
‚263 42,350 1.198 677.988 8317
755 16,996 78 1.201 666,762 581
12.929 236.572 9.320 10.345 8,688.067 255°6
1.955 49.348 1.953 2,327 1,408.092 175
1.088 17.940 _ 572 _228 165.389 28
J 24.962 462.231 17.057 31 22.996 17,223.715 883

2, Mittlere Hochland-
staaten:
San Luis Potosi .
3. Nördliche Hochland-
staaten:
Coahuila. . ..
Chihuähua . .
Nuevo Leön .
Durango. ..

RM

1 540

„m

2.308 43,944 2.255 1,662.544 111
500 5.277 233 201.408 08
1.121 18.480 908 427.561 66
700 18,374 617 329.281 27
„ 4.624 81.070 3.138 8.978 2,620.746 46
%) Es wurde mangels ausreichender Angaben angenommen, daß die Fabriken in der Hochlandhälfte liegen.

a5
a
>
=
5
BA

ch,
2
RE

Landwirtschaft.

93

Zu den wichtigsten Nährgewächsen des Landes gehört auch
die aus Spanien eingeführte Kichererbse („Garbanzo‘,
Cicer arietinum), deren Ernte 1923 auf rund 53.000 t angegeben
wurde (über */, in Sonora, je fast !/, in Michoacän, Jalisco und
Guanajuäto, */,, in Sinaloa angebaut). Ausfuhr 1924 (nach Cuba,
Spanien und den Vereinigten Staaten) 33.863 t — 5'/, Millionen
Pesos.

Die Kartoffeln, die schon in der spanischen Kolonial-
zeit in Mexico eingeführt worden sind, gedeihen am besten im
kalten Land, können aber auch in wärmeren Gebieten angebaut
werden. Die Ernte ergab 1904 nur 14*/, Millionen kg, wovon die
Hälfte auf den Staat Puebla entfiel. Wichtiger ist die Kultur der
einheimischen süßen Kartoffel (Batate oder Camote, Ernte
1923: 25.424 €).

Der Reis, dessen Kultur schon in die spanische Kolonial-
zeit zurückgeht, gedeiht im warmen und gemäßigten Land (bis
etwa 1400 m ü. M.). Er fehlt daher in den kälteren Gebieten des
Landes, ebenso aber auch in einigen trockenheißen Staaten, wie
Yucatän und Niederkalifornien. Die primitive, vielfach noch
geübte Enthülsung mit Handmörsern hindert viele Kleinprodu-
zenten an der Ausdehnung ihrer Kulturen. 1923 wurde die Reis-
ernte auf 31.963 t angegeben (Einfuhr 1924 noch 22380 t =
488.000 Pesos).

Gleich dem Reis werden auch subtropische Früchte (ins-
besondere Orangen), ferner Tabak, Zuckerrohr, Kaffee, Bananen,
Baumwolle nebst vielen einheimischen Knollengewächsen,
Früchten und anderen Nutzpflanzen, sowohl im warmen wie im
gemäßigten Land angebaut, fehlen aber den kalten Regionen
ganz; ihre obere Kulturgrenze schwankt freilich in den Tropen
zwischen 1400 und 2100 m. Die Orangenernte soll 1923
11.436 t ergeben haben.

Zuckerrohr hist eine der wichtigsten. Nutzpflanzen, die
Mexico den Spaniern zu verdanken hat. Obgleich die Kultur
auch in den mittleren Höhengürteln möglich ist, so ist sie doch
in der wärmeren Zone, namentlich da, wo bei genügender Boden-
feuchtigkeit ziemlich trockene Luft zu finden ist, lohnender.
Hoher Einfuhrzoll auf Zucker begünstigt die Zuckerrohrkultur.



Alphabetisches Verzeichnis. 159

zeigt ein Jahresmittel von 198° C (Juli 31‘4, Februar 14‘7), die Hafen-
stadt Guaymas (ca. 9000 Einwohner) 27° 55° n. Br, 83 m ü M,
ein Jahresmittel von 268° C (September 338, Dezember 198); der Regen-
fall ist sehr niedrig: Hermosillo 165 mm (Juli 417 mm), Guaymas 160 mm
‘August 599mm; April und Mai sind in beiden Städten regenlos, der
ganze Winter so niederschlagsarm, daß die Landwirtschaft von den rasch
verdunstenden leichten Regen keinen Nutzen hat. Der Regenfall ist im
Gebirge reicher, so daß die in tiefen, großartigen Schluchten nieder-
strömenden Wässer im Unterlauf noch Wasser zur Bewässerung bei-
steuern können (Asunecion, Sonora, Matepe, Yaqui, Mayo). Die Bewäs-
serung aus den Gebirgsflüssen ist zugleich eine Schlammdüngung. Die
in den Staat hineinreichenden Ausläufer der Sierra Tarahumare erreichen
noch bedeutende Höhen. Die Vegetation ist größtenteils wüstenhaft
dürftig; Wälder spärlich. Die Insel Tiburön ist von tiefstehenden Seri-
Indianern bewohnt.

Der Bergbau war schon in der spanischen Kolonialzeit hoch ent-
wickelt (Zentrum Arizpe), war dann aber durch die Unruhen von 1810 bis
1821 und den schweren Apachen- und Yaquiaufstand 1825 schwer ge-
schädigt worden. Erst als die Regierungen von Mexico und der Union
gemeinsam die schweifenden Indianerhorden zur Ruhe gebracht hatten
(1884, 1890), begann sich amerikanisches Kapital (neben dem englischen) zu
interessieren und entwickelte den Bergbau, der aber in der Revolutions-
zeit zum Teil wieder zum Erliegen kam. Die Revolution hat zur Ver-
armung der Bevölkerung geführt, so daß sie jetzt arbeitswilliger als früher
ward; als 1922 das Kupferbergwerk Cananea nach 1‘/jähriger Ruhe wieder
eröffnet wurde, strömten 12.000 Arbeiter dorthin! 1924 erzeugte der Staat
675 kg Gold, 121.277 kg Silber, 835.443 kg Blei und 28, 302.216 kg Kupfer
(über die Hälfte der Kupfererzeugung der ganzen Republik — 50 Mil-
lionen kg), 7800t Graphit und 7t Molybdänerz.

Der Wald liefert wenig Ausfuhrwerte: Gerb- und Farbholz,

1910 gehörte das Privatland 1875 Besitzern, während 95'8% der länd-
lichen Familien besitzlos waren. Die Regierung verlieh 18 von den 74 Ge-
meinden Ejidos, Der Ackerbau erzeugt unter anderem viel Weizen (1924:
31.600 t), Garbanzos (Kichererbsen) und Reis (besonders im Yagquital).
auch Baumwolle (1923: 305 t), Tomaten und Frühgemüse, Der Anbau von
Orangen war wegen hoher amerikanischer Zölle nicht entwickelbar.
Höchstens */s0 des Bodens ist für Ackerbau geeignet, !/ıoo für intensive
Kultur. Schwierigkeiten entstehen zuweilen durch Aufstände der Yaqui-
indianer, so gegenwärtig (1926/27). Der Viehstand zeigte 1924 86.687
Rinder, 6733 Pferde, 11.575 Maultiere, 4668 Schweine, 3726 Schafe und
8548 Ziegen. Dei Rinderzucht ergibt Überschüsse, die nach dem Hochland
abgeführt werden, da die frühere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten
gegenwärtig wegen. hoher Zölle (80% des Wertes) nicht mehr mög-
lich ist.



Abb. 9. Veracruz.
Blick gegen den Golf von Mexico (links eine Mole des Hafens).
Photo Hugo Brehme.

Abb. 10. Savannenbusch des Küstenlandes
bei der Station Gonzalez der Strecke Tampico-Monterey,
Photo Prof, Jäger, Berlin,

80 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc,

während das Kienholz der Kiefer noch immer in ländlichen
Haushalten eine Rolle als Beleuchtungs- und Anzündematerial
spielt. Die ursprünglich vorhandenen Grasfluren, die erst seit
Einführung der europäischen Haustiere unmittelbare wirtschaft-
liche Bedeutung besitzen, sind künstlich erweitert, worden, indem
benachbarte Dorngestrüppformationen oder auch Wälder-
strecken abgebrannt und die später nachkeimenden Holz-
gewächse durch Weidebetrieb oder unmittelbaren menschlichen
Eingriff am Aufkommen gehindert wurden. Es ist also in solchen
Fällen den einheimischen Gräsern die Ausbreitung auf größeren
Flächen künstlich ermöglicht worden. Zahlreiche wildwachsende
Einzelgewächse werden insbesondere von Indianern und länd-
lichen Betrieben verwertet für Haushaltungszwecke, als Dach-
deckmaterial, für Hut-, Matten-, Korbflechterei, Seilerarbeiten,
für ärztliche Zwecke oder auch für Kultushandlungen nach heid-
nischer Überlieferung, wie das Kopalharz.
Während die natürliche Pflanzenwelt des Hochlandes —
mit Ausnahme von Ixtlefasern!) und Zacatonwurzeln?), Divi-
divi („Cascalote‘, das ist die gerbstoffhaltigen Schoten von
Caesalpinia coriaria) und der kautschukliefernden Guayule-
pflanzen — und der trockenen Gebiete des Tieflands fast nur
für den Verbrauch im Lande selbst Verwendung findet, wird die
wildwachsende Pflanzenwelt der feuchten Urwaldgebiete®) nicht
nur im ausgedehntesten Maße für den Gebrauch im Lande selbst
herangezogen, sondern es werden auch bedeutende Mengen von
Hölzern und anderen Waldprodukten nach dem Aus-
land verschickt. Es gehören hierher vor allem Möhelhölzer. wie
*) Unter Ixtle versteht man die Fasern verschiedener Agavearten:
Agave americana, A. atrovirens, A. tequelana, A. heteracantha („Lechu-
guilla“), A. falcata (Espadin), A. vivipara, ferner von Bromeliz silvestris
(„Pita“) und den Liliazeen Yucca und Dasylirion texanum (Ausfuhr
1923/24 4:2 Millionen Pesos). „Zapupe“ ist die Faser von Agave rubescens.

?) „Zacatön“ sind die Wurzeln von Eragrostis limbata, Epicampes
macroura und anderen Gramineen.

°) Wenn in statistischen Angaben der dichte Wald mit 14.850 km?
angegeben wird, so ist das ein großer Irrtum. Die Ausdehnung der dichten
Urwälder ist mindestens 10mal, vielleicht 20mal größer; es fehlen aber die
Grundlagen für eine zuverlässige Arealberechnung.

164

Anhang.

November und Januar bis April 0). Ein Teil des Staates wird nach dem
abflußlosen Innern entwässert (Rio Aguanaval), der größte Teil aber zum
Stillen Weltmeer. ,.

Der Bergbau ist trotz Erschöpfung vieler alter Minen noch immer
bedeutend. 1924 lieferte der Staat 1109 kg Gold, 319.106 kg Silber,
20,856.289 kg Blei, 4,774.738 kg Kupfer und 6828 kg Quecksilber.

Der private Landbesitz war 1910 in den Händen von 1535 Personen;
981% der landbewohnenden Familien hatten keinen Grundbesitz. Die
Regierung gab 1915—1923 22 von den 50 Gemeinden Ejidos. Der Acker-
bau liefert außer den gewohnten Feldfrüchten 4000t Weizen. Der Vieh-
stand war 1924: 65.236 Rinder, 29.768 Pferde, 11.720 Maultiere, 23.453
Schweine, 495.825 Schafe (wonach der Staat in Schafzucht weitaus an der
Spitze im Lande steht) und 359.270 Ziegen.

Die Industrie weist unter anderem ein Schmelzwerk in Concepeion
de Oro auf, das 1924 260 kg Gold, 20.435 kg Silber und 4.010.570 kg Kupfer
:Örderte, ein anderes in Villa Garcia 4488 kg Quecksilber. Heimindustrie
ertigt schöne Zarapes und Rebozos (Umschlagtücher).

Die Zentralbahn durchzieht den Staat und berührt die Hauptstadt.

Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft ete.

zeuge der Steinmetzen und Holzschnitzer waren häufiger aus
Stein, seltener aus Kupferlegierungen hergestellt. Ba Faffa

Bergbau wurde von den Indianern nicht in nennens-
wertem Maße betrieben, wohl aber wurden edle und unedle
Metalle (Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Blei sowie Edelsteine in
Seifen, im Flußsand oder an den verwitterten Rändern. der
Adern in ziemlich beträchtlichen Mengen gewonnen”).

Besondere Juweliere verarbeiteten die edlen Stoffe zu
kunstvollem Schmuck, wie denn überhaupt das Kunsthandwerk
in den Kulturzentren Mexicos blühte. Gold verstand man nach
dem Verfahren der verlorenen Form höchst kunstvoll zu gießen.
Auch die unedlen Mineralstoffe wurden eifrig benutzt. Salz
gewann man an den Meeresküsten trockener Gebiete oder an
Binnensalinen, indem man durch die Sonne oder durch Ab-
dampfen überm Feuer den Wassergehalt des Salzwassers zum
Verdampfen brachte. Aus jungen oder älteren Eruptivgesteinen,
zuweilen. selbst kristallinischen Schiefern wurden Mahlsteine
und Handwalzen sowie Mörser und gewisse Waffen hergestellt;
Pfeil- und Lanzenspitzen, Messer aller Art machte man in der
Nähe vulkanischer Gebiete aus Obsidian, während in den
übrigen Gegenden Flint, Hornstein oder andere Kieselvarietäten
dafür genommen wurden. Flint benutzte man auf Yucatän aus
Mangel an anderem brauchbaren Material auch zur Herstellung
von Mahlsteinen. Die Töpferei stand in den meisten Ge-
genden auf einer hohen Stufe, obgleich die Töpferscheibe nicht
bekannt war”). Die keramischen Erzeugnisse bestanden nicht
nur aus Küchengefäßen, sondern oft auch aus plastischen
Figuren, Götzenbildern u. dgl.; auch die Gebrauchsgefäße waren
häufig durch plastischen Schmuck oder durch Malereien mit
Erdfarhen verziert.

Die örtliche Beschränktheit des Vorkommens gewisser
mineralischer Materialien, die häufig hochentwickelte Technik
der Anwohner solcher Orte. die Verschiedenheit der landwirt-
1) E. Wittich, Skizze der Entwicklung des Bergwesens in Mexico
(Festschrift Humboldt, S. 231, Mexico 1910).

?) Nur in Yucatän waren (und sind) Ansätze zur Töpferscheibe vor-
handen.

Tabelle I.
Ein- und Ausfuhr von Veracruz von 1802—1806 (nach Alex. v. Humboldts Versuch, IV, S. 308. u. V, S. 116 ff.)
Einfuhr nach Veracruz 1802 18038 1804 1805 1806
(Kriegsjahre)

I. von Spanien a) in spanischen Produkter
b) in fremden Produkten

in Pesos
‚11,539.219 10,614.803 10,412.324 1,514,475 1,815.579
; .. 8,851.640 7,878.486 4,493,736 574.963 327.295
Total 20,390.859 18,493.289 14,906.060 2,089.438 2,142.874
, 1.607.729 1,873.428 1,619.682 1,262.907 EA an
3.485.65

2. von spanisch-amerikanischen Kolonien
3. Einfuhr auf neutralen Schiffen . .
Ausfuhr von Veracruz
1. nach Spanien .......00.0 000004 33.866.219 12,017.072 18,033.371 10.200 803.037
2, nach spanisch-amerikanischen Kolonien 4,581.148 2.465.846 3,424.511 330.546 574.191
3. Ausfuhr auf neutralen Schiffen. .... — — — 562.048 4,101.534
Gesamthandelsbewegung von Veracruz . . 0 60,445.955 34,349.634 37,983.624 4,355.137 12,616.535
An Schiffen liefen ein von Spanien. ........ 0.0...» 148 103 „107 27 8
» m 5 „ aus spanisch-amerikanischen Kolonien 148 111 128 _ 77 90
# ns „ „ aus neutralen Häfen ........- — — — — 87
Summa 291 214 230 104 - 135
Wichtigste Ausfuhrartikel, die von Mexico nach
Spanien gingen:
Cochenille .....0000000000 444
Indigo (z. T. aus Guatemala gebracht)
Zucker. .....
Gold. ..... 0.
Verarbeitetes Silber
Gemünztes Silber .
Wichtigster Ausfuhrartikel, der von Mexico nach den spanisch-
amerikanischen Kolonien ging
Gemünztes Silber. . ..

x
—
z
®
5

3.730.171 1.834.146

Tierwelt.

33

brannt. Von den sonstigen niederen Tieren sind nur wenige dem
Menschen nützlich, so die Cochenillelaus, die lange Zeit in der
mexicanischen Wirtschaft eine große Rolle spiulte, verschiedene
Bienenarten, deren Honig und Wachs eifrig gesammelt werden,
Perlmuscheln und Schwämme. Zahlreich sind. die den Menschen
oder der menschlichen Wirtschaft schädlichen niederen Tiere:
die Korallentierchen, deren Bauten die Schiffahrt im Mexicani-
schen Golf stellenweise sehr gefährden, und zahllose Repräsen-
tanten der Insektenwelt, wie die Mosquitos, darunter die Malaria
übertragende Anopheles, die glücklicherweise in die höheren
Regionen des kalten Landes (oberhalb ca. 2400 m) nicht hinauf-
reicht, die Gelbfieber übertragende Stegomya, die als Comoyotes
bekannten Östriden, deren Maden unter der Haut von Hunden,
Rindern, Menschen schmerzende Beulen schaffen, Geschmeiß-
fliegen, Cucarachas, Skorpione, giftige Spinnen, Tausendfüßler,
Wespen, Heuschrecken, die den Feldern enormen Schaden zu-
fügen können, ja in manchen Gebieten (wie Yucatän, der Golf-
küste und der Südküste von Chiapas) in unregelmäßigen
Zwischenräumen in solchen Massen auftauchen, daß sie die
Landwirtschaft mit dem Charakter der Instabilität, der Un-
sicherheit behaften, ferner Blattschneiderameisen, die Kaffee-
und Orangenkulturen besonders gefährlich sind, Termiten, die
Holz vernichten, Sandflöhe (Niguas), die sich nicht nur Tieren,
sondern auch unvorsichtigen Menschen unter die Haut nisten,
Zecken (Garrapatas), die Menschen und Tieren höchst lästig
fallen. Glücklicherweise sind diese aufs heiße oder auch ge-
mäßigte Land beschränkt, während Flöhe und Läuse auch im
Hochland häufig zu treffen sind.

Sapper, Mexico.

156

Anhang.

und liefert starke Überschüsse über den Eigenbedarf in vielen Zweigen
des Anbaus des kalten und des gemäßigten Höhengürtels: Weizen (Er-
zeugung 1924: 19.674t), Kartoffeln, Pulque (82.000 Faß 1928), Reis,
Kaffee, Zucker. Der Viehstand betrug 1924 62.101 Rinder, 7442 Pferde,
20.743 Maultiere, 46.437 Schweine, 135.395 Schafe und 98,826 Ziegen.

Die Industrie zeigt unter anderem Textilfabriken (3 Wolle, 50 Baum-
wolle, davon 39 tätig), außerdem Mühlen, Brauereien, Glaswerke, Onyx-
werkstätten, in Heimindustrie Matten,

Mehrere Bahnen erschließen das Land. Der Handel ist sehr rege.

Der Staat Quer6taro liegt im südlichen Hochland. Er hat 11.480 km®
mit (1921) 220.231 Einwohnern, 1918 pro km”. Das Staatsgebiet reicht
nur im Nordosten bis in das warme Land hinab. In der Haupt-
stadt Queretaro (80.000 Einwohner), in 20° 36’ n. Br., 1842 m ü. M., ist
die mittlere Jahrestemperatur 171° C (Mai 20:8, Dezember und Januar 18°5),
der Regenfall 430 mm (Juli 1026, März 27). Der Staat ist im Norden
gebirgig, im Süden mehr eben mit tiefgründigem Boden, Die Entwässe-
rung erfolgt größtenteils zum Atlantischen Ozean. Die Wälder bieten
Holz und Arzneipflanzen. Der Bergbau lieferte 1924 3 kgy Gold, 4287 kg
Silber und 572.599 kg Blei sowie Opale. ;

Das Privatland war 1910 in Händen von 650 Personen, während
984% der ländlichen Familienväter keinen Besitz hatten, Die Regierung
gewährte 3 (von den 7) Gemeinden Ejidos, Der Ackerbau liefert unter
anderem 12.364t Weizen (1924) und über 6000 Faß Pulque (19283). Der
Viehstand bestand 1924 aus 63.937 Rindern, 5416 Pferden, 3671 Maultieren,
9558 Schweinen, 36.396 Schafen und 42.400 Ziegen. Die Industrie weist
unter anderem Mühlen, 3 Baumwollspinnereien und -webereien (2 tätig)
und ein Schmelzwerk in Cadereyta auf (1924: 3 kg Gold, 4287 kg Silber
und 572.599 kg Blei). Der Staat wird von zwei Bahnen durchzogen.

Quintana Roo, Territorium, abgetrennt vom Staat Yucatän 1902,
nachdem die seit 1847 aufständischen Mayaindianer geschlagen waren.
Obwohl anfänglich starke Militärposten den Frieden sicherten, so hat
sich das Gebiet doch wenig entwickelt, da mit Zurückziehung der
meisten Posten die Indianer im größeren Teil desselben wieder das Über-
gewicht erhielten. So zählte das Territorium 1921 bei 50.137 km” Fläche
nur 10.966 Einwohner (022 auf den km?). Das ganze Gebiet ist tropisches
Tiefland (höchste Erhebungen höchstens 500 m). Der Regenfall, an
der Küste mäßig (Vigia Chico in 19° 46’ n. Br., 2m ü. M,: 944 mm,
November 165'9, April 19°0), nimmt aber, nach der Vegetation zu schließen,
landeinwärts im Süden stark zu; die Wärmeverhältnisse sind tropisch.
1910 gab es 27 Besitzer von Privatland, 986% der ländlichen Familien
waren besitzlos. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind ganz unentwickelt,
mit Ausnahme von Waldwertausnutzung, Über den — sicher ganz
geringen — Viehstand sind dem Statistischen Amt in Mexico keine An-
gaben zugegangen. Die kleine, 52km lange Schmalspurbahn, die den

72 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
bedeutete der Staat Hidalgo mit fast 44'/, Millionen Pesos; es
folgen sodann Durango (80) und Sonora (24), so daß also der
Schwerpunkt der Erzförderung immer noch im Nordwesten des
Landes liegt. Aber nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis
zur Einwohnerzahl und zur Fläche treten die genannten Staaten
am stärksten hervor, So zeigten die beiden. Ölstaaten zusammen-
genommen auf 1000 Einwohner eine Förderung im Wert von
187.292 Pesos, Chihuähua 162.085, Durango 89.110, Sonora
88.684, Hidalgo 70.744 (Baja California 75.567); auf 1 km? be-
rechnet ändert sich allerdings die Reihenfolge erheblich, da die
Weiträumigkeit der nördlichen Staaten sich zur Geltung bringt;
SO ergaben die Ölstaaten 1796 Pesos; Hidalgo 2127, Chihuähua
265, Durango 245 (Zacatecas 240, Mexico 407, San Luis Potosi
228), Sonora 134.

Die geförderten Erze werden vielfach nicht an Ort und
Stelle verhüttet, sondern mit Eisenbahnen, Drahtseilbahnen, in
Karren oder auf dem Rücken von Maultieren an entfernte Ver-
hüttungsorte oder auch ins Ausland geschickt.

Die wichtigsten Schmelzhütten im Betrieb waren in
Aguascalientes, Santa Rosalia in Niederkalifornien, Saltillo und
Torreon in Coahuila, in Chihuähua, Asarco und Mapimi in
Durango, Zimapan in Hidalgo, Monterrey in Nuevo Leön, Mata-
huala und San Luis Potosi in San Luis Potosi, Cananea in
Sonora und Concepcion de Oro in Zacat6cas.

Die Berg- und Hüttenwerke sind großenteils in moderner
Weise eingerichtet, teilweise aber auch recht veraltet, so daß
noch eine wesentliche Besserung eintreten kann. Die Ver-
hüttungsmethoden sind naturgemäß recht verschiedenartige,
aber großenteils modern. Viel gebraucht ist noch immer (trotz all-
mählichen Rückgangs) der sog. Patioprozeß der Amalgamation,
den 1557 Bartolome de Medina in Pachuca erfunden hat.
An manchen Stellen ist die Naturbeschaffenheit des Ortes der
Ausnutzung der vorhandenen Mineralschätze hinderlich, so in
Niederkalifornien, wo wegen Wassermangels das Alluvialgold
nicht gewaschen werden kann, wie etwa im benachbarten
Sonora; man hat sich deshalb damit zu helfen gesucht, daß man
den goldhaltigen Sand bei stark bewegter Luft siebt und so das

148

Anhang.

Einwohnern 1921, 2'74 pro km?) umfaßt im Westen einen großen Teil der
stark gebrochenen, von tiefen Schluchten durchzogenen Sierra Madre
occidental, in der Bären, Wölfe, Coyotes und anderes Wild in den Wäldern
hausen, und im Osten flaches Hochland, das großenteils abflußlos ist,
weshalb auch die Flüsse des Gebiets teils den beiden Ozeanen, teils den
abflußlosen Becken zufließen, unter letzteren der Rio Nazas, der wegen
zeiner wichtigen Rolle als Bewässerer schon der „Nil Durangos“ genannt
worden ist. Das Klima ist dank den Höhenunterschieden sehr mannigfaltig,
vorwiegend kontinental. In Lerdo (23°/832’ n. Br., 1140m ü. M.) ist das
Jahresmittel der Temperatur 224° C (Juni 29°0, Dezember 14:6), der Regen-
fall 148°7 (Juli 375, Januar und Februar 0). Daß der Rio Nazas in der
Regenzeit große Wassermassen mit sich führt, verdankt er dem offenbar
starken Niederschlag im Gebirge, über den aber keine Aufzeichnungen
bestehen. Die Wälder liefern viel Holz, die Strauchsteppen früher zirka
5500 t Guayule.

Der Bergbau lieferte 1924 785 kg Gold, 132.981 kg Silber, 15,093.351 kg
Blei und 1,972,758 kg Kupfer, außerdem 45.063 t Eisenerz (Hämatit, vom
Cerro del Mercado nahe der Hauptstadt Durango, ausgeschmolzen zum
Teil in Monterrey).

Der private Landbesitz gehörte 1910 2681 Personen; 968% der länd-
lichen Familien waren besitzlos. Die Regierung verlieh 1915-—1928 18 (von
den 42) Gemeinden Ejidos, Der Ackerbau erzeugt außer den meist-
gewohnten Feldfrüchten, wie Mais und Bohnen, Baumwolle (1923: 6665 t,
vorwiegend vom: Nazas-Gebiet) und 6800%t Weizen. Der Viehstand war
1924: 29.100 Rinder, 12.194 Pferde, 7936 Maultiere, 20.465 Schweine, 57.325
Schafe und 106.231 Ziegen.

Die Industrie weist ein Schmelzwerk in Asarco äuf (1924: 767 kg
Gold, 118.968 kg Silber 6,496.479 kg Blei und 3,498.418 kg Kupfer), ein
anderes in Mapimi (1924: 1,869.000 kg Arsenik), ferner Textilfabriken
(2 Wolle, 5 Baumwolle), Mühlen, eine Eisengießerei,

Die Hauptstadt Durango (1890 m ü. M., 31.000 Einwohner) ist von
mäßiger Bedeutung, Sie steht durch eine Vollbahn in Verbindung (Torreön)
mit der Zentralbahn, die den Osten des Staates durchzieht; außerdem
ginige Kleinbahnen.

Der Staat Guanajuäto liegt im Süden des mexicanischen Hoch-
landes und umfaßt eine Fläche von 30.585 km? und (1921) 860.364 Ein-
wohner, 28‘13 auf den km”. Das Gelände ist gebirgig, das Klima kühl.
In der Hauptstadt gleichen Namens (19.000 Einwohner), in 21° 1’ n. Br.,
2037 m ü. M. gelegen, ist die mittlere Jahrestemperatur 178° C (Mai 21'9,
Januar 18°1), der Regenfall 521 mm (Juli 1830, Februar 01). Der größte
Teil des Staates entwässert durch den Rio Lerma in den Stillen Ozean.
Wälder spielen im Norden und Nordosten noch eine erhebliche Rolle.

Der Bergbau lieferte 1924 1268 kg Gold, 103.949 kg Silber, 5418 kg
Blei und 133.855 kg Kupfer.

106 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.

und es muß hier hervorgehoben werden, daß die Erzeugnisse
sowohl nach der Art der Ausführung wie dem Grad der Zweck-
mäßigkeit häufig alles Lob verdienen und den besonderen Ver-
hältnissen des Landes volle Rechnung tragen. Wie schön und
zugleich praktisch ist gar mancher mexicanischer Sattel! Wie
sinnreich die Schutzleder an den Steigbügeln, die sowohl gegen
lie Sonnenstrahlen als gegen die Dornen schützen, und die
ledernen Seitenflügel an den Sätteln der Hirten in Dornstrauch-
steppen! Auch die primitive, von Indianern oder Mexicanern
ausgeübte Handweberei, die freilich seit der Kolonialära an Be-
deutung stark eingebüßt hat, liefert gute und praktische Stoffe
(Jerga, Rebozos ı. a.).

In den letzten 40 Jahren hat eine Fabrikindustrie nach
modernem Muster mit maschinellen Einrichtungen unter dem
Schutz hoher Einfuhrzölle und begünstigt durch besondere Er-
mutigungen und Erleichterungen seitens der Regierung in.vielen
Teilen des Landes sich zu entwickeln begonnen. Wenngleich
bereits bedeutende Fortschritte erreicht sind, so ist doch hier
noch ein sehr weites Feld für Unternehmungen aller Art, da in
fast allen Zweigen noch starke Einfuhr stattfindet. Obgleich das
Fehlen leistungsfähiger Kohlenbergwerke in der Mitte und im
Süden des Landes ein beträchtliches Hindernis für die rasche
Entfaltung der Industrie ist, so bietet doch der große Reich-
tum des Landes an Wasserkräften stellenweise dafür in
gewissem Grade einen Ersatz, sei es, daß die Fabriken am Ort
der Wasserkraft errichtet werden können oder daß ihnen durch
elektrische Übertragung die Kraft zugeführt werde. Bisher ist
lie Ausnutzung der Wasserkräfte noch nicht sehr beträchtlich,
so daß hier noch viele Möglichkeiten vorliegen.

Die bedeutendste elektrische Kraftanlage mit 90.000 Pferde-
kräften, im Staate Puebla, nützt die Necaxafälle aus und. wurde
durch die Mexican Light and Power Co. errichtet. Sie
versieht die Hauptstadt, aber z. B. auch die Mine El Oro mit
Energie. Elektrische Kraftgewinnungsanlagen finden sich bei
Guadalajära, Cuernavaca u. a. O0.

Wie die altmodischen Kleinbetriebe in der Hauptsache die
in der Umgebung erzeugten Rohmaterialien und nur in seltenen

Hydrographie.

27

der Wasserführung und sind zudem größtenteils in tiefe enge
Schluchten eingeschnitten, dabei oft sehr reißend, so daß sie
dem Verkehr mehr Hindernisse als Nutzen schaffen. Die Flüsse
des Innern zeigen noch mehr Schwankung des Wasserstands
und zudem münden sie oft in abflußlose salzige Seen. oder ver-
sickern, noch ehe sie diese erreichen; sie sind daher als Ver-
kehrswege nur in seltenen Fällen noch stellenweise brauchbar.
Der Rio Grande del Norte, der große Grenzfluß gegen die Ver-
einigten Staaten, ist zwar an sich auf längeren Strecken
schiffbar, jedoch wird davon wenig Gebrauch gemacht. Dagegen
sind manche der zahlreichen Seen des Hochlands für den Ver-
kehr nützlich; aber auch sie zeigen große Schwankungen des
Wasserstandes und bedrohen daher gelegentlich ihre Um-
gebungen mit Überschwemmungen, beeinflussen auch wohl den
Gesundheitszustand derselben ungünstig (so einst im Becken
von Mexico, das erst neuerdings künstlich entwässert wurde).
Manche Seen abflußloser Gebiete trocknen in der Trockenzeit
gänzlich aus, was wegen der dann sich entwickelnden Staub-
bildung für die Umwohner zu schwerer Belästigung, ja gesund-
heitlicher Schädigung werden kann (wie sich neuerdings nach
der künstlichen Trockenlegung des Tezcoco-Sees bei Mexico
gezeigt hat).

Da viele Flüsse und Bäche oberflächlich in der regenlosen
Jahreszeit austrocknen, so ist es praktisch von größter Wichtig-
keit, daß ihr Grundwasser auch während dieser Zeit aus-
dauert und vielfach durch Brunnen dem täglichen Gebrauch zu-
gänglich gemacht wird. Die muldenförmige Lagerung der
Schichten in den einzelnen Schwemmlandbecken ermöglicht dem
Wasser, das aus tieferen Schichten erbohrt wird, artesisch auf-
zusteigen, so vielfach in der Ebene von Mexico-Hauptstadt”).

Sehr große Bedeutung besitzen die Flüsse der trockenen Ge-
biete Mexicos für Bewässerungszwecke und sie werden
in neuerer Zeit auch in immer stärkerem Maße dafür verwendet,
so daß manche von ihnen in der Trockenzeit all ihr Wasser
dafür abgeben müssen und der Rio Grande infolge von Ab-

y F. Jaeger, Mexico und Südafrika (Geogr, Ztschr, 1926, S. 23 f.).

Abb. 27. Nordmexicanische Halbwüste,
Nach E, Stahlı Nordmexicanische Xerophyten. Verlag G. Fischer, Jena.

Abb. 28. :Kalifornische Halbinsel.
Hauptort der Coras-Indianer mit der Mission von Jesu Maria
Tehocusete im Tal des Rio Jesu Maria.

Abb. 15. Gruppe von Dattelpalmen bei
Tehuacän,
Photo Federico Petersen.

Abb. 16. Kugelkakteen, Tehuacän,
Photo Federico Petersen,

EIGENTUM
DES
INSTITUTS
FÜR
WELTWINTSCHAFT

= BILLIOTHEK

CE,
7 926132

a
NET

Klima.

19

beben freilich nichts, sofern sie nicht an steilen Berghängen
liegen und durch die Erschütterung‘ ins Abrutschen geraten,
aber Wohnhäuser und andere Gebilde der Menschenhand, wie
Brücken, Zisternen, Bahnen, werden durch heftige Stöße gar
nicht so selten zerstört und bringen durch ihren Einsturz auch
manchmal Menschen und Tieren Tod oder Verwundung, soweit
diese nicht durch bebensichere Holzbauten gegen die Wir-
kungen der Stöße gesichert sind oder rechtzeitig das Freie zu
erreichen vermochten. Die Rücksicht auf Beben hat schon früh-
zeitig die Spanier bewogen, hohe Häuser zu vermeiden und
durch dicke Mauern ihre Standfestigkeit zu erhöhen, so daß
infolgedessen die Furcht vor Beben sich landschaftlich in der
Bauweise der Häuser deutlich ausspricht.

Der Siedler, der sich neu ansiedelt, tut gut, auf die Beben-
gefahr in der Wahl der Bauweise und auch des Baugrundes
gebührend Rücksicht zu nehmen!

3. Klima.
Das Klima eines Landes ist abhängig von seiner geographi-
schen Lage, seiner Oberflächengestaltung und seinen Be-
ziehungen zu der näheren und ferneren Umgegend. Am wenigsten
macht sich innerhalb Mexicos die Breitendifferenz fühlbar:
obgleich das Land von 14*/,° bis 32*%/,° nördlicher Breite sich
ausdehnt und ungefähr zur Hälfte außerhalb der eigentlichen
Tropenzone liegt, so zeigt es doch wenigstens im Jahresmittel
im Tiefland allenthalben hohe Temperaturen. Die geringe jähr-
liche Wärmeschwankung der Tropen macht sich aber allerdings
nur in der Tropenzone wirklich typisch geltend, und auch sie
erfährt eine wesentliche Einschränkung dadurch, daß relativ
kalte nördliche Winde nicht selten während des Winterhalbjahrs
über das Land dahinstreichen und damit die Mitteltemperatur
der Wintermonate, namentlich aber der betroffenen Tage viel
niedriger gestalten, als es sonst in Tropengegenden gleicher
Breiten- und Höhenlage der Fall wäre.

Unzeitige Frühfröste im September und Oktober oder
Spätfröste im Frühjahr treten vielfach im Gefolge von Nortes

D6 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.
den Tropen: 1800 m. Ausfuhr Tabakblätter 1924: 54'/, t =
150.000 Pesos.

In den feuchten Wäldern des warmen Landes bis zur Höhe
von etwa 800m wächst der Kautschukbaum (Castilloa
elastica) wild; derselbe wurde aber durch die Rücksichtslosig-
keit der Kautschuksammler immer spärlicher, weshalb man in
feuchten Tropenregionen, namentlich im Staat Veracruz im
Isthmusgebiet, größere Kautschukbaumpflanzungen angelegt
hat. Die Ergebnisse dieser Pflanzungen waren gering. Später
hat man auch den auf kalkhaltigem Boden wildwachsenden
Guayulestrauch des nördlichen Hochlandes zwischen 1000
und 2000 m Höhe (in den Staaten Zacatecas, Nuevo Leön, Coa-
huila, Durango, Chihuähua und Sonora) zur Kautschukbereitung
herangezogen, aber unter der Konkurrenz des indischen Plan-
tagenkautschuks ist die mexicanische Kautschukgewinnung
stark zurückgegangen.

Mit bestem Erfolg ist die wildwachsende Vanille an der
feuchten Golfabdachung in Kultur genommen worden; bei dem
niedrigen Preis des künstlichen Vanillins ist es aber eine Frage,
wie lange noch diese Kultur sich rentieren wird. (Ausfuhr 1924:
94 t — 1,970.000 Pesos, besonders aus dem Staat Veracruz,
Distrikt Papantla.) Minder wichtig sind die in gleicher Gegend
angebauten Arznei pflanzen.

Der Weinbau, in der Kolonialzeit künstlich zurück-
gehalten, hat in der neuesten Zeit, von der Regierung begün-
stigt, Fortschritte gemacht, so daß immerhin erhebliche Mengen
Wein erzeugt werden, vor allem im Distrikt Parras (Coahuila),
aber auch in Niederkalifornien, Sonora, Durango, Zacatecas u. a.
Aber es ist noch starke Einfuhr‘) notwendig.

Von Farbpflanzen wird Indigo, der in der Kolonialzeit
und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großem Maß-
stab angebaut worden war, gegenwärtig nur noch in kleinerem
Maßstab in trocken-heißen Gebieten kultiviert, am meisten noch
in den Staaten Chiapas, Oaxäca und Michoacän.

*) Einfuhr 1924 von Faßweinen 1,046.000 Pesos, Flaschenweinen
227.600, Schaumweinen 105.000 Pesos.

48

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
nommen und in so großem Maßstab ausgeführt, daß sie neben
Zucker, Häuten und, Hölzern die landwirtschaftlichen Haupt-
artikel ihres Ausfuhrhandels wurden*). Eine Reihe von Nutz-
und Zierpflanzen, selbst Nutztieren, ist auch von Mexico aus
nach den Canaren und Spanien und zum Teil von dort aus nach
anderen Gebieten der östlichen Landmasse ausgeführt worden,
so Mais, Kakao, Tomaten, Chile, (Paprika), Opuntien und
Agaven sowie Cochenilleläuse; ja es sind mit den betreffenden
Dingen auch einige indianische (aztekische) Wörter Gemeingut
der Kulturvölker geworden, wie Tomate, Kakao, Schokolade.

Wenn die Landwirtschaft während der spanischen Kolonial-
zeit trotz der günstigen natürlichen Vorbedingungen und der
wertvollen neuen Elemente keine nennenswerte Höhe erreichte,
So waren daran verschiedene Ursachen schuld. Einmal ließ das
vorwiegende Interesse am Bergbau die Landwirtschaft etwas
in den Hintergrund treten; dann aber war die Zahl der land-
wirtschaftlichen Unternehmer zu gering, die Ausdehnung ihrer
Besitzungen viel zu groß, als daß mehr als ein kleiner Teil der
landwirtschaftlich nutzbaren Fläche wirklich hätte bearbeitet
werden können. Hauptsächlich aber war die engherzige Handels-
politik des Mutterlandes daran schuld: Dadurch, daß der Handel
mit dem Ausland und den meisten spanischen Kolonien ganz
verboten war und selbst der Handel mit dem Mutterlande
während des größeren Teils der Kolonialzeit auf den Verkehr
mit einem einzigen Hafen beschränkt blieb”), fehlte es an Absatz
für große Mengen und an der nötigen Konkurrenz, da der
Schmuggelhandel, der von den Vizekönigen geduldet wurde,
hier nicht den genügenden Ersatz bieten konnte. Dazu kommt,
*) In Oaxäca, wo gegen Ende der Kolonialzeit und später die
Cochenillezucht am meisten blühte, sind nach Mühlenpfordt in den
Jahren 1758-—1820 39,020.940 Pfad. Cochenille im Wert von 95,911.473
Pesos gewonnen worden, das ist im Jahresdurchschnitt 619.380 Pfd. im
Wert von über 1'/a Millionen Pesos (Cochenillegewinnung 1821—1832
5.174.810 Pfad, im Wert von 10,259.200 Pesos, also im Jahresdurchschnitt
431.234 Pfd. im Wert von 855.000 Pesos).

°) Cadiz bzw. Sevilla. Erst Karl IIL öffnete 1778 andere spanische
Häfen für den Verkehr mit Neuspanien und gab den interkolonialen
Handel frei.

L36

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

Tabelle XV.

Der Außenhandel Mexicos 1924
‘nach dem Anuario estadistico 1923—1924. Mexico 1925).

Nordamerika ......
davon Vereinigte Staaten
Mittelamerika . ....
Südamerika . . .
Antillen .....
davon Cuba
Europa 0. ...0....
davon Deutschland .
Belgien ....
Tschechoslowakei
Spanien ....
Frankreich . . .
Großbritannien
Holland ..
Italien...
Schweiz .
Norweren
Afrika ..
Asien

Dzeanien

davon Britisch-Indien

Einfuhr Ausfuhr
in Pesos
235,387.029 496,912.605
233,194.744 493,476.815

186.581 5,7083.076
1,086.456 16,352.727
342.264 16,298.032
75.752 16.114.341
81,493.814 78,916.520
23,203.101 17,534.442
2.135.905 5,385.150
2.000.297 18
7,476.889 3,928.455
16,057.137 8,380.815
22,535.049 34,611.318
1.194.307 5,322.967
1,758.367 1,800.851
3,065.657 6.255
384.239 1,129.620
56.336 293.305
2,746.044 98,850
1,172.800 _—
19.194 137.400
321,317.648 614,712.515

I. Die Natur des Landes.
1. Bau und Oberflächengestaltung.
Die Vereinigten Staaten von Mexico nehmen einen Flächen-
inhalt von nahezu 2 Millionen Quadratkilometer ein. Das Gebiet
ist. durchaus nicht einheitlich und besteht, wenn man von den
wirtschaftlich noch bedeutungslosen Inseln ganz absieht, aus
zwei durch den Isthmus von Tehuantepec miteinander verbun-
denen Teilen von sehr verschiedener Größe, Naturbeschaffenheit
und wirtschaftlichen Verhältnissen, Der nordwestliche, konti-
nentale, cisisthmische Teil stellt das nach Süden keilförmig zu-
laufende, blockartige Südende des nordamerikanischen Konti-
nents dar, der südöstliche, viel kleinere, nur etwa 1/, Million
Quadratkilometer umfassende transisthmische Teil ist ein Stück
von Mittelamerika.

Beide Hauptteile Mexicos sind vom Atlantischen und Pazifi-
schen Ozean bespült und haben dadurch die handelsgeographisch
wichtige Möglichkeit, nach Osten und Westen zugleich direkten
Handel treiben zu können, eine Möglichkeit, die ehedem in
der spanischen Kolonialzeit durch die Beziehungen zu Spanien
einerseits und den Philippinen anderseits für das kontinentale
Mexico zur Wirklichkeit geworden war, während hernach der
asiatische Verkehr sich von Mexico aus auf dem Umweg über
die Vereinigten Staaten. von Nordamerika zu vollziehen pflegte.
Erst die Einrichtung einer direkten japanischen Dampferlinie
hat neuerdings den direkten Verkehr auch gegen Asien hin
wieder eingeleitet.

Die gesamte Küstenlänge beträgt über 8800 km; aber dieser
großen Ausdehnung der Küste entspricht nicht eine leichte Zu-
gänglichkeit des Landes von der See her, indem nur wenige ge-
schützte Buchten und gute Naturhäfen vorhanden sind (z. B.
Laguna de Terminos, Acapulco, Guaymas). Die übrigen Hafen-

92

Die einzelnen Wirtschaftszweige ete,

Von einer Gesamterzeugung von 370.802 t entfielen 1923
auf die Staaten Guanajuäto 80.580 t, Sonora 56.602 t, Michoacän
56.123, Chihuähua 51.789, Mexico 23.860, Jalisco 21.621, Coa-
huila 20.649, Puebla 15.090, Baja California 14.207, Querötaro
12.830, Oaxäca 5225 t, während die übrigen Staaten mäßige, die
tropischen Tieflandstaaten Tabasco, Campeche und Yucatän
nebst Quintana Roo keine Produktion aufweisen. Mühlen, zum
Teil mit modernster Einrichtung, verarbeiten in den Produktions-
staaten selbst den Weizen. N eben dem Weizen treten die
übrigen europäischen Getreidearten:‘ Hafer, Roggen und Gerste,
an Menge zurück (Ernte an Gerste 1928: 85.123 ).

Die Getreideproduktion genügt zur Zeit noch nicht dem
heimischen Bedarf, weshalb in ungünstigen Jahren noch er-
hebliche Einfuhr von Getreide‘) und Mehl”), besonders aus den
Vereinigten Staaten, stattfindet.

Ähnliche klimatische Vorbedingungen wie die europäischen
Getreidearten haben auch die europäischen Obstarte n, ihre
Verbreitung ist aber beschränkter; die Apfelkultur ist nur in
den Staaten Puebla, Coahuila und Chihuähua Sowie dem
Föderaldistrikt bedeutend, in Chiapas und Veraeruz mäßig; die
Birnenkultur tritt daneben zurück, während die Pfirsichkultur,
die auch tiefer herabreicht (in den Tropen bis 1200 m), wesent-

lich bedeutender ist.

ausnutzen, Damit sich keine Kruste bildet, werden die Felder nach starken
Regenfällen und einer nachher einsetzenden Trockenperiode stark geeggt
und damit die Kapillarröhrchen der Oberschicht zerstört. Fällt nach der
Aussaat noch Regen, so wird der Weizen ebenfalls nach Aufhören des
Regens jedesmal wieder geeggt.

Die Vorbereitungsarbeiten für den Mais werden so früh wie mög-
lich im Oktober gemacht. Der Mais wird geschnitten und in Haufen
(Magotes) gesetzt, das Land wird sodann tief gepflügt und geeggt, ehe
der Boden hart wird. Fällt im Winter oder Frühjahr Regen, so wird die
sich bildende Kruste immer wieder durch die Egge zerstört. Auf diese Art
erreicht man, daß man im Frühjahr mit genügender Feuchtigkeit recht-
zeitig mit dem Maissäen beginnen kann, auch wenn der erste Regen erst
im Mai fällt.“

*) Einfuhr von Weizen 1928/24 46.037 t— 4! Millionen Pesos, von
Hafer 1988 t — 199.000 Pesos, von Braugerste 5672 t — 784.000 Pesos.

*) Einfuhr von Mehl 1924: 29,546 t — 4/4 Millionen Pesos.

38

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

uns Deutschen anfänglich fremd anmutet: die Persönlichkeit
des Präsidenten drückt dem ganzen Land in gewissem Sinn
seinen Stempel auf; aber daneben bedeutet in den einzelnen
Staaten, namentlich den exzentrisch gelegenen, der Wille des
Gouverneurs ebenfalls etwas, mit dem der Unternehmer zu
rechnen hat; ebenso hat jeder einzelne Jefe politico (Regierungs-
präsident), Richter, Polizeichef, Zollbeamte u. s. w. eine ganz
andere persönliche Bedeutung als bei uns, denn auf ihn kommt
es an, ob die Bestimmungen eines Gesetzes schikanös, gerecht,
lax oder gar nicht gehandhabt werden. Darum ist auch oft eine
gewisse diplomatische Geschicklichkeit vonnöten, zu solchen
Beamten gute persönliche Beziehungen zu unterhalten, was
nicht immer ganz leicht ist, da manche den vielverbreiteten
Fremdenhaß hegen und daher gegen Fremde leicht starken
Bureaukratismus zeigen u. dgl. Nicht ganz leicht ist ferner die
Kunst der Arbeitergewinnung und richtigen Arbeiterbehand-
lung, vor allem in jetziger Zeit, wo der Kamm der arbeitenden
Klasse gewaltig gestiegen ist. Wichtig ist auch die Kunst des
richtigen Maßhaltens im Kreditgewähren u. dgl. All dieses und
vieles andere mehr, was hier nicht einzeln aufgeführt werden
soll, ist für das Gelingen des Unternehmens von größter Wich-
tigkeit und kann nur im Lande selbst erlernt werden. Da zudem
von Ort zu Ort innerhalb der Republik verschiedene Verhält-
nisse obwalten, so lassen sich allgemeine Angaben schwer
machen. Aber die Erfahrung zeigt, daß der Unternehmer, der
Wagemut und kluge Überlegung in sich vereint, die Verhält-
nisse genau kennt und auszunutzen versteht, in Mexico noch
immer einen guten Boden für gewinnbringende Geschäfte der
verschiedensten Art finden kann.

L60

Anhang.

Die Industrie weist neben den Aufbereitungsanlagen der Bergwerke
eine große Schmelzhütte in Cananea auf, die 111 kg Gold, 15.391 kg Silber
und 13,526.506 kg Kupfer 1924 erzeugte, ferner 1 Baumwollspinnerei und
‚weberei, 1 Bierbrauerei, Käsereien, Gerbereien, Mühlen u. a.

Der Staat führt Weizen, Kichererbsen, Hölzer, Käse, Butter und viel
Metalle neben Graphit aus.

Die Bahn von Nogales über Guaymas nach Tö6pie und Dampfer-
Fahrten von Guaymas aus verbinden den. Staat mit der Außenwelt. Im
Norden führen einige Bergwerksbahnen, nach den Vereinigten Staaten.

Tabasco, Der Staat Tabasco, am‘ Südrand des Golfs von Mexico
gelegen, ist ein ausgesprochener tropischer Tieflandstaat, der nur geringen
Anteil an den Gebirgen des Südens hat. Er umfaßt 25.337 km? Fläche mit
(1921) 178.389 Einwohnern (704 pro km”). Das Klima ist in der ganzen
Ausdehnung feuchtwarm. Der Regenfall beträgt in der Hauptstadt Villa
Hermosa (früher San Juan Baptista, 12.300 Einwohner), in
17° 59 n. Br., 20m ü. M., 18383 mm (Oktober 394'3, Januar 281), in der
Hafenstadt Frontera (18° 32’ n. Br., 2m ü. M.) 912 mm (September 1538-7,
April 2‘1), in Tenosique (Flußhafen am Rio Usumacinta in 17° 29’ n. Br.,
60m ü. M.) 1789 mm (September 805‘9, März 56°2). Die mittlere Jahres-
wärme beträgt in Villa Hermosa 28°5°C (Mai 324, Januar 24°5. Das Ge-
lände ist im größten Teil der Ausdehnung sehr eben, so daß bei den regel-
mäßigen Überschwemmungen der Regenzeit weite Flächen längere Zeit
unter Wasser stehen, weshalb dann Kahnverkehr an die Stelle von Maultier-
oder Öchsenkarrenverkehr tritt. Auf den zeitweise überschwemmten
Flächen entwickeln sich hochwüchsige Gräser und Waldbäume (Baum-
sabannen), auf ständig wasserfreiem Boden regenfeuchte Urwälder oder
zum Teil niederwüchsige Sabannen. Die schiffbaren Ströme Usumacinta
and Grijalva durchziehen das Land.

Der Bergbau traf am Fuße der südlichen Gebirge (bei Macuspana)
Spuren von sehr leichtem Erdöl; jedoch sind neuerdings die Betriebe
wieder aufgelassen worden. Die Waldwirtschaft liefert Möbel- und Farb-
hölzer, die Jagd auf Alligatoren und Reiher zuweilen kleine Ausfuhr-
mengen (Reiherjagd ist allerdings neuerdings verboten).

Der private Landbesitz verteilte sich 1910 auf 1707 Personen, 952%
der ländlichen Familienväter besaßen kein Land. Von 1915 bis 1923 ge-
währte die Regierung 4 von 17 Gemeinden Ejidos, Die Landwirtschaft
erzeugt außer den allgemein gebräuchlichen Feldfrüchten des Tieflandes
Bananen, Kokosnüsse und Kakao. Der Viehstand zeigte 1924 10.678 Rinder,
1911 Pferde, 2875 Maultiere, 14.048 Schweine, 62 Schafe und 2000 Ziegen.
Industrie fehlt, mit Ausnahme der gebräuchlichsten Anlagen, wie elektri-
sches Licht, Eisfabrik u. a. Ausfuhr: die obenerwähnten land- und forst-
wirtschaftlichen Erzeugnisse. Eine Bahn gibt es nicht; aber die beiden
Hauptströme sind für Dampfer, viele ihrer Zuflüsse für Motor- und Ruder-

Anhang:
Alphabetisches Verzeichnis der Staaten und
Territorien.

Vorbemerkung: Die Einwohnerzahlen beziehen sich, wo nichts anderes
bemerkt ist, auf das Jahr 1921, die Viehzahlen auf das Jahr 1924. Die
meteorologischen Angaben sind dem „Atlas termopluviometrico de la
Republica Mexicana“ (Tacubaya 1924) entnommen und stellen Mittel der
Jahre 1906—1910 dar.

Die Bergbau- und Hüttenangaben sind dem Annuario de Estadistica
Minera 1924 (Mexico 1926) entnommen, andere statistische Angaben ver-
schiedenen Heften des „Boletin de Estadistica“ bzw. der „Estadistica
Nacional“, dem Anuario Estadistico 1923/24, Mexico 1925 u, a., allgemeine
sonstige Angaben folgenden Werken: H. Schnitzler, The Republic
of Mexico, London 1924, T. Ph. Terry, Guide to Mexico, Boston und
New York, Mexico, London 1928, und G. V. Callegari. Messico,
Roma o. J. (1925).

Die Landbesitzverhältnisse von 1910 sind dem schönen Werke von
George McCutchen-McBride „The land systems of Mexico“
entnommen, die Angabe über Ejidozuweisungen der „Estadistica Nacional“
vom 15. Juni 1925.

Aguascalientes, mittlerer Hochlandsstaat, 6472 km*. 1921: 107.581
Einwohner, 1662 pro km?. Klima gemäßigt: Stadt Aguascalientes
21° 58’ n. Br. 1879 m ü. M. Regenfall im Jahr 594 mm (stärkster im Monat
August: 1268 mm, geringster im April: 41). Gebirge bis 3000 m reichend,
Entwässerung zum Rio Santiago (Stiller Ozean). Irrigation fehlt, aber
artesische Brunnen. Wasserkraftkonzessionen 5351 Pferdekräfte. Wenig
Wald,

Bergbauerzeugung 1924: 9 kg Gold, 11.788 kg Silber, 135.689 kg Blei,
382.904 kg Kupfer. — Heiße Mineralquellen, Bäder.

Landbesitzverteilung: 1910 505 Besitzer; 96'4% der landbewohnenden
Familienhäupter ohne Grundbesitz. 1915—1923 erhielten 5 von den vor-
handenen 8 Gemeinden Gemeindeland (Ejidos).

Landwirtschaft: Feldfrüchte des gemäßigten und kalten Landes.
Weinberge. Weiße Maulbeerbäume und Seidenzucht. Honig. Viehzucht
ziemlich entwickelt; 1924: 17.387 Rinder, 3537 Pferde, 2910 Maultiere,
11.301 Schweine, 24.665 Schafe, 28.367 Ziegen.

4

Die Natur des Landes,
der geringen Erhebung über den Meeresspiegel (wenig über
230 m), sondern auch genetisch die Grenze zwischen dem zu
Nordamerika gehörenden und dem mittelamerikanischen Anteil
von Mexico darstellt).

Aus den bisherigen. Ausführungen ergibt sich, daß ebene
und wenig geneigte Flächen, wie sie für Ackerbau, Siedlung
und Verkehr am günstigsten sind, in Mexico teils im Tiefland
{vor allem längs der Golfküste), teils aber im Hochland (vielfach
über 2000 m) größere Ausdehnung erlangen, während in mäßigen
Höhen stellenweise ebenfalls ansehnliche Strecken flacher
Neigung vorhanden sind (Oaxaca, Chiapas). Wenn man von der
physischen und klimatischen Eignung der betreffenden Flächen
absehen könnte, so würde man die Ausdehnung des ebenen
oder geringgeneigten Bodens als Maß der wirtschaftlichen Ent-
wicklungsmöglichkeit des Landes ansehen dürfen, und man
würde demnach Mexico als ein besonders günstiges Gebiet be-
zeichnen dürfen. Aber freilich engen, wie wir später sehen
werden, physische Besonderheiten die söhligen Flächen guter
Eignung nicht unerheblich ein.

Die stark geneigten Flächen (mit über 45—50° Neigung)
entziehen sich menschlicher Benutzung für Siedlung, Wirtschaft
und Verkehr fast vollständig, wenn man waldbedeckte feuchte
Gegenden oder Bergbaugebiete ausnimmt, die unter Umständen
eine Ausbeutung noch erlauben. können.

Die mäßig geneigten Flächen (20—45°) nehmen in ihrem

1!) W. N. Thayer hat (The physiography of Mexico, im Journal of
Geology, Chicago 1916, XXIV, S. 61—94) den Versuch gemacht, in einer
sorgfältigen, nach Davis scher Methode geführten Untersuchung eine
Anzahl „physiographischer Provinzen“ oder Gebiete eng verwandter
Oberflächengestaltung herauszuschälen und fand für den mexicanischen
Block sieben derartige Provinzen: die Sierra Madre Occidental, das mittlere
Gebiet des mexicanischen Hochlands mit seinen weiten flachen Becken
‘„Bolsones‘“), die Wüstenprovinz von Sonora samt den beiderseitigen
Randgebieten des niedercalifornischen Busens, die Golfküstenebene, die
Vulkanzone, die Sierra del Sur und die Provinz von Tehuantepec. Für
das kleine transisthmische Mexico kann man dagegen drei natürliche Land-
schaften unterscheiden: das flachgewellte Kalktafelland von Yucatän, die
Alluvialebene von Tabasco (die Fortsetzung der nördlichen Golfküsten-
ebene) und das Berg- und Tafelland von Chiapas.

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 51

ostindischer und chinesischer Waren bringen durfte, aber ge-
wöhnlich Waren im Wert von 1'/,—2 Millionen brachte. Auf
dem Rückweg ging es unter Ballast mit 1—1*/, Millionen Pesos
yemünzten Silbers, ein wenig Cochenille, Kakao, Wein, Öl und
spanischen Wollenwaren, Mit dem Jahre 1810 hörte der Handel
mit den Philippinen ganz auf. Geringfügig war der Handel Aca-
pulcos mit Südamerika: Haupteinfuhrgegenstände waren Kupfer,
Öl, Wein, Zucker, Chinin und Kakao, Ausfuhrgegenstände kleine
Posten von Wollenwaren, Cochenille und ostindischen Waren.

Der Sechleichhandel wurde hauptsächlich durch kleine Fahr-
zeuge betrieben, die von Veracruz oder Campeche aus Waren
von Jamaika holten. Mühlenpfordt nimmt den Wert des
Schmuggelhandels zu 2*'/,—3 Millionen Pesos jährlich an,
während A, von Humboldt glaubte, daß er in Friedens-
zeiten 4—5 Millionen Pesos, in Kriegszeiten aber, wenn der
Handel mit den Neutralen erlaubt werden mußte, 6—7 Millionen
betragen hätte.

Der Binnenverkehr hat in der Kolonialzeit gegenüber früher
durch Einführung von Reit-, Last- und Zugtieren, durch Weg-
und Brückenbauten große Fortschritte gemacht, jedoch war die
Zahl der Reitwege ziemlich beschränkt, ihre Beschaffenheit oft
sehr wenig erfreulich, und selbst am Ende der Kolonialzeit gab
es nur ganz wenige Fahrstraßen von bedeutender Länge, so
von Mexico nach S. Fe und von dort nach Veracruz, während
zwischen Mexico und Acapulco einerseits, Veracruz anderseits
nur Reitwege bestanden. Ein beträchtlicher Teil des Lasten-
verkehrs wurde, wenigstens in Gebirgsgegenden, noch immer
von indianischen Trägern besorgt. Der Postdienst erlangte erst
unter der Herrschaft der Bourbonen eine höhere Bedeutung.

3. Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft unter
republikanischer Verwaltung bis 1911.
Die freiheitlichen Ideen des scheidenden 18. Jahrhunderts,
das leuchtende Beispiel der benachbarten Vereinigten Staaten,
die Absetzung der Bourbonen durch Napoleon I. in Europa und
die Zurücksetzung der Kreolen in Mexico zugunsten der in





116 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.
1924 hatte die Einfuhr nach Tampico einen Wert von 74:6
Millionen Pesos, die Ausfuhr aber einen solchen von 354°5 Mil-
lionen Pesos, so daß der Gesamthandel sich auf 429-1 Millionen
Pesos belief gegenüber 1189 von Veracruz (Einfuhr 72-7, Aus-
fuhr 462). Gegenüber diesen hohen Handelszahlen traten die
anderer Häfen stark zurück; ja, von allen Seehäfen erreichen nur
Progreso und Tuxpam noch wirklich bedeutende Handels-
werte: 30:6 und 20:5 Millionen Pesos (Einfuhr 9:2 bzw. 1°2 und
Ausfuhr 21-4 bzw. 19:3), während ein großer Teil der Überland-
zollstätten zum Teil sehr beträchtlichen Handelsverkehr er-
kennen lassen; 1924: Laredo 1029 (Einfuhr 70:0, Ausfuhr
32-9), Ciudad Juarez 594 (Einfuhr 13:6, Ausfuhr 45:8), aber
auch noch Nogales 298 (Einfuhr 139, Ausfuhr 15:9),
Agua Prieta 18°8 (Einfuhr 3°8, Ausfuhr 15°0), Piedras
Negras 137 (Einfuhr 126, Ausfuhr 11), Mexicali 122
(Einfuhr 5°1, Ausfuhr 7°1) undNaco 121 (Einfuhr 21, Ausfuhr
10-0), alle sieben an der Landgrenze der Vereinigten Staaten ge-
legen und bekundend, wie starke Klammern des wirtschaftlichen
Verkehrs die Eisenbahnverbindungen zwischen beiden Ländern
darstellen. Weit schwächer ist der Handel der pazifischen Häfen,
zeigt doch selbst Mazatlan, der bedeutendste derselben, nur
einen Handelsverkehr von 12:2 Millionen Pesos (Einfuhr 5-1,
Ausfuhr 7:1), Salina Cruz 66 (Einfuhr 0:8, Ausfuhr 5:8),
Guaymas 48 (Einfuhr 1:3, Ausfuhr 3:5), Manzanillo 3:6 (Ein-
fuhr 3:3, Ausfuhr 0:3), Topolobampo 2-2 (Einfuhr 0:7, Aus-
fuhr 1:5), ja, das altberühmte Acapulco, trotz seines ausge-
zeichneten Hafens, gar nur 0:3 (Einfuhr 245.000, Ausfuhr 38.000
Pesos!), da ihm eben gute Verkehrswege ins Hinterland fehlen.
Der gesamte Außenhandel des Landes wies 1924 eine Ein-
fuhr von 321,8317.648 Pesos auf, wovon nach der Gruppierung
der amtlichen Statistik 35:2 Millionen auf tierische Stoffe ent-
Gelen, 44:6 auf pflanzliche, 72°3 auf mineralische, 441 auf Textil-
waren, 22:0 auf chemische und pharmazeutische Erzeugnisse,
4:5 auf Getränke, 9:7 auf Papier und dessen Verwendung, 39:9
auf Maschinen und Apparate, 24'3 auf Gefährte, 40 auf Waffen
und Explosivstoffe, 20:8 auf Verschiedenes. Die Ausfuhr
wertete 1924 614.712.515 Pesos, wovon 5:0 auf tierische Stoffe



Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft etc. 37
Südamerika viel geübt ist). Außer einigen. Unkrautjätungen
und nötigenfalls Umzäunung als Wildschutz bedurfte das Feld
keiner weiteren Pflege bis zur Ernte. Nur in trockenen Gebieten
war unter Umständen Bewässerung nötig, die auch in vorkolum-
bischer Zeit schon ausgiebig angewandt worden ist. Da Dün-
gung — mit Ausnahme der den Wohnhäusern zunächst liegenden
Grundstücke — nur in geringem Maße (durch Gründüngung
oder Verwendung verfaulenden Holzes, wohl auch Menschen-
kot) üblich war, so blieb man vielfach auf die natürliche Frucht-
barkeit des Bodens angewiesen, sowie auf gelegentliche natür-
liche Düngungen, z. B. durch Überschwemmungen in Flußtälern
oder, in trockenen offenen Landschaften, durch Staubwolken,
die der Wind über die Felder treibt und teilweise dort absetzt.
Da nun die Fruchtbarkeit des Bodens, auch wenn derselbe jung-
fräulich ist, in den einzelnen Landesteilen sehr verschieden ist,
1) Als eine besondere Eigentümlichkeit der altmexicanischen Land-
wirtschaft müssen die schwimmenden Gärten (Chinampas) der Seen um
Tenochtitlan erwähnt werden: 100 m lange, 5—6 m breite Flöße von
Schilf, Ästen, Wurzeln und Buschgezweig, die mit 1m schwarzer Erde
bedeckt waren. Diese noch von A. v. Humboldt beschriebenen Gebilde
gibt es nicht mehr, seitdem die Katasterarbeiten der mexicanischen
Regierung begonnen wurden und zum Zweck der Erhebungen nur mehr
„feste Chinampas‘“ gestattet wurden. Diese stellt man durch Aufschichten
von Erde und Vegetation in wechselnden Lagen zwischen Signalstangen
über Untiefen her, bis ein Rasen von Lilien (Hitckornia caerulea) und
anderen Gewächsen entstanden ist. Ist die Chinampa 20—25 cm über den
Wasserspiegel heraufgewachsen, so pflanzt man an den gewünschten
Ecken „Huejotes“ (Weiden) in Abständen von 4—5m, um dem Erdreich
Halt zu geben. Vier Jahre nach Bildung der Chinampa ist die Zersetzung
der organischen Masse schon fast vollständig. Die Breite der Chinampas
ist gering (4—6 m), damit das Wasser bis zur Mitte infiltrieren kann, die
Länge sehr wechselnd: 5—100 m. Dadurch, daß diese schmalen Felder
immer wieder durch Schlamm gedüngt werden, den man mit einer Art
Netz vom Grund des anliegenden Wassers heraufholt, werden die Felder
allmählich immer höher, bleiben aber immer fruchtbar, und das Klima ist
günstig genug, daß ständig Pflanzen darauf gedeihen und keinen Monat
des Jahres Ruhe notwendig wird. Vielfach stehen schon die jungen
Pflanzen in der Erde, wenn die reifen älteren abgeerntet werden. Eine
besondere Fruchtfolge wird nicht eingehalten. Der Anbau gilt allen Arten
von Feldfrüchten und Blumen. Das Wachstum ist von großer Üppigkeit.
(Vgl. Miguel Santa Maria, Las Chinampas. Mexico 1912.)

52

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

4. Die neueste Zeit (seit 1911).
Porfirio Diaz hatte das Land in hohe wirtschaftliche
und auch geistige Blüte gebracht, so daß die Republik glanzvoll
dastand und 1910 mit Stolz ihre hundertjährige Unabhängig-
keitsfeier begehen konnte. Auch an Einwohnerzahl hatte sie
seit dem Ende der unglücklichen Episode des Kaisers Maxi-
milian fast in allen ihren Teilen ständig zugenommen, so daß
sie 1910 über 15 Millionen Seelen zählte (gegen 9:16 in 1868).
Alles schien auf eine weiterhin günstige Zukunft hinzudeuten.
Aber Porfirio und seine langjährigen Minister waren alt
geworden und hatten die schweren inneren Mängel, die sich
unter der glänzenden Außenseite verbargen, nicht erkannt oder
zum wenigsten nicht zu verbessern versucht, weshalb im Volk
allmählich Unzufriedenheit Platz griff — weniger mit dem Prä-
sidenten selbst, als mit seinen Ratgebern, den „Cientificos‘“,
Außer vielen anderen Vorwürfen, die diesen gemacht wurden,
wie dem der allzu großen Begünstigung der Fremden, waren
as hauptsächlich zwei Punkte, die schwer in die Wagschale der
Volksstimmung fielen: einmal die schlechte Bezahlung und Be-
handlung der Land- und Fabrikarbeiter und sodann die über-
große Ausdehnung des Großgrundbesitzes. Letztere Frage ist
neuerdings von George MeCutchen MecBride*) sorg-
fältig untersucht worden, wobei sich in der Tat die Berechtigung
der Klage ergab. Es zeigte sich z. B., daß im Staat Michoacän
von etwa 165.800 landbewohnenden Familien nur 4518 Land-
besitz besaßen, während über 160.000 völlig landlos waren; im
Staat Mexico aber besaßen 856 Grundbesitzer das ganze in
Privathänden befindliche Land; von den 620 Gemeinden des
Staates hatte allerdings eine Anzahl noch Gemeindeland, an
dem gegen 35.000 Familien Anteil haben mochten; aber
immerhin blieben über 100.000 Familien jeglichen Landbesitzes
bar; im Staat Morelos dagegen besaßen von 28.000 Familien-
häuptern der ländlichen Bevölkerung gar nur 140 Eigenland!
Daß derartige Zustände geeignet waren, Unzufriedenheit zu
erregen — um so mehr, als weite fruchtbare Flächen des Groß-
;) The land systems of Mexico, New York 19238,



38 Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

verkauft (häufig von den Erzeugern selbst), aber doch haben
sie, namentlich im Hochland, neueingeführte Nutzpflanzen und
Haustiere bereits in wesentlich höherem Maß übernommen;
stellenweise sieht man auf geeignetem Boden auch bereits die
altertümlichen spanischen Holzpflüge mit eiserner Pflugschar im
Dienst von Indianern und häufig haben sie bereits Esel oder auch
Pferde und Maultiere als Lasttiere im Besitz. Zudem ist auch
ihr Verlangen nach wirksameren Ackerbaugeräten, besserer
Kleidung, Nahrung (besonders Fleisch) und Getränken (leider
häufig Pulque oder Branntwein) so groß, daß sie nicht nur schon
beachtenswerte Käufer sind, sondern daß der Erlös ihrer eigenen
Erzeugnisse zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nicht mehr hin-
reicht und sie daher zur Annahme von Vorschüssen gezwungen
sind, die sie durch ihrer Hände Arbeit zurückerstatten sollen.
Da sich die Arbeitgeber in gleicher Weise wie in der spanischen
Kolonialzeit und manchmal fast ebenso skrupellos wie damals
bemühen, den Arbeiter (peön) nicht aus seinen Schulden heraus-
kommen zu lassen, so kann leicht aus einem freien Indianer ein
durch Schuldverhältnis gebundener ständiger Arbeiter werden,
ein Umstand, der für seine Person bedauerlich, für die Hebung
der kapitalistischen Erzeugung jedoch günstig ist. Aber auch
die nur gelegentlich in fremden Dienst eintretenden Indianer
sind. bereits namhafte wirtschaftliche Faktoren, während die
zur Zeit noch die Arbeit meidende indianische Bevölkerung als
Reserve für die künftige Weiterentwicklung des Landes an-
gesehen werden darf,

Die Mischlinge stellten und stellen noch immer in
ihrer großen Mehrheit ihre Arbeitskraft in den Dienst größerer
Unternehmer; sie werden deren Arbeiter oder treten als Halb-
partner‘) (medieros), seltener als Pächter zu ihnen in Beziehung.
Sie stehen, soweit sie unbemittelt sind, in ihrer eigenen kleinen
wirtschaftlichen Betätigung, in Haushalt und Lebensweise den

1) Meist stellt bei Halbpartabmachungen der Gutsherr Land, Saat-
yut, Ochsen, Geräte und Vorschüsse in Geld oder Mais, der „Mediero“ hat
Jagegen alle Arbeiten zu tun (mit Ausnahme der Erntearbeiten, die er
nur zur Hälfte zu leisten hat) und erhält dann — nach Abzug der Vor-
schüsse — die Hälfte der Ernte.

110 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.

lichten hohen Verkaufspreisen der Erzeugnisse eine bedeutende
Weiterentwicklung bevorsteht. Deutsches Kapital war vor dem
Kriege im Betrage von ungefähr 100 Millionen Mark an der
Industrie Mexicos beteiligt. .

5. Verkehr.
Wie in Bergbau, Landwirtschaft ‚und Industrie, so finden
sich auch im Verkehrswesen die Methoden der vorspani-
schen, der kolonialen und der modernen Ära nebeneinander in
Übung. Allein es schwinden die Gebiete des indianischen Träger-
und Fußgängerverkehrs wie des kolonialen Lasttier-, Reit- und
Wagenverkehrs von Jahr zu Jahr mehr zusammen.

Der indianische Trägerverkehr, der sich naturgemäß mit
den bescheidensten. Fußpfaden, Hängebrücken und sonstigen
ainfachen. Verkehrserleichterungen (z. B. Unterkunftshütten in
entsprechenden Abständen) begnügt, ist nicht nur in Gebieten
mit stark vorherrschender indianischer Bevölkerung, sondern
auch in manchen Gebirgsregionen mit vorherrschender Misch-
Äingsbevölkerung noch immer gebräuchlich, insofern auch die
Mischlinge großenteils die indianischen Traggeräte (Holz-
gestelle [Cacaxtes] oder Tragnetze) nach indianischer Weise in
Jochmanier mittels eines über das Vorderhaupt gelegten Trag-
bandes auf dem Rücken tragen. Selbst Personen werden ge-
legentlich noch (z. B. in Chiapas) von einem entsprechend ein-
gerichteten Traggestell oder Sessel von je einem Träger über
sehr schlechte Wege befördert. Ausschließlicher Trägerverkehr
ist gegenwärtig auf die schlechtesten Gebirgs- und Urwaldpfade
beschränkt. Auf schiffbaren Flüssen und auf Seen sind indiani-
sche Einbäume noch immer häufig als Verkehrsmittel zu sehen.

Der Reit- und Lasttierve@kehr, wie er in der
Kolonialzeit sich eingebürgert hat, ist in allen Teilen Mexicos
noch allgemein üblich, in vielen Gebirgsgegenden allein möglich!)
1!) Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß die nach solchen Ge-
genden bestimmten Güter womöglich in Kolli von einem Zentner Gewicht
oder wenig mehr verteilt sein sollten, um direkt ohne Umladung als
Maultierlasten verwendet werden zu können.

Klima.

23

des Landes (im Nordwesten) unter 250 mm Regen und sind
Jaher wüstenhaft. Weitere 17% des Landes erhalten zwischen
250 und 500mm Niederschlag und sind daher für den Acker-
bau noch auf künstliche Bewässerung angewiesen. Weitere
42% des Landes erhalten 500-—1000 mm Regen, so daß Acker-
bau ohne künstliche Bewässerung möglich ist; aber der Regen-
fall schwankt in seiner Menge und seiner Eintrittszeit stark,
weshalb man durchschnittlich in diesen Gebieten alle 4—5 Jahre
mit einer Mißernte rechnen muß, die es erklärt, daß Mexico
nicht selten erhebliche Mengen von Mais und anderen Lebens-
mitteln einführen muß. Etwa 20% des Landes erhalten im Jahre
i—2 m Regen, so daß der Ackerbau sichere Ergebnisse bietet,
6% des Landes weisen einen Niederschlag von über 2m auf.

Für Handel und Verkehr bedeutet das Auftreten der Regen-
zeit einen gewissen Tiefstand; viele Fahr-, Reit- und Fußwege
sind in dieser Zeit fast bodenlos und unpassierbar, viele Flüsse
undurchwatbar geworden oder aus den Ufern getreten, selbst
die Bahnen werden dann zuweilen durch Rutschungen und
Unterwaschungen unterbrochen, so daß der Verkehr aufs Aller-
notwendigste beschränkt wird. So bildet sich in sehr vielen
Gegenden ein Hochstand des Handels und Verkehrs heraus
kurz vor Beginn der Regenzeit, da dann die ländliche und die
Bergwerksbevölkerung sich für die Regenzeit versorgen; erneute
Zunahme des Handels und Verkehrs setzt dann erst wieder
ein nach dem Einbringen der Ernten und Austrocknen der
Wege.
In den höchsten Regionen des tropischen Hochlandes von
Mexico sowie — im transisthmischen Gebiet — auf dem Vulkan
Tacanä fällt nicht selten Schnee; selbst in der Hauptstadt ist
schon zuweilen Schnee gefallen und in den nördlichen Teilen
der Republik kommt sogar im Tiefland manchmal Schneefall
vor. Ewiger Schnee findet sich aber nur auf den höchsten Vul-
kanen des Landes: Pie von Orizaba, Popocatepetl und Iztacci-
huatl, Gletscher nur auf letzteren beiden. Die Höhe der Schnee-
grenze ist je nach der Exposition gegen die Sonne verschieden;
sie liegt nahe bei 4500 m. Hagel ist im kalten und selbst ge-
mäßigten Land nicht selten.

II. Die einzelnen Wirtschaftszweige in der
Gegenwart.
1. Bergbau.
Seit der Entdeckung durch die Spanier hat Mexico den
Ruhm eines besonders erzreichen Landes besessen und mit
bestem Erfolg ist seit jener Zeit die Silber- und Goldförderung
betrieben worden. Wohl trat ein sehr bedeutender Rückgang der
Edelmetallproduktion in den letzten Jahren der spanischen
Kolonialherrschaft und in der ersten Zeit der republikanischen
Regierungsform ein, aber nicht wegen Erschöpfung der Minen,
sondern lediglich wegen kriegerischer Wirren und sonstiger Un-
zunst der Verhältnisse. Selbst die im letzten Viertel des 19. Jahr-
hunderts einsetzende und um 1892 besonders energisch aus-
geprägte Entwertung des Silbers vermochte die Produktion
dieses Erzes nicht zurückzudämmen, da die Produzenten durch
Verbilligung der Gewinnungskosten (Ersetzung der Maultiere
durch Dampfkraft, bessere und billigere Verhüttungsmethoden)
den Verlust auszugleichen vermochten. Neue Bergwerksgesetze
(vom 7. Juni 1887 und 4. Juni 1892) gaben dem Bergwerks-
betrieb erhöhten Aufschwung, und da neuerdings neben den
jahrhundertelang fast ausschließlich geförderten beiden Edel-
metallen, namentlich infolge der Verbesserung des Verkehrs-
wesens, auch andere Erze, vor allem Kupfer und Blei, bearbeitet
werden, so hat die Metallproduktion nicht nur nach Wert,
sondern auch nach Umfang bedeutend zugenommen.

Die ganze Erzgewinnung der Republik beschränkt sich
gegenwärtig auf das cisisthmische Mexico (im transisthmischen
ist der Erzreichtum offenbar sehr geringfügig: etwas Waschgold
in den alten Gesteinen im Süden und Kupfer in Begleitung von
Dioriten im Norden von Chiapas; gefördert wird zur Zeit nichts,

Abb. 5. Die Ixtaccihuatl („weiße Frau“).
DPhoto Huao Brehme.

Abb. 6. Umgebung von Amecameca mit Blick auf den Popocatepeltl.
Photo Huao Brehme.

32

Die Natur des Landes.

Mexicos deutliche Beziehungen nachN or den und nachS üden:
in der Tieflandregion der Tropen und an den feuchten Gebirgs-
abdachungen herrscht die mexicanisch-mittelamerikanische
Tierwelt vor, die viele südamerikanische Formen beherbergt;
auf dem mexicanischen Hochland findet sich dagegen großen-
teils dieselbe Tierwelt, wie im benachbarten Felsengebirge von
Neumexico und Arizona. Zwischen beiden Gebieten ist aber
auch vielfach ein Austausch eingetreten, namentlich sind
gewisse Hochlandstiere auch in trockene tiefgelegene Tropen-
gebiete eingewandert und heimisch geworden, wie der virgini-
sche Hirsch, der Coyote u. a. Als Charaktertypen der tropischen
mexicanischen Säugetierwelt wären zu nennen zwei Affen-
arten; Jaguar, Ozelot, Puma und andere Katzenarten; Nasenbär;
Gürteltier; Tapir; Pecari; als Hauptvertreter der Hochlands-
säugetiere der schwarze Bär (nur im außertropischen Gebiet),
der Waschbär, Coyote, Luchs, Stinktier, Fischotter, virginischer
Hirsch, Hase. Beide Säugetierfaunen sind ‘nicht sonderlich
individuenreich, so daß die Jagd in den meisten Gegenden nur
wenig zu bieten vermag, Viel individuenreicher ist die Vogel-
welt; die Farbenschönheit des Gefieders vieler Vögel hat die
ursprüngliche Bevölkerung des Landes zu einem eigenartigen
Zweig des Kunstgewerbes angeregt, der freilich zur Zeit bis auf
kümmerliche Reste wieder verschwunden ist: Herstellung kunst-
vollen Federschmucks. Von besonderer Schönheit ist der in
den Gebirgswäldern von Chiapas noch ziemlich häufige Quezal
(Pharomacrus mocinna). Wichtig ist der Zopilote (Aasgeier)
durch Ausübung der Gesundheitspolizei. Im Winter hausen viele
kanadische Gänse und Enten auf den Seen des Hochlandes.
Ebendort findet sich auch das eigenartige geschwänzte Am-
phibium Axolotl, das der indianischen Bevölkerung al”er;in
Leckerbissen gilt. Schlangen, darunter sehr giftige, sind nament-
lich in den tropischen Urwaldregionen häufig, Schildkröten und
Alligatoren in den Gewässern wärmerer Regionen. Der Fisch-
reichtum des Meeres und vieler Süßwasserflüsse und Seen ist
ansehnlich und daher von Wichtigkeit für die Anwohner. Auch
die Süßwassermollusken, die fast durchweg nordamerikanisch
sind, werden zur Nahrung benutzt, ihre Schale zu Kalk ge-

88

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc,

erfaßt, so daß sie größtenteils gar nicht das Geld haben,
um Anschaffungen von Maschinen vornehmen oder notwendige
Verbesserungen durchführen zu können. In vielen Fällen wirkt
die Gutsaufteilung auch wohl insofern ungünstig auf die
Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft ein, daß etwa ein Guts-
besitzer, der auf einen fortschrittlicheren Betrieb eingerichtet
ist, genötigt wird, einen großen Teil seines Besitzes an Indianer
abzugeben, die noch ganz in den primitiven Anbaumethoden
ihrer Väter befangen sind. Die Regierung sucht nun allerdings
diese Schädigung dadurch zu verringern, daß sie in den ein-
zelnen Staaten Lehrgüter einrichtet, auf denen die Indianer mit
der modernen Landwirtschaft bekanntgemacht werden sollen;
auch sollen den Indianern Darlehen gewährt werden, für die
sie nur geringe Zinsen zu zahlen haben und die sie unter gün-
stigen Bedingungen abzahlen können — an sich zweifellos eine
gute Idee, die durch Gründung einer landwirtschaftlichen Bank
bereits festere Formen bekommen hat, aber mir scheint, daß
die Idee mit der Psyche des Indianers nicht genügend gerechnet
hat und daß sie darum später doch auf große Schwierigkeiten
stoßen wird, denn der Indianer ist für eine Kreditwirtschaft jetzt
ebenso wenig reif, als er es 1857 für das Privateigentum ge-
wesen ist. Immerhin hat er sich bereits mehr an die modernen
Pflüge an Stelle der Holzpflüge gewöhnt, aber z. B. zur Ver-
wendung moderner Eggen kann er sich noch nicht entschließen,
wie denn selbst die Mehrzahl der größeren Landwirte sich ihrer
noch nicht bedient.

Ein Hauptgrund für die verhältnismäßig niedrige Gesamt-
leistung der mexicanischen Landwirtschaft ist ja eben das zähe
Festhalten an althergebrachten Werkzeugen, Kulturmethoden
und Kulturgewächsen. Die Hektarerträgnisse für Mais, Weizen
u. a. gehören zu den niedrigsten auf der Erde! Die Regierung
war ja freilich schon in Diaz’ Zeiten eifrig bestrebt, hier
Wandel zu schaffen durch Veröffentlichung einschlägiger Auf-
sätze und Anleitungen, durch freie Verteilung von Samen und
Setzlingen neuer oder noch nicht hinreichend angebauter Kultur-
pflanzen, durch Veranstaltung von landwirtschaftlichen Aus-
stellungen, verbunden mit instruktiven Vorträgen, durch Be-

128

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

Tabelle VII.
Maultierbestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes
Baja California
Campeche . .
Coahuila . . .
Colima ...
Chiapas . ..
Chihuähua . . .
Distrito Federal
Durango. . .
Guanajuäto
Guerrero
Hidalgo .
Yalisco .
Mexico .
Morelos .
Michoacän .
Nayarit ..
Nuevo Leön .
Daxäca ...
Puebla ....
Queretaro .....
San Luis Potosi
Sinaloa ...
Sonora ..
Tabasco .
Tamaulipas
Tlaxcala .
Veracruz
Yucatän .
Zacatecas
Republik

Bestand

Änderung .
seit 1902 Manliorp
in Prozenten *

pro 1000 Ein-
wohner von 1921
{abgerundet !)
2.910 0:44
2.833 0:01
2.225 276 0:04
15.878 + 446 01
1.550 —36'8 0:29
13.441 + 1280 018
4.870 — 482 0:02
3.681 + 1565 20
9.312 — 401 0:3
1.985 —543 0:03
3.348 — 601 0:15
16.132 —41°3 0:19
8.068 —13°8 0°36
746 — 905 0:01
4.635 —82'4 0:07
2.635 — 706 0:09
1.606 — 388 0:07
7.363 —+ 1288 0:07
20.7438 — 190 0:54
3.671 —317 082
76.521(?) +526°2(?) 1:05
8.320 + 4811 0:14
11.575 + 0:4 0:06
2,875 —122 011
19.985 + 2467 0:6
8.726 — 413 2:16
3.093 — 9234 011
6.187 —53% 0:16
1720 „Fa Ne

‘fo 4

45
32
47

32
PB

23

20
za
171
24
42
16
17
48
7
16
—
99-7

Wirtschaftliche Ausnutzung etc.

77

Mexico (aber freilich nur der cisisthmische Teil) ist noch
immer reich an unangetasteten Mineralschätzen, aber oft aller-
dings in entlegenen Gegenden, wo Arbeiter oder Brennmaterial
schwer zu bekommen sind und der Abtransport der Erzeugnisse
auf große Schwierigkeiten stößt. Wenn es daher gilt, sich an
einem Bergwerksunternehmen zu beteiligen, So dürfen schöne
Erzstufen nebst Berechnungen über die Menge des vorhandenen
Minerals noch keine entscheidende Rolle spielen, denn andere
Umstände können von ausschlaggebender Wichtigkeit sein.
Und ein weiteres: wenn in Mexico das geflügelte Wort geht, daß
man nicht wisse, ob mit dem Bergbau mehr Geld gewonnen oder
verloren werde, so trifft letzteres sehr häufig bei kleinen, kapital-
schwachen. Gesellschaften zu, die zwar anfänglich beim Abbau
eines gehaltreichen Ganges gute Erfolge haben, aber erliegen,
sobald die Arbeiten so weit vorgedrungen sind, daß zur Be-
seitigung des Grubenwassers teure Pumpanlagen eingerichtet
werden sollen u. dgl. Aber wenn schon der Abbau hochwertiger
Erzadern bei ungenügendem Kapitalrückhalt zum Zusammen-
bruch führen kann, so ist ein bedeutender Kapitalbesitz erst
recht die Voraussetzung für einen nutzbringenden Abbau
geringwertiger Erze, die gerade in Mexico sehr vielfach vor-
kommen und die eben wegen ihrer Geringgrädigkeit nur bei
massenhafter Verarbeitung rentabel abzubauen sind. Großes
Kapital ist aber vollends vonnöten, wenn Erdölunternehmungen
geplant sind, da das Erdöl meist in 400—800 m Tiefe liegt, so
daß das Niederbringen einer einzigen Bohrung in günstigen
Fällen rund 25.000—50.000 Pesos kostet. Die Bohrkosten ver-
teuern sich aber sehr schnell bei erschwerten Transportbedin-
gungen und bei größerer Tiefe des Bohrlochs. Da zudem meist
die Niederbringung von einem Dutzend und mehr Bohrlöchern
notwendig ist, bis man endlich Öl in ergiebiger Menge ge-
Funden, so versteht man leicht, daß nur sehr kapitalkräftige
Gesellschaften ein solches Risiko tragen können.

Eine erhebliche Unruhe hat sich der Bergwerksbesitzer
bemächtigt, als in der Verfassung von 1917 die Bestimmung
aufgestellt wurde, daß alles, was unterhalb der Erdoberfläche
liege, Eigentum des Staates sei. Nach längerem Zögern gab der

54

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze,

trotz der nicht unbeträchtlichen. Verluste durch Auswanderung,
Kriege, den Aufstand der Maya-Indianer (1847)") u. dgl., trotz
des enormen Gebietsverlustes von 1*/, Millionen km* an die
Vereinigten Staaten (1848 und 1853) die Bevölkerung bis zum
Jahre 1862 auf 8*/,, bis zum Jahre 1900 auf über 18*/,, bis 1910
auf 15 Millionen Seelen angewachsen”). Dazu kommt der für
die wirtschaftliche Entwicklung nicht ganz unwichtige Punkt,
4) Dieser Aufstand hat mit dem langen nachfolgenden Kleinkrieg für
die Bevölkerung der Halbinsel Yucatän- geradezu katastrophale Nach-
wirkungen gehabt, wie denn die Volkszahl der Halbinsel von 465.000 zu
Anfang des 19. Jahrhunderts auf 406.000 in 1921 zurückgegangen ist: eine
Abnahme um 127% in einem Zeitraum von mehr als einem Jahrhundert,
während die Nachbargebiete in der gleichen Zeitspanne ihre Bevölkerung
vermehrfacht, ja zum Teil vervielfacht haben. Aber auch andere Indianer-
stämme haben die Entwicklung der Bevölkerung und ihrer Wirtschaft
manchmal sehr erheblich aufgehalten, so die Indianeraufstände in Chiapas
in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Raubzüge der Apachen im Norden,
denen erst um 1890 durch Zusammenarbeit der mexicanischen und nord-
amerikanischen Regierung ein Ende gesetzt werden konnte, und die Er-
hebungen der Yaquis in Sonora, gegen die zur Zeit die mexicanischen
Regierungstruppen wieder im Kampfe stehen.

2) Bezüglich der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerung machte
Sievers 1900 darauf aufmerksam, daß die südlichen Hochlandstaaten
weitaus am dichtesten bevölkert waren (31 Einwohner pro km”), während
die mehr peripherischen Gebiete des mexicanischen Blocks wesentlich
dünner bevölkert waren: mittlere Hochlandstaaten (Aguascalientes,
S. Luis Potosi und Zacatecas) 8°6 Einwohner pro km”, nördliche Hoch-
landstaaten 28, atlantische Küstenstaaten (Veracruz und Tamaulipas) 7’5,
züdliche pazifische Küstenstaaten 9'7 und nordwestliche pazifische Küsten-
staaten (Tepie, Sinaloa, Sonora) 23. Noch wesentlich geringer war aber
die Volksdichte auf der Halbinsel Niederkalifornien 03, während das
transisthmische Mexico wiederum eine Volksdichte von 41 erreichte. An-
gzesichts dieser Zahlen ist es sehr begreiflich, daß das politische wie das
wirtschaftliche Schwergewicht auf den südlichen Hochlandsgebieten beruht,
die ja auch in vorspanischer Zeit bereits diesen Vorzug besessen haben.

Aber innerhalb der hier erwähnten großen Gebiete machen sich
örtlich wieder außerordentlich große Unterschiede der Volksdichtigkeit
geltend infolge geschichtlicher Einflüsse und der verschiedenartigen Be-
dingungen der Lage, der Boden- und Geländebeschaffenheit, des Klimas,
der pflanzengeographischen und gesundheitlichen Verhältnisse. Ein-

gehende Untersuchungen über die räumliche Verteilung der Bevölkerung
Mexicos und ihre Ursachen fehlen bisher, abgesehen von den transisthmi-

Alphabetisches Verzeichnis.

145

nach Tabasco abzubrechen. Das Klima ist sehr mannigfaltig. Fällt auf
dem Tacanä zuweilen Schnee, so herrscht im Tiefland tropische Hitze;
sind die Gegenden der mittleren Grabensenke ziemlich regenarm (in der
Hauptstadt Tuxtla Gutierrez, 16° 45’ n. Br., 536 m ü. M., 12.592 Einwohner,
regnet’s im Jahr 878 mm — Juni 2197, Februar 1°6), so regnet es am
Südfuße der Sierra Madre stark (Tapachula, 14° 54’, 168 m ü. M., 2149 mm,
Oktober 4876, Februar 31) und an der Nordabdachung des Landes stellen-
weise sogar sehr stark (Ixtacomitan, 210m ü. M., 1884: 4674 mm, August
773 mm, Januar 822, dagegen Dezember nur 46 mm). Das Land ist reich
bewässert, aber nur die Flüsse der Nordabdachung dienen streckenweise
der Kleinschiffahrt. Die beiden Abdachungen nach Norden und Süden
sind von feuchten Urwäldern bedeckt, die mittleren Gebiete von Eichen-
und Kiefernwäldern oder Sabannen und Strauchsteppen.

Das Land ist arm an Mineralschätzen; der geringe Bergbau hat auf-
gehört. Die großen Wälder des Nordens und des fast unbewohnten Ostens
liefern Möbelhölzer.

Der private Landbesitz gehörte 1910 2911 Eigentümern, während
96% der ländlichen Familienväter besitzlos waren. Die Regierung hat
1915—1928 14 von 96 Gemeinden Gemeindeland zugesprochen. Die Land-
wirtschaft erzeugt die Feldfrüchte aller drei Regionen. Von besonderer
Wichtigkeit ist auf beiden Außenabdachungen der Kaffeebau, in den
randlichen Tieflandflächen der Kakaobau. Die Viehzucht wies 1924 auf:
123.667 Rinder, 12.263 Pferde, 13.441 Maultiere, 26.050 Schweine, 10.650
Schafe und 1500 Ziegen,

Die Industrie bietet mit Ausnahme der ländlichen Aufbereitungs-
anstalten, einer Schuhfabrik in San Cristobal Las Casas und einer kleinen
Baumwollspinnerei und -weberei nichts von Bedeutung, Wichtige Ausfuhr-
artikel sind Kaffee, Kakao, Waldprodukte. Eine Bahn durchzieht den
äußersten Süden des Staates. Die Häfen San Benito und Tonalä sind von
geringer Bedeutung.

Der Staat Chihuähua, 245.612 km”, mit 401.622 Einwohnern (1921),
164 pro km?, liegt am Nordrande der Republik, Kontinentales Hochland-
klima. Die Hauptstadt gleichen Namens liegt in 28° 38’ n. Br., 1423 m ü. M.
(87.000 Einwohner) und zeigt eine mittlere Jahreswärme von 18°7°C
‘Juni 269, Dezember 107); Regenfall 427 mm (August 101°3, April 4:3),
während in Ojinaga (29° 34’ n. Br., 847m ü. M.) gar nur 77 mm Regen
im Jahr niedergehen! Der Staat umfaßt einen großen Teil der Sierra
Tarahumare im Westen und große Ebenen, durch kleinere Höhen unter-
brochen, im Osten. Die Flüsse der westlichen Abdachung des Gebirges
ßießen dem Stillen Weltmeer zu, während die übrigen dem Atlantischen
zustreben, zum Teil aber auch abflußlos enden. Auf den Bergen finden sich
noch größere Waldstrecken, in denen Harz und 'Terpentin gewonnen
wird, im übrigen ist der Pflanzenwuchs, oft dornbewehrt, dürftig.
Agaven und Kakteen sind häufig. Ehedem litt der Staat viel unter
Sapper, Mexico.

Landwirtschaft.

103

zuwendet, überzeugen, daß durch die Revolutionen einem wich-
tigen Zweig des Volksvermögens ein ungeheurer Schaden zu-
gefügt wurde — um so mehr, als beim Aufzehren des Viehs
durch Freund wie Feind nicht die geringste Schonung den zur
Aufkreuzung der Rassen eingeführten wertvollen Zuchttieren
yewidmet wurde, sondern durch deren Vernichtung die im Weg
befindliche Verbesserung der Landesrassen für lange Zeit zurück-
yeworfen. worden. ist. Das ist um so mehr zu bedauern, als die
Haciendabesitzer jetzt infolge der allgemeinen Verarmung zu-
meist das Geld nicht mehr haben, um neue Zuchttiere einführen
zu können, und soweit sie das Geld noch haben, da fehlt ihnen das
Vertrauen in eine ungestörte Entwicklung des Landes, die allein
die Wiederbestockung der vorhandenen ausgedehnten Weide-
plätze und die‘ endgültige Verbesserung der Landesrassen
ermöglichen könnte*). Unter solchen Umständen kann nur die
Wiederkehr ruhiger Verhältnisse und allgemeinen Vertrauens
zum allmählichen Ausheilen der geschlagenen Wunden führen,
die sich deutlich zeigen an folgender abgekürzter Zusammen-
stellung.
Man zählte in Tausenden:
Rinder Pferde Maultiere Schweine Schafe Ziegen
1902. . . 5142 859 334 619 3424 4206
1924. . . 2188 391 323 760 1728 1866
Änderung in
Prozenten — 575 — 544 —35 —+28°3 — 495 —55%6
Es ist also der Bestand der Rinder, der Pferde und der
Ziegen um mehr als die Hälfte, der der Schafe um nahezu die
Hälfte zurückgegangen und nur die Maultiere zeigen eine
geringe Abnahme, die Schweine sogar eine erhebliche Zunahme:
die Maultiere sind für den tatsächlichen. Verkehrs- und Arbeits-
dienst so unumgänglich notwendig, daß man eben alle An-
strengungen machte, die Zahl wieder auf die alte Höhe zu
bringen, und das Schwein vermochte bei seiner raschen Ver-

4 Ein wirklicher Erfolg der Rassenverbesserung hat sich bisher nur
bei den Rindern und in der Nähe der Städte zum Teil auch bei den
Schweinen erkennen lassen.



132

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

Tabelle XI.

Weizenerzeugung 1924,

Staaten

Aguascalientes . .. 2...

Baja California, Norddistrikt
- » Süddistrikt

Coahuila ....

Chiapas ...

Chihuähua .

Durango. ..

Guanajuäto.

Hidalgo .. .

Jalisco ...

Mexico .

Michoacän .

Nuevo Le6ön .

Daxäca . ..

Puebla ..

Queretaro. .

San Luis Potosi

Sinaloa . .

Sonora.

Tlaxcala .

Veracruz

ZLacatecas

Republik

Y
Kilogramm
pro km! Finwohner
5.639
55.000
28
113.378
1.267
78.211
20.062
51.980
1282
13.460
26.860
34.760
21.885
785
19.271
56.200
1.646
132
114.900
7.070
587
10.750
19.316

609.000 94
1,320.000 19
920 9:01
414,671.000 379
536.000 7
31,441.000 128
6,801.000 55
414,722.000 1463
805.000 39
16,046.000 198
23,687.000 1104
32,522.000 541
7,359.000 113
747.000 8
19,674.000 579
12,364.000 1075
734.000 12
45.000 0:8
31.597.000 178
1.467.000 367
684.000 9
4,085.000 ze
281.866.000

A

30

Die Natur des Landes.

In den minder feuchten, durch eine ausgeprägte Trocken-
heit ausgezeichneten Hochlandgebieten herrschen auf den be-
yünstigteren Flächen Koniferen- und immergrüne Eichenwälder
vor, die an Stellen geringeren Regenfalls entweder in Trocken-
wälder mit Laubfall oder aber in Strauchsteppen und Dorn-
buschformationen (Chaparales) übergehen, soweit sie nicht
Grasfluren und Wüsten Platz machen. Strauchsteppen oder die
armseligen Grasfluren der Savannen decken auch vorzugsweise
die regenarmen Tieflandgebiete der pazifischen und der Golf-
küste sowie des nördlichen und nordwestlichen Yucatän. Die hohe
Trockenheit dieser Gebiete wird nicht nur durch den Allgemein-
charakter der Pflanzenformationen bekundet, sondern auch
durch das Vorkommen von spezifisch mexicanischen Charakter-
pflanzen, die durch besondere Organisation gegen die Luft-
trockenheit und die Sonnenbestrahlung geschützt sind. Die auf-
fälligsten unter diesen sind die Opuntien und Agaven (die seit
dem 16. Jahrhundert auch in den Mittelmeerländern heimisch
geworden sind), ferner die Armleuchterkakteen (Cereus), Dasy-
lirien, Yuccas und kleinblättrige Dornsträucher, Freilich
kommen auch in den feuchten Waldgebieten einzelne Kaktus-
formen und andere‘ Succulenten in geringer Zahl vor, aber es
sind. andere Arten mit anderen Lebensbedingungen, als die
Succulenten der Trockengebiete: es sind meist Baumbewohner
oder Klettergewächse. Wo immer Kakteen im offenen Feld wild
angetroffen werden, da kann man auf geringen Regenfall und
eine langandauernde Trockenzeit mit Sicherheit rechnen und
muß demnach bei etwa anzulegenden Pflanzungen darauf Rück-
sicht nehmen und nötigenfalls durch künstliche Bewässerung
den Mangel des Klimas auszugleichen suchen. Wer in Mexico
landwirtschaftlich in neuen Gebieten tätig sein will, wird über-
haupt gut tun, sich mit der Eigenart der Pflanzenwelt unter
Anleitung von Landeskundigen vertraut zu machen. Denn
gewisse Pflanzen oder Vegetationsformationen können ein Ur-
teil ermöglichen, ob bestimmte Kulturen Aussicht auf Erfolg
hätten. So ist es eine Erfahrungstatsache, daß im tropischen
Tiefland in Savannen, wo die niedrigen Grasbüschel durch
Zwischenräume kahler Erde getrennt sind und also keinen

32 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.
lichen Campeche sind z. B. wegen der Transportschwierigkeit
noch unberührt und müssen es auch bleiben, sofern nicht zufällig
einmal eine Bahn?!) .in die Nähe kommt oder ein wagemutiger
Unternehmer den Extrakt an Ort und Stelle herstellt. Nach den
Beobachtungen, die ich bei mehrwöchigem Aufenthalt in Mon-
terias (Holzfällereien) gemacht habe, möchte ich freilich keinem
meiner Landsleute raten, das rauhe, harte Holzfällerleben per-
sönlich mitzumachen; es müßten hier schon Mittelspersonen
Verwendung finden.

Die heimische Tierwelt Mexicos bietet der wirtschaft-
lichen Auswertung viel weniger Möglichkeiten als die wild-
wachsende Pflanzenwelt und hat seit der Ankunft der Europäer
an wirtschaftlicher Bedeutung relativ noch abgenommen infolge
der Verminderung des Jagdwildes infolge des planlosen Ab-
schusses, der keinerlei Schonung von Mutter- oder Jungwild
kennt.
Jagd und Fischfang haben in der vorkolumbischen
Zeit wie in der Gegenwart nur örtlich größere Bedeutung für
Jie Volksernährung gehabt, wie schon oben ausgeführt worden
ist. Auch jetzt liefern sie nur wenigen kleinen Stämmen und
Einzelpersonen. einen wesentlichen Teil ihres Lebensunterhalts,
oieten aber vielen gelegentliche Bereicherung der Küche oder
des Zimmerschmucks (Felle, Vogelbälge u. 8. w.). Die Vogel-
federn, die in der vorkolumbischen Zeit zur Herstellung feiner
Gewebe oder köstlicher Standarten und sonstiger Schmuck-
yegenstände in ausgedehntem Maße verwendet worden waren,
zum Teil sogar (Schwanzfedern des Quezals) stellenweise als
Geld dienten, sind wirtschaftlich kaum mehr nennenswert aus-
genützt (z. B. in Federmosaiken roher indianischer Manufaktur,
die Tiere oder Menschen darstellen). Vogelbälge kommen in
kleiner Menge zur Ausfuhr (Reiherjagd”) ist neuerdings ver-
boten). Von Jagdprodukten werden nur Rehfelle*) und Alligator-

1) Möglicherweise würde die projektierte Bahn Coatzocoalcos-Cam-
peche große Blauholzbestände verwertbar machen können, wenn sie
einmal ausgebaut wird.

?) Trotzdem Ausfuhr von Reiherfedern 1923/24 im Wert von 980 Pesos.

3 Ausfuhr von Reh- und Ziegenfellen 1928/24 2%. Millionen Pesos.

45

Mexicanische Wirtschaft etc.

Nicht wesentlich verschieden war auch — außer den
Negersklaven — die Stellung der freien Neger und der all-
mählich an Zahl zunehmenden Mischlinge zwischen Indianern
und Weißen (Mestizen), Indianern und Negern (Zambos) und
Weißen und Negern (Mulatten). Vollberechtigt vor dem Gesetz
waren nur die Weißen, gleichviel ob sie in Spanien oder in
Mexico geboren waren; in der Praxis freilich waren letztere,
die Kreolen, doch benachteiligt, indem die höchsten Beamten-
posten fast ausschließlich den in Spanien geborenen Weißen
vorbehalten blieben. Nichtspanische Europäer waren nur höchst
spärlich vorhanden, da sie vom Gesetz eigentlich gar nicht zu-
gelassen waren.

Spanier sind im 16. Jahrhundert in mäßiger Zahl nach
Mexico eingewandert und haben sich dort rasch zu akklimati-
sieren vermocht, da die Mitteltemperaturen des Hochlands denen
weiter Teile ihrer alten Heimat ungefähr gleich waren und auch
im heißen Tiefland die Wärmeverhältnisse im allgemeinen den
Sommertemperaturen Südspaniens entsprachen.

Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Zahl der Spanier
(mit Einschluß von etwa 3000 Nichtseßhaften) noch auf weniger
als 18.000 für das Gebiet des heutigen Staates angegeben.
während die Zahl der Negersklaven ein wenig höher war”).

Die Zahl der Indianer, die während und bald nach der Er-
oberung des Landes durch Krankheiten, Hungersnot und Kriege
sehr rasch zurückgegangen war, hat sich später allmählich
wieder erholen können, so daß sie kurz vor der Befreiung des
Landes von der spanischen Herrschaft — am Anfang des
19. Jahrhunderts nach der Schätzung Alexander von
Humboldts?) — auf 3*/, Millionen Seelen angewachsen war
(60% Prozent der Gesamtbevölkerung). Dagegen sollte nach
demselben großen Reisenden die Zahl der Mestizen 1'/4 Mil-

5 Germän Latorre, Vireinato de Nueva Espafıa (Publicaciones
del Centro oficial de Estudios americanistas de Sevilla, Tom. IV), Sevilla
1920, S. 98.

?) Versuch über den politischen Zustand des Königreiches Neu-
Spanien, Tübingen 1810, 5 Bde, (Genauere Angaben für die Einzelgebiete
_— aber noch mit Ausnahme von Chiapas — in IL S. 14£.)

Wichtigste benutzte Literatur.

189

Jaeger, F., Forschungen über das diluviale Klima in Mexico.
Gotha 1926.

Brehme, H. und Staub, W., Mexico. Baukunst, Landschaft,
Volksleben. Berlin 1925,

Censo general de Mexico 1900.

Boletin de estadistica fiscal.

Resumen de la importacion y de la exportacion.

Estadistica industrial 1902. Mexico 1903.

Estadistica ganadera 1902. Mexico 1903.

Anuario estadistico 1904 (Mexico 1906); dasselbe 1923/24 (Mexico 1925).

Boletin del Instituto geologico de Mexico.

Parergones del Instituto geologico de Mexico.

Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich.

Statistik des Deutschen Reichs,

Nachrichten für Handel und Industrie.

Deutsches Handelsarchiv.

SZüdamerikanische Rundschau.

Statesman’s Yearbook.

Gothaisches Jahrbuch (früher Hofkalender).

Estadistiea Nacional und Boletin de Estadistica.

18

Die Natur des Landes,

der Nachbarstaaten von den Auswurfsmassen des Sta. Maria
in Guatemala überschüttet worden sind. Naturgemäß sind die
Auswürflinge in der Nähe der Ausbruchspunkte am reichlich-
sten. vertreten und die Hänge der Vulkane sowie die benach-
barten Geländevertiefungen zeigen tiefgründige vulkanische
Böden, auf denen wegen ihrer großen Wasserdurchlässigkeit oft
wenig oder keine Bäume gedeihen, weil die Baumwurzeln nicht
bis zum Grundwasser hinabreichen.

Wenn oben gesagt worden ist, daß vulkanische Aschen-
regen als Düngung wirken können, so kann man daraus
schließen, daß es für den Siedler wünschenswert sein kann, in
der Nähe von Vulkanen sich niederzulassen. Aber es ist nicht
zu verkennen, daß die Nähe von Vulkanen auch eine Gefahr
bedeuten kann, wenn nämlich einmal ein Lavastrom nieder-
gehen sollte, der auf seinem Weg Wald, Feld und Häuser zer-
stört oder wenn ein starker Lockerausbruch erfolgt, der selbst
in ansehnlicher Entfernung vom Ursprungsort noch durch
massenhafte Auswürflinge Wälder und. Felder, ja selbst Häuser
erdrücken kann, sofern diese letzteren nicht durch Steilheit des
Daches eine Ansammlung der Aschen und Bimssteine ver-
hindern, Bei einzelnen Vulkanen des Landes, wie dem Jorullo
(1759) und dem Colima, (zuletzt 1912) gehen auch zuweilen ver-
derbliche Glutwolken nieder, und wenn sie keine so furchtbaren
Folgen gehabt haben wie der Ausbruch der Montagne Pelee
1902 (Untergang von St. Pierre!), so war daran nur der Mangel
an Siedlungen in der Nachbarschaft dieser Feuerberge schuld.
Immerhin ergibt sich aus dem Gesagten, daß der Siedler in der
Nähe tätiger Vulkane mit erhöhtem Risiko für Leben und
Eigentum rechnen muß — allerdings gemildert, durch die
Seltenheit der Ausbrüche.

Während aber die tätigen Vulkane nur in ihrer unmittel-
baren Nachbarschaft eine gewisse Instabilität der Wirtschaft
und eine persönliche Gefahr bedingen, bedeutet ein anderes
geologisches Phänomen, das der Erdbeben, für weite Flächen
des Landes, namentlich die pazifischen Gebiete und den süd-
lichen Teil des Hochlandes, eine erhebliche wirtschaftliche und
persönliche Gefährdung. Den Feldern und Wegen schaden Erd-

Wirtschaftliche Ausnutzung etc, 79

verhältnisse zwar gemildert, aber nicht aufgehoben ist. So sind
im trockenen Hochland, das von Natur aus schon verhältnis-
mäßig spärlich mit Wald bedacht war, die Brenn- und Bauholz-
bestände in der Nähe der großen Siedlungen vollständig ver-
nichtet. Aufforstung ist daher hier ein gutes Geschäft, das noch
nicht in genügendem Maße betrieben wird’). Auch in größerer
Entfernung von den Städten sind die Waldbestände stark
dezimiert worden — aber nicht bloß von Mexicanern und
Spaniern, sondern in manchen Gebieten zweifellos auch schon
vor Kolumbus von den Indianern, während in anderen strenge
Strafen auf die Zerstörung der Wälder gesetzt waren (Azteken).
Die Spanier aber haben die Wälder in der Nähe ihrer Wohn-
stätten rasch verwüstet, weil sie viel Holzbedarf hatten für
Bauzwecke, Minenbetrieb, Kohlenbereitung u. s. f. und weil
ungehütetes Feuer (beim Abbrennen von Weideflächen oder
Rodungen) nun häufig auf benachbarte Waldbestände übergriff.
Diese Verringerung der Waldfläche hat im Hochland großen
Schaden getan: daß die Regenmenge geringer geworden wäre,
läßt sich freilich nicht beweisen, wohl aber ist durch diese Ent-
blößung der Berghänge (die auf dem Hochland hauptsächlich
für Waldwuchs geeignet sind) die dortige Erdkrume vielfach
infolge des Fehlens des früheren Vegetationsschutzes abge-
schwemmt worden, der Ablauf der in der Regenzeit reichlichen
Wassermengen erfolgt nun viel rascher als zuvor und erzeugt
daher Hochfluten, die teils durch gesteigerte Erosion (Weg-
reißen von Feldstücken und Unterwaschung von Wegen u. s. f.)
teils — im flachen Land — durch Schutt- und Schlammabsatz
gelegentlich zahlreicher Überschwemmungen Schaden anstiften.
Immerhin sind auf weiten Flächen des Hochlandes, insbesondere
auf den wenig besiedelten Rücken der Sierra Madre Occidental,
noch sehr ausgedehnte unberührte Waldflächen vorhanden und
die Eichen- und Kiefernwälder der dichter bevölkerten Gebiete
gestatten noch immer sehr ausgiebige wirtschaftliche Aus-
beutung (für Bau- und Brennholz. Kohlenbrennen u. Ss. w.),

1) Man bedenke nur, daß im Rechnungsjahr 1928/24 für 9 Millionen
Pesos Bauholz eingeführt werden mußte!

Industrie.

105

1902 eben außerordentlich niedrig gewesen war. Das Schaf ist
auch kein tropisches Tieflandtier, und. wenn es jetzt in Campeche
etwas stärker gezüchtet wird (816 Stück in 1924), so geschieht
das wohl nur der Fleischgewinnung wegen.

Im einzelnen lassen sich die Ursachen der größeren oder
geringeren. Schäden in den besonderen Staaten aus der Ferne
nicht sicher begreifen — um so weniger, als man immer noch
mit der Gefahr von Druckfehlern oder anderen Unrichtigkeiten
rechnen muß.

Aber wenn auch da und dort Fehler die Listen entstellen
dürften, so sprechen die mitgeteilten offiziellen Angaben doch
eine erschütternde Sprache und zeigen, wie stark auch die
wirtschaftliche und selbst politische Bedeutung eines Staats-
wesens durch eine lang fortgesetzte Reihe von Revolutionen
iteiden kann. Glücklicherweise ist aber Mexico von der Natur so
reich bedacht und besitzt eine Bevölkerung von so gesundem
Kern und Kraft, daß man sicher sein darf, daß das Land einer
neuen Blüte entgegengehen wird, sobald einmal eine längere
Zeit politischer Ruhe und friedlicher innerer und äußerer Ent-
wicklung wiederkommen wird!

4. Industrie.
Die industrielle Tätigkeit ist in vorspanischer Zeit auf einer
gewissen Höhe gewesen. Manche Industriezweige der Indianer
sind inzwischen in Vergessenheit geraten, aber noch immer ist
das indianische Gewerbe nicht unwichtig. für das ganze Land;
selbst in den europäischen Haushaltungen in Mexico pflegen
noch immer manche Erzeugnisse indianischen Gewerbefleißes
vertreten zu sein, so Maismahlsteine, Seilerwaren aller Art
‘z. B. Hängematten), Töpferwaren, Matten, Feuerfächer, Körbe
a. a. Vielfach haben freilich inzwischen Mischlinge und Spanier
diese Gewerbe von den Indianern übernommen und neben den
aus Spanien eingeführten Handwerken seit Beginn der Kolonial-
zeit bis zur Gegenwart ausgeübt. Noch immer ist die handwerks-
mäßige Darstellung vieler Gebrauchsgegenstände des täglichen
Lebens in der althergebrachten Weise im Land allgemein üblich

Alphabetisches Verzeichnis.

147

Viesea und Laguna Pärras). Das Wasser der vorhandenen Flüsse wird viel
für Bewässerungszwecke in Anspruch genommen. Bei dem geringen
Niederschlag überwiegen steppenhafte Bestände, in denen der wild-
wachsende Guayulestrauch für Kautschukgewinnung verwendet wird.

Der Bergbau lieferte 1924 35 kg Gold, 45.269 kg Silber, 21,499.809 kg
Blei und 266.047 kg Kupfer, ferner 1,226.696 t Kohle (im Wert von 7a Mil-
lionen Pesos).

Der private Landbesitz gehörte 1910 1110 Personen, 977% der länd-
lichen Familien waren besitzlos. Die Regierung verlieh 1915—1928 12
(von den 37) Gemeinden Ejidos. Die Landwirtschaft steht in Blüte, soweit
künstliche Bewässerung möglich ist, 80 Baumwolle im Lagunadistrikt
(Ernte 1928: 8209 €). Weinbau ist bei Pärras bedeutend. Große Mengen
Ixtlefasern (ca. 50.000 t) werden gewonnen, ebenso Weizen (1924: 44.671 t).
Der Viehstand war 1924: 89.851 Rinder, 9750 Pferde, 15.878 Maultiere,
6825 Schweine, 184.913 Schafe, 244.947 Ziegen,

Die Industrie zeigt hohe Entwicklung hinsichtlich der Verarbeitung
der Bergwerkserzeugnisse: die 8 Schmelzhütten in Saltillo (2) und Torreön
ergaben 1924: 482 kg Gold, 168.280 kg Silber, 37,113.826 kg Blei,
3.668.098 kg Kupfer und 4,756.188 kg Zink, 976 Koksöfen erzeugten
591.141 t Koks; außerdem waren 8 Baumwollspinnereien und -webereien
in Betrieb.

Die Bahnerschließung ist nur im Süden und Osten einigermaßen gut.
Der Handel ist rege.

Der Staat Colima umfaßt nur 5205 km*; 1921 bewohnten ihn
91.749 Seelen (17:63 pro km”). Der größere Teil des Staates liegt im
heißen Höhengürtel. Die Hauptstadt Colima (19° 12’ n. Br., 500m ü. M.,
928,326 Einwohner) hat ein Jahresmittel von 23'83°C (Juni 261, Februar
20:2), die Hafenstadt Manzanillo (19° 3’ n. Br., 8m ü. M., gegen 2000 Ein-
wohner) 25:7°C (Juli 282, Februar 28'2); der Regenfall ist in Colima
1046 mm (August 254-1, April 0), in Manzanillo 911 mm (Juli 2811, Februar,
März und Mai 0). Hauptfluß der Rio Ameria. Gewinnbare Pferdekräfte
33.000. Oberflächengestaltung ziemlich gebirgig.

Bergbau ist nicht entwickelt, aber Salzgewinnung in großem Maß-
stab. 1910 besaßen 334 Personen den privaten Grundbesitz, 969% der
jändlichen Familien waren besitzlos, 1915—1923 hat die Regierung 4 (von
äen 9) Gemeinden Ejidos zuerteilt. Die Landwirtschaft blüht; außer den
gewohnten Feldfrüchten wird Kaffee (250 t), Reis (2000 ©), Zucker (2000 t),
Baumwolle (50t) erzeugt. Der Viehstand war 1924: 38.892 Rinder, 2375
Pferde, 1550 Maultiere, 7346 Schweine, 1046 Schafe, 2281 Ziegen. Die
Industrie weist unter anderem (1924) 2 Baumwollspinnereien. und
„webereien auf. Eine Bahn verbindet die beiden Städte des Staates mit
Guadalajara und Mexico. Viele Dampferlinien laufen Manzanillo an.

Distrito federal s. Bundesdistrikt.

Der nördliche Hochlandstaat Durango (123.520 km? mit 338.511
Dr

130 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.

Tabelle IX.
Schafbestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes
Baja California
Campeche . .
Coahuila .
Colima ...
Chiapas . ...
Chihuähua . . .
Distrito Federal
Durango. . .
Guanajuäto
Guerrero
Hidalgo .
Jalisco .
Mexico ..
Morelos . .
Michoacän .
Nayarit ..
Nuevo Le6ön .
Daxäca . ..
Puebla ..
Queretaro . ..
San Luis Potosi
Sinaloa ...
Sonora .
Tabasco . .
Famaulipas
Tlaxcala .
Veracruz
Yucatän .
Zacatecar
Republik

Bestand

Änderung
seit 1903
in Prozenten

Schafe _ Pro 1000 Ein-
pro km? wohner von 1921
(abgerundet!)
24.665
10.177
816
184.913 —
1.046 —+258
10.650 — 34
28.237 — 141
3.996 + 32 2:7 4
57.325 — 851 0:5 169
116.818 40 38:8 136
6.591 11 1:0 12
89.367 52:3 4:3 142
80.481 20 1°0 68
101.543 811 47 (15
1.550 — 815 0:8 “
91.406 — 105 15 98
3.392 +1248 0:18 22
39.273 741 0:6 117
27.841 546 0:8 29
135.395 40°7 40 132
36.396 + 143 3:2 165
69.015 — 884 11 155
3.185 + 5545 0:05 9
3.726 181 0:02 13
62 926 0:002 0:8
64.385 40:5 0:8 223
17.518 751 43 98
22.412 — 476 0:3 19
266 — 608 0:007 0:8
495.825 _ — 49 68 1308
1.728.216 — 495 0:9 121



Landwirtschaft.

97

Ölliefernde Kulturgewächse, zu denen Sesam,
Erdnuß, Walnuß und die Baumwolle gehören, und wildwachsende
Palmen sind. in Mexico recht zahlreich; die Speiseölgewinnung
ist aber nicht sehr bedeutend, weshalb starke Einfuhr nötig ist
(1924 wertete das eingeführte Olivenöl [666 t] 878.000 Pesos).
Die Kokospalme wird nirgends in großem Maßstab angebaut,
Datteln und Feigen in kleinen Pflanzungen auf der Halbinsel
Niederkalifornien.

Der Anbau des Ölbaumes, der in der spanischen
Kolonialzeit verboten. war, wird neuerdings von der Regierung
begünstigt, und es sind in trockenen Gebieten des gemäßigten
Landes, z. B. bei Parras, Anpflanzungen gemacht worden.

Mit Faserpflanzen ist Mexico von der Natur reich
bedacht und die meisten derselben sind schon in vorkolumbi-
scher Zeit in ausgedehntem Maße angepflanzt und benutzt
worden. Die wichtigsten Faserpflanzen sind die Baumwolle und
einige Agavenarten.

Obgleich die Baumwollkultur') schon zur Aztekenzeit
einen wichtigen Zweig der Landwirtschaft darstellte, so ist sie
doch sehr lange über Gebühr vernachlässigt worden und erst
in neuester Zeit ist ein so wesentlicher Fortschritt gemacht
worden, daß die heimische Erzeugung nicht nur für den Bedarf
der im Land befindlichen Baumwollspinnereien und -webereien
genügt, sondern noch eine erhebliche Ausfuhr stattfindet (1924:
15.466 t — 16°/, Millionen Pesos). 1923 wurde die Ernte auf
atwas über 38.000t angegeben, wozu Niederkalifornien fast
die Hälfte (18.120 t), Coahuila über */, (8209 t), Durango "/;
(6665 t) und Tamaulipas */,2 (3277 t) beisteuerten. Fürs Jahr
1924 erwartete man aber eine fast doppelt so große Ernte, von
der man annahm, daß Niederkalifornien (der Mexicalidistrikt)
über */, liefern würde.

Von den zahlreichen wildwachsenden Agavearten, die in
den trockeneren Gebieten des Landes vom Meeresniveau bis
über 3100 m Höhe hinauf vorkommen. sind nur wenige in
*‘) Es wird, wie in Texas und Louisiana, heute meist die ägyptische
Art angepflanzt, wegen des längern Stapels, und nicht die besonders in
Jer Huaxteca und dem Totonakengebiet (Ostmexieco) früher einheimische.
3apper, Mexico.

Alphabetisches Verzeichnis.

157

kleinen Hafenplatz Vigia Chico mit der 1921 noch 2250 Einwohner
zählenden Hauptstadt Santa Cruz del Bravo verband, war nach
dem Abzug der Truppen von den Indianern zerstört worden, mußte aber
neuerdings von ihnen wieder hergestellt werden. Die Hauptstadt, jetzt
fast unbewohnt, ist dem Verfall preisgegeben. Nur der Süden des Gebiets
ist im tatsächlichen Besitz der Mexicaner, Payo Obispo an der
Chetumalbucht ist die Hauptstadt geworden; Bacalar am See gleichen
Namens ist von Payo Obispo mit Motorboot erreichbar,

Von den Indianern leben etwa 1500 im Norden in der Nähe der
Ruinen von Tulum (der Stamm Tulüm Chumpön unter ihrem Caciquen oder
„General“ Juan Bautista Vega), etwa 2500 Individuen um Santa
Cruz del Bravo unter ihrem General Francisco Mai. Die dritte Gruppe
unter General Juan de la Cruz Ke in Icaiche dürfte nicht mehr als
30 Familien umfassen. Die Indianer haben noch ihre eigene Gerichtsbarkeit
und sind nicht in Gemeinden nach mexicanischem Muster zusammen-
geschlossen. Sie erheben auch wohl Abgaben für die Ausnutzung ihrer
Wälder an Hölzern und Chicle.

Was an Waldwerten ausgeführt wurde, bestand 1919-—1923 aus
10.499 Mahagoni- und Zedernstämmen und 1924 aus 365.700 kg Chicle.
Fischfang und Jagd sind von örtlicher Bedeutung“).

Der Staat San Luis Potosi liegt zwar in der Hauptsache im Ööst-
lichen Hochland, reicht aber ostwärts noch tief ins Tiefland hinab.
Er umfaßt 63.241 km? mit (1921) 445.681 Einwohnern (7°05 pro km”). Das
Klima ist im Osten heiß, der Rest des Landes gemäßigt bis kalt. In der
Hauptstadt San Luis Potosi 22° 9’ n. Br., 1877 m, 83.000 Einwohner)
jst die mittlere Jahrestemperatur 15°8° C (Mai und Juni 192, Januar 123),
der mittlere Regenfall 319mm (August 60:7, November 45), dagegen
regnet es in Paso Real in 21° 50’ n. Br. im Jahr 1081 mm (September 228°5,
Dezember 1‘4). Die Wälder sind noch reich an Holz; die Strauchsteppen
liefern Guayule (ca. 800 t im Jahr).

Der Bergbau förderte 1924 751 kg Gold, 119.660 kg Silber, 5,254.426 kg
Blei und 3,949.181 kg Kupfer, ferner 40t Manganerz und 9722 kg Queck-
silber.

Der Privatbesitz an Land war 1910 in Händen von 1745 Personen,
so daß 982% der ländlichen Familien besitzlos waren. Die Regierung
verlieh 1915-—1923 28 (von den 58) Gemeinden des Staates Ejidos. Der
Ackerbau liefert außer den gebräuchlichsten Feldfrüchten Zucker und
Kaffee aus dem Osten, 7000t Ixtlefasern, 784% Weizen und (1923: 1800
Faß) Pulque vom Hochland. Der Viehstand zählte 1924 54.400 Rinder,
12.990 Pferde, 76.521 (?) Maultiere, 23.538 Schweine, 69.015 Schafe und
89.972 Ziegen.

4) Informe (sobre el) Territorio Federal de Quintana Roo. Tacu-
baya 1925,

MH. Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
1. Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft vor der
Ankunft der Europäer.
Die indianische Bevölkerung Mexicos war zur Zeit der
ersten Ankunft der Europäer in eine große Zahl von Stämmen
verschiedener Sprache und Kulturhöhe gespalten. Ihre Über-
lieferungen und geschichtlichen Nachrichten sowie sprachliche
und kulturelle Zusammenhänge lassen es unzweifelhaft er-
scheinen, daß zahlreiche und bedeutende Wanderungen ein-
zelner Völkerstämme stattgefunden haben, daß die Mehrzahl
der Stämme von Norden her, eine geringe Zahl (z. B. Chia-
paneken, Mixteken, Huaves) auch von Süden her ins Land
gekommen sind und daß in diesem selbst bedeutende Schie-
bungen stattgefunden haben. Die‘ Ursachen der zahlreichen
Wanderungen waren teils politischer Art (Kriege und Be-
drückung), teils sanitärer (Seuchen), teils wirtschaftlicher (Miß-
wachs, allmähliche Erschöpfung des. Bodens). Im 15. Jahr-
hundert n. Chr. gab es im jetzigen mexicanischen Staatsgebiet
zwei Großmächte, die zugleich die höchste Kulturhöhe inner-
halb des. Landes repräsentierten: das Reich der Mayas*) auf
Yucatin mit der Hauptstadt Mayapän und das Reich der
Azteken auf dem Hochlande von Mexico?) mit der Hauptstadt
Tenochtitlan (Mexico); während aber das Mayareich mit dem
Fall von Mayapän (1446 n. Chr.) in mehrere Teile zerfiel,
breitete sich das Aztekenreich kraftvoll weiter aus, ohne jedoch
zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehr als einen (allerdings be-
trächtlichen) Teil des jetzigen Staatsrebietes unterworfen oder

1) Nach Morleys und Spindens Forschungen sollen die Mayas
um 600 n. Chr. von Süden (Guatemala) her in Yucatän bereits als hoch-
stehendes Kulturvolk eingewandert gein.,

2) Irrtümlich auch Hochland von Anahuac genannt. Mit anahuac be-
zeichneten die Azteken die Küstengebiete.

Verkehr.

113

Güter befördert worden, 1923: 1324 Millionen Passagiere; die
Tonnenkilometerzahl betrug 2.894,277.000. Am weitesten ist der
Bahnbau in dem schwierigen Gelände der pazifischen Abdachung
des Hochlands von Mexico sowie in Chiapas, Tabasco und
Niederkalifornien zurück.

Drei Hauptbahnlinien führen vom mexicanischen Hochland
nach den benachbarten Vereinigten Staaten, eine vierte eben-
dort hin vom Kalifornischen Golf aus (Guaymas). Die Verbin-
dungen zwischen beiden Nachbarrepubliken sind also gut. An
der Südgrenze Mexicos besteht dagegen nur geringer Verkehr;
von Chiapas nach Guatemala führen zwar noch mehrere ziem-
lich viel benützte Reit- und Fußwege, auf denen sich auch
ein gewisser Lastverkehr abspielt; dazu kommt, daß sowohl auf
mexicanischer wie auf guatemaltekischer Seite eine Bahn bis
an den Rio Suchiate hinführt, der allerdings im Ruderboot über-
schritten werden muß. Von Tabasco und Campeche aus führt
nach Nordguatemala durch weite unbewohnte Urwaldgebiete
hindurch nur je ein sehr selten benutzter Reitweg. Nach Britisch-
Honduras leiten von Campeche aus zwei selten begangene Fuß-
pfade, die nur notdürftig auch von Lasttieren benutzt werden
können. Bessere Verbindungen (zu Wasser) bestehen zwischen
Britisch-Honduras und den angrenzenden Gebieten von Quin-
tana Roo.

Der Hauptverkehr mit dem Ausland vollzieht sich nicht zu
Land, sondern zur See, und auch zwischen zahlreichen Punkten
des mexicanischen Gebiets wird der Verkehr hauptsächlich zur
See unterhalten, so zwischen Yucatän oder Niederkalifornien
einerseits und dem Kkontinentalen Mexico anderseits sowie
zwischen den meisten küstennahen Punkten der verkehrsfeind-
lichen pazifischen Abdachung untereinander. Die Beleuchtung
der Küsten durch Leuchttürme ist in letzter Zeit wesentlich ver-
bessert worden und in einer Reihe von Häfen sind bedeutende
Hafenbauten schon vollendet oder im Bau begriffen, um den
Verkehr zu erleichtern (Veracruz, Tampico, Puerto Mexico,
Salina Cruz, Mazatlan, Manzanillo, Altata u. a.). Dagegen sind
in anderen Häfen Schutz und Landungserleichterungen noch
sehr mäßig (z. B. El Progreso) oder fast gleich Null (Tonalä,
Sanper. Mexico.

Bergbau.

73

Gold konzentriert — eine Methode, die naturgemäß großer,
Verlust mit sich bringt. Vielfach ist der Mangel an Verkehrs-
wegen und an Heiz- und Stützmaterial der Ausbeutung der vor-
handenen Erzlagerstätten hinderlich. Die Zahl der Bergwerks-
arbeiter, unter denen sich viele Indianer befinden, und An-
gestellten war 1924: 83.822.

Die führende Rolle in der Bergbautätigkeit des Landes hat
die Silber gewinnung seit jeher gespielt. Mexico ist auch der
erste Silberproduzent der Welt, und wenn es bezüglich der
Silbererzeugung zeitenweise von den Vereinigten Staaten über-
flügelt worden war, So hat es doch gegenwärtig wieder einen
großen Vorsprung vor diesem Rivalen erlangt: 1905 hat die
Silberförderung in Mexico 2,023.418 kg betragen, gegenüber
1,745.318 kg in den Vereinigten Staaten, 1924 in Mexico
2,844.104 gegenüber 1,997.486 in den Vereinigten Staaten. Das
Silber ist zumeist mit Blei, auch Zink, Eisen, Kupfer oder
Manganerzen vergesellschaftet und in den Tiefen der Gänge
häufig verbunden mit Schwefel, zuweilen auch mit Arsen- und
Antimonverbindungen, die der Verarbeitung ehemals große
Schwierigkeiten bereiteten; deshalb sind solche Lager meist
erst in der neueren Zeit, nach Erfindung neuer Verarbeitungs-
methoden, in Abbau genommen worden. Silber findet sich im
ganzen nordwestlichen und mittleren Mexico in großer Menge;
von alters her sind die riesige „Veta Madre‘ in Guanajuäto und
die „Veta grande‘ von Zacatecas berühmt. Die erste Stelle
unter den silbererzeugenden Staaten nimmt Hidalgo ein, das
mit 833.301 kg nicht viel unter einem Drittel der Gesamtsilber-
erzeugung hervorbringt (die Hauptmenge in den Gemeinden
Pachuca und Real del Monte). An zweiter Stelle steht Chihuähua
(*/s hauptsächliche Gewinnung in Santa Bärbara, Santa Eulalia
und Hidalgo del Parral), an dritter Stelle Zacatecas (*/,, be-
sonders Fresnillo), an vierter Stelle Jalisco (*/,, besonders
Hostostipaquillo).

Gold war zwar schon von den Azteken (als Waschgold)
gewonnen worden, war aber neben dem Silber lange vernach-
lässigt geblieben, bis der Silbersturz die Aufmerksamkeit mehr auf
das Gold lenkte, namentlich seit 1894. 1905 wurden 24,236 kg

Alphabetisches Verzeichnis. 153
Grundbesitzverhältnisse des Gebiets besonders ungünstig gewesen: 140
Personen besaßen 1910 das ganze Privatland, während 995% der länd-
lichen Familien landlos waren. Die Regierung hat denn auch 1915—1923
allen 26 Gemeinden des Staates Ejidos zugesprochen. Der ganze Staat ent-
wässert zum Rio Mexcala, Bergbau mangelt, Der Ackerbau hat die besten
Grundlagen, besonders für Erzeugung von Zucker und von Reis. (Der
Staat war vor der Revolution der zweite Zuckererzeuger des Landes.)
Der Viehstand ist durch die Revolution fast vernichtet: 1924 3181 Rinder,
890 Pferde, 746 Maultiere, 1362 Schweine, 1550 Schafe, 1176 Ziegen! Keine
größere Industrie.

Einige Bahnen durchziehen den Staat,

Der Staat Nayarit (früher Territorium Tepic), 27.053 km? mit
(1921) 157.098 Einwohnern (58 pro km”), reicht von der Küste bis in be-
deutende Höhen hinauf und schließt daher Gebiete aller drei Höhengürtel
ein. Der Regenfall ist mäßig: in der Hauptstadt T6epic (183.800 Ein-
wohner) in 20° 31’ n. Br., 918m ü. M., durchschnittlich 10575 mm (August
302'8, April und Mai 0). Die Bewässerung des Staates ist gut, Irrigations-
wasser in ansehnlichem Maß vorhanden, Das Gelände ist weithin sehr
gebrochen. Der Vulkan Ceboruco hatte 1870 einen schweren Ausbruch.
Im Gebirge wohnen die interessanten Huichol- und Coraindianer. Von
den vorgelagerten 4 Inseln (Las Tres Marias) ist die Insel Maria Madre
als Strafkolonie verwendet.
Der Bergbau spielt eine bescheidene Rolle: 1924 Förderung von
16 kg Gold und 8808 kg Silber. Ferner enthält der Staat Eisenlager, Gips,
Glimmer und Antimon; Salz auf den Tres Marias.

Die Wälder bieten unter anderem bei San Blas Coquito Nüsse (das
sind Ölhaltige — 60—65%! — Früchte der Corozopalme, Attalea Cohune),
die gesammelt werden, um an Ort und Stelle für Seife, Lichter und Öl-
lampen Verwendung zu finden. 1922 wurden große Bestände davon von
Indianern verbrannt, weil sie ihnen nicht zugesprochen worden waren!

Der Privatbesitz an Land gehörte 1910 1712 Eigentümern; 94% der
ländlichen Familien waren ohne Grundbesitz. Die Regierung gab 1915 bis
1923 7 von den 17 Gemeinden Ejidos. Der Ackerbau bietet außer den
gewöhnlichen Feldfrüchten der drei Höhengürtel ansehnliche Mengen von
Zucker (ca. 6000 t), Kaffee (ca. 500 t) und Reis, wenig Weizen, dazu Tomaten
und Frühgemüse. Bananen könnten südlich San Blas, wohin man von Costa
Rica Pflanzen eingeführt hat, angebaut werden, da von hier ab bereits Fröste
fehlen, aber sie bedürfen wegen der drei kühlen Monate einer längeren
Entwicklungszeit als in Mittelamerika. Absatz wäre in Californien ge-
geben. Anbau wäre aber nur in großem Maßstab rentabel, und dieser ist
Fremden durch die neuen Landgesetze unmöglich gemacht, die bis 50 km
von der Küste Fremde vom Landbesitz ausschließen. Kokosnüsse werden
Aaur wenig gewonnen.
Sapper, Mexico,

Verkehr.

111

und selbst viele etwas bemitteltere und fortschrittlichere Indianer
halten sich Esel oder auch Pferde zum Zweck der Lastenbeförde-
rung. Stellenweise begegnet man zur Personenbeförderung auch
noch Sänften (literas), die auf schmalen Reitwegen von je einem
vorausgehenden und einem nachfolgenden Maultier getragen
werden. Fahrwege für Ochsenkarren und Pferdefuhrwerk
aller Art sind im Hochland und in den übrigen ebeneren Teilen der
Republik, namentlich den dichtbevölkerten Gebieten der Halb-
insel Yucatän, zahlreich, aber freilich oft sehr mangelhaft nach
Anlage und Erhaltung; wo die Wege einigermaßen besser sind,
so speziell im Erdölgebiet Ostmexicos, werden sie von Autos (vor-
wiegend Fords) benutzt; in den Gebirgsgegenden jedoch, wo die
Terraingestaltung sehr ungünstig ist, sind Fahrstraßen noch immer
sehr spärlich, obgleich starke Anstrengungen gemacht werden,
um diesem Mangel abzuhelfen und auf wichtigen Strecken Aut o-
straßen gebaut werden. Die wichtigsten Straßenzüge streben
im allgemeinen vom Innern dem Meere zu (und damit stimmt
auch die Richtung der wenigen für den Verkehr wichtigen Flüsse
überein) oder sie folgen auf den Hochflächen und im Küsten-
jande ungefähr der Hauptrichtung der Küste; nach Yucatän oder
Niederkalifornien gibt es vom mexicanischen Hauptgebiet aus
keinen nennenswerten Landverkehr, während nach Chiapas
hinein wenigstens ein häufiger benutzter Autoweg führt und
zudem eine bereits bis zur Guatemalagrenze (Rio Suchiate)
yediehene Bahn die pazifischen Küstengebiete dieses Staats
durchzieht. Der Hauptverkehr vollzieht sich nach den peripheri-
schen Landesteilen (Yucatän und Niederkalifornien), die dem-
nach geradezu als gesonderte Wirtschaftsgebiete betrachtet
werden müssen, zu Wasser übers Meer.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben die mo-
dernen Binnenverkehrsmittel, Dam pfer und Eisenbahnen,
ihren Einzug in Mexico gehalten. Erstere verkehren freilich nur
auf ganz wenigen Flüssen (Grijalva, Usumacinta, Coatzocoalcos,
Papaloapan, Pänuco u. a.) und Seen (Chapala). Aber Eisen-
bahnen sind seit der Vollendung der ersten größeren Bahn-
strecke (Veracruz—Mexico, 1873 eröffnet) in immer steigendem
Maß gebaut worden und haben sich als Kulturförderer aller-

Die neueste Zeit (seit 1911).

63

grundbesitzes nicht bearbeitet wurden — liegt auf der Hand.
Es ist daher nicht zu verwundern, daß das Volk in Masse der
Fahne Francisco I. Maderos folgte, als dieser 1911
unter anderem die Aufteilung des Großgrundbesitzes und
bessere Behandlung und Bezahlung der Arbeiter versprach. Das
alte Regime wurde gestürzt, Madero Präsident des Staates.
Da er aber seine Versprechungen der Besitzaufteilung nicht zu
erfüllen vermochte, gelang es dem General Vicetoriano
Huerta im Februar 1913, Madero abzusetzen und sich
selbst an die Spitze der Regierung zu bringen. Aber auch er
blieb nicht im unangefochtenen Besitz seiner Macht: Gegen ihn
erhob sich wiederum der frühere Gouverneur des Staates
Coahuila, Venustiano Carranza, unterstützt von den
Generälen Francisco Villaund Alvaro Obregon; er
gewann die Oberhand, als auch Präsident W. Wilson sich
gegen Huerta wandte und nach einem Zwischenfall in Tam-
pico die Hafenstadt Veracruz besetzen ließ; daraufhin trat
Huerta am 15. Juli 1914 zurück. Nach einer kurzen Re-
gierungszeit Francisco Carbajals trat Carranza an
die Spitze des Staates und hielt sich trotz starker revolutionärer
Handlungen seitens Francisco Villas im Norden, ‚des
Indianergenerals Emilio Zapata und anderer im Süden,
trotz der Gegenpräsidentschaft von EulalioGutierez und
Gonzalez Garza (welch letzterer im Januar 1915 von
General Obregon vertrieben wurde). Allerdings wurden
immer noch größere und kleinere Teile des Landes von ver-
schiedenen Revolutionsgeneralen gehalten, die ihrerseits Geld
drucken und Kontributionen eintreiben ließen. Dazu kam, daß
das alte Banditenwesen neu erwachte und vielfach das Volk
geradezu verwilderte: Raub und Totschlag waren daher bald an
vielen Orten an der Tagesordnung. Der Bauer aber pflanzte nur
noch an, was er für sich und die Seinigen benötigte; das Vieh
und die Getreide- oder Maisvorräte der großen Hacienden
wurden von einquartierten regierungsfreundlichen oder -feind-
lichen Truppen aufgezehrt, die erst weiterzogen, wenn nichts
Eßbares mehr vorhanden war, um sodann auf einem benach-
barten Gute dieselbe Tätigkeit von neuem zu beginnen. Die

118 Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.
geringen Prozentsatz des Gesamthandels erlangen konnte?), Der
üeutsche Handel hatte wesentliche Fortschritte gemacht, wenn
auch gelegentliche Rückschläge nicht ausgeblieben waren.

Der Weltkrieg hat den deutschen Handel für längere
Zeit ausgeschaltet, während er den Handel Mexicos mit den Ver-
einigten Staaten wesentlich erhöht hat. Und wenn auch nach
dem Friedensschluß Deutschland allmählich als ein- und aus-
führendes Land sich wieder geltend zu ntachen vermochte, so
blieb doch sein Anteil am mexicanischen Handel verhältnis-
mäßig bescheiden, wie die Tabelle XV zeigt. 1924 war
Deutschlands Anteil an der mexicanischen Einfuhr wieder 7:2% ,
an der Ausfuhr 29%. Es ist nicht leicht, der amerikanischen
Konkurrenz gegenüber sich durchzusetzen, da die Schnelligkeit
und Billigkeit der Warensendungen sowie die Möglichkeit, ohne
beträchtlichen Zeit- und Geldverlust die Waren im Ursprungs-
land vor Erlassen der Bestellung persönlich zu sehen und zu
prüfen, sehr zugunsten der Vereinigten Staaten sprechen. Und
als zweites macht der treffliche Kenner Mexicos, Geo
A. Schmidt, mit Ernst und Nachdruck geltend, daß Deutsch-
land in dem Konkurrenzkampf gegen die Vereinigten Staaten
nur dann Vorteile erringen kann, wenn es wieder, wie vor dem
Krieg, nur erstklassige Waren schickt und wenn sich die
deutsche Industrie unter sich über die Herstellung bestimmter
Einheitstypen unter Anpassung an die Wünsche der mexicani-
schen Kunden verständigt.

Glücklicherweise gewährt die Zuverlässigkeit der in
Mexico seit alter Zeit ansässigen Landsleute dem deutschen
Handel einen festen Rückhalt, so daß man mit festem Vertrauen
in die Zukunft blicken kann. sobald einmal wieder Ruhe und

1) Im Kleinhandel sind die Nordamerikaner in Mexico nicht in
größerer Zahl beschäftigt. Deutsche besitzen in Mexico eine größere Zahl
von Detailgeschäften, namentlich häufig Eisenhandlungen, während die
Franzosen sich hauptsächlich dem Handel von Kleiderstoffen und Luxus-
waren, die Spanier und zum Teil auch Italiener dem Spezereihandel zu-
neigen. Im Bankwesen stehen die Nordamerikaner wieder an erster Stelle,
während das deutsche Bankwesen durch eine Filiale der Deutsch-Süd-
amerikanischen Bank von Berlin in Mexico vertreten ist.

N
5

Merida . .
Veraecruz
Cördoba
Mexico .
Colima .
Saltillo . .

Geographische Seehöhe
nördliche Breite in Meter

20° 58’ 20
19° 12 15
18° 45 930
19° 26’ 2278
19° 12’ 507
25° 25’ 1640

Mittlere
Jahres-
temperatur

25"7
252
20°6
155
24'5
17°5

des

Mitteltemperatur
wärmsten des kältesten
Monats Monats
in Graden (Celsius)

Mai . .285
August . 277
Mai . .281
Mai . . 183
Juni . . 272
Juli . . 229

Dezember 22'4
Dezember 21°6
Januar . 180
Dezember 11°9
Januar . 209
Dezember 11'3

Mittlere Extreme

+392 115
4330 4148

+ 295 +08
+ 366 -L 96
+ 387 — 89

Regenfall
in
Millimeter

830
1725
2857

588

870

601

©
=
Z
SS
+
Ss
Den jährlichen Gang des Regenfalles an einigen Stationen zeigt folgende Tabelle:

Januar Februar

März April

Mengen in Millimeter]
Mai Juni Juli August Septbr.

Oktober Novbr.

Dezbr.

Veracruz
Cördoba. .
Mexico .
Colima ..
Chihu4hua®)
Saltilo . .

* A

376

443

in4

1:4 180
35 207
56 85

225
409
120
170
151
198

295
4.

229

82
‘n

Os:

) 5
129 34
102 54

‚2
14
20 2
29 16

F Y ©
20 Dal 27

‘
2Q

Jahr

1725
2867
588
870
616
601

Do
SD
rn

&
BB
2
®
WO

1) 28° 38’ nördlicher Breite, 1430 Meter über dem Meeresspiegel.

10

Die Natur des Landes.

plätze sind entweder von mäßiger Güte oder erst durch künst-
liche Verbesserung in einen dem Großverkehr entsprechenden
Zustand gebracht worden (so Veracruz, Tampico und die End-
häfen der Tehuantepecroute).

Die zahlreichen, zum Teil sogar sehr ausgedehnten Strand-
seen (Lagunen) der atlantischen wie der pazifischen Flachküsten
haben für die Großschiffahrt zumeist keinen Wert, da die Zu-
gänge zu ihnen vom Meer her gewöhnlich sehr flach sind. Von
einer gewissen Bedeutung werden die Lagunen aber vielfach
insofern, als sie kleineren Fahrzeugen längere Strecken der Fahrt
ermöglichen, ohne daß sie den Fährlichkeiten des offenen Ozeans
ausgesetzt würden.

Die beiden Hauptteile Mexicos sind durch den Besitz je
einer großen Halbinsel ausgezeichnet, die für sich allein wieder
ein gesondertes in sich abgeschlossenes Wirtschaftsgebiet bildet:
Niederkalifornien ist ein von ansehnlichen Gebirgen und Tafel-
Jandschaften durchzogenes, durch den tiefeinschneidenden Golf
von Kalifornien vom Hauptteil losgelöstes Stück des kontinen-
talen Mexico, während Yucatän ein dem mittelamerikanischen
Anteil Mexicos angegliedertes, von Korallenriffen umschwärmtes,
sehr jugendliches Kalktafelland darstellt, dessen Oberfläche durch
leichte tektonische Vorgänge und die Wirkungen der ober- und
unterirdischen Erosion in ein niedriges Hügelland umgestaltet
worden ist. Das kontinentale Mexico selbst ist ein groß-
artiges gebirgiges Hochland, eingesäumt von randlichen Ketten,
welche die Abflußlosigkeit großer Teile des Innern bedingen. Es
Steht fest, daß nach alten Gebirgsbildungsprozessen, die sich
hauptsächlich auf der pazifischen Seite des Landes abgespielt
haben, am Ende der Kreidezeit seine Heraushebung erfolgt ist, so
daß von dieser Zeit an nur noch die heutigen Küstengebiete vom
Meere bedeckt waren. Die Grundzüge der Oberflächengestaltung
wurden durch Faltung geschaffen, welche in wiederholten Phasen
und begleitet von Bruchbildung und magmatischen Intrusionen
sich abspielte. Eruptivgesteinsmassen sind noch in geologisch

junger Zeit in ausgedehntem Maße hervorgequollen und haben
dem Oberflächenbild des Landes neue Züge hinzugefügt; sie haben
(vor allem Rhyolite) auch aus den Tiefen der Erde gewaltige Erz-

84

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.
weise von der Natur sehr beeinträchtigt durch eine ungünstige
Beschaffenheit des Bodens oder zu große Steilheit der
Böschungen, insbesondere aber durch die lange Dauer der
Trockenzeit im größeren Teil des Gebietes und den zuweilen
nach Menge oder Zeitdauer ungenügenden Regenfall in der
Regenzeit, wodurch schwere Mißernten und. bedeutende Ver-
luste im Viehbestand entstehen können. Schon in vorspanischer
Zeit haben daher die Indianer sich in gefährdeten Gebieten
durch Bewässerungsanlagen gegen die Ungunst des Witterungs-
gangs zu schützen gesucht und die Spanier sind ihnen darin
gefolgt. Wesentliche Fortschritte in der Ausdehnung und Ge-
staltung der Bewässerungsanlagen hat man aber erst in neuester
Zeit gemacht, seitdem die Regierung (1888) durch verschiedene
Vergünstigungen derartige Anlagen erleichtert hat und seitdem
die wissenschaftliche Untersuchung der unterirdischen Wasser-
zirkulationsverhältnisse durch Geologen der geologischen
Landesanstalt u. a. die Möglichkeiten der Wassergewinnung
oder -vermehrung richtiger erkennen läßt. Freilich genügen
die bisherigen Maßnahmen noch nicht, um dem Ackerbau die
Ausdehnung zu geben, deren er späterhin einmal fähig sein
wird: dazu bedarf es großartiger Staubecken, die das in der
kurzen Regenzeit der betreffenden Regionen gefallene Wasser
für eine zweckentsprechende Verwendung während der Trocken-
zeit zurückhalten, vielleicht auch großer Pumpwerke und son-
stiger Riesenanlagen. Während in den trockenen Gebieten des
Landes Wasserarmut die rasche Entwicklung des Landbaues
hemmt, hält in den regenreichen Gebieten der atlantischen und
gewisser Teile der pazifischen Gebirgsabdachung die außer-
ordentlich üppige Vegetation den Fortschritt auf, denn hier ist
einmal die Rodung sehr erschwert, anderseits aber der viele
Arbeitskräfte und Kosten erfordernde Kampf mit dem Unkraut
eben wegen des energischen Pflanzenwachstums schwierig. In
wieder anderen Gegenden ist der Boden zu sumpfig, der Auf-
enthalt zu ungesund, als daß an intensive landwirtschaftliche
Tätigkeit gedacht werden könnte.

Aber auch andere Gründe standen und stehen der Ent-
wicklung der Landwirtschaft im Wege, vor allem in sehr vielen

124

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

Tabelle II.
Erzeugung der wichtigsten Metalle im Jahre 1924
nach dem Anuario de Estadistica Minera 1924, Mexico 1926, S. 100).
Die höchsten Erträge sind besonders hervorgehoben.
Erzeugung in Kilogramm

Silber Blei Kupfer
11.788 135.689 382.904
— 7,865.000
21.499.809 256.047
92.215.950 2,226.597
15,093.351 1,972.758
5.413 133.855

585.334 —

96.520 2.619
9.000 315
133.705
55.034

Erz
in Tonnen Go!“

Aguascalientes . . 36.837
Baja California 185.998 —
Coahuila. . . . 123.549 ‚ 45.269
Chihuähua . 1,777.109 552.087
Durango. . . 351.182 132.981
Guanajuäto , 546.960 103.949
Guerrero .. 32.828 33.111
Hidalgo. .. ‚985.645 833.301
Jalisco .... 330.060 142.038
Mexico ... 795.350 72.101
Michoacan . . . . 687.107 93.346
Nayarit (Tepic) . 7.3438 3.808
Nuevo Leön . . 36.415 8.184
Daxäca . . 0... 1.971 1.947
Queretaro . . . 4.513 4.287 .
San Luis Potosi . 314.433 ra 119.660 3,949.181
Sinaloa . .... 154.023 362 31.365 6.544
Sonora .... 1,004.988 675 121.277 28,302.216
Tamaulipas ... 256 I 436 —
Zacatecas .. 1.607.758 1.109 319.106 4,777.738
Unbestimmt . . . 3.022 214.11: — —

Summe. .. 9.984.275 24.647 2,844.104 165,062.786 50,061.513

Staaten

Dazu kam nach derselben Quelle (S. 172.) die Erzeugung von
45.068 t Eisenerz in Durango (Cerro de Mercado) von 60% Gehalt
and von 7385 t Eisenerz in Nuevo Leön (Golondrinas) von 50% Gehalt,
1800 t Manganerz von 40% Gehalt in San Luis Potosi (Montaha de
Manganeso, Santo Domingo), 7 t Molybdänerz von 543% Gehalt
(San Julian) und 83 t Zinnerz von 107% Gehalt in Jalisco (Encar-
nacion), sowie 36.665 kg Quecksilber (17.289 in Hidalgo, 9722 in San
Luis Potosi, 6828 in Zacatecas, 2826 unbestimmt). Außerdem wurden in
Mapimi (Durango) 2492 t Arsenikerz, in San Luis Potosi im gleich-
namigen Staat 909 t Arsenikerz, zusammen 3401 t, ausgeschmolzen,
sowie in dem Schmelzwerk von Monterrey 381.375 kg Antimon in
Bleibarren angereichert. Die Gewinnung von Eisen betrug 1924 19.485 t,
von Stahl 37.612 t. Die Schmelzwerke des Landes verarbeiteten 1934
2.421.417 t Erz. Antimon wurde in Nuevo Leön und San Luis Potosi
gewonnen (441.837 und 332,730 kg), zusammen 774.567 kg, Selen nicht
bestimmter Herkunft 213 kg.

Die Erzeugung von Nichtmetallen im Jahre 1924 betrug
‘nach verschiedenen Quellen): Kohle im Staat Coahuila 1,226.696 t im
Werte von 7,246.696 Pesos (16 Bergwerke); Graphit im Staate Sonora
7749 t im Werte von 472.936 Pesos.

Petroleum hauptsächlich im Staate Veracruz 139,678.294 Faß
= 22.206.406 'cm* im Werte von 272,084.563 Pesos, wovon: 100.574.087
Faß Schweröl und 39.104.257 Faß Leichtöl.



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40

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.
verziert. Bei Vornehmen und vollends bei Herrschern war viel-
facher und reicher Schmuck üblich. Bewundernswürdig waren
die Federmosaiken.

Die Füße wurden nötigenfalls durch Bastsandalen gegen
Steine und Dornen geschützt. Zum Schutz gegen Regen dienten
vielerorts Regendächer, die aus Palmenblättern zusammen-
genäht oder geflochten waren. Die Flechtkunst war viel geübt
und lieferte außer Körben, Feuerfächern und anderen Dingen
schöne, wasserdichte, manchmal reich verzierte Matten. Baum-
bast, Agavefasern und andere Faserstoffe wurden gezwirnt
und daraus Hängematten und Tragnetze aller Art geflochten
oder geknüpft, Stricke gedreht und andere Seilerwaren her-
gestellt.
Die Behausungen bestanden (und bestehen noch
heute) bei den meisten Indianerstämmen aus einfachen, blätter-
gedeckten Hütten von rechteckigem oder auch ovalem Quer-
schnitt mit Sattel- oder Walmdach. Die Pfosten, Pfetten,
Sparren u. dgl. bestanden aus Rundhölzern, die mit Lianen
zusammengebunden wurden. In Gegenden, wo Holzmangel
herrscht, sind jetzt Pfosten und Stangenwände der Wohnhütten
vielfach durch Stein- oder Luftziegelmauern ersetzt, wie dies
auch schon in vorspanischer Zeit geschehen sein dürfte. Jeden-
falls waren Steinmauern (zyklopisch oder mit Mörtel zusammen-
gehalten) und Adobe- (Luftziegel-) Mauern bei Aufführung der
großen öffentlichen, religiösen und profanen Gebäude in vielen
Teilen Mexicos üblich. Sie wurden häufig durch reichen bildneri-
schen Schmuck (Plastik oder auch Malerei) verziert. Im Nord-
westen wohnten manche Indianerstämme (wie noch heute die
heidnischen Tarahumare) in Höhlenwohnungen von der Art der
Cliffdwellings des benachbarten Arizona,

Die ansehnliche Höhe der Architektur, der Maurer-,
Steinmetz- und Maltechnik im mittleren und südlichen Mexico
setzt die Existenz besonderer Baumeister und Bauhandwerker,
Steinmetzen und Maler voraus, sowie eines entwickelten Maß-
systems, brauchbarer Meß- und Nivelliergeräte, eines regel-
rechten Steinbruchbetriebes und, wo Bausteine fehlten (z. B.
Comalcalco in Tabasco), richtiger Ziegelbrennerei. Die Werk-

Die neueste Zeit (seit 1911). 67
sich erringen, die sie sich angesichts der mannigfachen Ent-
behrungen im fremden Land wohl erwartet haben möchten.
Erwünscht ist außer stärkerer Kapitalbeteiligung an vertrauens-
würdigen Unternehmungen im allgemeinen ein frischer Zuzug
von tatkräftigen und weitsichtigen deutschen Geschäftsleuten,
Technikern, Pflanzern, die eigenes Kapital besitzen oder fremdes
Kapital hinter sich haben und dadurch instand gesetzt sind, neue
Unternehmungen zu gründen und sie mit Umsicht und Ausdauer
zur Blüte zu bringen. Ich gebe zu, es ist nicht leicht, solche Unter-
nehmungen ausfindig zu machen, denn Unternehmungen, deren
Dringlichkeit und Rentabilität ohne weiteres vor Augen lagen,
sind eben zumeist schon gemacht, und es wird wohl mehr als
bisher notwendig sein, die weniger entwickelten Gebiete des
Landes auf ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu untersuchen
and Unternehmungen zu gründen, wo noch nicht die große
Konkurrenz der von Fremden bisher bevorzugten Gebiete
herrscht. Wer aber an solchen neuen Plätzen arbeiten will, der
bedarf einer sorgfältigen Landes- und Volkskenntnis noch mehr,
als wer an hochentwickelten Hauptplätzen seinen Sitz hat. Um
diese Landesvertrautheit zu erwerben, wird das System noch
immer am empfehlenswertesten sein, das so viele unserer erfolg-
reichsten Landsleute in Mexico groß gemacht hat, nämlich:
zunächst als Angestellter eines guten Hauses die Landessitte
— außer der Sprache — genau zu studieren und. dann erst sich
selbständig zu machen. Der Mexicaner ist doch in seiner ganzen
Art sehr stark von uns verschieden, und wenn wir mit ihm
Geschäfte irgend welcher Art machen wollen, so kann er ver-
langen, daß er nach seiner heimatlichen Weise behandelt werde.
Mexico ist eben eine spanisch-amerikanische Republik mit
vielen Eigenheiten, mit denen der Geschäftsmann vertraut sein
muß, wenn er selbständige Geschäfte dort treiben will. Die Ge-
setze des Landes sind ja meist schön und gut, aber die Rechts-
pflege ist oft langsam und gewunden oder versagt auch wohl
einmal ganz — eine Tatsache, mit der man zu rechnen hat. Die
Zollvorschriften sind kompliziert und werden nicht. selten sehr
oureaukratisch gehandhabt. Die Verwaltung ist im allgemeinen
gut und prompt, aber es haftet ihr etwas Persönliches an, das
FE

Landwirtschaft.

85

Gebieten hoher Taglohn und ungenügende Zahl oder Arbeits-
wille der Arbeitskräfte, sei es, daß die Bevölkerung zu dünn
ist oder daß die Anwohner zu intensiverer landwirtschaftlicher
Tätigkeit sich nicht heranziehen lassen wollen. Aus diesem
Grund sind sehr weite Flächen, die sich für bestimmte Kulturen
vorzüglich eignen würden, ganz unbebaut oder nur ungenügend
landwirtschaftlich ausgenutzt, etwa als Weideflächen für Vieh
oder Schafe, während doch wesentlich lohnendere Benutzung
möglich wäre. Da die Regierung in Anerkennung der Gleich-
berechtigung der Indianer diese nicht zur Arbeit nötigt (wie das
z. B. in Guatemala früher zugunsten der Landwirtschaft ge-
schah), so ist in den Gebieten, wo Indianer in ziemlich großer
Zahl leben, aber nicht zur Arbeit geneigt sind, eine Verbesserung
der Verhältnisse erst von der Zukunft zu erhoffen, wenn die
wachsenden. Bedürfnisse der Indianer sie selbst zur Arbeit
treiben werden‘). In vielen Gegenden kamen in Porfirios
Zeiten die Indianer schon von selbst, durch Vorschüsse be-
wogen oder von Werbern angetrieben, aus ihren oft entfernten
Wohnorten in die Pflanzungen zur Arbeit in der Erntezeit herbei.
Aber nach der Revolution erklärte die Regierung 1914 solche
Vorschüsse für ungesetzlich, so daß die Pflanzer sie streichen
mußten. Das ganze System wurde abgeschafft, ist aber auf
Wunsch der Indianer stellenweise im geheimen wieder in Gang
gekommen. In Gebieten, wo die Bevölkerung zu dünn ist, um für
eine intensivere Bearbeitung des Bodens die nötigen Arbeits-
kräfte liefern zu können, kann durch Kolonisation der Mangel
ersetzt werden, und in der Tat begünstigt die Regierung die
Kolonisation solcher Gebiete seit 1883, wenngleich nicht mit der
wünschenswerten. Energie. Immerhin sind durch die Regierung
und durch Privatgesellschaften bereits eine Reihe von Ackerbau-

‘) Die wenigen Gebiete, wo bis vor kurzem widerspenstige Indianer
die Arbeit der Mexicaner überhaupt verhinderten, sind unter der Re-
gierung Porfirio Diaz’ mit Waffengewalt befriedet und erschlossen
worden (Mayas im südöstlichen Yucatän, Quintana Roo und Yaquis in
Sonora 1902, Apachen nahe der Nordgrenze 1890). Aber neuerdings wird
aufs neue mit den Yaquis gekämpft, während auch die Mayas von Quin-
tana Roo wieder ein höheres Maß von Freiheit erlanet haben.

142

Anhang.

Industrie: Schmelzhütte der American Smelting and Refining Co.
1924: 2127 kg Gold, 345.745 kg Silber, 3,856.365 kg Blei, 12,147.428 kg
Kupfer, ca. 1200 Arbeiter), kleinere Fabriken, Heimarbeit: feine Seiden-
auszieharbeiten, Sarapes, in der Hauptstadt gleichen Namens (48.000 Ein-
wohner).
Handel: Ausfuhr von Metallen, Mais, Bohnen, Früchten, Trauben.
Einfuhr: Maschinen, Eisen- und Textilwaren, Schokolade, Vanille, Kaffee
"aus der Huasteca Potosina).

Zentralbahn und Bahn nach Tampico.

Baja California (Niederkalifornien), 1100 km lange, bis über 300 km
breite Halbinsel, politisch geteilt in ein Nordterritorium (70.017 km?
mit 30.309 Einwohnern, 0:4 Pro km”. Hauptort Ensenada, 2170 Einwohner,
Freizollhafen) und ein Südterritorium (74.074 km? mit 39.294
Einwohnern, 05 pro km®, Hauptort La Paz, 5536 Einwohner, Freizoll-
hafen). Klima vorwiegend trocken (Regenfall in Ensenada, in 31° 51’ n. Br.,
15m ü. M. an der Südsee gelegen, 306 mm im Jahr, Hauptniederschlag im
Februar 682 mm, geringster im Juni 1:0 mm, im Frühjahr viel Nebel; in
La Paz 24° 10’ n. Br., 12 m ü. M., am Kalifornischen Golf, 166 mm im
Jahr, Hauptniederschlag im August 536, März bis Mai regenlos, mittlere
Jahreswärme 282° C, August 279°, Dezember 181%),

Gebirgig (bis über 3000 m), zahlreiche Terrassen, Erdreich vielfach
in Talböden hinabgeschwemmt, wo aber der Grundwasserstrom oft aus-
reicht, um Zuckerrohrpflanzungen zu ermöglichen. Die Täler führen nur
nach Regen Wasser, Die einst von Mönchen angelegten Stauanlagen sind
verfallen, aber im Norden sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts (im
Becken des Colorado um Mexicali) große Bewässerungsanlagen gemacht
worden, die intensiven Anbau von Weizen und Baumwolle ermöglichen.
Die natürliche Vegetation ist meist dürftig; oft Dickichte von Sträuchern,
Kakteen, Agaven; in östlichen Talrissen oft dichte malerische Vegetation:
Kakteen, Fächerpalmen (Washingtonia Sonorae). Auf der entfernt
ijegenden Insel Guadelupe gibt es viele verwilderte Ziegen.

Bergbauerzeugung 1924: 5 kg Gold, 7,865.000 kg Kupfer (letzteres
besonders aus dem Distrikt Muleg6), Goldwäschereien in der Sierra
Pintada zwischen 27 und 28° n. Br. auf der Westabdachung,

Landbesitzverteilung 1910: 1111 Grundbesitzer, 882% der land-
dewohnenden Familienhäupter ohne Grundbesitz. 1915—1923 7 Gemeinden
mit Ejidos bedacht.

Landwirtschaft: im Norden Weizen (1924: 11% Millionen kg) und
Baumwolle, Henequen (1922: 130.000 acres, mit amerikanischen Dampf-
pflügen und Maschinen vorwiegend durch Chinesische Arbeiter bearbeitet)
and bei Ensenada, wo auch Wein gedeiht; im Süden Datteln (100 t),
Feigen (150 t), Weinbeeren (129 t) (1921), Zuckerrohr, Mais, Bohnen. Vieh-
zucht 1924: 40.375 Rinder, 3681 Pferde, 2833 Maultiere, 4737 Schweine.

Tabellen.

125

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Verzeichnis der Abbildungen.
Seite
Abb. 1 Indianerdorf Tumbala mit zerfallener Klosterkirche in spani-
schem Barock (Titelbild),
Abb. 2 Hauptstadt Mexico. Östliche Teilansicht ...... . nach 16
Abb. 3 Chochimileo .....0.0.0000000000.00.040040 04 4. VOr 17
Abb. 4 Santa Catarina und Las Calderas. Erloschene Vulkane in der
Umgegend der Hauptstadt Mexico ...... + + + + +VOF
Abb. 5 Die Ixtaceihuatl („Weiße Frau“) ....... .«.. nach
Abb. 6 Umgebung von Amecameca mit dem Blick auf Popocatepetl
nach
Abb. 7 Teotihuacan, Pyramide der Sonne (restauriert) . . . . «VOr
Abb. 8 Ansicht von Queretaro mit der alten Wasserleitung . . vor
Abb. 9 Veraeruz, Blick gegen den Golf von Mexico (links eine Mole
des Hafens) .......0.0.0.0.000.0.0.0. 0 ex «os + + nach
Abb. 10. Savannenbusch des Küstenlandes bei der Station Gonzalez
der Strecke Tampico-Monterey ........0....,. nach 48
Abb. 11. Tampico. Bohrtürme auf einem neuen Ölfeld bei Mendez
vor 49
Abb. 12 Kohlenbrenner +... 0.000000 win 240 004. VOr 49
Abb. 13 Kaffee- und Bananenpflanzung bei Uruapam . .. . nach 64
Abb. 14 Zuckerrohrtransport in einer Zuckerrohrplantage . . nach 64
Abb. 15 Gruppe von Dattelpalmen bei Tehuacän ...... .vor 65
Abb. 16 Kugelkakteen. Tehuacän . ....... 24.000... vor 65
Abb. 17 Pulquetransport auf dem Hochland . ........ nach 80
Abb. 18 Indianische Pflüger auf dem Hochland in ihren weißen
Baumwollkleidern + ...00000000.00.4 0.40.40 47 4 + + . Dach
Abb. 19 Henequenpflanzung bei der Station Tortilla. . .. . .vor
Abb. 20 Eingeborenen-Zuckersiederei. (Es wird nur brauner Zucker
hergestellt) ....0.00.000 0000 4 ke Re ken 4 4 + WOP
Abb. 21 Blick auf die Minenstadt Pachuca ........ . nach
Abb. 22 Holztransport mit Ochsenkarren, Yuccapalmen . . . nsch
Abb. 23 Silberbergbaugebiet von Pachuca. Seilbahn vom Schacht zur
Aufbereitung . . 0.000000 00-4 .„.....vor 97
Abb. 24 Guanajuato, Stauwerk . ...0.00.0.00.00.00.0.00.0.1..,.vor 97
Abb. 25 Wasserfall am Plateau der Sierra de Nayarit, mit lichtem
Bergwald (Kiefern) ...........0.0.0. +. « . nach 112
Abb. 26 Salzgewinnung bei Manganillo ..... ;„ . . . nach 112
Abb. 27 Nordmexicanische Halbwüste. ... . „004. +, vor 113
Abb. 28 Kalifornische Halbinsel. Hauptort der Coras-Indianer mit
der Mission von Jesu Maria Tehocusete im Tal des Rio Jesu
Maria . 2... „. . ‚vor 113

48

Verkehr.

109

wickelt, wo ja auch vorzugsweise das Bedürfnis nach Woll-
kleidung besteht. Da die heimische Wollerzeugung für die Be-
Jürfnisse der Fabriken nicht ausreicht, so wurden 1924 neben
10,359.918 kg heimischer Wolle noch 466.039 fremder Wolle
und 205.448 kg Kammgarn, verarbeitet, zusammen 2,267.000 kg.
Die Verteilung der Industrie auf die einzelnen Staaten 1924
zeigt die Tabelle XII.

Auch die übrigen Industriezweige sind zumeist noch auf
Einfuhr angewiesen, während andere dem Bedarf des Landes
nahezu genügen oder Sogar über ihn hinausgehen. So mußte
z. B. 1924 Bier‘) nur im Wert von 43.000 Pesos eingeführt
werden, während Zu ck er sogar in bedeutenden Beträgen (1924:
3080 t im Wert von 8*/; Millionen Pesos, dazu 7160 t Rohzucker
= 1?/, Millionen Pesos) ausgeführt werden konnte.

Die Tabakverarbeitung findet in allen Staaten statt; am
stärksten ist diese Industrie aber entwickelt im Bundesdistrikt
und in den Staaten Puebla und Veracruz, wo von dem 1923
verbrauchten Rohmaterial im Wert von 11:6 Millionen Pesos über
die Hälfte bzw. !/, und !/.- verarbeitet wurde. Sägemühlen
und Holzverarbeitungsfabriken sind viel verbreitet. In der
Hauptstadt gibt es einige Maschinenfabriken, Möbelfabriken,
2 Porzellanfabriken ‚(darunter eine deutsche); in Monterrey
arbeitet eine moderne Glasfabrik. Moderne Gerbereien und
Schuhfabriken, ferner Hutmachereien, Knopffabriken sind mehr-
fach vorhanden, auch 8 Papierfabriken, davon 4 in der Haupt-
stadt (2 deutsche und 2 französische).

Die eben erwähnten industriellen Anlagen sind großenteils in
mexicanischen Händen, zu einem beträchtlichen Teil aber auch
in ausländischem (besonders spanischem und französischem) Be-
sitz. Neuerdings haben. die Nordamerikaner (z. T. auf Kosten der
Deutschen) sich mit zie@licher Energie auch auf diesen Zweig
des Erwerbslebens gelegt, dem bei der noch spärlichen Aus-
dehnung und Leistungsfähigkeit der bisherigen Anlagen, bei
den Vergünstigungen, die die Regierung industriellen Neu-
anlagen gewährt und bei den durch die Einfuhrzölle ermög-

) Die Biererzeugung im Lande betrug 1924 541.364 hl.

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc. 59

Indianern oft sehr nahe oder auch gleich. Die Minderheit der
Mischlinge und die Mehrheit der weißen Mexicaner
betreiben, soweit sie nicht im Staats- oder Gemeindedienst be-
schäftigt sind, selbständig Landwirtschaft, Bergbau oder In-
dustrie in mäßigem oder auch großem Maßstabe; aber der
Betrieb ist vielfach etwas altertümlich, und in manchen
Gegenden sehen die Vieh- oder Getreidehaciendas, Zucker-
mühlen, Gerbereien und andere Unternehmungen noch kaum
anders aus, als sie zur spanischen Kolonialzeit ausgesehen haben
mögen. Daneben sieht man aber anderwärts, namentlich da,
wo Fremde mit gutem Beispiel vorangegangen waren, ganz
moderne Betriebe mit allen Hilfsmitteln der Neuzeit eingerichtet,
und es ist nicht zu verkennen, daß den Mexicanern weder Unter-
nehmungslust noch Anpassungsfähigkeit abgeht. Deshalb macht
auch die Modernisierung der in mexicanischen Händen befind-
lichen industriellen Betriebe ziemlich rasche Fortschritte, so
namentlich in den größeren, an den Hauptverkehrslinien lie-
genden Städten. Wer nur diese kennt, bekommt daher leicht ein
falsches Urteil über die Kulturhöhe des Landes: der in der spa-
nischen Kolonialzeit so scharf ausgeprägte Gegensatz zwischen
Stadt und Land hat sich eben noch immer nicht verwischt, und
wie fast überall zeigt sich auch in Mexico ein größeres Festhalten
am Althergebrachten auf dem Land als in der Stadt.

Die mexicanische Wirtschaft der Gegenwart war zu P 0or-
firios Zeit und ist noch jetzt außerordentlich ungleichmäßig,
insofern sowohl indianisches Wirtschaftsleben noch in manchen
Gegenden heimisch. ist, als auch die Wirtschaftsmethoden der
spanischen Kolonialära noch fortdauern, während doch daneben
auch durchaus moderne Betriebe bereits in großer Zahl im
Lande blühen. Diese Ungleichheit der wirtschaftlichen Entwick-
lung bildet aber gerade ein Anlockungsmittel für den Aus-
länder, seine Tatkraft, seine Intelligenz, sein Kapital in diesem
Lande arbeiten zu lassen, das noch weithin wirtschaftlich un-
entwickelt oder wenig entwickelt ist und daher Gelegenheit zur
Arbeit in Hülle und Fülle bietet. Dieser Lockung haben in der
Ära Porfirio Diaz nach vorausgegangener reichlicher eng-
lischer Kapitalinvestierung in ausgiebigstem Maße zunächst

Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft etc, 53

Arbeiten mit eiserner Tatkraft durchgeführt, durch wissen-
schaftliche Organisationen die genaue Erforschung und Kar-
tierung des Landes in die Wege geleitet, das Unterrichtswesen
gehoben, die Verwaltung verbessert, mit Hilfe ausgezeichneter
Minister die Finanzen des Landes geordnet, das Währungs-
system nach glücklicher Überwindung kritischer Zeiten auf eine
sichere Basis gestellt, Bergbau, Industrie und Landwirtschaft
gefördert, die Einwanderung begünstigt und den im Land be-
findlichen Fremden durch gerechtes und freundliches Entgegen-
kommen die Möglichkeit freier Entfaltung ihrer Kräfte geboten.
Unter den vielen und großen Verdiensten des bedeutenden
Mannes möchte ich letzteres fast am höchsten stellen, denn da-
durch hat er die wirtschaftliche Entwicklung seiner Heimat
außerordentlich beschleunigt im Gegensatz zu gar manchen
seiner Präsidentenkollegen im übrigen spanischen Amerika, die
durch Niederhalten der Fremden und ihrer Unternehmungen
auch die Entwicklung ihrer Staaten hemmten! Ich möchte gewiß
nicht der Tatkraft und Unternehmungslust der Mexicaner zu
nahe treten, aber wenn man unparteiisch die Fortschritte im
Wirtschafts- und Verkehrswesen mustert, so bemerkt man doch,
daß die Initiative zumeist auf Fremde oder fremden Einfluß
zurückging und daß die Mehrzahl der bedeutenden neueren wirt-
schaftlichen. Unternehmungen aller Art ihnen gehörte. Die Unter-
nehmungen der Mexicaner sind großenteils nach altererbten Grund-
sätzen geleitet, die nicht mehr ganz in die neue Zeit passen, oder
sie sind erst durch Nachahmung der fremden in moderner Weise
eingerichtet oder umgestaltet worden, so daß der Fortschritt
auch hier vielfach mittelbar auf den Einfluß der Fremden zurück-
geführt werden darf. Wenn demnach neben der Person des
Porfirio Diaz das Aufblühen des mexicanischen Wirt-
schaftslebens hauptsächlich den Fremden zu verdanken war,
80 wäre doch als dritte Hauptursache auch die natürliche Zu-
nahme der Bevölkerung hervorzuheben, die naturgemäß zu
einer weiteren Ausbreitung der landwirtschaftlichen Tätigkeit
führte, das Entstehen einheimischer Industrie begünstigte, Ver-
kehr und Handel belebte, Hatte Humboldt für 1810 eine
Bevölkerung von 6'/. Millionen Seelen angenommen, so war

; Tabelle XI
Wollindustrie in Mexico 1924 (Estatistica Nacional von 30. Juni 1925).
Wollverarbeitungsfahbriken
nr N _  Investiertes N . _ Mittlerer Taglohn erarbeitete Wolle
Mätig schlossen sammen. a Pferdekräfte Arbeiter Männer in Fran cs Kinder in . pro km?
29 1000 1545 2:97 140 112 655.000 436
9 445 278 220 0:94 0:75 104.000 1
2125 291 406 1:45 0:78 068 157.000 5
6 975 953 202 1:08 0:74 408.000 19
J'94 42 975 176 187 0:87 486.000 28
5 72 360 171 095 086 146.000 /
"85 412 309 256 100 0:75 195.000 4
5 112 261 1:21 1:00 072. 116.000 29
4049 5087 D 0:84 2.267.000

Staaten

Distrito Federal
Durango . ....
Guanajuäto .
Hidalgo . ..-
Mexico ...

Puebla ....

San Luis Potosi
Tlaxcala . ...

Summe ... 0%

7

Tabelle XIV.
Pulque-Erzeugung

1923.

x
ta a . 3 nD

pro km? in Faß 1000 Einwohner

1,967.760 25 98

2.905.970 73 6

2.628.210 2 93

862,270 26 91

250.340 32 —

61.190 53 —
410.450 }
24.630 Jy4
18.460 03
; . ve 5.430 08
Die Bahnen allein führten 1923 in der Hauptstadt Mexico 101.000 t Pulque ein.

Hidalgo .
Tlaxcala .
Mexico ..
Puebla ..
Veracruz .
Queretaro . .
Guanajuäto .
Michoacän . ..
San Luis Potosi
Bundesdistrikt .

SS
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=
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+

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©
mn

Handel.

117

ontfielen, 96:1 auf pflanzliche, 510:3 auf mineralische und
3:3 auf industrielle,

Der Inhalt der ein- und ausgeführten Güter hat sich seit
Beginn der republikanischen Ära großenteils verändert. Wohl
spielen Bergbauerzeugnisse, namentlich Silber und Gold, wozu
neuerdings das Erdöl getreten ist, noch immer die erste Rolle
in der Ausfuhr, aber die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte
ist seitdem wesentlich gestiegen, obgleich derjenige landwirt-
schaftliche Ausfuhrartikel, der zu Beginn der republikanischen
Zeit der wichtigste war (Cochenille Ausfuhr 1826 1:4 Millionen
Pesos), inzwischen aus der Reihe der Ausfuhrprodukte ge-
strichen ist. Anderseits bestand die Einfuhr am Anfang der
republikanischen Zeit fast ausschließlich aus Manufaktur-
waren für unmittelbaren. Verbrauch, während diese jetzt zwar
ebenfalls noch einen bedeutenden Posten ausmachen, aber doch
daneben Rohmaterialien, die in Mexico verarbeitet werden
sollen (z. B. Wolle, Braugerste, Hopfen), einen kleinen Anteil
an der Einfuhr haben und bedeutende Mengen von Maschinen,
Apparaten, Eisen- und Stahlmaterialien hinzukommen, deren
Zweck es ist, die Erzeugung und den Verkehr des Landes zu
heben.
Es ist hier nicht der Ort, die Ein- und Ausfuhr in ihren Ein-
zelheiten zu diskutieren, aber kurz mag darauf hingewiesen sein,
daß die Richtung des Handels teilweise große Verschiebungen
erfahren hat. Immer haben freilich die benachbarten V er-
einigten Staaten den Hauptanteil am mexicanischen Handel
gehabt, aber trotz mancher Rückschläge im einzelnen hat dieser
Anteil ständig zugenommen. Am Anfang der republikanischen
Ära betrug die nordamerikanische Einfuhr nach Mexico etwa
?/_, kurz vor dem Kriege aber über die Hälfte der Gesamteinfuhr
(62%), die Ausfuhr mexicanischer Werte nach der Union betrug
anfänglich die Hälfte der Gesamtausfuhr, kurz vor dem Krieg
fast %3/, (71%). Die Anlage bedeutender nordamerikanischer
Kapitalien in Mexico, die direkte und rasche Eisenbahnverbin-
dung und die geographische Nähe der Vereinigten Staaten ließen
es begreiflich erscheinen, daß ihr Handel immer mehr anwuchs
zum Schaden der übrigen Nationen, deren Handel nur einen

L6

Die Natur des Landes.

witterungsprodukte auf steilen Hängen nicht, sondern rücken
langsam nach der Tiefe zu hinab, soweit nicht Regenwasser oder
Wind sie rasch entführen.

Wo der Boden aus der Verwitterung des Anstehenden ent-
standen und liegen geblieben ist, da entsprechen seine chemi-
schen und physikalischen Eigenschaften bis zu einem weit-
gehenden Maß noch dem Charakter des ursprünglichen Gesteins:
die Böden sind. fruchtbar über kristallinen. und jungeruptiven
Gesteinen, meist auch Mergeln, Tonen, Schiefern, während über
den löslichen Kalksteinen und Dolomiten seichte Residual-
tonböden sich ausbreiten, über Sandsteinen aber arme sandige
Böden entstehen u. dgl. In feuchten Gegenden mengt sich viel-
fach auch Humus verbessernd dem Boden bei, während das in
trockenen Gebieten nur spärlich der Fall zu sein pflegt. Kahle
Felsböden sind in den Wüsten nicht selten, sonst aber nur auf
kleine Flächen beschränkt.

Wo sich der Boden durch Regenabschwemmung, Wind-
transport oder Abrücken in den Vertiefungen des Geländes an-
reichert, ist er oft sehr fruchtbar, oft aber auch, namentlich
wenn Kies oder Sand stark überwiegen, für Zwecke des Acker-
baus unbrauchbar, vor allem auf solchen Flächen, wo der Wind
losen Sand in großen Mengen über die Oberfläche hintreibt und
da und dort in Dünen anreichert, wie das an den Küsten und
in den Wüsten des Innern vielfach der Fall ist.

In den Wüsten und Steppen kommt vielfach ein weiteres
Hemmnis für die landwirtschaftliche Bodenausnutzung hinzu,
indem auf weiten Flächen durch Lösungen, die aus der Tiefe
empordringen, Salze am Boden ausblühen, die den meisten
Kulturpflanzen ein Gift sind und selbst von Wildgewächsen
vielfach nur besonders organisierten „Salzpflanzen“ das Ge-
deihen erlauben. Eine wirtschaftliche Ausnutzung solcher Böden
ist, abgesehen von extensiver Viehzucht, oft ausgeschlossen,
soweit nicht durch künstliche Bewässerung eine Aussüßung
derselben ermöglicht wird. Stellenweise werden in Wüsten-
gegenden durch die Verdunstung der aufsteigenden Lösungen
auch Kalkkrusten gebildet, die dann den seltenen Platzregen
das Eindringen in den Boden verbieten und so die Wasser-

Tierwelt.

31

zusammenhängenden Rasen schaffen, Ackerbau ohne Boden-
verbesserung nicht möglich ist, und ebenso pflegt das Vor-
kommen von Kiefern in wärmeren Regionen auf dürftigen
Boden und ziemlich trockenes Klima schließen zu lassen. Im
allgemeinen schließt der Europäer, der in tropischen Ländern
die heimatlich anmutende Kiefer erblickt, gewöhnlich auf ein
kühles Klima für den Ort ihres Vorkommens; dieser Schluß ist
aber nur für die feuchten Gebiete richtig, während in trockenen
Klimagebieten die genügsame Kiefer bis tief in die Tierra
zaliente hinabreicht.

Die Ausdehnung der Wälder ist in vielen Teilen des Landes
noch sehr beträchtlich, was für die Speisung der Bäche und
Flüsse von größter Bedeutung ist. Leider läßt sich aber beob-
achten, daß der Wald in den letzten Jahrzehnten bereits außer-
ordentlich stark zurückgedrängt worden ist; es wäre sehr zu
wünschen, daß die Regierung energische Maßnahmen zu seinem
Schutze ergriffe, um die Quellschüttung auf einem zufrieden-
stellenden Maß erhalten und zerstörende Überschwemmungen
nach Möglichkeit verhindern zu können.

Wie die feuchten Gebiete des Landes, so sind auch die
trockenen Gebiete des mexicanischen Hoch- und Küstenlandes
ziemlich reich an Nutzpflanzen, von denen zur Zeit der Ent-
deckung bereits eine größere Zahl in regelmäßige Kultur ge-
nommen war. Freilich stammen die zur Zeit der Entdeckung
angebauten Gewächse (Mais, Bohnen, Bataten, Baumwolle,
Tabak, Tomate, Agaven und andere Faserpflanzen u. S. w.)
wohl nicht alle aus Mexico selbst, sondern sie dürften zum Teil
aus anderen Ländern eingeführt worden sein.

6. Tierwelt.

Wie die Pflanzenwelt in den feuchten Waldgebieten der Ge-
birgshänge und Niederungen vorzugsweise mittelamerikanischen
Charakter hat, während sie auf dem trockenen Hochland trotz
starker Eigenart sich doch mehr an die der nordamerikanischen
Felsengebirgszone anschließt, so zeigt auch die Tierwelt

152
Anhang.

Mehrere Bahnen gehen von der Hauptstadt Toluca aus.

Der Staat Michoacän, 60.083 km? mit 985.654 Einwohnern (1577
pro km”), reicht von der Südseeküste und den Ufern des Rio Mexcala oder
Balsas weit ins Innere des mexicanischen Blocks hinein. In seinem Gebiet
liegt der Vulkan Jorullo, berühmt durch den auch von Humboldt be-
Sschriebenen Ausbruch von 1759, Das Gebiet ist sehr gebirgig und bietet
darum eine große klimatische Mannigfaltigkeit. Die Hauptstadt Morelis
in 19° 42’ n. Br., 1933 m ü. M. 40.042 Einwohner), hat ein Jahresmittel von
168° C (Mai 198, Dezember 139), Huetamo in 18° 34’ n. Br., 427m ü. M,,
aber im Jahr 277°C (Juni 30:9, Dezember 22:2). Der Regenfall ist ja
nach der Lage zu den Winden sehr verschieden: Morelia 591mm (Juli
124°6, März 2'7), Huetamo 872 mm (September 2027, Januar bis März 0),
Uruäpan in 19° 25’ n, Br., 1684 m ü. M. (10.000 Einwohner), Jahresnieder-
schlag 2096 mm (September 4490, Januar und Februar 0). Der größte
Teil des Staates entwässert zum Rio Balsas; der Rio Lerma bildet eine
Strecke weit die Nordgrenze. Nicht selten sind Wasserfälle. Eine Anzahl
großer Seen schmücken das Land, darunter der schöne See von
Pätzeuaro.

Der Bergbau ergab 1924 2750 kg Gold, 93.346 kg Silber, 1,333.353 kg
Blei und 188.705 kg Kupfer.

Der private Landbesitz gehörte 1910 4518 Personen; 973% der länd-
lichen Familien waren ohne Grundbesitz; 1915—1923 hat die Regierung
832 (von den 88) Gemeinden des Staates Ejidos gegeben. Die Landwirt-
schaft erzeugt mehr, als der Staat bedarf; außer den gewöhnlichen Feld-
früchten wären zu nennen Weizen (1924: 32.522 t), Hafer, Pulque (1923:
2463 Faß), Reis, Zucker, Tabak, Indigo, Baumwolle, Sesam. Der Vieh-
stand war 1924: 186.581 Rinder, 17.090 Pferde, 4635 Maultiere, 40.306
Schweine, 91.406 Schafe und 28.122 Ziegen.

Die Industrie ist sehr wenig entwickelt, zeigt aber 4 Baumwoll-
spinnereien und -webereien (davon 2 tätig), Mühlen, Hut- und Umschlag-
tücherfabriken.

Die Entwicklung des Staates leidet am Mangel guter Verkehrswege,
da nur im nördlichen Teil des Gebiets einige Bahnen bestehen. Einen
eigenen Hafen von Bedeutung hat der Staat nicht.

Der Staat Morelos, am Südrand des südlichen Hochlands gelegen,
hat 4964 km” Fläche mit (1921) 108.519 Einwohnern (20:85 pro km?). Der
Staat reicht vom kalten bis zum warmen Höhengürtel herab. In der Haupt-
stadt Cuernaväca (7100 Einwohner), in 18° 55’ n. Br., 1540m ü. M.
gelegen, ist die mittlere Jahreswärme 20'2°C (Mai 229, Dezember 181),
der Regenfall 972 mm (Juli 241°0, Januar 1'2). Die günstigen Wärme- und
Regenverhältnisse hatten in Verbindung mit dem guten Boden den Staat
zu einem reichen Zuckergebiet gemacht; durch die Revolutionen ist er
aber an Einwohnerzahl, an landwirtschaftlichem. Bestand am meisten von
allen mexicanischen Staaten heruntergekommen. Freilich waren auch die

38

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

so begreift man, daß in einzelnen Gegenden, wo tiefgründige
vulkanische oder alluviale Böden mit hohem Nährsalzgehalt
vorhanden sind, eine längere Reihe von Jahren der Anbau auf
demselben Grundstück möglich war, während in Gebieten mit
dürftigerem Boden häufig gewechselt werden mußte und der
Boden sich rasch erschöpfte. Man versteht nun auch eher, warum
sinerseits als Grund von Stammeswanderungen oft Hungersnot
(meist Folge von Bodenerschöpfung) genannt wurde und warum
anderseits die Gebiete des fruchtbaren tiefgründigen vulkani-
schen Bodens, wie die den Vulkanen zunächst gelegenen Hoch-
ebenen, ein Volk nach dem anderen zur Besiedlung reizten und,
soweit die Geschichte ein Urteil gestattet, bis zur Gegenwart
immer am dichtesten bevölkert gewesen sind. Ganz im allge-
meinen sind die offenen Landschaften, weil sie der Rodung
geringere Schwierigkeit in den Weg stellen und die dortigen
Felder weniger von Unkrautwachstum belästigt werden, stets
dichter bevölkert gewesen als die Urwaldgebiete — wenn die
Befeuchtung für Ackerbau hinreichend günstig war, während
allerdings die allzu trockenen Gebiete, soweit auch Wasser für
Bewässerungszwecke nicht genügend vorhanden war, allezeit
sehr geringe Volksdichte gezeigt haben müssen. Die vulkani-
schen Hochlandgebiete würden aber noch eine wesentlich
dichtere Bevölkerung haben ernähren können, wenn das Klima
dort wärmer wäre: im heißen Tiefland beschränkt sich nämlich
die Vegetationsperiode des Maises auf 3—3'/, Monate, so daß
(theoretisch wenigstens!) bei Anwendung künstlicher Bewässe-
rung drei Ernten im Jahre vom gleichen Grundstück möglich
wären; im Hochland aber muß man sich gewöhnlich mit einer
einzigen Ernte begnügen und in feuchteren Gegenden, wo häufige
Nebel die Sonnenwirkung herabsetzen, dauert die Vegetations-
periode des Maises nahe seiner oberen Kulturgrenze sogar oft
über 10 Monate.

Das altgerodete Land war Gemeineigentum der calpulli
(chinancalli) bei den Mexicanern, jedoch blieben die einzelnen
Parzellen innerhalb der besitzenden Familien in der Weise erb-
lich, daß ein Vater bei seinem Tode das Grundstück unter seine
Söhne verteilen konnte. War das Landstück zur Ernährung aller

MEXICO

Landwirtschaft.

95

schaftszweig stark beteiligt, obgleich bei weitem nicht so stark
wie im benachbarten Guatemala. 1924 wurde die Kaffeeproduk-
tion auf 89.986 t angegeben, wovon die Hauptmenge auf die
Staaten Chiapas und Veracruz, kleinere auf Oaxäca, S. Luis
Potosi, Puebla, Colima, Nayarit kamen; die tropischen Tiefland-
staaten sowie die kalten Regionen produzieren keinen Kaffee.
(Ausfuhr 1924: 18.000 t im Wert von 15,147.000 Pesos, aber
auch Einfuhr von 1986 t = 1,174.000 Pesos. Die Kaffee-Erzeu-
gung liegt in Chiapas, Colima und Nayarit vorwiegend in deut-
schen Händen.)

Der Kakao kommt in den feuchtwarmen Urwaldregionen
zerstreut wild vor, ist aber schon lange vor der Ankunft der
Spanier in Kultur genommen worden und wird bis zur Höhe von
etwa 600m hinauf im regenfeuchten Tropenland angebaut,
freilich in zu geringer Menge für den Konsum des Landes, als
daß nicht noch Einfuhr‘) notwendig wäre. Der feinste Kakao
des Landes wächst in Soconusco (im südlichen Chiapas), aber
der Anbau ist daselbst minimal. Die Hauptpflanzungen befinden
sich in den feuchten Golfniederungen von Tabasco, Nordchiapas
und Veracruz.

Der Tabak ist gleich dem Kakao schon in vorkolumbi-
scher Zeit angebaut worden und wurde auch in den ersten zwei
Jahrhunderten der Kolonialzeit ungehindert weiter gebaut, bis
1764 die spanische Krone das Recht des Tabakverkaufs bean-
spruchte und die Kultur auf die Distrikte von Orizaba, Cördoba,
Huatusco und Zongolica beschränkte. Mit der spanischen Herr-
schaft hörte diese Beschränkung wieder auf, aber erst 1868
wurde durch Fremde, namentlich Kubaner, die Tabakkultur in
großem Maßstab mit Sachverständnis begonnen; es wurden so
bemerkenswerte Erfolge erzielt, daß mexicanischer Tabak einen
trefflichen Namen gewann und nunmehr in bedeutenden Mengen
ausgeführt wird. Den besten Tabak erzeugt der Staat Veracruz
(besonders in den Distrikten von Cördoba, Papantla und Tuxtla);
bedeutende Mengen, aber geringere Sorten erzeugen die Staaten
Chiapas, Nayarit und Jalisco. Obere Verbreitungsgrenze in

ı) Einfuhr 1924: 1128 t — 598.000 Pesos.

98

Die einzelnen Wirtschaftszweige etc.

größerem Maßstabe in Kultur genommen worden. Am meisten
Aufmerksamkeit hat bisher die Sisalhanf (Henequen) lie-
fernde Agave rigida gefunden, die auf der Halbinsel Yucatän
heimisch ist und dort in ausgedehntestem Maßstab in die Kultur
genommen worden ist, so daß die Erzeugung (1923: 123.185 t)
mit Ausnahme kleinerer Posten anderer Staaten sich lediglich
auf die Gebiete dieser Halbinsel verteilt. Der Henequen hat,
nachdem 1860 seine Kultur in großem Maßstab begonnen hat,
diese sonst von der Natur so wenig‘ begünstigte Halbinsel zu
einem der wichtigsten Wirtschaftsgebiete Mexicos gemacht. Die
Henequenpflanzungen sind zumeist in Händen von Mexicanern;
die Gewinnung der Fasern erfolgt größtenteils in rationeller
Weise mit nordamerikanischen Maschinen verschiedener Systeme.
(Ausfuhr 1924: 99.052 t — 21-1 Millionen Pesos.)

Weniger Bedeutung für die Ausfuhr, aber größere für den
heimischen Bedarf haben verschiedene Maguey arten der
trockeneren Gebiete des Landes, teils wegen ihrer Fasern, so
namentlich Ixtle und Lechuguilla*), teils wegen ihrer
Säfte, die, unfermentiert oder wenig fermentiert, als Pulq u e”)
das Nationalgetränk der Mexicaner abgehen oder — von anderen
Arten gewonnen — destilliert gute Branntweinsorten liefern,
so Mezcal und den feinen Tequila.

Pita (Bromelia silvestris), Ramie und andere Faserpflanzen
haben bisher wenig Aufmerksamkeit gefunden, zum Teil wegen
Mangels einfacher maschineller Isolierungsmethoden der Fasern.

Recht hoch entwickelt ist der Blumen-undGemüse-
bau in der Nähe der größeren Städte, vor allem der Hauptstadt
(Xochimilco). Neuerdings werden aber — namentlich in den
nordwestlichen Staaten — Tomaten, Aguacates, Orangen,
1) Ausfuhr 1924: 21.217 t — 4a Millionen Pesos.

% Die Pulqueagaven werden im Hochland von Mexico feldmäßig
gezogen. Wenn sich der Blütenschaft zeigt, so schneidet man die Gipfel-
knospe heraus und entnimmt der Höhlung während einiger Monate täglich
mehrmals den sich ansammelnden zuckerreichen Saft, der nach der Gärung
in ledernen Schläuchen den Pulque liefert. 1923 wurden 1,176.000 Faß zu
9501 gewonnen; davon stammte fast die Hälfte aus dem Staat Hidalgo
(497.000 Faß), je !a aus Tjaxcala und Mexico (290.000 und 263.000);
kleinere Mengen aus Puebla, Veracruz u. a.

Wirtschaftliche Ausnutzung ete.

81

Mahagoni- und Zedernholz, die in großen Mengen in den Urwald-
gebieten von Campeche, Tabasco, Chiapas, Nayarit und Vera-
cruz, aber auch Queretaro, Puebla und anderen Staaten ge-
schlagen werden, ferner Ebenholz (besonders in Nuevo Leön),
dann Farbhölzer, wie Blauholz (besonders in Quintana Roo,
Campeche, Queretaro, Tabasco), Gelbholz (Mora, besonders in
Veracruz und Sinaloa), Brasilholz (besonders in. Chiapas, Sinaloa
und Michoacän) und anderes mehr, Von Waldprodukten sind
die wichtigsten Kautschuk, von Castilloa elastica in den regen-
feuchten Tropenwäldern!), Kaugummi?) (Chiele), von Chico-
sapote, sowie Arzneipflanzen (wie Sarsaparilla®), Jalapawurzeln*),
Vanilleschoten,

Es ist kein Zweifel, daß Holzfällereien und das Sammeln
der verschiedenen Urwaldprodukte noch immer guten Gewinn
bringen können. Aber die leicht erreichbaren Bestände sind
schon großenteils ausgenutzt, Nachwuchs erfolgt langsam oder,
wie beim Kautschukbaum, vielfach überhaupt nicht mehr in
größerem Maßstab, so daß in absehbarer Zeit ein wesent-
licher Rückgang der Produktion erwartet werden kann.
Trotzdem möchte ich eine Beteiligung an diesem Geschäft,
von dem sich die Deutschen noch ziemlich fernhalten, für
empfehlenswert halten — aber auch hier wieder Vorsicht an-
raten, denn die größeren noch vorhandenen Mahagoni- und
Zedernbestände sind oft sehr entlegen, weshalb beim Herab-
fößen zuweilen ein ansehnlicher Teil der geschlagenen Stämme
verloren geht oder die Flüßchen, bis zu denen die Stämme ge-
schleppt worden sind, manchmal in der Regenzeit nicht
genügend anschwellen, um flößbar zu werden, so daß dann die
Stämme ein oder zwei Jahre liegen bleiben, ehe sie abgeflößt
werden können. Blauholz ist zu schwer, um selbst zu schwimmen,
und muß daher auf dem Rücken von Maultieren oder in Booten
verschickt werden. Ausgedehnte Blauholzbestände des süd-

*) Ausfuhr von Kautschuk und Guayuleharz 1923/24 950.380 Pesos.
*) Ausfuhr 1923/24 31/4 Millionen Pesos, vorwiegend von der Halb-
insel Yucatän.
3) Ausfuhr 1923/24 86.118 Pesos.
*) Ausfuhr 1923/24 116.684 Pasos.
Sapper, Mexico.

Tabellen.

129

Tabelle VIH.
Schweinebestand in Mexico 1924.

Staaten

Aguascalientes
Baja California .
Campeche . .
Coahuila. . .
Colima ...
Chiapas . ..
Chihuähua . . .
Distrito Federal
Durango. . .
Guanajuäto
Guerrero
Hidalgo .
Jalisco
Mexico .
Morelos . .
Michoacän .
Nayarit ..
Nuevo Leön .
Oaxäca .
Puebla ..
Queretaro . ..
San Luis Potosi
Sinaloa . .
Sonora .
Tabasco . .
Tamaulipas
Tlaxcäla ‚
Veracruz
Yucatän .
Zacatecas
Republik

Bestand

Änderung
seit 1902
in Prozenten

% pro 1000 Ein-
Schwein wohner von 1921
Pro km (abgerundet!)
11.301 4129

4.787 A121

2.415 + 45

6.825 + 220

7.346 + 29

26.050 + 39

23,037 + 31

3.357 + 389

20.465 — 56

34.290 49:3

44.612 + 5

52,888 + 200

124.487 + 627 3

27.706 +108 1

1.362 — 1 0:2

10.306 — 448 0:67

14.220 — 836 0:52

18.667 + 127 0:28

54.606(?) 411835(?) 057

46.437 +185 L

9.553 + 98 0:83

23.538 E28 0:37 .
4.956 } 778 0:08 3
4.668 + 58 0:02 17
14.048 25 0:55 79
10.906 24:4 0:13 38
3.291 16:6 3 84
30.381 + 91 0:42 26
3,352 + 168 0:21 26
23.453 A 17:4 0:32 89
759.600 A 288 0:39 58

105
75
34
17
80
62
57

Sapper, Mexico.

Abb..11. Tampico. Bohrtürme auf einem neuen Ölfeld bei Mendez.
Photo Prof. Jäger, Berlin.

Abb. 12. Kohlenbrenner.
Photo Hugo Brehme.

14

Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

schaften das ganze gegenwärtige Staatsgebiet unter spanischer
Herrschaft nebst weiten Länderstrecken im Norden, die erst
um die Mitte des 19. Jahrhunderts von Mexico losgetrennt
worden sind. Durch die Spanier ist das Wirtschaftsleben Mexicos
(Neuspaniens) mit einem Male wesentlich verändert worden,
zugleich aber auch die gesamte staatliche Organisation. Anfangs
freilich blieben die altindianischen ‚Staatseinrichtungen und
Staatsoberhäupter unter spanischer ;Oberhoheit erhalten; aber
bald hörte diese Scheinherrschaft /auf, und die unmittelbare
spanische Verwaltung erstreckte sich nun über das ganze Land.
Die Teilnehmer an den Eroberungszügen und andere einfluß-
reiche Spanier, Laien wie Prälaten, erhielten große Länder-
Striche zugewiesen (Encomiendas oder Repartimientos), deren
Bewohner nun den neuen Herren fronpflichtig wurden. Sie
wurden stark ausgenutzt, bis schließlich im 18. Jahrhundert
diese Lehen nicht mehr erneuert wurden und so allmählich als
solche aufhörten. Aber auch damit hatten. die Indianer noch
keine wesentlich günstigere Stellung erlangt, denn sie blieben
selbst nach den Reformen am Ende des 18. Jahrhunderts vor dem
Gesetz in einer gewissen Unmündigkeit; sie lebten auf dem Land,
von den Weißen getrennt, in besonderen Dörfern, in tiefster
Unwissenheit, bearbeiteten gemeinsam das ihnen zugeteilte
Land und waren im übrigen, durch Vorschüsse verpflichtet, die
Arbeiter ihrer Herren in deren landwirtschaftlichen und berg-
baulichen Unternehmungen. An den Segnungen der europäi-
schen Zivilisation hatten sie kaum einen nennenswerten Anteil;

wohl hatten sie von den Europäern manche der eingeführten
Nutzpflanzen, Nutztiere und Geräte übernommen und. damit in

mancher Hinsicht ihre Lebensweise etwas verbessert, aber ander-

seits hatten sie auch manches Schlimme von den Europäern

überkommen (Krankheiten, Branntwein) und ferner fast alles,

was sie an höherer Kultur (Wissenschaft, Kunst, Technik)

besessen hatten, allmählich eingebüßt, so daß ihr Kulturstand

unter der spanischen Herrschaft viel tiefer stand als zuvor. Sie

waren zwar dem Namen nach Christen geworden, pflegten aber
zroßenteils heidnischen Glauben und heidnische Gebräuche
Janeben weiter.

Inhaltsverzeichnis.

Vorwort zur 2. Auflage

IL. Die Natur des Landes.
1. Bau und Oberflächengestaltung .
2. Bodenbeschaffenheit ...
3. Klima .....
4. Hydrographie
5. Pflanzenwelt
6. Tierwelt _

Seite
T

93
5
9
%
J

I. Wirtschaftsgeschichtliche Skizze.

1. Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft vor der Ankunft der
Europäer. . ee MM
Mexicanische Wirtschaft unter der spanischen Kolonialherr-
Schafft RR ai. BB

3. Mexicanische Bevölkerung und Wirtschaft unter republikani-
scher Verwaltung bis 1911 .......- ‚0.0. 51

4. Die neueste Zeit (seit 1911) 62
II. Die einzelnen Wirtschaftszweige in der Gegenwart.

1. Bergbau ............ ......... 69

2. Wirtschaftliche Ausnutzung der wilden Pflanzen- und Tier-
welt 0. ..0000000

3. Landwirtschaft .

4. Industrie. .

5. Verkehr .

6. Handel .

7. Tabellen

78

83
105
110
114
120
137

Wichtigste benutzte Literatur

+ Anhang.
Alphabetisches Verzeichnis der Staaten und Territorien ..... .141
Verzeichnis der Abbildungen . . 165

Landwirtschaft.

89

günstigung der Einführung moderner Pflüge und Ernte-
maschinen u. dgl. Infolge dieser Anstrengungen der Regierung,
die sich neuerdings verstärkt haben, und infolge privater Initia-
tive’) ist denn auch in letzter Zeit ein wesentlicher Fortschritt
festzustellen gewesen, wenngleich in weiten Gebieten alles beim
alten blieb und die indianische Pflanzmethode des einfachen
Abbrennens und späteren Säens mittels Pflanzstöcken neben der
Bearbeitung mit Hacken und primitivem spanischen Pflug
immer noch weit mehr Anwendung findet als fortgeschrittenere
Kulturmethoden. Es ist aber nur gerecht, hier hervorzuheben,
daß die alten Methoden an bestimmten Stellen auch durchaus
genügen; ja an steilen Hängen oder in sehr steinigem Boden
wird die indianische Pflanzmethode wohl immer die beste oder
gar einzig mögliche sein. In den feuchten Tropen ist selbst bei
tiefgründigem Boden die Benutzung von Pflügen nicht immer
zu empfehlen, weil die tiefergehende Bodenbearbeitung hier
unter Umständen Malaria hervorrufen kann, die bei seichter
Bearbeitung mit Hacken fehlte.

Im allgemeinen stehen die Methoden der tropischen Agri-
kultur in Mexico auf einer wesentlich höheren Stufe als die des
Mais- und Getreidebaues, wohl hauptsächlich deshalb, weil sich
bei ersteren der fortschrittliche Einfluß von Nord- und Mittel-
guropäern sowie Nordamerikanern häufiger und energischer
geltend macht als bei letzteren, die hauptsächlich von Mexi-
canern, auch wohl von Spaniern betrieben werden. Eine Haupt-
ursache für die langsamen Fortschritte der meisten Zweige der
Landwirtschaft besteht ferner darin, daß Europäer in den aller-
meisten Gegenden aus klimatischen Gründen nicht selbst die
Feldarbeiten verrichten können, sondern auf farbige Arbeiter
angewiesen sind, die, seien es nun Mestizen, Indianer oder
Neger, in den meisten ihrer Leistungen minderwertig zu sein

. ‘) Erwähnt seien hier die Arbeiten zweier wissenschaftlich durch-
gebildeter deutscher Landwirte, der Herren Petersen in Amalücan bei
Puebla, die durch die Tat gezeigt haben, daß allein schon eine sorgfältig
durchgeführte Saatzucht im Weizenbau die Ernteergebnisse ganz erheblich
zu verbessern vermag.

Pflanzenwelt.

2U

5. Pflanzenwelt.
Dank der außerordentlich großen Verschiedenheit der
Klima- und Bodenbedingungen ist auch der Charakter der
Pflanzendecke in den einzelnen Teilen des Landes ungemein
verschiedenartig. Während an heißen Meeresküsten innerhalb
des Bereichs salzhaltigen Wassers sich ausgedehnte Mangrove-
wälder ausbreiten, sind die regenfeuchten atlantischen sowie die
südlichen pazifischen Gebirgsabdachungen mit mehr oder
weniger üppigen Urwäldern bestanden, die sich aus zahlreichen
verschiedenen Arten von Laubbäumen zusammensetzen und
viele Palmen, Farnbäume, Bambusen, Lianen und Epiphyten
nebst üppigem Unterholz beherbergen. (An Stelle dieser Ur-
wälder treten in den Überschwemmungsgebieten von Tabasco
vielfach Fluren hochwüchsigen frischen Grases mit ein-
gestreuten Waldgruppen.) Eine ganze Reihe wertvoller Nutz-
gewächse gibt den Urwäldern eine ansehnliche Bedeutung. Die
wichtigsten dieser Nutzgewächse sind der Mahagoni (Swietenia
Mahagoni), die amerikanische Zeder (Cedrela sp.), der Chico-
sapotebaum (Achras Sapota), der Kakaobaum (Theobroma
Cacao), der Kautschukbaum (Castilloa elastica), Brasilholz
(Caesalpinia sp.), Campecheholz (Haematoxylon campechianum),
die Vanille, die (von Smilaxarten gewonnene) Sarsaparille u. a.

In den höheren Bergregionen ändert sich allmählich der
Charakter des Waldes. Palmen, Farnbäume und sonstige echte
Tropengewächse verschwinden, Eichen und andere dem
kühleren Klima angepaßte Laubbäume treten an ihre Stelle, in
höheren Lagen selbst Koniferen; Epiphyten und Lianen werden
spärlicher; Moos und Bartflechten siedeln sich an Stamm und
Ästen an. Bei 3250 m Höhe hört in den Tropen der geschlossene
Laubwald auf, einzelne Laubbäume kommen zwischen Tannen
und Kiefern (Abies religiosa, Pinus Montezumae u. a.) noch bis
etwa 3650 m vor, höher hinauf sind Koniferen die einzigen
Bäume und in etwa 4000 m Höhe machen sie Grasfiuren oder
zerstreuten Kräutern und Sträuchern Platz, bis an der Grenze
des ewigen Schnees bei etwa 4500 m Höhe das Phanerogamen-
leben aufhört.

Alphabetisches Verzeichnis. 163
ebenso der jetzt fast verödete Freihafen Puerto Mexico (Coat-
z0c0o3alcos) am Ende der einst bedeutenden Tehuantepecbahn.

Yucatän, Der an altindianischen Ruinenplätzen sehr reiche Staat,
ler ursprünglich die ganze Halbinsel gleichen Namens umfaßte, nimmt
jetzt nur mehr den Norden derselben ein: 38.508 km? mit 358.221 Ein-
wohnern 1921 (9°8 pro km”). Da die höchsten Erhebungen höchstens 200 m
zrreichen, so herrscht allenthalben tropisches Tieflandklima. Der Regen-
fall ist mäßig bis gering: Merida (20° 58’ n. Br., 22m ü. M.) 808 mm im
Jahr (August 1682, April 2°3), Tizimin (21° 10’ n. Br.) 1048 mm (August
1706, März 49), El Progreso (21° 17’ n. Br., 14m) 4083 mm (August 74'7,
April 1'9). Das Jahresmittel der Temperatur beträgt in Merida 258° C
‘Mai 289, Januar 220). Durch gelegentliche Einbrüche von Nordwinden
wird aber, wie in den übrigen Golfstaaten, die Temperatur oft für kurze
Zeit erheblich herabgesetzt. Trinkwasser gewinnt man vielfach durch Auf-
sammeln von Regenwasser in Zisternen,

Bei der Karstnatur des Landes fehlen oberirdische Flüsse; unter-
irdische sind durch Höhlen oder Brunnenbohrungen nutzbar. Dank der
Trockenheit des Klimas herrschen überall Gras- und Strauchsteppen oder
Trockenwälder.

Bergbau fehlt. Seesalz wird an der Küste gewonnen. 1910 teilten
sich 1806 Eigentümer in den Besitz des Privatlandes, während 964% der
ländlichen Familienväter besitzlos waren, 1915—1923 wurden 22 von den
50 Gemeinden Ejidos zugesprochen. Die Landwirtschaft, erzeugt außer den
gewöhnlichen Feldfrüchten des Tieflandes viel Zuckerrohr und vor allem
Sisalhanf, ist doch der Staat das Haupterzeugungsgebiet dieses ge-
schätzten Faserstoffs. Der Viehstand wies 1924 71.546 Rinder, 7357 Pferde,
5187 Maultiere, 8352 Schweine, 266 Schafe und 1200 Ziegen auf.

Die Industrie umfaßt außer den Aufbereitungswerken für Zucker und
Sisalhanf kleinere Fabriken (Brauerei, Seifen-, Schokolade-, Tabak-
fabriken, Seilereien); Heimarbeit: schöne große Hängematten.

Ausfuhr: vorwiegend Sisalhanf, etwas Salz, Kaugummi, Holz, Reh-
"elle. Häute.,
Von der Hauptstadt Merida (62.400 E.) gehen mehrere Bahnlinien
aus und erschließen den Staat. Der Haupthafen ist Progreso (5000 Ein-
wohner), während der ältere Hafen Sisal bedeutungslos geworden ist.

Der Hochlandstaat Zacate&cas umfaßt 72.843 km? Fläche mit
1921) 379.329 Einwohnern (521 pro km”). Der Norden ist weithin eben,
der Rest sehr gebirgig. In der Hauptstadt Zacatecas (Bergwerksstadt
von 26.000 Einwohnern, in 22° 47’ n. Br., 2487 m ü. M.) ist die Mittel-
temperatur des Jahres 13:6°C (Mai 167, Januar 10°8), der mittlere Regen-
fall in Nochistlan (1980m ü. M.. 21° 29’ n. Br.) 874 mm!) (Juli 13886.

) Im Hochland ist der Niederschlag aber sicherlich wesentlich größer.

mehrung am ehesten dem Bedürfnis nach Fleischnahrung der
Bevölkerung in kurzer Zeit zu genügen.

Betrachtet man die Tabellen des Anhangs im einzelnen, so
erkennt man, daß die Viehverluste ebenso wie der Menschen-
rückgang in den verschiedenen Staaten ganz verschieden stark
waren, wie denn die Revolution auch da und dort einen ganz
besonderen, sonst nicht wieder vorkommenden Charakter an-
nahm. Unter allen Staaten hat am meisten der Staat Morelos
gelitten, wo allerdings auch der Gegensatz der unteren indiani-
schen Klasse gegenüber den vorwiegend spanischen (bzw. kata-
lonischen) Grundbesitzern besonders schroff gewesen ist. In
diesem Staat hat sich die Bevölkerung von 1910—1921 um
12:4% vermindert, der Rinderstand um 983:7%, der Pferde-
bestand um 687%, der Maultierbestand um 90:5, der Schweine-
bestand um 71:1, der Schafbestand um 81°5 und der Ziegen-
bestand um 684% — ein erschütterndes Bild, das allerdings
in solcher Furchtbarkeit nirgends wieder auftaucht. Immerhin
gibt es eine große Zahl von Staaten, die ebenfalls sehr schwer
gelitten haben, und wenn man ein Gesamtbild sich zu machen
sucht, so erkennt man, daß die mittleren Staaten im allgemeinen
am meisten Verluste hatten, während nach außen hin die Schäden
im Durchschnitt abnehmen und manche Randgebiete nach
Menschen- und Tierbestand sogar Zunahme erkennen lassen. Wo
aber gelegentlich auch Binnenstaaten eine Zunahme erfuhren (so
z. B. der Staat Mexico im Rinder- und Schweinebestand mit
+10:0 bzw. 108%, da erklärt es sich aus dem geringen
Risiko des Absatzes angesichts des starken Fleischbedarfs der
Hauptstadt Mexico; oder aber es konnte vorkommen, daß ein
Staat sich systematisch der Aufzucht einer Haustiergattung
widmete, wie Tamaulipas und Oaxäca der Maultierzucht
(+246:7 und +128‘8%) oder der Schweinezucht (Oaxäca
+1135% und Sinaloa +778%). Anderseits darf man sich beim
ersten Betrachten der Listen auch nicht von hohen Prozent-
zahlen der Zunahme täuschen lassen, denn wenn wir z. B. sehen,
daß Campeche eine riesige Zunahme seines Schafbestandes auf-
weist, so bedeutet das praktisch für den Schafbestand des
Landes gar nichts, weil die Zahl der Schafe in jenem Staat um

LO4 Die einzelnen Wirtschaftszweige ete.

Handel.

119
Frieden in das schwer heimgesuchte Land zurückgekehrt sein
werden. Dann werden auch wieder bessere Möglichkeiten für
lie Ansiedlung deutscher Kaufleute, Pflanzer, Ingenieure und
Industriellen gegeben sein und wenn diese festwurzeln, So
werden sie auch den deutschen Handel zu heben wissen, denn
der Deutsche im Ausland ist der zuvyverlässigste
Pionierund Mehrer des deutschen Handels, da
er immer seinen Bedarf aus der alten Heimat zu beziehen pflegt,
sofern nicht Dringlichkeit der Zeit oder sonstige zwingende
Gründe ihn bewegen, die Einfuhr aus anderen Ländern zu be-
Lätigen.

146

Anhang.

den Einfällen und Raubzügen der Apachen und Comanchen, bis ihre
Internierung in Reservationen in den Vereinigten Staaten und gemein-
same, Verfolgung beider Regierungen die Indianer unschädlich machte
(1890).

Der Bergbau lieferte 1924: 1724 kg Gold, 552.087 kg Silber,
92,215.950 kg Blei und 2,226.597 kg Kupfer. 1910 besaßen 2883 Personen
den ganzen privaten Landbesitz, während 955% der ländlichen Familien
keinen Grund ihr eigen nennen konnten. Die Regierung verlieh 30 (von
den 65) Gemeinden Ejidos, Im Winter wird die Jagd auf wilde Enten und
Gänse wichtig.

Die Landwirtschaft leidet vielfach unter dem ungenügenden Regen-
fall; künstliche Bewässerung, zum Teil durch artesische Brunnen, ist nur
auf mäßigen Flächen möglich. Die Flußufergebiete und Stellen, wo sich
während der Regenzeit Wasser anzusammeln pflegt, sind fruchtbar. Unter
den Feldfrüchten spielt Weizen eine große Rolle (Erzeugung 1924:
31.441 t); Gerste, Mais, Kichererbsen, Baumwolle (1923: 368 t), spani-
scher Pfeffer, Zucker. Tabak und Weintrauben werden gleichfalls
angebaut. Der wichtigste Zweig der Landwirtschaft ist die Viehzucht.
An Rindern zählte man 1924: 120.230, an Pferden 6850, an Maultieren
4870, an Schweinen 28.037, an Schafen 10.650; an Ziegen 43.850.

Die Industrie weist eine Schmelzhütte in Chihuähua-Stadt auf, die
1924 988 kg Gold, 295.782 kg Silber, 47,552.059 kg Blei und 628.390 kg
Kupfer lieferte, außerdem eine Baumwollspinnerei und -weberei, eine
Brauerei und Mühle,

Mehrere Bahnen durchziehen den Staat, dessen Handel naturgemäß
hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten gerichtet ist,

Der Handel in der Hauptstadt ist sehr rege. Die einst stille kleine
Grenzstadt Ciudad Juarez am Rio Grande (7000 Einwohner) ist seit
Trockenlegung der Vereinigten Staaten ein lautes Trinkernest geworden.

Der Staat Coahuila, vor 1788 Nueva Vizcaya genannt, 150.395 km?,
mit 394.341 Einwohnern (262 pro km”), litt ehedem viel unter den
Apachenhorden (endgültig beruhigt erst 1884). Neben ebenen Flächen
sind im Osten Ausläufer der Sierra Madre oriental von Bedeutung. Das
Klima ist entsprechend den sehr verschiedenen Höhenlagen von Ort zu
Ort oft stark verschieden, überall starke Unterschiede zwischen Sommer
und Winter aufweisend. In der Hauptstadt Saltillo (40.000 E.) in 25° 26’
n. Br., 1609m ü. M., ist die mittlere Jahrestemperatur 169° C (Juni 21:8,
Dezember 12‘4), dagegen in Progreso in 27° 25’ n. Br., 290m ü. M., 22:2
Juni 301, Dezember 13°2) oder in Pärras in 25° 30’ n. Br., 1520 m ü. M.,
18‘5°C (Juli 227, Dezember 12‘5). Der mittlere Regenfall beträgt in
Saltillo nur 341 mm (August 94:6, Januar 0°4), in Progreso 293 (Juli 722,
Februar 1°2), in Pärras 261 (Juli 672, Januar und Februar 0). Der größte
Teil des Staates entwässert zum Rio Grande, Im inneren südwestlichen
Becken enden der Aguanaval und der Rio Nazas in Endseen (Laguna