12 menschliche Bedürfnisse durch Verwendung dauerhafter Güter zu befriedigen, abgeschnitten. Die betreffende Nachfrage nach. Kapitaldisposition ist also stark zusammengepreßt, be- sitzt eine bedeutende Elastizität. Es ist immer sozusagen ein Fonds von latenten Möglichkeiten nützlicher Verwendungen von Kapitaldisposition zwecks Ausnutzung dauerhafter Güter vorhanden“!). Wenn man außerdem noch bedenkt, daß jede Senkung des Zinsfußes die Substitution von Kapitaldisposition gegenüber den beiden anderen elementaren Produktionsfaktoren Arbeit und Boden, die vor allem in der Anwendung von festem Realkapital zwecks Ausnutzung der Fortschritte der Technik beruht, fördert?), daneben auch noch die allerdings wesentlich geringere Nachfrage nach Kapitaldisposition, die von der Pro- duktion im engeren technischen Sinne, vom beweglichen Real- kapital ausgeht, berücksichtigt®), so sieht man ein, daß eine starke Senkung oder sogar ein Verschwinden des Zinses gänzlich unmöglich ist. Die Wirtschaft würde dadurch in ganz falsche Bahnen geleitet werden, die Gesellschaft würde sich, wie sich Cassel drastisch ausdrückt, „in einen Zustand zurückversetzt finden, wo die Menschen unter größten Anstrengungen und gleichzeitig größter Not ägyptische Pyramiden zur Erbauung kommender Jahrhunderte ausführten‘%. Das Angebot an Kapitaldisposition ist andererseits aus psychisch-physischen Gründen beschränkt®). Die einzelnen Gründe, die hier Cassel anführt, aufzuzählen, würde zu weit führen. Wir werden hierüber später im kritischen Teil, ebenso wie über die Behandlung des Konjunkturproblems und Cassels Anschauungen über das Verhältnis von Geld und Kapital — um die nötigen Wiederholungen möglichst zu beschränken — einige Bemerkungen einflechten. Nur soviel sei erwähnt, daß der Spargrad der Gesellschaft für Cassel mehr durch außer- ökonomische Momente, also weniger durch die Veränderungen des Zinsfußes beeinflußt wird, infolgedessen die Schwankungen 1) Cassel, Theorie, S. 202/03. . *) ebda., S. 206/10. ’) ebda., S. 210/11. *) ebda., S. 205. *) Die Überkonsumtion, also eigentlich auch ein Zweig der Nach- frage nach Kapitaldisposition, wird von Cassel als ein negatives Angebot aufgefaßt (Cassel, Theorie, S. 200, 212).