33 Wir erkennen, Böhm-Bawerks Zinstheorie, die dieser auf der These von der Mehrergiebigkeit der zeitraubenden Produktionsumwege aufbaut, trägt statischen Charakter, und zwar ist statisch hier in unserem Sinne gemeint. Der Unternehmer wird aus der im Gleichgewicht befindlichen Wirtschaft. nicht verbannt. Bei gegebenen Daten — Zahl der Arbeiter, Größe des nationalen Subsistenzmittelfonds und die Gestalt der Skala der Produktivität bei zunehmend längerer Produktionsperiode?) — muß, wenn Gleichgewicht herrschen soll, eine bestimmte Methode bei eindeutig bestimmtem Agio durchgeführt werden. Unsere Ansicht wird noch dadurch bestärkt, daß man nach Böhm-Bawerk immer mit der Kapitalinvestition die Isohypse der Mehrerträgnisse verfolgt, d. h. daß die Tendenz besteht, in allen Branchen, wenn auch mit durchschnittlich verschieden langen Produktionsperioden, den gleichen Kapitalgewinn zu erzielen”), Böhm-Bawerk hat daher recht, wenn er anläßlich der Kritik, der Schumpeterschen Zinstheorie — was er in seiner „Positiven Theorie“, wo eine ausdrückliche Scheidung in Statik und Dynamik fehlt, nicht tut — seine Zinserklärung als statisch hinstellt?). Nunmehr sind wir in der Lage, zu Schumpeters Einwänden gegen eine statische Erklärung der Zinserscheinung mit Hilfe des dritten Grundes Stellung zu nehmen. Schumpeter argumentiert: Im .Kreislaufe einer Volkswirtschaft, die mit gegebenen, im Gange befindlichen Prozessen arbeitet, „da kommt immer nur die_ergiebigere Produktionsmethode, die einmal eingeführt ist, in Frage, denn sie liefert auch für die Gegenwart mehr.Produ kte_als die weniger ergiebigere, wie man gleich sehen wird... Wenn die nötigen Mengen an Produktionsmitteln einmal vorhanden sind, wird Ohne jedes Wählen diese Methode immer wieder durchgeführt werden ,,. Ich mag wohl gegenwärtige Güter höher schätzen, wenn mir ihr Besitz mehr Güter als bisher für die Zukunft sichert, Ich werde das aber nicht mehr tun und meine Wertungen für Gegenwart und Zukunft müssen sich ausgleichen, wenn ich des ergiebigeren Güterstroms gewiß bin und ') Böhm-Bawerk, Posit. Theorie, S. 463. *) ebda., S. 466. :) Böhm-Bawerk, Eine „dynamische“ Theorie d. Kapitalzinses, S. 29. Aa