128 wie sie Cassel beschreibt, ausgelöst werden könnten. Aber sie sind nach Amonn keine notwendige Folge‘). Amonn ist insofern mit seinen Ausführungen gegenüber Cassel im Recht, als Cassel gerade von einem Punkt ausgeht, der es weniger wahrscheinlich macht, daß die Senkung des Zinsfußes seitens der Banken zu einer gesteigerten Realkapital- produktion führt. Aus Cassels Äußerungen muß man schließen, daß für ihn die gesteigerte Produktion von festem Realkapital erst dann einsetzt, wenn der Zinsfuß auf dem Markte für lang- fristige Darlehen, also auf dem Kapitalmarkte im Unterschiede zum Geldmarkte, gefallen ist. Cassel macht also die Annahme, daß, wenn das künstlich vermehrte Angebot an Kapitaldis- position auf dem Markte für langfristige Anlagen erscheint, die Erträge des Realkapitals sich nominell noch nicht geändert haben und infolgedessen, um das gesteigerte Angebot an Kapital- disposition unterbringen zu können, ein entsprechendes Fallen des Zinses auf dem Kapitalmarkte stattfinden muß, was neue Methoden rentabel macht. Die Voraussetzung, von der Cassel hier ausgeht, wird aber in den meisten Fällen nicht zutreffen. Vielmehr ist anzunehmen — aus Gründen, die ebenfalls mit der Herabsetzung des Bank- zinses zusammenhängen und die wir jetzt gleich besprechen werden — daß, ehe das vermehrte Angebot an Kapitaldisposition auf dem Markte für langfristige Anlagen erscheint, die Erträge des festen Realkapitals nominell, teilweise vielleicht auch schon real gestiegen sind. Cassels Ausführungen werden demnach vom Amonnschen Einwand getroffen. 1) Amonn, Cassels, System, S. 340. Auch bei Besprechung der Schumpeterschen Theorie, der Amonn bekanntlich in weitem Maße zustimmt, erkennt er an, daß die Ausgabe zusätzlicher Kaufkraft für die dynamische Entwicklung sehr wichtig ist, bemerkt aber auch, daß die Finanzierung mit Kreditgeld keine wesentliche Tatsache der dynamischen Entwicklung sei (Amonn, Die Probleme der wirtsch. Dynamik, Archiv f. Sozialwiss. u. Sozialpol., Bd. 38, Tübingen 1914, S, 105 Anm. 12). Diese Aussage ist sehr interessant. Denn man muß doch dann zum Schluß kommen, daß Amonn gar nicht die großen, modernen Aufschwungs- bewegungen, bei denen die Ausgabe zusätzlicher Kaufkraft eine Rolle spielt, im Auge hat, vielmehr der Zins für ihn dort entstanden ist, wo die Einführung einer neuen Methode die Aufnahme eines entsprechenden Kredites seitens des Unternehmers erforderte, Es handelt sich hier also deutlich um eine genetische Zinserklärung,