‘59 will doch allgemein gelten, sie wird mit Hilfe der Statik in der Fassung, wie sie bei Cassel und auch bei Böhm-Bawerk vorliegt, gewonnen, und Schumpeter leugnet bekanntlich hier das Vorhandensein des ersten Grundes nicht und über den zweiten Grund läßt sich eben streiten. Wenn man Schumpeters „Wesen“ studiert, so kann es allerdings so scheinen, als ob man nach Schumpeters Ansicht mit Hilfe der statischen Prämisse ebenfalls nur dann zu brauchbaren Resultaten gelangen kann, wenn man wie Kromphardt verfährt, indem man von vornherein die Produktionsperioden ausschaltet, also annimmt, daß die Produktions- umwege in der Statik sehr klein sind. Schumpeter äußert nämlich an einer Stelle, daß Böhm-Bawerks auf dem dritten Grunde aufgebaute Zinstheorie nicht statisch sei, da sie auf den Zeitablauf, auf lange Perioden Gewicht lege (Schumpeter, Wesen, 5, 412), die Statik aber, wie er oft wiederholt, nur für den Augenblick, nur für kurze Perioden „gilt‘ (Schum- peter, Wesen, S. 127/28, 397, 460/61). Unseres Erachtens liegt hier eine dialektische Täuschung vor. Wenn die Statik nur für den Augenblick „gilt“, d. h. wenn sie nur für eine kurze Periode ein genaues Bild der Wirk- lichkeit gibt, da sich hier ständig alles ändert, so ist doch deswegen nicht lie Annahme nötig, daß in der statischen Wirtschaft nur in ganz kurzen Perioden, eben in solchen Perioden, für die die Statik „gilt“, produziert wird, Da der Mensch nur räumlich denken kann, so stellt sich auch Schum- peter, wie wir oben zeigten, die statische Wirtschaft als eine stationäre Wirtschaft vor. Und man kann sich doch dann auch vorstellen, daß in lieser stationären Wirtschaft in weitausholenden Umwegen produziert wird, und versuchen, genereile Aussagen über den Einfluß dieser Tatsache auf die Verteilung des Sozialproduktes in einer solchen Wirtschaft zu machen. Daß man dann, wenn man die statische Methode auf konkrete Fälle anwendet, nur exakte Aussagen für kurze Perioden und deshalb auch nur für einen Ausschnitt aus einer solchen langen Produktionsperiode solche liefern kann, steht doch auf einem ganz anderen Blatt; denn das Problem, um das es sich bei der vorliegenden Kontroverse handelt, ist doch, ob sich der Zins in einer im Gleichgewicht gedachten Wirtschaft zeigen muß oder nicht, nicht aber, ob man über alle die Veränderungen, die während der Durchführung eines Produktionsprozesses von bestimmter Länge eintreten, im voraus exakte Aussagen machen kann. Natürlich steht es mir frei, wie wir bereits oben erwähnten (vgl. oben S. 41 Anm. 1), was ich als Statik bezeichne. Wenn Cassel zuerst das Zeitmoment nicht berücksichtigt — und auch Böhm-Bawerk tut das (vgl. Böhm-Bawerk, Positive Theorie, S, 315/17) — so kann man auch diesen Abstraktionsgrad mit der Bezeichnung Statik belegen. Aber für die materiellen Probleme ist damit nichts gewonnen, es ist damit nicht gesagt, daß in einer im Gleichgewicht befindlichen Wirtschaft, in der auf zeitraubenden Produktionsumwegen produziert wird, die Zinserschei- nung fehlt.