würde, einen Geldtrust zu bilden, der vollständig Bar- geld und Kredit der Vereinigten Staaten kontrollierte, die Möglichkeit dazu doch von vielen angenommen wurde. Jedenfalls war Morgans Diktatur über das Geld mehr Wirklichkeit als Phantasie, denn aus dem Folgenden wird hervorgehen, daß er nicht nur der Be- herrscher der Finanzen war kraft dessen, was er be- saß, nein, er war auch ein König, der sein Reich nach Laune oder Bedarf jederzeit vergrößern konnte. Mor- gan beherrschte das Geld gerade in dem Augenblick der Weltgeschichte, in dem das Geld alles beherrschte, in dem es für jeden Finanzmann von größter Wichtig- keit war, einer entstehenden Konkurrenz Bargeld- oder Kreditbeschaffung unmöglich zu machen und diese den bereits bestehenden Trusts und Konzernen vor- zubehalten. Es würde sich sehr hübsch ausnehmen, wenn man sagte, daß Morgans Stellung gegen Ende seines Lebens die gewesen sei, auf die er von Anfang an hingearbeitet hatte, daß der ehrgeizige Traum seines Lebens in Er- füllung gegangen sei. Nur wäre dies nicht wahr. Der Leser der vorliegenden Biographie wird zugeben, daß Morgan nicht die selbstbewußte Macht war, die er zu sein schien. Tatsächlich konnte im Jahre 1857, als der junge John Pierpont Morgan in das New Yorker Ge- schäftsleben eintrat, beim besten Willen niemand die besonderen günstigen Umstände voraussehen, die das zwanzigste Jahrhundert mit sich bringen sollte, Die Vision eines amerikanischen Königtums konnte auch das schärfste und weitblickendste Auge nicht haben. Morgans bezw. seines Hauses Macht wird, so kann man wohl sagen, auch heute nur von wenigen ver- standen. Er selbst flößte seinen Landsleuten jeden- falls Scheu ein, und noch ein anderes Gefühl, das man nicht gerade Furcht nennen kann, das ihr aber nahe 0