kosten. Nach jedem Lehrbuch der Nationalökonomie konnte eine Eisenbahngesellschaft es sich nicht leisten, Fracht und Fahrgäste mit Verlust zu befördern, und würde es auch gar nicht tun. Und da die schon be- stehenden Gesellschaften wußten, daß sie in der Lage waren, den Verkehr wirtschaftlicher zu versehen als irgendein neuer Eindringling, fürchteten sie keinen Wettbewerb. Aber die graue Theorie erlitt in dem Falle der Eisenbahnen einen völligen Fehlschlag. Um Geld aus dem Bau einer Eisenbahn zu schlagen, war es nur nötig, eine kleine Summe für die Kon- zession und das Recht der Amortisation aufgenommener Gelder zu zahlen. Dann hatten die Organisatoren die freie Verfügung über alle Summen, die die Anteil- besitzer zahlten. Sie konnten sich daraus eine gute Kommission für die Unterbringung der Anteile zahlen, oder sie konnten eine Baugesellschaft gründen und sich für den Bau der Strecke jede beliebige an- gemessene — oder auch unangemessene — Summe bewilligen. Das Geld der Zeichner floß in ihre Tasche in ihrer Eigenschaft als Direktoren oder Bahnbauer. Als ein Mittel zum schnellen Reichwerden war das Geschäft mit Eisenbahnen sogar noch besser als das mit Patentmedizinen. Benjamin Franklins Sparphilo- sophie wurde gründlich Lügen gestraft. Oft kam das Geld sogar von den Anteilbesitzern der Konkurrenzlinien, und das System der Zwangs- verwaltung, das ursprünglich als Schutz für die Zeich- ner gedacht war, wurde angewandt, um Pläne zu fördern, die, wenn nicht völlig skrupellos, zum min- desten nicht viel besser waren, als wenn man das Geld in Rennwetten angelegt hätte. Die Konkurrenz wurde bis zu einem Punkte getrieben, daß für die ge- sunden wie für die ungesunden Unternehmen nur noch der Bankrott übrigblieb. Diese Spekulationseisen- 71