Sein persönliches und Familienleben ist nicht ganz so ungetrübt gewesen wie das seines Vaters, Zwar hat er von diesem die gute Gesundheit geerbt, die den alten Morgan ausgezeichnet hatte, nachdem einmal die Kränklichkeit seiner Jugend überwunden, und die nur durch ein sein Gesicht entstellendes Haut- leiden in späteren Jahren beeinträchtigt worden war, aber sonst haben ihn mehrere Schicksalsschläge heim- gesucht. Am 3, Juli 1915 wurde ein Attentat auf ihn ver- übt. Der Täter war ein früherer Professor der deut- schen Sprache an der Cornell-Universität, Frank Holt, der in geistiger Umnachtung handelte. Er fuhr am Morgen des genannten Tages mit der Bahn nach Glen- cove, nahm dort ein Auto und ließ sich nach Morgans Landhaus fahren. Dort klingelte er, und als der Portier öffnete, fragte er ob Mr. Morgan zu sprechen sei. In welcher Angelegenheit er mit dem Finanzmann zu sprechen wünschte, wollte er nicht angeben, er be- hauptete nur, ein alter Freund Morgans zu sein. Der Portier, der wahrscheinlich in ihm einen Bittsteller ver- mutete, wollte ihm den Eintritt verwehren, doch Holt zog einen Revolver und bedrohte ihn. Er stieß ihn dann beiseite und erzwang sich den Eingang ins Haus, Als er Morgan, der wohl durch den Lärm angelockt worden war, durch die Halle kommen sah, schoß er dreimal auf ihn, Die erste Kugel drang dem Bankier durch den Arm in die Brust, die zweite durchbohrte den Oberschenkel und die dritte brachte ihm eine Fleischwunde am Unterleib bei. Der Attentäter wurde sofort über- wältigt und von herbeigeholter Polizei verhaftet. Als man ihn durchsuchte, fand man zwei Revolver, zwei Dynamitpatronen und ein Gläschen mit Nitroglyzerin bei ihm vor. Bei seinem Verhör erklärte Holt, von Gott be- 260