II. Der Markt von Lübeck 15 worben!*).‘ Ganz andere Tatsachen lassen sich demgegenüber von der Markt- karte ablesen. In historisch greifbarer Zeit, also seit dem Beginn der Grund- und Kämmereibücher, vermehrt sich ausschließlich die Zahl der städtischen Marktbuden. Allein die Stadt hat damals neue Baulichkeiten — Buden und Budenhäuser — auf dem Markte noch errichtet. Die erste nachweisbare Erweiterung des städtischen Budenbesitzes erfolgte 1285. Zwischen den Blocks II und IV, sowie IV und VI ließ die Stadt damals je zwei gewölbe- artige Überbauten, testudines, aufführen, die den Durchgang zwischen den Blocks zu ebener Erde nach wie vor offen ließen, aber in der Höhe des Daches der in den Blocks II, IV und VI gelegenen Buden nunmehr einen galerie- artigen Überbau der drei Blocks ermöglichten. Auf den testudines selbst errichtete die Stadt je eine Filzerbude; über ihrem alten Budenbesitz zu ebener Erde im Block 242 A—E befanden sich bereits 1262 in der Höhe des ersten Stockes des Lohhauses, ehemals des ältestenRathauses, zwei städtische Filzerbuden, vermutlich vom Lohhaus zugänglich!®). Durch die städtischen Einbauten wurde es damals möglich, eine geschlossene Galerie von Filzer- auden über die darunter liegenden Schusterbuden (236 A—E, 237 A—C, 238 A—C, 239 A, B, 240 A—C, 241 A, B) hinwegzuführen. Da aber diese Budengruppen Privateigentum waren, blieb der Ausbau über ihnen den Privateigentümern überlassen; zum letztenmal haben hier Privateigentümer ihren Budenbesitz vermehrt, aber eben nur durch Überbau; soweit neuer Grund und Boden dabei in Frage kam, wie bei den testudines, den Schwib- bogen, war die Stadt Bauherr und Eigentümer. Über den oben angeführten, nach dem Markt zu liegenden Schusterbuden privater Eigentümer sind dann in der Tat von 1285 bis zu Anfang des 14. Jahrhunderts 15 Filzerbuden angelegt worden?!®), so daß sich also ein Galerieweg mit im ganzen 19 Filzer- buden um 1300 über die marktwärts gerichteten Buden der Blocks VI, IV und von 11 236 A—E hinzog. Die so gewonnene Front zweistöckiger Buden- häuser nach dem Markte zu mit den beiden Schwibbogen, den auf ihnen auf- geklebten, in der Luft hängenden zwei städtischen Buden und der über die drei Blocks II, IV und VI sich hinziehenden Galerie muß ein reizvolles Bild abgegeben haben. Noch an einer anderen Stelle des Marktes beweist die spätere Verlängerung einer ganz im Privateigentum stehenden Budenreihe, der Blocks XVII und XIX, daß gegen Ende des 13. Jahrhunderts nur die Stadt allein über Grund und Boden auf dem Markte verfügen konnte. Vielleicht im Zu- sammenhang mit dem als Bezeichnung eines Teiles der Breiten Straße am Kohlmarkt 1289 auftretenden forum pabuli war hier eine größere Lücke in dem den Markt umfassenden Budenkranz gelassen. Immerhin taucht bereits 1262!) hier eine städtische taberna clippifica auf, die eine bemerkenswert hohe Jahresmiete (12 m. 1. d.) zahlt. In den Jahren 1283—1292 stehen hier vier städtische Buden!8). 1316 ist die dann bis ins 15. Jahrhundert gleich-