1]. Der Markt von Lübeck 57 waren, das Risiko eines solchen Unternehmens nach Gewinn- und Verlust- seite hin auf sich zu nehmen. Dieser individualistisch-unternehmende Zug ist das Wesentliche für die Frühzeit lübischer Geschichte®). Daß diese Männer irgendeine Form des Zusammenarbeitens gefunden haben müssen, ist selbst- verständlich; daß diese Form nach Art mittelalterlicher Verhältnisse durch Eidschwur besiegelt wurde und dadurch im Zusammenhang mit allem anderen den Charakter der Gilde bekam, ist mehr als wahrscheinlich. II Wer auf dem Lübecker Marktplatz des 13. und 14. Jahrhunderts stabile Verhältnisse anzutreffen hofft, wird sich nach den Ausführungen des zweiten Abschnitts enttäuscht sehen: alles ist in Fluß. So wenig wie in den schnell sich entwickelnden Städten der Gegenwart ist in einer Gründungsstadt wie Lübeck in ihrer Frühzeit — und die reicht bis über die Mitte des 14. Jahr- hunderts — mit stabilen Verhältnissen zu rechnen. Es ist vielleicht einer der bedenklichsten Trugschlüsse mancher wirtschaftsgeschichtlichen Betrach- tung, Ruhe und Gleichmäßigkeit da anzunehmen, wo in Wirklichkeit Be- weglichkeit und Gegensätzlichkeit bestanden, bedingt durch den Wechsel entgegengesetzter und sich schnell ablösender Gesichtspunkte und Not- wendigkeiten. Statistische Schlußfolgerungen werden auf diese Weise erschwert; immer- hin nicht unmöglich gemacht. Nur wird man stets mit ihrer zeitlichen Be- grenztheit zu rechnen haben. Das gilt zunächst von der Feststellung des Marktbudeneigentums in Privatbesitz. Bei der ersten Tabelle des Anhangs sind für jede einzelne Bude die am frühesten nachweisbaren Eigentumsverhältnisse zugrunde gelegt; von den später eintretenden dauernden Verschiebungen konnte hier nur der Übergang aus dem Eigentum der alten Familien in neue Hände fest- gehalten werden, allerdings ein sehr wichtiges Datum. Soweit diese frühesten Eigentümer Familien angehörten, die noch im 13. Jahrhundert im Rate saßen, sind sie für sich in einer besonderen Tabelle behandelt worden; den über sie gemachten Angaben in der statistischen Tabelle entsprechen die roten Flächen auf der Karte. Auf 29 Familien verteilen sich also im ganzen 141 Marktbuden. An der Spitze steht die Familie Campsor mit 21% Buden, ihr folgen die Stalbuks mit 15, die Bocholts mit 14, die Bremen mit 11 und die Parchim mit 10 Buden. Die übrigen Familien lassen sich nur für weniger als 10 Budengruppen als früheste Eigentümer nachweisen. Schon im zweiten Abschnitt ist darauf hingewiesen, daß nicht alle am Markteigentum beteiligten Familien des ausgehenden 13. Jahrhunderts, auch wenn sie im Rate sitzen, ohne weiteres als unmittelbare Nachfahren