54 II. Der Markt von Lübeck zur Miete erhalten; die Mieten der cellaria waren ja noch beträchtlich höher als die 14 m. betragende Miete einer cista im unteren Gewandhaus. An Stelle der Differenzierung in ungleichwertige Verkaufsstellen im Mietwert von 3 m. 4 ß (höchste Miete eines cellarium) bis zu 10 ß (sors im oberen Gewandhaus) scheint eine Vereinheitlichung in der Richtung erfolgt zu sein, daß es seit etwa 1300 nur noch zwei in sich gleichgestellte Gruppen von Gewandschneidern gab: Inhaber von sortes im unteren Stock des Gewand- hauses mit 12 6 Jahresmiete und Inhaber von sortes im oberen Stock des Gewandhauses mit 10 6 Jahresmiete. Im 15. Jahrhundert wurde auch dieser Unterschied beseitigt: nachweisbar seit 1460 zahlen damals alle Gewand- schneider je 2 m. Latelgeld#*). Am auffallendsten ist die hohe Zahl der Ge- wandschneider um 1290: 150, und der allmähliche Rückgang ihrer Zahl bis auf 20—25 zu Ende des 16. Jahrhunderts, Diese Erscheinung bedarf immer- hin auch hier einer kurzen Erklärung. Noch im 13. Jahrhundert ist die Aus- übung des Gewandschnitts in Lübeck in erster Linie nicht als ein besonderer Beruf, sondern als ein Vorbehaltsrecht neben anderer Tätigkeit (Handel über See und anderes) aufzufassen. Gerade die angesehensten Familien legen damals noch Wert auf Ausübung dieses Kleinhandels- privilegiums mit.dem wertvollsten Gut, dem eingeführten Qualitätstuch, Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ziehen sich die ratsfähigen Familien immer mehr vom Gewandschnitt zurück. Der auffallende Rückgang der Zahl der Gewandschneider vom 13.—16. Jahrhundert bedeutet. nichts anderes, als daß sich in dieser Zeit die Umbildung der Ausübung-des Gewand- schnitts zu einem Hauptberuf durchsetzt®), Bei den hohen Zahlen der Verkaufsstellen der Gewandschneider zu Ende des 13. Jahrhunderts war die Annahme, daß beide Langhäuser des Blocks XVI ursprünglich als Gewand- häuser gebaut waren, um so wahrscheinlicher, als man für die frühen Jahr- zehnte des 13. Jahrhunderts — das ergibt die Entwicklung der Zahlen- verhältnisse auf Tabelle IV — offenbar noch eine 150 überschreitende Zahl anzunehmen hat®°). Noch von einem weiteren Gewerbe sind Kämmereiverzeichnisse über die „sortes‘‘ zu erwarten. Das sind die Lohgerber, Auch von ihnen bemerkt das Memorialbuch des Rats aus dem 14. Jahrhundert genau so wie bei den Bäckern, Fleischern und Gewandschneidern, daß ihre Plätze im Lohhaus jährlich verlost wurden?”). Jedoch sind diese Verzeichnisse verlorengegangen, zum mindesten im Augenblick nicht auffindbar. Aber der Verlust ist, wenigstens für die Zwecke unserer Statistik, auszugleichen. In den Fällen der Gewandschneider und Fleischer erwiesen sich die Angaben der Hs. 339 (Kämmereibuch 1338 bis 1355) über die Gesamteinnahmen der Kämmerei an Jahresmieten, verglichen mit anderem Material, als durchaus zuverlässig. Wenn daher die Lohgerber jährlich 8 ß zahlen, so ergibt sich bei einer Ge- samteinnahme der Kämmerei von „circa 30 m. annuatim‘‘ für die Lohgerber