30 11. Der Markt von Lübeck nach. Vereinigung von Verkaufs-, Arbeits- und Wohnstätte führte andrer- seits zahlreiche. Handwerker vom Markt fort, so z. B. die Waffenhandwerker und Kleinschmiede in die Gegend hinter St. Petri—Schmiedestraße; der bei ihnen direkt „marktfeindlich‘“ wirkende Satz: „Vortmer scal nen man thu dessem ambete mer woninge upholden, wen ene hus eder boden‘‘, fand Eingang in die Rollen der Plattenschläger und Harnischmacher!®), Stärker als Erwägungen andrer Art war in den Kreisen der Händler und Gewerbe- treibenden selbst damals der Wunsch, Geschäft und Familie beisammen zu haben; nachdem einmal die Kunden sich daran gewöhnt hatten, auch in den Straßen zu kaufen, war eine wirtschaftliche Schädigung dabei nicht mehr zu befürchten. Dazu kam die Leichtigkeit, mit der mehrere Nachbarbuden von den alten Familien zu erhalten waren, diesem Wunsche nur entgegen. Denn trotz des hochwertigen Besitzes an Marktbuden und anderen, besonders qualifizierten Liegenschaften in der Stadt und ihrer Umgebung empfanden die alten Lübecker Familien um die Jahrhundertwende so wenig die von Sombart*®) behauptete ‚‚Geldplethora‘, daß sie froh waren, wenn es ihnen mit Hilfe ihres Grundbesitzes gelang, sich durch Aufnahme von Renten zunächst ein- mal zu behaupten. Weniger glücklichen unter ihnen, wie den Stalbuks, blieb aber nichts anderes übrig, als allen Grundbesitz zu verkaufen. Andrerseits erfreuten sich die Handwerker des ausgehenden 13. Jahrhunderts eines zum Teil recht bedeutenden Wohlstandes, der sich im Besitz oft mehrerer Häuser und zahlreicher Renten ausdrückt!”).. Also Angebot an Marktbuden bei zahlreichen alten Familien, Nachfrage nach ihnen bei Krämern und Hand- werkern. Die alten Familien nutzten diese Lage insofern aus, als sie dazu geeignete Grundstücke in der Nähe des Marktes zu Buden einrichteten und an Handwerker vermieteten und verkauften. So namentlich am Eingang der Holstenstraße; so auch.an der Ecke Kohlmarkt—Sandstraße!®®), Die Nach: wirkung dieses allmählichen Ausgleichs von Markt und Straßen auch auf den‘ offenen Markt blieb nicht aus: der Trieb der Handwerker, die keine festen Buden mehr hatten erhalten können, zum offenen Markt zu ziehen und dort ihre Waren auszubieten, ließ nach; sie.beschränkten sich auf den Verkauf aus ihren Häusern?!®), Auch die städtischen Marktbaulichkeiten, soweit ihre Benutzung nicht durch den Marktzwang sichergestellt war, vers loren an Bedeutung; im.16. Jahrhundert dienten die Blocks XII und XX als Wohnungen für Leute, denen der Rat eine anerkennende Versorgung vet schaffen wollte; solche erhielten in ihnen Wohnungen ‚auf Lebenszeit .an- gewiesen: Genau so ging es im 17. Jahrhundert, als die Bäcker vom Markt- zwang entbunden waren, mit Block XIII; nur daß hier die Bäcker über diese Gnadenwohnungen. zu verfügen hatten. Über den kümmerlichen Zustand der Verkaufsstellen des Blocks XV in späterer Zeit habe ich an anderer Stelle be- richtet!®%). Der Markt als Sitz des wirtschaftlichen Lebens verödete.