II. Der Markt von Lübeck 81 Um so mehr breitete sich auf ihm die Verwaltung aus!®), Überaus be- scheiden waren ihre Anfänge: das Baubureau des Unternehmerausschusses in Block V1 242 F, das ihm zugleich als Versammlungs- und Beratungsraum gedient haben wird. Was zu erledigen war, erledigte man in einfacher Aus- sprache; dazu bedurfte es keiner großen Räumlichkeiten, Das zum Rat ge- wordene Konsortium hat noch 1225 hier seinen Sitz gehabt, hier richterliche Tätigkeit!®) ausgeübt. Aber dann, als die kräftig emporblühende Handels- stadt zum Bau der zwei Langhäuser des Gewandhauses schreiten konnte, siedelte der Rat hinüber in das Obergeschoß des Langhauses an der Breiten Straße; vermutlich war diese Absicht schon bei der Anlage vorgesehen, sicherlich war sie 1250 längst durchgeführt. Um die Mitte des 13. Jahr- hunderts bildet sich aber auch in Lübeck die Schriftlichkeit der Verwaltung aus: Zu den nicht sehr zahlreichen Urkunden der Frühzeit und dem jetzt wohl endgültig verlorengegangenen, 1227 begonnenen Stadtbuch tritt seit- dem eine schon für das ausgehende 13. Jahrhundert beachtenswerte und seitdem dauernd steigende Aktenmenge. Ein schriftlicher Verwaltungs- apparat braucht aber Raum, und dieser Raumhunger der Verwaltung hat zeit dem Ende des 13. Jahrhunderts immer mehr Marktbaulichkeiten in Anspruch genommen, die einst dem Handel und Gewerbe dienten. Zu Anfang des 14, Jahrhunderts verschwanden die letzten Gewandschneider aus dem Langhaus an der Breiten Straße: jetzt war es nur noch Rathaus, Aber damit nicht genug. Allerdings, die erste Rathausverlängerung nach Süden hin, vom Anfang des 14, Jahrhunderts, über die Goldschmiedbuden des Blocks XVII weg, schuf zunächst einmal einen großen Versammlungs- und Repräsentationsraum. Dagegen diente die in den vierziger Jahren des 15. Jahrhunderts erfolgte zweite Südverlängerung, der die Kerzengießer- uden des Blocks XVIII zum Opfer fielen, den eigentlichen Verwaltungs- dedürfnissen. Viel deutlicher tritt bei den Norderweiterungen das Raum- bedürfnis der Verwaltung in den Vordergrund. Als 1360 die beiden Lang- häuser bis zu ihrer heutigen Nordgrenze — der punktierten Linie auf der Karte — verlängert wurden, begnügte man sich nicht mit dieser Erweiterung. Schon damals drang die Verwaltung in das Budenhaus des Blocks XV ein: die beiden südlichen Buden an der Breiten Straße wurden damals den städtischen Notaren eingeräumt. Vermutlich schon damals wurde auch dies Budenhaus mit einem ersten Stocke überbaut, in dem die Kanzlei, die „Schriverie‘“ ihren Platz erhielt. Denn als 1482 das ganze Gebäude neu- gebaut wurde, konnte es als „die olde schriverie‘‘ bezeichnet werden. Aber immer noch genügte der Raum nicht, um den gesteigerten Ansprüchen der Verwaltung, namentlich auch der Einzelbehörden wie z. B. der Wette zerecht zu werden: nach mehreren Um- und Erweiterungsbauten fand im Jahre 1614 der Erweiterungsdrang nach Norden damit sein natürliches Ende, daß ihm das Pelzerhaus (Block XIV) weichen mußte und an seiner Rörig, Hansische Beiträge.