38 II. Der Markt von Lübeck Freiburg i. Br. von Below doch ganz isoliert dasteht, auch für Lübeck noch wahrscheinlicher gemacht. Da ich auf all diese Dinge bereits in den An- merkungen der Neubearbeitung und in Beitrag VIII näher eingegangen war, habe ich auch den neuesten Einwand von Belows — Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 20, S.132ff. — an der sachlich zu- gehörigen Stelle behandelt. Die wesentlichen Punkte der Einwände G. von Belows möchte ich hier zusammenstellen, unter Hinzufügung meiner Er- widerung. I. Es kommen höchstens ein oder wenige Unternehmer in Frage; jeden- falls keine so große Zahl, daß man den Rat aus den Unternehmerfamilien hervorgehen lassen könnte. Erwiderung: Beitrag II, Anm. 56 und VIII, Anm. 60. 2. Die „Beweglichkeit‘“ mittelalterlicher Zustände verbietet die Ableitung des Rats aus dem Unternehmerkonsortium. ; Erwiderung: Beitrag II, Anm. 168, 3. Die Ableitung des Rates aus Unternehmerkonsortium oder Unter- nehmergilde ist eine leichtherzige, methodisch falsche Ableitung von staat- ‚ichen oder gemeindlichen Verfassungskörpern aus sozialen Vereinigungen. Erwiderung: Beitrag II, Anm. 61* und 62. Wer sich die Mühe macht, die an den verschiedensten Stellen verstreuten Einwürfe von Belows nachzulesen, wird sich davon überzeugen können, daß es sich hier nicht um eine Kritik handelt, die von der Methodik und Quellen- arbeit des Kritisierten ausgeht, sondern von der Übereinstimmung oder Nicht- übereinstimmung des Gelesenen mit den eigenen, längst feststehenden Vor- stellungen. Von Below hat das neuerdings selbst mit aller Offenheit von seiner Art, Kritik zu üben, ausgesprochen. (Vierteljahrsschrift f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 20, S. 114, Anm. 1.) Dort heißt es: „Ja, ich darf sogar sagen, daß ich mich erst dann zu einer Kritik aufgelegt gefunden habe, wenn ich ein eigenes, zusammenhängendes, anschauliches Bild von:den Dingen gewonnen hatte. Ohne eine eigene positive Anschauung Kritik zu üben, hat mich nie gelockt. Und ich besitze ja auch auf den Gebieten, auf denen ich kritisch tätig gewesen bin, ganz feste Anschauungen, ... die jeder als etwas greifbar Positives empfinden wird...‘ Es ist selbstverständ- lich, daß vor den Augen von Belows unter diesen Umständen nur Gnade findet, was seinem eigenen Anschauungskreis entspricht; in diesem An- schauungskreis ist aber wenig Raum vorhanden für die Würdigung von Vor- gängen, wie sie hier geschildert werden mußten. Das erstrebenswerte Ziel einer wissenschaftlichen Erörterung, die Verständigung, ist so eigentlich aus- geschlossen. A Soeben ist in demselben Heft der von Belowschen Vierteljahrsschrift meinem „Markt von Lübeck“ ein neuer Kritiker schärferer Observanz er- standen: Willy Krogmann. Mit seiner Miszelle: „Die Eigentumsverhält- nisse des Lübecker Marktes um 1300 und ihre Erklärung“, gibt er übrigens sein Debüt in der wissenschaftlichen Welt; den jungen Kämpen drückt noch nicht einmal die Last des Doktorhutes. Um so erstaunlicher ist,