2 II. Der Markt von Lübeck die ebenso unabhängig von meinen Untersuchungen ist wie diese von ihr, paßt so ausgezeichnet auf die Wirtschaft Lübecks vom Ausgang des 13. bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts, daß ich ganze Sätze der allgemeinen, durchaus nicht für das 13. Jahrhundert erdachten, Darstellung Mayers zur Charakterisierung der Lübecker Zustände verwenden könnte. Ich habe an der Formulierung meiner Ergebnisse in den Beiträgen III, IV und VII keinen hierher gehörenden Satz geändert; um so auffallender ist, wie hier endlich einmal die unabhängig voneinander entstandenen Untersuchungen theoretischer Art und induktiver Quellenuntersuchung sich bis zur Ver- wandtschaft in den Formulierungen decken. Sogar bis zur Fixierung des Endes einer solchen Bewegung: ‚,.... daß die restlose Erfüllung der kapi- talistischen Ziele schließlich zu einer anderen Wirtschaftsgesinnung führt, zum Rentnertum, das im scharfen Gegensatz zum dynamischen Prinzip steht‘. (Mayera. a. 0. S. 28.) Die Schlußteile der Beiträge IV und VITIgeben auch hier die vollkommen entsprechenden Wirklichkeitsbilder aus dem 14. Jahrhundert für die Richtigkeit dieser Sätze. Meine geplante Gesamt- darstellung der Lübecker Wirtschaft soll ja aus dem nämlichen Grunde eben mit dieser Beendigung jener Periode freier individualistischer Wirtschaft enden; für sie werde ich noch manchen Gedanken Th. Mayers dankbar ver- werten können. — Wenn ich hier und auch sonst bei Übernahme von Auße- rungen anderer Autoren das Wort „kapitalistisch‘‘ übernehme, so geschieht es in dem Sinne, den R. Passow, „Kapitalismus‘‘, Eine begrifflich-termino- itogische Studie, 2. Auflage, 1927, S. 95, mit dem gewiß schillernden Wortbild „kapitalistischer Geist‘ verbindet: ‚‚Gesteigerter Erwerbstrieb, Geschäfts- sinn, Streben nach möglichst hohem Gewinn.‘ Gemeint ist jedenfalls das Gegenteil von dem, was nach W. Sombart die alleinige Grundlage des mittelalterlichen Handels gewesen sein soll: die handwerksmäßige Gesinnung, die nur die bürgerliche Nahrung gewinnen will.