IL Lübecker Familien und Persönlichkeiten aus der Frühzeit der Stadt 129 die Karte des Lübecker Markts aus dem Ende des 13. Jahrhunderts?); noch damals spricht sich in den Eigentumsverhältnissen der für den Verkauf und z. T. auch die Produktion der Handwerker und Krämer allein zugelassenen Baulichkeiten die Abhängigkeit des Handwerks von einer Gruppe von Kapitalisten deutlich aus. Sie sind die Nachfahren jenes Konsortiums von Unternehmern, das im 12. Jahrhundert die Gründung und den Ausbau Lübecks planmäßig vollzogen hatte. Dies Unternehmerkonsortium über- nahm aber mit der Gründung auch ein großes Risiko und trug dieses Risiko natürlich nicht umsonst. Es stand ja im Anfang der Stadt durchaus nicht fest, daß das, was hinterher so glücklich sich entwickelt hat, sich auch so entwickeln würde. Deswegen erhielt dies Unternehmerkonsortium als Be- lohnung für seine Verdienste bei der Neugründung der Stadt von Heinrich dem Löwen, als dem politischen Herrn dieser ganzen Gebiete, weitgehende Rechte eingeräumt. Zunächst wirtschaftliche Rechte. So vor allem die wirtschaftliche Ausnutzung des wertvollsten Bodens in der Stadt, des Marktplatzes, von dem die auf ihn angewiesenen Handwerker und Krämer den Unternehmern Mieten in steigender Höhe zu zahlen hatten; dasselbe galt von den Backhäusern und Badstuben in der Stadt. Sodann die — aller- dings absichtlich niedrig bemessenen — Zinsen von den zum Wohnen be- stimmten Flächen, die sie selbst parzellierten. Jeder der Unternehmer bekam größere Blocks. Er parzellierte sie und sicherte sich damit die aus dem parzellierten Grund und Boden eingehenden Grundzinse. Das ist heute noch zu erkennen, z. B. an den Grundstücken der Hüxstraße Nr. 107—119. Dieses ganze Areal gehörte einst den Stalbuks, durch die es parzelliert und an die Einwohner aufgeteilt worden ist. Bei diesem Vorgang haben dann die Gründungsunternehmer für sich selbst die wertvollsten Plätze reserviert und mit beachtenswerter Vorliebe die Eckplätze für ihre Woh- nungen genommen. Dafür ist die Löwenapotheke mit ihrem kunstgeschicht- lich so interessanten romanischen Giebel ein typisches Beispiel, ein Haus, das seine Entstehung wiederum der Gründerfamilie der Stalbuk ver- dankt. Weiter haben sich diese alten Familien vor allen Dingen Höfe in der Stadt vorbehalten, zu denen außerhalb der Stadt Ackerflächen in Be- ziehung standen. Hier sammelten sie Getreide an, das sie dem Getreide- handel zur Verfügung stellen konnten. Für Handelszwecke haben sie sich regelmäßig an der Trave ganze Grundstücke reserviert und Getreidelager- häuser errichtet, in welchen die für den Fernhandel, nehmen wir an nach Norwegen, bestimmten Waren aufgespeichert werden konnten. Damit haben sie die Grundstücke, die für den Handelsbetrieb notwendig sind, als ihr Sigentum in der Hand. Von vornherein war also die wirtschaftliche Vor- machtstellung der Gründungsunternehmer und ihrer Familien vorhanden und schon in der Grundbesitzverteilung fest fundiert. Zur wirtschaftlichen Macht trat die politische hinzu. Indem die Unternehmer die ganze Auf- Rörig, Hansische Beiträge.