Gegenstand und Gliederung der Soziologie. Vertreter anderer Disziplinen hinzu, sich gewisse Gesamtanschauungen über gesellschaftliche und kulturelle Fragen zu erwerben. 2. Es gibt also einen eigenenGegenstand für die Soziologie in Gestalt der Gesellschaft und der Kultur (in welchem Sinne werden wir alsbald ausführen). Hierin besigt sie ihr eigentliches und eigenes Er- kenntnisgebiet. In dem Maße, in dem sie dieses durcharbeitet, wird sie aus ihrem eigenen Wesen heraus anderen Disziplinen und der Praxis des Lebens Hilfe zu bieten vermögen. Solange sie noch nicht zur hinreichen- den eignen Entwicklung gekommen ist, werden jene Mächte von sich aus ihre Theorien über die einschlägigen Dinge zu entwickeln gedrängt sein. Doch können solche Theorien nur einen vorläufigen Charakter besigen. Daß wir es in der Gesellschaft und in der Kultur mit einem selb- ständigen Gegenstand zu tun haben, können wir erst in dem Maße erkennen, in dem wir uns von den überlieferten individualistischen Anschauungen frei machen. Denn diese gehen bekanntlich dahin, daß nur das Individuum eine eigene Realität besigt, die Gesellschaft aber nur eine Summe von solchen und die Kultur nur eine Art Anhängsel ihrer, heide also nichts im Wesen Neues und Eigenes bedeuten. Tatsächlich ist es jedoch umgekehrt. Die Gesellschaft sowohl wie die einzelnen Kultur- güter und die gesamte Kultur eines Volkes bilden selbständige Einheiten von einheitlichem Charakter, haben eigene Aufbaugeseße und führen ihr eigenes Leben. Sie haben zwar die Existenz von Personen zur Voraus- segung, bilden jedoch ihnen gegenüber eigene Gebilde, teils wie die Grup- pen und sonstige Gesellschaften von überpersönlichem, teils wie die Kul- turen und Kulturgüter von unpersönlichem Charakter. Das Verhältnis zwischen dem menschlichen Substrat und den objektiven Gebilden ist dabei genau betrachtet ein zweiseitiges: einerseits sind Gruppen und Kul- turen von ihrem Substrat abhängig und durch dieses bestimmt; anderer- seits führen sie in gewissen Grenzen ihnen gegenüber ein unabhängiges Leben und treten ihnen als objektive Mächte gegenüber. Doch ist diese Unabhängigkeit nur eine relative und darf nicht als eine absolute auf- zefaßt werden, wie es die bekannten populären und mythischen Anschau- ungen tun, die im Staat oder der Religion oder der Moral eines Volkes Werke erblicken, die von transzendenten Mächten ins Leben gerufen sind. Näheres $ 27.) 3. Wir werfen jegt einen Blick auf die Gliederung der Soziologie, wobei es uns angesichts der bekannten Neigungen zu einer uferlosen Ausdehnung der Soziologie nicht nur darauf ankommt, was zur Soziologie im Sinne einer einheitlichen Wissenschaft gehört, sondern ebensosehr, was nicht dazu gehörenkann. (Beginnen wir mit der Lehre von der Gesellschaft, also der „Gesellschaftssoziologzie‘. Sie hat