Gegenstand und Gliederung der Soziologie. 9 und demgemäß der jeweiligen historischen Disziplin (also hier der Sino- logie) zuzuweisen wäre. Anders, wo die Betrachtung eines historischen Objektes der Weiterbildung der systematischen Begriffe selber dienen soll. Es könnte z. B. die chinesische Kultur oder eine Gruppe primitiver Kulturen einen besonderen Fall der Stileinheit der Kultur in sich ver- körpern der Art, daß diese Tatsache der Stileinheit bei verschiedenen Kulturen verschiedene Typen repräsentieren würde. Hierin würde natürlich eine Bereicherung der spezifisch soziologischen Erkenntnisse enthalten sein im Sinne einer induktiven Weiterführung der allgemeinen Kultursoziologie; und eine solche ist zu erstreben aus ähnlichen Grün- den, wie wir sie bei der Gesellschaftssoziologie kurz angedeutet haben (S. 4). 4. Zur weiteren Erläuterung seien hier die Anschauungen einiger moderner Fachmänner über die Aufgaben der Soziologie kurz angeführt unter Hinzufügung einiger kritischer Bemerkungen über die Differenz- punkte. Ernst Troeltsch weist der Soziologie die folgenden fünf Gegenstände zu (Der Historismus und seine Probleme S. 64) 1.. Das Wesen und die Gesegße der Vergesellschaftung an sich, wobei man von der Sozialpsychologie ausgehen und sie aus der Anschauungsfülle des histo- rischen Materials erweitern soll. Hieraus ergibt sich die formale Sozio- logie, für die Simmel eine Reihe von klassischen Beispielen gegeben hat (Tatsächlich leidet Simmels Soziologie an einer Überfülle von Beispielen; sie verliert sich ferner gern in unfruchtbare Klassifikationen und entfernt sich überhaupt durchweg von den großen Grundlinien). 2. „Die in- haltliche Wirtschafts-, Staats-, Wissenschafts-, Religionssoziologie usw.“, „da die jeweiligen verschiedenen Kulturgehalte jeder eine eigen- tümliche soziale Gestaltungskraft von sich ausstrahlen‘“. 3. Die „Gesell- schaft“ im engeren Sinne als die staatlichen, außer- und überstaatlichen Ganzen, von denen Schäffle, Comte und Spencer ausgegangen sind. 4. Die Vergleichung der Verläufe dieser Gesellschaftsbildung bei den ver- schiedenen Völkern und Völkergruppen und als ihr Ergebnis „überein- stimmende Bilder der Abfolge der sozialen Zustände, etwa die Folge Urzeit, Mittelalter, Hochkultur, Verfall‘ im Sinne von Tönnies, Lamp- recht usw. Hierzu vergleiche man unsere Bemerkung oben S. 7 über die verschiedenen Gesichtspunkte, die einer Einteilung zugrunde gelegt werden können: bei Tönnies ist der Gesichtspunkt spezifisch soziologisch, bei Lamprecht und Breysig dagegen psychologischer Natur. 5. Die Probleme der Kultursoziologie, d. h. die aus der Marxistischen Unterbau- und Überbaulehre erwachsenen Fragen, für deren Behandlung Max Weber und Troeltsch selbst angeführt sind. Von unserem Standpunkte