"Ib m 14 dr ERERe Einleitung. a 11153 2. Soziologie im weiteren Sinne. Der Name Soziologie deckt heut eine Fülle der verschiedenartigsten Bestrebungen, die in ihrem Inhalt so weit auseinandergehen, daß sie kaum mehr als den Namen miteinander gemein haben. Neben manchem anderen schwebt einer Richtung eine Enzyklopädie einer Reihe sozial- wissenschaftlicher und anthropologischer Disziplinen vor, einer anderen eine Art Universalwissenschaft der Geschichte und Kultur, wobei man namentlich an universale Entwicklungsstufen und Entwicklungsformen der einzelnen Kulturgüter denkt, aber zugleich die ganze Breite des empirischen Materials mehr oder weniger hineingenommen sehen möchte. Angesichts dessen muß man sagen: Soziologie ist heute ein Sam- melname für eine Reihe verschiedenartiger Bestrebungen, die es irgend- wie mit menschlichen Gruppen, mit deren leiblichen oder seelischen Eigenschaften und deren Erzeugnissen, insbesondere der menschlichen Kultur, zu tun haben. Im einzelnen wollen wir aus dieser Fülle der ver- schiedenartigen Bedeutungen des Wortes Soziologie, die vielfach mit- einander vermengt werden, die folgenden herausheben. l. Die soziologische Denkweise. Dies ist der all- gemeinste einheitliche Sinn, der mit unserem Worte verbunden werden kann. Er muß für das einzige Band gelten, das soziologische Ge- sellschaften, Kongresse und Zeitschriften wenigstens einigermaßen zu- sammenhält. Gemeint ist damit eine bestimmte Art und Weise, die menschlichen Dinge aufzufassen — nämlich eine Denkweise, die alle menschlichen Tätigkeiten und Erzeugnisse in Beziehung set zu der menschlichen Gesellschaft, der ihre Träger angehören und sie unter dem Gesichtspunkt ihrer Abhängigkeit von dieser auffaßt. Es gehört dahin insbesondere einerseits das Verständnis für die Bedeutung der Umwelt z. B. bei Biographien, bei der Erklärung künstlerischer Schöpfungen, historischer Taten usw.; anderseits eine Auffassungsweise der einzelnen Kulturgüter, die jedes einzelne Kulturgut nicht als ein in sich geschlosse- nes Gebiet betrachtet, sich nicht bei der Annahme einer in sich geschlosse- nen Kausalität dieses Gebietes begnügt, sondern damit rechnet, daß jedes Kulturgut von anderen Kulturgütern und von dem umgebenden mensch- lichen Substrat abhängig ist. Heute ist diese Denkweise bereits recht lebendig; und das wachsende Ansehen der Soziologie in weiten Kreisen dürfte zum großen Teile hierauf zurückzuführen sein. Aber eine der- artige neue Betrachtungsweise und Fragestellung, die sowohl die histo- rischen wie die systematischen Disziplinen anregen und befruchten kann, bedeutet natürlich keine eigene Wissenschaft. Denn die Behandlung der einschlägigen Fragen segt, wie schon früher bemerkt, stets die fach- männische Kenntnis des historischen oder systematischen Gebietes voraus,