Der Instinkt des Selbstgefühles. 27 den Knaben mit Stolz über die männliche Straffheit seiner Existenz‘“1}). Ebenso gehört wahrscheinlich auch der außerordentliche Stolz, den kleine Kinder zeigen bei den ersten erfolgreichen Versuchen sich aufzurichten oder zu gehen, in der Hauptsache hierher. Freilich tritt hier überall schon früh eine soziale Komponente hinzu. Bei allen starken Bewegungen, Kraftentfaltungen, Überwindungen physischer Schwierigkeiten, auch wohl bei dem Ertragen starker Sinneseindrücke und sonstiger Reize wie der Rauschmittel bleibt dieses elementare Motiv neben dem sozialen dauernd wirksam. An Bedeutung vermag sich die außersoziale Form mit der sozialen freilich in keiner Weise zu messen: die bloße Freude am Können bringt, wie die tägliche Erfahrung zeigt, den Menschen lange nicht soweit wie die Rücksicht auf die Anerkennung seiner Mitmenschen. Einbesonders dankbares Objekt bildet auch für diesen Trieb der Mensch, weil bei ihm der Kreis der Möglichkeiten am größten ist und der Erfolg sich am meisten aufdrängt und besonders ge- würzt wird durch den Gegensag des erzwungenen Verhaltens gegenüber der sonstigen Selbständigkeit und Freiheit des Menschen. Es kann dieser Machttrieb sich damit begnügen, das äußere Verhalten der Men- schen zu bestimmen. Tiefer greift er aber, wenn er den fremden Willen selbst brechen oder überhaupt beherrschen will. Hier ist das Triumph- gefühl so viel größer als im vorigen Fall, weil es durch das Bewußtsein des überwundenen Widerstandes und des Sieges gesteigert wird. Aber auch hier handelt es sich wiederum um äußere Macht im GegensaBß zur inneren, solange eben nur die tatsächliche Beherrschung im Sinne der Furchterregung und nicht zugleich eine Respektierung angestrebt wird. Die äußere Macht richtet sich eben nur auf das Objekt als solches, d. h. als bloßen Gegenstand einer Verfügungsmöglichkeit. Nur die innere Macht richtet sich zugleich auch auf den „Zuschauer“ im beherrschten Objekte selbst, sofern sie von diesem anerkannt und bewundert sein will. Dort herrscht ein Gegenstand über einen anderen. hier die Seele über die Seele. Die trog aller Verschiedenheit bestehende äußere Ähnlichkeit beider Haltungen bringt Müller-Freienfels (Grundzüge einer Lebenspsychologie, Bd.I, S. 112) zum Ausdruck, indem er beide zu den Trieben der Lebenssteigerung rechnet, und zwar den biologischen Trieb zu denen der direkten, den sozialen zu denen der indirekten Lebenssteigerung. Nur daß eben die Bereiche dieser Steigerung zwei verschiedenen Welten angehören: der eine der Welt des äußeren, physischen Geschehens, der andere der Welt derjenigen Güter, die ihr Dasein im Bewußtsein der Mitmenschen besiten. 2. Wir wenden uns damit der Aufgabe zu, das Wesen des (sozialen) Selbstzefühls zu kennzeichnen. Unter der Herrschaft dieses Triebes. ‘) Loge. Mikrokosmus. 5. Buch. 2. Kap. Ahbschn. ..Vom Put und Schmuck“