Bra, nı Se es NT. 30 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. gesichts der relativen Selbständigkeit, die das Individuum wesenhaft gegen- über der Gruppe besigt ($ 38), schon auf tieferen Stufen zu erwarten, besonders bei Situationen wie dem Wetteifer, der Eifersucht und dem Kampf, bei denen der Einzelne sich von der Gruppe abhebt. — Das Gegenstück hierzu bildet derjenige Typus, bei dem die Abhängigkeit von der Umgebung besonders ausgeprägt und auffallend ist. Der so geartete Mensch sieht sich fast ängstlich um nach äußeren Zeichen der Anerken- nung und legt ein besonderes Gewicht auf solche. Während ursprünglich die eigene Gruppe allein das Amt hat, den Wert ihres Genossen zu be- stimmen, begnügt er sich nicht mit dem Urteil eines engeren Kreises von Menschen, die ihm innerlich nahe stehen oder überhaupt von gleicher sozialer Stellung sind; sondern es ist ihm jedermann willkommen, auch derjenige, der in seinen eigenen Augen sozial unter ihm steht, ihn seines gehobenen Wertes zu versichern und ihm diesen zum Bewußtsein zu bringen. Die Abhängigkeit von der Umgebung, die zum Wesen des Selbst- gefühls gehört, erscheint hier in "einer krampfhaft gesteigerten, fast karri- kierten Form. Man kann diesen Typus als Eitelkeit bezeichnen, ob- schon dieses Wort leider keinen eindeutigen Sinn hat. Gewöhnlich denkt man bei ihm an eine äußerliche Richtung des Selbstgefühls, durch die ver- hältnismäßig unwesentliche Dinge die wichtigste Grundlage des Selbst- gefühles bilden. Aber diese Eigentümlichkeit trifft in den meisten Fällen auch für den von uns gemeinten Typus zu, freilich aus sekundären Grün- den. Denn gerade solche „AÄußerlichkeiten‘“ wie Kleidung und Schmuck, Umgangsformen und soziale Beziehungen sind in die Augen springende Symptome, durch die weitere Kreise über die soziale Stellung eines Un- bekannten aufgeklärt werden, während der engere Kreis der Standes-, Berufs- und Familiengenossen, der bei andern Typen als soziale Grund- lage für das Selbstbewußtsein genügt, einer derartigen Aufklärung über den Wert der Person durch solche äußeren Zeichen nicht bedarf. Eine andere besondere Form des Selbstgefühles bildet diejenige, bei der der Träger sich seines eigenen Wertes nicht einfach bewußt ist, son- dern diesen in einer bestimmten Weise betont: er unterstreicht seinen Wert durch betonte Abhebung von andern. In diesem Fall ist das Be- wußtsein der Distanz für das Selbstgefühl von grundlegender Bedeutung: das Eigenwertbewußtsein gewinnt seine besondere Färbung durch den Vergleich mit andern und durch die Überzeugung von der eigenen Überlegenheit. Nicht das Ich als in sich ruhendes einzigartiges Gebilde, sondern das Ich, dessen Wert durch einen Vergleich festgestellt ist, ist für diesen Typus der Gegenstand des Selbstgefühles. Wir können diesen Typus als St o1z bezeichnen, einigermaßen in Übereinstimmung mit dem freilich auch hier mehrdeutigen Sprachgebrauch. Der Stolze