i3 at 34 Die sozialer Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. sinne. Das Machterlebnis verbindet sich also normalerweise mit einem Werterlebnis; und insoweit ist der Machtwille eine besondere Form des Geltungswillens. — Im ganzen können wirbeim Machtverhältnis drei Hauptmotive der Befriedigung unterscheiden: erstens die Freude am Können und Verursachen, und zwar sowohl im Sinne des äußeren wie des gesellschaftlich gewürdigten Wirkens; zweitens die Freude an der Anerkennung der anderen, die sich normalerweise in deren ganzer Haltung und insbesondere bei jeder Willfährigkeit dem Machthaber gegenüber bekundet; endlich die Befriedigung über die Steigerung des eigenen Wertes, die für unser Bewußtsein mit dem Machtbesig verbunden ist. Das Verlangen nach dem Besitz hat dem Machtverlangen gegenüber nur sekundäre Bedeutung. Die populäre Anschauung irrt, wenn sie den Besigwillen für eine ursprüngliche starke Triebkraft oder gar für die Triebkraft des menschlichen Geschehens insbesondere des geschichtlichen Lebens hält. Schon in der Entwicklung des Kindes spielt von früh an der Machtwille eine große Rolle, hinter der der Besigwille weit zurückbleibt. Ebenso zeigt die tägliche Erfahrung, daß auch bei uns der Besig zum größten Teile wegen der damit verbundenen gesellschaftlichen Macht erstrebt, unter geeigneten Umständen dafür zum Teil wieder geopfert wird. Zum Teil ist das Verlangen nach Besig, mehr noch nach Erwerb, auf die Bedeutung zurückzuführen, die der Erfolg als Ausweis der Tüchtigkeit in den Augen des Handelnden wie der Gruppe besigt. Der Besig wille in seiner systematischen, raffinierten Form ist erst mit dem Kapitalismus in die Menschheit eingezogen. Einfachere Formen sind freilich uralt: das Verlangen nach dem sinnlichen Genuß, nach dem Schmuck, nach dem Ungewöhnlichen, wobei sich auch vielfach ein Sammeltrieb bemerkbar machen kann, der jedoch von dem modernen Verlangen nach wirtschaftlicher Nugsbarmachung weit entfernt ist. Diese Interessen stehen aber an Kraft weit zurück hinter dem Dämon Machttrieb. Die Taten der Eroberer und Eroberervölker auf den Besigwillen zurückführen statt auf die Lust an Abenteuer, Kampf, Heldentum und Bewunderung, heißt die Nebensache zur Hauptsache machen. Daß daneben das Genußverlangen wirksam ist und die Richtung der Eroberertätigkeit häufig als ldifferentielle Kraft in eine bestimmte Richtung lenkt, soll damit nicht bestritten sein: ebensowenig, daß der Besigwille in unserer modernen Kultur, allgemeiner in allen „späten“ Stadien der Kulturen, gegenüber dem Machtwillen einen viel breiteren Raum einnimmt als in anderen Kulturen. In allen diesen Formen ist das Selbstgefühl wirksam nicht nur 'da, wo es klar bewußt ist und sich dem Zuschauer aufdrängt, sondern auch da, wo es wie eine leise Musik unser tägliches Tun und Treiben begleitet. Alles. was wir besigen, genießen, erstreben und vollbringen, erhält seinen