Khan A 42 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. lich erschwert durch die häufige Verbindung beider Triebe, von der wir alsbald sprechen werden. Man muß natürlich reine Fälle im Auge haben; man muß denken an die von uns allen selbst erlebten Fälle freudiger Hingebung gegenüber beliebten und verehrten Führern im Erziehungs- gebiet, beim Heere, im Beruf, in der Politik usw. — an Fälle, in denen die Verehrung ganz rein aus der Seele quillt. Von Hemmung und Läh- mung ist hier nicht die Rede, vielmehr werden gerade alle Kräfte ent- faltet. Die Abhängigkeit vom Führer äußert sich hier darin, daß er bestimmend auf das ganze innere und äußere Verhalten einwirkt. Aber diese Einwirkung hat durchaus den Charakter der Förderung, Entfaltung und Steigerung. Eine Einschränkung ist nur insofern zu machen, als ein Widerstand gegen ihn selbst innerlich unmöglich ist. Alle Kräfte, die sich gegen ihn richten könnten, sind gleichsam aufgehoben: die ganze Persönlichkeit ist polarisiert. Denn der Aufhebung der Kräfte steht gerade ihre volle Entfaltung nach den vom Führer selbst an- gestrebten Richtungen gegenüber: die Kraft des Abhängigen wird durch ihn gleichsam in einer Richtung zusammengefaßt. Auch die Ausdruckserscheinungen sind bei Furcht und Unterordnung durchaus verschieden. Die Furcht ist gekennzeichnet durch Erblassen, Zittern und eine allgemeine Unsicherheit. Wer nicht fliehen oder sich verbergen kann, kriecht in sich zusammen und macht sich so gleichsam möglichst wenig sichtbar. Anders der sich Unterordnende: er hängt an den Mienen und Worten des Überlegenen und zeigt ihm gegen- über die größte Eifrigkeit; schon dessen Anblick wirkt belebend und .er- frischend auf ihn. Er sinkt in sich zusammen vor dem Überlegenen (was durchaus verschieden ist von dem in sich Zusammenkriechen des Ängst- lichen) und hält sich im Gegensag zu der aufrechten Haltung des Selbst- bewußten weich und nachgiebig. Seine ganze Haltung sagt: ich bin klein und bin weiches Wachs für Dich und bin bereit Dich ganz in mich auf- zunehmen. Endlich sind auch die begleitenden Gefühlszustände bei bei- den Trieben grundverschieden. Der Affekt, der den einen Instinkt be- gleitet (den man passender den Fluchtinstinkt nennt), ist eben die Furcht selbst. Niemand, der sich sein eigenes einschlägiges Erleben einmal klargemacht hat, kann die Furcht verwechseln mit demjenigen Affekt, der den Unterordnungstrieb begleitet — wenigstens, wenn er reine oder auch nur annähernd reine Fälle an Stelle der freilich häufigen Mischung beider Affekte betrachtet. Der Affekt des Unterordnungstriebes ist je- nachdem die Verehrung, die Andacht, der Respekt. Bei voller Entfaltung ist auch von Bewunderung zu sprechen und von einem Walten der Lie b e in jener besonderen Form, in der sie sich mit dem verehren- den Aufblick zu einem Überlegenen verbindet ($ 10,2). Die Grund-