BC a ac | m I 46 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. bige in naiven Verhältnissen nach Möglichkeit anzugleichen. Die antiken Mysterien mit ihrem ekstatischen Einswerden des Gläubigen mit der Gottheit sind bekannte Beispiele. Denselben Sinn haben aber auch die Kulttänze der Naturvölker, in denen Krankheits- oder Vegetationsdämonen dargestellt werden; oder die Mysterien höherer Religionen, in denen das Schicksal der Götter von ihren Verehrern im Bilde vor- geführt wird; zum Teil wohl auch totemistische und andere Riten, in denen Menschen als Tiere auftreten, denen man eine große Macht zuschreibt. Überall regt sich hier der Drang, mit dem Mächtigen eins zu werden, Anteil an seinem Wesen und dadurch auch an seiner Macht und seinem Schicksal zu bekommen oder sich wenigstens durch verehrungsvolle Fügsamkeit mit ihm gut zu stellen, ihn zu beschwichtigen und sich gutes Wetter zu sichern. Zu den Mitteln der inneren Vereinigung gehört auf primi- tiven Stufen auch schon die leibliche Aneignung durch Verzehren, Ein ausgezeichnetes Beispiel liefert ein Bericht über die Kriegsvorbereitungen bei Indianerstämmen Guayanas. Diese tanzen dabei den Jaguartanz, damit der Geist des Jaguars in sie einziehe; nur so, erklären sie, können sie den nötigen Mut und die erforderliche Wildheit für den Krieg gewinnen. Sie müssen dazu genau wie der Jaguar heulen und fauchen, genau so mit dem Arm die Keule schwingen, wie er die Pfote bewegt, und ebenso von dem getöteten Krieger das Blut trinken und das Fleisch fressen. (Reports of the Bureau of Ethnology, Bd. 58, S. 580.) Man sieht hier mit wundervoller Klarheit den Zusammenhang und die Verbundenheit von äußerer Angleichung, innerem Einssein und Aneignung der Überlegenheit. Auch unpersönlichen Gebilden wendet sich unser Verhalten zu. Wer in dem Gedanken von der Allmacht des Kampfes ums. Dasein oder vom guten Recht der Elbogenmoral schwelgt, der nimmt diese Tendenzen gleichsam innerlich in sich auf und verkörpert sie schon durch seine ganze Ausdrucksweise. — Aus dem magischen Gebiet gehören vielleicht Formen wie der Regen- oder Sonnenzauber hierher, sofern bei ihnen die Wolken oder die Sonne nachgebildet werden. Absichtlich ist im Vorstehenden vermieden worden, den geschilderten Zustand innerer Verbundenheit mit der verehrten Person als Zustand der Identifika- tion zu bezeichnen. Leider ist dieses Wort mit einer gewissen Unklarheit des Sinnes und einer gewissen Vieldeutigkeit behaftet, indem eine ganze Reihe verschie- dener Tatbestände darunter zusammengefaßt werden, von dem mindestens ein Teil noch wenig geklärt ist (wie der hypnotische Rapport oder das Totemvesen). Jeden- falls darf man das Wort Identifikation weder in diesem Fall noch in den oben angeführten Fällen dahin verstehen, als ob das eine Wesen sich mit dem andern ver- wechsele. In der Ekstase mag davon zu sprechen sein. Aber eine Verwechselung liegt nicht vor bei der Verehrung Erwachsener, auch nicht einmal bei den Nachahmungs- vorgängen des Kindes, bei dem die inneren Beziehungen zwischen ihm und dem verehrten Gegenstand viel enger sind: das Bewußtsein der eigenen Persönlichkeit wird in beiden Fällen nicht aufgehoben, sondern höchstens absichtlich zurückgestellt. In allen diesen Fällen handelt es sich jeweilig um einen spezifischen Tatbestand enger Verbundenheit, wobei die verschiedenen Formen miteinander verwandt, aber nicht einander gleich sind. Am einfachsten begnügt man sich damit, sie in ihrer Eigen- art zu kennzeichnen, ohne einen besonderen Ausdruck einzuführen. Die Haltung der Unterordnung und die Nachbildung von innen heraus entfaltet sich in idealtypischer Reinheit innerhalb eines entsprechend rein ausgeprägten Gemeins chaftskreises, speziell Gruppenlebens, nach zwei Sei- ten: erstens gegen den Führer und zweitens gegen die Gruppe als Ganzes, wobei die legtere teils durch einige besonders angesehene, teils durch alle. Mitglieder repräsen- tiert wird und diesen nicht als Personen, sondern nur als Gruppenträgern jene Hal- sung entgegengebracht wird. — Außerhalb der eigenen Gruppe ist die