Der Unterordnungstrieb. 53 sam nur auslösend gegenübersteht. Dagegen wird der Lehrer in dem Maße geschägt, wie er die Überzeugung erweckt, daß man bei ihm aus seinem Wesen heraus lernen kann; ebenso jeder Vorgeseöte und Führer in dem Maße, wie er den Eindruck macht, daß unter seiner Leitung etwas Tüchtiges geleistet werden kann. Die Unterordnung richtet sich auf die Person als Ganzes. Es muß also die Förderung aus dem Wesen der Persönlichkeit hervorgehen; sie muß als deren notwendi- ger Ausfluß erscheinen und nicht etwa nur als eine zufällige, durch irgendwelche äußeren Tatsachen mit ihr verbundene Eigenschaft. Die Gefahr, die innerliche Grundlage der Macht zu verkennen, liegt besonders nahe bei derjenigen Art von Macht, der die legten Beispiele entnommen waren und die im ganzen die größte Rolle im Leben der Menschheit spielt. Es ist dies, wenn man nach Wertbereichen unter- scheidet, der biologische Wert- und Machtbereich, wie er sich in Technik und Wirtschaft, Politik und Krieg, Verwaltung und Rechtsprechung darstellt. Der Unternehmer und der Feudalherr, der Feldherr und der Staatsmann sind bekannte Typen seiner. Diese Art der Macht enthält nach dem Gesagten zwei ganz verschiedene Förde- rungsmöglichkeiten in sich vereint, eine biologische und eine geistige: der Mächtige schügt gegen äußere Gefahren und sorgt für das äußere Wohl; er bietet zugleich aber auch der Seele die Möglichkeit emporzu- blicken und sich zu erheben. Zurücktreten oder fehlen darf dabei die geistige Seite auf keinen Fall, während die biologische bei anderen Formen der Macht allerdings fehlt oder fehlen kann. — Wegen dieser Bedeutung des Aufblickens kann der lediglich Gutmütige und hilfreiche Mensch unseren Trieb nicht erwecken. Das biologisch Mächtige muß zu- gleich eine geistige Macht sein, um unseren Unterordnungswillen zu er- regen: sich unterzuordnen ist der Mensch nur seinen Idealen gegenüber bereit. Eine der verbreitetsten Formen des Ideals aber ist freilich die äußere Macht sowohl in ihren gröberen wie in ihren feineren Abschat- tierungen. Hierhin gehört die Gestalt des Helden, die in allen gesunden Kulturen von deren einfachsten Formen an die allgemeine Verehrung des Volkes genießt. Eine wesentliche Seite bildet in ihren naiveren Formen, insbesondere auch für die kindliche Bewertung, die rein phy- sische Stärke. Allein aber ist es mit ihr wohl niemals getan: die Be- wunderung des Helden und Eroberers, des Siegers und Gewalthabers beruht im Grunde durchweg auf dem Eindruck einer Überlegenheit an Energie und Tatkraft, an Geistesgegenwart, Sicherheit, Frische und Be- stimmtheit, und wie sonst die Herrentugenden heißen mögen. Das gilt nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für ganze Klassen und Völker: die Eroberer werden im neu gegründeten Staate zu Herren