Eta-Eh 60 Die sozialen”"Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. wahrscheinlich schon mit Vorläufern des menschlichen Unterordnungs- triebes zu tun. Man kann vermuten, namentlich aus ihrem Zusammen- hang mit der Nachahmung, daß auch schon die Gesinnung des Respektes und der Verehrung ihren Vorläufer in der Tierwelt hat. Die Anschauung, daß auch bei den Tieren bereits innere Macht neben der äußeren besteht, ist unter den Tierpsychologen gegenwärtig nicht selten. Hat sich z. B. bei den Hühnern einmal eine Rangordnung durch Kampf oder durch den bloßen gegenseitigen Eindruck der Stärke hergestellt, so wird sie schwer wieder erschüttert. Gelegentlich sucht wohl ein untergeordnetes Tier durch einen Kampf gegen einen „Despoten“ die bisherige Rangordnung zu durchbrechen. Aber dieser Kampf wird in der Regel nicht mit voller Kraft geführt. Kay faßt diesen Sachverhalt so auf, daß die bisherige „Autorität“ den Empörer lähmtl). — Auch Wolfgang Köhler bewegt sich bei seiner Schilderung der Schimpansen in Wendungen, die von der gleichen Auf- fassung zeugen: „In Teneriffa spielte jedes Tier, das sich irgendwie auszeichnete, für die übrigen dadurch eine besondere gesellschaftliche Rolle, so Tschego als ältestes und stärkstes Gruppenglied, das den meisten Respekt erheischte, auf das die übrigen sich bei Gefahr gern zurückzogen, dessen Unterstügung in Zwistigkeiter jede Partei zu gewinnen bemüht war, und das in Beschäftigungsart und Ortswechsel leicht die ganze Gruppe mit sich zog.“ — Ein Schimpanse hatte anfangs in besonders engem Verhältnis zu Tschego gestanden, diese Stellung aber durch sein Benehmen verloren: „Es sah überaus komisch aus, wie er doch noch, mit vermehrter Ehrfurcht und ein wenig zurückgezogen, in ihrer Nähe hockte. aber nunmehr völlig unbeachtet blieb.“ Bei Haustieren finden wir den Trieb schon in weiterem Um- fange wirksam. Bei der Dressur spricht er jedenfalls schon teilweise mit. Beim Hunde zeigt sich in einer elementaren, aber sehr starken Form schon die echt menschliche innere Hingabe an seinen Herrn: die Be- lebung durch seine Anwesenheit und überhaupt die Polarisierung durch ihn. Beachtenswert erscheint in unserem Zusammenhange auch die Be- friedigung des Selbstgefühls, die der Hund und wohl auch andere Tiere beim Gelingen einer Dressuraufgabe zeigen, wegen der Verbindung dieses Triebes mit dem Unterordnungstrieb beim Menschen. Regungen des Schamgefühls sind wenigstens beim Hunde kaum zu bezweifeln; das Schamgefühl aber segt diejenige Art von Selbstgefühl voraus, die nicht ohne den Unterordnungstrieb denkbar ist. — Für das einschlägige Ver- halten des Affen gegen den Menschen sei hier eine Beobachtung Köhlers mitgeteilt: „Erkrankt ein Tier, so erwächst mit der Apathie und Impuls- schwäche, die schon leichtere Leiden herbeiführen, schnell eine unge- wöhnliche Lenkbarkeit und ein Anlehnungsbedürfnis an den pflegenden Menschen. Kaum ist der Gesamttonus des Organismus wieder ungefähr normal, so lockert sich auch das herzlicher gewordene Einvernehmen“?). Die gesunden erwachsenen Schimpansen behandelten nämlich Köhler vor- 1) Zeitschrift für Psychologie, Bd. 88, S. 241, 260. 2) Psychologische Forschung I. 20.