379 Bresche-Treten neben der vorsichtig bemessenen Hilfe an Geld und Kraft ist, die Tausende und Tausende von wohlhabenden Frauen leisten! Es besteht überhaupt, darauf stößt man immer wieder, ein Maß von un- organisierter Hilfe, ohne das überhaupt nicht zu begreifen wäre, wie die Menschen durchkommen.‘“ Die Geschichte des vierten Standes ist übri- gens ohne eine solche Solidarität gar nicht denkbar; die Organisationen, die er sich schuf, die Kämpfe, die er führte, die Verbesserungen, die er sich errang, sie alle segen ein hohes Maß gegenseitiger Hingabe und Förderungsbereitschaft voraus. Angehörige dieses Standes haben ihm daher eine besondere Befähigung nachgerühmt, den sittlichen Anforde- rungen unseres Krieges zu genügen: „Gewiß löst der Krieg neben allen seinen Greueln viel Opfermut, Hingabe, Treue und Tapferkeit aus. Ich muß indessen darauf verweisen, daß die Arbeiterklasse in ihrem Kampfe um bessere Lebensbedingungen gerade diese Eigenschaften sehr oft zu wahrer Größe entwickelt hat. Ihre Hingabe an den proletarischen Be- freiungskampf, ihr tapferes treues Ausharren und ihre Opferwilligkeit für die gemeinsame Sache sind viel zu bekannt, als daß sie besonders hervorgehoben zu werden brauchten.“ Das Soldatenleben im Felde ist natürlich ohne ein Höchstmaß von Solidarität nicht denkbar. Ihre Hauptträger waren im legten Kriege durchweg kleine Gruppen von vielleicht drei bis acht Personen, gelegent- lich auch von etwas größerem Umfang. Hier erwies man sich gegenseitig Dienste im Holen der Nahrung und des Wassers, im Abgeben von Muni- tion, im Herrichten der Unterstände und sonstigen Wohnungen, nach Möglichkeit auch in der gegenseitigen Hilfe bei Verwundungen und Un- fällen, endlich in der Benachrichtigung der Angehörigen des derartig Betroffenen. — Für die größere Einheit der Kompanie sei hier folgende Schilderung eines Teilnehmers eingefügt, die auch nach der Seite der Werturteile den Sachverhalt vortrefflich wiedergibt (Christliche Welt 1915, Bd. 29, Sp. 401): „Für den Soldaten gibt es keine andere Gemein- schaft als das Heer; in seiner Kompanie erfüllt sich ihm, was er als Leistung zu vollbringen und als Mensch zu genießen hat. Die Kamerad- schaft ist das ausschlaggebende Gemeinschaftsgefühl. Dieses Gefühl ist nun nicht so ideal zu fassen, wie Traub es zu unserer Erbauung in seinen ‚Eisernen Blättern‘ herrlich dargestellt hat. Im Grunde ist diese Zu- sammengehörigkeit der instinktive Rassentrieb, der in der Gefahr An- schluß an andere sucht. Hier wird der primitive Sozialgeist wirksam, der Individuum und Persönlichkeit verschlingt. Die Einzelnen ketten sich in der Gefahr zusammen, sie rotten sich um ihre Offiziere. Sie glauben an ihren Leutnant, und der Offizier kettet sich psychisch ganz ähnlich mit seinen Leuten zusammen; trogdem er Führer ist, hängt er von ihnen ab.“ (Man vergleiche zu dieser Charakteristik des Gruppengeistes unsere Gegenseitige Hilfsbereitschaft.