418 Die Gruppe. gebilde, können wir sagen, saugen das Beste aus dem Menschen heraus, nehmen es an sich, steigern es und wirken dann auf den Menschen zurück und heben ihn zu sich empor kraft ihrer Überlegenheit und seiner Unter- ordnung. Zum Teil spielt hierbei der Gegensag zwischen Handelnden und Zuschauern ($ 35) herein, nämlich soweit es sich um die Lebens- ordnung der Gruppe handelt. Hier schaffen, wie wir sahen, die Zu- schauer die Normen, die sich dann zum Rang von Objektivgebilden er- heben und aus dieser Höhe heraus den Handelnden trog seines etwaigen inneren Widerstrebens zu sich emporheben. Auf anderen Gebieten kommt statt dieses Gegensages derjenige der führenden und der ge- führten Individuen in Frage. Hier handelt es sich vor allem um die Lei- stungen der schaffenden und führenden Geister in Gebieten wie Technik und Kunst: was diese im Augenblick höchster Kraft geschaffen haben. wird dem Stil der nationalen Kultur einverleibt, wird zur festen Norm. nach der sich das wirtschaftliche oder geistige Leben richtet. Beachten wir auch die Kehrseite dieses Verhältnisses. Wenn in der strengen Logik der Wissenschaften der Mensch über sich selbst er- hoben wird, so ist es begreiflich, daß sich der Gelehrte außerhalb seiner Wissenschaft auf einem tieferen logischen Niveau bewegt. Er verfüg! dann nicht mehr über dieselben objektiven Kräfte. Nicht der Gelehrte hat kraft seiner allgemein menschlichen Eigenschaften die Wissenschaft geschaffen, sondern die Wissenschaft schafft kraft ihres objektiven Ge- haltes aus dem allgemeinen Menschenmaterial den Gelehrten. Wir haben hier wieder zu unterscheiden ($ 17,3) zwischen dem natürlichen Menschen und dem historischen Menschen, der ein Träger bestimmter Funktionen ist und auf der durch sie geschaffenen Höhe nur so lange ver- weilen kann, als er sich eben im Zusammenhange dieser Funktionen betätigt. So wird der Richter im privaten Leben von der Höhe seiner Berufstugend, nämlich der Gerechtigkeit, unvermeidlich herabsinken, ebenso wie der Geistliche von der Höhe der spezifischen Tugenden seiner Religion. Die allgemeine Neigung, das logische und teilweise auch das ethische Niveau des Menschen zu überschägen, beruht zum Teil auf der Verkennung dieser Überlegenheit der Objektivgebilde über den Menschen als solchen. Diese Überlegenheit der Objektivgebilde erweist sich insbesondere in gewissen Fällen als Überlegenheit der unpersönlichen Gebilde über das überpersönliche des Amtes ($ 27,,). So kann schon das Verfahren der Isolierung durch unpersön- tiche Gebilde in vollkommenerem Maße vollzogen werden als durch persönliche, weil eine Person niemals vollständig in einer einzigen Sache aufgeht oder sich vollständig mit ihr zu decken vermag. Indem sie auch der Träger anderer Interessen ist, ver mag sie keine so einseitig starke Wirksamkeit in einer bestimmten Richtung aus: zuüben wie ein sachliches Gebilde. Die Schrift, um ein früheres Beispiel zu wieder- holen. ist unbedingt treu. während das menschliche Gedächtnis von den verschieden: