20 tirer der Statistik“ bezeichnet, die Statistik der Göttinger Schule dagegen als eine der edelsten Wissenschaften gepriesen. Die Tabellenstatistik blieb die Antwort nicht schuldig. In der Zeitschrift „Germanien“ verteidigte Crome scharf seine Anschauung (1808) und bezeichnete die Kritik seines Hauptgegners A. F.Lueder (1760—1819) als „das declamatorische Geschwätz des über alles raisonirenden, oft nach falschen Ansichten und vorgefaßten Mei- aungen deraisonirenden, Hrn. Lueder“. Lueder scheint denn auch nicht ganz unschuldig gewesen zu sein. Nach seinen Abhandlungen zu urteilen, war er ein heißes Blut, ein Mann, der mit Begeisterung sich eine Theorie zu eigen machte, um sie bald wieder kurz entschlossen fallen zu lassen. Dies tritt in auffallendem Grade in seiner „Kritik der Statistik und Politik“ (1812) hervor. Er fällt hier ein scharfes Urteil über die von ihm selber früher so gelobte Universitätsstatistik: „Wir wissen nicht einmal, wie viel Mark wir in den Knochen ... haben: und wir wollen bestimmen die Kraft des Willens ganzer Völker, ihre Empfänglichkeit für den Enthusiasmus, ihre Energie und Resignation, ihre allgemeine und sittliche Kultur, ihr Vertrauen auf Gott und jen Muth ihrer Tugend!“ ($ 155). Die Zahlenangaben seien teils yanz falsch und, auf Dienstlügen fußend, teils vollständig irreführend: „Entscheidet die Volksmenge, so gilt der eine Kopf, was der andere gilt... ein Sully so viel als ein Scharfrichter; ein Kant nicht mehr als ein Laternenanzünder“ ($ 90). Und ganz dasselbe tritt in seiner leidenschaftlich geschriebenen „Kritischen Geschichte der Statistik“ (1817), die fast auf Monomanie schließen läßt, zutage. Die Statistik !sei nichts anderes als ein Traumbild, die Zahlenangaben seien ungenau. Er spottet über die Versuche, durch Verzeichnisse über uneheliche Geburten usw. eine „Himmelsbuchführung“ anlegen zu wollen (S. 377); „was man außer Bedlam sonst nirgends vereinigte, finden wir vereinigt in unseren Statistiken, im Abschnitt von der Staatsverwaltung“ usw. (S. 271). Es war nun nicht bloß die Kritik Lueders, die eine Änderung der Anschauung bewirkte, auch andere Verhältnisse spielten hinein. So mußte der Umstand, daß die Statistik so oft über Macht und Bedeutung der Länder prophezeite (vgl. das „Interesse“ bei Achen- wall) und damit ein politisches Gepräge erhielt, unausbleiblich zum Abfall von der Göttinger Schule beitragen, nachdem die politischen Ereignisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Unrichtigkeit der meisten Prophezeiungen über Deutschland erwiesen hatten.