7 eng mit dem Graunts verknüpft, daß er mitunter als der eigentliche Verfasser des Grauntschen Buches aufgefaßt worden ist, was jedoch keineswegs Wahrheit ist. Graunts „Observations“ scheinen das Resultat langjähriger Er- wägungen zu sein, indem seine Gedanken nach und nach, unter Be- rücksichtigung der verschiedenen auftauchenden Probleme, Form gewonnen haben. Dies ist eine Erklärung dafür, daß seine Schlüsse nicht immer in vollem Einklang miteinander stehen. Wie wenig man von Bevölkerungsverhältnissen wußte, geht deut- lich aus seinem Buche hervor. Er erwähnt die Schätzung eines Mannes von „eminenter Reputation“, wonach London im Jahre 1661 2 Mil- lionen Einwohner gehabt hätte, eine Zahl, die erst spät im 19. Jahr- hundert erreicht wurde. Es war eine recht verbreitete Auf- fassung, daß innerhalb der Bevölkerung mehr als drei Frauen auf jeden Mann entfielen, daß jedem Regierungswechsel Pestseuchen folgten und daß die Bewegungen des Mondes den Gesundheits- zustand beeinflußten. 21. Wie erwähnt, war das Material recht unvollkommen; aber Graunt versteht, es kritisch auszunutzen. Er ist mit den großen Mängeln der Geburtenstatistik namentlich seit Mitte des Jahrhunderts im reinen. In den Verzeichnissen über Todesfälle fehlten Katholiken und Nonkonformisten, die auf ihrem eigenen Friedhof beigesetzt wurden. Es gab Krankheiten, die nicht immer als Todesursache ge- nannt wurden; insbesondere mißtraut Graunt den Angaben über Todesfälle nach „französischen Pocken“ (Syphilis); und er versucht zu zeigen, daß in Pestjahren viele Todesfälle vorkommen, die anderen Ursachen zugeschrieben werden, in Wirklichkeit aber durch die Pest verursacht sind. Ganz natürlich fühlt Graunt sich sehr überrascht durch die Regelmäßigkeit der Zahlen auf vielen Gebieten, und diese Regel- mäßigkeit wird eines der Grundmotive des Buches. Er sucht zu beweisen, daß die relative Anzahl von Todesfällen nach chronischen Krankheiten, Unglücksfällen und Selbstmord konstant ist, während epidemische Krankheiten unregelmäßig auftreten. Man darf sich nicht darüber wundern, daß er sich infolge seiner Auffassung über die große Regelmäßigkeit verleiten läßt, auf Grundlage einiger von einer einzelnen Landgemeinde erhaltenen statistischen Beobachtungs- ergebnisse (Pettys Geburtsort Romsey) weitgehende Schlüsse zu ziehen. Das Material enthielt keine Altersangaben. Nur eine Minderzahl von Toten wurde auf der Todesursachenliste als „alt“ rubriziert.