45 endlich kleinen Zeitintervallen verändern. Dadurch wird die An- wendung der Differential- und Integralrechnung ermöglicht, was eine große Vereinfachung der Aufgaben bedeutet. Leider aber ward diese geniale Arbeit nur wenig beachtet; die Methode scheint die Folgezeit nicht beeinflußt zu haben, erst im 19. Jahrhundert kam sie zu ihrem Recht. Daß Daniel Bernoulli auch Fehler begehen konnte, vermag sein Verdienst um die Statistik keineswegs zu verkleinern. Kin Fehler wars, daß er die Halleysche Tafel so auffaßte, als ob sie mit 1000 im Alter von einem Jahre anfange und daß er dann willkürlich die Geburtenzahl, die den Ausgangspunkt bilden sollte, auf 1300 er- höhte. Ein solcher Fehlgriff ist jedoch ebenso verzeihlich wie die Unklarheit, welche den von ihm in die Wahrscheinlichkeitsrechnung eingeführten Begriffen „moralisches Vermögen“ und „moralische Hoffnung“ anhaftet. Durch die Formulierung solcher Begriffe er- weist er sich in Wirklichkeit als Vorläufer der modernen Grenz- wertlehre. Von Bernoullis Zeitgenossen richtete namentlich der fran- zösische Mathematiker d’Alembert scharfe Angriffe gegen B.s Ab- handlung, ohne jedoch tiefer in die Materie eingedrungen zu sein. 34. Die politische Arithmetik hatte in mancher Beziehung Be- rührungspunkte mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung, welche im Laufe des 19. Jahrhunderts eine gewisse Vollkommenheit erreichte. Anscheinend bedeutungslose Spielaufgaben veranlaßten interessante mathematische Untersuchungen, die die Entwicklung der Statistik ungemein beeinflußten. Die ersten Anläufe zu dieser Disziplin wurden in Italien und Frankreich gemacht, und als Pioniere sind besonders zwei berühmte Italiener zu erwähnen: Cardan (1501—1576) und Galilei (1564—1642). Ersterer hat eine kleine Abhandlung: De Ludo Aleae geschrieben, worin er berechnet, welche Chancen die verschiedenen Würfe mit Würfeln haben. Ähnliche Aufgaben stellte sich Galilei. Ein Spieler hatte beobachtet, daß, wenn man mit 3 Würfeln spielte, 10 Augen häufiger geworfen würden als 9, und Galilei bewies, daß auf 25 Würfe, welche 9 Augen gäben, 27 Würfe der anderen Art kämen. Diese Berechnung kann man leicht nach- prüfen. Die eigentliche Grundlage für die Wahrscheinlichkeitsrechnung wurde jedoch von Pascal (1623—1662) und Fermat (1601—1665) gegeben. Kine seinerzeit bekannte Persönlichkeit, Chevalier (später Marquis) de Mere, der selbst, wie es scheint, Dilettant war. stellte