56 der fehlerhaften bis weit ins 19. Jahrhundert hinein verwendeten Methoden, ein Bild der Verwirrung. Zur Bestimmung der Ein- wirkung des Berufes auf die Sterblichkeit fußte man z. B. auf Be- obachtungen über Patienten eines Hospitals, also auf einem Material, das vollständig aus seinem Zusammenhang mit anderen Verhältnissen gerissen war, oder man zählte die Todesfälle innerhalb eines Er- werbszweiges in den einzelnen Altersgruppen, um dann das Durch- schnittsalter auszurechnen, oder man betrachtete die Altersverteilung in einer Bevölkerungsgruppe, ohne an den Einfluß der Wanderungen oder des Geburtenüberschusses zu denken. Ein großes Zerrbild war das Ergebnis all dieser Untersuchungen, selbst wenn man die gleichen Wege dazu einschlug; bald wurde behauptet, die Statistik zeige, daß Schneider kürzer als Schuster lebten, bald war es umgekehrt; aller- hand Behauptungen entbehrten, wie sich bei späteren rationellen Jntersuchungen herausstellte, denn auch jeglicher Grundlage, so z. B. die Behauptung eines Verfassers, die Lebensdauer der höheren Ge- sellschaftsklassen Englands sei kürzer als die der durchschnittlichen Bevölkerung. Daß man oft mit ganz außerordentlich kleinen Zahlen operierte, machte die Verwirrung vollständig. Erst allmählich glückte es, und namentlich bei der amtlichen englischen Bevölkerungsstatistik, Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Es ist eins der Verdienste Will. Farrs, im Anschluß an die Volkszählung Untersuchungen über lie Sterblichkeit innerhalb verschiedener Berufe in Gang gesetzt zu haben. Hierbei ergaben sich gewisse Hauptzüge, während im übrigen zahlreiche Ursachen, auf die man früher sehr viel Gewicht gelegt aatte, als relativ unbedeutend aufgefaßt werden mußten. Bei dem sich so vollziehenden starken Umschwung war es ganz natürlich, daß manche statistischen Verfasser in vorausgefaßten Mei- aungen befangen waren. Man kann sagen: wie die Quantitätstheorien in der Nationalökonomie Verbreitung fanden, so ging es auch in der Statistik. Man hatte oft die Aufmerksamkeit zu sehr auf das Ty- pische, das Feststehende gelenkt, während man das ewig Ver- änderliche im Leben und Treiben der menschlichen Gesellschaft ibersah. Und wenn man mit so großer Begeisterung die inter- nationalen statistischen Kongresse um die Mitte des vorigen Jahr- nunderts begrüßte, so hängt das in einigem Grade mit dieser Auf- fassung zusammen, indem man mehr an die Gleichartigkeit als an die Verschiedenheiten des Zahlenmaterials in den verschiedenen Ländern dachte. Ebenso wie man sich bei einem Studium Süßmilchs ein Bild