30) Die Geschichte der Volkszählungen ist in dieser Beziehung iehrreich !). In älteren Zeiten kümmerte man sich häufig nur wenig darum, die Volkszahl an einen einzelnen bestimmten Tag zu knüpfen. Noch im Jahre 1801 wurde für Dänemark vorgeschrieben, daß die Landbevölkerung sich am 1. Februar, einem Sonntag, beim Pastor melden sollte; könnte man nicht an diesem Tage die Aufzeichnungen beenden, dann müßte der Pastor auch die folgenden Sonntage ausnutzen. Heutzutage strebt man immer danach, die Volkszählung auf einen ainzelnen Tag zu begrenzen, indem man voraussetzt, daß die Personen, welche vor einem bestimmten Zeitpunkt gestorben, und die, welche nach diesem Zeitpunkt geboren sind, nicht mitgezählt werden. Faktisch wird man jedoch kleine Fehler kaum vermeiden können, und es dürfte schwierig sein, eine Volkszählung an einem einzelnen Tage voll und ganz durchzuführen, In einem modernen Kulturstaat, wo nur wenige Tage zur Durch- führung einer Volkszählung gebraucht werden, werden die unsteten Bevölkerungselemente in der Regel nur geringe Aussicht und auch keine große Veranlassung dazu haben, sich der Zählung zu entziehen. Einige Vagabunden werden vielleicht übersehen, einzelne, die gerade umziehen, vielleicht zweimal gezählt werden; Personen, welche un- mittelbar nach dem Zähltage sterben, werden vielleicht nicht auf die Liste kommen; aber die ganze Hauptmasse wird ohne Schwierigkeit zefunden und registriert werden. Die eigenartige schwedische Bevölkerungsstatistik hat die Mittel zu einer diesbezüglichen Kon- trolle. Diese Statistik beruht hauptsächlich auf gemeindeweisen Verzeichnissen der Einwohner und ausführlichen Berechnungen über lie Volkszahl aller 10 Jahre; außerdem werden jetzt auch Volks- zählungen vorgenommen. Die sich aus diesen beiden Quellen her- leitenden Zahlen lassen sich überraschend gut miteinander in Über- einstimmung bringen. Anläßlich einer Neubearbeitung des Volks- zählungsmaterials der Landgemeinden Fünens zwecks Berechnung der Sterblichkeit in den verschiedenen Gesellschaftsklassen, ergab sich ebenfalls nur ein unbedeutender Unterschied von höchstens ),4 Promille ?). Bei der Wahl des Zählungstages (Stichtages) wünscht man in unserer Zeit einen Tag zu finden, an dem möglichst viele zu ı) Über Methoden und Technik der Volkszählungen siehe u. a. A. Kauf- mann, a. a. O. 8. 313 ff. 2?) Rubin und Westergaard, Landbefolkningens Dodelighed i Fyens Stift, 1886, S. 20 H.