36 Fall. Aber daß die Fälschung zuletzt ans Licht kam, ist ein Be- weis für die Zuverlässigkeit der statistischen Beobachtungsreihen im allgemeinen. Die Zahlen sind häufig unvollkommen, und man setzt sich oft Trugschlüssen aus; aber die bewußte Fälschung hat ihr Korrektiv darin, daß nicht alle Beobachtungsreihen dem Fälscher zugänglich sind. Gerade die überraschenden Schlüsse auf Grundlage irgendeiner Statistik müssen eine ernste Aufforderung anthalten, Beobachtungen zur Bestätigung oder zur Kritik der be- haupteten Resultate anzustellen. Und selbst da, wo ein positiver Beweis der Fälschung nicht glücken sollte, würde man wenigstens Jas verfälschte Beobachtungsmaterial durch zahlreiche Untersuchungen sinkreisen und dadurch als sehr wahrscheinlich hinstellen können, Jaß eine Fälschung geschehen sei. Wie oben bemerkt, liegt die Garantie für die statistischen Ergebnisse gerade darin, daß sie ein System bilden; enthält dies etwas, was zu den übrigen Ergeb- nissen in Widerspruch steht, dann wird ganz natürlich das Miß- trauen erweckt und neue Untersuchungen werden angestellt, bis man in der betreffenden Frage zur sicheren Lösung gelangt. 61. Wo es sich um wirtschaftliche Verhältnisse handelt, können andere Fehlerquellen vorliegen. Vergleicht man z. B. die Handelsstatistik zweier Länder, die gegenseitigen Warenaustausch haben, dann wird man bald auf so viele Schwierigkeiten stoßen, daß man wohl nie mit einem ganz einwandfreien Material zu rechnen wagen kann. Beispielsweise seien nach der offiziellen Statistik Schwedens, Norwegens und Dänemarks für das Jahr 1913 die Wertzahlen (in 1000 Kr.) für die Ein- und Ausfuhr einander gegenübergestellt : Statistik des Ausfuhrlandes Einfuhrlandes 534 034 46 328 70 650 71 104 26 682 25 928 9181 8755 / 83 51 810 „19 300 28 347 Schweden nach Norwegen » „ Dänemark Norwegen nach Schweden ” „ Dänemark Dänemark nach Schweden . „ Norwegen . Wie man sieht, stimmen die Zahlen nicht gerade glänzend überein; auch bei einer Betrachtung der einzelnen Waren werden sich viele Abweichungen ergeben. Ein besseres Resultat hat man In Bayern erreicht, indem man für einige Jahre mit Hilfe der amerikanischen Konsulate und Exportfirmen eine Statistik über den Anteil Bayerns an der Ausfuhr der Vereinigten Staaten beschafft hat. Die Über- einstimmung mit der Reichsstatistik ist befriedigend *). ') C. Meisinger, Handels- und Schiffahrtsstatistik, in der Festschrift {ür v. Mayr, a. a. O0. S. 271.