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        <title>Grundzüge der Theorie der Statistik</title>
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      <div>50 
mathematischen Gesetze mit den Erfahrungen übereinstimmten. 
Selbst die Beobachtungen beim Spiel und dergleichen, welche von 
jedermann zu machen waren, wurden nur vereinzelt herangezogen, 
Andernfalls würden die Mathematiker sicherlich gelernt haben, ihre 
Resultate in solche Formen zu kleiden, daß sie den Statistikern 
leichter zugänglich geworden wären. Wie die Verhältnisse lagen, 
kam die Wahrscheinlichkeitsrechnung zwar den Naturwissenschaften, 
aber nur in geringem Grade den sozialen Wissenschaften zugute. 
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren manche Bausteine zu 
einer wissenschaftlichen Statistik gesammelt. Noch fehlte allerdings 
viel, und besonders hatten die einzelnen Richtungen in der Regel 
noch nicht gelernt, einander zu verstehen und sich gegenseitig zu 
beeinflussen. Das statistische Beobachtungsmaterial war wenig um- 
lassend und wenig befriedigend; erst der folgenden Zeit sollte es 
vorbehalten sein, die reichen Quellen der offiziellen Statistik zu er- 
schließen. Und erst nachdem allmählich dieses Beobachtungsmaterial 
erhoben war, konnte eine fruchtbare Entwicklung der Technik und 
der theoretischen Behandlung der Aufgaben erwartet werden. 
C. Die moderne Statistik. 
36. Wie auf so vielen anderen Gebieten, so ist auch für die 
Statistik das 19. Jahrhundert eine wahre Revolutionsperiode. Wenn 
man die Siebenmeilenschritte beobachtet, welche die einzelnen sta- 
tistischen Disziplinen in unseren Tagen gemacht haben, wird man 
fast daran zweifeln, überhaupt eine zusammenhängende Darstellung 
dieser Bewegungen geben zu können, die oft fast sprungweise vor 
sich zu gehen scheinen. 
Es gilt dies allerdings nicht für die ersten drei Jahrzehnte des 
19. Jahrhunderts, die am besten nur als Vorbereitungszeit aufzu- 
fassen sind. Erst die Zeit ums Jahr 1830 bezeichnet den eigentlichen 
Wendepunkt. Vor dieser Zeit hatte die Statistik im wesentlichen 
das alte überlieferte Gepräge; noch lesen die Universitätsprofessoren, 
getreu der Tradition, über Statistik als Staatenkunde; noch sind die 
numerischen Tatsachen zum Teil Staatsgeheimnisse. 
Einen Augenblick schien es, als ob man mit dem neuen Staaten- 
leben beim Übergang zum 19. Jahrhundert einen ganz anderen Ent- 
wicklungsgang hätte erwarten können. Die nordamerikanischen 
Freistaaten z. B. hatten in der Unionsverfassung als Grundlage für 
die Wahlen regelmäßig zu wiederholende Volkszählungen festgesetzt,</div>
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