pas hier einen gewissen Druck auszuüben vermöchten. Wie lange dieser die Entwicklung zurückzudiämmen vermag, läßt sich heute noch nicht sagen. So viel aber ist sicher, daß wir hier erst an einem Anfang stehen und damit zu rechnen haben, daß der Prozeß sich in dieser Richtung mit Riesenschritten weiter vollziehen wird. Besonders die verhältnismäßig hohen Ein- und Ausfuhrziffern, die noch im Verkehr mit Neuseeland, Australien, Südafrika bestehen, erklären sich zum Teil aus dem Druck, den das in den Kolonien angelegte Kapital ausgeübt. Un- geachtet der geographischen Lage, die auf näher gelegene Märkte hinweist, treibt z. B. Neuseeland wenig Handel mit Australien, und Kanada noch nicht ausschließlich mit den Ver- einigten Staaten. Hier muß die wirtschaftliche Vernunft wieder den Kapitalinteressen weichen; nicht der kurze Handelsweg und die billigen Kommunikationen werden gewählt, sondern die Waren legen den langen und sie verteuernden Weg zurück, weil be- stimmte Kapitalistengruppen es befehlen. Dazu kommt, daß die Kolonien sich mit hohen Zollmauern auch gegenüber dem eigenen Mutterland umgeben haben. Schon in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts gehörten in den australischen und kanadischen Häfen Zölle, die bis zu 40% des Wertes ausmachten, durchaus nicht zu den Seltenheiten, Seither haben die Kolonien keine größere Bereitwilligkeit gezeigt, ihre aufstrebenden In- dustrien dem Mutterlande zum Opfer zu bringen. Selbst in einem so ausgedehnten Kolonialreich wie England konnte der Autarkiegedanke als Begründung der Kolonialpolitik in der Zeit der zunehmenden weltwirtschaftlichen Verflechtung nicht standhalten. Die einzigen Rohstoffe, die das englische Weltreich in der Höhe seines Eigenbedarfs und darüber hinaus erzeugt, sind Kohle und Jute. Bei allen anderen Stoffen ist das Reich auf Einfuhr angewiesen, Es erzeugt in Prozent seines Be- darfs: Eisenerz 67, Zinn 60, Blei 25, Petrol 3; Wolle 80, Baum- wolle 25, Seide 3, Gummi 75; Fleisch 70, Gerste 30, Reis 60, Ge- treide (insgesamt) 50, Kaffee 11, Früchte 10, Zucker 6, Tabak 6, Mais 5, um nur die wichtigsten Nahrungs-, Genuß- und Ge- brauchsmittel zu nennen. So bleibt das mächtigste und aus- gedehnteste Kolonialreich als ganzes doch in starkem Maße angewiesen auf die Einfuhr aus dem Ausland. Eine Gesamt- übersicht über den englischen Außenhändel nach den verschie- denen Ländern ergibt, daß er in den Dominions nur in Ägypten, außerdem im Sudan und in Nigerien gestiegen ist. Hier geht die Zunahme parallel mit dem Ausfall des deutschen Außenhandels. Gesunken ist der relative Anteil Englands besonders in Britisch- Indien, Ceylon, den Straits Settlements, Kanada und Südafrika, in jenen Teilen also, in denen die Industrialisierung und Kapi- talisierung stark zugenommen hat.