Aus den vorstehend kurz gekennzeichneten grundlegenden weltwirtschaftlichen Wandlungen ergibt sich, daß die Kolonien und auch die Gebiete, die, wie China, nicht in unmittelbarer politischer, aber doch in starker wirtschaftlicher Abhängigkeit von England stehen, ihre Rolle als Absatzmärkte für die einheimischen industriellen Erzeugnisse und als Bezugsländer für Rohstoffe wenn noch nicht ausgespielt, so doch sostarkeingeschränkt haben, daß also heute von einer Notwendigkeit kolonialer Betätigung aus diesen Gründen nicht mehr ernsthaft die Rede sein kann. Darüber hinaus aber wirken sich die Kolonien besonders für die englische Arbeiterschaft als wesentliche Hemmnisse für einen Aufstieg aus, da sie die industrielle Reservearmee des Mutter- landes vergrößern. Der Rückgang in der englischen Textil- industrie geht unmittelbar parallel der Entwicklung der Textil- industrie in den Kolonien. Die Weltproduktion an Jute, für die Indien das Monopol hat, betrug im Durchschnitt der letzten Jahre 10 Millionen Ballen. Von diesen gehen heute 7 Millionen an die indischen Spinnereien nach Kalkutta, eine Million nach England, eine nach Deutschland, eine halbe nach den Vereinigten Staaten. Von 1910 bis 1925 hat sich die Zahl der Jutespindeln in Kalkutta von 335 000 auf I 020 000 erhöht, die Zahl der Jutewebstühle von 16200 auf. 48 500. Während dieser Zeit hat sich die Zahl der beschäftigten Arbeiter verdreifacht, das investierte Kapital aber vervierfacht. Im Laufe dieser Periode ist in Lancashire, wo sich ein Drittel der Spindeln der Welt befindet, der Export auf 59% der Vorkriegszeit gesunken. Die Ausfuhr an fertigen Baumwollwaren aus England hat sich folgendermaßen entwickelt (in Millionen square yards): 1913 1920 1921 1022 1923 1024 1025 1926 1027 7975 4425 2002 4182 4140 4444 4434 3834 4118 Während der Weltverbrauch an Baumwolle von 23 auf 24,7 Millionen Ballen gestiegen ist, ist der englische Anteil in der angegebenen Weise gesunken. Es kann sich also nicht um eine vorübergehende Erscheinung handeln, sondern um eine Entwicklung der kolonialen Staaten, die beweist, daß das Ende der kolonialen Epoche immer näher heranrückt. Lancashires Hauptlieferant ist heute nicht mehr Indien, an seine Stelle ist Amerika getreten. Es werden jährlich 120000 Ballen indischer, aber 2000000 Ballen amerikanischer Baumwolle in Lancashire verarbeitet. Die indischen Qualitäten sind geringer, der Trans- port von Amerika billiger. Hier hat die Kapitalmacht nicht mehr genug Einfluß gehabt, diesen Weg zu versperren. Indien aber versorgt heute Japan. Zudem ist der indische Eigenver- 2 Fabian, Arbeiterschaft und Kolonialpolitik 1”