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        <title>Der deutsche Buchhandel</title>
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            <forname>Hermann</forname>
            <surname>Pfeiffer</surname>
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        </author>
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            <idno>178663418X</idno>
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        HERMANN PFEIFFER
Der deutsche Buchhandel
seine Organisation und seine
Einrichtungen

AR,
X
C. DÜNNHAUPT VERLAG / DESSAU
        <pb n="3" />
        Der deutsche Buchhandel
seine Organisation
und
seine Einrichtungen

Ma

DT

Hermann Pfeiffer

mit einem Vorwort von

Professor Dr. Frenzel
Oberstudiendirektor der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig.

C. Dünnhaupt Verlag / Dessau 1928
        <pb n="4" />
        Alle Rechte vorbehalten.

ww
5

TOFBUCHDRUCKEREI VON C. DÜNNHAUPT G.M.8.H.. DESSAU
        <pb n="5" />
        Vorwort.

Nach Karl Lamprecht ist der Buchhandel die älteste Form des
modernen Unternehmens, so daß dem Stande des Buchhändlers
etwas Aristokratisches, Vornehmes anhafte. Das mag es wohl sein,
was jahraus, jahrein eine so starke Anziehungskraft auf viele junge
Leute aus den Kreisen des gebildeten Mittelstandes und auch aus den
höheren Schichten ausübt,

Aus jahrelanger Erfahrung weiß ich, daß in der Regel weder die
Eltern noch deren Söhne oder Töchter eine auch nur einigermaßen
zutreffende Vorstellung von dem Buchhandel und seinen einzelnen
Zweigen haben. Sie lieben die Bücher, kennen aber den buch-
händlerischen Beruf zumeist nur vom Sortiment, in dem sie ihren
mehr oder minder großen Bedarf an wissenschaftlichen oder schön-
literarischen Werken zu decken. pflegen, während sie vom Verlag,
der die Bücher erzeugt, und vom Kommissionsgeschäft, das den
Verkehr zwischen Verleger und Sortimenter vermittelt, und den
übrigen Zweigen des Buchhandels kaum mehr als eine. bescheidene
Ahnung haben. Sie wissen auch nicht, welche Anforderungen der
Buchhandel notwendigerweise an seine Jünger stellen muß: ein-
gehende Kenntnis der geistigen und literarischen Strömungen der
letzten Jahrhunderte bis zur Gegenwart, genauer Einblick in die ver-
schiedenen Arten der Buchtechniken und der Buchkunst, vor allem

aber volle Sicherheit in allen betriebswirtschaftlichen Fragen und
in den mannigfaltigen Vertriebsformen. Wer sich nicht bewußt ist,
daß der Buchhandel in seiner Mittlerrolle zwischen Wissenschaft,
Gewerbe und Handel im Dienst am Buche für sein Volk, ja für die
Menschheit schwere, verantwortungsvolle Arbeit zu leisten hat, wer
nicht Ideale hat und nicht bereit ist, für sie Opfer zu bringen und
Treue im Kleinen und Kleinsten zu üben, taugt nicht zum Buch-
händler, Hinwiederum haben jene, die sich mit den rechten see-
lischen und geistigen Voraussetzungen dem Buchhandel als Lebens-
beruf verschreiben, neben einer auskömmlichen Existenz volle Be-
[riedigung zu gewärtigen,

Wohl bietet die Erlernung des Buchhandels die Möglichkeit, in
andere kaufmännische Berufe überzugehen; dennoch ist die Wahl
dieses Berufes nur unter Berücksichtigung der geistigen und körper-
lichen Eignung vorzunehmen, und das setzt voraus, daß man, sofern
man ihm bis jetzt fern gestanden hat, einen kundigen, gewissenhaften
        <pb n="6" />
        YI
Berater heranziehe. Da erscheint gerade noch rechtzeitig vor Ostern
im C. Dünnhaupt Verlag in Dessau neben der Reihe der von diesem
Verlag herausgegebenen Berufsführer der vorliegende „Führer
Jurch den Buchhandel“, der die Eltern und Erziehungspflichtigen,
insbesondere aber die vor der Berufswahl stehende Jugend, um
deren Lebensglück es sich handelt, mit dem Buchhandel und seiner
Organisation und den Aussichten, die sich dem jungen Adepten in
diesem Beruf bieten, bekannt macht. Als Verfasser konnte nur ein
Vollblut-Buchhändler in Frage kommen, wie e8 Hermann Pfeiffer ist,
der alle Sparten des Buchhandels durchlaufen hat und vor seinem
erst unlängst erfolgten Rücktritt in den Ruhestand mehr als
30 Jahre in der Firma F. Volckmar in Leipzig als Prokurist tätig
war und schon wiederholt in der Fachpresse zu buchhändlerischen
Fragen Stellung genommen hat.

Ist auch das vorliegende Buch in erster Linie als kenntnisreicher
und verständnisvoller Führer für die Zwecke der Berufsberatung ge-
dacht, so wird ihn doch auch jeder junge Buchhändler mit Vorteil
gebrauchen können, der sich noch in das Ganze des Buchhandels
und in die Zusammenhänge seiner Organisation einzuarbeiten hat;
insbesondere aber darf er in keiner Geschäftsbücherei fehlen, deren
Aufgabe es ist, der Belehrung der Angestellten zu dienen. Möge das
Buch eine freundliche Aufnahme finden und der Erfolg dem Ver-
fasser und dem Verlag die aufgewandte Mühe und die Opfer, die sein
Erscheinen verursacht hat, lohnen !

Zum Schlusse spreche ich im Namen und im Aufirage des Ver-
fassers allen denen den wärmsten Dank aus, die ihn bei der Be-
arbeitung seines Führers durch Überlassung von Literatur, Tabellen
und durch manchen freundlichen Wink unterstützt haben. Der Ver-
fasser hat zwar nach möglichster Vervollkommnung seines Werkes
yestrebt, aber falls der eine oder andere noch besondere Wünsche in
dieser oder jener Richtung hat, wird er dringend gebeten, sie dem
Verlag mitzuteilen, damit sie bei einer neuen Ausgabe berücksichtigt
werden können.
Prof. Dr. Frenzel,
Oberstudiendirektor der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt.

Leipzig, am 17. März 1928.
        <pb n="7" />
        Inhalt.

I. Einleitung . .

II. Die Organisation des deutschen Buchhandels . . . .
Leipzig als Mittelpunkt des buchhändlerischen Verkehrs 8.2.
Bestellanstalt, Paket-Austauschstelle, Zalko, Bag 5.7.

Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler, seine Bedeutung
für den Buchhandel und seine Einrichtungen S. 8.

Die Geschäftsstelle des Börsenvereins S. 19.

Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel S. 19.

Das Adreßbuch des Deutschen Buchhandels 5.20.

Die Bibliothek des Börsenvereins S. 23.

Die deutsche Bücherei des Börsenvereins der Deutschen Buch-
händler $S. 24.

Die Werbestelle des Börsenvereins — Auslandausschuß S. 24.

Berlin und seine buchhändlerischen Verkehrseinrichtungen S. 26.

Stuttgart, die süddeutsche Buchhandelazentrale S. 27,

Hl. Die Zweige des deutschen Buchhandels .

Der Verlag 5.29.

Das Sortiment 5.35.

Das Kommissionsgeschäft S. 39.

Kolportage-, Reise-, Bahnhofs- und Warenhausbuchhandel S. 42,

Das Barsortiment S. 44,

Das Antiquariat S. 46.

Der Musikalienhandel S. 49.

Der Kunsthandel 8.52.

Beite
1
9

30

[V. Der Buchhandel als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung 54
V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers . . 57
Die Frau im Buchhandel 5. 62.
VI. Die Ausbildung zum Buchhändler
Die Lehre 8. 64.
Die Fachschulen S. 65.
Die Fortbildung 8.72.

34

VII. Berufsaussichten, Gehalts- und Angestelltenverhältnisse . 74
Die Stellenvermittlung im Buchhandel 5.76.
Unterstützungseinrichtungen S. 77.

VIII. Verbände und Vereine der Gehilfen und Angestellten

IX. Buchhändlerische Fachblätter

X. Buchhändlerische Bibliographie

78
82
R4
        <pb n="8" />
        <pb n="9" />
        I. Einleitung.

Der Buchhändler, der als Verleger die Geistesprodukte der
Schriftsteller in Buchform zu marktfähiger Ware macht oder als
Sortimenter die Erzeugnisse des Verlegers dem Käuferpublikum
vermittelt, untersteht als ordentlicher Kaufmann den Bestimmungen
des Handelsgesetzbuchs.

Der Gesetzgeber hat aber in Berücksichtigung der Doppelnatur
des Buches neben das Handelsgesetzbuch das Urheberrecht an
Schriftwerken gestellt; jenes trägt dem Warencharakter des Buches
Rechnung, dieses seinen geistigen Werten. Das Buch ist nur bei
oberflächlicher Betrachtung eine Ware wie jeder andere Handels-
gegenstand. Waren, die in den Besitz eines Käufers übergehen,
werden im allgemeinen, wenn er nicht selbst Verkäufer ist, sondern
sie an andere ohne Gegenleistung weitergibt, seinen Besitzstand
vermindern, die Ware selbst wird verbraucht oder durch Gebrauch
zum mindesten im Werte verringert. Das gilt auch bis auf be-
sondere Ausnahmefälle vom Buch in seiner äußeren Form,
aber der Inhalt eines Buches, seine geistigen Werte, kann sein
Besitzer anderen nach Belieben nutzbar machen, ohne daß diese
Werte durch den Gebrauch geringer werden. Es beweist das, daß
das Buch einerseits ein greifbares Objekt, anderseits etwas rein
Geistiges ist. Gerh. Menz sagt hierüber!): „Als Träger der per-
zönlichen Wirkung des Autors, als Mittler einer geistigen Energie-
äußerung ist das Buch nicht reine Sache, nicht restlos objektivierte
tote Ware, sondern etwas Lebendiges. Es ist immer in irgend-
einer Art, bald mehr, bald weniger ausgesprochen und aufdringlich,
materialisierte Pädagogik.“

Eine weitere Besonderheit nimmt das Buch jeder anderen Ware
gegenüber für sich in Anspruch. Es ist ein Massenprodukt, das
heißt, es wird stets in größerer Anzahl von gleicher Art herge-
stellt, aber nicht — von wenigen Ausnahmen abgesehen — in
größeren Posten vom Kleinhandel, dem Sortiment, für den Verkauf
an das Publikum aufgenommen. In der Hauptsache ist schon das
einzelne Buch, das einzelne Exemplar einer Auflage, Handelsobjekt
zwischen Sortimenter und Verleger. Hieraus erklärt sich die
Organisation des deutschen Buchhandels, die das Zusammenfassen
der von den Verlegern gelieferten Einzelobjekte bezweckt, um sie
danach in Sammelsendungen an die Wiederverkäufer, die Sorti-
menter. weiterzugeben.
ı) Menz. Der deutsche Buchhandel. S. 20.
        <pb n="10" />
        [. Einleitung.
Und noch ein Drittes unterscheidet das Buch von der großen
Mehrzahl der Artikel des Warenmarktes. Während sich hier der
Verkäufer aus dem Einkaufspreis und seinem Aufschlag, den er je
nach Erfordernis bemißt, den Verkaufspreis errechnet, wird der
Ladenpreis für das Buch vom Erzeuger, dem Verleger, bei seinem
Erscheinen bestimmt, wie es ähnlich beim Warenhandel nur bei
Markenartikeln geschieht. Dem Wiederverkäufer, dem Sortimenter,
wird als geschäftlicher Nutzen und zur Deckung seiner Spesen ein
ebenfalls vom Verleger festgelegter Rabatt auf den jeweiligen
Ladenpreis gewährt. Darin tritt erst dann eine Änderung ein, wenn
nach der vorschriftsmäßig im Börsenblatt erfolgten Bekanntgabe
eines Verlegers, daß der Ladenpreis eines Verlagsartikels aufge-
hoben sei, ein Buch „Ramschartikel“ und Ware im landläufigen
Sinne des Wortes geworden ist.

Durch die Festlegung des Ladenpreises wird für den Buchhändler
sin wichtiges Mittel des Warenhandels ausgeschaltet : durch billigeren
Preis und hieraus folgenden größeren Umsatz sich gegenüber der
Konkurrenz Vorteile zu verschaffen.

Zur Aufrechterhaltung des Ladenpreises, der wichtigsten Be-
dingung für die Lebensfähigkeit des deutschen Sortiments in seiner
jetzigen Bedeutung, und zur Verhinderung unlauterer Konkurrenz
durch Unterbietung der Preise bedarf es naturgemäß einer Ver-
einigung der Verleger und Sortimenter, die beide Gruppen trotz
mancherlei Verschiedenheit ihrer Interessen zum Wohle des Ge-
samtbuchhandels zusammenfaßt.

Diese Vereinigung ist der Börsenverein der Deutschen Buch-
händler,

Der Organisation des Buchhandels und dem Börsenverein der
Deutschen Buchhändler sind die beiden folgenden Abschnitte dieses
Buches gewidmet.

IL Die Organisation des deutschen Buchhandels.
Leipzig als Mittelpunkt des deutschen Buchhandels
und dieOrganisation des buchhändlerischenVerkehrs.
Die Zentralisierung des deutschen Buchhandels in Leipzig und
ihre Bedeutung für die gesamte buchhändlerische Organisation hat
sich auf der Grundlage aufgebaut, die durch die Leipziger Bücher-
messe geschaffen worden ist.

Zwei große Meßplätze Deutschlands wurden bald nach Erfindung
der Buchdruckerkunst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts
        <pb n="11" />
        IL Die Organisation des deutschen Buchhandels, 3
Hauptstapelplätze der buchhändlerischen Produktion, Frankfurt a. M.
tür den westdeutschen und internationalen, Leipzig mehr für den
ostdeutschen Buchhandel. Hier trafen die Buchhändler aus allen
Himmelsgegenden als Käufer und Verkäufer zusammen, hier ge-
wannen sie Überblick über den Büchermarkt und konnten die Bücher-
erzeugung und den Absatz danach regein. Jm 16. und 17. Jahr-
hundert standen Frankfurt a. M, und Leipzig gleichwertig neben-
einander, im 18. Jahrhundert verminderte sich Frankfurts Be-
Jeutung als buchhändlerischer Meßplatz. Als im Jahre 1764 zahl-
reiche Verleger beschlossen, infolge mancherlei widriger Umstände
die Frankfurter Messe nicht mehr zu besuchen und fernerhin nur
noch in Leipzig Auslieferungslager zu unterhalten, verlor Frankfurt
seine Bedeutung und Leipzig wurde zum Mittelpunkt des gesamten
deutschen Buchhandels,

Diese Stellung hat Leipzig, begünstigt durch seine Lage im
Herzen Deutschlands, in jahrzehntelanger Weiterentwicklung seiner
Verkehrseinrichtungen durch die Leipziger Kommissionäre, im be-
sondern auch durch die zielbewußte Förderung der Platzinteressen
seitens des Vereins der Leipziger Buchhändler, sich bis zum heutigen
Tage zu erhalten gewußt.

Die Buchhändler-Zentrale Leipzig ist trotz mancherlei Stürme,
die im Laufe der Jahre und besonders in der Kriegs- und der ihr
folgenden Inflationszeit über sie dahin gefegt sind, in ihren Grund-
festen unerschüttert geblieben; sie ist nach wie vor das Bindeglied
des deutschen buchhändlerischen Verkehrs und der wichtigste Be-
standteil in einer Organisation, die von den andern Kulturnationen
bewundernd anerkannt wird, ohne daß sie bisher etwas ihr Gleich-
wertiges zu schaffen vermochten.

Dem Buchhandel ist der Vorwurf gemacht worden, daß er heute
noch an Einrichtungen festhalte, die aus der Zeit der Postkutsche
und des Frachtwagens in die Gegenwart einer hochentwickelten Ver-
kehrstechnik herüberragen. Es will dem Laien recht seltsam er-
scheinen, daß beispielsweise ein Stralsunder Sortimenter von einem
Stettiner Verleger ein Buch auf dem Umweg über Leipzig, statt
auf dem geraden, direkten Wege bezieht; auch sieht der volks-
wirtschaftliche Theoretiker das Leipziger Kommissionsgeschäft und
Barsortiment als einen Zwischenhandel an, der im Interesse einer
Verbilligung der Bücherpreise beseitigt werden müsse.

Wie wenig diese Beurteilung der fachmännischen Kritik stand-
hält, wird sich aus folgendem ergeben.

Zunächst müssen wir uns das schon in der Einleitung Gesagte
vergegenwärtigen, daß das Buch kein Handelsartikel ist wie jede
andere Ware, die der Wiederverkäufer vom Produzenten oder
Grossisten — diesen Zwischenhändler gibt es aus Notwendigkeits-
yründen auch im Warenhandel — in großen Posten für den Einzel-
        <pb n="12" />
        1. Die. Organisation des deutschen Buchhandels.

handel beziehen kann. Das Einzelobjekt, mit dem es der buch-
händlerische ‚Wiederverkäufer, der Sortimenter, zu tun hat, be-
ginnt schon bei Pfennigwerten. Nehmen wir an, das Buch, das
der Stralsunder Kunde verlangt, habe einen Ladenpreis von fünfzig
Pfennigen (es gibt auch Objekte von geringerem Preis !), so kann
man sich leicht ausrechnen, welche Spesen beim direkten Bezug
vom Stettiner Verleger für die Bestellkarte, das Kreuzbandporto
und die Geldüberweisung entstehen würden. Sie würden dem Wert
des Kaufobjekts ziemlich gleichkommen. . Auch bei Büchern mit
höheren Preisen ergibt sich beim direkten Bezug ein ähnliches
Mißverhältnis zwischen Spesen und Ladenpreis. Dank der buch-
händlerischen Organisation mit dem. Verkehr über Leipzig ist aber
jeder Buchhändler im Deutschen Reiche, wenn er in Leipzig einen
Kommissionär und durch ihn Anschluß an die buchhändlerischen
Verkehrseinrichtungen hat, in der Lage, jedes Buch, jede Broschüre,
jede Zeitschriftennummer eines deutschen Verlages zum festgesetzten
Ladenpreis spesenfrei liefern zu können.

Da sowohl der Sortimenter wie der Verleger in Leipzig ver-
treten sind und beide gewissermaßen mit dieser Vertretung in
der Buchhändler-Zentrale Filialen ihrer Geschäfte errichtet haben,
so. spielt sich beim Bücherbezug das Vermittlungsgeschäft zwischen
den beiden Kommissionären, dem des Verlegers und dem des Sorti-
menters, auf kürzestem Wege ab. Von 1819 reinen und 480 mit
Sortiment verbundenen deutschen Verlagsfirmen sind etwa 700, also
ungefähr ein Drittel, in Leipzig ansässig (Adreßbuch 1928), eine
Zahl, die für das buchhändlerische Vermittlungsgeschäft von großer
Bedeutung ist. Die Leipziger Vertretung einer Firma würde recht
kostspielig sein, wenn der Kommissionär für seinen Auftraggeber
(Kommittenten) allein zu arbeiten hätte. Dem ist aber nicht so.
Die Vertretungen der über Leipzig verkehrenden Sortimenter und
Verleger verteilen sich auf insgesamt 34 Firmen, die im Verein
Leipziger Kommissionäre zusammengeschlossen sind. ‘Die meisten
Jieser Kommissionsbuchhandlungen sind von ehrwürdigem Alter,
denn hundert Jahre und länger. stehen sie schon im Dienste des
deutschen Buchhandels. Aber sie sind dem Zeitgeist gefolgt, haben
ihre Betriebsformen den neten Verkehrsmitteln angepaßt und sind
jung und lebensfrisch wie in ihren Jugendjahren.

Neben den Kommissionsgeschäften bestehen eine Anzahl Grosso-
zortimente, die hauptsächlich den Bedarf der buchhändlerischen
Kleinbetriebe, Kolportagehandlungen, Buchbindereien und Schreib-
warenhandlungen, denen der Verkauf von Büchern angegliedert ist,
decken.

Der Verkehr über Leipzig zeichnet sich nicht nur durch Billig-
keit, sondern auch durch Schnelligkeit aus. Wenn der Sortimenter
den Bedarf eines Kunden nicht schon aus seinen Lagerbeständen
        <pb n="13" />
        IL. Die’ Organisation des deutschen Buchhandels. E
decken. kann und den Auftrag erhält, ein bestimmtes Buch zu be-
sorgen, so Schreibt er für dieses. einen Verlangzettel aus. Ein
solcher Verlangzettel sieht folgendermaßen aus

Von — Ser
arbitte durch Herrn — — — -— in Leipzig,

mit Kreuzband — Postpaket — Eilzug — Güterzug — Expreßgut
Ort: — nt 10 Firma: ——
bed. | fest | oder bar, wenn mit erhöhtem Rabatt

Bestell-Nr, —_
" Hier abtrennen und Abschnitt auf Faktur kleben
” Bestell-Nr. — ——— ]
Ort: —mmmm——— 19

Firma:

Ohne diesen Abschnitt wird keine Sendung angenommen
and ist ein auf Florpost- oder Schreibpapier gedrucktes Blättchen
von etwa 7x9 cm Größe; er enthält im Vordruck Namen, Sitz und
Anschrift der Bestellerfirma, Angabe des Leipziger, gegebenenfalls
auch des Berliner und Stuttgarter Kommissionärs, ferner die drei
Rubriken: bedingt, fest, bar, in die je nach Erfordern die Zahl der
von einem Buche verlangten Exemplare eingesetzt wird, und die Be-
stimmung über die Beförderung des Verlangten durch Unter-
streichen eines der Vordrucke: Kreuzband, Postpaket, Eilzug, Güter-
zug, Expreßgut, die der Auslieferer als Weisung für den Kommis-
sionär auf den Kopf der Faktur zu setzen hat. Den Verlangzettel
sendet der Buchhändler mit andern sochen Zetteln, je nach dem
Umfang seines Sortimentsbetriebs, täglich oder mehrmals im Laufe
jer Woche an seinen Kommissionär, Dieser sortiert die vom Ab-
sender als „eilig“ bezeichneten Bestellungen beim Eingang aus dem
Zettelinhalt des Briefes heraus und sorgt dafür, daß die eiligen,
oder wie der Fachausdruck lautet: „zum Einholen empfohlenen Be-
stellungen“ noch am Eingangstage der Zettel von den Auslieferungs-
lagern der Verleger erledigt werden und mit der nächsten Sammel-
sendung durch die Post oder als Eilgut an seinen Kommittenten
abgehen.

Die Auslieferungslager, die die Verleger bei ihren Leipziger Kom-
missionären unterhalten und von denen die Bestellungen mit Faktura-
vordrucken wie am Verlagsort selbst ausgeliefert werden, sind eine
der wichtigsten Voraussetzungen für die Leistungen der Bücher-
zentrale. Sie sind geschichtlich geworden. Auswärtige Verleger,
        <pb n="14" />
        5 II. Die Organisation des deutschen Buchhandels.

die die Messe besuchten, ließen der Transportkosten wegen ihre nicht
abgesetzten Vorräte bei Leipziger Firmen lagern; gar bald verwan-
delten sich diese Meßlager in ständige Auslieferungslager, von
denen ihre Verwalter die in Leipzig eingehenden Bestellungen das
ganze Jahr hindurch erledigten, Heute besorgen zahlreiche Verleger-
firmen an ihren Wohnsitzen nur die Arbeiten der Verlagsredaktion,
der Herstellung, des Vertriebs und der Kontenführung, während die
gesamte Auslieferung von ihren Kommissionären besorgt wird.

Es kann natürlich auch der Fall eintreten, daß ein Buch in Leipzig
nicht auf Lager ist. Dann sendet der Kommissionär des Verlegers
den Zettel an den Verlagsort zur Erledigung, das Verlangte kommt
in einer Sammelsendung nach Leipzig und wird als Bar- oder Rech-
aungspaket (im ersteren Fall wird der Fakturabetrag vom Kom-
missionär des Empfängers bezahlt) an den Sortimenter wiederum in
einer Sammelsendung weitergeleitet. Aus dem früheren Meßverkehr
hat. sich der Handelsbrauch entwickelt, der dann auch für die Buch-
handelszentrale Gültigkeit behielt, daß die Beförderungskosten und
Spesen für die Büchersendungen nach Leipzig vom Absender und
nur die Kosten für die Beförderung von Leipzig bis zum Bestim-
mungsort vom Empfänger getragen werden.

Die einzelnen Pakete, die zu einer Sammelsendung vereinigt wer-
den, nennt man Beischlüsse. Die Bücher werden in Papier oder Pappe
verpackt, die Faktur wird derart gefaltet, daß der Name des Emp-
fängers als Adresse dient, weiterhin ist auf dem Kopf der Faktur
der Vordruck der Absenderfirma und bei Nachnahme-(Bar-)Paketen
Jer dafür vom Kommissionär zu zahlende Betrag ersichtlich. Die
Fakturen werden mit Bindfadenverschnürung auf die Pakete gebunden.

Der Zusammenschluß vieler Bestellzettel in einen Sammelbrief für
jen Kommissionär, der Zusammenschluß vieler Pakete zu einer Post-
oder Bahnsendung, dazu direkter Bücherwagenverkehr der Reichs-
sisenbahn nach zahlreichen größeren Plätzen und endlich ein in
allen Teilen zweckmäßiges und zeitersparendes System, das den aus
vielen kleinen Einzelposten bestehenden Zahlungsverkehr am Leipziger
Platze ordnet: alles das wirkt zusammen, die Spesen beim Bücher-
bezug über Leipzig so weit herabzumindern, daß sie der Sortimenter
tragen und jedes Buch zum festgesetzten Ladenpreise allerorten in
kürzester Frist ohne Spesenzuschlag liefern kann.

Wir kommen nun zu den Einrichtungen, die in Leipzig geschaffen
worden sind, um im Zettel-, Paket- und Zahlungsverkehr durch Zu-
sammenfassung zur Erzielung höchster Nutzleistung Zeit und Kräfte
zu sparen.

In der Buchhändler-Zentrale ist der buchhändlerische Verkehr
wiederum in einem Teil der Stadt, und zwar im Osten, dem „Buch:
händlerviertel“, darüber hinaus innerhalb der „Buchhändlerzone““
vereinigt. Man versteht darunter das Stadtgebiet, in dem die Wagen
        <pb n="15" />
        MH. Die: Organisation des deutschen Buchhandels. 7
der Kommissionäre — früher von den Markthelfern und Burschen
gezogene zweirädrige Handkarren, jetzt zum Teil große Lastautos —
den Paketverkehr vermitteln. Hier in der Ostvorstadt haben alle
Kommissionsgeschäfte ihre Behausungen; in ihrer Mitte gteht das
Deutsche Buchhändlerhaus als stolzes Wahrzeichen der Buchhändler-
stadt und ihrer Bedeutung für den deutschen Buchhandel.

In seinen Räumen beherbergt es die vielgliedrige Geschäftsstelle
des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler mit der Redaktion und
Expedition des Börsenblattes, sowie die fachwissenschaftliche Biblio-
thek des Börsenvereins, Ein herrlicher Saalbau mit kleineren. Neben-
räumen dient Versammlungszwecken. Im Hauptsaal wird alljährlich
die Hauptversammlung des Börsenvereins mit nachfolgendem Fest-
mahl abgehalten. Mehrere buchhändlerische Organisationen haben
gleichfalls im Deutschen Buchhändlerhause ihre Büroräume: Der
Deutsche Verlegerverein, der Deutsche Musikalienverlegerverein, der
Verband der Deutschen Musikalienhändler, der Arbeitgeberverband
der Deutschen Buchhändler, Ortsgruppe Leipzig, und der Verein der
Buchhändler zu Leipzig, dessen Bestellanstalten für den Zettel- und
Paketverkehr ebenfalls hier untergebracht sind. Auch die Deutsche
Buchhändler-Lehranstalt hat in dem 1911 vollendeten Erweiterungs-
bau, der sich an das Hauptgebäude anschließt, ihre Wirkungsstätte.
Bestellanstalt, Paket-Austauschstelle, Zalko, Bag.

Die Bestellanstalt des Vereins der Buchhändler
zu Leipzig wurde am 2. März 1842 ins Leben gerufen.

Auch sie hat ihre Vorgeschichte. Nach handschriftlichen Auf-
zeichnungen ihres langjährigen Vorstehers Bruno Heue „Aus der
Bestellanstalt 1842 bis 1879“, die in der Bibliothek des Börsenvereins
aufbewahrt wird, versammelten sich ehemals die Markthelfer, die
Jie Zettel auszutragen hatten, in einer Kneipe in der Nikolaistraße,
wo. sie die Zettel bei einem Frühschoppen gegenseitig austauschten,
statt sie einzeln an ihre Bestimmungsorte zu tragen. Der Gedanke,
Jjer dann zur Gründung der Bestellanstalt geführt hat, war also hier
schon praktisch verwirklicht. Die Bestellanstalt ordnet und sortiert
alle buchhändlerischen Geschäftspapiere, die sie von ihren Mit-
gliedern zum Zweck der Verteilung erhält. Nach dem Postgesetz sind
folgende Zettelsendungen zulässig :

L. Drucksachen buchhändlerischen und buchgewerblichen Inhalts,

2, Bestellzettel,

3 kurze schriftliche Notizen, die sich auf Bestellzettel und Ver-
sendungen beziehen, also Fehlmeldungen, Defektmeldungen, Re-
klamationen, Rechnungen, Rechnungsauszüge nebst kurzen Be-
merkungen und dergl., wie:

a) Verlangzettel in jeder Form, auch mit Antwort zurück-
geschrieben, ;
        <pb n="16" />
        IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels.

b) Rechnungsauszüge und -abschlüsse, auch zurückgeschrieben
mit Differenzangaben,

2) Barpaket-Anfragezettel, auch zurückgeschrieben mit Ein-
lösungsorder oder -verweigerung,

d) Fakturen über Lieferungen direkt oder über Leipzig,

8) Remittenden- und Disponenden-Fakturen, kurze, den Rech-
nungsverkehr betreffende offene Zettelkorrespondenz,
Börsenzahlungszettel Leipziger Firmen im Verkehr unter-
einander,

g) Antiquariats-Offertzettel, auch zurückgeschrieben,

h) Anforderungen von Besprechungsexemplaren auf offenen For-
mularen, nicht in Briefform,

i) Zusendungen von Besprechungsausschnitten und Journalen
mit kurzen Notizen unter offener Schleife.

Die Bestellanstalt ist, ebenso wie die während der Kriegszeit (im
November 1916) gegründete Paket-Austauschstelle, eine ausschließ-
lich der Erleichterung des geschäftlichen Verkehrs der Mitglieder
am Platze dienende Einrichtung; sie darf von auswärts weder Auf-
träge noch Sendungen annehmen,

Der Verein der Buchhändler zu Leipzig hat die Paket-Aus-
tauschstelle hauptsächlich für seine Verlegermitglieder und den
Kleinverkehr der Kommissionäre ins Leben gerufen; die große Masse
der Rechnungs- und Barpakete wird von den Kommissionären aus-
yefahren und in die Paketkästen oder an den Kassenschaltern der
Leipziger Firmen abgeliefert.

Zur Vereinfachung und Beschleunigung der Kassengeschäfte wurde
im Mai 1923 der Zahlungsverkehr der Leipziger Kommissionäre, der
„Zalko“, gegründet, der das alte System der Börsenzahlungen in
zweckmäßiger Weise umgestaltete und ausbaute. Ende des Jahres
1923 wurde die Buchhändler-Abrechnungs-Genossenschaft, e. G. m.
b. H., die „Bag“, gegründet. Diese Genossenschaft, die nur Ver-
rechnungen unter ihren Mitgliedern besorgt, zählt deren jetzt 2550,
im Jahre 1926 waren 1797305 Einzelposten mit etwa 17000 000
Mark zu erledigen.

f)

Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler,
z;eine Bedeutung für den Buchhandel und seine
Einrichtungen.
Der Zweck des Vereins ist nach. &amp; 1 der in der Hauptversammlung
jes B.V. am 4. Mai 1922 angenommenen Satzung, als Arbeitsgemein-
schaft des gesamten deutschen Buchhandels dessen Interessen im
weitesten Umfange zu vertreten und das Wohl der Angehörigen des
deutschen Buchhandels zu pflegen und zu fördern. Als Mittel zur
Erreichung des Vereinszwecks dienen insbesondere :
        <pb n="17" />
        [I, Die Organisation des deutschen Buchhandels. 9
1. die Schaffung und Unterhaltung von Anstalten und Einrichtun-
gen zur Erleichterung des gegenseitigen Geschäftsverkehrs;

2, die Feststellung allgemein gültiger geschäftlicher Bestimmungen
im Verkehr der Buchhändler untereinander sowie der Buch-
händler mit dem Publikum;

3 die Pflege des Unterstützungswesens für Angehörige des Buch-
handels;

4, die Belebung des genossenschaftlichen Geistes in buchhänd-
lerischen Vereinen sowie die Förderung der Bestrebungen dieser
Vereine zum Schutze des geschäftlichen Wohles ihrer Mitglieder.

Die Mitgliedschaft ruht auf der Person, verpflichtet aber auch die
von ihr vertretene Firma nach Maßgabe der Satzung.

Aus der Gründungsgeschichte des Börsenvereins ersehen wir,
daß der Verein zunächst einer Vereinfachung des buchhändlerischen
Abrechnungsgeschäfts auf der Messe dienen sollte; in zweiter Linie
erst war durch die neugeschaffene Gemeinschaft eine über das
Meßgeschäft hinausgehende Interessenvertretung ihrer Mitglieder
ins Auge gefaßt.

Eine Meßabrechnungsstelle bestand in Leipzig schon seit dem
Jahre 1797; sie befand sich im theologischen Auditorium der Uni-
versität, das für die Dauer der Messe gemietet wurde. Das Unter-
achmen war mehr privater als genossenschaftlicher Natur. Ver-
suche, die im Jahre 1802 einsetzten, eine Abrechnungs-Genossenschaft
zu gründen — bedeutsame Etappen in. der Weiterentwicklung des
Gedankens waren die Jahre 1810 und 1817 — führten zu einem Ent
wurf für die Grundzüge der künftigen Börsenverfassung. Er wurde
in der Generalversammlung vom 6. Mai 1824 den in der deutschen
Buchhändlerbörse zu Leipzig vereinigten Buchhändlern vorgelegt
und führte am 30, April 1825 zur Gründung des Börsenvereins, nach-
dem die auswärtigen Buchhändler sich die leitende Stellung gegen-
über den für den Vorstand im ersten Entwurf in Vorschlag ge
brachten Leipziger Firmen gesichert hatten.

Der Börsenverein darf das besondere Verdienst für sich in An-
spruch nehmen, daß er die erste Berufsorganisation war, die über
die Einzelstaaten unsers Vaterlandes hinaus den gesamten. deutschen
Buchhandel, Verleger und Sortimenter, in einem gemeinsamen Ver-
bande zusammenfaßte. Im Jahre 1831 trat eine Änderung der Börsen-
vereinssatzung ein, nach der „die gemeinsame Beratung nebst Maß-
nahmen über Angelegenheiten des Buchhandels“ an die erste und
„Erleichterung des Abrechnungsgeschäfts“ an die zweite Stelle
gesetzt wurde.

Der Börsenverein sah nunmehr seine vornehmste Aufgabe darin,
daß er den Kampf gegen den Nachdruck und die das geistige Schaf-
fen einengende Zensur aufnahm, die in den deutschen Staaten ganz
verschieden gehandhabt wurde. In diesem Sinne suchte er auf die
        <pb n="18" />
        10 II. Die Organisation des deutschen Buchhandels.
Gesetzgebung und die Verwaltung einzuwirken. Nachdem auf der
Leipziger Messe durch ein Kursächsisches Mandat vom Jahre 1773
schon der Vertrieb nachgedruckter Werke verboten war, wurde im
Kampf gegen den Nachdruck der weitere Erfolg erzielt, daß auf
Grund der Vorschläge des vom Börsenverein eingesetzten Aus-
schusses durch einen Beschluß des Bundestages vom 2. April 1835
ein einheitliches Nachdruckverbot für das Reichsgebiet erlassen
wurde. Erst das Jahr 1848 brachte die Preßfreiheit, die aber bald
wieder eine Einschränkung erfuhr und sich erst in späterer Zeit
endgültig durchsetzen konnte. Ein gemeinsames Gesetz zum Schutz
der deutschen Literatur wurde unter Mitwirkung des Börsenvereins
erst am 11. Juni 1870 vollzogen und durch die Verfassung des
Deutschen Reichs vom 14, April 1871 zum Reichsgesetz erhoben.

Bei seiner Gründung umfaßte der Börsenverein 101 Mitglieder.
darunter zunächst nur fünf Leipziger Firmen, da die Mehrzahl der.
selben ihre Interessen durch die neugeschaffene Abrechnungs-Ge-
nossenschaft bedroht sah; erst zehn Jahre später war das Miß.
trauen geschwunden. Im Jahre 1835 traten sämtliche Leipziger
Firmen dem Börsenverein bei; das Verhältnis beider Vereinigungen
— des Börsenvereins und des 1833 gegründeten Vereins der Buch-
händler zu Leipzig — zu einander ist dann bis in die Gegenwart von
bestem Einvernehmen getragen worden.

Im Jahre 1857 hat der Börsenverein die „Vorschläge zu einem
allgemeinen deutschen Bundesgesetz über das Urheber- und Verlags-
recht“ veröffentlicht. Als „Börsenvereinsentwurf“ haben sie später
die Grundlage für die Reichsgesetzgebung betr. das Urheberrecht
abgegeben.

Auf dem Internationalen Literaturkongreß zu Rom im Jahre 1882
stellte der Börsenverein den Antrag auf Begründung eines Welt-
Urheberrechts-Schutzvereins, der den Grundstein zu der Berner
Übereinkunft vom 9. September 1886 gebildet hat.

Als der Börsenverein Ende der 70er Jahre sah, daß die Schleu-
derei, das ist die Unterbietung der von den Verlegern festgesetzten
Ladenpreise, dem soliden Sortiment mehr und mehr den Lebensfaden
abzuschneiden drohte, wurde im Jahre 1878 eine Konferenz von Ver-
legern und Sortimentern nach Weimar zusammenberufen, wo zur
weiteren Behandlung der Frage eine dreigliedrige Kommission ein-
gesetzt wurde, um die Kräfte des Börsenvereins für die Aufrecht-
erhaltung der Ladenpreise wirksam zu machen. Der Verlag be-
kannte sich damit zu der Überzeugung, daß er für den Vertrieb seiner
Produktion auf ein lebenskräftiges Sortiment angewiesen sei. Die
Folge davon war, daß in der Hauptversammlung des Börsenvereins
zur Ostermesse 1887 eine neue Satzung angenommen wurde, die
grundsätzlich die Innehaltung der Ladenpreise allen Buchhändlern,
sowohl den Mitgliedern wie auch den Nichtmitgliedern des Börsen-
        <pb n="19" />
        IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels, 11
vereins, zur Pflicht machte und dem Vorstand des Börsenvereins allein
das Recht zugestand, für Ausnahmefälle die Grenzen des erlaubten
Kundenrabatts, z. B. an Bibliotheken und Behörden, festzusetzen:
Nach mancherlei Kämpfen wurden die Interessengegensätze zwischen
Verlegern und Sortimentern ausgeglichen, wonach in der Hauptver-
sammlung am 9, Mai 1909 die „Verkaufsordnung für den
Verkehr des Buchhandels mit dem Publikum“ festge-
legt werden konnte, die in den „Verkaufsbestimmungen der vom
Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig anerkannten
Kreis- und Ortsvereine“ vom Jahre 1907 einen Vorläufer gehabt hatte,

Die Verkaufsordnung hat in den Hauptversammlungen des Börsen-
vereins zu den Ostermessen 1914, 1917 und 1922 zeitgemäße Ände-
rungen erfahren und gilt in der Fassung vom Jahre 1922 noch heute
Ihre wichtigsten Paragraphen lauten:

$ 1. Die Verkaufsordnung hat den Zweck, die in der Satzung, der
früheren Restbuchhandels-Ordnung, der Verkehrsordnung, den Ver-
kaufsbestimmungen der Kreis- und Ortsvereine und den Bekannt-
machungen des Vorstandes des Börsenvereins zerstreuten Vorschriften
über den geschäftlichen Verkehr der Buchhändler mit dem Publi-
kum zu sammeln, zweifelhafte Bestimmungen maßgeblich auszulegen
und sie, soweit nötig, auf Grund der Satzung des Börsenvereins,
insbesondere $ 1, Absatz 2 und Absatz 3, Ziffer 2, zu ergänzen.

$ 2. Die Verkaufsordnung ist für alle Buchhändler und Wieder-
verkäufer verbindlich, die an das Publikum im Gebiete des Börsen-
vereins der Deutschen Buchhändler Gegenstände des Buchhandels
verkaufen .....

$ 3, 1. Unter Publikum im Sinne der Verkaufsordnung sind alle
Personen, Behörden, Institute, Gesellschaften, Vereine usw. zu ver-
stehen, die Gegenstände des Buchhandels zum eigenen Gebrauch
erwerben.

2. Lieferungen des Buchhandels an gewerbsmäßige Wiederver-
käufer unterliegen den Beschränkungen der Verkaufsordnung nicht.

$ 9. Jedes öffentliche Anerbieten von Rabatt oder Skonto in
ziffernmäßiger oder in unbestimmter Form ist verboten. Ebenso ist
das Anerbieten übermäßig langer Zahlungsfristen verboten.

Im übrigen wird das nachfolgende Inhaltsverzeichnis über
die in der Verkaufsordnung behandelte Materie Aufschluß geben.

Zweck, Verbindlichkeit und Begriffsbestimmun-
gen. $ 1. Zweck der Verkaufsordnung. — $ 2. Verbindlichkeit der
Verkaufsordnung. Ausländische Werke. — 8 3. Begriff „Publikum“.
Wiederverkäufer. Vereinsbücherhandel und Konsumvereine.

Der Ladenpreis und seine Innehaltung. $S 4. Gegen-
stände des Buchhandels. — $ 5, Einhaltung der Ladenpreise. Be-
Stimmungen der Kreis- und Ortsvereine. Werke ohne Ladenpreis.
Musikalien.
        <pb n="20" />
        12 11. Die Organisation des deutschen Buchhandels.
Bestimmungen über Abweichung vom Ladenpreise.
8 6. Eigene. Aufmachung des Sortimenters, — 8 7. Aufschlag. —
S 8. Unzulässiger Rabatt. Gutschrift von Rabatt an Dritte. Abgabe
verliehener Bücher an die Entleiher. Partieexemplare. — 8 9. Öffent-
liches Rabattangebot. Ankündigungen und Anzeigen,. Unzulässige An-
zeigen. Rabattsparvereine. Zeitungsprämien, Angebot unzulässigen
Rabatts. — 8 10. Aufrechterhaltung des Ladenpreises durch den
Verleger. — $ 11, Vorzugspreise für Werke, an denen Behörden
oder Vereine mitwirken. Vertriebsvereine. — 8 12, S 3, Ziffer 3, der
Satzungen. Ausnahmefall, Größere Partie. Periodische Werke. Ge-
sellschaften und -dergl. Angebot, Bestellung und Verrechnung. Be-
nachrichtigung des Sortiments. Bekanntmachung der Vorzugspreise,
Weiterverkauf. Rücknahme liegen gebliebener Exemplare. — 8 18.
Subskriptionspreise. Serien- und Partiepreise.

Antiquariat und Restbuchhandel. 8 14. Antiquariat.
Ältere Werke als Antiquariat. — 8 15. Ankündigung antiquarischer
Werke. Ergänzung antiquarischer Werke. — 8 16. Restbuchhandel.
— $ 17. Bezeichnung als Antiquariat. Antiquariats- und Misch-
kataloge. — 8 18. Verpflichtung zum Nachweis.

Schlußbestimmungen. 8 19. Verstöße. — $ 20. Inkraft-
treten der Verkaufsordnung.

Im Laufe der mehrjährigen Verhandlungen zwischen den deutschen
Verlegern und Sortimentern, die zu dem Übereinkommen geführt
haben, aus dem die Verkaufsordnung des Börsenvereins hervor-
gegangen ist, erschien im Auftrage des Akademischen Schutzvereins
(1903) eine Schrift von Professor Karl Bücher unter dem Titel:
„Der deutsche Buchhandel und die Wissenschaft.“ Diese Kampf-
schrift griff den Buchhandel in allen seinen Einrichtungen heftig an,
sie rief sowohl bei den Verlegern wie bei den Sortimentern bedeu-
tende Aufregung hervor, beide wurden nicht geschont; auch richtete
sie sich gegen die Kommissionäre, die als preisverteuernde Zwischen-
händler nach Büchers Meinung ausgeschaltet werden söllten. Haupt-
sächlich gaben zu dem Angriff die Abschaffung des Kundenrabatts
und die Geheimhaltung des Börsenblattes Nichtbuchhändlern gegen-
über, wovon auch die Bibliotheken betroffen wurden, Veranlassung.
Der Akademische Schutzverein erstrebte den Schutz der Gelehrten
und des Publikums vor dem Buchhandel. &amp; 1 seiner Satzungen mit
der Überschrift „Zweck“ lautet:

„Der Verein will im Interesse der Wissenschaft, ihrer Arbeiter und
des Publikums auf den Verlag, Vertrieb und Absatz der wissenschaft-
lichen Literatur einwirken, um der Verteuerung der Schriftwerke zu
steuern, den Absatz zu fördern und die Autoren gegen wirtschaftliche
Übermacht beim Abschluß der Verlagsverträge zu schützen. Zu diesem
Zweck wird der Verein seinen Mitgliedern mit Rat und Auskunft
dienen, die öffentliche Meinung aufzuklären suchen, den Zusammen-
schluß aller Mitinteressenten fördern, auf eine rationelle Gestaltung
        <pb n="21" />
        IL Die’ Organisation des deutschen Buchhandels. 13
des Buchvertriebs hinwirken und Einrichtungen ins Leben rufen,
welche der literarischen, wissenschaftlichen Produktion die größt-
mögliche Verbreitung zu: sichern imstande sind.“
Es ist aus räumlichen Gründen nicht möglich, auf den Inhalt
der Bücherschen Schrift hier näher einzugehen; es mußte ihrer
aber Erwähnung getan werden, weil sie eine lebhafte Polemik und
eine umfangreiche Literatur für und gegen die Bücherschen An-
schauungen hervorgerufen hat.

Der Zwiespalt zwischen den hinter dem Akademischen Schutzverein
stehenden Gelehrten unter Büchers Führung und dem Buchhandel
sollte schon in Rücksicht darauf, daß beide als Autoren und Ver-
leger das gleiche Interesse an dem weiteren harmonischen Zusammen-
arbeiten hatten, auf dem Verhandlungswege ausgeglichen werden.
Deshalb trafen beide Parteien im April 1904 im Reichsamt des Innern
in Berlin zusammen, um in kontradiktorischen Verhandlungen die
Klärung der Angelegenheit herbeizuführen und die Streitfragen zu
beseitigen. Hier zeigte es sich, daß Verlag und Sortiment, die in den
Verhandlungen wegen der Verkaufsordnung und bei der Vertretung
ihrer gegensätzlichen Interessen zuweilen gegeneinander gestritten
hatten, bei der Bekämpfung der gemeinsamen Gegner, der Gelehrten,
eine geschlossene Einheit bildeten. U. a. wurde die Forderung der
Akademiker, daß der wissenschaftliche Verlag seine Werke mit Um-
gehung des Sortiments direkt an das Publikum, in erster Linie an
die Studentenschaft, liefern solle, von den bei den Verhandlungen
anwesenden Verlegern bedingungslos zurückgewiesen. Der Verleger
Ferdinand Springer, Mitinhaber der bekannten Firma Julius Springer
in Berlin, tat das mit folgenden denkwürdigen Worten: „Das direkte
Geschäft des Verlegers mit dem Publikum, wenn es überhaupt ge-
macht werden kann — es kann nur höchstens der Zehnte machen —
wenn es gemacht werden kann wie bei mir, verursacht, abgesehen
von der großen Mehrarbeit, eine so große Menge von Kosten, eine
solche Vermehrung des Personals, so manche neue Einrichtung und
ist auch, wenn es mit einer gewissen Kulanz betrieben wird, mit so
großen Verlusten verbunden, daß es sich nicht rentieren würde,
wenn man die Kosten der direkten Reklame in vollem Umfang zu
bezahlen hätte. Mich kostet diese Reklame verhältnismäßig wenig,
wenn ich aber für das Beilegen der Prospekte, für die Anzeigen in

meinen Zeitschriften noch bezahlen sollte, dann würde wohl das
direkte Geschäft mit einer Unterbilanz abschließen. Sie können auch
sicher sein, daß die Mehrkosten, die der Verleger dadurch hat, daß er
eine größere Auflage macht als er voraussichtlich absetzen wird,
gar nicht in Betracht kommen gegenüber den Kosten der Herstellung
und Versendung von Prospekten, den Kosten der Anzeigen gegenüber
den Verlusten, die er hat im Verkehr mit dem Privatpublikum. Ich
halte es für ganz ausgeschlossen, daß der deutsche Verlagsbuch-
        <pb n="22" />
        IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels.
handel in seiner Mehrheit. in einen direkten Verkehr mit dem Publi-
kum treten kann. Ich kann es, es können einige wenige Spezialver-
leger, die sich an bestimmte abgegrenzte Kreise wenden, der deutsche
wissenschaftliche Verleger im allgemeinen kann es nicht.“ Und
Adolf Kröner, dessen Bedeutung für den Buchhandel in dem später
folgenden Abschnitt „Der Verlagsbuchhandel“ gekennzeichnet wer-
den wird, sagte gelegentlich der Berliner Verhandlungen: „Die eigen-
artige Organisation des deutschen Buchhandels, mit seinen über das
ganze Sprachgebiet verzweigten Sortimentsgeschäften, liegt nicht
nur im Interesse des Buchhandels, sondern ebenso im Interesse der
Bücherkäufer und der Schriftsteller. Die Vernichtung dieser Organi-
aation würde höhere Bücherpreise zur Folge haben, den Vertrieb
der besseren Literaturerzeugnisse hemmen, also eine Schädigung
unserer Kultur bedeuten.“

Der deutsche Buchhandel ist Sieger in diesem Kampfe geblieben,
weder die angefochtenen Verkehrseinrichtungen noch die Verwei-
gerung des Kundenrabatts sind gefallen; einige Konzessionen an die
Gelehrten haben den Frieden zwischen beiden Parteien wieder her-
gestellt. Heute hat das Ereignis, das vielen Staub aufwirbelte, nur
noch historische Bedeutung, Bemerkenswert ist hierzu, was Dr. W.
Ruprecht in der Sonderausgabe des Börsenblattes aus Anlaß des
Jubelfestes Kantate 1925, das mehrfach die Unterlagen für vor-
stehende Darlegungen gegeben hat, am Schluß seines Artikels „Der
Börsenverein und der Verlag“ sagt: „Der Ladenpreis ist uns ein
Symbol geworden; er ist das Feldzeichen, unter dem der deutsche
Buchhandel seinen Wirtschaftskampf führt. Fällt er, so ‘sinkt
mit ihm der große gesunde Körper dahin. Man mag mit Recht den
Verlag das Herz des Buchhandels nennen. Kann das Herz ohne die
großen und kleinen Glieder des Körpers bestehen? Gewiß gibt es
Zweige des Verlags, die das Sortiment entbehren können, der Verlag
kann es nicht, wenigstens wie er heute glücklicherweise noch ist.
Zerfiele der deutsche Sortimentsbuchhandel, so würde der Verlag
sich nach und nach in wenige große Unternehmungen zusammen-
ballen.“

Die erste „Buchhändlerische Verkehrsordnung“ wurde
vom Börsenverein im Jahre 1888 aufgestellt, in den Jahren 1891 und
1898 revidiert und in den Hauptversammlungen zu den Ostermessen
1919 und 1923 abgeändert, wobei sie die noch jetzt gültige Fassung
erhielt.

Ihr 8 1, betreffend den Zweck, und $ 2, betreffend die Verbindlich-
keit der Verkehrsordnung, lauten:

8 1. Die Buchhändlerische Verkehrsordnung regelt den geschäft-
lichen Verkehr der deutschen sowie der mit diesen verkehrenden
ausländischen Buchhändler untereinander. Sie stellt für die darin
reregelten Rechtsverhältnisse die allgemein im Verkehr geltenden
        <pb n="23" />
        {I. Die Organisation des deutschen Buchhandels.

5

Gewohnheiten und Gebräuche fest, auf die in Ansehung der Bedeu-
tung und Wirkung von Handlungen und Unterlassungen unter Buch-
händlern Rücksicht zu nehmen ist.

Unter Buchhändlern versteht man Personen, die sich für eigene
Rechnung oder als verantwortlicher Leiter von Geschäftsbetrieben
mit dem gewerbsmäßigen Vertrieb von Gegenständen des Buch-
handels als Hersteller (Verleger), Verbreiter (Sortimenter, Antiquare)
oder Vermittler (Kommissionäre, Barsortimenter) beschäftigen. Ver-
einigungen aller Art dürfen nur dann wie Buchhändler oder gewerbs-
mäßige Wiederverkäufer behandelt werden, wenn sie einen gewerbs-
mäßigen, also auf Eigengewinn gerichteten buchhändlerischen Be-
trieb führen, der bei der zuständigen Behörde angemeldet ist, und
nicht mit einem unzulässigen Rabatt liefern, oder den. erzielten Ge-
schäftsgewinn an ihre Mitglieder bezw. Abnehmer in einer Weise
verteilen, die einer Gewährung von unzulässigem Rabatt gleichkommt.

Wird in dieser Verkehrsordnung der Ausdruck „Bücher“ oder
„Werke“ gebraucht, so sind darunter stets alle Gegenstände des
Buchhandels zu verstehen.

$ 2. Die Bestimmungen der Verkehrsordnung sind für alle Buch-
härdler (8 1) verbindlich. Besondere Vereinbarungen von Firma zu
Firma über ihren Verkehr untereinander werden durch die Bestim-
mungen der Verkehrsordnung nicht berührt und nicht aufgehoben,
gehen ihnen vielmehr vor. Das gleiche gilt für Platzgebräuche be-
züglich der Firmen ein und desselben Platzes. Ein Lieferungszwang
ler Buchhändler untereinander besteht nicht.

Über die einzelnen Materien, die die Verkehrsordnung behandelt,
gibt im übrigen das nachfolgende Inhaltsverzeichnis Auf-
schluß:
I. Allgemeines, — II Preise und Bezugsbedingungen. — 1. Feste
Bestellungen. — IV. Konditionsgut. — V. Beschaffenheit der Sen-
dungen. — VI. Beförderung über den Kommissionsplatz. — VII. Be-
förderung auf direktem Wege. — VII. Jahresrechnung. — IX. Re-
mittenden und Disponenden.

in den Jahren 1855 und 1870 hatte der Börsenverein für Zu-
3aammenstellungen der gesetzlichen Bestimmungen über den Verlags-
vertrag in den einzelnen deutschen Staaten Sorge getragen; im Jahre
1893 ließ er eine Verlagsordnung erscheinen, die ihrerseits dem
Reichsgesetze über das Verlagsrecht vom Jahre 1901 als nicht un-
wesentliche Grundlage gedient hat.

Die Leitung des Börsenvereins setzt sich aus folgenden
Organen zusammen :

L. der Hauptversammlung, die alle wichtigen Fragen erledigt. Sie
Findet alljährlich während der Ostermesse im Saale des Deutschen
Buckhändlerhauses statt, Sie wählt den Vorstand, zum Teil
auch die Ausschüsse.
        <pb n="24" />
        L6 IL Die Organisation des deutschen Buchhandels,

2.dem Vorstand, der aus sechs Mitgliedern besteht, dem ersten
und dem zweiten Vorsteher, dem Schriftführer, dem Schatz-
meister, sowie den beiden Stellvertretern der letzteren,

3, den ordentlichen und den besonderen Ausschüssen zur Bearbei-

tung von Einzelfragen.

Die Mitgliederzahl des Börsenvereins belief sich am 1. Oktober
1927 auf 5061. Zahlreiche Vereine, die sich über das gesamte Ge-
biet des deutschen Buchhandels verteilen, unterstützen den Börsen-
verein als seine Organe in der Vertretung und Förderung der buch-
händlerischen Interessen, sowie bei der Durchführung der zu diesem
Zweck von ihm getroffenen Maßnahmen.

Die Vereinigungen, deren Satzungen vom Börsenverein anerkannt
sind, haben sich im Jahre 1879 zum „Verband der Kreis- und
Ortsvereine im deutschen Buchhandel“ zusammengeschlossen.

Folgende Vereine sind anerkannte Organe des Börsen-
7ereins:
a) Kreisvereine:
Badisch-Pfälzischer Buchhändler-Verband,
Bayerischer Buchhändler-Verein,
Vereinigung der Berliner Mitglieder des Börsenvereins,
Buchhändlerverein der Provinz Brandenburg,
Buchhändlerverband Hannover-Braunschweig,
Verein der Buchhändler zu Leipzig,
Kreisverein Mecklenburgischer Buchhändler,
Mitteldeutscher Buchhändler-Verband,
Buchhändlerverband „Kreis Norden“,
Kreisverein Ost- und Westpreußischer Buchhändler,
Verband der Buchhändler Pommerns,
Kreisverein der Rheinisch-Westfälischen Buchhändler,
Buchhändlerverband für das (ehemalige) Königreich Sachsen,
Sächsisch-Thüringischer Buchhändler-Verband,
Provinzialverein der Schlesischen Buchhändler,
Württembergischer Buchhändler-Verein.

b) Fachvereine:
Verband der Deutschen Musikalienhändler,
Deutscher Musikalien-Verleger-Verein,
Vereinigung der Kunstverleger,
Verein Leipziger Kommissionäre,

c) Ausländische Vereine:
Verein der österreichischen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler
in Wien,
Verein der ungarischen Buch- und Musikalienverleger und -händler,
        <pb n="25" />
        II. Die Organisation des deutschen Buchhandels. 17
Schweizerischer Buchhändlerverein,
Verband der Buchhändler in Polen,
Verband der Deutschen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler und
-verleger in der tschechoslowakischen Republik,
Verein der Buch- und Musikalienhändler Lettlands,
Verein der Buchhändler des Handelskammerbezirks Bozen.
Außer diesen gelten bis auf weiteres noch die Ortsvereine in
Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg-Altona, München und Wiesbaden
als vom Börsenverein anerkannte Vereine.

Vereine, Verbände und Vereinigungen, die nicht
Organedes Börsenvereins sind:
a) Deutsches Reich.
l. Allgemeine Vereine
Verband der Kreis- und Ortsvereine im deutschen Buchhandel,
Deutscher Verlegerverein,
Unterverbände : Vereinigung rechts- und staatswissenschaftl, Verleger,
Vereinigung schönwissenschaftlicher Verleger,
Vereinigung der Schulbuchverleger,
Vereinigung medizinischer Verleger,
Vereinigung deutscher Zeitschriften-Verleger,
Yereinigung deutscher Bilderbücher-Verleger und
-Fabrikanten, e. V,,
Vereinigung der Jugendschriften-Verleger,
Vereinigung der am Reisebuchhandel interessierten
Verleger,
Deutsche Buchhändlergilde,
Abrechnungs-Genossenschaft Deutscher Buchhändler, e. G. m. b. H.
(Bag), Leipzig,
Verein der Deutschen Antiquariats- und Export-Buchhändler, e. V.,
Arbeitgeber-Verband der Deutschen Buchhändler, Sitz Leipzig, Leipzig,
Verein Deutscher Bahnhofsbuchhändler zu Leipzig,
Central-Verein Deutscher Buch- und Zeitschriftenhändler,
Vereinigung der Buchgroßhändler- und Großantiquare Deutschlands,
e. V.,
Vereinigung Evangelischer Buchhändler, e. V.,
Buchhändlerischer Frakturbund,
Vereinigung des katholischen Buchhandels,
Verband der Kommissions- und Großbuchhändler,
Lehrmittelbund zur Wahrung der Interessen der Deutschen Lehr-
mittelfabrikanten, Lehrmittelverleger und Lehrmittelhändler,
Verband der Besitzer deutscher Lesezirkel, e. V., ;
Verein der Reise- und Versandbuchhandlungen, €. V.,
Verein der Verleger für Volksliteratur (staatl. anerk. Verein),
        <pb n="26" />
        L8 IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels.
Reichsverband Deutscher Fachzeitschriften-Verleger, e. V.,
Verein Deutscher Zeitschriften-Verleger,
Verein Deutscher Zeitungs-Verleger, e. V.
2. Kreisvereine.
Vereinigung badischer Verleger,
Buchhändlerverein der Freien Stadt Danzig,
Vereinigung Hamburg-Bremer Exportbuchhändler,
Verein der Buchhändler Oberschlesiens,
Sortimenter-Vereinigung Osterland,
Buchhändler-Vereinigung Ost-Thüringen,
Buchhändler-Vereinigung des Rhein.-Westfäl. Industriegebiets,
Kreisverein der mittelrheinischen Musikalienhändler,
Verein der Buch- und Musikalienhändler im Saargebiet,
Süddeutscher Buchhändlerverein,
Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Sortimenter,
Verband der württembergischen Musikalienhändler.
3. Sonstige Vereine
Gesellschaft der Freunde der Deutschen Bücherei, e. V.,
Deutscher Buchgewerbeverein in Leipzig,
Deutsche Buchhändler-Lehranstalt Leipzig, e. V.,
Deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum.

b) Ausland.

Vereine in Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, der
Schweiz, der Tschechoslowakischen Republik, Ungarn und den
Vereinigten Staaten von Nord-Amerika.

Ortsvereine,

[In Berlin: Korporation der Berliner Buchhändler, Berliner Sorti-
menterverein, Schutzvereinigung Berliner Großsortimenter, Verein
Berliner Buchhändler, Verein Berliner Buch- und Zeitschriften-
nändler, Verein der Berliner Musikalienhändler, Verein der Ber-
liner Buch- und Kunstantiquare.

Außer diesen bestehen noch 46 Vereine in deutschen Mittel- und
Großstädten.

Die hohe Aufgabe, die sich der Börsenverein der Deutschen
Buchhändler gestellt und die er jederzeit zu verwirklichen gesucht
hat, ist in den Worten seines früheren Vorstehers, des Geheimrats
Dr. Karl Siegismund, dargelegt, die er anläßlich der Jubelfeier Kan-
tate 1925 dem Börsenverein gewidmet hat: „In den ersten Para-
graphen seiner Satzungen ist als Zweck des Börsenvereins die Ver-
tretung der Interessen des Buchhandels und seiner Angehörigen im
        <pb n="27" />
        {I. Die Organisation des deutschen Buchhandels. 19
weitesten Umfang ausgesprochen. Aber immer hat den führenden
Männern des Börsenvereins klar vor Augen gestanden, daß mit
dieser Satzungsbestimmung die Aufgaben des Börsenvereins nicht
begrenzt werden dürfen, daß dessen Tätigkeit nicht allein darin
bestände, die Interessen des Buchhandels und der Buchhändler zu
wahren, sondern daß weit über den ausgesprochenen Zweck hinaus
die treue Behütung der geistigen, im gedruckten Wort niedergelegten
Kulturwerte unsers Volks, die Mitschaffung und die Verbreitung
deutscher Kulturgüter der Fürsorge des Börsenvereins anvertraut
sind. Aus solchen Empfindungen heraus wurde vor hundert Jahren
der Börsenverein gegründet; jeder, der im Laufe der Jahre in ihm an
verantwortlicher Stelle stand, hat sein Handeln diesen Gefühlen
eingeordnet, und — das ist meine feste Überzeugung — auch in Zu-
kunft werden die führenden Männer des Börsenvereins sich solcher
Pflichten stets bewußt bleiben.“

Die Erledigung der laufenden Geschäfte des Börsenvereins ver-
teilt sich folgendermaßen auf ihre zwölf Abteilungen :
Sekretariat mit den Unterabteilungen : Steuerstelle, Statistik,
Stelle für Post- und Zollfiragen, Rechtsauskunftsstelle,
Werbestelle,
\uslandausschuß,
3ibliographische Abteilung,
Zedaktion des Börsenblattes,
Redaktion der Adreßbücher,
. Sonstiger Verlag,
.. Expedition,
9. Hauptkasse,
LO. Buchhaltung,
11, Botenmeisterei,
12. Bibliothek,

Die Geschäftsstelle des Börsenvereins.

2

Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel.

Das Börsenblatt ist das offizielle und wichtigste Publikations-
organ des Börsenvereins, das an die Vereinsmitglieder kostenlos ab-
gegeben wird. Die Lieferung an Nichtbuchhändler ist gesperrt. Es
wurde im Jahre 1834 vom Verein der Buchhändler zu Leipzig
wöchentlich einmal herausgegeben, ging aber noch im Gründungs-
jahr in den Besitz des Börsenvereins über, doch blieb die redak-
tionelle Leitung des Blattes zunächst in den Händen des Leipziger
Vereins. Im Jahre 1845 wurden in der Erkenntnis, daß das Börsen-
blatt die Interessen des Gesamtbuchhandels zu vertreten habe, die
redaktionellen Beziehungen zum Verein der Buchhändler zu Leipzig
        <pb n="28" />
        20 1. Die Organisation des deutschen Buchhandels,

0 06 7 gänlsallon des deutschen Buchha

gelöst, es wurde dem ausschließlichen Einfluß des Börsenvereins
anterstellt und erscheint seit dem Jahre 1867 an allen Werktagen.
Das Programm des Börsenblattes steht heute auf der gleichen Grund-
lage wie bei seinem ersten Erscheinen, wenn es auch, dem Zeit-
zeist Rechnung tragend, mancherlei innere Wandlungen durchgemacht
aat. Es enthält alle Bekanntgaben des Börsenvereinsvorstandes
ınd der mit ihm in Verbindung stehenden Buchhändler-Korporationen;
3in umfangreicher redaktioneller Teil, der im „Sprechsaal“ seine
Ergänzung findet, behandelt berufliche Geschehnisse und die wich-
;igsten Tagesfragen. Im Börsenblatt werden die Versammlungs-
’erichte des Börsenvereins und der Kreisvereine veröffentlicht. Ein
Jesonders wichtiger Bestandteil des Blattes ist das tägliche Ver-
zeichnis der erschienenen Neuigkeiten und neuen Auflagen des deut-
schen Büchermarktes, einschließlich der des Landkarten-, Kunst-
and Musikalienhandels, auch der bedeutsamsten ausländischen. Neu-
erscheinungen. Im Anzeigenteil werden die fertigen und in Vor-
bereitung befindlichen Bücher von den Verlegern angekündigt;
ferner werden hier die geschäftlichen Einrichtungen, Änderungen
and die Konkursverfahren bekanntgegeben. Diese Anzeigen dienen
dann der Redaktion des Adreßbuchs als maßgebliche Unterlagen.
Außerdem findet man eine Abteilung für angebotene und gesuchte
Bücher des Antiquariats, Anzeigen über die Aufhebung oder Änderung
von Ladenpreisen, über die vom Verlag unter Berufung auf 8 33 der
Verkehrsordnung zurückverlangten Neuigkeiten, Stellenangebote und
Stellengesuche,

So bildet das Börsenblatt ein sich ständig erweiterndes und er-
gänzendes Archiv des deutschen‘ Buchhandels und gibt ein getreues
Spiegelbild des buchhändlerischen Berufslebens und des Bücher-
marktes bis in alle seine Einzelheiten.

Das Adreßbuch des Deutschen Buchhandels. !)

Es wird bearbeitet von der Adreßbuch-Redaktion der Geschäfts-
stelle des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig und
steht heute (1928) im 90. Jahrgang; bis zum 50, Jahrgang wurde
% von der Firma Otto Aug. Schulz in Leipzig herausgegeben und
ging 1888 in den Besitz des Börsenvereins über. Jedes Mitglied
les Börsenvereins erhält ein Exemplar unverlangt zu geringerem
Preise, als er für Nichtmitglieder festgesetzt ist. Wer das Recht
eines buchhändlerischen Wiederverkäufers, seinen Bedarf mit. vol-
lem Rabatt von den Verlegern zu beziehen, für sich in Anspruch‘
nehmen will, muß Aufnahme in das Adreßbuch des Deutschen Buch-
1) Adreßbuch des Deutschen Buchhandels
Bearbeitet von der Adreßbücher-Redaktion
7ereins d. D. Buchh. 90. Jahrg. Leipzig.

(gegr. von O. A. Schulz) 1928.
der Geschäftsstelle des Börsen-
        <pb n="29" />
        II. Die Organisation des deutschen Buchhandels. 21
aandels gefunden haben; nur so kann die Unterscheidung zwischen
einer Buchhändlerfirma einerseits und dem Auchbuchhändler sowie
dem bücherkaufenden Publikum anderseits restlos durchgeführt
werden. Auch hinsichtlich des Verlags bedarf es der sorgfältigen
Unterscheidung, welche Firma als Vollbuchhändler zu den buch-
händlerischen Verkehrseinrichtungen zugelassen oder als Kleinbetrieb,
Kommissionsverlag, Verlag im Nebenbetrieb hiervon auszuschließen ist

Die Bestimmungen des Börsenvereins lauten hierüber, wie folgt:

Grundsätze für die Neuaufnahme von Firmen
in das Börsenblatt und Adreßbuch.
I. Allgemeines.

Die Firma muß in Leipzig eine buchhändlerische Vertretung haben.
Die Firma muß sich zur Einhaltung der Verkehrsordnung und der Ver-
kaufsordnung durch Unterschrift einer Erklärung verpflichten.
Es muß ein angemeldeter Gewerbebetrieb als Buchhandlung vorliegen
(Verlags-, Zeitungsverlags-, Kommissions- und Sortimentsbuchhandlung,
Antiquariat, Kunst-, Landkarten-, Musikalienhandlung, Reisebuchhandlung,
Kolportagebuchhandlung. $ 2 Absatz 2 der Satzung).
Unselbständige Personen sind im allgemeinen von der Aufnahme aus-
geschlossen.

Ha. Für Sortiment.
Es muß bei bereits bestehenden Sortimenten und Antiquariaten ein Bücher-
lager (Klassiker, Geschenkliteratur, Jugendschriften, populäre und wissen-
schaftliche Literatur) vorhanden oder bei Neugründungen der Nachweis
der bevorstehenden Errichtung eines Lagers erbracht sein. Schulbücher,
Stadtpläne, Gesangbücher, überhaupt Artikel, die fast jede Papierhandlung
führt, sollen allein nicht genügen.
Versand- und Reisebuchhandlungen müssen, um als buchhändlerische Be-
iriebe angesehen zu werden, den Nachweis der geschäftlichen Verbindung
nit mehreren Verlegern erbringen.
Kolportagebuchhandlungen müssen nachweisen, daß sie mindestens fünf
Boten oder Kolporteure dauernd beschäftigen oder mindestens 20000 Mk.
Jahresumsatz haben, sowie ferner, daß sie mit mehreren Verlegern in
lauernder geschäftlicher Verbindung stehen.
Vereinsbuchhandlungen müssen den Nachweis erbringen, daß sie einen
geregelten buchhändlerischen Betrieb führen und ihren Gewinn nicht den
Ca der Satzung und der Ordnungen des Börsenvereins zuwider
abgeben.

L.
2,
z

Ub. Für Verlag.
Die Verlagstätigkeit muß bereits erfolgt sein oder als unmittelbar bevor-
stehend nachgewiesen werden. Dabei soll der Verlag eines einzelnen
Buches von geringerem Umfange nicht genügen, bezw. nur dann, wenn
aine Fortsetzung der Verlagstätigkeit ersichtlich ist.
Selbstverlag, Kommissionsverlag und Verlag im Nebenbetriebe sollen als
Verlagstätigkeit nur gelten, wenn der Vertrieb auch durch das Sortiment
nachweislich erfolgt, und wenn mehrere Verlagsartikel vorhanden sind.
Die Verlagstätigkeit von Gesellschaften und Vereinen soll als solche nur
gelten, wenn ihre Erzeugnisse in der buchhändlerisch üblichen Weise ver-
trieben werden und die Verteilung des Gewinnes der Satzung und den
Irdnungen des Börsenvereins entspricht.

L

2
        <pb n="30" />
        22 IL Die Organisation des deutschen Buchhandels. N

i. Die unter 2. und 3.. genannten Betriebe müssen die Verpflichtung über-
nehmen, die Verbindung mit dem Kommissionär nicht zum Bezug von
Sortiment zu benutzen. Der Kommissionär hat dafür einzustehen, daß diese
Verpflichtung von seinem Kommittenten innegehalten wird.

HL

Abgewiesene Aufnahmegesuche können im allgemeinen erst nach Jahres-
frist wiederholt werden.

Der Jahrgang 1928 des Adreßbuchs enthält nach der „Statistischen
Übersicht“ einschließlich 507 Filialen 11619 Firmen. Von diesen
beschäftigen sich hauptsächlich mit dem

Verlags-Buchhandel . . 3462
Verlags-Kunsthandel . . . 387
Verlags-Musikalienhandel ; „469
Sortiments-Kunsthandel . . . . 152
Sortiments-Musikalienhandel . . 674
Antiquariatshandel RR 252
Sortimentsbuchhandel „0.0. 6278

Die reinen Verlagsbuchhandlungen beziffern sich auf 1819 Firmen,

hiervon sind ansässig in
Berlin. .
Leipzig .
München
Stuttgart
Wien .
Die 11619 Firmen verteilen sich in den am Börsenverein betei-

ligten Ländern auf 2257 Orte nach folgender Übersicht:
Zahl der Firmen Zahl der Orte
Deutsches Reich. . 1602
Österreich . . 72
Schweiz . 2.2... . 71
übrige Staaten Euronvas . 159
Amerika . . D
Afrika . - r 7
ASIEN: + x 4 A Hi Ws 21 BB

Der Inhalt des Adreßbuchs setzt sich aus folgendem zusammen:

Im Eingang steht die Lebensbeschreibung nebst dem Bildnis einer
Persönlichkeit, die eine hervorragende Stellung im Buchhandel einge-
nommen und sich besondere Verdienste um ihn erworben hat. Weiter-
hin finden wir die Mitteilung der Buchhändlerjubiläen des kommenden
und der verstorbenen Vereinsmitglieder des vergangenen Jahres, ferner
ein Verzeichnis der buchhändlerischen und buchgewerblichen Fach-
blätter, der direkten Leipziger Bücherwagen und der Feiertage, so-
dann folgt eine Rabatt-Tabelle und eine statistische Übersicht.

Die I. Abteilung bringt das Firmenverzeichnis und das Verzeichnis
der Handlungsinhaber, deren Namen mit dem Firmenwortlaut nicht
übereinstimmt, sowie der Mitinhaber, Direktoren von Aktiengesell-
schäften, Geschäftsführer von Gesellschaften m. b. H. und der Pro-
kuristen, diese aber nur. soweit sie nicht Mitglieder des Börsen-
        <pb n="31" />
        II. Die Organisation des deutschen Buchhandels. 23
vereins sind, und die Telegramm-Adressen, die mit den Firmen nicht
übereinstimmen.

Die II. Abteilung verzeichnet die erloschenen und veränderten
Firmen, sowie neue geschäftliche Einrichtungen und Veränderungen.

Die III. Abteilung zählt die buchhändlerischen Vereine, die Sach-
verständigen-Kammern und Sachverständigen-Vereine auf,

Die IV. Abteilung bringt ein Verzeichnis der über Leipzig ver-
kehrenden deutschen und ausländischen Buch-, Kunst- und Mu-
sikalienhandlungen in geographischer Anordnung nebst Angabe der
Geschäftszweige, sowie ein Ortsregister.

Die V. Abteilung enthält ein Bezugsquellen-Register für den Buch-
handel und die graphischen Gewerbe nebst einem Katalog-Anhang.

Die Bibliothek des Börsenrvereins.
Die Bibliothek hat die Aufgabe, die Geschichte des Buches als
materielles Objekt zu versinnlichen und alle auf die Geschichte, den
inneren Verkehr und die rechtlichen Beziehungen des Buchhandels
bezüglichen Schriften und sonstigen Papiere zu sammeln und aufzu-
bewahren. Nach ihrer systematischen Ordnung umfaßt sie Her-
stellung, Geschichte, Vertrieb, Rechtsbeziehungen, Bücherkenntnis
und Bücherliebe, Bibliothekswissenschaft. Neben diesen Materien
stehen zunächst die beiden firmengeschichtlich unentbehrlichen
Sammlungen der Geschäftsrundschreiben (1927: 58000 Rundschreiben)
und der älteren Verlags- und Antiquariatskataloge (1927: 40000).
Die größte und bemerkenswerteste der geschlossenen Sonderblatt-
Sammlungen ist die von Butsch, dem Verfasser der Bücher-Orna-
mentik, geschaffene rund 10000 Blätter umfassende Sammlung von
Mustrationen, Initialen, Alphabeten, die ein Bild des Buchdrucks
Deutschlands, Italiens und Frankreichs im 15. und 16. Jahrhundert
gibt und bis etwa 1840 fortgesetzt ist, eine einzigartige Sammlung
von höchstem kunstgeschichtlichen und typographischen Werte. Die
Sammlung der Buchhändlerbildnisse enthält heute 4500 Blatt, Grup-
pen mit Blättern anderer Art schließen sich an. Zwei weitere der
einheitlichen Blattsammlungen enthalten rund 5000 Exlibris und
rund 7000 Drucker- und Verlegerzeichen. Sammlungen von Minia-
turen, Wasserzeichen, Inkunabeln, buch- und firmengeschichtlichen
Druckwerken der ihnen folgenden Zeit. Einbände ergänzen die Ver-
anschaulichung des Geschichte des Buches als solche, und eine Me-
daillensammlung vervollständigt das Material über die Geschichte
des Buchhandels.

Nach ihrer dritten, der handschriftlichen Seite hin, ging aus den
großen Sammlungen der 70er Jahre als umfänglichste die Samm-
lung der heute 2750 Nummern zählenden Buchhändlerbriefe hervor.!)

1) Nach Dr. J. Gaoldiriedrich.
        <pb n="32" />
        24 I. Die Organisation des deutschen Buchhandels.

Der Bibliothek ist das „Deutsche Buchhandels-Archiv“ ange-
gliedert, dem die Sammlung und Nutzbarmachung des in wirtschaft-
licher Hinsicht in Betracht kommenden Materials aus Vergangenheit
und Gegenwart obliegt.

Die Deutsche Bücherei des Börsenvereins der Deutschen
Buchhändler, .
(Satzung vom 19. Sept. 1912.)

Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler errichtete in Leipzig
sin Archiv des deutschen Schrifttums und des deutschen Buch-
handels, eine öffentliche, unentgeltlich an Ort und Stelle zur Be-
nutzung reistehende Bibliothek unter dem Namen „Deutsche
Bücherei“,

Die Deutsche Bücherei hat den Zweck, die gesamte, vom 1. Ja-
nuar 1913 an erscheinende deutsche und fremdsprachliche Literatur
des Inlands und die deutsche Literatur des Auslands zu sammeln,
aufzubewahren, zur Verfügung zu halten und nach wissenschaft-
lichen Grundsätzen zu verzeichnen.

Ausgeschlossen sind Musikalien und täglich erscheinende Druck-
schriften.

Die Einweihung des Gebäudes der Deutschen Bücherei fand am
2. September 1916 statt, wozu trotz dem Kriege die geistige Elite
des deutschen Volkes und seiner Freunde erschienen war.

Die Mehrzahl der Büchereingänge wird vom Verlag kostenlos ge-
liefert; die Gegenleistung dafür ist die Herstellung der gesamten
Bibliographie für den Buchhandel. Die Grundlagen dazu geben die
Titelaufnahmen, die täglich im Börsenblatt veröffentlicht und hier-
nach in dem „Wöchentlichen Verzeichnis“ zusammengestellt werden,
aus dem sie in das „Halbjahrsverzeichnis‘“ und dann weiter in die
Bücherkataloge des Börsenvereins übergehen, in denen die Neuer-
scheinungen und neuen Auflagen von fünf zu fünf Jahren zusammen-
gestellt werden, Diese Kataloge sind das wichtigste bibliographische
Material des deutschen Buchhandels und von größter Zuverlässigkeit.
Auch das „Literarische Zentralblatt für Deutschland“ und die für
den Bücherkauf werbenden Zeitschriften des Börsenvereins, sowie
zahlreiche andere Bibliographien schöpfen aus dieser Quelle.

Im Hinblick auf den Nutzen für den Gesamtbuchhandel wird u. a.
in der Deutschen Bücherei auch ein Katalog geführt,!) wie ihn
keine andere Bibliothek besitzt, das ist die Verlegerkartothek, die
den gesamten Bücherbestand in der alphabetischen Folge der Ver-
lagsfirmen enthält. Er hat einen gewaltigen. Umfang erreicht, da
im Jahre 1925 schon eine halbe Million Einzelbände im Hause
1) Nach Dr. Hans Präsent.
        <pb n="33" />
        I, Die Organisation des deutschen Buchhandels. 25
waren. ‚Die damals schätzungsweise 400000 Zettel umfassende
Kartothek war in 504 Kästen untergebracht; täglich kommen durch-
schnittlich 100 Zettel dazu. Alle Verlagsänderungen usw. werden
aus dem Börsenblatt und andern Quellen auf diesen Zettelkatalog
übertragen.

Die Deutsche Bücherei ist eine Kulturtat, die für das gesamte
deutsche Geistesleben von größter Bedeutung ist; sie kommt jedem
Geistesarbeiter zugute, der im Lesesaal der Bücherei an einem
neuen Werke schafft, und dem hier die neuere Literatur lückenlos
zur Verfügung steht. Sie ist eine Präsenzbibliothek, das heißt,
ihre Bücher werden nicht nach auswärts verliehen, sondern inner-
halb der zwölf Tagesstunden für den Lesesaal den Benutzern nach
zweistündiger Vorausbestellung ausgehändigt. Sie soll als Archiv
des deutschen Buchhandels ihm als solches in allen ihren Einzel-
beständen erhalten bleiben, eine Aufgabe, die sie im Leihverfahren
außerhalb ihrer Räume nicht erfüllen könnte.

Die Zugänglichkeit des umfangreichen Katalogmaterials, die Aus-
kunfterteilung durch ein besonderes Büro, den Zeitschriftenlesesaal
mit seiner von keiner andern Bibliothek erreichten Fülle ausgelegter
Zeitschriften, die ständig wechselnden Ausstellungen unter biblio-
philen und buchtechnischen Gesichtspunkten, die nach vielen Tausen-
den von Bänden zählende Handbibliothek im großen Lesesaal und
dessen überaus zweckmäßige Einrichtung wird jeder, der in ihren
Räumen gearbeitet hat. in Dankbarkeit hoch schätzen,

Die Werbestelle des Börsenvereins.
Die Werbestelle hat allen Mitgliedern in Werbefragen beratend
zur Seite zu stehen, Werbemittel für den Gebrauch der Mitglieder
herauszugeben und Propagandamaßnahmen zugunsten des gesamten
Buch-, Kunst- und Musikalienhandels durchzuführen.

Dieser Aufgabe dienen auch folgende Werbezeitschriften
im Verlag des Börsenvereins:

„Nimm und lies!“ Propagandazeitschrift für Neuerschei-
nungen des Buchhandels. Erscheint am 15. jedes Monats.

„Das Deutsche Buch.“ Propagandazeitschrift für den Aus-
landbuchhandel. Erscheint in der Gesamtausgabe und in ihrem biblio-
graphischen Teil auch gesondert in zweimonatigen Abständen.

Das gleiche Ziel verfolgt auch die Bücherreihe:

Schriften zur Buchwerbung. Erschienen sind bis Ende
1928 sieben Hefte. Weitere Schriften sind in Bearbeitung.
Auslandausschuß.
Der Ausschuß ist aus der ehemaligen Deutschen Gesellschaft für
Auslandbuchhandel, e. V., hervorgegangen. Er steht den Mitgliedern
        <pb n="34" />
        26 II. Die Organisation des deutschen Buchhandels,
des Börsenvereins in allen Fragen der Werbung im Auslande zur
Seite. Deutsche Buchausstellungen und das Besprechungswesen im
Ausland sind seine besonderen Arbeitsgebiete.

Berlin
und seine buchhändlerischen Verkehrseinrichtungen.
Der Verkehr des gesamten Berliner Buchhandels ist in der Be-
stellanstalt der Korporation der Berliner Buchhändler, die der
Paket- und Zettelverteilung dient, vereinigt. Er wird durch die
„Verkehrsordnung für den Berliner Platzverkehr‘“ geregelt, die in
der Hauptversammlung der Korporation vom Jahre 1900 aufgestellt
und 1902 und 1922 revidiert worden ist; im übrigen gilt die Ver-
kehrsordnung des Börsenvereins auch für den Berliner Platzverkehr.
Nach 8 4 der Berliner Verkehrsordnung sind die Mitglieder der
Korporation und der Bestellanstalt verpflichtet, einander alle Liefe-
rungen frei Bestellanstalt zu machen. Nach $ 4 der Bestimmungen
über die Benutzung der Bestellanstalt für den Berliner Buchhandel
kann jede buchhändlerische Firma in Berlin oder auswärts Mitglied
der Bestellanstalt werden, doch steht der Korporation das Recht
zu, Gesuche um Mitgliedschaft bei der Bestellanstalt abzulehnen.

Die Bestellanstalt übernimmt nicht nur den Bestellzettel-, Skrip-
suren- und Drucksachenverkehr der Mitglieder und deren Kommitten-
ten unter sich, sondern auch den Zettel- und Skripturenverkehr
mit dem Leipziger Kommissionär bis zur Gewichtsgrenze von
200 Gramm täglich, Drucksachenversendung von und nach Leipzig
in täglichen Sendungen bis zur Gewichtsgrenze von je 500 Gramm,
Beförderung von Beischlüssen von und nach Leipzig bis zur Ge-
wichtsgrenze von je 25 Kilogramm im Monat, Ausfuhr der von
auswärtigen Mitgliedern frei Haus eingehenden Beischlüsse und
Übermittlung der zur Auszahlung an Berliner Firmen oder deren
Kommittenten eingehenden Geldbeträge.

Im ersten Teil des 1927 im 53. Jahrgang vorliegenden Adreß-
buchs für den Berliner Buchhandel sind die Berliner
Firmen aufgeführt, die durch Aufnahme in das „Adreßbuch des
Deutschen Buchhandels“ als Vollbuchhändler anerkannt sind, im
zweiten Teil die nicht im „Adreßbuch des Deutschen Buchhandels“
stehenden Firmen. Als Kommissionsplatz ist Berlin nur noch von
geringer Bedeutung: drei Firmen vertreten 35 Sortimenterkommit-
tenten; zahlreicher sind die von auswärtigen Verlegern im Interesse
des Berliner Sortiments unterhaltenen Auslieferungslager.

Nach der statistischen Übersicht des Adreßbuchs für den Deutschen
Buchhandel 1928 sind in Berlin ansässig:
        <pb n="35" />
        II. Die Organisation des deutschen Buchhandels. 27
reine Buch-, Kunst- und Musikalien-Verlagshandlungen 872 Firmen
Verlagshandlungen mit Sortiment 194
reine Sortiments-(Buch-, Kunst- und Musikalien-)Hand-

lungen »

Berlin ist der Sitz der „Buchhändlergilde“, die eine große
Anzahl Sortimenterfirmen zur Wahrung ihrer Interessen in einen
engeren Verband zusammenfaßt; ihr Organ ist das „Buchhänd-
lergilde-Blatt“ (Redaktion: Berlin N 24, Friedrichstr. 125).
Die zahlreichen andern buchhändlerischen Vereinigungen sind im
Anschluß an den Abschnitt „Börsenverein“ schon oben aufgeführt.

581

Stuttgart, die süddeutsche Buchhandelszentrale.
Stuttgart hat seine Entwicklung zu einem Mittelpunkt des Buch-
handels in erster Linie der Aufwärtsbewegung der Verlagsproduk-
tion in Stuttgart, die in den 20 er Jahren des vorigen Jahrhunderts
ihren Anfang nahm, zu verdanken, dann aber auch seiner günstigen
Verkehrslage. Zunächst waren ja Frankfurt a. M. und danach Leipzig
die bekannten, aus ihren Messen hervorgegangenen Stapelplätze;
später entstand zwischen einigen süddeutschen Städten (Augsburg,
Nürnberg und Stuttgart) ein Wettstreit, der schließlich infolge der
Entstehung hervorragender Verlage in Stuttgart innerhalb einiger
Jahrzehnte zugunsten Stuttgarts entschieden wurde. Es erschien
lem süddeutschen Buchhandel bis zur Mainlinie hinauf und den
Rhein weit hinab und ebenso dem elsaß-lothringischen und dem
schweizerischen Buchhandel vorteilhafter, seinen Bedarf von süd-
deutschen Verlagen über Stuttgart zu beziehen. Die Entwicklung
führte in der Folge dahin, daß auch norddeutsche Verlage in Stutt-
gart Auslieferungslager errichteten, damit das südwestdeutsche Sor-
timent von Stuttgart beziehen könne. Somit ist das Stuttgarter
Kommissionsgeschäft aus einer natürlichen Entwicklung entstanden,
die ihm auch heute noch die Existenzberechtigung gewährt und
seinen Wiederaufbau nach der Inflationszeit von Jahr zu Jahr ge-
fördert hat. Doch ist eine Veränderung gegen früher unverkennbar;
denn während früher viele Stuttgarter Firmen das buchhändlerische
Kommissionsgeschäft betrieben, wird heute die überaus große Mehr-
zahl der über Stuttgart als Kommissionsplatz verkehrenden Firmen
durch eine einzige Firma vertreten, die zugleich das süddeutsche
Barsortiment besitzt. Der Rest der Firmen vereinigt sich bei einer
mehr das buchhändlerische Grossogeschäft betreibenden Firma.

Eine besondere Bedeutung hat Stuttgart für den süddeutschen
Buchhandel dadurch erlangt, daß nach der Mitte des 19. Jahrhunderts,
dem Leipziger Beispiel folgend, in Stuttgart das schon erwähnte Bar -
Sortiment errichtet wurde, das nach seinem Übergang in andern
Besitz und nach seiner Vereinigung mit einem zweiten ähnlichen
        <pb n="36" />
        28 IL. Die Organisation des deutschen Buchhandels.
Unternehmen derart ausgebaut wurde, daß es heute von dem größten
Teil des süddeutschen Sortimentsbuchhandels als die einfachste und
vorteilhafteste Bezugsquelle benützt wird. Mitbestimmend für diese
Entwicklung ist die Lage Stuttgarts und die Möglichkeit, die günsti-
gen Expreßgutsätze auszunützen und daher auch Kleinbedarf schnell
und mit geringen Spesen beziehen zu können. Da das Barsortiment
mit dem Kommissionsgeschäft und der Zeitschriftenabteilung, sowie
mit der Lehrmittelabteilung in einem Hause vereinigt ist, kann der
Gesamtbedarf des Sortimentsbuchhändlers aus einer Hand bezogen
werden. Die Zahl der Stuttgarter Barsortimentskunden beträgt an-
nähernd 900, die der Kommittenten der beiden Kommissionsgeschäfte
angefähr 700,

Stuttgart ist der Sitz des Württembergischen Buchhändlervereins,
des Süddeutschen Buchhändlervereins und hat überdies seine Ver-
ieger in der Stuttgarter Verleger-Vereinigung, seine Sortimenter
im Verein Stuttgarter Sortiments-Buchhändler zusammengeschlossen.
Verkehrseinrichtungen von Vereins wegen, wie sie der Verein
der Buchhändler zu Leipzig in der Bestellanstalt und der Paket-
austauschstelle besitzt, gibt es in Stuttgart nicht, aber im Grund-
stück des Süddeutschen Barsortiments (Koch, Neff, Oetinger &amp; Co.,
G. m, b. H.) befindet sich eine Zettelkasteneinrichtung nach Art der
Leipziger Bestellanstalt, die vom Barsortiment und dem Kommissions-
geschäft als Vermittlerin zwischen Verlag und Sortiment unter-
halten wird und zum Teil auch den auswärtigen Zettelverkehr mit
erledigt. Es findet auch im Graf-Eberhard-Bau herkömmlich ein
Paketaustausch zwischen einigen Firmen statt, der sich voraussicht-
lich noch erweitern wird, da sich ein großer Teil des buchhänd-
lerischen Verkehrs über und innerhalb Stuttgarts im Graf-Eberhard-
Bau abwickelt. In diesem Grundstück werden auch vielfach buch-
händlerische Vereinsversammlungen abgehalten, und zwei geräu-
mige Turmzimmer sind dem Verein jüngerer Buchhändler „Hauff“,
der Fortbildung und Unterhaltung pflegt, als Vereins- und als Biblio-
thekzimmer kostenlos überlassen.

Im Juni jedes Jahres findet die gemeinschaftliche Hauptver-
sammlung der Stuttgarter Verleger-Vereinigung und des Vereins der
Stuttgarter Sortiments-Buchhändler statt, die u. a. auch dem Zweck
dient, die Beziehungen des süddeutschen Sortiments zu dem starken
Stuttgarter Verlag und dem süddeutschen Verlag im allgemeinen zu
fördern und ‚die führende Stellung Stuttgarts, die ihre historische
Berechtigung hat, im süddeutschen Buchhandel zu betonen.
        <pb n="37" />
        III. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 29

MI. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
Nachdem wir die Organisation des deutschen Buchhandels kennen
gelernt haben, wenden wir uns der Betrachtung seiner einzelnen
Zweige zu.
Der Verlag.

In den Anfangszeiten der Buchdruckerkunst, deren Erfindung im
Jahre 1450 zum Abschluß gekommen ist, waren Druck, Verlag und
Vertrieb der Erzeugnisse der Presse zunächst in einer Hand ver-
einigt. Aber bald fand eine Trennung der verschiedenen Arbeits-
leistungen statt, die wir im Buchgewerbe heute noch sehen. Neben
den für den eigenen Verlag arbeitenden Druckereien entstanden
Verlagsunternehmungen ohne eigenen Druckereibetrieb, später erst
die: Kleinhändler, die „Buchführer“, welche in Stadt und Land,
auf Messen und Märkten die Bücherware in alle Bevölkerungsschichten
hineintrugen, während das Verkaufs- und Tauschgeschäft der Buch-
händler untereinander in den Händen der Drucker und Verleger blieb.
Nur die für das Publikum bestimmten Bücher kamen gebunden in
den Handel; der für den Buchhandel bestimmte Teil einer Auflage,
lie zwischen 100 und 12000 Exemplaren schwankte!) — als Norm
Jürfte die Zahl 1200 anzusehen sein —, wurde in rohen Bogen ver-
3andt und auch so im Tauschgeschäft auf den Messen „verstochen‘“‘,
wie der fachmännische Ausdruck lautete. Der Verkauf der Bücher in
rohen Bogen hat sich im buchhändlerischen Verkehr bis ins 19. Jahr-
hundert erhalten; noch im Jahre 1880 lieferten vereinzelte Schul-
and Gesangbuchverleger größere Posten ihrer Artikel an die Sor-
bimenter in Bogen, die dann von den ortsansässigen Buchbindern ihre
Einbände erhielten. Der Verlag wurde für eigenes Risiko einer Firma
betrieben, oder aber als „Kommissionsverlag‘, wenn der Autor
die Herstellung eines Werkes bezahlte, ferner als Selbstverlag,
wenn der Verfasser eines Buches es auf seine Kosten drucken ließ
and selbst vertrieb, Diese drei Formen sind auch im neuzeitlichen
Verlag erhalten geblieben.

Eine besondere Lieferungsform im Verkehr des Verlegers mit dem
Sortimenter, die erst im Laufe des letzten Jahrzehnts zurück-
gedrängt, aber nicht verschwunden ist, hat sich am Ende des
18, Jahrhunderts als Konditionsgeschäft entwickelt. Der Sorti-
menter erhielt teils unverlangt, teils auf Bestellung die Neuigkeiten
rom Verleger „bedingt“ (a cond.) geliefert, das heißt, er durfte die
Bücher, die er nicht absetzte, an den Verleger zurückschicken. Die

3) Haebler, Handbuch der Inkunabelkunde, gibt für die mittlere Inkumabel-
zeit 400 bis 500 als üblich an.
        <pb n="38" />
        30

II. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
Lieferung geschah in Jahresrechnung, die von Januar bis Dezem-
ber lief, die Abrechnung erfolgte jeweilig zur Ostermesse des folgen-
den Jahres, Man sandte in der der Messe vorausgehenden Zeit,
etwa im März und April, die nicht verkauften Bücher zurück, hatte
aber auch die Berechtigung, die Bücher, die nicht abgesetzt waren,
soweit nicht vom Verleger Remission ausdrücklich verlangt war,
zu „disponieren‘“, das heißt, man stellte sie dem Verleger zur Ver-
fügung. Die Saldi, die sich aus der Summe der Remittenden und
Disponenden gegenüber dem Betrage der in Rechnung gelieferten
Posten ergaben, wurden zur Meßabrechnung am Montag nach Kantate
bezahlt. Die umfangreichen Konditionssendungen, die der Sorti-
menter erhielt, dienten dazu, die Neuigkeiten des Büchermarktes
durch Ansichtssendungen dem Publikum vor Augen zu führen, so
daß es sich durch Einsichtnahme zum Kauf entschließen konnte;
heute ist dieser Verkehrsmodus und damit auch die früher so be-
deutungsvolle Meßabrechnung bis auf geringe Reste verschwunden.
Im deutschen Verlagsbuchhandel steht, nach der Produktions-
ziffer bemessen, Berlin an erster Stelle, dann kommt Leipzig, und in
größerem Abstande folgen Stuttgart, München, Dresden und Ham-
burg. Die nachstehende Zusammenstellung, aus der ersichtlich ist,
wie sich die Bücherproduktion auf die Verlagsorte Deutschlands
verteilt, ist nach Generaldirektor Dr. Heß, „Die weltwirtschaftliche
Bedeutung Leipzigs als Zentrale des deutschen Buchhandels“, ge-
geben, da neueres Zahlenmaterial in der statistischen Stelle des
Börsenvereins noch nicht abgeschlossen vorliegt. Es erschienen in
1915 1920 1922
Berlin 6787 6066 1483
Leipzig 5725 1969 3990
Stuttgart 1627 1734 1722
München 1692 ‚761 1638
Dresden 637 880 628
Hamburg 491 512 580
Dann folgen mit Zahlen unter 500 im Jahre 1922 Freiburg i. Br.,
Jena, Frankfurt a. M., Breslau, Hannover, Halle a. d. S., Schwerin,
Köln, Braunschweig, Paderborn, Reutlingen, Tübingen, Wiesbaden,
Münster i. W., Bonn, Langensalza, Kempten, Karlsruhe, Gotha,
Heidelberg und eine größere Anzahl von Verlagsorten, in denen
weniger als 100 Werke verlegt wurden.

Wir ersehen aus dieser Zusammenstellung, daß eine beträcht-
liche Zahl auf die Verlagsproduktion außerhalb der buchhänd-
lerischen Hauptplätze auf das ganze Land entfällt, die durch die
Zentralisation des Buchhandels in Leipzig und die hier errichteten
Auslieferungslager für den erleichterten Bezug einheitlich zusam-
mengefaßt ist.
        <pb n="39" />
        {I Die Zweige des deutschen Buchhandels.

33
Vielfach sind Verlagsbetriebe Sortimentsgeschäften angegliedert.
In den selbständigen Verlagen finden wir eine große Anzahl solcher,
die sich auf bestimmten Gebieten der Bücherproduktion speziali-
sieren; zahlreiche wissenschaftliche Verlagshandlungen haben ihre
Sitze in den Universitätsstädten, wo sie ihre Autorenverbindungen
mit den Gelehrten der Hochschulen unterhalten. Es gibt Verlags-
firmen, die spezielle wissenschaftliche Gebiete pflegen, z. B. die
Medizin, die Theologie, die Jurisprudenz und die Staatswissenschaften;
wir finden Spezialverlage für die Landwirtschaft, für das Gebiet
der gesamten Technik oder Teile derselben, für belletristische, für
katholische und evangelische Literatur, für Jugendschriften usw.
Die Erwerbung der Manuskripte geschieht zum Teil auf Angebote der
Autoren, viele Verlagsunternehmungen sind aber auch schöpferischen
Ideen der Verleger entsprungen. Das gilt nicht nur für großangelegte
Enzyklopädien und Sammelwerke, an denen nach dem Plan eines
Verlagshauses zahlreiche Autoren auf ihren Spezialgebieten mit-
arbeiten, sondern auch für Einzelwerke, die bestimmt sind, eine
Lücke in der Literatur auszufüllen, oder die, dem Zeitgeist Rechnung
tragend, verlegerischen Erfolg versprechen, wie auch Übersetzungen
hervorragender Erscheinungen auf dem ausländischen Büchermarkt
nicht selten ihr Entstehen der verlegerischen Initiative verdanken.
Als Beweisstück für das Verantwortungsgefühl, dessen sich der
deutsche Verleger bei Erfüllung seiner Aufgabe als wichtiger Mitt-
ler im geistigen Leben der Nation bewußt ist, sei der folgende Aus-
spruch Adolf v. Kröners, eines der bedeutendsten deutschen Ver-
leger seiner Zeit, hier eingeschaltet. Er hat einmal von seinen
Berufsgenossen gesagt, vom Verleger hänge es nicht zum wenigsten
ab, welche Talente und in welchem Maße sie zur Entfaltung gelang-
ten, und welche Ideen und Gefühle die Massen der Nation beseelten;
er trage einen großen Teil der Verantwortlichkeit dafür, ob zwischen
den Trägern des geistigen Fortschritts und den weitesten Schichten
der Bevölkerung Einheit des Denkens. Fühlens und Wollens bestehe.
Hat der Verleger ein Manuskript erworben, dann ist es seine Auf-
gabe, ihm die Form eines marktfähigen Buches zu geben. Wenn
auch Buchärucker und leistungsfähige Großbuchbindereien hierfür
als fachmännische Berater herangezogen werden können, so hat
doch der Verleger das bestimmende Wort zu sprechen. Wie der
Name einer angesehenen Verlagsbuchhandlung auf dem Titel den
Buchhändler und sachkundigen Literaturfreund auf den inneren
Wert eines Buches schließen läßt und kaufwerbend wirkt, so muß zu
gleichem Zwecke die äußere Ausstattung der Verlagsartikel eine
Besonderheit seines Erzeugers zur Schau tragen, die sie aus der
Massenware sinnfällig abhebt, Man denke nur an die Veröffent-
lichungen der Firma Eugen Diederichs Verlag oder des Insel-Verlags.
        <pb n="40" />
        32 1II, Die Zweige des deutschen Buchhandels.
Schließlich sei noch bemerkt, daß der Verlag für druckfehlerfreien
Text eines Buches oder Werkes die Verantwortung zu tragen hat;
es: müssen neben den Korrekturen der Drucker und den Autoren-
Revisionen auch vom Verleger sorgfältige Revisionen gelesen wer-
den. Des weiteren hat dieser erforderlichenfalls das Illustrations-
material zu beschaffen; er muß also mit allen Arten der Illustrations-
technik vollkommen vertraut sein, um jeweilig das Zweckdienlichste
wählen zu können.

Wie die Herstellung der Verlagsartikel weitgehende Anforde-
rungen an die geistigen Fähigkeiten eines Verlagsleiters stellt, so
auch der Vertrieb der Bücher und Schriften,

Die Fassung der für den Buchhandel bestimmten Rundschreiben,
der Börsenblattanzeigen und der Prospekte für das Sortiment und
für die Käuferwelt erfordern Sachkenntnis und eine gewandte Feder.
Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für den Vertrieb haben im
besonderen die für die Presse bestimmten „Waschzettel‘“, die als
Inhaltsangaben und kurze, treffsichere Charakterisierung des Buch-
inhalts den Rezensionsexemplaren beigelegt werden. Die Tagespresse
pflegt sie ganz oder teilweise abzudrucken, soweit die Zeitung über
dieses oder jenes Werk nicht eine eigene, selbständige Kritik bringt,
was nur ausnahmsweise geschieht; es ist das auch bei der Masse
der täglichen Neuerscheinungen auf dem deutschen Büchermarkt
und der großen Zahl von Büchern, die als Rezensionsexemplare -bei
den Zeitungsredaktionen eingehen, vollkommen erklärlich. Vielfach
wird von einer Einsendung nur durch den Titelabdruck Notiz ge-
nommen. Aus all dem Gesagten geht hervor, daß der Leiter eines
Verlages auf hoher Bildungsstufe stehen muß, um seine nicht leichte
Aufgabe nach jeder Seite hin erfüllen zu können. Schon für die Aus-
wahl und Erwerbung der Manuskripte ist diese vonnöten, um Be-
ziehungen zu führenden Geistern sowohl durch persönlichen, wie
durch schriftlichen Verkehr anzuknüpfen und zu unterhalten, Der
Verleger muß neuauftauchende Talente erkennen und für sich
gegebenenfalls zu gewinnen suchen. Die Herstellung der Bücher
verlangt Geschmack und ästhetische Schulung in enger Verbindung
mit dem steter Wandlung unterworfenen Zeitgeist. Die Revisionen
der gedruckten, zuweilen auch schon der geschriebenen Texte und
ihre Vorbereitung für den Druck erfordern vollkommene Beherr-
schung der deutschen und häufig auch fremder Sprachen; Englisch
und Französisch sind zum mindesten nötig.

Einige wenige, große Verlagsgeschäfte haben akademisch vorge-
bildete, wissenschaftliche Mitarbeiter als Verlagsredakteure. Deren
Gesamtzahl ‚ist aber so gering, und die Arbeitsbedingungen sind so
verschieden, daß von der Einstellung irgendeines wissenschaftlichen
Studiums auf diesen Zweck abgeraten werden muß. Nur eine gün-
stige Gelegenheit kann hier ein angemessenes Arbeitsfeld schaffen.
        <pb n="41" />
        III. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 33

Vorübergehend bestand in Leipzig eine Vereinigung der Verlags-
redakteure. Ihre Mitglieder sind zum größten Teil dem Reichs-
verband der Presse beigetreten.)

Die kaufmännischen und buchhalterischen Arbeiten beanspruchen
bei der großen Anzahl schwer kontrollierbarer kleiner Einzelposten
gewissenhafte und zuverlässige Mitarbeiter. Im neuzeitlichen Ver-
lagsbetrieb ist vielfach ein Reisender angestellt, der als Vertreter
einer oder mehrerer Firmen die Sortimenter aufsucht, um ihnen Neu-
arscheinungen und gangbare ältere Artikel vorzulegen und Bestel-
lungen entgegenzunehmen. Jugendschriften- und belletristische Ver-
lage, sowie größere Firmen, die sogenannte „Brotartikel“ verlegen,
haben fast alle Reisevertreter allein oder mit Verlagen anderer
Richtungen zusammen.

Der „Bugra“-Meßpalast, der zu den beiden alljährlich abgehaltenen
Leipziger Mustermessen seine Pforten öffnet, stellt in seinen zahl-
reichen Kojen Neuigkeiten und ältere gangbare Artikel in übersicht-
licher Weise zur Schau. Die täglichen Bibliographien und die An-
zeigen im Börsenblatt sowie der Verleger-Rundschreiben geben zwar
dem Sortimenter die Produktion des deutschen Verlages bekannt,
30 daß er hiernach seinen Bedarf wählen kann, aber die Meßaus-
stellung gewährt einen Einblick in die Ausstattung der Bücher, die
für Beurteilung der Verkäuflichkeit dieses oder jenes Artikels treff-
sicherer ist als lediglich die Titelangabe.

Nicht unerwähnt darf bleiben, daß der Buchverlag mehr oder
weniger Spekulationssache ist. Trotz sorgfältigen und sachkundigen
Erwägungen der Absatzmöglichkeiten vor der Herausgabe eines
neuen Verlagsartikels gibt es Fehlschläge. Manches Buch hat
Jurch die Gunst des Schicksals über Erwarten guten Erfolg oder
Jurch widrige Umstände Mißerfolg erfahren; sichere Faktoren kann
ler Verleger nur in den seltensten Fällen in seine Vorausberech-
nungen einstellen, Im regulären Verlagsbetrieb muß eben der Aus-
fall auf der einen Seite durch um soviel besseren Erfolg auf der
andern Seite ausgeglichen werden. Manches wertvolle Buch, zahl-
reiche Monographien und dergl. werden gedruckt, für die nur mit
einem kleinen Interessentenkreise zu rechnen ist, und bei deren
Herausgabe Verleger und Autor von vornherein nur auf idealen
Nutzen, nicht aber auf kaufmännischen Gewinn rechnen können.

Einen besonderen Vorteil beim Vertrieb ihrer Verlagsartikel haben
jie Verleger, denen Zeitschriften ihres eigenen Verlages hierfür zur
Verfügung stehen; fachwissenschaftliche Buch-Verlage haben Sich
nicht selten aus Zeitschriftenunternehmungen entwickelt und sind
zu großer buchhändlerischer Bedeutung gelangt.
1) Dünnhaupts Studien- und Berufsführer, Band 1, Jagow-Matthaesius,
Zeschichte,
        <pb n="42" />
        34 HIT. Die Zweige des deutschen Buchhandels,

Einer der führenden Geister im neuzeitlichen Buchhandel, Dr.
Eugen Diederichs, zieht die Summe seiner erfolgreichen 40 jährigen
Verlegertätigkeit mit den Worten: „Ich meine, die erste Eigen-
schaft eines Verlegers muß Einfühlungsfähigkeit, gepaart mit Instinkt-
sicherheit sein, die zweite eine gewisse Kombinationsgabe, um
verschiedene geistige Bezirke miteinander zu verbinden und zu selb-
ständigen Analogieschlüssen zu kommen, die dritte Eigenschaft ist
aber Wagemut, und diese ist sein eigentliches Schicksal, denn es
heißt, auf die richtige Karte setzen. Das bedeutet nicht immer,
augenblicklichen Erfolg zu haben. Ich möchte sogar so weit gehen
und sagen, der augenblickliche Erfolg ist gar nicht so entscheidend
im verlegerischen Leben, das Entscheidende ist Ausdauer und Konse-
quenz. Der Zickzackkurs des Verlegers, der immer der neuesten
Mode nachläuft, führt selten zu einem guten Ende. Es geht das
wohl ein paar Jahre gut. Man kann aber nicht immer so schlau sein,
daß man gleich die nächste Strömung am richtigen Zipfel anpackt,
lafür ist die Konkurrenz zu stark.“ —

Die staunenswerte Fruchtbarkeit des deutschen Geisteslebens
and die bisher von keinem Kulturvolk auch nur annähernd erreichte
Regsamkeit des Verlagsbuchhandels wird in augenfälliger Weise
bewiesen durch die
Zahlen der buchhändlerischen Neuerscheinungen
in den Jahren von 1919 bis 1927.

Jahr

1919
1920
1921
1922
1923
1924
1925
L926 |
19927

Neuerschei-
nungen

Neu-
auflagen

15876 6432
19078 83715
22145 7140
22614 8190
20566 5833
18003 5079
24.276 7319
23757 | 6307
24866 6160

}

Summe

22 308
27 793
29285
30804
26 399
23.082
31595
30 064
31026 |

Zeit-
schriften

3886
1552
4.967
4.802
3734
5061
6127
6739
6860

Insgesamt

26 194
32345
34.252
35 606
30133
28 143
37722
36 803
37 Q86
Im letzten Vorkriegsjahre, 1913, hatte die Summe der Neuerschei-
aungen und Neuauflagen 28182, einschließlich 6689 Zeitschriften
insgesamt 34871 betragen.

Fast ergötzlich mutet die folgende Beleuchtung der deutschen
Bucherzeugung an, die vor kurzem in einer großen Tageszeitung ent-
halten war: „Eine neue Statistik stellt fest, daß in Deutschland
pro Tag des vergangenen Jahres 71 Bücher erschienen sind. Das
macht pro Stunde genau drei, falls man auch die Nachtstunden mit-
        <pb n="43" />
        II. Die Zweige des deutschen Buchhandels.

35
rechnet, aber — die Büchermacher sind ja Nachtarbeiter (wodurch
sie sich von den „Buchmachern“ und den in Frisiersalons tätigen
„Kopfarbeitern‘“ deutlich unterscheiden). Billigt man aber auch den
Schriftstellern und sonstigen Buchherstellern den Achtstundentag zu,
so ergibt sich pro Stunde eine Buchproduktion von fast neun Stück.
[mmerhin eine Leistung! — Es wäre nun interessant, das Budget
eines modernen deutschen Jünglings kennenzulernen: wieviel vom
Hundert seines Einkommens aufs Konto: Bücher kommen. Dann
ließe sich leicht feststellen, wie viele von den 71 Büchern pro Tag
— gelesen werden, bezw, wie viele Leser im Durchschnitt auf ein
Buch kommen.“
Das Sortiment.
Dem deutschen Sortimentsbuchhändler hat man den Titel eines
„Pioniers der Wissenschaft“ beigelegt; seine Tätigkeit, die dem
Buche den Weg zur Gelehrtenwelt und zum Leserpublikum anbahnt,
ist damit treffend gekennzeichnet. Von den 11619 Buchhändler-
firmen, die nach der statistischen Übersicht im Adreßbuch für den
Deutschen Buchhandel, Jahrgang 1928 aufgeführt sind, entfallen
6273 auf Sortimentsbuchhandlungen. Wenn wir aber von der Ge-
samtzahl die 1819 reinen Verlegerfirmen in Abzug bringen — viele
Verleger sind gleichzeitig auch Sortimenter —, so erhöht sich die
Zahl der Sortimentsbetriebe auf ungefähr 9800, die sich über ganz
Deutschland, Österreich und die deutschen Sprachgebiete der
Tschechoslowakei und der Schweiz verbreiten, zuzüglich 1700 Aus-
landsfirmen in den übrigen europäischen Staaten, in Amerika, Afrika
und Asien, die in Leipzig vertreten sind.

England und Frankreich, deren Buchhandel rein kaufmännisch wie
jeder Warenhandel und vorwiegend in den Hauptstädten der beiden
Länder betrieben wird, erreichen etwa nur je ein Drittel der jähr-
lichen Bücherproduktion Deutschlands, obgleich für Bücher in eng-
lischer und französischer Sprache der Weltmarkt viel aufnahme-
fähiger ist als für deutsche Bücher. Die deutsche Mehrproduktion
ist in erster Linie auf die zahlreichen Sortimentsbuchhandlungen in
Deutschland und den Nachbarstaaten zurückzuführen, die sich in
festgefügter Organisation mit dem Stützpunkt Leipzig dem Vertrieb
der Bücherproduktion des deutschen Verlages widmen. Auch kleine
Orte haben ihre Buchhandlungen, die nicht nur am Platze den Bücher-
bedarf decken, sondern auch im weiteren Umkreis des Heimats-
bezirks die Bevölkerung mit literarischen Erzeugnissen, Büchern,
Zeitschriften und Musikalien versorgen. Wenn auch der Sorti-
menter in der Kleinstadt nur ein Lager von bescheidenem Umfang
anterhalten kann, so ist er doch imstande, seiner Kundschaft auf
dem Bestellwege jedes Buch zum festgesetzten Ladenpreise spesen-
frei zu besorgen, da er durch seinen Leipziger Kommissionär an die
        <pb n="44" />
        36 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels,
buchhändlerischen Verkehrseinrichtungen angeschlossen ist. Seine
Leistungsfähigkeit beim Bücherbezug ist die gleiche, wie die des
Großstadtsortimenters.

Als das Tauschgeschäft auf den Meßplätzen Mitte des 18. Jahr-
hunderts sich mehr und mehr in das Konditionsgeschäft umwandelte
and der Verlag seine Neuigkeiten dem Sortimenter mit dem Zuge-
ständnis, Nichtabgesetztes nach längerer Frist zurückzuschicken, zu
liefern begann, war der Sortimenter in der Lage, die Neuerscheinungen
des Büchermarktes in seinem Kundenkreis „zur Ansicht“ zu ver-
senden, Die Konditionslieferungen mit Ziel bis zur nächstfolgenden
Ostermesse als ein wichtiger Faktor beim Neuigkeitenvertrieb und
die Ansichtssendungen in großem Umfange, die sie ermöglichten,
sind der Kriegs- und der ihr nachfolgenden Inflationszeit zum Opfer
gefallen. Das Sortiment hat sich neuerdings auf andere wirksame
Vertriebs- und Propagandamittel umstellen müssen, wobei es von
der Werbestelle des Börsenvereins in zweckmäßiger Weise durch
Lieferung von Plakaten und Zeitschriften, die der Werbung für den
Bücherkauf beim Publikum dienen, unterstützt wird.

Sortimentsgeschäften in Provinzstädten, die durch den Bücher- und
Zeitschriftenumsatz allein nicht bestehen können, sind andere Be-
iriebe vielfach angegliedert. Nicht selten ist mit einer Buchhandlung
Verlag und Druckerei eines Lokalblattes verbunden; in zahlreichen
Fällen finden wir auch den Kunst-, Musikalien- und Schreibmate-
rialienhandel, sowie Antiquariat, Zeitschriftenvertrieb, Zeitschriften-
and Bücherlesezirkel, zuweilen auch Instrumentengeschäfte mit dem
Geschäftsbetrieb des Buchhändlers vereinigt. In größeren Städten
gibt es Buchhandlungen, die sich auf bestimmte Literaturgebiete
spezialisiert haben, z. B. medizinische, technische Spezialsortimente,
auch Buchhandlungen, die sich nur dem Verkauf und dem Vertrieb
von katholischer oder evangelischer Literatur widmen.

Der sachkundige Sortimenter hat sein Lager so gewählt und zu-
sammengestellt, daß er aus den Beständen den Anforderungen, die
sofort befriedigt werden müssen, Genüge leisten kann. Aufstellung
und Ordnung des Sortimentslagers befindet sich zumeist in Überein-
stimmung mit der Bibliographie der Bücherkataloge. Die Einteilung
nach Wissenschaften umfaßt die folgenden Haupt-Abteilungen :

Bibliographie, Enzyklopädien, Gesamtwerke,
Theologie,

Rechts- und Staatswissenschaften,
Heilwissenschaften,

Naturwissenschaft, Mathematik,
Philosophie, Geheimwissenschaften,
Erziehung und Unterricht,

Sprach- und Literaturwissenschaft,
Geschichte,

X
        <pb n="45" />
        {II. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 37
10, Erdbeschreibung, Karten,

11, Kriegswissenschaft,

12, Handel, Gewerbe, Verkehrswesen,

13, Bau- und Ingenieurwesen,

14, Haus-, Land- und Forstwissenschaft,

15. Schöne Literatur (Gedichte, Romane, Erzählungen),
16. Kunst (Kunstgeschichte, Musik- und Theaterliteratur),
17. Adreßbücher und Kalender,

18. Verschiedenes.
Aus Zweckmäßigkeitsgründen werden natürlich zahlreiche Ab-
weichungen von diesem System bei der Lagerordnung vorkommen,
besonders in Spezialbuchhandlungen; auf kleinen Sortimentslagern
werden Abteilungen zusammengelegt und Gruppen je nach Maßgabe
der Bestände gebildet; immer aber muß die Hauptbedingung erfüllt
sein, daß jedes Buch im Lager nur an einer bestimmten Stelle zu
suchen und zu finden ist. Durch sorgsame Beachtung der täglichen
Börsenblattbibliographie und der Verlegerinserate im Börsenblatt so-
wie der Rundschreiben, die als Zettelpakete mit jeder Postsendung
vom Leipziger Kommissionär eingehen, ist es dem Sortimenter mög-
lich, sein Lager stets auf zeitgemäßer Höhe zu halten und sich dem
Vertrieb der Neuerscheinungen des Büchermarktes zu widmen.

Einen breiten Raum in der Tätigkeit des Sortimenters nimmt die
Besorgung der Bücher ein, die er auf feste Bestellung der Kund-
schaft von den Verlegern zu beschaffen hat. Da nicht bei allen
Bücherbestellungen die Namen der Verlagsfirmen angegeben werden,
so muß er sie mit Hilfe seines Katalogmaterials sehr oft erst er-
mitteln, bevor der dann ordnungsgemäß ausgefertigte Verlangzettel
mit andern im Bestellbrief an den Kommissionär zur weiteren Be-
handlung gesandt werden kann. Ist der Verleger nach den einer
Firma zur Verfügung stehenden Katalogen nicht festzustellen, so
kann ein kopfloser, das heißt ohne Verlegeradresse an den Koöm-
missionär gesandter Zettel, von diesem noch vervollständigt oder
hierzu an das O0. Gracklauersche Bibliographische Auskunftsbüro in
Leipzig weitergeleitet werden, das auch bei ungenauen und ver-
stümmelten Titelangaben, wie sie zuweilen vorkommen, nur selten
versagt.
Die wichtigsten bibliographischen Hilfsmittel des deutschen Buch-
handels werden in der ihnen von altersher nachgerühmten Lücken-
losigkeit und Zuverlässigkeit seit einigen Jahren in der Deutschen
Bücherei in Leipzig bearbeitet und erscheinen im Verlag des Börsen-
vereins der Deutschen Buchhändler. Als Urtyp dieser Bücherkataloge,
dem sogenannten „Handwerkszeug des Sortimenters‘“, gilt der Meß-
katalog, den der Buchhändler Georg Willer in Augsburg im Jahre
1564 erscheinen ließ, und der dann von ihm und seinen Nachfolgern
        <pb n="46" />
        38 HI Die Zweige des deutschen Buchhandels. N
jahrzehntelang fortgesetzt wurde. Diese Kataloge brachten neben
den Büchertiteln schon Angaben über Verleger und Verlagsorte, doch
fehlten die Preisangaben.

Im Jahre 1598 erschien in Frankfurt a. M. der erste amtliche
Meßkatalog, der vom Rate der Stadt Frankfurt herausgegeben wurde.
Je mehr die Frankfurter Messe ihre Bedeutung für den Gesamt-
buchhandel verlor, desto bedeutungsloser wurde auch ihr Meß-
katalog; 1734 wurde sein Erscheinen eingestellt. In Leipzig er-
schien der erste Meßkatalog, von Henning Große herausgegeben,
im Jahre 1595, dem andere nachfolgten. Die Zusammenstellung,
der ersten Bibliographien auf Grund der Meßkataloge erfolgte im
17. Jahrhundert. Über die bibliographischen Hilfsmittel unserer Zeit
gibt die Bibliographie am Schluß des Buches Auskunft.

Besondere Aufmerksamkeit widmet der moderne Buchhändler der
Propaganda durch die Schaufenster. Die Bücher werden nicht nur
wie früher reihenweise ausgelegt, sondern man sucht durch schöne
Gruppierung die Aufmerksamkeit der Straßenpassanten für die aus-
gestellten Bücher wachzurufen. Dem gleichen Zweck dienen Spezial-
ausstellungen einzelner Literaturgattungen oder Sonderausstellungen,
die auf Anregung verschiedener Verlegerfirmen und mit ihrer Unter-
stützung in den Schaufenstern der Sortimenter vorgenommen werden.

In der Einleitung dieses Abschnitts wurde die Zahl der deutschen
Sortimentsbuchhandlungen auf etwa 9800 beziffert; zahlenmäßig
nimmt das deutsche Sortiment den breitesten Raum im Gesamt-
buchhandel ein, scheint also in weitem Maße Anstellungsmöglich-
keiten für Gehilfenkräfte zu bieten. In Wirklichkeit verringern sich
aber die Gehilfenstellen dadurch ganz wesentlich, daß in einem
großen Teil der Provinzialbuchhandlungen Lehrlinge in übergroßer
Anzahl und weibliche Hilfskräfte ohne buchhändlerische Lehrzeit
gegen billiges Entgelt angestellt werden.

Obgleich die Sortimentertätigkeit besonders gute Allgemeinbil-
dung verlangt, um den inneren Wert eines Buches einschätzen zu
können, und obgleich das Reifezeugnis für die Obersekunda einer
höheren Lehranstalt bei der Lehrlingsanstellung im Sortiment all-
gemein als Norm gelten sollte, wird mangels genügender Angebote
vielfach hiervon bei der Besetzung von Lehrstellen abgesehen. Für
die buchhändlerische Lehrlings-Ausbildung ist das Sortiment die
geeignetste Stätte. Hier gewinnt der Lehrling den notwendigen
Überblick über die ältere und neue Literatur, lernt die neuesten
Erscheinungen auf dem Büchermarkt sowie die Absatzmöglichkeiten
und die literarischen Bedürfnisse des Publikums kennen. Auf diesen,
durch eigene Anschauung in der Praxis erworbenen Kenntnissen
baut sich dann die weitere Berufsbildung auf, die niemals als völlig
abgeschlossen angesehen werden kann. Sie muß sich ständig weiter-
entwickeln und stets im Einklang mit den Wandlungen des Zeit-
        <pb n="47" />
        II. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 39
geistes und den jeweilig herrschenden geistigen Strömungen stehen.
Über die wirtschaftliche Lage des Buchhandels wird zwar häufig
geklagt. Sie ist abhängig von der Gesamtlage der Wirtschaft. Mit
deren Gesundung hat sich auch die Lage des Buchhandels unver-
kennbar gebessert, und so bieten sich für tüchtige, brauchbare
Mitarbeiter immer Anstellungsmöglichkeiten bei angemessener Ent-
lohnung. Bei älteren Gehilfen zeigt sich vielfach der Drang nach
Selbständigkeit, auch wenn dafür manch einem nur geringe Bar-
mittel zur Verfügung stehen und schwere wirtschaftliche Nöte im
Anfang zu überwinden sind. Für den Erfolg bei der Neugründung
eines Geschäfts ist genügende buchhändlerische Praxis und Er-
fahrung wie überall im kaufmännischen Beruf die Hauptsache; unter
günstigen örtlichen. Verhältnissen wird ein geringeres Kapital er-
forderlich sein, als wenn der Anfänger eine alteingesessene Kon-
kurrenz zu überwinden hat. Im allgemeinen wird man mit 15000
bis 20000 Mark als Anlagekapital unter den jetzigen Zeitverhält-
nissen als Mindestsatz zu rechnen haben. Bei Ankauf eines bestehen-
den Geschäfts, das nicht nur lebensfähig, sondern vor allem ent-
wicklungsfähig ist, wird mit einem größeren Kapital für die Über-
nahme und Weiterführung gerechnet werden müssen. Der Kaufpreis
setzt sich aus den Einzelposten: Firmawert, Nettowert des festen
Lagers und Inventarwert zusammen.

Der Berechnung des Firmawertes wird der Durchschnitt des
Reingewinns der letzten drei Jahre zugrunde gelegt. Ein solcher
Ansatz hat aber nur dann seine Berechtigung, wenn sichere Aus-
sicht vorhanden ist, daß der Reingewinn in gleicher Höhe auch
weiterhin zu erwarten steht, wie beim Verkauf einer altangesehenen
Firma nach dem Tode des Besitzers. Vom Kauf einer in Konkurs
geratenen Firma ist in der Regel abzusehen, da der ihr anhaftende
Makel für die Kontoeröffnung bei den Verlegern noch lange Zeit
nachteilig wirkt, auch wenn ein solches Geschäft neu und aus-
reichend. finanziert wird.

Bei der Lagerbewertung ist alles Unverkäufliche, die sogenannten
„Ladenhüter“, sorgfältig auszuscheiden.

Das Kommissionsgeschäft.
Wie in dem Abschnitt „Leipzig, der Mittelpunkt des deutschen
Buchhandels“ bereits ausführlich dargelegt wurde, ist das Leipziger
Kommissionsgeschäft das Bindeglied im Verkehr des Verlegers mit
dem Sortimenter und umgekehrt. Die Tätigkeit des Kommissionärs
beginnt alltäglich mit der Erledigung des Briefeinlaufs. Dem Zettel-
inhalt der Sortimenterbriefe werden die zum Einholen empfohlenen
Bestellungen, die als solche kenntlich gemacht wurden, und etwaige
Mitteilungen für den eigenen Geschäftsbetrieb entnommen. Die
        <pb n="48" />
        40 _ II, Die Zweige des deutschen Buchhandels.
Verlegerbriefe werden auf Zettel, die im eigenen Betriebe, insbesen-
dere auf Bestellungen, die vom Auslieferungslager der betreffenden
Firma zu erledigen sind, auf Avise abgefertigter Sendungen usw.
durchgesehen. Alles übrige kommt zur Bestellanstalt, um hier in
dem üblichen Sortierungsgeschäft an die Adressaten bezw. deren
Leipziger Kommissionäre weiter befördert zu werden; die „emp-
fohlenen‘“ Bestellungen werden in Mappen sortiert, die der Bestell-
anstalt ihre summarische Behandlung und sofortige Weitergabe bald
nach Eingang erleichtern.

Jeder Kommittent des Hauses hat sein Paketfach im Speditions-
zimmer und gesondert davon seinen Kasten für die Zettel- und
Rundschreibeneingänge, In den Paketkästen der Kommittenten sam-
meln sich die Rechnungspakete an, die im Ausfuhrgeschäft für sie
beim Kommissionär „abgeworfen‘“ wurden. Hierzu kommen die
Barpakete, deren Nachnahmebeträge am Kassenschalter des Kom-
missionärs bezahlt wurden. Dem Speditionsgehilfen liegt es ob,
diese Paketeingänge nach den Anweisungen der Kommittenten in
Sammelsendungen zu vereinigen, sie je nach ihrer Dringlichkeit als
Frachtstücke, Eilballen oder Postpakete abzufertigen, die von den
Markthelfern gepackt und auf den Wagen und Lastautos für die Be-
förderung an den Bestimmungsort verladen werden.

Im Raum der ankommenden Güter, die mit den Paketkästen der
Kommissionäre ausgestattet sind, werden von Markthelfern die
im Kommissionsgeschäft eingehenden Sendungen behandelt, die Bei-
schlüsse der Verlegerkommittenten und die Remittenden der Sorti-
menter, nach den Kommissionären der Adressaten sortiert, und die
Barpakete, nachdem ihre Nachnahmebeträge verbucht worden sind,
an die Kommissionäre der Empfänger oder an die in Leipzig an-
sässigen Firmen weitergeleitet. Neben der Zettel- und Paketbeförde-
rung liegt den Kommissionären die Auslieferung der Verlagsartikel
von den Lagern ob, die die Verlegerkommittenten in Leipzig unter-
halten. Es geschieht das mit Fakturvordrucken der Verleger,
gegen bar oder in Rechnung nach Maßgabe der Firmenliste, die zu
diesem Zwecke dem Auslieferer an die Hand gegeben wird ; sie ent-
hält das Verzeichnis der Konteninhaber, mit denen der betreffende
Verleger Rechnungsverkehr unterhält.

Des weiteren vermittelt der Kommissionär den gesamten Bar-
verkehr für die von ihm vertretenen Firmen; daß er die Nachnahme-
pakete einlöst, wurde oben schon gesagt, hierzu kommen die
Zahlungsleistungen, die sich aus dem Rechnungsverkehr der Sorti-
menter mit den Verlegern ergeben. In der Vorkriegszeit lieferte der
Verleger feste Bestellungen und Kommissionsgut, das heißt, solche
Artikel, insbesondere Neuigkeiten, die nur im Falle ihres Verkaufs
zu bezahlen waren — wurden sie nicht abgesetzt, so konnten sie
zurückgeschickt werden — in Jahresrechnung, die von Januar bis
        <pb n="49" />
        {II. Die Zweige des deutschen Buchhandels.

41
Dezember lief. Die Bezahlung der Saldi erfolgte nach einer dem
Abrechnungstage vorausgehenden Zusammenstellung der Einzelposten
und umfangreicher Rechnungsarbeit an die zur Messe selbst ab-
rechnenden Verleger am Montag nach Kantate. Firmen, die nicht zur
Abrechnung in Leipzig vertreten waren, erhielten die Zahlungslisten
und die Geldüberweisungen nach der Abrechnung von Kom-
missionär zu Kommissionär eine Woche später. Seit der Kriegs- und
der Inflationszeit sind wesentlich kürzere Fristen für die Kredit-
gewährung Handelsgebrauch, und damit ist die Ostermeßabrechnung
gegenstandslos geworden. Aus den vorstehenden kurzen Darlegungen
über die Betätigung und das Arbeitsfeld des Kommissionärs geht
hervor, daß für das Kommissionsgeschäft in der Hauptsache eine
Mitarbeiterschaft erforderlich ist, die sich aus Speditionsgehilfen
und Auslieferern zusammensetzt, von denen schnelles und gewissen-
haftes Arbeiten verlangt wird; die gleichen Anforderungen gelten für
die Angestellten, die die umfangreichen Buchungsarbeiten im Kassa-
verkehr zu erledigen haben.

Über die Bildungserfordernisse im Leipziger Kommissionsgeschäft
wird in dem später folgenden Kapitel „Bildung des Buchhändlers“
noch Ausführliches gesagt werden. ;

Meist rekrutiert sich die Gehilfenschaft aus Ortsansässigen. In
der Minderzahl werden Stellen mit Gehilfen besetzt, die von aus-
wärts kommen, da das Angebot von männlichen und weiblichen
Kräften am Platze den Bedarf in der Hauptsache deckt. Sehr
wünschenswert ist es für den Sortiments- und Verlagsgehilfen, der
in einem Nicht-Leipziger Geschäft gelernt hat, durch die Praxis sich
mit den Leipziger Verkehrsformen vertraut zu machen; auch ‚ist
das lebhafte Arbeitstempo des. Leipziger Kommissionsgeschäfts einer
exakten und schnellen Arbeitsleistung förderlich. Gehilfen, die durch
die „Leipziger Schule“ gingen, werden in allen buchhändlerischen
Berufszweigen geschätzt. Am ehesten hat der auswärtige Gehilfe
Aussicht, in einem Leipziger Betrieb Anstellung zu erlangen, wenn
er sich um eine der zahlreichen Aushilfsstellen bewirbt, die für ‚die
Schulbücherauslieferung, sowohl in den Kommissionsgeschäften wie
auch bei Leipziger Verlegern mit Hilfskräften besetzt werden. In
der Zeit von Mitte März bis Ende Mai werden deren viele Hunderte
gebraucht; diese Hochkonjunktur für Angebote stellt sich dann noch-
mals einige Wochen vor Weihnachten im Verlag, Kommissions-
geschäft und Barsortiment ein, da hier um diese Zeit ein erheblich
gesteigerter Betrieb zu bewältigen ist. Rechtzeitige Angebote an
die Geschäftsleitungen sind also für die angegebene Zeit nicht aus-
sichtslos, zuweilen führen sie zu dauernden Stellungen.

In den Betrieben der größeren Kommissionsgeschäfte findet sich
auch für Gehilfen Verwendung mit höherer wissenschaftlicher Bil-
dung, die insbesondere für die autoritative Stellung einem größeren
        <pb n="50" />
        42 HE. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
kind A gern ME HR
Personal gegenüber vorausgesetzt werden muß. Für die Korre-
spondenz mit den Geschäftsfreunden ist gute Sprachbildung geradezu
unerläßlich, wie namentlich fremdsprachliche Kenntnisse für den
schriftlichen und mündlichen Verkehr, wenn die betreffende Firma
mit dem Ausland in Geschäftsverbindung steht.

Die umfangreiche Buchhaltung der Kommissionsgeschäfte verlangt
bilanzsichere Oberbuchhalter; die Führung der Hauptkasse bean-
sprucht bankmäßig geschulte Kräfte, Mangels genügend vorgebilde-
ter Bewerber, die aus dem Buchhandel hervorgegangen sind, mußten
in Leipziger Großbetrieben vielfach Mitarbeiter aus kaufmännischen
Kontoren eingestellt werden.

Kolportage-, Reise-, Bahnhofs- und Warenhaus-

buchhandel,

Neben dem regulären Sortimentsbuchhandel gibt es zunächst zwei
Formen des Büchervertriebs, den Kolportagebuchhandel und den
Reisebuchhandel, die sich vom Sortimentsbuchhandel dadurch unter-
scheiden, daß dieser als Ladengeschäft betrieben wird, während der
Kolporteur und der Reisende ihre Abnehmer persönlich aufsuchen,
um ihnen ihre Artikel vorzulegen und sie zum Kauf zu veranlassen.
Der Kolportagebuchhandel widmet sich vorwiegend kleinbürger-
lichen und Arbeiterkreisen, er vertreibt dementsprechend billige Volks-
literatur, Kalender, Zeitschriften und dergl. Den Bedarf für den
Wiederverkauf liefern ihm Leipziger und Berliner Großsortimenter.
Der Kolportagebuchhändler arbeitet meist für eigene Rechnung, sel-
tener als Angestellter. Der Verkauf geschieht, dem Charakter des
Geschäfts im Umherziehen entsprechend, nur gegen bare Kasse,
Der Kolportagebuchhandel kann nicht als Konkurrenz für das Sorti-
ment angesehen werden, da er sein Käuferpublikum in anderen Be-
völkerungsschichten sucht als dieses.

Eine Anzahl Verlagsbuchhandlungen haben ihre Bücher- und
Schriftenproduktion ganz oder teilweise auf den Vertrieb durch die
Kolportage eingestellt und erzielen trotz den geringen Werten der
Einzelobjekte bedeutende Umsätze.

Der Reisebuchhandel widmet sich vorwiegend großen Sammel-
werken, wie Konversationslexika und Klassikerserien, die gegen
Ratenzahlungen verkauft werden. Diese Geschäfte sind meist in den
Händen kapitalkräftiger Großbetriebe, sie werden gefördert durch
hohe Kredite und hohe Rabattsätze der Verleger, die auf den Reise-
vertrieb ihrer Artikel angewiesen sind, oder die durch ihn ihre Um-
sätze wesentlich gesteigert sehen wollen. Der Umstand, daß durch die
Redegewandtheit eines Reisenden auch wohl einmal Leute zum
Kauf gegen Ratenzahlungen veranlaßt worden sind, die nur mit
großen Schwierigkeiten die eingegangene Verpflichtung einhalten
        <pb n="51" />
        II. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 43
konnten, mag gelegentlich zu Bedenken führen; doch: ist nicht
außer acht zu lassen, daß ohne den Reisebuchhandel viele wertvolle
Werke von großem Umfang nicht gedruckt, zum mindesten aber nicht
zu marktfähigen Preisen abgegeben werden könnten.

Der Reisende eines Versandgeschäfts bedarf ebenso wie der
Kolporteur, der seine Tätigkeit außerhalb seines Gemeindebezirks
ausübt, einer Legitimationskarte, die von dem Gewerbeamt am Sitz
der Firma für die Dauer eines Kalenderjahrs ausgestellt wird. Er
muß sie stets bei sich führen, um sie kontrollierenden Beamten
vorzeigen zu können.

Eine dritte Form des Buchhandels, abseits vom Sortiment, ist der
Bahnhofsbuchhandel. Er hat im Laufe der letzten Jahrzehnte eine
ständig steigende Bedeutung für den Bücherumsatz erlangt. Die
Bahnhofsbuchhandlungen werden zum Teil von großen Zentrallagern
in Leipzig und Berlin versorgt. Durch Aufnahme in das Adreß-
buch des Deutschen Buchhandels haben die Zentrallager, wie auch
die Reisebuchhandlungen, alle Rechte eines buchhändlerischen Wie-
derverkäufers. In Ausnahmefällen werden Bahnhofsbuchhandlungen
auch von ortsansässigen Sortimentern unterhalten. Die Literatur und
die Zeitschriften, die der Bahnhofsbuchhandel vertreibt, sind natür-
lich den Wünschen des reisenden Publikums angepaßt; unterhaltende
Schriften, Belletristik und Humoristika mit buntfarbigen Titel-
bildern werden hier in großen Mengen umgesetzt.

Der Außendienst im Reise- und Bahnhofsbuchhandel bietet dem
Buchhandlungsgehilfen keine begehrenswerten Posten, wohl aber
der Innendienst, der buchhändlerisch und kaufmännisch geschulte
Kräfte verlangt; die Leitung solcher Betriebe bedarf eines sicheren
Blicks und Urteils für die Absatzfähigkeit von Neuerscheinungen.
Bei der Stellenbewerbung hat der Buchhandlungsgehilfe also auch
mit Betrieben dieser Art zu rechnen. Sie liegen zum Teil in den
Händen bedeutender und im Buchhandel hochangesehener Firmen,
die im Innendienst nicht minder wie im Außendienst ein vielköpfiges
Personal beschäftigen.

Die buchhändlerischen Abteilungen der Warenhäuser haben von
Jahr zu Jahr größeren Umfang angenommen. Seitdem sie sich fast
allgemein den Verkaufsbestimmungen des Börsenvereins der Deut-
schen Buchhändler unterworfen und ihre Firmen als Vollbuchhand-
lungen Aufnahme in das Adreßbuch des Deutschen Buchhandels ge-
funden haben, stehen sie wohl ausnahmslos unter sachkundiger
buchhändlerischer Leitung. Der Neuigkeitenvertrieb ist hier nur
von geringer Bedeutung im Gesamtumsatz; das Warenhaus widmet
sich vorwiegend dem Ankauf und Verkauf von Restposten, die ihm
in großen Mengen vom Verlag zufließen. Der Warenhausbuchhandel
ist also mehr kaufmännischer als buchhändlerischer Natur; er ähnelt
mehr dem Antiquarijats- als dem Sortimentsbetrieb. Durch die Preis-

ad
        <pb n="52" />
        +4 N II. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
herabsetzungen werden. in populären Artikeln, z. B. Jugendschriften
und Bilderbüchern, Umsätze von Tausenden von Exemplaren eines
sinzelnen Artikels erzielt.

Dem Bedarf der Warenhäuser an billigen Massenartikeln kommen
Bücherfabriken entgegen, die sowohl Bücher wie Musikalien nur
für Warenhäuser herstellen.

Für erfahrene Sortimenter, die über Sachkenntnis, Redegewandt-
heit und gutes Auftreten verfügen, bietet die Warenhausbuchhand-
jung Möglichkeiten für gut bezahlte Stellungen in der Geschäfts-
leitung und als Einkäufer.

Das Barsortiment.
Zunächst ist eine. Erklärung dieses seltsamen Namens erforder-
lich, der für den Nichtbuchhändler unverständlich ist, im Buch-
handel aber einen so guten Klang besitzt und ein so fester Begriff
geworden ist, daß er sich kaum durch ein anderes Wort ersetzen läßt.

Im Jahre 1852 eröffnete der Buchhändler Zander mit einem
kleinen Lager gebundener Bücher in Leipzig ein Sortiment, dessen
Bestände nicht an Private, sondern nur an. Buchhändler gegen bar
geliefert werden sollten, so daß der Name seine volle Berechtigung
hatte. Friedrich Volckmar übernahm dieses „Barsortiment‘“ im
Jahre 1861 von Zander und gliederte es in wesentlich vergrößertem
Umfange seinem Kommissionsgeschäft an. Die später gegründeten
Geschäfte gleicher Art von L. Staackmann und K. F. Koehler be-
hielten die Bezeichnung bei, die inzwischen Kurswert erlangt hatte.

Der eigentliche Barverkehr hat aber im Laufe der Zeit mehr und
mehr einem kurzfristigen Rechnungsverkehr weichen müssen, so daß
die Bezeichnung „Bar sortiment‘“ heute nicht mehr zutrifft; der
Name jedoch ist geblieben. Die beiden Betriebe L. Staackmann und
K, F. Koehler wurden später mit dem Volckmarschen Barsortiment
vereinigt, und alle drei werden nunmehr unter der Firma Koehler &amp;
Volckmar A.-G. &amp; Co. in Leipzig mit ihrer Stuttgarter Filiale Koch,
Neff &amp; Oetinger, G.m. b. H. &amp; Co., als einziges Bücher-Barsortiment
und Mittelpunkt des buchhändlerischen Zwischenhandels in gemein-
samer Regie weitergeführt.

Welchen Umfang dieser Riesenbetrieb hat, in dem etwa 200 Ange-
stellte beschäftigt sind, ist schon aus dem jährlich neuerscheinenden
Lagerkatalog ersichtlich, der die stattliche Anzahl von etwa 100000
Bücher- und Musikalien-Titeln aufführt. Alle diese Einzelartikel sind
in 5—500 Exemplaren auf Lager und können am Eingangstage der
Bestellungen geliefert werden, selbstverständlich nur an den rabatt-
berechtigten Buchhändler, nicht an Private.

Das Barsortiment unterhält mit fast allen über Leipzig ver-
kehrenden Sortimenterfirmen des Deutschen Reiches ständigen Rech-
        <pb n="53" />
        III. Die Zweige des deutschen Buchhandels. 45
nungs- und Barverkehr und steht auch mit dem deutschen Buchhandel
im Ausland in regen Beziehungen.

Es liefert alle Artikel durch die Leipziger Kommissionäre zu den
Einzel-Barpreisen der Verleger ohne irgendwelchen Aufschlag bei
direktem Bezug von seinem Lager unter Porto- oder Frachtberechnung.

Da fast alle gangbaren Artikel, ältere, neuere und neueste, die
ständig wieder zufließen; im Barsortiment auf Lager geführt werden,
so ist leicht zu ermessen, welche Bedeutung dasselbe in der Ge-
samtorganisation des Buchhandels und im Verkehr über Leipzig
hat. Hierzu kommt noch, daß der Barsortiments-Lagerkatalog nicht
nur die Titel der vorrätigen Bücher in alphabetischer Folge auf-
führt, sondern daß ihm ein Schlagwortverzeichnis beigegeben ist,
das alle vorrätigen Bücher und Sammelwerke unter den einzelnen
Materien, z. B. Bienenzucht, Wagenbau und dergl., zusammenfaßt.

Der Schlagwortkatalog des Barsortiments spielt bei der Kunden-
beratung des Sortimenters eine bedeutsame Rolle. Es hat also jeder
Verleger schon aus diesem Grunde das größte Interesse daran, seine
Artikel soweit wie möglich in das Barsortiment aufgenommen zu
sehen, . um sie mit denen der Konkurrenz in Wettbewerb treten
zu. lassen; hierzu kommen dann noch die vielen Publikationen des
Barsortiments in Katalog- und Zeitschriftenform, die der Absatz-
propaganda dienen. Sie werden als Werbemittel vom Sortiment
verbreitet und den Bücherinteressenten zugeleitet.

Durch die Zentralisierung von Materie und Arbeit bewährt sich
das Barsortiment auch im modernen Wirtschaftsleben und ist in dem
Prinzip, möglichst viel Kraft und Spesenaufwand seinen Kunden
zu ersparen, eine unentbehrlich gewordene Einrichtung für den Ge-
samtbuchhandel geworden, dessen hervorragend ausgebaute biblio-
graphische Hilfsmittel für die Hand des Buchhändlers und {für
das. Publikum eine große Bedeutung erlangt haben. ;

Die Anstellungsverhältnisse sind im: Barsortiment die gleichen,
wie im Leipziger Kommissionsgeschäft (Zwischenbuchhandel-Tarif).
Für Stellen in der Geschäftsleitung oder als Abteilungsvorsteher
sind in der Regel Anwärter im Betrieb selbst vorhanden, die mit
der Eigenart des Barsortiments in langjähriger Praxis vertraut
geworden ‚sind. Wohl aber besteht die Möglichkeit, durch eine An-
stellung zunächst als Aushilfskraft, deren bei der riesigen Ver-
kehrssteigerung vor Weihnachten (Oktober bis Dezember) eine große
Anzahl benötigt wird, in den Betrieb hineinzukommen. Es ist
hierfür aber rechtzeitige Bewerbung in den letzten Sommermonaten
nötig. Das Barsortiment wie das Kommissionsgeschäft bieten Ge-
legenheit, ‚einen Überblick über die Leipziger Verkehrseinrichtungen
zu erlangen, der sowohl für den Verleger wie für den Sortimenter
von großem Wert ist.
        <pb n="54" />
        16 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.

Das Antiquariat.

Wenn man in wörtlicher Übersetzung seines lateinischen Stamm-
worts das Antiquariat schlechtweg als einen Handel mit alten
Büchern bezeichnen wollte, so wäre das ein schlimmer Irrtum.
Zwar gibt es viele Buchläden, namentlich in Universitätsstädten, die
sich dem .An- und Verkauf gebrauchter Bücher aller Art widmen;
dieser Büchertrödel hat aber mit dem neuzeitlichen wissenschaft-
lichen Antiquariat nichts gemein. Die Wesensart des letzteren ist
die eines Konservators und Vermittlers der literarischen Schätze
aller Zeiten. Wir finden im Antiquariat Druckerzeugnisse, deren
Entstehungszeit in den Jahren 1450 bis 1500 liegt; sie sind als
[nkunabeln oder „Wiegendrucke“ ein besonders geschätzter Handels-
artikel unter all den Kostbarkeiten des Antiquariats. Hier finden
wir auch die edelsten Erzeugnisse der im 17. Jahrhundert ‘hoch-
entwickelten Druck- und Einbandtechnik und dann weiter die Lite-
ratur bis in die neue Zeit hinein, die aus dem regulären Buchhandel
verschwunden, aber vom Wissenschafter und vom Kteraturkundigen
Sammler gesucht und erworben wird, z. B. die Erstausgaben klassi-
scher Schriften, gelehrte Literatur u. v. a. m. Auch Handschriften,
Kupferstiche, Lithographien, Exlibris, Autographen sind Handels-
objekte des Antiquars.

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Geschäftsbetrieb des
Sortiments und des Antiquariats liegt darin, daß dieses die Formen
des Warenhandels hat. Der Antiquar ist nicht an einen vorgeschrie-
benen Ladenpreis gebunden, sein geschäftlicher Nutzen wird nicht
durch den Wiederverkäuferrabatt bestimmt. Er berechnet sich den
Verkaufspreis seiner Artikel nach dem Einkaufspreis zuzüglich des
Spesen-. und Gewinnzuschlags, den er selbst bemißt. Er kann 10,
ar kann 100 Prozent und mehr betragen.

Der Einkauf der Lagerbestände geschieht zum Teil in Einzel-
objekten, zum Teil in ganzen Bibliotheken, aus Privatbesitz, aus dem
Nachlaß Gelehrter und Bücherliebhaber, die nach Übereinkommen
oder auf Versteigerungen erworben werden. Auktionen sind auch
beim Verkauf der Lagerbestände oder einzelner Teile Handelsgebrauch
im Antiquariatsbuchhandel, doch sind das wichtigste Propaganda-
mittel für den Absatz die Kataloge, die vielfach außer den Bücher-
titeln Illustrationen und mehr oder minder ausführliche Beschrei-
bungen enthalten und nicht selten in kostspieliger Ausstattung
erscheinen. Zumeist sind in den Antiquariatskatalogen Literatur-
gebiete von gleicher Art zusammengefaßt.

Der Markt des Antiquariats ist durch keine Landesgrenzen ein-
geengt, er ist international; das Motto auf dem Katalog einer Anti-
quariatsfirma lautet sehr bezeichnend: „Mein Feld ist die Welt.“
Das kommt auch zum Ausdruck in dem internationalen Charakter des
        <pb n="55" />
        III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
„Adreßbuchs der Antiquare Deutschlands und des gesamten Aus-
lands, mit selbstbiographischen Beiträgen bedeutender Antiquare“,
das 1926 im Verlag von Straubing &amp; Müller (Inh. Rich. Matthias) in
Weimar erschienen ist,

Besonders aufnahmefähig für wissenchaftliche Antiquaria aller
Art sind die Vereinigten Staaten von Amerika, deren Universitäten
vielfach erst in neueren: Zeiten den Grundstock für ihre Bibliotheken
legten, und die über reiche Mittel für die Vervollständigung ihrer
Bücherbestände verfügen.

Die Einzelangebote und -gesuche des Antiquariats werden im
Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel veröffentlicht. Wenn
auch die führenden Firmen des wissenschaftlichen Antiquariats sich
ausschließlich diesem widmen, so finden wir doch vielfach auch
Antiquariate in Verbindung mit dem Sortiment. Der Sortimentsbuch-
handel verbreitet zahlreiche Antiquariatskataloge innerhalb seiner
Kundschaft und nimmt Aufträge entgegen, die gegen eine Provision,
die vom Antiquariat gewährt wird, erledigt werden.

Für den Mitarbeiter des Antiquariats, der dessen Anforderungen
in wissenschaftlicher Hinsicht Genüge leisten will, ist das Reife-
zeugnis eines humanistischen Gymnasiums, das die beste Vorbildung
hierfür gewährt, wünschenswert. Lateinische, griechische und hebrä-
ische Sprachkenntnisse sind neben der Kenntnis lebender Sprachen
je nach dem besonders gepflegten Zweig des Geschäfts Haupt-
erfordernis, um die zu bearbeitenden Bücher für die Katalogisierung
auf ihren Inhalt prüfen zu können. Für Altphilologen, aber auch für
Juristen, Theologen, Mediziner usw. ist hier ein Betätigungsfeld
gegeben; doch ist nicht außer acht zu lassen, daß nur verhältnis-
mäßig wenige Antiquariate bestehen, besonders in Frankfurt a. M.,
Leipzig, Berlin u. a. O., die dem Wissenschafter angemessen be-
zahlte Stellen bieten können.

Die Begründung der Selbständigkeit ist im Antiquariatsbuchhandel
von beträchtlichen Barmitteln abhängig, die neben guter wissen-
schaftlicher und fachlicher Bildung hier besonders ins Gewicht fallen.

Weiche Riesenwerte in den Lagern der großen Antiquare fest-
gelegt sind, kann man nach den Preisen in den von ihnen ausgee
gebenen Katalogen schätzungsweise ‚ermessen. Ein Einzelobjekt kostet
häufig genug schon ein Vermögen. Einkauf und Abschätzung einer
Bibliothek erfordern große Sachkenntnis, die nur in langjähriger
Berufstätigkeit erworben werden. kann. Ebenso schwierig ist die
richtige Preisfestsetzung für die Lagerartikel bei Aufstellung der
Kataloge. Dem Antiquar steht hierfür eine umfangreiche Literatur
zur Verfügung. Über den Literaturreichtum auf bibliographischem
Gebiet unterrichtet man sich am besten auch heute noch durch
Petzholdts Bibliotheca bibliographica, eine 939 Großoktavseiten
starke Bibliographie der Bibliographien, aus dem Jahre 1866. Wohl

47
        <pb n="56" />
        48 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
an erster Stelle wären zu erwähnen: Jacques Charles Brunet, Manuel
du libraire et de amateur de livres, der in Paris von 1860—80 in
sechs Teilen mit Ergänzungsbänden erschien und 1921 eine anasta-
tische Neuauflage in Berlin erlebte, und Friedrich August Ebert,
Allgemeines bibliographisches Lexikon, das 1821—30 in Leipzig in
zwei Bänden erschien. Hervorragende bibliographische Beachtung
fanden die Wiegendrucke. Ihre Verzeichnung dürfte mit dem „Ge-
samtkatalog der Wiegendrucke“, der im Verlag von Karl W. Hierse-
mann erscheint, einen vorläufigen Abschluß finden. Der Antiquar
muß hier auf ein Buch verwiesen werden, das zum unbedingten Rüst-
zeug. jedes Buchhändlers gehört. Es ist das „Handbuch der Biblio-
graphie‘“ von Georg Schneider im gleichen Verlage.

In den Handbüchern sind zumeist keine Preisangaben enthalten,
wohl aber Mitteilungen über Seltenheit und manches andere, was die
Preisfestsetzung erleichtert. Dazu gilt es vor allem, neben der
Beobachtung der Kataloge von führenden Antiquariaten die Auk-
tionen zu verfolgen. Eine Zusammenstellung findet sich auch regel-
mäßig in dem „Jahrbuch der Bücherpreise“, das seit 1907 im
Verlag von Otto Harrassowitz in Leipzig erscheint.

„Aber trotz dieses großen Apparate,“ sagt Max Weg in seiner lesens-
werten Schrift: Das deutsche wissenschaftliche Antiquariat „hat es noch
kein Antiquar zur Unfehlbarkeit gebracht. Böcke schießt jeder, jahrelange
Erfahrung kann nicht verhindern, daß man Bücher zu hoch, oder, was viel
schlimmer und nicht so leicht gutzumachen ist, zu niedrig. einschätzt. Eine
Flut von Bestellungen öffnet dem Antiquar, welcher sich geirrt hat, die
Augen, wenn es schon zu spät ist, den Fehler gutzumachen, er merkt, daß
er wieder einmal durch Schaden klug geworden ist.“ Und an anderer Stelle
lesen wir: „Der Antiquar kann sich nicht in das Alte zurückziehen, er muß
das Neue mit gleicher Aufmerksamkeit verfolgen wie der Sortimenter. Dem
das Neue von heute wird morgen alt sein und ihm anheimfallen ..... Das
Gefühl, seine Kraft nicht zersplittern zu dürfen, beseelt jeden denkenden
Antiquar, er fühlt, daß es ihm unmöglich ist, das Ganze zu beherrschen,
er weiß, daß er nur etwas leisten kann, wenn er seine Kraft auf einem
Einzelgebiet vereinigt — er wird Spezialist. Wir haben Spezialantiquariate
für Naturwissenschaft, Medizin, Theologie usw. usw.“

Neben dem wissenschaftlichen Antiquariat hat sich ein besonderer
buchhändlerischer Handelszweig als „Großantiquariat“ oder „Rest-
buchhandel“ entwickelt. Dieser Handel widmet sich dem Ankauf
von Auflageresten, die vielfach von den Verlegern abgestoßen wer-
den, um aus toten Lagerbeständen neue Werte zu schaffen, wenn
auch hieraus buchmäßig Verluste entstehen. Solche Bücher werden,
wie der Fachausdruck lautet, „verramscht“. Ihr Ladenpreis ist auf-
gehoben. Sie gehen, soweit der Sortimentsbuchhandel dafür nicht

aufnahmefähig ist, zuweilen in großen Posten an die Warenhäuser,
denen sie bei Gegenüberstellung des ehemaligen Ladenpreises und
des nunmehr beliebig festgesetzten Verkaufspreises den Ruf beson-
derer Billigkeit der Warenhausartikel in den Augen des Käufer-
publikums verstärken.
        <pb n="57" />
        [IL Die Zweige des deutschen Buchhandels, 49
Zur Vermeidung von Mißbräuchen im Restbuchhandel hat: der
Börsenverein der Deutschen Buchhändler die Restbuchhandels-
Ordnung vom 16. Mai 1897 aufgestellt, die den Verkauf von Rest-
beständen nach jeder Seite hin regelt; sie ist später in die Verkaufs-
ordnung als deren 88 14—18. aufgenommen worden.

Der Musikalienhandel.
In verwandtschaftlichem Verhältnis zum Buchhandel steht der
Musikalienhandel; beide gehen hinsichtlich ihrer betriebstechnischen
Organisation und ihrer Zentralisation in Leipzig Hand in Hand.

Nur in Städten mit größeren Einwohnerzahlen finden wir Musi-
kalienhandlungen als Spezialbetriebe, zuweilen in Verbindung mit
Musikinstrumenten- und Saitengeschäften; ein großer Teil der Pro-
vinzialbuchhandlungen widmet sich jedoch dem Musikaliengeschäft
im Nebenbetrieb. Für alle diese Geschäfte herrschen beim Bezug
von Musikalien die gleichen Verkehrsgebräuche wie beim Bücher-
bezug; in beiden Fällen ist der Leipziger Kommissionär der Ver-
mittler. Er behandelt die Musikalienbestellzettel ebenso wie die
Bücherbestellzettel, die er von seinen Kommittenten empfängt; das
gilt auch von den bei ihm eingehenden Beischlüssen und Barpaketen,
Das Adreßbuch des Deutschen Buchhandels macht keinen Unter-
schied zwischen den Firmen, die sich dem Buch- oder dem Musi-
kalienhandel widmen; die Firmen, die Aufnahme in das Adreßbuch
gefunden haben, sind für beide Schwestergeschäfte rabattberechtigte
Wiederverkäufer, Die Anzahl der Firmen, die sich hauptsächlich
mit dem Musikalienhandel beschäftigen, beziffert das Adreßbuch 1928
auf 469; die Nebenbetriebe sind in der Ziffer von 6273 der Buch-
sortimenter enthalten.

Das bibliographische Nachschlagewerk, das für den Musikalien-
handel die gleiche Bedeutung hat wie das vom Börsenverein der
Deutschen Buchhändler herausgegebene Deutsche Bücherverzeichnis,
ist das „Handbuch der musikalischen Literatur, oder Verzeichnis
der im Deutschen Reiche, in den Ländern deutschen Sprachgebiets,
sowie der für den Vertrieb im Deutschen Reiche wichtigen, im
Auslande erschienenen Musikalien, auch musikalischen Schriften,

Abbildungen und plastischen Darstellungen mit Anzeige der Ver-
jeger und Preise. In alphatetischer Ordnung mit systematisch ge-
ordneter Übersicht und einem Titel- und Textregister (Schlagwort-
Register).“ Im Verlag bei Fr. Hofmeister in Leipzig.

Der erste Band enthält die bis 1844 erschienenen Werke; die
folgenden Bände umfassen Zeiträume von je fünf Jahren. Dieser
Katalog wird durch Jahreskataloge immer wieder ergänzt, die aus
den monatlich erscheinenden Verzeichnissen zusammengestellt werden.
        <pb n="58" />
        50 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
SA
In der Zeitschrift „Musikalienhandel‘“, früher „Musikhandel und
Musikpflege“, werden die im Laufe jeder Woche erschienenen Musi-
kalien bekanntgegeben; diese Bibliographie ist die Quelle für das
Hofmeistersche Handbuch. Bis zum Jahre 1927 sind hiervon sech-
zehn Fünfjahrsbände und drei Jahresbände erschienen.

Die systematische Anordnung der Materie im Hofmeisterkatalog
ist auch die Grundlage für das Ordnen und Aufstellen eines Musi-
kalienlagers im Spezialgeschäft; kleinere Geschäfte haben ihre
eigenen Systeme dafür, Ergänzung zum Hofmeisterkatalog bilden
zahlreiche andere musikbibliographische Hilfsmittel, um die fehlen-
den Verlegerangaben bei Bestellungen zu ermitteln, im besonderen
auch die Verlagskataloge.

Da die Anschaffung des Katalogmaterials in Nebenbetrieben sich
nicht genügend lohnen würde, auch der Zeitaufwand für die Fest-
stellung eines Verlegers vielfach nutzlos wäre, wenn nicht lücken-
loses Katalogmaterial zur Verfügung steht, so bedienen sich‘ viele
Wiederverkäufer der Barsortimente, in erster Linie für_den Bezug
gebundener Musikalien, die hier in großer Zahl und sorgfältiger
Auswahl auf Lager gehalten werden, für alles andere aber der
Musikalien-Großsortimente, die zahlreich nicht nur in Leipzig vor-
handen sind, sondern auch in Kölna. Rh. und in Berlin, wo es Spezial-
geschäfte dieser Art von beträchtlichem Umfang gibt. Das Zentral-
organ des Musikalienhandels, das im AÄußern vollkommen dem
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel gleicht, erscheint jetzt
im XXX. Jahrgang unter dem Titel: „Musikalienhandel, Zeitschrift
und Anzeigenblatt des Verbandes der Deutschen Musikalienhändler“,

der auch als Herausgeber und Verleger zeichnet. Die Redaktion
and Geschäftsstelle befinden sich in Leipzig, Deutsches Buchhändler-
haus, Gerichtsweg 26. Es bringt in jeder Nummer redaktionelle
Mitteilungen, Vereinsberichte, das schon zuvor erwähnte Verzeich-
nis der musikalischen Neuigkeiten, zahlreiche Anzeigen der Musi-
kalienverleger, Nachrichten über Ur- und Erstaufführungen, unter
dem Titel „Sortimenter-Börse“ gesuchte Werke, des weiteren Kon-
kurs-Nachrichten und Stellengesuche und Stellenangebote im Musik-
verlag und -sortiment. Wie der Börsenverein der Deutschen Buch-
händler sich energisch und erfolgreich für die Bekämpfung der un-
berechtigten öffentlichen Rabattangebote und der Schleuderei ein-
gesetzt hat, ist es auch vom Verband der deutschen Musikalien-
händler geschehen. Seit dem Juli 1909 ist die Verkaufsordnung für
den Verkehr des deutschen Buchhandels auch für den Musikalien-
handel in ihren Grundzügen verbindlich. Da aber im Musikalien-
handel vollkommen andere Rabattsätze als im Buchhandel herrschen,
so ist die Kundenrabatt-Gewährung auf die vom Verleger festge-
setzten Verkaufspreise zwar noch unter Umständen zulässig, aber
nur nach dem vorgeschriebenen Regulativ, das festgelegt ist in der
        <pb n="59" />
        II. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
Verkaufsordnung
für den Verkehr des

a A
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arm ik Fi
:
Vo
in
BC
Sa
Deutschen Musikalienhandels
mit dem Publikum.
Angenommen in der Außerordentlichen Hauptversammlung des Verbandes
der Deutschen Musikalienhändler zu Köln am 20. September 1925.
In Kraft getreten am 9. Oktober 1925.

Verändert in der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Musi-

kalienhändler zu Leipzig am 27. Februar 1926 und am 18. Mai 1927,

Genehmigt vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig.
Die Verbandsorgane des Musikalienhandels sind die Verleger-
kammer und die Sortimenterkammer, die beide im Verband der
Deutschen Musikalienhändler vereinigt sind, um etwaige Gegen-
sätze beider Gruppen auszugleichen.

Der Verband der Deutschen Musikalienhändler ist Organ des
Börsenvereins der Deutschen Buchhändler; er wurde am 25. Mai
1829 gegründet, hat seinen Sitz in Leipzig und zählt jetzt 1950
Mitglieder. Zur Ostermesse findet alljährlich eine Hauptversamm-
lung des Verbandes in Leipzig statt, in der alle Berufsfragen be-
handelt und erledigt werden. Der Vorstand umfaßt sechs Mitglieder
und fünf Ausschüsse, die Auskünfte über die ihnen zustehenden
Angelegenheiten und Gutachten abgeben : den Vereinsausschuß, den
Ausschuß für Urheberrecht, den Preßausschuß, den Wahlausschuß
and den Rechnungsausschuß.

Wie für den Buchhändler, so ist auch für den Musikalienhändler
eine gute wissenschaftliche Vorbildung eine Notwendigkeit. Der
Verkäufer hat es mit einem anspruchsvollen Publikum zu tun, das
sich im allgemeinen aus den höheren Gesellschaftsschichten, aus
Musikern und Künstlern zusammensetzt, Möglichst vielseitige Sprach-
kenntnisse sind schon deshalb im Musikalienhandel vonnöten, weil er
internationaler Natur ist; Titel der Noten in englischer, französischer
und italienischer Sprache müssen sinngemäß gelesen und richtig
ausgesprochen werden können. Ohne musikalische Beanlagung und
Freude an der Musik sollte sich niemand dem Musikalienhändlerberuf
widmen; Notenkenntnis und einige Fertigkeit im Klavier- oder
Geigenspiel sind für die Wahl dieses Berufs unerläßlich.

Der Musikalienverleger bedarf der konservatoristischen Ausbil-
dung, wenn er selbt seine Entscheidung über Annahme oder Ab-
lehnung eines ihm für den Verlag angebotenen Musikstücks treffen
und nicht in allen Fällen sich auf das Urteil eines Sachverständigen
verlassen will, das vielleicht nicht in dem nötigen Maße der Absatz-
möglichkeit eines neuen Musikstücks Rechnung trägt. Die Schulung
des‘ Ohrs und die Urteilsfähigkeit in musikalischen Dingen werden
durch Anhören guter künstlerischer Musik beim Angestellten eines
Musikgeschäfts gefördert. Hierzu findet sich reichlich Gelegenheit,
        <pb n="60" />
        52 1. Die Zweige des deutschen Buchhandels.

6 SWEIB® GEB A rad en

da mit den Musikalienhandlungen zumeist auch der Vorverkauf von

Eintrittskarten für musikalische Veranstaltungen aller Art ver-

bunden ist und bei solchen Gelegenheiten ebenso wie für die

Kritiker auch für die Billettverkaufsstelle Freikarten zur Verfügung

gestellt werden, vielfach als einziges Entgelt für die Mühewaltung
beim Kartenverkauf.

Mit den Musikalienhandlungen an größeren Plätzen sind nicht
selten Konzertagenturen verbunden, ‘die musikalische Veranstal-
tungen für eigene Rechnung übernehmen. Dann kommt der Musi-
kalienhändler mit den ausübenden Künstlern in persönliche Be-
ziehungen und kann auf sie einwirken, daß durch Aufnahme dieses
oder jenes Musikstücks in ihre Vortragsfolge seine verlegerischen
Unternehmungen gefördert werden.

Für den Nebenbetrieb des Musikalienhandels kommen aber alle
diese Anforderungen nur in bescheidenem Maße in Betracht. Der
Sortimentsbuchhändler wird seine Kundschaft auch ohne den Hof-
meisterkatalog befriedigen können, wenn er die Noten, die er neben
den Büchern zu beschaffen hat, wie oben schon gesagt wurde, vom
Musikalien-Großsortimenter oder vom Barsortiment bezieht,

Die Jahresproduktion im Musikalienverlag betrug:

1924: ernste Musik 900, leichte Musik 2700.
1925: „ 1800, „3700.
1926: » 2400, „3100.

Kammermusik: 1924 : 250.

1925 : 540.

1926 : 400.

1924 ; 500.

1925: 700.

1926; 700.

Während 1924 die Gesamtzahl der publizierten Werke sich auf
3600 belief, ist sie 1926 mit etwa 5500 Werken auf gleicher Höhe
wie 1925 geblieben. Der Anteil der ernsten Musik an diesen Ziffern
hat sich erheblich gesteigert.

Klaviermusik :

Der Kunsthandel.

Öbgleich zahlreiche Buchhandlungen sich dem Kunsthandel im
Nebenbetrieb widmen, steht er doch nur in lockerer Beziehung zu
den buchhändlerischen Verkehrseinrichtungen und zu der Organisa-
tion des Buchhandels. Für ihn hat der Verkehr über Leipzig eigent-
lich nur soweit Bedeutung, als es sich um den Bezug von Büchern
und Zeitschriften der Kunstliteratur handelt. Bilder, die nicht auf Rollen
verpackt sind, können den Leipziger Bücherballen nicht beigeschlossen
werden, weil sie hier zusammengepreßt und durch Brüche unverkäuf-
        <pb n="61" />
        III. Die Zweige des deutschen Buchhandels, 53
lich gemacht werden würden. Das Provinzialsortiment bezieht seinen
Bedarf, hauptsächlich gerahmte Bilder, die für Geschenkzwecke ‚ge-
eignet sind, nach den Mustern der Reisevertreter unmittelbar von den
Kunstverlegern. Nur ausnahmsweise sind den Sortimentsbuchhand-
lungen Kunstgeschäfte angegliedert, die sich auf weitergehende An-
forderungen eingestellt haben und für ihre Leitung nicht nur der
buchhändlerischen, sondern auch der kunsthändlerischen . Schulung
bedürfen.

Reine Kunsthandlungen, und in Verbindung mit ihnen Kunst-
antiquariate, können nur in größeren und Großstädten bestehen. Sie
widmen sich hier nicht nur den Erzeugnissen der graphischen
Industrie, sondern unterhalten dauernde Ausstellungen von Ge-
mälden und Plastik aller Art. Soweit die Kunsthandlungen in Leipzig
durch Kommissionäre vertreten sind und dem Börsenverein der
Deutschen Buchhändler angehören, finden sie auch durch ihn ihre
Interessenvertretung; die „Vereinigung der Kunsthändler, e. VE
ist Organ des Börsenvereins.

Für die nebenamtliche Betätigung des Kunsthändlers wird man
sich durch die Praxis im Geschäft mit den verschiedenen graphischen
Herstellungsarten, dem Kupferstich, Stahlstich, der schwarzen und
farbigen Lithographie und den chemigraphischen Verfahren usw, ver-
traut machen können.

Wer sich ausschließlich dem Kunsthandel widmen will, muß in
einer Kunsthandlung — meist in dreijähriger Lehrzeit — die Grund-
Jagen für seine spätere Berufstätigkeit legen, Er braucht eingehende
Sachkenntnis auf dem Gebiet der Reproduktionstechniken, vor allem
der edlen, künstlerischen Originalverfahren, er muß um die Editions-
gebräuche wissen und verschiedene Editionen erkennen, man ‘ver-
langt von ihm einen zuverlässigen Überblick über die Gesamtproduk-
tion des Kunstverlags und — damit geht die Praxis in die Wissen-
schaft über — rasches und sicheres Urteil über Kunstdinge, ge-
gründet auf kunstgeschichtlichem Wissen, wie Verständnis für
die Grundlagen künstlerischer Bewertung beim Verkehr und bei der
Beratung von Künstlern, Kunstfreunden und Sammlern. An allgemein-
wissenschaftlicher Vorbildung werden die gleichen Erfordernisse
wie für den Buchhändlerberuf, besser noch die für den Antiquars-
beruf, zu gelten haben.

Das Gebiet des Kunsthandels ist groß und weitverzweigt, So daß
ein näheres Eingehen auf Einzelheiten oder auf das reiche Gebiet
seiner Hilfsmittel im Rahmen eines kurzen Buchabschnitts ausge-
schlossen ist. Zudem sind die Verkehrsformen im Kunsthandel nur
wenig den buchhändlerischen gleich, sondern rein kaufmännischer
Natur.

Wer sich mit guter Vorbildung, auch in sprachlicher Hinsicht,
mit Freude am Schönen, das hier in reichem Maße geboten wird,
        <pb n="62" />
        54 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.
A A AAN SUN
und mit ernstem Willen, sich durch Studium der einschlägigen Lite-
ratur, der Museen und graphischen Sammlungen und durch die Praxis
gute Fachkenntnisse anzueignen, dem Kunsthandel widmet, kann
hier eine befriedigende Berufstätigkeit erwarten. Der Kunsthandel
klagt zur Zeit darüber, daß es ihm an wirklich für seine Anforde-
rungen genügend ausgebildeten Mitarbeitern mangele; er betont aber
auch, daß es nicht viele derart anspruchsvolle Stellen zu besetzen
gebe.

IV. Der Buchhandel als Gegenstand wissenschaftlicher
Forschung.

Schon seit geraumer Zeit ist der Buchhandel nach seiner histo-
rischen Seite hin eingehend untersucht und durchforscht worden,
eine Arbeit, als deren Niederschlag vor allem das umfangreiche
Werk von Kapp und Goldfriedrich „Geschichte des deutschen Buch-
handels“ anzusehen ist. Inzwischen hat sich die Notwendigkeit
herausgestellt, die vielfältigen, Weitverzweigten Fäden der gesam-
ten buchhändlerischen Entwicklung für sich und in Verbindung mit
dem Wirtschaftsleben im ganzen aufzuzeigen und damit die Buch-
handelsbetriebslehre von wissenschaftlicher Höhe aus zu durch-
forschen und zu beleuchten, um dadurch dem Buchhandel neue Ziele
und neue Wege zu ihrer Erreichung im Rahmen der Gesamtwirt-
schaft zu weisen.

Dieser Notwendigkeit trug der Börsenverein der Deutschen Buch-
händler Rechnung, indem er 1925 zu seiner Hundertjahrfeier an der
Handels-Hochschule Leipzig eine Professur für Buchhandelsbetriebs-
lehrei) errichtete. Ihr Lehrauftrag ergänzt die Kernfächer des
Studiums an der Handels-Hochschule : Betriebswirtschaftslehre, Volks-
wirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht. Regelmäßige Vorlesungen
behandeln semesterweise abwechselnd die Herstellung und den Ver-
trieb der Gegenstände des Buchhandels. Dazu treten praktische
Übungen im Seminar, das über eine gediegene Handbibliothek und
einschlägiges Anschauungsmaterial verfügt. Dem Charakter einer
Hochschule angemessen, vollzieht sich die Arbeit in der Form wissen-
schaftlichen Forschens über den Betrieb des Buchhandels und der
verwandten Geschäftszweige und darüber hinaus über das Buch-
gewerbe und einen Teil der allgemeinen Wirtschaftswissenschaft, der

+) Auskunft vom Sekretariat der Handels-Hochschule Leipzig und vom
Seminar für Buchhandelsbetriebsiehre an der Handels-Hochschule Leipzig
(Dir, Prof. Dr. Menz), dessen Merkblatt hier im Wichtigsten wiederge-
geben wird.
        <pb n="63" />
        IV. Der Buchhandel als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. 55
etwa als Kulturwissenschaft zu bezeichnen wäre. Wie jedes Studium
an der Universität bislang eine fachwissenschaftliche Sondervorberei-
tung darstellte, die für ganz bestimmte Einzelgebiete vor allem im
Antiquariat unerläßlich werden kann, wie jedes Studium an einer
Handels-Hochschule in die Fragen des Rechts, der Volkswirtschaft
und der Betriebslehre vom allgemeinen Standpunkt des Handels und
der Wirtschaft aus einführt, so findet hier der Buchhändler,
namentlich der Verleger, die wissenschaftlich vertiefte Vorberei-
tung auf seinen Beruf, und zwar gerade von der wirtschaftlichen
Seite her; auf der bisher eine Lücke bestand.

Das Studium an der Handels-Hochschute schließt ordnungsgemäß
ab mit Erwerbung des Grades eines „Diplomkaufmanns“. Zur Prü-
fung hierfür werden zugelassen :!)

a) Inhaber des Reifezeugnisses einer staatlich anerkannten höheren
Lehranstalt, die außerdem eine hinreichende Anschauung von
der kaufmännischen Tätigkeit durch eine in der Regel sechs
Monate dauernde Beschäftigung in kaufmännischen Betrieben
erworben haben;

Lehrer, die die Anstellungsfähigkeit für den öffentlichen Schul-
dienst erlangt haben, ein Jahr kaufmännisch tätig gewesen sind
und die abgekürzte Reifeprüfung oder die Ersatzreifeprüfung
bestanden haben, sowie Lehrer, die die erste Lehrerprüfung
bestanden haben, danach ein Jahr kaufmännisch, ein weiteres
Jahr kaufmännisch oder pädagogisch tätig gewesen sind und
die abgekürzte Reifeprüfung oder die KErsatzreifeprüfung?)
abgelegt haben;

Inhaberinnen des Reifezeugnisses eines Oberlyzeums preußischer
Ordnung, die das Lehramtszeugnis erworben haben und ein Jahr
kaufmännisch tätig gewesen sind, oder, soweit sie das Lehr-
amtszeugnis nicht erworben haben, ein Jahr kaufmännisch, ein
weiteres Jahr kaufmännisch oder pädagogisch tätig gewesen sind;
Personen, die die Reife für Obersekunda einer staatlich aner-
kannten höheren Lehranstalt besitzen, das Schlußzeugnis einer
höheren Handelsschule mit zweijährigem Schulbesuch erlangt
haben, mindestens ein Jahr kaufmännisch tätig gewesen sind
und vor Beginn des Studiums oder spätestens vier Semester
vor der Diplomprüfung die Ersatzreileprüfung bestanden haben;
Personen, die die Reife für Obersekunda einer staatlich aner-
kannten höheren Lehranstalt besitzen und das Schlußzeugnis

1}

1) „Ordnung der Kaufmännischen Diplomprüfung an der Handels-Hoch-
schule Leipzig vom 24. Januar 1925, neue Fassung vom 14. Juli 1927“ und
„Ausführungsbestimmungen zur Ordnung für die Kaufmännische Diplom-
prüfung vom 14. Juli 1927, Ausgabe B.

2) Vgl. Ordnung der Ersatzreifeprüfung für die Zulassung zur kauf-
männischen Diplomprüfung an der Handels-Hochschule Leipzig.
        <pb n="64" />
        56 IV.. Der Buchhandel als Gegenstand wiesenschaftlicher Forschung.
einer höheren Handelsschule mit einjährigem Schulbesuch. so-
wie solche, die das Reifezeugnis einer höheren Handelsschule
sächsischen Systems mit mindestens dem Urteil „gut“ erlangt
haben, mindestens zwei Jahre kaufmännisch tätig gewesen sind
und vor Beginn des Studiums oder spätestens vier Semester
vor der Diplomprüfung die Ersatzreifeprüfung bestanden haben:
Personen, die die Reife für Obersekunda einer staatlich aner-
kannten höheren Lehranstalt besitzen, mindestens drei Jahre
kaufmännisch tätig gewesen sind, die Prüfung für praktische
Kaufleute mit mindestens dem Urteil „gut“ und danach die
Ersatzreifeprüfung bestanden haben.

Der Kandidat muß sechs Semester ordnungsgemäß an einer
deutschen Handels-Hochschule oder Universität oder Technischen
Hochschule dem Studium der Wissenschaften obgelegen haben,
die Gegenstand der Diplomprüfung sind; von der. Gesamtstudien-
zeit muß er drei Semester an einer Handels-Hochschule, und zwar
die beiden letzten an der Handels-Hochschule Leipzig immatrikuliert
gewesen sein. Der Kandidat muß die Beteiligung an den in
den Ausführungsbestimmungen vorgeschriebenen Vorlesungen . und
Übungen nachweisen.

Die Prüfung erstreckt sich auf vier (4) Pflichtfächer und ein
Wahlfach, das im Umfange eines Pflichtfaches geprüft wird.

Pflichtfächer sindz

1. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,
2, eine der nachstehenden besonderen Betriebswirtschaftslehren
nach Wahl, und zwar:
Betriebswirtschaftslehre der Banken oder
der Fabriken „
des Warenhandels ».
des Buchhandels ‚,
der Versicherung,
3, Volks- und Weltwirtschaftslehre nebst den Grundzügen der
Finanzwissenschaft,
4. die für den Kaufmann wesentlichen Teile der Rechtswissen-
schaft, sowie die Grundzüge des Staats- und Verwaltungsrechts.
Als Wahlfach gilt:
a) eine der neueren Sprachen, die an der Handels-Hochschule
gelehrt werden,
b) Wirtschaftsgeogräphie,
sodann :
c) Finanzwissenschaft,
d) Landwirtschaftslehre,
e) Reklamewirtschaftslehre.
        <pb n="65" />
        IV. Der Buchhandel als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. 57
f) Sozialrecht,

g) Statistik,

h) Betriebswirtschaftliche Steuerlehre,

ij) Chemische Technologie und Warenkunde,

k) Mechanische Technologie und Warenkunde,

1) Wirtschafts- und Handelsgeschichte.

Durch Beschluß des -Prüfungsausschusses können im einzelnen
Falle andere Fächer als Wahlfächer zugelassen werden.

Die Betriebswirtschaftslehre des Buchhandels umfaßt {folgende
Teilgebiete :

Wesen, Arten, Aufgaben und Aufbau der Buchhandelsbetriebe.
Die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen des Urheber- und Ver-
lagsrechts. Die Stellung des Buchhandels im Rahmen des Verviel-
fältigungs-Gewerbes und der papierverarbeitenden Industrie. Buch-
händlerische Verkehrslehre unter Berücksichtigung der Leipziger
Einrichtungen. Die vereins- und verbandsmäßige Organisation des
Buchhandels. Die Marktverhältnisse für Gegenstände. des. Buch-
handels. Im Vordergrund steht der deutsche Buchhandel, doch
sind auch die wichtigsten internationalen Beziehungen und Einrich-
tungen mit zu berücksichtigen. Neben dem eigentlichen Buchhandel
wird der Musikalien-, Kunst- und Lehrmittelhandel in den wichtig-
sten Erscheinungen mit berücksichtigt.

Über die bestandene Prüfung wird ein Zeugnis ausgestellt und
neben diesem ein Diplom ausgefertigt,

Es liegt auf der Hand, daß junge Buchhändler, die sich eine so
tief gegründete Bildung für ihren Beruf angeeignet haben, als künf-
tige Führernaturen befruchtend auf die Praxis zurückwirken wer-
den, und daß weiterhin hier die Stelle geschaffen worden ist, für
die huchhändlerische Durchbildung geeignete Lehrer zu gewinnen.

V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers.

In steigendem Maße wird die Frage der Berufswahl und der
Berufseignung für alle Berufe jetzt auf wissenschaftliche Grund-
jagen gestellt. Auch für den Buchhandel liegen für Sondergebiete
bereits einige Untersuchungen vor, Es sei namentlich verwiesen auf
folgende Dissertationen: Dr. Streller, Die Berufseignung des
mittleren kaufmännischen Bureaubeamten im Buchhandel (J. A, Barth,
Leipzig 1921), Dr. Klinkhardt, Der Einfluß des Raumgedächt-
nisses auf gewerbliche Arbeit, ein Beitrag zur Berufspsychologie des
Buchhandels (wird voraussichtlich erscheinen in einem Sammelband
des Psychologischen Instituts der Universität Leipzig) und auf die
        <pb n="66" />
        58 V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers.
ältere Arbeit von Dr. Piorkowski, Die psychologische Methodo-
logie der wirtschaftlichen Berufseignung, die über Untersuchungen
im Barsortiment berichtet. (J. A. Barth, Leipzig 1915, 2. Aufl.
1919 vergr.)

Allgemein befriedigend ist aber die Frage durchaus noch nicht
gelöst; und auch die Unterlagen, mit denen die amtlichen Berufs-
beratungsstellen sich behelfen müssen, sind vorläufig noch durch-
aus unzulänglich. Hier harrt noch ein weites Gebiet der Bear-
beitung durch die angewandte Psychologie und die Psychotechnik.

Der Buchhandel ist ein vielgestaltiges Gebilde; wir sehen ihn
nicht nur in die drei Hauptgruppen: Verlag, Sortiment und Kom-
missionsgeschäft gegliedert, sondern finden innerhalb dieser Betriebs-
arten wiederum die verschiedensten Möglichkeiten der Betätigung.
Wenn wir nun an die Eignungsfrage herantreten, so müssen wir hier
von vornherein Unterscheidungen machen, schon im Hinblick darauf,
ob es sich um Erfordernisse für die mittlere oder obere Laufbahn
des Buchhandels handelt.

Der buchhändlerische Betrieb hat es mit zahllosen kleinen Einzel-
objekten, sowohl in der Auslieferung wie in der Kontenführung zu
tun. Während im kaufmännischen Warenhandel — im Großbetrieb —
die Rechnungen vor Abfertigung der Ware eine Kontrolle zu durch-
laufen haben, werden die Fakturen im buchhändlerischen Groß-
betrieb, Verlag und Kommissionsgeschäft, vor dem „Aussetzen“,
das heißt, bevor das Fakturierte dem Lager entnommen wird und
als Paket das Haus verläßt, nicht noch besonders nachgeprüft. Die
Faktur muß eben fehlerfrei ausgeschrieben und gerechnet sein.
Irrtümer in der Berechnung können unter Umständen später nach
den Eintragungen in die Auslieferungsliste oder in das Auslieferungs-
buch noch entdeckt werden. Dann ist aber bei Rechnungsposten der
Fehler nur auf dem zeitraubenden Korrespondenzwege zu ordnen.
Solche unproduktive Arbeit darf natürlich nur ausnahmsweise
unterlaufen. Handelt es sich um ein Versehen auf einer Barfaktur,
so ist die Differenzregulierung mit unliebsamen Weiterungen ver-
knüpft. Außerdem muß der Auslieferer sorgfältig darauf achten, daß
bei den zahlreichen ähnlich lautenden Firmen, die an verschiedenen
Orten sitzen, stets der richtige Ortsname auf die Faktur gesetzt wird.
Eine falsche Ortsangabe würde zu einer Fehlleitung des Faktu-
rierten führen, denn da die Fakturen auf die Pakete gebunden wer-
den, ist der Kopf der Faktur gleichzeitig Paketadresse. Für die
Auslieferungsarbeiten sind also nur Mitarbeiter zu gebrauchen, die
sich auf ihre Arbeitsleistung scharf konzentrieren können, ohne sich
durch äußere oder innere Einflüsse ablenken zu lassen. Das gilt
auch vom Rechnungswerk im Kassenverkehr, wie bei jeder buch-
halterischen Arbeit im Gesamtbuchhandel; denn Zahlenfehler würden
bei häufiger Wiederkehr ebenfalls eine zeitraubende und unproduk-
        <pb n="67" />
        V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers. 59
tive Berichtigungsarbeit beanspruchen, die dem Zahlenmaterial von
kleinen Posten gegenüber besonders ins Gewicht fiele. Zuverlässig-
keit, die schließlich mehr oder minder für jeden Beruf verlangt
wird, muß hier in ganz hervorragendem Grade auch für das Kleinste
und Geringste zu finden sein.

Im Sortiment und Antiquariat ist dazu ein gutes Gedächtnis
Haupterfordernis, Der Verkäufer muß zahllose Büchertitel im Kopfe
haben, damit er bei der literarischen Beratung des Kunden aus dem
Vollen schöpfen kann; es ist nicht angängig, daß er immer aus dem
systematischen Katalog sich Belehrung holt, um alle die Auskünfte
geber. zu können, wie sie im täglichen Ladenverkehr erteilt werden
müssen.

Hinsichtlich der oberen Laufbahn ist wiederholt in dem früher
Gesagten darauf hingewiesen worden, daß nur durch gute wissen-
schaftliche Bildung allen hier gestellten Anforderungen entsprochen
werden kann. Es würde aber ein Irrtum sein, wenn man annähme,
daß solche allein den Erfolg verspräche.

Man darf nicht außer acht lassen, daß der Buchhändler nicht
Gelehrtenarbeit zu leisten hat, sondern die eines wissenschaftlich
vielseitig Gebildeten und gleichzeitig die eines kühl rechnenden
Kaufmanns. Er muß als Verleger schöpferische Ideen haben, als
Sortimenter seiner eigenartigen Ware, die halb stofflicher, halb
geistiger Natur ist, zu den alten neue Wege in die Kreise der Bücher-
käufer bahnen und dem Absatz in neuer Zeit Neuland zu erobern
suchen. Seine Eignungen müssen also diesen Anforderungen an
Wissen und Können angepaßt sein.

Kann sich jemand schon vor Eintritt in den buchhändlerischen
Beruf hinsichtlich der Eignungen prüfen und dann seine Entschlie-
Bungen treffen, um so besser für ihn, zum mindesten muß aber
eine richtige Selbsteinschätzung erfolgen, wenn es gilt, sich als
Mitarbeiter innerhalb des buchhändlerischen Berufskreises eine
Lebensstellung zu schaffen, in der er seiner ganzen Veranlagung
nach das Beste zu leisten vermag.

Nun noch ein Wort über Eignung für den Buchhändlerberuf in
körperlicher und gesundheitlicher Beziehung! ;

Für Verkäufer sind gutes Äußere und Redegewandtheit unerläß-
lich; körperliche oder Sprachfehler setzen die sonstige Eignung
eines Sortimentsgehilfen für den Ladenverkehr herab. Der unver-
meidliche Bücherstaub, sowohl in den Ladengeschäften wie in den
Lagern, besonders aber in den Leipziger Speditionszimmern, erfordert
widerstandsfähige Lungen, Der Speditionsgehilfe darf nicht schwäch-
licher Natur sein; denn die Arbeit im Paketverkehr erfordert einen
erheblichen Kräfteaufwand. In den Ladengeschäften, die zum Teil
nur durch die Schaufenster Tageslicht erhalten, muß viel bei
künstlichem Licht gearbeitet werden; für schwache Augen, die der
        <pb n="68" />
        60 V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers.
Schonung bedürfen, ist das unter Umständen von nachteiligen Fol-
gen. Auch diese mehr äußerlichen Gesichtspunkte sind bei der
Berufswahl zu bedenken.
Die Bildungsfrage hat von jeher die Gemüter im Buchhandel be-
wegt, Schon im ersten Jahrgang des Börsenblattes (1834) nimmt
Friedrich Perthes zu der Frage Stellung, „ob zu dem Buchhändler-
Geschäft nur diejenigen zugelassen werden sollten, die dasselbe
praktisch erlernt, also. Lehrjahre bestanden haben.“ Er sagt:
„Nein — die Bestimmung unseres Vereins!) ist nicht, Monopol zu
erstreben und auszuüben — dessen Zweck nicht, unserem. freien
Handel Fesseln anzulegen.“ Perthes unterschätzt keineswegs den
Wert einer Lehrzeit: „Der seinem Beruf entsprechende Sortiments-
händler kann nicht ohne lange Schule gebildet werden. Aber Lehr-
jahre dürfen nicht. als genügend angesehen werden; die darin ge-
wonnenen technischen Fertigkeiten liefern wohl brauchbare Gehilfen,
aber ohne Sinn für die Literatur selbst, für den inneren Wert unsrer
Ware, ohne Auffassen des Geistes der Zeit, worin man lebt, wird nie
ein Sortimentshändler, wie ihn Wissenschaft und Publikum be-
Jürfen, ins Leben treten.“

In der umfangreichen Aussprache, die sich an: den Perthesschen
Artikel knüpft, finden sich mancherlei Äußerungen, die auch heute
noch beachtenswert sind; hier sollen nur die bemerkenswertesten
folgen :

„Für jeden gebildeten Mann ist die Kenntnis der Literatur seiner
Nation unentbehrlich, allein noch notwendiger und nützlicher ist sie
für den, der entweder als Verlags- oder als Sortimentsbuchhändler
auftreten will .... Die genaue Bekanntschaft mit der Bücherwelt
setzt ihn in den Stand, das Fehlende zu ergänzen, das Nützliche ein-
zuführen und das Schöne, Gute und Wahre auf eine kräftige Art
zu fördern ,... Kenntnisse geben Zutrauen und sind eine Macht,
welche viele Hindernisse überwindet. Wer vieles und Gründliches
weiß, der betreibt sein Geschäft mit Mut und Zuversicht, und braucht
er dazu die nötige Vorsicht, so wird es ihm auch gelingen. Er
muß nicht bloß der deutschen Sprache in allen Verhältnissen mächtig
sein, sondern auch die Literatur in ihrem ganzen Umfange kennen
Er muß wissen, was die Ausbildung derselben teils gefördert, teils
gehemmt hat, wer die Männer gewesen sind, welche die Literatur
vervollkommnet haben, und welches die Bücher sind, die von so
großem Einfluß auf alle Zweige des menschlichen. Wissens gewesen
sind,“

Als im Jahre 1853 die Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig ge-
gründet wurde, hat nach mündlicher Überlieferung ein Geschäfts-
inhaber gesagt. er könne keine wissenschaftlich gebildeten. Mit-

1) Des Börsenvereine: &gt;
        <pb n="69" />
        V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers. 61
arbeiter gebrauchen. Zuverlässig und schnell arbeitende Auslieferer
und Speditionsgehilfen seien nötig, nicht Denker; Bildung mache nur
unruhige Köpfe. Heute wird vielfach die Anschauung vertreten, daß
nur junge Leute mit den wissenschaftlichen Befähigungen, die früher
an das Einjährig-Freiwilligen-Zeugnis geknüpft waren, als Lehrlinge
in den Buchhandel aufgenommen werden sollten. Diese Forderung
trifft wohl ebensowenig. das Richtige, wie die zuvor mitgeteilte
des jede wissenschaftliche Bildung ablehnenden Querkopfes.

Um auf den richtigen Weg zur Beantwortung der Bildungsfrage
zu kommen, müssen wir uns in erster Linie darüber klar sein, daß
die Anforderungen, die an die Leistungen der Gehilfenschaft im Buch-
handel gestellt werden, so vielfach verschiedener Art sind, daß es
zunächst einer Auseinandersetzung hierüber bedarf.

Wie im Beamtenkörper des Staats, z. B. bei der Reichspost, eine
untere, mittlere und obere Laufbahn, jede von der anderen scharf ab-
gegrenzt, unterschieden wird, so sehen wir diese drei Angestellten-
schichten auch im Buchhandel, Die untere Angestelltenschicht ist die
der Markthelfer und Schreiber, die mittlere Schicht die der Ge-
hilfen, die ausschließlich die kaufmännischen Arbeiten: Spedition,
Auslieferung, Rechnungs- und Buchhaltungsarbeiten usw. zu er-
ledigen haben, die dritte, die Oberschicht, sind die Verlagsgehilfen
für Herstellung und Vertrieb, die Sortimenter, Antiquare, „bilanz-
sicheren“ Oberbuchhalter, aus denen sich die Anwärter auf leitende
Stellungen rekrutieren, soweit sie nicht die Selbständigkeit als
Firmeninhaber anstreben und erlangen.

Die untere Angestelltenschicht scheidet bei der weiteren Behand-
lung der Bildungsfrage vollständig aus. Wir werden uns also im
folgenden nur mit den beiden anderen Arten der Gehilfen zu be-
schäftigen haben.

Im Leipziger Kommissionsgeschäft war es vor Jahren üblich,
Lehrlinge mit guten Abgangszeugnissen von der Volksschule nicht
als Buchhandlung slehrlinge, sondern als Schreiber lehr-
linge anzustellen. Ihre Lehrzeit dauerte vier Jahre; während der
ersten drei Jahre waren sie zum Besuch der Buchhändler-Lehranstalt
verpflichtet. Hatte der Lehrling ein gutes Zeugnis der Lehranstalt,
hatte er sich auch in der Praxis, namentlich im vierten Lehr-
jahre, wo er zumeist schon einen Gehilfenposten versehen mußte,
gut bewährt, so konnte ihm ein Lehrzeugnis ausgestellt werden, das
ihn zum Buchhandlungsgehilfen machte. Heute ist das anders.
Jeder junge Mann, der eine dreijährige Lehrzeit in einem buch-
händlerischen Geschäft bestanden hat, hat Anspruch auf ein Ge-
hilfenzeugnis, und das gilt für Leipzig wie für alle Plätze im Reich,

Sind nun diese Gehilfen mit Volksschulbildung, die im Buchhandel
in großer Anzahl vorhanden sind und alljährlich neuen und reich-
lehen Zuwachs erhalten, eine unqualifizierte Mitarbeiterschaft, weil
        <pb n="70" />
        62 V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers.
ihnen die tiefere wissenschaftliche Grundlage fehlt? Diese Frage
ist wohl bedingungslos zu verneinen. Sie geben eben in der Haupt-
sache die Anwärter für die mittlere Laufbahn, gleich dem Militär-
anwärter mit Volksschulbildung im Beamtenkörper des Staats.

Aber während die Anforderungen, die nur durch akademische Bil-
dung erfüllt werden können, nach dem Beamtenregulativ den Beamten
der mittleren Laufbahn von den Stellungen in der höheren aus-
schließen, galt zu allen Zeiten in den bürgerlichen Berufen das
Losungswort: „Freie Bahn dem Tüchtigen!“ oder das Wort Napo-
leons: „Jeder Soldat trägt den Marschallstab im Tornister !“

Im Leipziger Kommissionsbuchhandel sind viele Prokuristen- und
andere leitende Posten aus der Gehilfenschaft besetzt worden, die
mit Volksschulbildung in ihre Berufstätigkeit eingetreten ist; zahl-
reiche Geschäftsleiter im Verlag und Sortiment, angesehene Firmen-
inhaber, bis in die Spitzen des Börsenvereins hinein, haben aller-
orten ihre Erfolge auf der Grundlage der einfachen Volksschul-
bildung aufgebaut. Aber welche Summe von Arbeit an ihrer Weiter-
bildung haben sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit aufwenden
müssen, um die Höhe, auf die sie im Leben gelangt sind, zu erklim-
men! Es ist das freilich auch immer nur ein kleiner, auserlesener
Teil der mittleren Schicht der Gehilfenschaft, während anderseits
auch ein nicht unerheblicher Prozentsatz in der Unterschicht ver-
sinkt, Ebenso erhält die mittlere Gehilfenschaft Zuzug aus der
oberen, von solchen, die sich hier trotz ihrer höheren Schul-
bildung, teils infolge mangelnden Könnens, teils unter dem Einfluß
äußerer Verhältnisse, nicht behaupten und durchzusetzen vermochten.

Mehr denn je erklingt heute im Buchhandel der Ruf nach guter
beruflicher Vor- und Durchbildung der Gehilfenschaft zur geistigen
Hebung des gesamten Buchhändlerstandes; denn der Gehilfe von
heute ist der Geschäftsleiter und Firmeninhaber von morgen. Der
Buchhandel hat nicht nur die hohe Aufgabe, die geistigen Schätze
der Nation zu verwalten, sondern sie zu mehren und zu verbreiten.
Daß er diese Aufgabe nur erfüllen kann, wenn seine geistige Ober-
schicht über die beste Bildung ihrer Zeit verfügt, steht wohl außer
Frage.
Die Frau im Buchhandel.
In diesem Zusammenhange sei auch der Frau im Buchhandel ge-
dacht. In der Vorkriegszeit wandten sich weibliche Kräfte dem
buchhändlerischen Berufe nur ausnahmsweise zu. Zunächst sah
man sie als Stenotypistinnen und in der gehobenen Stellung der
Sekretärin, hin und wieder auch in den Verlegerkontoren. In der
Kriegszeit eroberten sich die weiblichen Mitarbeiter viele Stellen
im Buchhandel, die zuvor nur durch männliche Kräfte besetzt
        <pb n="71" />
        V. Eignung und Bildung für den Beruf des Buchhändlers. 63
waren, nicht nur im Verlag, auch im Sortiment und im Kommissions-
geschäft. Heute hat sich die Gehilfin neben dem Gehilfen, die Buch-
händlerin neben dem Buchhändler gleichberechtigte Stellung er-
worben, und dieser Gleichberechtigung beider trägt sowohl der
Börsenverein der Deutschen Buchhändler wie auch die Allgemeine
Vereinigung der Angestellten des Buch-, Kunst- und Musikalien-
bandels Rechnung, indem sie männliche und weibliche Mitglieder
ohne Unterschied in ihren Listen führen. Außerdem finden die Buch-
handlungsgehilfinnen auch ihre Vertretung im Gewerkschaftsbund der
Angestellten, im Zentralverband der Angestellten, besonders aber
im Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten. e. V..
Fachgruppe Buchhandel.

In den letzten Jahren sind viele junge Damen mit höherer
Mädchenschulbildung in den Buchhändlerberuf eingetreten und haben
sich ordnungsgemäß buchhändlerische Lehrzeugnisse erworben. Von
den Gehilfinnen im buchhändlerischen Ladengeschäft wird gesagt,!)
daß sie das Herumklettern auf den Leitern und das Herbeiholen
schwerer Bücherstapel als unangenehme Beigabe zu der Verkäufer-
tätigkeit empfänden; es stehen aber der Gehilfin nicht nur im Sorti-
ment, sondern auch in Kontorbetrieben zahlreiche Stellen offen, die
Verwertung guter Schul- und Fachbildung ermöglichen.

Der in weiten Kreisen des bücherkaufenden Publikums bekannte
Verleger Karl Robert Langewiesche äußert sich in seinem trefflichen
Buche „Aus fünfundzwanzig Jahren, buchhändlerische Erinnerungen
1891/1916“, zur Frauenfrage im Buchhandel, wie folgt: „Rasch ist
die Frau in unsern Beruf eingedrungen, hat sich bewährt und wird
sich weiter bewähren. Und wer aufmerksame Studien im Schulzschen
Adreßbuch macht, wird erstaunt sein zu sehen, wieviel gut ge-
leitete buchhändlerische Firmen besonders in kleineren und mitt-
leren Städten heute schon in selbständigen Frauenhänden sind. Es
mag ja sein, daß die Frau nicht die Nervenkraft und auf geschäft-
lichem Gebiet auch häufig nicht die Willenskraft mitbringt, die
dazu gehört, ein großes und großstädtisches Sortiment herauf-
zuarbeiten und selbständig zu leiten. Aber in wieviel kleinen und
kleinsten Orten, die der Familiengründung eines gebildeten männ-
lichen Buchhändlers keinen festen Boden bieten können ...., Wer-
den unverheiratete gebildete Frauen eine schöne und selbständige
Aufgabe und ein vielleicht bescheidenes, aber doch auskömmliches
und sicheres Brot finden können. Womit dann sowohl dem kultu-
reilen Leben der Nation, wie dem Eigen-Interesse des Buchhandels
besser gedient sein wird, als mit einer dauernden Auslieferung
solcher Orte an den sehr im Nebenamt betriebenen „Auchhuch-
handel“ wenig geeigneter Kräfte.“
1) Jende-Radomski, Dr. H., Frauenberufe, S. 61.
        <pb n="72" />
        54 Ba VL. Die Ausbildung zum Buchhändler.
VI. Die Ausbildung zum Buchhändler.
Die Lehre,

Wer immer den Buchhandel als Lebensberuf wählt, muß darauf
bedacht sein, eine Firma zu finden, die eine gewissenhafte, sorg-
fältige, praktische Ausbildung gewährleistet; denn davon hängt zu
einem großen Teil die spätere Leistungsfähigkeit im Beruf und
hiervon wieder das Lebensglück ab, das sich der einzelne zu be-
gründen sucht. Ausschlaggebend ist nicht die Größe der Firma,
sondern deren Güte und Ruf, die geschäftliche Umsicht und Tüchtig-
keit des Inhabers und seiner gesetzlichen Stellvertreter, denen
in .der Regel die Ausbildung des Nachwuchses anvertraut ist, die
in den 88 60—63 und 74—83 des Handelsgesetzbuchs und durch die
ergänzenden einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung ihre
rechtliche Grundlage findet. Von Wichtigkeit ist besonders, daß ein
schriftlicher Lehrvertrag abgeschlossen wird, der die beiderseitigen
Rechte und Pflichten genau festlegt. Neuerdings befaßt sich auf
Grund der Verfassung das Reich eingehend mit der Ausbildung
der Lehrlinge; es liegt bereits der Entwurf des Berufs-Ausbildungs-
Gesetzes vor, zu dem die einzelnen Berufsgruppen gegenwärtig noch
Stellung nehmen. Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler als
oberste Organisation des Berufs bringt der Frage der Lehrlings-
bildung weitreichendes Verständnis entgegen, da er sich bewußt ist,
daß von der gründlichen Ausbildung der jugendlichen Mitarbeiter die
Zukunft des Berufs und des Standes zu einem guten Teil abhängen
wird. Er hat daher in seiner Hauptversammlung zur Jahrhundert-
feier des Vereins zu Kantate 1925 es jedem seiner Mitglieder zur
Pflicht‘ gemacht, die jungbuchhändlerische Ausbildung mit äußer-
ster Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu pflegen; aber auch schon
früher hat ihn die buchhändlerische Bildungsfrage wiederholt be-
schäftigt, und in dem auf seine Veranlassung von Paschke und Rath
geschriebenen Lehrbuch des Deutschen Buchhandels (Verlag des
Börsenvereins) ist am Ende des ersten Bandes ein ausführlicher
Ausbildungsplan für den Lehrling im Sortimentsbuchhandel ent-
halten, der das beste Eingangstor zum buchhändlerischen Berufe
bildet. Auch andere Vereine und Sondergruppen, insbesondere die
verschiedenen Organisationen der Gehilfenschaft, haben fortgesetzt
die buchhändlerische Ausbildungsfrage erörtert, die Vereine und
Vereinigungen: der Gehilfenschaft besonders deshalb, weil von der
Ertüchtigung ihrer: späteren Berufsmitglieder ihre wirtschaftliche
Stellung nicht unwesentlich abhängt. Nachdem schon in der Mitte
des vorigen Jahrhunderts die Gehilfenprüfung in den beteiligten
Kreisen wiederholt angestrebt worden ist, um ungeeignete Leute dem
Berufe fernzuhalten, hat sich diese Frage. in den letzten Jahren
        <pb n="73" />
        VI. Die Ausbildung zum Buchhändler.

65
wieder in den Vordergrund geschoben; sie ist zwar noch keines-
wegs geklärt, wird aber jetzt so nachdrücklich verfochten, daß an
dem endlichen Erfolg kaum zu zweifeln ist, zumal der Verband
der Deutschen Musikalienhändler in dieser Richtung bereits bindende
Beschlüsse gefaßt hat. Vorläufig schließt noch jede ordentlich durch-
laufene Lehrzeit mit dem vom Lehrherrn erteilten Lehrzeugnis ab.

Ältere Jugendliche mit gehobener Schulbildung traten früher
gern als „Volontäre“ in die Praxis ein, doch erfreuten sich diese
Volontäre im allgemeinen keiner besonderen Beliebtheit, da sie sich
an keine bestimmte Geschäftszeit zu binden brauchten, wodurch die
Ausbildung selbstverständlich in vielen Fällen stark beeinträchtigt
wurde. Heute sucht man die Bezeichnung Volontärzeit zu ver-
meiden und geht auch mit den reiferen jungen Leuten lieber ein
ordentliches Lehrverhältnis von vereinbarter Dauer ein, das dem
Lernenden eine gründlichere Ausbildung und dem Lehrherrn einen
wachsenden und werdenden, brauchbareren Mitarbeiter sichert. Wäh-
rend junge Leute, die soeben erst die Volksschule verlassen haben,
in der Regel eine vertraglich festgesetzte Lehrzeit von drei Jahren
zu durchlaufen haben, vermindert sie sich je nach Reife und Vor-
bildung — bestimmte Vorschriften darüber bestehen nicht — etwa
bis auf ein Jahr, doch sind Bestrebungen im Gange, eine gewisse
Einheitlichkeit auch für junge Leute mit gehobener Schulbildung
anzubahnen.

Es ist im Rahmen dieses Buches nicht möglich, angesichts
der mannigfaltigen Zweige des Buchhandels, der Größe und der Ver-
schiedenartigkeit der Betriebe eine Darstellung zu geben, wie sich
die buchhändlerische Ausbildung in jedem einzelnen Falle gestaltet.
Doch sind sich alle einsichtigen Buchhändler, denen die Heran-
bildung eines tüchtigen, brauchbaren Nachwuchses am Herzen liegt,
darüber klar, daß die praktische Lehre allein nicht ausreicht,
sondern notwendigerweise ihre Ergänzung in Fachschulen, Fach-
abteilungen oder Fachklassen finden muß.

Die Fachschulen.

Nach Alter und Ausbau hat die Deutsche Buchhändler-
Lehranstalt zu Leipzig!) die Führung, wie sie auch ihre
Bildungsaufgabe nicht auf Leipzig und dessen Nachbarschaft be-
schränkt, sondern aus dem Bereich des gesamten deutschen Buch-
handels und immer mehr auch aus dem Auslande aufgesucht wird.

Die Begründung der Anstalt geht auf eine Anregung zurück, die
der Buchhändler Friedrich Perthes, der Begründer der Firma Fried-
1) Die Kanzlei der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt, Leipzig, Deutsches
Buchhändlerhaus, Platostraße la, sendet auf Verlangen unter Beifügung
von 0.50 Reichsmark bezügliche Druckschriften zu.
        <pb n="74" />
        66 VI. Die Ausbildung zum Buchhändler.
East um mt A A zum Suchhändie
rich Andreas Perthes in Gotha, im Jahre 1833 gab, die aber erst
1853 durch Friedrich Fleischer vollzogen werden konnte. Unter
ständiger Fürsorge von Ausschüssen aus den Kreisen des Buch-
handels, gestützt und gefördert durch die Sächsische Staatsregierung
und den Rat der Stadt Leipzig, und nicht minder durch den Börsen-
verein der Deutschen Buchhändler, gewann sie unter zielbewußter
Leitung wachsende Bedeutung für den gesamten Buchhandel.

Die Gliederung der Anstalt ist der Schichtung des Berufs ange-
paßt. Sie soll darum im folgenden dargestellt werden, wobei voraus-
zuschicken ist, daß in allen Abteilungen männliche und weibliche
Anwärter Schulter an Schulter arbeiten. .

IL Lehrlings-Abteilung.

Die Lehrlings-Abteilung ergänzt für volksschulentlassene Lehrlinge
in buchhändlerischen Betrieben die praktische Ausbildung, indem
sie die allgemeine Bildung festigt und abrundet, die besondere
Tätigkeiten innerhalb einer praktischen Lehre in den Zusammenhang
einer vollständigen Berufskunde und: Berufsübersicht rückt und
Betriebswissen wie Betriebsfertigkeiten für alle Zweige des Berufs
vermittelt und übt. Sie besteht aus drei aufeinanderfolgenden Jahres-
stufen, die nach folgender Übersicht der Wochenstunden arbeiten:

1.Jahr 2.Jahr 3. Jahr
Wissenschaftskunde
Weltliteratur
Deutsche Literatur
Buchgewerbekunde
Buchhandelsbetriebslehre
Buchhändlerischer Briefwechsel
Buchführung
Bürgerkunde a
Volkswirtschaft
Handelsgeographie
Kaufmännisches Rechnen
Deutsch
Englisch
Insgesamt 15 15 ;
Als Wahlfächer treten dazu: Französisch, Kunstgeschichte, Musik-
geschichte, Kunstschrift, Kurzschrift und Maschineschreiben mit je
zwei Wochenstunden.

NM, Lehrlings-Fachkurs.
Der Lehrlings-Fachkurs ist für Lehrlinge mit höherer Schulvor-
bildung, mindestens der Obersekundareife oder entsprechendem Zeug-
nis, auf die Vermittlung ausschließlich beruflicher Kenntnisse zuge-
        <pb n="75" />
        VI. Die Ausbildung zum Buchhändler. 67
schnitten und ergänzt damit theoretisch die Ausbildungsarbeit der
Lehre. Der Besuch umfaßt ein Jahr lang 12 Stunden wöchentlich
nach folgendem Plan:

Literatur

Bibliographie

Buchgewerbekunde

Buchhandelsbetriebslehre

Buchführung

Schriftverkehr

Buchhändlerische Rechtskunde

Die Wahlfächer der Abteilung I und III stehen auch dem Lehr-

lings-Fachkurs offen. Da er gerade den Sinn für die Bedeutung
der praktischen Einzelmaßnahmen innerhalb des gesamten Geschäfts-
betriebs und für den gesamten Beruf in seiner Durchgestaltung
weckt, wird sein Besuch während des ersten Lehrjahrs um so mehr
zu empfehlen sein, als anderwärts für Leute dieser Art der Besuch
der Fachschule bereits verbindlich ist. Wenn in einem führenden
Leipziger Großbetrieb die erfolgreiche Teilnahme an diesem Kursus
in Verbindung mit Bewährung in der praktischen Lehre die Veran-
lassung gab, die Lehrlinge schon ein Jahr vor Ablauf des Lehr-
vertrags zu Gehilfen loszusprechen, zeigt dies den Vorteil und
zugleich eine erfreuliche Anerkennung der Einrichtung.
Il. Einjährige höhere Fachkurse.

Die Einjährigen höheren Fachkurse für hochschulmäßige Aus-
bildung in Buch-, Kunst- und Musikalienhandel geben eine geschlos-
sene Schulung für die jungen oder angehenden Buchhändler, die
sich ein volles Jahr ausschließlich dieser Arbeit widmen wollen,
Entschließen sich zu diesen Kursen viele nach abgeschlossener
Lehre oder selbst nach mehrjähriger Gehilfenzeit, so zeigt sich doch
auch in zunehmendem Maße die Neigung, sich eine entsprechende Abtei-
lung als Vorschulung für die praktische Lehre dienstbar zu machen.
Empfiehlt sich für jene, die Erfahrung der Praxis einmal in einer
großzügigen Zusammenfassung zu durchdringen und zu durchschauen,
so erwerben diese einen zuvor geschärften Blick und ein geklärtes
Urteil für den Betrieb der Praxis in ihren sonst leicht verwirrenden
Einzelerscheinungen. Wie fördernd es für jeden ist, ein Jahr aus-
schließlich zu den Problemen des Berufs von kundiger Hand in der
Stadt hingeführt zu werden und ihnen nachzugehen, die den Mittel-
punkt des ganzen Berufs nach Organisation und Verkehr darstellt
und auch die verwandten und angeschlossenen Gewerbe in reicher
Entfaltung beherbergt, die zugleich alle Bildungsmittel, insbesondere
die Bibliotheken einer Hochschulstadt neben der Deutschen Bücherei
erschließt: das braucht hier nicht erst dargelegt zu werden.
        <pb n="76" />
        68 VL Die Ausbildung zum Buchhändler.
Wir bringen im folgenden einige wichtige Punkte der Satzung und
den Arbeitsplan dieser Fachkurse. ;

Der Einjährige Fachkurs vermittelt eine höhere buchhändlerische
Fachbildung. Er wendet sich an junge Leute (Damen und Herren),
die entweder den Beruf schon praktisch erlernt haben, oder die
sonst eine bessere Vorbildung nachweisen können und demgemäß
über größere Reife und reichere Erfahrung und Anschauung ver-
fügen. Ob das Maß der nachgewiesenen Vorbildung zur Aufnahme
genügt, entscheidet in Zweifelsfällen der Oberstudiendirektor ; sichere
Aufnahme erfolgt auf Grund des Reifezeugnisses einer höheren Lehr-
anstalt (höhere Mädchenschule, Lyzeum, Realschule, neunstufige
Anstalt).

Die Teilnehmer an dem Fachkurs ergänzen durch den einjährigen
Besuch die praktische Ausbildung nach der theoretischen Seite und
gelangen bis zur vollen Einsicht in die ursächlichen Zusammenhänge
ihres Berufs, seiner einzelnen Zweige und Arbeiten, so daß sie her-
vorgehobene Stellen bekleiden können.

Die Lehranstalt betrachtet es aber auch als ihre Aufgabe, ihre
Schüler zu gefestigten Charakteren zu erziehen und in ihnen strenges
Pflichtbewußtsein, Wahrhaftigkeit, Pünktlichkeit und festes Wollen
zu wecken.

Die Vorlesungen und Übungen finden an allen Wochentagen statt.
Die Schulleitung läßt es sich angelegen sein, sie auf die einzelnen
Wochentage möglichst gleichmäßig zu verteilen, damit genügend
Zeit zu den Vorbereitungen, zum Besuche der hiesigen Sammlungen
und Kunststätten und zur Erholung verbleibt.

Vorgetragen werden folgende Gerenstände:
IL. Pflichtfächer.
Stundenzahl}
fı

Deutsche Literatur
Weltliteratur . . . .
Wissenschaftskunde . ..
Buchgewerbekunde . .
Buchhandelsbetriebslehre
Buchhändlerische Rechts-
kunde . 20.0... 2
Volkswirtschaftslehre . . 2

. Stundenzahl
Buchhaltung . . 2...
Deutscher Schriftverkehr .
Kaufmännisches Rechnen .
Geschichte des Buchhandels,
Bibliographie und Biblio-
thekskunde . . . ..
Kunstgeschichte . . . .
Musikgeschichte - I
Pfhiechtstunden 57

N. Wahlfächer.

Stundenzahl Stundenzahl
Kurzschrft ..... 2
Maschineschreiben . . . 2

Gesamtzahl der Stunden 49

Englisch . . .
Französisch . .
7
Kunstschrift
        <pb n="77" />
        VI. Die ‚Ausbildung zum Buchhändler. 69
Auf besonderen Wunsch kann auch Unterricht in Spanisch,
Russisch und Esperanto ‚genommen ‚werden, Wahlfächer werden
jedoch nur bei genügender Teilnahme gelehrt.

Der Oberstudiendirektor der Anstalt ist unter Zustimmung der
betreffenden Dozenten berechtigt, geringfügige und unwesentliche
Änderungen der Stundenzahl vorzunehmen, soweit es zur Erreichung
des Gesamtzieles angemessen und zweckmäßig erscheint. ;

Von ausschlaggebender Bedeutung für die Durchführung eines
solchen .Studienjahres in Leipzig sind für Auswärtige die Kosten.
Den geringsten Teil machen die Gebühren aus. Sie betragen für
das Jahr insgesamt 250 Reichsmark. Der unbedingt notwendige
Unterrichtsbedarf hält sich ebenfalls in mäßigen Grenzen. . Die
Anstalt unterhält neben einer allgemeinen Bücherei von annähernd:
9000 Bänden, die ständig vermehrt werden, eine Fachbibliothek, die
unter gewissen Bestimmungen in einem besonderen Raum (Seminar)
den Hörern und Hörerinnen ständig zur Verfügung steht. Die Kosten
für die äußere Lebenshaltung richten sich natürlich ganz nach den
persönlichen Ansprüchen. Junge Damen ziehen gewöhnlich. Unter-
kunft mit Verpflegung in einer Familie vor, während junge Männer
in gewissem Alter meist nur ein Zimmer mit Frühkaffee mieten und
sich frei beköstigen. Hierzu werden die Hörer und Hörerinnen zum
Mittags- und Abendtisch der Leipziger Studentenschaft zugelassen.
Dadurch wird der Aufenthalt zwar wesentlich verbilligt, doch wird
man mit einem Aufwand von 90 %% monatlich zu rechnen haben,
während 130 ZK eine gute Lebenshaltung ermöglichen dürften. Etwa
1200 2 alles in allem werden bei Berücksichtigung der Ferien für
ein Studienjahr in Leipzig anzusetzen sein. Einige Stipendienmittel
stehen aus der Max-Röder-Stiftung des Sächsischen Staates und aus
der Peter-Urban-Stiftung zur Verfügung; doch werden diese regel-
mäßig um Weihnachten vergeben, so daß es sich nicht empfiehlt,
auf Berücksichtigung von vornherein zu rechnen. Wiederholt ist
in den Kreisen des Buchhandels erörtert worden, aus Mitteln des
Börsenvereins oder von Kreis- und Ortsvereinen der Buchhändler
einzelne Freistellen zu errichten. Selbst die Frage eines Heims für
junge Buchhändler, die in Leipzig eine berufliche Weiterbildung
suchen, ist gelegentlich aufgetaucht; doch dürfte die Verwirk-
lichung dieses Wunsches noch auf sich warten lassen.

IV. Fortbildungseinrichtungen.

In den Fachkursen können einzelne Gegenstände durch Gasthörer
belegt werden. Regelmäßig durch die Wintermonate finden Abend-
kurse in einzelnen Fächern statt. Mit großem Erfolg führte die
Anstalt Sonderkurse für Teilnehmer aus dem Gesamtbuchhandel zur
Erörterung von beruflichen Zeitfragen durch. Und gern hat sie
auch jederzeit auswärtigen Besuchern und Vereinen Räume und
        <pb n="78" />
        70 ___ VI Die Ausbildung zum Buchhändler.
Kräfte zur Verfügung gestellt, Studienreisen an die „Quellen des
Buchs“ so gewinnbringend wie möglich zu veranstalten.

Die einzelnen Abteilungen stellen Zeugnisse aus, die ‚ihren In-
1abern die erworbenen und duch Prüfung nachgewiesenen Kenntnisse
ınd Fertigkeiten bestätigen und ihnen das Vorwärtskommen im
Berufe erleichtern. Auf die Frage, ob die Fachschule die praktische
uehre vollständig ersetzen könne, seien die Ausführungen mitge-
teilt, die hierzu der frühere Vorsitzende des Schulausschusses bei
ler Einweihung des neuen Schulgebäudes (16. Mai 1911) gemacht
sat: „Wir wissen, daß eine Fachschule nie einen fertigen Ge-
hilfen oder Disponenten erziehen kann, daß das, was man geschäft-
lichen Blick nennt, sich überhaupt nicht lehren läßt. Die Anstalt
kann denen, die in sich die Fähigkeiten zum Buchhändler oder zum
Kaufmann haben, dazu verhelfen, diese Fähigkeiten leichter, voll-
ständiger, vielseitiger zu entwickeln und auszunutzen. Die Lehr-
anstalt kann für sich allein nur unfertige Buchhändler heranziehen,
genau wie die Hochschule anderseits nichtfertige Verwaltungs-
beamte, Richter oder Rechtsanwälte. Zum Kaufmann, Buchhändler,
Richter oder Rechtsanwalt wird man nur durch die Praxis. Wir er-
streben aber eine Ausbildung, die in der Praxis möglichst leicht und
schnell und vollkommen dazu werden läßt. Das Schwergewicht der
Lehranstalt liegt daher in den Fächern, die nicht bloße Fähig-
keiten, sondern eine allgemeine Schulung des Geistes bezwecken.
Wir wollen durch unsern Lehrplan eine Brücke schlagen von der
Theorie zu der Praxis und suchen jene durch diese zu befruchten,
Wir erstreben eine theoretische Vertiefung des praktischen Kön-
ıens des Buchhändlers, eine Weckung des Bildungstriebs, eine Wei-
‚ung des Blicks, eine Schärfung seiner Beobachtungsgabe, eine all-
zemeine Schulung des selbständigen Denkens.“

Die Deutsche Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig ist die zentrale
Bildungsstätte des deutschen Buchhandels. Unter den 10000 Namen
der deutschen Buchhändler, die durch sie hindurchgegangen sind,
finden sich solche von hervorragendem Klang und von Weltgeltung.

Hamburg, Berlin und Stuttgart sind die Orte, die außer Leipzig
ihren Buchhandlungslehrlingen für die Zeit ihrer Berufsschulpflicht
besondere schulische Einrichtungen zur Verfügung stellen und sie
damit aus dem allgemeinen Rahmen von Berufs- oder auch Handels-
schulen herausheben, um so den eigenartigen Anforderungen des
3Zerufes besser gerecht werden zu können.

Hamburg richtete auf den Wunsch der dortigen Buchhändler
Ostern 1919 im staatlichen kaufmännischen Berufswesen seine „Fach-
schule für Lehrlinge im Buchhandel“ ein, Sie umfaßt die im Buch-,
Kunst- und Musikalienhandel tätigen männlichen. und weiblichen
Lehrlinge Hamburgs und arbeitet in drei aufsteigenden Jahresstufen
3ach folgender Übersicht der Wochenstunden:
        <pb n="79" />
        VI. Die Ausbildung zum Buchhändler.

71
UL. Jahr ?2.Jahr 3. Jahr
Literatur

Buchhandelsbetriebslehre mit
Schriftverkehr

Kaufmännisches Rechnen -

Buchgewerbekunde 7

Buchhaltung ;

Bürgerkunde

Wissenschaftskunde
Insgesamt 8

Dazu bietet sich die Möglichkeit, an Fremdsprachen und an Kurz-
schrift als Wahlfächern teilzunehmen.

In sehr entschiedener und rascher Weise hat erst kürzlich
Berlin die Bildungsfrage für die Lehrlinge von Groß-Berlin ge-
ordnet, wobei es sich auf ein Ortsgesetz vom Jahre 1926 stützt.
Unter Förderung durch die Korporation der Berliner Buchhändler
and die organisierte Gehilfenschaft ist hier an einer der städtischen
Berufsschulen, die der städtischen Deputation für das Berufs- und
Fachschulwesen unterstellt sind,!) eine Fachabteilung für Buch-
händler entstanden. Die Gruppen der volksschulentlassenen Lehr-
linge arbeiten nach folgendem, für Halbjahre eingeteilten Plan der
Wochenstunden :
i. 2. 3. 4. 5. 6. Halbjahr
Berufs- und Bürger-
kunde einschl. Rechnen 8 6
Buchführung N
Kurzschrift — -
Turnen
Insgesamt 9 Y v

= 5
2 3 3
«91

‘'
Die allgemeinen kaufmännischen Belehrungen werden planmäßig
nit den fachlichen des Buchhandels zu einer Einheit verbunden.

Über die Pflichtstunden hinaus bietet sich die Möglichkeit der
freiwilligen Teilnahme an Abendkursen in Literaturgeschichte, Eng-
isch, Französisch, Esperanto und Maschineschreiben.

Seit dem 1. April 1927 sind in Berlin auch die Schüler mit der
Reife für Obersekunda berufsschulpflichtig. Es ist möglich, daß hier
Jie Entwicklung sehr bald zu einer ähnlichen Einrichtung hin-
strebt, wie sie der Leipziger Buchhandel und die Deutsche Buch-
händler-Lehranstalt sich in dem Lehrlings-Fachkurs (Abt. II) aus
freien Stücken geschaffen haben. Vorerst aber sind unter diesen
Schülern die Buchhandelslehrlinge mit andern Lehrlingen gleicher
Vorbildung gemeinsam eingeschult.
1) I. Städt. Berufsschule für Jünglinge, Berlin SW 47, Wartenburgstr. 6.
        <pb n="80" />
        2 __.. VE Die Ausbildung zum Buchhändler.
Stuttgart führt im Rahmen einer Handelsschule eine Klasse
für Buchhändler, und in Wien ist die Buchhändlerschaft gegen-
wärtig im Begriff, für die Lehrlinge Einrichtungen für Fachschul-
bildung ins Leben zu rufen, doch liegen darüber nähere Mitteilungen
noch nicht vor.

Die Fortbildung.

Es gibt nicht viele Berufe, in denen immer wieder auch die
Fortbildung so lebhaft erörtert und betrieben worden ist wie
im Buchhandel. Die dafür geschaffenen Einrichtungen treten unter
den verschiedensten Bezeichnungen auf, und hier können nicht alle
Einzelerscheinungen dargestellt, doch soll versucht werden, einen
grundsätzlichen Überblick zu gewinnen.

Das Bestreben geht einmal vom Beruf und von seinen Organi-
sationen aus und versucht von der Sache her die einzelnen Mit-
glieder zu erreichen. So arbeitet der Bildungsausschuß der Ham-
burg-Altonaer Buchhändler in Kursen, so schafft sich der Buch-
händler-Verband „Kreis Norden“, Hamburg, Fortbildungseinrich-
tungen. Der Württembergische Buchhändler-Verein hat einen stän-
digen Bearbeiter der Fortbildungsfrage und veranstaltete bisher
Vorträge, Kurse und Arbeitsgemeinschaften. Der Buchhändlerische
Fachschulverein in Bayern, e. V., ließ in München Fortbildungskurse
und Vorträge halten. Nach festem Plan verfahren diese Bestre-
bungen auch in Breslau.

Nicht minder lebhaft betätigen sich die Organisationen der An-
gestellten, die durchweg Kurse oder Arbeitsgemeinschaften zur
beruflichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder durchführen. Es liegt
ihnen, wie der Geschäftsführer eines solchen Verbandes einmal
äußerte, nichts an Berufsgenossen, die mangelhaft durchgebildet
sind und eine Belastung des Verbandes und des Berufs bedeuten.
Darum versuchen sie ohne Ausnahme das nachzuholen, was bei
einzelnen die Ausbildung nicht geben konnte. Die Allgemeine Ver-
einigung der Angestellten des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels,
Sitz Leipzig, z. B. stellt nicht nur ihre Zeitschrift und ihr jährliches,
Taschenbuch bewußt in den Dienst dieser Aufgabe, sondern veran-
staltet auch, häufig in Fühlung mit der Deutschen Buchhändler-Lehr-
anstalt, in ihren Ortsgruppen Vorträge allgemeinbildender und
berufswissenschaftlicher Art, sowie planmäßige Werkführungen. Von
besonderem Erfolg sind aber seit 1926 ihre vom Sächsischen Wirt-
schaftsministerium genehmigten Kurse in der Staatlichen Akademie
für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig. Diese sind
Lehrgänge praktischer Betätigung in allen Zweigen buchgewerb-
lichen Schaffens und lehren unter Anleitung berufener Fachleute
und Künstler die Arbeitsvorgänge bei der Buchherstellung ver-
        <pb n="81" />
        VI. Die Ausbildung zum Buchhändler. 73
stehen und ihre Ergebnisse sachgemäß beurteilen, wie es unseres
Wissens für eine Gemeinschaft so systematisch noch nicht durch-
geführt worden ist. Der Allgemeine Deutsche Buchhandlungsgehilfen-
Verband aber veranstaltet seit 1925 für seine Mitglieder geschlossene
Buchhändlerwochen. Als ihre Ziele werden Berufsbildung, Erho-
lung und Geselligkeit bezeichnet, die zur Arbeitsgemeinschaft, Ge-
sinnungsgemeinschaft und damit zur Volksgemeinschaft führen sollen.
Männer, die im Buchhandel oder in den benachbarten Gewerben Er-
fahrung und Ruf haben, werden zu Vorträgen herangezogen, die zu-
sammen mit den Reizen und Eindrücken einer nicht alltäglichen
Landschaft für eine Woche gemeinsamen Lebens und Denkens die
Grundlage und für die ständige Berufsarbeit erneute Anregung und
Willensstärkung geben.

Von der Seite der eigenen Persönlichkeit her packt der „Jung-
buchhandel“ die Frage an. Diese Bewegung ist entstanden aus all-
gemein menschlichen Nöten, die in den Zeitverhältnissen des Welt-
kriegs, der Inflation, des Gegensatzes zwischen. Alter und Jugend
u. a. lagen, und aus der Not, die sich aus schwierigen Berufsver-
hältnissen infolge mangelhafter Ausbildung oder sozialer Gegen-
sätze innerhalb des Berufes ergab. Sie erfaßte den buchhändlerischen
Beruf als eine Kulturaufgabe. Der Jungbuchhandel erstrebt, ohne
daß dies jederzeit klar zum Ausdruck kam, die Bildung einer freien,
selbstverantwortlichen Persönlichkeit, Entfaltung vollen Menschen-
tums, Eingliederung des einzelnen in große soziale und kulturelle
Zusammenhänge wie Volk und Heimat, berufliche Vertiefung und
Vervollkommnung, Steigerung des Berufs zum Dienst am Volk. Die
wichtigsten Arbeitsformen sind die „Akademien“, die der Erörterung
großer Probleme und Zusammenhänge, wie z. B. Erwachsenenbildung
und Buchhandel, und gleichzeitig der Gemeinschaftsbildung dienen.
Die „örtlichen Arbeitsgemeinschaften“ und das „Treffen“, die auf
die Lösung kleinerer aktueller Fragen abzielen. Vortrag und Lehre
d. h. Übermittlung von Wissensstoif, werden abgelehnt und durch
die Arbeitsschule und das Rundgespräch ersetzt. Endlich ist die
Arbeit am „Jungbuchhändlerrundbrief“ zu erwähnen, der persönliche
Erlebnisse und Erfahrungen und die aus der Selbstbildung hervor-
gegangenen Studien zur Aussprache stellt, über Tagungen und Bil-
dungsveranstaltungen innerhalb des Jungbuchhandels berichtet und
zur Weiterbildung als Selbstbildung und Bildungsarbeit in Gemein-
schaft mit Pädagogen aus anderen Berufen anregt.!) Unter den För-
derern wären neben Dr. Eugen Diederichs in Jena viele führende
Persönlichkeiten und Stellen im Buchhandel zu nennen.

1) Herausgeber Hans Bott, Karlsruhe, Kriegsstraße 182, Ausgabe durch
Peter Buchgraber, Bühl, Baden.
        <pb n="82" />
        7/4 VIL Berufsaussichten, Gehalts- und Angestelltenverhältnisse.
VII. Berufsaussichten, Gehalts- und Angestellten-
verhältnisse.
Wohl werden viele, die sich dem Buchhandel zuwenden, den
begreiflichen Wunsch nach Selbständigkeit haben und ihn auch er-
füllt sehen, sei es, daß sie ein gütiges Geschick zum Erben einer
Firma bestimmt hat, sei es, daß ausreichende Barmittel den Ankauf
oder die Begründung einer Firma gestatten. Die wirtschaftlichen
Lebensmöglichkeiten und das Gedeihen der Betriebe als solcher
darzustellen, fällt aus dem Rahmen dieser Darlegungen. Aber soviel
kann gesagt werden, daß man sich doch hüten sollte, sein Glück
allein im Besitz eines eigenen Geschäfts zu sehen, und man möge
bedenken, daß zur Leitung eines großen buchhändlerischen Betriebs
als Prokurist oder zur Ausfüllung eines andern hervorgehobenen
Postens in einem solchen oft viel mehr gehört, als zur Führung
eines kleinen Geschäfts mit bescheidenem, eng umschriebenem Wir-
kungskreis, das seinem Besitzer mehr Sorge als Freude bereitet. Den
meisten aber, die sich dem Buchhandel widmen, wird sich bei
persönlicher Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit eine auskömm-
liche, sichere, schätzenswerte und angesehene Lebensstellung auch
im Angestelltenverhältnis bieten.

Aus den folgenden Gehaltstarifen der Ortsgruppe Leipzig des
Arbeitgeberverbandes sind die Gehälter zu ersehen, die zur Zeit als
Normalgehälter im Buchhandel gelten können. In der Aufstellung
wurden nur die Gehälter für das 21., 25. und 29. Lebensjahr ange-
geben, die Zwischenstufen sowie die Gehälter der Gruppe E sind
fortgelassen. Gruppe C ist die der selbständig arbeitenden Sorti-
ments-, Verlags-, Speditionsgehilfen und Auslieferer, Gruppe D die
der Mitarbeiter II. Ordnung. Die Gruppe B umfaßt die Gehilfen in
gehobener Stellung und Abteilungsvorsteher, Gruppe A die der ersten
Gehilfen: Verlags- und Sortimentsleiter.

Gehaltstarif
der Ortsgruppe Leipzig des Arbeitgeberverbandes
der Deutschen Buchhändler.
1.Verlag und Sortiment.
Verheiratete männliche Angestellte :
nach vollendetem A B C
21. Lebensjahr — 185.50 157.50
25. » 257.50 225.50 196.50
29. 300.— 266.50 285.—

D
147.50
174.50
212.50
        <pb n="83" />
        VIL Berufsaussichten, Gehalts- und Angestelltenverhältnisse. 75
Ledige männliche Angestellte:
167.50 144.— 135.—
207.— 179.50 159.50
244.50

21. Lebensjahr —
23. # 236.—
29. u 275.—

21. Lebensjahr . —
25. wa 236.—
29. „ 275.—

Weibliche Angestellte : ;
152.50 . 130.— 114.50
186.50 161.50 136.—
220.— — —
Lehrlingsentschädigung :
1. Lehrjahr  25.—
2. ” 35.—

3. 28 48.—

Gehaltssätze für Jugendliche:
1. Anstellungsjahr 40.—
2. % 48.—
8. ” 58 —
2. Gehälter im Zwischenbuchhandel
(Kommissionsgeschäft und Barsortiment).
Verheiratete männliche Angestellte mit 2 Kindern:

nach vollendetem B C D

21. Lebensjahr 183.45 155.85 146.15

25. » 223.45 194.25 172.60

29. » 263.80 232,80 210.25
Verheiratete männliche Angestellte mit 1 Kind:

nach vollendetem

21. Lebensjahr 179.20 152.20

25. - 225.25 189.75 .

29, “ 257.65 297.40

142.75
168.55
205.40
Verheiratete männliche Angestellte:
nach vollendetem
21. Lebensjahr
25. „
29, .

165.25 140.45
201.25 175.05
237.55 209.65

131.65
155.40
190.40
Ledige männliche Angestellte:
nach vollendetem
21. Lebensjahr
25. ”
29, ”„

149.10 128.50
184.60 159.90
218.90 192,65
Weibliche Angestellte :

nach vollendetem

21. Lebensjahr

25. »

2G.

120.10
141.95
173.15

136.— 115.65
166.10 143.75
L96.15 1783.25

102.30
125.60
149.55

Ra
        <pb n="84" />
        76 YVIL Berufsaussichten, Gehalts- und Angestelltenverhältnisse,
Gehaltssätze für Jugendliche:
1. Anstellungsjahr 38.70
2. „ 46.50
3. 54.20
Selbstverständlich können die Tarifgehälter in Gruppe A, die nur
Angestellte bis zum 29. Lebensjahr berücksichtigen, nicht als
Maximalgehälter angesehen werden. Die Bevollmächtigten und Pro-
kuristen größerer Firmen, wie auch sonst bewährte Angestellte
von hervorragender Tüchtigkeit, haben wesentlich höhere Bezüge.
Solche Posten sind aber im Buchhandel nicht gar zu zahlreich, meist
sind Anwärter darauf in den betreffenden Großbetrieben vorhanden,
die sich in langjähriger Praxis bewährt und Spezialkenntnisse für
die leitende Stellung im Hause erworben haben. Im allgemeinen gilt
es also, sich die Sporen in einfacheren Stellen zu verdienen und sich
amporzuarbeiten.

Außerdem ist zu beachten, daß die vorstehende Übersicht ein
Muster gibt, das nicht unbeschränkte Geltung hat, sondern jeder-
zeit eine Neuregelung erfahren kann, wie sie heute (März 1928)
für den Zwischenbuchhandel bevorsteht.

Die rechtliche Stellung der Gehilfen in den Betrieben regelt sich
nach dem sechsten Abschnitt des Handelsgesetzbuchs, der durch
einige Bestimmungen der Gewerbeordnung und des Bürgerlichen
Gesetzbuchs ergänzt wird.
Die Stellenvermittlung im Buchhandel,
Das Börsenblatt, das Zentralorgan des Buchhandels, ist natur-
gemäß auch das wichtigste Publikationsorgan für die buchhändle-
rische Stellenvermittlung. Hier werden die sofort oder später zu
besetzenden Vakanzen aller Art ausgeschrieben, anderseits ist hier
auch der gegebene Platz für erfolgversprechende Gehilfen-, Vo-
lontär- und Lehrlings-Stellengesuche. An die Suchenden, denen das
Börsenblatt nicht zugänglich ist, versendet die Geschäftsstelle des
Börsenvereins, Leipzig, Gerichtsweg 26, gegen geringe Gebühr und
Portovergütung täglich unter Kreuzband Sonderabzüge des Börsen-
Dlatt-Anzeigenteils, der den Stellenmarkt enthält.

Auch zahlreiche Stellenvermittlungen stehen der Mitarbeiter-
schaft des Buchhandels zur Verfügung; solche werden u. a. unter-
halten von der Korporation der Berliner Buchhändler, Berlin, wie
von den Angestelltenverbänden, die an späterer Stelle aufgeführt
werden.

Auch fast alle größeren Leipziger Kommissionsgeschäfte widmen
sich neben den Geschäftskauf- und -verkaufsvermittlungen der
Stellenvermittlung für Buchhandlungsangestellte. Es ist zwar rat-
3am, sich gegebenenfalls auch dieser Stellenvermittlungen zu be-
        <pb n="85" />
        VIT. Berufsaussichten, Gehalte- und Angestelltenverhältnisse. 77
dienen und hier mit den ausgefüllten Fragebogen allgemein gehaltenp
Bewerbungsschreiben mit Zeugnisabschriften zu hinterlegen, aber
das direkte Angebot auf ausgeschriebene Vakanzen ist doch das wirk-
samste für die Erlangung einer Stelle. Es empfiehlt sich übrigens
auch, bei größeren Firmen, bei denen einem Suchenden Anstellung
arwünscht ist, Angebote einzureichen, mit der Bitte, die Bewerbung
für später zurückzulegen, wenn die betreffende Firma nicht sogleich
von ihr Gebrauch machen kann.

Nicht selten finden  Stellenbesetzungen infolge Bekanntwerdens
einer Vakanz innerhalb der ortsansässigen Gehilfenschaft statt,
ohne daß sie öffentlich ausgeschrieben werden. Schon aus diesem
Grunde ist dem vorwärtsstrebenden Gehilfen zu raten, sich dem
Gehilfenverein anzuschließen, wenn ein solcher am Platze vor-
handen ist. Auch die Aussprache mit Kollegen, die man bei den
regelmäßigen Zusammenkünften findet, ist für die berufliche Weiter-
bildung von Vorteil; vielfach werden zu diesem Zweck in größeren
Vereinen Vortragsabende abgehalten, die Anregung und Belehrung
in buchhändlerischen Berufsfragen geben.

Die Wanderzeit eines Gehilfen, der sein Wissen und Können nach
beendigter Lehrzeit an verschiedenen Plätzen unsers Vaterlandes
zu festigen und zu vermehren trachtet, ist ein wichtiger Zeit-
abschnitt im Werdegang des Gehilfen; es ist aber abzuraten, die
Stellen allzu rasch zu wechseln. Eine lückenlose Zeugnisreihe über
nicht zu kurzfristige Betätigung in angesehenen Firmen des Buch-
handels ist ein Wertobjekt, das sich als solches alle Zeit bewähren
wird, wenn es gilt, weiter und aufwärts zu kommen.

Das Überwechseln vom Sortiment in den Verlag und umgekehrt
nützt der Erfahrungsbereicherung; Mitte der 20er Jahre wird
aber der Gehilfe daran zu denken haben, sich zu spezialisieren, und
die Entschließung treffen müssen, ob er sich für den einen oder den
andern. Berufszweig entscheidet. Nur durch Spezialisierung kann
er zur Höchstleistung kommen, sei es, daß er sich selbständig
machen will, oder sei es, daß er eine sogenannte Lebensstellung an-
strebt, die ihm eine auskömmliche Existenz bietet. Planloses Hin-
und Herpendeln ohne festes Ziel im Auge rächt sich später in
wirtschaftlicher Hinsicht.
Unterstützungseinrichtungen.

Der Wunsch, in Bedürftigkeit geratenen Berufskollegen und Hinter-
bliebenen zu helfen, führte zur Gründung von Unterstützungs-
vereinen und -einrichtungen.

Wir verzeichnen:

Unterstützungs-Verein Deutscher Buchhändler und

Gehilfen, Sitz Berlin, gegründet Ostermesse 1836.

Buchhandlungs-
        <pb n="86" />
        78 VIL Berufsaussichten, Gehalts- und Angestelltenverhältnisse,
Buchhändler-Sterbekasse, Sitz Bremen, gegründet l. Juni 19283.
Erholungsheim für Deutsche Buchhändler, e. V., Sitz Berlin, ge-

gründet 4. Mai 1911. Eigenes Heim: Ostseebad Ahlbeck.
Buchhändler-Erholungsheim in Lauenstein (Otto-Beyer-Stiftung).
Braunschweigische Unterstützungskasse für Angehörige des deut-

schen Buch-, Kunst- und Musikalienhandels, gegründet 1889,

Auch alle Gehilfenverbände haben sich Unterstützungseinrich-
tungen in den mannigfachsten Formen geschaffen.

VIIT. Verbände und Vereine der Gehilfen und Angestellten
des deutschen Buchhandels.
/. Hauptverbände.
Allgemeiner Deutscher Buchhandlungsgehilfen-
verband. Jur. Person. Sitz Leipzig.

Der Verband besteht seit 1872. Er ist eine parteipolitisch und
religiös neutrale Gewerkschaft. Die ordentlichen Mitglieder des Ver-
bandes haben ohne besonderen Beitrag volle Mitgliedsrechte im
Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband. .

Der A.D.B.V. sorgt in Verbindung mit dem D.H.V. für die
Ertüchtigung der Berufskollegen. Es werden überall Fachvorträge
gehalten und Unterrichtskurse veranstaltet, sowohl allgemeinen als
auch besonderen fachwissenschaftlichen Inhalts. Besichtigungen, Stu-
dienfahrten, Lichtbildervorträge, Literarische Abende dienen eben-
falls der weiteren Fortbildung und Belehrung. Die Mitglieder erhalten
die 14tägig erscheinende „Deutsche Handels-Wacht“ mit den Bei-
lagen „Kaufmännische Praxis“ und „Volkstum und Leben“, sowie die
monatlich erscheinenden „Mitteilungen“ kostenlos zugesandt. Gegen
eine geringe Bezugsgebühr werden die Monatsschriften „Der Kauf-
mann in Wirtschaft und Recht“ und die „Welt des Kaufmanns“
yeliefert.
Der Verband unterhält eine Stellenvermittlung; seine Notstands-
unterstützungskasse sieht folgende Leistungen vor: Begräbnisgeld,
Invalidenunterstützung, eine Witwen- und Waisenrente, Kranken-
unterstützung und Altershilfe.

Als eine andere beachtliche soziale Einrichtung besteht seit dem
Jahre 1909 die Krankenkasse Deutscher Buchhand-
lungsgehilfen, Ersatzkasse Leipzig; sie beifreit von der
Zugehörigkeit zu einer Ortskrankenkasse. Die Mitglieder haben den
        <pb n="87" />
        VIII. Verbände und Vereine der Gehilfen und Angestellten, 79
Vorteil, bei einem Ortswechsel nicht ausscheiden zu müssen, da
die Kasse über ganz Deutschland verbreitet ist.. Bei durchschnittlich
geringen Beiträgen im Verhältnis zu den Zwangskassen erhalten sie
bedeutend höhere Leistungen. Die Krankenkasse ist Mitglied der
Devo „Deutsche Volkserholungsheime e. G. m. b. H.“; ihren Mit-
gliedern stehen bei einem mäßigen Pensionspreis die etwa 25 Heime,
in allen Gegenden Deutschlands gelegen, zur Verfügung. Zuletzt sei
noch auf ihr eigenes Erholungsheim „Waldfrieden‘“ hingewiesen, das
bei Bad Lausick liegt.

Allgemeine Vereinigung der Angestellten des
Buch-, Kunst- und Musikalienhandels. Sitz Leipzig,
gegründet am 30. Juni 1895 in Halle.

Zweck der Allgemeinen Vereinigung ist die Vertretung der wirt-
schaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder, insbesondere
beim Abschluß von Tarifverträgen gegenüber den Arbeitgebern. Die
Allgemeine Vereinigung ist frei von jedem Arbeitgebereinfluß.

Als Gewerkschaft unterstützt sie alle Bestrebungen, die geeignet
sind, eine dauernde Besserung der Lage der gesamten Arbeitnehmer-
schaft herbeizuführen, die Schaffung eines einheitlichen Arbeits-
rechtes und einer einheitlichen Sozialversicherung unter beson-
derer Wahrung der Angestelltenbelange, den Ausbau des Betriebs-
rätegesetzes mit dem Ziele der Gleichberechtigung im Wirtschafts-
{eben und die fachberufliche Förderung ihrer Mitglieder und sieht in
sonstigen sozialpolitischen Maßnahmen Mittel, den Aufstieg der
Arbeitnehmerschaft zu fördern.

Die Allgemeine Vereinigung ist parteipolitisch und konfessionell
neutral.

Zur Erreichung ihrer Ziele dient der A. V. der Zusammenschluß
aller männlichen und weiblichen Angestellten des Berufes.

Sie unterhält einen Rechtsrat und Rechtsschutz, einen Stellen-
nachweis und folgende Unterstützungseinrichtungen: Stellenlosen-
aınterstützung, Sterbegeld bis 1000 AK und Altersversicherung, Aus-
steuerbeitrag für weibliche Mitglieder, Streikunterstützung, Gemaß-
regeltenunterstützung.

Ihre Zeitschrift ist „Der Buchhandelsangestellte‘‘.

Verbandreisender Kaufleute Deutschlands, Fach-
gruppe der Verlagsvertreter,

Gewerkschaftsbund der Angestellten, Sitz Berlin-
Zehlendorf.

Der Bund ist eine parteipolitisch und religiös neutrale Gewerk-
schaft von männlichen und weiblichen Angestellten; die Kranken-
kassen des Bundes sind Ersatzkassen im Sinne der R.V.O. .

Zentralverband der Angestellten, Reichsfach-
yruppe Papier.
        <pb n="88" />
        30 VII. Verbände und Vereine der Gehilfen und Angestellten.
Verband der weiblichen Handels- und Büroange-
stellten, e. V., Fachgruppe Buchhandel Sitz Berlin-Wil-
mersdorf, gegründet 1889.

Gehilfen- und Hilfsarbeiterkrankenkasse der Kor-
poration der Buch-, Kunst- und Musikalienhändler,
Wien.
N. Ortsvereine.
„Krebs“, Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet am
6. 11. 1857.
„Buckow“. Literar. Vereinigung junger Buchhändler. Ge-
gründet am 19. 1. 1907.
„Alte Hallenser“, Freie Buchhändler-Vereinigung in Berlin.
Gegründet am 7. 6. 1890.
Donnerstagklub Berliner Buchhändler. Gegründet am
10. 2. 1884.
Beuthen (Oberschl.): Verein der Jungbuchhändler Oberschlesiens,
Braunschweig: „Robinson“. Verein jüngerer Buchhändler. Ge-
gründet am 22, 3. 1871.
Breslau: Buchhändlerverein „Rübezahl“. Gegründet am 25. 9. 1867.
Darmstadt: „Darm“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet
am 13. 1. 1872. ;
Donauwörth: „Danubia“. Buchhändler-Verein. Gegründet am
25. 2, 1886.
Dortmund: „11/10“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet
am 7, 5. 1903,
Dresden: „Bastei“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet am
22. 1. 1857.
Düsseldorf: „Pan“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet
am 6. 1. 1901.
Frankfurt a. M.: Vereinigung jüngerer Buchhändler, früher
„Faust“ und „Novität“. Gegründet 1873 bezw. 1905.
Gotha: Gesellige Vereingung der Buchhandels-Angestellten in
Gotha. Gegründet am 3. 6. 1919.
Hamburg-Altona: „Sphynx“. Verein jüngerer Buchhändler
Hamburg-Altonas. Gegründet am 24. 8. 1862.
Hannover: „Saldo“. Verein jüngerer Buchhändler, gesellige Ver-
einigung von Angehörigen des hannoverschen Buch-,
Kunst- und Musikalienhandels. Gegründet am
21. 4. 1874.
„Bücherwurm“, Literarische Vereinigung des hannov.
Buchhandels. Gegründet 13. 7. 1921.
Heidelberg: „Perkeo“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet
am 12. 1. 1884.
Jena: Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet am 3. 7. 1874.

Berlin:
        <pb n="89" />
        VII. Verbände und Vereine der Gehilfen und Angestellten. 81
Leipzig: Buchhandlungs-Gehilfen-Verein. Gegründet am 5. 10.
1833. Jur. Person.

„Eule“, Ortsgruppe Leipzig der Allgemeinen Vereini-
gung der Angestellten des Buch-, Kunst- und Musi-
kalienhandels.

Zentralverband der Angestellten. Ortsgruppe Leipzig.

Vereinigung Ehemaliger Schüler der Deutschen Buch-
händler-Lehranstalt. Gegründet am 15. 3, 1926.

München: „Palm“ 1874, Verein jüngerer Buchhändler. Ge-
gründet am 4. 2. 1874,

Münster (Westfalen): Buchhändler-Verein „13/12“. Gegründet
am 1. 5. 1882.

Neudamm: „Mietzelkrebs“. Verein jüngerer Buchhändler. Ge-
gründet 11. 11. 1896.

Regensburg: „Ratisbona“. Verein jüngerer Buchhändler, Ge-
gründet am 26. 4. 1884.

Reutlingen: Buchhändlerverein „Lichtenstein“.

Stuttgart: „Hauff“. Verein jüngerer Buchhändler, e. V., zu

Stuttgart, Gegründet am 1. 7. 1867.
Sängerrunde Schimmelklub.

Tübingen: „Insel“. Buchhändler-Verein. Gegründet am 1.8, 1874,

Würzburg: „Jubilate“. Verein jüngerer Buchhändler. Gegründet
1881.

Innsbruck: „Agricola“. Verein jüngerer Buch-, Kunst- und Musi-
kalienhändler. Gegründet am 5. 2. 1884.

Prag: Verein jüngerer deutscher Buchhändler „Conform“. Ge-
gründet 1872,

Wien: „Buchfink“. Buchhandlungs-Angestellten-Verein. Gegründet
am 2. 11. 1869.

dierzu kommen die Fachgruppen Buchhandel im D. H. V. in:
Aachen, Augsburg, Berlin, Braunschweig, Bres-
lau Donauwörth, Dresden, Frankfurt a. M, Frei-
burg im Br., Göttingen, Halle, Hamburg-Altona,
Hannover, Heidelberg, Köln, Königsberg (Pr.),
Leipzig, Magdeburg, München, Regensburg, Reut-
lingen, Stuttgart, Tübingen Wien
        <pb n="90" />
        32 IX. Buchhändlerische Fachblätter,
[X. Buchhändlerische Fachblätter,
I. Allgemeine Fachblätter.
a) Deutschland und Österreich.

Allgemeiner Wahlzettel f. d. deutschen Buch- und Musikalienhandel. Verlag
C. W. B. Naumburg, Leipzig, Perthesstraße 6.

Die Antiquariats-Börse. Verlag N. Debold &amp; Co., München 2, Areisstraße 36.
Der Antiquariatsmarkt. Zeitschrift für die Interessen des deutschen Anti-

quariats. Verlag und Redaktion München, Görresstraße 27.

Anzeiger für den Buch-, Kunst- und Musikalienhandel. Amtl. Organ der
Unternehmerorganisation im österr. Buch-, Kunst- und Musikalienhandel.
Verlag Verein d. österr.-ung. Buchhändler, Wien I, Opernring 1. |

Der Bahnhofsbuchhandel. Verlag Verein Deutscher Bahnhofsbuchhändler.
Geschäftsstelle Leipzig, Konstantinstraße 8.

Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Verlag Börsenverein der Deut-
schen Buchhändler zu Leipzig, Leipzig, Gerichtsweg 26.

Der Blaue Bücherkurier für den Sortimentsbuchhandel (früher „Novitäten-
Anzeiger“), Zentralorgan für den Buchhandel Deutsch-Österreichs und der
Nationalstaaten. Redaktion u. Administration Wien III, Kundmanngasse 12.

Der Buch- und Zeitschriftenhandel, Organ des Central-Vereins Deutscher
Buch- und Zeitschriftenhändier, e. V. Geschäftsstelle Berlin SW 48,
Friedrichstraße 250.

Der Buchhandelsangestellte. Organ zum Schutze der Interessen der Ange-
stellten des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels. Verlag Allgemeine
Vereinigung der Angestellten des Buch-, Kunst- und Musikalienhandels,
Geschäftsstelle Leipzig C 1, Roßstraße 22.

Buchhändlergilde-Blatt. Monatlich erscheinende Vereinszeitschrift, die den
Mitgliedern, der DBG kostenlos direkt zugesandt wird. Geschäftsstellle
der Deutschen Buchhändlergilde, Berlin N 24, Friedrichstraße 108 III,

Export-Anzeiger für den Deutschen Buch-, Musikalien- und Zeitschriften-
handel. Red, u, Verlag Karl Kaupisch &amp; Co., Hamburg 8, Brandstwiete 29,

„Die Fachpresse.“ Fachblatt für das gesamte Fachzeitschriftenwesen. Organ
des Schutzverbandes der deutschen Fachzeitschriften. Fachpresse-Verlag
Dr. J. Friedrich Meißner, Heidelberg, Albert Mays-Straße 2,

Die Fachzeitschrift. Organ des Reichsverbandes Deutscher Fachzeitschriften-
Verleger, e. V. Geschäftsstelle Berlin W 9, Potsdamer Straße 13.

Fachzeitschriften-Verlag. Fachblatt für das deutsche Fachzeitschriftenwesen.
Organ des Vereins der Fachzeitschriften-Verleger, Sitz Berlin. Kommissions-
verlag R. Bredow, Berlin W 37, Bülowstraße 66.

Der Großbuchhandel. Verlag Vereinigung der Buchgroßhändler. und Groß-
antiquare Deutschlands, e. V., Berlin-Marienfelde, Kirchstraße 60/62.

Jungbuchhändler-Rundbrief, bis Dezember 1927 8 Hefte, herausgegeben von
Hans Bott. Vertrieb durch Peter Buchgraber, Bühl. Baden. Auslieferung
in Leipzig bei F. Volckmar.

Der Lesezirkel. Offizielles Organ des Verbandes der Besitzer deutscher
Lesezirkel. Verlag Rob. Weidenhagen, Hamburg, Hoheweide 5.

Mitteilungen des Allgemeinen Deutschen Buchhandlungsgehilfen-Verbandes,
Leipzig.

Musikalienhandel. Zeitschrift und Anzeigenblatt des Verbandes der Deutschen
Musikalienhändler. Schriftleiter Dr. Burck, Leipzig, Gerichtsweg 26.
Expedition ebenda.

Wallmanns Anzeiger für den deutschen evangelischen Buchhandel. Herausg.,
und Verleger H. G. Wallmann. Verlag Leipzig C 1, Seeburgstraße 100.

Der Zeitungshandel. Redakteur Arthur Kaufmann. Verlag Zeitungs-Zentrale
{Z.-Z.) A.-G., Berlin SW 19. Jerusalemer Straße 5/6.
        <pb n="91" />
        IX. Buchhändlerische Fachblätter.

83

Der Zeitungs-Verlag, Verein Deutscher Zeitungsverleger (Herausgeber der
Deutschen Tageszeitungen) E. V. Geschäftsstelle Berlin W 10, Matthäi-
kirchstraße 36,

„Der Kunsthandel.“ Schriftleiter Siegfried Otto Ehbets, Lübeck. Verlag
„Der Kunsthandel“, Lübeck, Königstraße 47. ;

Der Zopfabschneider, Der Ochs vom Lauenstein, beide bei Eugen Diederichs
in Jena, erscheinen nicht mehr.

b) Tschechoslowakische Republik.

Der. Buchhändler. Mitteilungs- und Ankündigungsblatt der deutschen Buch-
händlerorganisationen in der Tschechoslowakei. Organ des Verbandes der
deutschen Buch-, Kunst- und Musikalienhändler und -verleger in der
Tschechoslowakei (Sitz Dux). Herausgeber und Verleger Franz Kraus,
Reichenberg i. B.

mM Literaturblätter, bibliographische und allgemeine
Vertriebszeitschriften.

Bibliographie der Rechts- und Staatewissenschaften. Verlag R. L. Prager,
Berlin NW 7, Mittelstraße 21.

Die Bücherstube. Blätter für Freunde des Buches und der zeichnenden
Künste. Verlag Horst Stobbe, München II C, Promenadestraße 12,

Hofmeisters Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien,
Verlag Friedrich Hofmeister, Musikalien-Verlag, Leipzig, Karlstraße 10.

Jahrbuch des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum. Herausgeber
und Verleger Deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum, Leipzig C 1,
Deutsche Bücherei, Philipp-Rosenthal-Straße.

Literarisches Zentralblatt für Deutschland. Herausgeber Deutsche Bücherei,
Leipzig, Verlag Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Leipzig, Ge-
richtsweg 26.

Die Literatur. Monatsschrift für Literaturfreunde, Herausgeber Ernst Heil-
born. Verlag Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Neckarstraße 121/28,

Naturae Novitates, Bibliographie der Naturgeschichte und der exacten
Wissenschaften. Verlag R. Friedländer &amp; Sohn, Berlin NW 6, Karlstr. 11.

Die schöne Literatur, Herausgeber Will Vesper. Verlag Eduard Avenarius,
Leipzig, Roßstraße 5/7. ;

Zeitschrift für Bücherfreunde. Herausgeber Prof, Dr. Georg Witkowski.
Verlag E. A. Seemann, Leipzig, Hospitalstraße 11 a.

Zentralblatt für Bibliothekswesen. Herausgeber Prof. Dr. Walther Schultze,
Berlin. Verlag Otto Harrassowitz, Leipzig, Querstraße 14.

Der Zwiebelfisch. Herausgeber Wolfgang von Weber, München 13, Brieffach,

Blätter für Bücherfreunde. Literarische Neuigkeiten. Vertriebszeitschrift.
Redakteur Ferd. Uter, Verlag Koehler &amp; Volckmar A.-G. &amp; Co. Leipzig,
Königstraße 35/37,

Bücherpost. Monatlicher Anzeiger von Neuerscheinungen des deutschen
Buchhandels, Verlag H. Dilcher, Frankfurt a. M., Hohemarkstraße 3,

Der Bücherwurm. Monatschrift für Bücherfreunde. Herausgeber Walter
Weichardt. Verlag Einhorn-Verlag, Leipzig, Langestraße 28.

Das deutsche Buch. Monatschrift für die Neuerscheinungen deutscher Ver.
leger. Redakteur Dr. Aug. von Loewis of Menar und Dr. Friedr. Michael,
Verlag Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Leipzig, Gerichtsweg 26,

Das Kuckucksei. Herausgeber Dr. W. Reiss. Verlag „Das Kuckucksei‘“.
Propaganda-Verlag Dr. Walter Reiss, Berlin SW 68, Alexandrinenstr. 110.

Medizinische Novitäten. Intern, Rundschau über alle Neuerscheinungen der
medizinischen Wissenschaften. Verlag Johann  Ambrosius Barth, Leipzig,
Salomonstraße 18 b.
        <pb n="92" />
        34. IX. Buchhändlerische Fachblätter.
2 HTW
Neue Noten. Hauptschriftleiter Professor Dr. Gerh. Menz. Verantwortlicher
Schriftleiter Dr. Friedr. Michael. Verlag Börsenverein der Deutschen
Buchhändler, Leipzig, Gerichtsweg 26. (Erscheinen eingestellt.) ;

Nimm und lies. Hauptschriftleiter Professor Dr. Gerh. Menz. Verantwort-
licher Schriftleiter Dr. Friedr. Michael, Verlag Börsenverein der Deutschen
Buchhändler, Leipzig, Gerichtsweg 26.

Philosophie, Psychologie, Pädagogik. Monatlicher Anzeiger aller Neuerschei-
nungen auf dem Gebiete der Philosophie, Psychologie, Psychotechnik, Er-
ziehung, Unterricht und Jugendbewegung des in- und ausländischen Bücher-
marktes. Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig, Salomonstraße 18 b.

Polytechnische Bibliothek. Monatlicher Anzeiger aller Neuerscheinungen auf
dem Gebiete der Physik, Mathematik, Astronomie, Mechanik, Chemie,
Technik, Elektrotechnik, Maschinenbau, Bau- und Ingenieurwissenschaften,
Eisenbahn, Schiffahrt, Berg- und Hüttenwesen. Verlag Johann Ambrosius
Barth, Leipzig, Salomonstraße 18b.

Reichsmedizinal-Anzeiger. Ein Verzeichnis der neuesten deutschen und aus-
ländischen Erscheinungen auf dem Gebiete der gesamten Medizin. Verlag
Benno Konegen, Medizin-Abt. des Montana - Verlags A.-G., Stuttgart,
Pfizerstraße 5.

X. Buchhändlerische Bibliographie.
Die folgenden Titelangaben erheben keinen Anspruch auf Voll-
ständigkeit der Materie, Es sind nur Bücher und Werke genannt, die
für das vorliegende Buch als Quellenwerke benutzt wurden, oder
die ihrem Inhalt nach die einzelnen Abschnitte desselben vertiefen
und erweitern können. Alle geschichtlichen Angaben sind Kapps und
Goldfriedrichs Geschichte des Deutschen Buchhandels und Einzel-
Aufsätzen des letztgenannten Verfassers entnommen.

Bücher-Katalore.
Schwetschke, Gust., Codex nundinarius Germaniae literatae bisecularis.
Meßjahrbücher des deutschen Buchhandels von dem Erscheinen des Meß-
katalogs im Jahre 1564 bis zur Gründung des ersten Buchhändlervereins
im Jahre 1765. Halle 1850.

Brinckmeier, Ed., Codex nundinarius Germanise literatae continuatus.
Der Meßjahrbücher des deutschen Buchhandels Fortsetzung, die Jahre 1766
bis einschließlich 1846 umfassend. Mit einem Vorwort von Gustav
Schwetschke. Halle 1877.

Heinsius, W., Allgemeines Bücher-Lexikon, oder vollständiges alpha-
betisches Verzeichnis der von 1700 bis 1892 erschienenen Bücher, 19 Bde.
Leipzig: Gleditsch, später F. A. Brockhaus. 1793—1894.

Hinrichs’ fünfjähriger Katalog (vom 9, Bande an: Fünfjahrs-Katalog, vom
12. Bande an: Hinrichs’ Katalog der im deutschen Buchhandel erschienenen
Bücher, Zeitschriften, Landkarten usw. Bd. 1—13 (für die Jahre 1851—1912).
Leipzig: J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung. 1875—1913 (jetzt abgeschlossen).
        <pb n="93" />
        X. Bibliographie,

S
Kayser, Chr. Gottlob (Index locupletissimus librorum ....). Vollständiges
Bücher-Lexicon, enthaltend alle von 1750 bis zu Ende des Jahres 1910 in
Deutschland und in den angrenzenden Ländern gedruckten Bücher. Band 1
bis 36 (von Band 21 an unter dem Titel: Christian Gottlob Kaysers voll-
ständiges Bücher-Lexicon...). Leipzig: L. Schumann, dann T. O, Weigel,
jetzt Chr. Hermann Tauchnitz. 18383-—1911 (jetzt abgeschlossen).

z3eorg, Carl, Schlagwort-Katalog. Verzeichnis der im deutschen Buch-
handel erschienenen Bücher und Landkarten in sachlicher. Anordnung,
Band 1—7 (1883—1912 Hannover) Cruse; Band 2 und 3 Lemmermann,
später M, Jaenecke; Band 7 Leipzig, Geschäftsstelle von Georgs Schlag-
wort-Katalog. 1889—1913 (jetzt abgeschlossen). ;

3esamt-Verlags-Katalog des deutschen Buchhandels und‘ des mit ihm in
direktem Verkehr stehenden Auslandes. Band 0-16 Münster i. W.: Ad.
Russell, jetzt Leipzig J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung. :1881—1894,
28 Bände (eingegangen). .

Veutsches Bücherverzeichnis. Eine Zusammenstellung der im deutschen Buch-
handel erschienenen Bücher, Zeitschriften und Landkarten, nebst Stich-
and Schlagwortregister, Bearbeitet von der Bibliographischen . Abteilung
des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Bd. 1—3 (911
bis 1914), Bd. 4—6 (1915—20), Bd. 7—10 (1921-—25). Leipzig Börsen-
verein der Deutschen Buchhändler. 1916-—1927.

Hierzu als Ergänzung:

Halbjahrsverzeichnis der im deutschen Buchhandel erschienenen Bücher,
Zeitschriften und Landkarten. Mit Voranzeigen von Neuigkeiten, Verlags-
und Preisänderungen, nebst. einem Register. Bearbeitet von der. Biblio-
graphischen Abteilung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu
Leipzig. Leipzig.

Schneider, Georg, Handbuch der Bibliographie, Leipzig 1924.

MD tech t, Otto. Die Bibliographie im Dienste des Buchhandels, Berlin

Frels, Wilhelm, Buchhändlerische und bibliothekarische Bibliographie,
Leipzig 1920.
Allremeines.
Bloch, P., Entstehung und Entwicklung des Ladenpreises, Berlin 1923.

Borgius, W., Zur Sozialisierung des Buchwesens, Berlin 1919,

Tunk, W., Die Zukunft des deutschen Buchhandels, Berlin 1917.

Koehler, W., Das Buch im Strome des Verkehrs, Heidelberg 1905.

Menz, G., Der deutsche Buchhandel. (Die deutsche Wirtschaft und: ihre
Führer, IV. Band). Gotha 1925.

Monfang, W., Die gegenwärtige Lage des deutschen Buchwesens, Mün-
chen 1921. ; ;

Pe ke rmann, Th., Der deutsche Buchhandel und seine Abnehmer, Dresden

Pohle, E., Das Buchhändlerkartell, Leipzig 1895.

Prager, R. L., Warenhäuser und Buchhandel, eine Österbetrachtung,
Berlin 1901,

Schürmann, A., Der deutsche Buchhandel der Neuzeit und die Krisis,
Halle 18395. ;

Winterhoff, E., Die Krisis im deutschen Buchhandel als Folge seiner
Kartellierung, Karlsruhe 1927. Dazu G. Menz im „Börsenblatt“ 1927,
Nr. 180.

Zickfeldt, Dr. Kurt, Die Umgestaltung des Buchmarktes durch Buch-
gemeinschaften und Fachvereinsverlage in Zusammenhang mit den Plänen
und Versuchen der Sozialisierung und Verstaatlichung des Buchwesens.
        <pb n="94" />
        36

X. Bibliographie.
Buchhändlerische Lehrbücher.

Lehrbuch des Deutschen Buchhandels von Max Paschke und Philipp Rath.
1. Band: Das Buch — Der Handel — Der Buchhandel -— Der Verlags-
yuchhandel. 2. Band: Der Sortimentsbuchhandel — Das Antiquariat — Der
Kolportagebuchhandel — ‘Das buchhändlerische Kommissionsgeschäft.
5. Auflage, Leipzig 1922.
fau, Karl Fr., und E. von Otto, Der Buchhändler. Lehrbuch des prakt.
VE Te Bd. 1: Der Sortimentsbuchhandel. In Lieferungen. Leipzig

27.
tarke, H., Wie ich den Buchhandel erlernte. Ein Versuch, das Technische
wie das Geistige im Buchhandel auf unterhaltende Art anschaulich zu
machen. Aus dem Leben und der vielseitigen Praxis eines Fachgenossen,
Siebente, völlig umgearbeitete und bedeutend vermehrte Auflage, heraus-
zegeben von Hermann Oesterwitz. Anhang Original-Beiträge:

Challier sen., E,, Der Musikalienhandel.

Linceke, H., Das Barsortiment. |

Geipel, A., Der moderne deutsche Kunsthandel.

Kretzschmar, P., Der Lehrmittelhandel.

Hoffmann jun., R., Das Kommissionsgeschäft,

Groß, K. L., Kurze Anleitung zum Katalogisieren.

Groß, K. L., Das Antiquariat.

Hölscher, G., Ein Wort über Gehilfenbildung.

Dimpfel, R., Hilfsbuch für wissenschaftliche. Buchhändler und Antiquare,
Leipzig 1927.

Weg, M., Das deutsche wissenschaftliche Antiquariat, Leipzig 1884.

Streißler, Einrichtung und. Betrieb des Kolnortage- und Reisebuchhandels.
Leipzig 1899,

Thomas, Die Praxis des Reisebuchhandels, 2. Auflage, Leipzig 1901.

Loele, Kurt, und Otto Brugre, Das Bücher-Schaufenster, mit einem
Anhang Innenauslagen und Innenausstattung, eine Anleitung für die
Praxis, Berlin 1921.

Reinecke, Fr., Das Sonderfenster des Buchhandels, Leipzig 1924.

x

Geschichte des deutschen Buchhandels.

Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels, Band 1—20 (1878—1899).
Davon vergriffen Band 2, 3, 6, 14 und 17. (Börsenverein.)

Der Buchhandel vom Jahre 1815—1845, Altona 1854,

Der deutsche Buchhandel der Gegenwart in Selbstdarstellungen. Heraus-
gegeben von Professor Dr. G. Menz. Band 1: Erich Ehlermann, Alexander
Koch, die Brüder Langewiesche, Wilhelm Ruprecht, Robert Voigtländer,
Ernst Vollert. Band 2 Heft 1: Eugen Diederichs, Leipzig 1925/27.

Deutsche Buchhändler, vierundzwanzig Lebensbilder führender Männer des
Buchhandels, herausgegeben von Dr. Gerhard Menz, Leipzig 1925.

Ba 2 Rechtsgeschichte des deutschen Sortimentsbuchhandels, Heidel-
er 79,

Geschichte des deutschen Buchhandels. Im Auftrage des Börsenvereins der
Deutschen Buchhändler herausgegeben von der Historischen Kommission
desselben.

1. Band. Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das 17. Jahrhundert
von Friedrich Kapp. Aus dem Nachlasse des Verfassers herausgegeben von
der Historischen Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler,
Leipzig 1886.

‚2. Band. Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen
Frieden bis zum Beginn der klassischen Literaturperiode (1648-—1740)
von . Johann Goldfriedrich, Leipzig 1908.
        <pb n="95" />
        X. Bibliographie. .

87
3. Band. Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassi-
schen Literaturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft (1740—1804),
Leipzig 1909.

4. Band. Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremd-
herrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche
(1805—1889), Leipzig 1913.

Hierzu Registerband, Leipzig 1928,

Hase, Oskar von, Die Koberger, eine Darstellung des buchhändlerischen Ge-
schäftsbetriebs in der Zeit des Übergangs des Mittelalters zur Neuzeit,
2, Auflage, Leipzig 1885.

Köhler, Dr. W., Zur Entwicklungsgeschichte des Buchgewerbes von Er-
findung der Buchdruckerkunst bis zur Gegenwart, Gera-Untermhaus 1896,

Kirchhoff, Alb., Beiträge zur Geschichte des deutschen Buchhandels,
I. und IL, Leipzig 1851 und 18583.

Lan gewiesche, Karl Rob., Aus fünfundzwanzig Jahren, buchhändlerische
Erinnerungen 1891—1916, als Handschrift nur für Buchhändler gedruckt,
Königstein a. Taunus.

Schmidt, Rudolf, Deutsche Buchhändler und Buchdrucker, Beiträge zu
piner Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes, unter Subvention des
Börsenvereins der Deutschen Buchhändler herausgegeben, 6 Bände, Berlin-
Eberswalde 1902—1908.

Schulze, Dr. Friedr., Der deutsche Buchhandel und die geistigen Strö-
mungen der letzten hundert Jahre (Jubiläumsschrift des Börsenvereins),
Leipzig 1925.

Georgi, Arthur, Die Entwicklung des Berliner Buchhandels bie zur Grün-
dung ‚des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler 1825, Berlin 1926.

Vollert, E.,, Die Bestellanstalt für den Berliner Buchhandel, ein Beitrag
zur Geschichte der Korporation der Berliner Buchhändler, Berlin 18983.

Vollert, E,, Die Korporation der Berliner Buchhändler, Berlin 1898,

Lorck, C. B., Geschichte des Vereins der Buchhändler zu Leipzig während
der Jahre 1833—1882,

Druckenmüller, Dr. Alfr., Der Buchhandel in Stuttgart seit Erfindung
der Buchdruckerkunst bis zur Gegenwart, Stuttgart 1908.

Junker, C., Die Korporation der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalien-
händler 1807-—1907, Festschrift zur Feier des 100 jährigen Bestehens der
Korporation am 2, Juni 1907, Wien 1907,

Baldamu 8, F., Ein Stück Geschichte des Buchhandlungsgehilfen-Vereins
zu Leipzig, Entstehung und Geschichte, Leipzig 1876.
Die Organisation des deutschen Buchhandels und der
Verkehr über Leipzig.

Fischer, Dr. Gustav, Grundzüge der Organisation des deutschen Buch-
handels, Jena 1903.

Heß, Dr. A, Die weltwirtschaftliche Bedeutung Leipzigs als Zentrale des
deutschen Buchhandels, Leipzig 1925.

Prager, R. L., Der deutsche Buchhandel, seine Geschichte und seine
Organisation, nebst einer Einführung: Der Ursprung des Buches und seine
Entwicklung, 2 Bände, mit 10 Abbildungen, Berlin.

Roth, Dr. Paul, Leipzig der Mittelpunkt des Buchhandels, den Besuchern
der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe u. Graphik Leipzig 1914
überreicht vom Verein der Buchhändler zu Leipzig.
        <pb n="96" />
        38

Schürmann, Aug, Organisation und Rechtsgewohnheiten des deutschen
Buchhandels. Erster Teil: Die Entwickelung des deutschen Buchhandels
zum Stande der Gegenwart. Zweiter Teil. Die Usancen des deutschen
Buchhandels und der ihm verwandten Geschäftszweige. Zweite neubearbeitete
Auflage, Halle a. S. 1880 und 1881.

Siebeck, P., Die Organisation des deutschen Buchhandels und seine
Bücherpreise, als Manuskript gedruckt 1923.

Steinkopff, Dr. Dietr., Organisationsfragen und Preisgestaltung auf dem
deutschen Büchermarkt, 1925. ,

Weidling, K., Das buchhändlerische Konditionsgeschäft, Berlin 1885.

Der Verkehr über Leipzig. Ein Handbuch für alle Angehörigen des Buch-
handels. Herausgegeben vom Verein Leipziger Kommissionäre Kan-
tate 1924, Leipzig 1924.

Weshalb verkehrt man über Leipzig? Eine Zusammenstellung der wirtschaft-
lichen Vorteile des Verkehrs über Leipzig nebst einer zahlenmäßigen
Gegenüberstellung der Kosten des direkten Verkehrs. Herausgegeben vom
Verein Leipziger Kommissionäre September 1926. 2. verbesserte Auflage,
Leipzig 1926.

Wie verkehrt man über Leipzig? Die Technik des Verkehrs über Leipzig.
Herausgegeben vom Verein Leipziger Kommissionäre. 3. Auflage.
Leipzig 1926:

X. Bibliographie.

Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler.

A

Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Enthaltend: J. Gold-
Friedrich, Geschichte und Verfassung des Börsenvereins. .Dr. Wahl, Die
Deutsche Bücherei. Dr. Hans Wolf, Die graphischen Sammlungen. Inter-
nationale Ausstellung, Leipzig 1914. .
rommann, F. J., Geschichte des Börsenvereins der Deutschen Buch-
händler, Leipzig 1875.

Publikationen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. Band I-—XIII
{1874-—1912). Die Bände VI, VII, VIII sind vergriffen.

Verhandlungen der Konferenz zur Beratung buchhändlerischer Reformen,
abgehalten zu Weimar am 18., 19. und 20. September 1878, Leipzig 1878.

Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. Sonder-Ausgabe aus Anlaß des
Jubelfaates Kantate 19925.
Inhaltsübersicht:

Grüße und Wünsche.

Hundert Jahre Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Rückblick
und Ausblick, von Bernh. Hartmann.

Der Börsenverein und der Verlag, von Dr. Wilh. Ruprecht.

Börsenverein und Leipziger Zwischenbuchhandel, von Dr. Gerh. Menz.

Börsenverein und Antiquariat, von Dr. Karl W. Hiersemann.

Börsenverein und Musikalienhandel, von Dr. Max Schumann.

Börsenverein und Kunstverlag, von Ernst Schultze.

Die historische Kommission des Börsenvereins der Deutschen Buch-
händler, von Dr. Alfred Druckenmüller.

Die Geschäftsstelle in Vergangenheit und Gegenwart, von Geschäfts-
führer Dr. Albert Heß,

Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, von Dr. Gerh. Menz,

Die Bibliothek des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, von
Dr. J. Goldfriedrich,

Was leistet die Deutsche Bücherei für den Buchhandel? von Biblio-
thekar Dr. Hans Praesent.

Anzeigenteil, Leipzig 1925.
        <pb n="97" />
        X. Bibliographie.

39
Verzeichnis der Sammlungen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler
zu Leipzig, Band I—I11 (1885—1902).
I. Katalog der Bibliothek des Börsenvereins (1885).
II. Verzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins vorhandenen
Geschäftsrundschreiben (1897).
II. Katalog der Bibliothek des Börsenvereins, I. Supplement, Zuwachs
1885—1901 (1902).

Der Akademische Schutzverein und der deutsche
Buchhandel
Bücher, Dr. Karl, Der deutsche Buchhandel und die Wissenschaft, Denk-
schrift im Auftrage des Akademischen Schutzvereins verfaßt, Leipzig 1903.

Groß, K. L., Der deutsche Buchhandel und Herr Professor Bücher, Stutt-
gyart 1904.

Grunow, J., Vom Bücherkaufen und von Eücherpreisen in Deutschland,
Leipzig 19038.

Köhler, W., Analyse des Literaturwertes. Anlagen zu den kontradik-
torischen Verhandlungen über deutsche Kartelle, Band 2, Berlin 1904.

Köhler, Ph. W., Der deutsche Buchhandel im Dienste der Wissenschaft,
Denkschrift zur Kritik und Abwehr der Bestrebungen des Akademischen
Schutzvereins, Heidelberg 1904,

Prager, R. L., Die „Ausschreitungen des Buchhandels“, Antwort auf die
Denkschrift des Akademischen Schutzvereins, Berlin 1903.

Salvisberg, P. v., Das Preiskartell der deutschen Buchhändler und Hoch-
schulen, München 1904. ;

Theorie und Praxis, Antwort auf Büchers Denkschrift, bearbeitet vom Vor-
stande des Verbandes der Kreis- und Ortsvereine im deutschen Buchhandel,
Hamburg 1908.

Trübner, K., Wissenschaft und Buchhandel, zur Abwehr, Jena 1903.

Verhandlungen, Kontradiktorische, über deutsche Kartelle, Heft 7, Verhand-
lungen über den Börsenverein der Deutschen Buchhändler am 11.—13. April
1904 im Reichsamt des Innern und im Reichstagsgebäude zu Berlin,
Berlin 1904.

Wissowa, Fr., Buchhandel und Wissenschaft, Sonderabdruck aus dem Jahr-
buch für National-Ökonomie und Statistik, Band 82. 1904.

Der buchhändlerische Beruf und die Eignungsfirage.

Bäuerle, Direktor Th., Der Beruf des Buchhändlers im Lichte der Volks-
erziehung, Hannover 1927.

Büchner, K,, Der Buchhandel und seine Leute. Die Lehrlinge im Buch-
handel. Vollst. Übersichtsplan ihrer Ausbildung u. Fortbildung. Mit einigen
manierlichen und neuzeitgemäßen Bemerkungen über die Gehilfen. (Streif-
lichter zur Geschichte des Buchhandels, 2. Heft.) Stuttgart o. Jahreszahl.

Diederichs, E., Der Buchhändlerberuf und die Fragen der modernen
Kulturentwicklung, Berlin-Schöneberg 1914.

Handbuch der Berufe. Im Einvernehmen mit der Reichsarbeitsverwaltung
herausgegeben vom Landesarbeitsamt Sachsen-Anhalt, Magdeburg. Teil I.
Berufe mit Volks-, Mittel- oder höherer Schulbildung. Unter Mitwirkung
der Reichsarbeitsverwaltung, der Landesarbeits- und Berufsämter, örtlicher
Arbeits- und Berufsämter sowie des sächsischen akademischen Auskunfts-
amtes für Studien- und Berufsfragen, Leipzig. Bearbeitet vom Landes-
arbeitsamt Sachsen-Anhalt, Abt. Landesberufsamt. I. Band Berufsgruppen
{—IV. Abgeschlossen am 30. April 1927.
        <pb n="98" />
        30
Handbuch der Berufe. Teil II. Akademische Berufe; Bearbeitet vom Säch-
sischen akademischen Auskunftsamt für Studien- und Berufsfragen, Leipzig.
(Seite 358-—860: Buchhändler mit Hochschulbildung: Buch- und Zeit-
schriftenverlagsredakteur, Lektor.) Selbstverlag des Landesarbeitsamtes
Sachsen-Anhalt, Magdeburg 1927.

Hölscher, Georg, Der Buchhändler. (Aus: Was willst du werden? Die
Berufsarten des Mannes in Einzeldarstellungen.) Leipzig 0. Jahreszahl.

Jjagow, K., u. Matthae sius, Fr., Geschichte (Dünnhaupts Studien- und
Berufsführer, Band 1). Seite 15: Der Verlagsredakteur. Dessau 1922.

Jende-Radomaki, Dr. Hilde, Frauenberufe, 3., neubearbeitete Auflage
(Dünnhaupts Studien- und Berufsführer, herausgegeben von Dr. Kurt Jagow
and Dr. Fr. Matthaesius, Band 5). Enthaltend: IV. C. Bibliothekarin, V. B.
Zuchhandlungsgehilfin. Dessau 1927.

Mein künftiger Beruf. Praktischer Ratgeber bei der Berufswahl. 38. Der
Buchhandel. Mit einem Anhang: Der Musikalienhandel und der Kunsthandel.
Leipzig 0. Jahreszahl.

Piorkowski, Dr. Curt, Die psychologische Methodologie der wirtschaft-
lichen Berufseignung, 2. Auflage, Leipzig 1919. _

Streller, Dr. Justus, Die Berufseignung des mittleren kaufmännischen
Bureaubeamten im Buchhandel, Leipzig 1921.

Trost, Klara, Frauenarbeit in Zeitung und Buchhandel, Berlin 1923.
Weber, Dr. Dr. Wilhelm, Praktische Psychologie im Wirtschaftsieben,
Leipzig 1927,

Unwin, Stanley, The Truth about Publishing, London 1926, deutsch
a. d. T. „Das wahre Gesicht des Verlagsbuchhandels“ von Fritz Schnabel,
Stuttgart 1927.

Deutsche Buchhändler-Lehranstalt zu Leipzig
unter Aufsicht des Sächs. Wirtschaftsministeriums / Gegründet 1853
=
jeweils Ostern beginnend, für hochschulmäßige Ausbildung in Buch-,
Kunst- und Musikalienhandel, auch für Damen und Ausländer,
mit Abschlußprüfung und Zeugnis am Schlusse des Schuliähres.

a

Satzungen und Lehrplan gegen eine halbe Reichsmark durch Ober-
studiendirektor Prof. Dr. Frenzel, Deutsches Buchhändlerhaus in
Leipzig, Platostraße 1a.
        <pb n="99" />
        ABRECHNUNGS-GENOSSENSCHAFT
DEUTSCHER BUCHHAÄANDLER E. G. m.b. H.
BAG

bewährt sich als
vorteilhaftester Zahlungsausgleich
für Verlag und Sortiment!

Mitgliederzahl 2532
Verleger 925 - Sortimenter 1607
Wer noch nicht Mitglied ist, wolle
im eigenen Interesse beitreten
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Eintrittsgeld 5 Mk.

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DEUTSCHER BUCHHÄNDLER E. G. m.b. H.
Leipzig - Postschließfach 324
        <pb n="100" />
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über Leipzig sowie durch die Post
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menter-Firmen, davon verkehren über Leipzig 2445 und direkt 355.
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Auf Briefumschläge gedruckt . . . . . . . Preis M. 15,—
Sämtliche Buchsortimenter, 7780 Firmen, davon verkehren über
Leipzig 6029 Firmen und direkt 1751 Firmen . Preis M. 25,—
Auf Briefumschläge gedruckt . . . . . . ‚. Preis M. 40,50
Sämtliche Musiksortimenter, 3088 Firmen, davon verkehren über
Leipzig. 2575 Firmen und direkt 513 Firmen , . Preis M, 18,50
Reine Musikalienhändler (Sortiment und Verlag), 1188 Firmen.
Dieselbe enthält 798 Musikaliensortimenter und 390 Musikalienverleger,
Davon verkehren über Leipzig 699 Musiksortimenter und 351 Musik-
rerleger, direkt 99 Musiksortimenter und 39 Musikverleger

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Katholische Adressen, 930 Firmen, die für katholische Literatur
[Interesse haben. Davon verkehren über Leipzig 752 und direkt
178 Firmen. 2. ..0..00.00.0.. . «+. Preis M. 10,—
Bahnhofsbuchhandlungen, 194 Firmen, davon verkehren über
Leipzig 89 Firmen und direkt 78 Firmen, sowie 27 italienische Bahn-
hofsbuchhandlungen . . . . 2. 2... .1. . Preis M. 3,—
Verleger-Adressen, 3144 Verleger-Firmen, davon verkehren über
Leipzig 2596 und 548 direkt. ... . . . , + Preis M. 12,—
Auf Briefumschläge gedruckt . . . . . ._. Preis M. 17,—
Reise- und Versandbuchhandlungen, 602 Firmen, davon ver-
kehren über Leipzig 403 und direkt 199 Firmen , Preis M, 10,—
Evang. Buchhandlungen 1176, davon verkehren über Leipzig
1128 und direkt 148. . 0... 0.0. + . . Preis M. 10,—
Reine Antiquare 304, davon über Leipzig 161 und direkt 1438.

Preis M, 3,—
Sämtliche Antiquare 1597, davon über Leipzig 1187 und direkt 460.

Preis M. 15,—
Bade- und Kurortbuchhandlungen, 649 Firmen, davon verkehren
über Leipzig 486 und direkt 168 . . . . .'. Preis M. 10,—
Reine Kunsthandlungen, 154 Firmen, davon verkehren über Leipzig
85 und direkt 69. . ...0.. 0... . . Preis M. 3,—
Sämtliche Kunsthandlungen, 2358 Firmen, davon verkehren über
Leipzig 1894 und direkt 464. . ... . + - Preis M. 15,—
Kunstverleger, 162 Firmen, davon verkehren über Leipzig 100
and direkt 62 . . 0.0.0.0... 0 4. + . Preis M. 8,—
Leihbibliotheken, 658 Firmen, davon verkehren über Leipzig 512
and direkt 146 . 2. 0.0.0... „ . Preis M. 10,—

)

+

5

3

x

Q

10.

11.

192.

13.

14.

15.
16.

DER. VEREIN DER BUCHHANDLER ZU LEIPZIG
        <pb n="101" />
        DER VEREIN DER BUCHHÄNDLER ZU LEIPZIG
Fernsprecher: 21421, 16373 u. 21155 - Postscheckkonto: Leipzig 14968
17. Journal-Lesezirkel, 170 Firmen, davon verkehren über Leipzig 134
und direkt 8368... ........ . .' Preis M, 3,—
Universitäts-Buchhandlungen, 228 Firmen, davon verkehren direkt
37 Firmen 2. 2 2 1 Preis M. 3,—
Hrosso-Buchhandlungen, 131 Firmen, davon verkehren direkt
38 Firmen... 0.0.00... . . . Preis M. 2,—
Buchhandlungen für Rechts- und Staatswissensch., 257 Firmen,
lavon verkehren direkt 30 . ...... . Preis M. 8.—
Deutsche u. ausl. Export- u, Importbuchhandlungen, welche das
leutsche Buch vertreiben, 242 Firmen, davon verkehren direkt
50 Firmen... 00.000001. + . Preis M. 3,—
Lehrmittelhandlungen, 300 Firmen, davon verkehren direkt
59 Firmen... 00.000.000... Preis M. 3,—
Landkartenhändlungen, 104 Firmen, davon verkehren direkt
18 Firmen, . ..0..0 2.0000. . , Preis M. 2,—
Schulbuchhandlungen, 188 Firmen, davon verkehren direkt
31 Firmen... 0. ..0....0 0... . Preis M, 250

Zeitschriftenhandlungen, 285 Firmen, davon verkehren direkt

59 Firmen... 0.0.0.0. 2 000... Preis M. 83,—

Sämtliche Adressen können direkt von uns bezogen werden.

Die Adresse umfaßt einen Raum 95 em. — Wir bitten, bei

Herstellung der Prospekte darauf Rücksicht zu nehmen, damit
nicht Text verklebt wird.

Die Sammlung von neuen Adressen wird fortgesetzt. Die unter Nr. 2
aufgeführten Adressen werden nach Ländern und Provinzen geordnet.
Fertig liegt vor:

Firmen M.
10 —

Firmen M.
Sachsen ........ Prov. Hessen-Nassau . 236 3,—
Thüringen-Waldeck. . Prov. Ostpr., Westpr.,
Provinz Rheinpreußen Danzig ....... 154 2,—
Provinz Pommern... Provinz Sachsen ... 297 3.—
Bayern ......... Provinz Westfalen und
Württemberg ..... Lippe-Detmold ... 399 5,—
Provinz Brandenburg , Saargebiet ...... 52 1,—
Anhalt-Baden ..... Desterreich ...... 404 5,—
Hansestädte Hamburg Ungam......... 119 2—
Lübeck, Bremen .. Tschech. Rep. ... 427 B,—
Braunschweig ..... Jänemark ...... 307 %—
Provinz Schlesien . Polen.......... 245 3,50
Volksstaat Hessen . Afrika „........ 52 1—
Provinz Hannover .. Nordamerika . ..... 291 b,—
Mecklenbg.- Schwerin - Mittelamerika ..... 57 ‚—
Strelitz ....... Südamerika ...... 284 ‚—
Freistaat Oldenburg . a} Elsaß-Lothringen ... 69 1,—
Prov.Schlesw.-Holstein 119 %— Schweiz ........ 206 3,—
Die Frankierung von Rundschreiben für den direkten Postversand
wird ebenfalls gewissenhaft erledigt,
DER VEREIN DER BUCHHÄNDLER ZU LEIPZIG

"120%" 00ER HARD UENGEEL “PP  HARCLCRAERNL,
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        MUSIK -

jeder Art und aller Verleger
soweit im Handel erschienen
‚1 Nefert
Musikalien - Bar - Sortiment
Friedrich Hofmeister, G.m.b. 1.
Leipzig €'h Karilstraße 10
I Umfangreiches Lager.
\ Spezial-Kataloge auf Wunsch.
Vorteilhafte Belieferung:
+ Schnelle Bedienung:
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Hofmeisterhaus
"N ke a

Unfer Kind und Die SOHule
von VBrof. Dr. MW. Klatt.
80. 216 S. SGanzleinen. RW 3.—
Bon der Seele der Baukunit
von Brof. Dr.-Ing. Paul Klopfer.
80. 152 S. und 30 Bildtafeln. Halbleinen. RM 3.—
Bon Werden und Wejen
der Bühne
von Dr. Johannes Günther. ,
80. 974 S, und 16 Bildiafeln. Halbleinen. RW 4.—
Organijche Bildung
Ein Führer zu Büchern und zum Wiffen
von Dr. HS. Ammon.
89. 136 S. Halbleinen. RA 3.—
SGeift des Morgenlandes
Dan KA ; N at Bilbkaiehn. Ganzleinen. RA 3.—
Sanzkunit
von Dr. Frig Böhme.
&amp;0 918 S. und 23 Bildtafeln. Sanzleinen. RAN 3.—
S. Dünnbaupt Verlag / Deffau
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        DÜNNHAUPTS STUDIEN- UND BERUFSFÜHRER

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se schichte
von Dr. Kurt Jagow und
Dr. Friedrich Matthaesius
Band 2:
Psychologie und
P--rhotechnik
von Dr. Fritz Giese
Privatdoz. an der Techn. Hochschule Stuttgart.
Band 3:

Yatic »zFökonomie
von Dr. Carl-Max Lüttgens
und Dr. Otto Wicht.

2, Auflage in Vorbereitung.
Deut ;e Sprache
und Literatur
von Dr. phil. H. Ammon.
Band 5:
Frauenberufe
vonDr. Hilde Jende-Radomski.
3. vermehrte Auflage.

Band 1:

Band 9:
Landwirtschaft
von Dr. Guido Matschenz,
Band 10:
Englische Sprache
und Literatur
von Dr. phil. Wilhelm Roth
M. A. (Harvard), Studienrat
Band 11:
Chemie
von Dr. Walter Becker,
Band 12: .
Die philosophische
Doktorwürde
von Dr. phil. H. Ammon.
Band 13:
Journalistik
von Dr. K. Jaeger.

Band 14:
Zahnheilkunde
von
Dr. Dr. h. ce. Rudolf Kaldewey.

Band 15:

Film und Kino
von Dr. Kurt Mühsam.
Band 17:
Medizin
‚on San.-Rat Dr. Landsberg.
Band 18:
Hauswirtschaft
von Dr. h. c. Hedwig Heyl.
Band 19/20:

Leibesübungen
von Dr. H. Sippel.
C.DÜNNHAUPT VERLAG / DESSAU
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        Der Verkehr über Leipzig
ist in der Zusammenfassung des
Waren- und Geldverkehrs in Leipzig
der notwendige Ausgleich gegenüber der
Dezentralisation des deutschen Verlages
in seiner örtlichen Verteilung über
das deutsche Sprachgebiet.

Er ist daher
die wirtschaftlichste Betriebsform für
Verlag wie Sortiment.

Den Nachweis führen wir in unserer Druckschrift:
„Weshalb verkehrt man über Leipzig?“
Die Handhabung des Verkehrs über Leipzig und die
praktische Ausnutzung desschnellen und zuverlässigen
empfohlenen Verkehrs
ergibt sich aus unseren Schriften:
Wie verkehrt man über Leipzig?“ una
»„
„Wer liefert in Leipzig aus?“

Die genannten Schriften stehen unseren Geschäfts-
freunden durch unsere

Heschäftstelle Leipzig C1, Hospitalstr. 22
zur Verfügung.
Verein Leipziger Kommissionäre.
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        Carl Fr. Fleischer
RES)

Kommissions - Buchhandlung €5
® ®
Schließfach Nr. 160 Leipzig CL Satomonstr. 16
Fernsprecher 72681 . Telegramme: Bücherfleischer, Leipzig
ampfiehlt sich
dem Verlags-, Antiquariats-
und Sortimentsbuchhandel zur
Übernahme der
Vertretung in Leipzig
und Erledigung des Waren- und
Zahlungsverkehrs über Leipzig,
bei gewissenhafter u. individueller
Bedienung.

Der Verkehr über Leivzig ist
schnell, billig und verläßlich.
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        KOEHLER &amp; VOLCKMAR
‚-G. &amp; Co.
Hospitalstraße 10T ETPZIG C1 Tisbebenweg 21

JE
Abteilung Barsortiment
Telegrammanschrift:
Barsortiment

Leistungsfähigste und
bequemste Bezugsquelle
für das gesamte Sortiment.

Dauernde
Bücherausstellung
Hospitalstraße 10.

Lehrmittelwerkstätten
Telegrammanschrift:
Lehrmittel
Umfassendes Lager aller
Lehrmittel für Schulen
jeder Art.

Dauernde
Lehrmittelausstellungen
in Berlin W 9, Potsdamer
Straße 13 und Leipzig,

Täubchenweg 21.
Abteilung
Kataloge und Vertriebsmittel
Hospitalstraße 10 / Telegrammanschrift: Barsortiment.
Herstellung und Vertrieb desLiteraturkatalogs, des Barsortiments-
Lagerkatalogs mit Schlagwortregister, ferner der „Bücher-
verzeichnisse aus allen Gebieten“ (Kompendienkataloge), des
monatlich erscheinenden Verzeichnisses für das Publikum „Neues vom
Büchermarkt“, des etwa 4000 Titel umfassenden Katalogs „Das
billige deutsche Buch“, des etwa 2000 Titel mit Besprechungen um-
{assenden Katalogs „Das wertvolle deutsche Buch“, des Lite-
rarischen Weihnachtskatalogs, des vielfarbigen Weihnachts-
Plakates, Kochler &amp; Volckmar’s Literaturführer sowie der Vertriebs-
zeitschrift „Blätter für Bücherfreunde“ (Literarische Neuigkeiten).
Prospekte der Kataloge und Vertriebsmittel kostenlos.
Kommissionsgeschäfte:
K. F. Koehler F. Volckmar
L. Staackmann Carl Cnobloch Robert Hoffmann
Hermann Schultze E. F. Steinacker
Hospitalstraße 10 / Telegrammanschrift: Buchkonzern
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IX. Buchhändlerische Fachblätter,

83

.ags-Verlag, in Deutscher Zeitungsverleger (Herausgeber der
gi Baba E. V. Geschäftsstelle Berlin W 10, Matthäi-
'aße 3. N

asthandel.“ Schriftleiter a Ehbets, Lübeck, Verlag
‚unsthandel“, Lübeck, Königstraße El . .
ıbschneider, Der Ochs vom Sr zuenstein, beide bei Eugen Diederichs
4 erscheinen nicht mehr.
+
b) Tschechoslowakische Republik.
händler. ‚Mitteilungs- und Ankündigungsblatt der deutschen Buch-
organisationen in der Tschechoslowakei. Organ des Verbandes der
en Buch-, Kunst- und Musikalienhändler und -verleger in der
Seal (Sitz Dux). Herausgeber und Verleger Franz Kraus,
DE. X is

‚Taßurblätter, bibliographische und allgemeine
Vertriebszeitschriften.
»hie der Rechts- und Staatswissenschaften. Verlag R. L. Prager,
NW 7, Mittelstraße 21. .
erstube. Blätter für Freunde des Buches und der zeichnenden
Verlag Horst Stobbe, München II C, Promenadestraße 12. N
78 Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien.
Friedrich Hofmeister, Musikalien-Verlag, Leipzig, Karlstraße 10.
des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum. Herausgeber
rleger Deutscher Verein für Buchwesen und Schrifttum. Leipzig C1,
ıe Bücherei, Philipp-Rosenthal-Straße.
‘hes Zentralblatt für Deutschland. Herausgeber Deutsche Bücherei,
. Verlag Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Leipzig, Ge-
ag 26.
atur. Monatsschrift für Literaturireunde. Herausgeber Ernst Heil-
Verlag Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, Neckarstraße 121/23.
Novitates. Bibliographie der Naturgeschichte und der exacten
schaften. Verlag R. Friedländer &amp; Sohn, Berlin NW 6, Karlstr. 11.
18 Literatur. Herausgeber Will Vesper. Verlag Eduard Avenarius,
o Roßstraße 5/7, .
© für Bücherfreunde. Herausgeber Prof. Dr. Georg Witkowski.
E. A. Seemann, Leipzig, Hospitalstraße 11 a.
*t für Bibliothekswesen. Herausgeber Prof. Dr. Walther Schultze,
Verlag Otto Harrassowitz, Leipzig, Querstraße 14. U
velfisch. Herausgeber Wolfgang von Weber, München 13, Brieffach,
ür Bücherfreunde. Literarische Neuigkeiten. Vertriebszeitschrift.
zur Ferd, Uter. Verlag Koehler &amp; Volckmar A.-G. &amp; Co. Leinzig,
iraße 35/37,
et.  Monatlicher Anzeiger von Neuerscheinungen des deutschen
ndels. Verlag H, Dilcher, Frankfurt a. M., Hohemarkstraße 3,
herwurm, Monatschrift für Bücherfreunde. Herausgeber Walter
rdt. Verlag Einhorn-Verlag, Leipzig, Langestraße 28.
sche Buch. Monatschrift für die Neuerscheinungen deutscher Ver-
Redakteur Dr. Aug, von Loewis of Menar und Dr. Friedr. Michael,
Börsenverein der Deutschen Buchhändler, Leipzig, Gerichtsweg 26,
kucksei, Herausgeber Dr. W. Reiss. Verlag „Das Kuckucksei“.
anda-Verlag Dr. Walter Reiss, Berlin SW 68, Alexandrinenstr. 110.
he Novitäten, Intern. Rundschau über alle Neuerscheinungen der
üschen Wissenschaften, Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig,
astraße N
3 8
DB
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