schwerere Sorte. Wenn man die Beamten, die Verwaltung fragt; warum eigentlich dieser oder jener, von dem es bekannt ist, daß er aus politischen Gründen im Gefängnis sitzt, wie ein gemeiner Ver- brecher behandelt wird, so heißt es: Der Mann ist nicht zur Ge- fängnisstrafe oder zur Internierung verurteilt, sondern zum Zucht- haus, und der zum Zuchthaus Verurteilte ist kein politischer Ge- fangener. Diese Art der Behandlung ist geradezu lächerlich, Kann denn die Art der Strafe die Natur des Delikts bestimmen? In keinem Falle. Nach dieser Auffassung z. B. ist jemand; der zu Zuchthaus schlechthin verurteilt ist, ein gemeiner Verbrecher; berücksichtigt aber das Gericht irgendeinen Milderungsgrund und verwandelt die Zuchthausstrafe in eine Gefängnisstrafe oder in Internierung, so ist er ein politischer Gefangener, bekommt die Qualifikation eines po- litischen Gefangenen; das Verbrechen aber ist ein und dasselbe, Auf diese Weise wollte ich nur illustrieren, wie in Jugoslawien die politischen Gefangenen zu gemeinen Verbrechern gestempelt werden. In Wirklichkeit ist die Behandlung der politischen Ge- fangenen noch schlechter als die der ärgsten gemeinen Verbrecher, Ich werde in einigen Worten die Methode des Strafvollzugs auf- zeigen. Die jugoslawischen Gefängnisse und Zuchthäuser werden nach dem sogenannten irländischen System verwaltet, Nach diesem kommt der Gefangene vorerst in die Einzelhaft, darin muß er mindestens zwei Monate sitzen, Wir haben aber auch Fälle, wo er drei, vier, sechs Monate in dieser sogenannten Quarantäne sitzen muß, Ferner dürfen die politischen Gefangenen nie zusammen in einem Zimmer sein, Wegen Raubmord Verurteilte — es mögen zehn Leute einer Bande sein — kommen in ein Zimmer, Wenn es aber politische Häftlinge sind, zwei oder drei, werden sie streng separiert,. Wenn sie zufällig auf dem Hof der Anstalt oder sonst bei einer Gelegenheit zusammenkommen, dürfen sie nicht zusammen sprechen, jeder Fall wird mit einer Disziplinarstrafe geahndet, Die erste Strafe ist ein Tag Einzelhalt, drei Tage, zwei Wochen, ein Monat, drei Monate Einzelhaft, und manchmal auf unbestimmte Zeit Einzelhaft. Es gibt aber politische Gefangene, die eine endlose Zeit in Einzelhaft waren, die fünf Jahre nicht aus der Einzelhaft herauskommen, Ich erinnere hier z. B. an Stejitsch, der ein Attentatsversuch verübt hat, Er kam tünf Jahre nicht aus der Einzelhaft heraus, Dabei mußte er während der ganzen Zeit Ketten tragen. Das ist, besonders im Winter, eine sehr schwere Strafe, denn in den Einzelzellen wird nicht geheizt. Eine weitere Disziplinarstrafe, die viel Anwendung findet, ist das sogenannte Anbinden. Viele werden sich vom Militär her dieser Art der Disziplinarstrafe erinnern, Diese Strafe ist gang und gäbe. Sechs Stunden Eisen heißt es dort, d, h., man wird sechs Stunden angebunden. Diese Art der Strafe wird vom Gesetz für die gemeinen Verbrecher verboten, bei politischen Verbrechen findet sie noch An- wendung, Genosse Stejitsch hat ungefähr fünf Jahre Ketten ge- tragen, viele andere vier Jahre, z. B. Zipuschewitsch, Drei Jahre Ketten ist schon eine häufige Sache, Auch gemeine Verbrecher tragen Ketten, aber in keinem Fall so lange wie die politischen, Die gemeinen Verbrecher können eine bedingungsweise Frei- lassung, Beurlaubung in Anspruch nehmen, die politischen Gefange- nen haben niemals das Recht dazu, Es gibt keinen einzigen Fall, 73