Kammern mit Häftlinge vollgestopft werden, denen man nicht ge- stattet, während 20 Tage die Schwelle zu überschreiten; sie werden selbst nicht auf den Abort gelassen, der Abort wird durch einen Kübel ersetzt; sie werden bei Brot und Wasser in einer unmöglichen Atmosphäre gehalten, der frischen Luft ganz beraubt, ' Die zweite Art der Strafe ist die Uebersiedlung in eine Zelle mit Kriminellen, was sehr oft bei Frauen praktiziert wird, Trotz aller Foltern und Mißhandlungen ist der Geist unter den Ned Gefangenen gut, wobei es unter ihnen Dutzende und underte gibt, über die schon vier Jahre die Todesstrafe schwebt. Es gibt unter ihnen solche, die seit zwei, drei und vier Jahren beim Schlafengehen abends nicht wissen, ob man sie nicht am Morgen zum Galgen oder zur Erschießung führt. Die zum Tode Verurteilten werden gekettet; ihre Ketten werden weder bei Tag noch bei Nacht abgenommen. Eine ärztliche Hilfe gibt es in den Gefängnissen nicht, Ist die Gefängnisverwaltung gezwungen, einen Arzt von außen zu rufen, so wird der Gefangene dieser Hilfe nur in einem furchtbar erschöpften Zustand teilhaftig, Ich führe hier das Beispiel des politischen Ge- fangenen Patow an: Seine Frau ist Aerztin und erwirkte’ für ihn eine unbedingt nötige Operation bei voller Narkose. Die Narkose erfolgte derart, daß es nur der Einmischung der Frau zu danken ist, daß Patow nicht für ewige Zeiten eingeschläfert wurde, Unmittelbar nach der Operation wurde er gezwungen, zu Fuß nach dem Zentral- gefängnis von Sofia zurückzukehren, Ein solches Regime besteht nicht nur im Zentralgefängnis, son- dern auch in den Provinzgefängnissen., Jetzt kann in der Gefängnispraxis der bulgarischen Machthaber noch folgende Erscheinung festgestellt werden: den politischen Ge- fangenen werden nicht nur die Besuche der Verwandten, sondern auch die der Verteidiger verboten, Um die Besuchsmöglichkeit außer- dem zu erschweren, werden die Gefangenen in Geflängnisse versetzt, die weit von dem Aufenthaltsort der Verwandten entfernt liegen, Die Besuche, wenn sie doch noch ausnahmsweise gewährt werden, beschränken sich auf eine sehr kurze Zeit, wobei der Besuch vom Gefangenen durch ein Eisengitter getrennt ist; außerdem findet eine sehr strenge Bewachung statt. Der Zweck dieses Regimes ist, den politischen Gefangenen ihr moralisches Rückgrat zu brechen und letzten Endes sie phvsisch zu vernichten, ; Trotz alledem ist der Geist der politischen Gefangenen sehr gut: Als ein Geistlicher ihnen zu Weihnachten eine Predigt halten wollte, beantworteten sie diese mit der „Internationale‘, In der Nacht dran- gen „unverantwortliche‘“ Elemente — Offiziere und Faschisten — in die Zellen und prügelten alle Gefangenen, davon einige zu Tode. Vom Geist der Gefangenen zeugt weiter der Ihnen bekannte sieben- tägige Hungerstreik, Ungeachtet aller Schikanen entwickelt sich die Massenbewegung für die Amnestie immer mehr, Die Frauen und Mütter der Polit- gefangenen stehen an der Spitze dieser Bewegung, Jedermann weiß, daß es hier nicht um eine Begnadigung, sondern um die physische Rettung der politischen Gefangenen und damit um die moralische Stärkung der revolutionären Bewegung geht,