Vorwort zur Volksausgabe.

Dieselben Gründe, die mich vor einem Dutzend Jahren bewogen,
den Auftrag des Parteivorstandes der deutschen Sozialdemokratie
auf Herausgabe einer Volksausgabe des ersten Bandes des Marxschen
„Kapital‘‘ zu übernehmen, haben mich veranlaßt, demselben Ruf für
den zweiten und dritten Band zu folgen. Von Engels herausgegeben,
wurden diese beiden Bände jetzt frei, 30 Jahre nach seinem Tode,

Ich habe die Aufgabe übernommen trotz schwerer Bedenken,
verzögert sie doch den Abschluß einer großen Arbeit, mit der ich
schon lange beschäftigt bin. Und meine Arbeitskraft erlaubt mir
nicht mehr so intensives Schaffen wie ehedem. Endlich konnte ich
nicht mehr auf die Mithilfe der beiden Freunde rechnen, die mir bei
der Herausgabe des ersten Bandes zur Seite gestanden waren. Rja-
sanow, der das Register fertigstellte, hat sich räumlich wie politisch
So sehr von mir entfernt, daß ein Zusammenarbeiten schwer möglich
ist. Und Gustav Eckstein, eine der größten Hoffnungen der jüngeren
Generation der Marxisten, erlag im Sommer 1916 den Entbehrungen,
die der Weltkrieg ihm wie uns allen auferlegte und denen sein kran-
ker Körper nicht gewachsen war.

Glücklicherweise fand ich einen ausreichenden Helfer in meinem
Sohne Benedikt, der in ökonomischen Dingen theoretisch und auch —
als Sekretär der Wiener Arbeiterkammer — praktisch gut geschult ist,
konsequent marxistisch denkt und den zweiten und dritten Band des
„Kapital‘“ aufs gründlichste durchgeackert hat. Wir arbeiteten nach
gemeinsamem Plan zusammen, dabei ist aber immer mehr der größte
und schwierigste Teil der Arbeit auf ihn gefallen. Ich werde als Her-
ausgeber genannt, weil ich den Auftrag zur Ausgabe erhielt, sie
kontrollierte und die volle Verantwortung für sie trage. Aber an der
Arbeit des Herausgebers hat mein Sohn wohl größeren Anteil als ich.

Das Register stammt vollständig von ihm. Dessen Abfassung war
diesmal noch weniger leicht als für den ersten Band; denn dem
zweiten und dritten Band fehlen viel mehr konkrete Tatsachen, es
überwiegen dort abstrakte Gedankengänge, die für ein Sachregister
kaum zu fassen sind,

Aber auch bei der Herausgabe des Textes erwies sich unsere Auf-
gabe über Erwarten groß und schwierig. Allerdings, hätten wir
bloß eine Volksausgabe veranstalten wollen, wäre die Arbeit ge-
ringer gewesen als am ersten Band.

Wie bei diesem, sollte auch bei dem zweiten und dritten Band das
Wesen der Volksausgabe nicht dadurch erreicht werden, daß wir den
Text irgendwie „popularisierten‘. Den Ideengehalt des „Kampital‘