Vorwort zur Volksausgabe

XI
Dadurch, daß Engels statt Marx die Schlußredaktion vornahm,
wurden aber auch die zahlreichen Anglizismen fast ganz ausgetilgt,
die in den Marxschen Manuskripten seiner späteren Zeit und auch im
ersten Band des „Kapital“ so sehr überwucherten und einen großen
„Reinigungsprozeß‘‘ nötig machten.

Alles das nahm uns für die vorliegende Ausgabe relativ weni-
ger in Anspruch. Vergrößerte Arbeit erwuchs uns dagegen daraus,
daß es uns darum zu tun war, nicht bloß eine Volksausgabe
herzustellen. So wie die von mir veranstaltete Ausgabe des
ersten Bandes, sollte auch die der beiden letzten Bände nicht
nur mit Behelfen versehen sein, die das Studium dem nicht
akademisch Vorgebildeteten erleichterten, sondern sie sollte auch
dem wissenschaftlichen Fachmann dienen, sollte die bisher zuver-
lässigste Ausgabe des „Kapital‘‘ überhaupt darstellen.

Wir konnten dabei freilich nicht so weit gehen, wie mancher
unserer Freunde wünschte,

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß der Text des zweiten
und dritten Bandes von Engels aus einer Reihe von Marxschen
Manuskripten hergestellt wurde, die teilweise sehr bruchstückartigen
Charakter trugen, von denen keines druckreif war.

Es sind nun Vermutungen laut geworden, Engels habe nicht
immer den Margschen Gedankengang voll erfaßt und die
Manuskripte nicht immer diesem Gedankengang entsprechend
angeordnet und redigiert. Daher sprachen manche meiner
Freunde den Wunsch aus, ich solle den von Engels fertiggestellten
Text an der Hand der Marxschen Manuskripte nachprüfen und
richtigstellen.

Dieser Anforderung konnte ich nicht entsprechen. Nehmen wir
an, es gelänge mir, die ungeheure Arbeit zu wiederholen, die Engels
fast ein Jahrzehnt lang beschäftigte, und ich käme dabei in dem
einen oder andern Punkte zu einem andern Ergebnis als Engels.
Welche Gewähr hätten die Leser, daß gerade meine Auffassung dem
Marxschen Gedankengang näher käme als die Engelssche ?

Um allen Bedenken zu genügen, wäre es notwendig, den Kri-
bikern die Möglichkeit zu geben, selbst zu urteilen. Das heißt, man
müßte sämtliche Marxschen Manuskripte, so wie sie sind, veröffent-
lichen, Das ergäbe mit großem Kraftaufwand ein ganz unleserliches
Buch, das bloß für einige Dutzend Marxforscher von Interesse wäre,
Eine wissenschaftliche Institution mit großen Hilfsmitteln und zahl-
reichen Arbeitskräften könnte diese sicher bedeutungsvolle Aufgabe
lösen. Die jüngst angekündigte, von Rjasanow besorgte Gesamt-
ausgabe der Werke von Marx und Engels des Moskauer Marx-Engels-
Instituts wird sie wohl unternehmen. Soll doch das „Kapital“ in
dieser Ausgabe allein 13 Bände umfassen.

Ich allein vermöchte eine solche Arbeit nicht zu leisten, selbst
wenn ich jünger wäre und nicht vor Abschluß meines Lebens noch
einiges andere zu schaffen gedächte.