Vorwort zur Volksausgabe

XI
aufgebaut war. Das war im Original nicht immer der Fall. Die Rech-
nungen wurden nicht vereinfacht dadurch, daß Marx statt mit
dezimalen, mit gemeinen. Brüchen rechnete, auch bei Prozentrech-
nungen.

Wir haben auch hier unsere Resultate nicht einfach an Stelle der
von Marx-Engels veröffentlichten gesetzt, sondern diesen gegenüber-
gestellt und damit jedem Leser die Möglichkeit gegeben, die zweifel-
haften Rechnungen selbst nachzuprüfen.

Wir glauben allerdings nicht, daß sich viele Leser diese Mühe
geben werden. Und sie werden recht haben, wenn sie darauf ver-
zichten. Diese Ueberzeugung bildete allerdings gerade keinen An-
sporn bei dieser ebenso mühseligen wie undankbaren Seite unserer
Herausgeberarbeit.

{ch bin nämlich davon überzeugt, daß Marx, wäre es ihm ver-
gönnt gewesen, die beiden letzten Bände selbst zu vollenden, dabei
einen erheblichen Teil der Rechnungen weggelassen hätte, die in
ihnen zu finden sind. Sie waren ihm wichtig zu seiner Selbstver-
ständigung, sie bezeugen die kritische und gewissenhafte Art seiner
Arbeit, bei der er sich nicht damit begnügte, neue Gedanken zu ent-
decken und auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, sondern sich angelegen
sein ließ, jeden von ihnen in alle seine Konsequenzen zu verfolgen,
ehe er ihn als richtig akzeptierte. Aber Marx hätte wohl ebensowenig
diese gesamte Forscherarbeit seinen Lesern vorgesetzt, als er alle die
Tatsachen im „Kapital‘“ verzeichnete. von denen seine theoretischen
Erwägungen ausgingen.

Es erstand die Frage, ob wir nicht die Rechnungen, soweit sie
entbehrlich sind, aus der Volksausgabe weglassen sollten. Aber da-
gegen sprach schon der eine Umstand, daß unsere Arbeit nicht nur eine
Volksausgabe, sondern auch eine für alle wissenschaftlichen Zwecke
zum mindesten ebensosehr wie die bisherigen geeignete Ausgabe
darstellen sollte. Es durfte daher nichts von dem fehlen, was in
den bisherigen Auflagen zu finden war.

Nun erwog ich, ob man sich nicht in der Weise helfen könnte,
daß man zwar nichts von dem durch Engels veröffentlichten Text
wegließ, wohl aber diejenigen Stellen durch eine besondere Art des
Satzes kennzeichnete, die der Durchschnittsleser sich schenken
könnte, der nicht zu gelehrten Zwecken, sondern nur zu allgemeiner
Aufklärung über das Wesen des Kapitalismus an das Marxsche Werk
herangeht.

Indes auch dieser Ausweg erwies sich als ungangbar. Denn bei
näherer Betrachtung fanden wir keine Stelle, die wir einfach hätten
weglassen können, ohne die theoretische Entwicklung zu stören.

Wenn Marx die beiden Bände fertiggemacht hätte, wären aller-
dings, davon bin ich überzeugt, viele der im folgenden veröffent-
lichten Ausführungen und Rechnungen beseitigt worden. Aber er
hätte sie nicht einfach weggelassen, sondern dieselben Gedanken-
gänge, die er hier breit auf vielen Seiten variierte, knapp und präzis