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Vorwort zur Volksausgabe
So sind beide zum Beispiel in gleicher Weise daran interessiert,
daß die Zirkulation der Waren nicht stockt; denn jede derartige
Stockung bedeutet eine Krise, die von den schmerzlichsten. Er-
scheinungen begleitet ist. Ebenso sind beide daran interessiert, daß
der ruhige, stetige Verlauf der Zirkulation der Waren nicht durch
plötzliche Schwankungen in der Menge und dem Werte des Zir-
kulationsmittels, des Geldes, gestört wird.

Unter solchen Zirkulationsstörungen leidet der Arbeiter nicht
nur ebenso wie der Kapitalist, sondern oft in noch höherem Grade:
Eine Geschäftsstockung bringt nicht nur Lohnherabsetzungen, sondern
auch Arbeitslosigkeit, die furchtbarste Geißel des Arbeiters. Die
rasche, durch keine Ausdehnung der Warenzirkulation herbeigeführte
Ausgabe von Papiergeld, die „Inflation‘“, bewirkt, daß die Preise der
Waren sprunghaft steigen, während die Löhne ihnen nur langsam
folgen usw.

Die Arbeiter sind also an einer vernünftigen Wirtschaftspolitik
in bezug auf die Zirkulation ebenso interessiert wie in bezug auf die
Produktion. Aber da der Schwerpunkt des Klassengegensatzes auf
dem Gebiete der Produktion liegt, auf dem der Zirkulation vielfach
— keineswegs allgemein — eine gewisse Harmonie zwischen den
proletarischen und den kapitalistischen Interessen besteht, waren bis
zum Weltkriege für das Proletariat die Antriebe gering, sich um den
Zirkulationsprozeß eingehender zu kümmern. Man meinte, auf diesem
Gebiete sehe die Kapitalistenklasse sehon selbst nach dem Rechten.

In der Tat sorgte diese selbst für eine gesunde Währung.

Die Krisen freilich vermochte sie nicht zu beseitigen, wenigstens
nicht die großen Weltkrisen, die seit 1815 bis 1866 immer ‘wieder
ungefähr alle zehn Jahre auftraten. - Später traten sie in weniger
regelmäßigen Zeitabschnitten auf. Aber sie hörten nicht auf. Und
wir Sozialisten sagten selbst, daß diese Krisen unvermeidlich seien,
solange kapitalistisch produziert werde. Dagegen waren €8 gerade die
Kapitalisten, die hofften, die Krisen immer mehr mildern zu können
durch Unternehmerverbände, die die Produktion organisierten‘ und
jeder Ueberproduktion entgegenwirkten.

So standen die Dinge bis zum Weltkriege. Er hat die Verhält-
nisse auch auf den hier in Rede stehenden Gebieten gründlich um-
gewälzt.

Vor dem Kriege war in ganz Europa, schließlich selbst in Ruß-
land und Oesterreich eine gesunde Währung geschaffen und der letzte
Rest der aus den Zeiten des Absolutismus stammenden Geldfäl-
schungen, deren modernste Form die willkürliche Ausgabe von
Papiergeld ist, beseitigt worden.

Der Weltkrieg erzeugte bei allen Regierungen, die an ihm be-
teiligt waren, wenigstens den europäischen, den starken Drang, die
ungeheuren Kosten, die er verursachte, durch ungemessene Ausgabe
von Papiergeld zu decken. Diese Bewegung wurde bei manchen
Staaten noch nach dem Kriege fortgesetzt und bis zur Absurdität und