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Vorwort zur Volksausgabe
fungskrieges‘‘, deren Veröffentlichung der deutsche Zensor völlig ver-
hinderte. Sie erschien dann, abgemildert und durch einige Zensur-
striche gekürzt, im Wiener „Kampf“ (August und September). Ich
wies darauf hin, daß der deutsch-französische Krieg im Verhältnis zur
Ausdehnung des Weltmarktes nur lokaler Natur gewesen sei und nur
kurze Zeit gedauert habe. Er traf nur zwei Nationen und die nur für
ein halbes Jahr. Er hemmte nicht die Entwicklung der Produktiv-
kräfte in der Welt und nicht den internationalen Verkehr, ja nicht
einmal die Entwicklung der Produktivkräfte in Deutschland. Die
Armeen waren viel kleiner als die im Weltkriege, legten nicht auf alle
kräftigen Männer Beschlag und ihr technischer Apparat war weit
geringer, er nahm nicht die ganze Industrie in Anspruch.

Gerade darin sah ich den wichtigsten Unterschied zwischen den
früheren Kriegen und dem Weltkrieg. Gerade darin aber auch das
bedeutendste Moment, das bewirkte, daß die Krise nicht an seinem
Beginn stand, sondern an seinem Ende. Ich schrieb in dem erwähnten
Artikel:

„Wir hatten fälschlich die Krise bei Kriegsausbruch erwartet, weil man
nicht richtig von vornherein einschätzen konnte, wie sehr ein Krieg wie der
jetzige gerade durch seine ungeheure Ausdehnung und Wucht nicht nur die
Kontinuität (die unveränderte Fortführung) der Produktion unterbricht,
sondern auch die ökonomischen Gesetze der Warenproduktion für seine Dauer
außer Kraft setzt. Denn die enormen Ansprüche der Kriegführung beherrschen
nun das ganze ökonomische Leben und sind so groß, daß die Nachfrage
des Staates den entscheidenden Regulator der Produktion bildet. Nie war
das in so hohem Grade der Fall wie in dem jetzigen Kriege, nie dessen krisen.-
bildende Macht mehr eingeschränkt, aber nur für dessen Dauer.““

Um 8o mehr mußte sich die Krise nach seinem Ende zeigen, wegen
derDurchbrechung der Kontinuität der Produktion, die er herbeiführt.

Was das bedeutet, wird der Leser leicht begreifen, nachdem er
den zweiten Band des „Kapital‘‘ durchstudiert hat.

Es wird dort gezeigt, daß eine der wichtigsten Ursachen von
Krisen, von Stockungen des Zirkulationsprozesses des Kapitals, in
gelegentlichen Durchbrechungen der Proportionalität der Produktion
zu finden ist. }

Der Produktionsprozeß kann nicht ungestört vor sich gehen,
wenn nicht alle Zweige der Produktion im richtigen Verhältnis, in der
richtigen Proportion, zueinander stehen, die Produktion der Produk-
tionsmittel und die der Konsumtionsmittel, die von Gebäuden und
Maschinen und die der für sie bestimmten Roh- und Hilfsstoffe usw. ;
die Produktion der nötigen Lebensmittel für die Arbeiter und die
Produktion der nötigen Arbeiter für jeden Produktionszweig usw.

Bei einfachen Verhältnissen ohne weitgehende Arbeitsteilung ist
das wirtschaftliche Getriebe leicht übersichtlich und die Innehaltung
der richtigen Proportionalität der Produktion nicht schwierig. Um so
weniger schwierig, da in jenen einfachen Verhältnissen vielfach ein
Arbeitsbetrieb fast alles für seine Arbeiter Nötige selbst erzeugt und
diese ihre Produktionsmittel selbst besitzen.