Vorwort zur Volksausgabe

XXI
Dagegen wachsen die Schwierigkeiten der Innehaltung der Pro-
portionalität der Produktion innerhalb der kapitalistischen Produk-
tionsweise mit ihrer ungeheuren Arbeitsteilung, in der kaum ein
Produkt alle zu seiner Herstellung nötigen Vorgänge in dem gleichen
Betrieb durchläuft, die Produktion alle lokalen Schranken sprengt,
der Weltmarkt für sie entscheidend wird und nicht die Deckung eines
bestimmten Bedarfs, sondern das Streben nach möglichst hohem
Profit die Triebfeder der Besitzer der Produktionsmittel wird, die frei
über sie verfügen, an keinen gesellschaftlichen Plan gebunden sind.

Nur mühsam läßt sich unter diesen Umständen die unerläßliche
Proportionalität der Produktion aufrechterhalten. Immer wieder
läuft diese. Proportionalität Gefahr, durchbrochen zu werden, was
notwendigerweise zu einer Krise führen muß.

Angesichts des privaten Eigentums an den Produktionsmitteln
und des Profits als Triebfeder kann bei kapitalistischer Produktion
die Proportionalität nicht durch eine von der Gesellschaft oder dem
Staat ausgehende Regelung gesichert werden. Sie wird schließlich
immer wieder erreicht durch das Spiel von Nachfrage und Angebot
bei freier Konkurrenz, wodurch die Preise und Profite in den Produk-
tionszweigen sinken, die mehr produzieren, als der richtigen Propor-
tionalität entspricht, indes in andern Zweigen, die zu wenig produ-
zieren, die Preise und Profite steigen.

Das ist kein idealer Zustand, er bringt viele Opfer und Leiden
mit sich. Aber diese Art, dem Produktionsprozeß immer wieder die
nötige Proportionalität seiner Teile zu verschaffen, ist dort, wo nicht
sozialistische Regelung der Produktion möglich ist, die einzige, das
wirtschaftliche Getriebe in Gang zu halten, ohne dessen Funktio-
nieren. die Gesellschaft zugrunde geht. -

‚Indessen würde. auch der durch das Spiel von Nachfrage
und Angebot erzeugte, immer wieder erneute Wechsel der
Preise schwer die Proportionalität ohne die schwersten Krisen
erhalten, wenn nicht ein zweites Moment dazukäme: die Kon-
tinuität der Produktion. Das heißt, wenn sich nicht der
Produktionsprozeß von Jahr zu Jahr ungefähr in gleichem Maße
wiederholte. Dadurch wird das Verhältnis der einzelnen Produk-
tionszweige zueinander trotz des anarchischen, von keiner gesell-
schaftlichen Macht geregelten. Charakters des Wirtschaftslebens kein
zufälliges, sondern ein herkömmliches und insofern bestimmtes.
Freilich nicht genau bestimmtes. Denn ununterbrochen gehen kleine
Veränderungen vor sich, seien sie natürlicher Art, zum Beispiel gute
üder schlechte Ernten, oder technischer, etwa neue Erfindungen, oder
ökonomischer, zum Beispiel neue Eisenbahnbauten, die neue Märkte
erschließen usw., die immer wieder Verschiebungen im Verhältnis der
einzelnen Produktionszweige zueinander bedingen, wobei der Haupt-
regulator das Schwanken der Preise ist.

Immerhin sind diese Schwankungen von Jahr zu Jahr keine
erheblichen, im großen und ganzen bleibt doch die Kontinuität der