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Vorwort zur Volksausgabe
Produktion gewahrt. Sonst hätten die periodischen Krisen. schon
längst Dimensionen erreicht, die den Produktionsprozeß unter dem
Kapitalismus zeitweise zu völligem Stillstand bringen müßten, ehe
noch das Proletariat die Kraft und die Fähigkeit erlangt hätte, die
Regelung des wirtschaftlichen Getriebes selbst in die Hand zu nehmen.

Von diesen ökonomischen Erwägungen ausgehend, die auf
Gedankengängen des vorliegenden Bandes des „Kapital‘“ beruhen,
kam ich zu meiner Erwartung der wahrscheinlichen Folgen des
Weltkrieges:

„Ein Krieg von der Ausdehnung des jetzigen bringt eine gewaltsame und
hochgradige Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses mit
sich, sowohl durch die weitgehende Umschaltung der Produktionszweige wie
durch die Unterbrechung des Verkehrs‘,

Daraus mußte eine Krisensituation entstehen, die durch die
Kriegswirtschaft nur vorübergehend verhindert werden konnte.
Darüber schrieb ich 1916:

„Für immer kann der Krieg die ökonomischen Gesetze der Waren-
produktion nicht außer Kraft setzen — es sei denn, er brächte ihre Aufhebung
and Ersetzung durch sozialistische Produktion mit sich. Nach dem Kriege
werden sie wieder volle Geltung erlangen, und damit wird der krisenbildende
Charakter der Durchbrechung der Kontinuität des Produktionsprozesses in
Wirkung treten, und zwar mit um so größerer Gewalt, je länger der Krieg und
damit die Durchbrechung der Kontinuität dauert.

Hier wie auch sonst äußert sich die während des Krieges erfolgte Auf-
hebung des Wirkens der ökonomischen Gesetze durch die Bedeutung. des
ökonomischen Eingreifens der Staatsgewalt darin, daß ökonomische .Bela-
3stung und ökonomisches Unheil nicht verhindert, sondern in spätere Zeit
zurückgeschoben und dadurch vergrößert, aber freilich für den Moment
weniger fühlbar werden. Diese gefährliche Methode, die von einigen sonder-
baren Schwärmern gleichzeitig als Kriegssozialismus und als Beweis der
Kraft des Kapitalismus gepriesen wird, hat verteufelt Aehnlichkeit mit jener
Methode, die von dem Gedanken getragen wurde: Nach uns die Sintflut!

Die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, die durch die Ein-
stellung oder Verminderung des Verkehrs sowie durch die Eingriffe des
Staates und seines Kriegsbedarfs hervorgerufen wird, muß mit jedem Jahr,
mit jedem Monat des Krieges stärker anwachsen. An seinem Schluß werden
alle Produktionszweige vor völlig neuen, unberechenbaren Verhältnissen
stehen. Aller Halt ist ihnen genommen, den sie im Herkommen fanden. Das
Verhältnis eines jeden von ihnen zu den andern Produktionszweigen muß
zanz neu geregelt werden, wobei jeder im Dunkeln tappt. Das Eingreifen der
Staatemacht wird sich da nicht umgehen lassen, es wird unerläßlich werden
auch nach dem Kriege. Aber bei alledem werden jetzt entscheidend die Preise
werden, deren Schwankungen auf dem Weltmarkt keine Regierung dirigieren
kann.

„Je größer die Durchbrechung der Kontinuität der Produktion, je länger
sie dauert, um so wilder die Sprünge der Preise nach dem Kriege, um so ver-
heerender die Krisen, um so rascher ihre Aufeinanderfolge.

‚ Nicht alle Staaten werden diese Krisen mit gleicher Intensität zu spüren
bekommen. Sie werden am furchtbarsten dort wüten, wo die Kontinuität der
Produktion am meisten. unterbrochen war. wo der Verkehr mit dem Ausland