Vorwort zur Volksausgabe

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Vorteil der Wertbeständigkeit hatten. Alles Produkt, das auf den
Markt kam, wurde daher sofort gekauft, um bei gestiegenen Preisen
weiter verkauft zu werden. Immer weitere Kreise der Bevölkerung
spekulierten, und zwar alle in gleicher Richtung, auf weiteres Steigen
der Preise, und. jede Spekulation glückte. Die Industrie war gut
beschäftigt, eine Aera dauernder Prosperität schien gekommen,

Aber dieser Zustand schaltete gerade das Moment aus, das in der
anarchischen Warenproduktion die Herstellung der Proportionalität
der Produktion bewirkt: den Wechsel im Steigen und Sinken der
Preise, der durch die Veränderung im Verhältnis von Nachfrage und
Angebot herbeigeführt wird. Die Inflation hemmte die Herbeiführung
der richtigen Proportionalität, ja sie hatte die Tendenz, diese Propor-
tionalität noch weiter zu verringern. Je länger die Inflation dauerte,
je rascher sie wuchs, um 8o schlimmer mußte sich die Unpropor-
tionalität gestalten, um so verheerender die Krise werden, sobald. die
Inflation ein Ende nahm, die allein es erlaubte, daß die Produktion,
wenn auch immer mühseliger, namentlich wegen mangelnder Zufuhr
von Rohstoff aus dem Auslande, noch weiter ging. Jede Inflation,
wenn nicht Vernunft sie schon früher hemmt, muß ein Ende nehmen,
sobald das Papiergeld jegliche Kaufkraft verliert. Mit dem Einstellen
der Inflation ist aber die Krise da, die anscheinend eine Folge der
Stabilisierung, der Festigung der Währung, ist, in Wirklichkeit aber
die unvermeidliche Folge der Inflation bildet.

Dazu gesellte sich nach dem Kriege noch eine hochgradige Ab-
schließung der Staaten voneinander, eine weitgehende Einschnürung
ües Verkehrs zwischen ihnen.

Schon in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege hatten sich
schutzzöllnerische Tendenzen stark bemerkbar gemacht, aber doch
nicht in einem Maße, daß sie den internationalen Verkehr fühlbar
hemmten. Und sie herrschten fast nur in Großstaaten mit einem
ausgedehnten inneren Markt. Die Kleinstaaten betrieben eine frei-
händlerische Politik.

Seit dem Friedensschluß haben sich zu den Schutzzöllen nicht
aur andere sehr störende Hemmungen des internationalen Verkehrs
gesellt. Diese Politik ist auch nicht mehr bloß auf die Großstaaten
beschränkt. Und zu den früheren Kleinstaaten hat der Friedens-
schluß.durch die Zertrümmerung Oesterreichs und die Verkleinerung
Deutschlands und Rußlands eine Reihe neuer hinzugesellt. Ihre
Herstellung bedeutet einen Fortschritt im Sinne der Demokratie,
soweit die Bestimmung ihrer Grenzen damit vereinbar war, was
keineswegs allgemein zutraf. Aber der Friedensvertrag ließ nicht nur
die Selbstbestimmung der Nationen bei der Ziehung der Grenzen der
neuen Staaten oft in hohem Maße außer acht, er traf auch nicht die
mindeste Sorge für die Freiheit des Verkehrs zwischen ihnen.

Indem die Zahl der Staatsgrenzen in Europa ungemein vermehrt
wurde, hat so der Frieden auch die Hindernisse des Verkehrs auf
unserm Erdteil enorm vergrößert: denn die meisten der Kleinstaaten.